Skip to main content

Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

See other formats


JAHRBUCH 



KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 




il 





XLIX. BAND 1899. 



Mit 17 Tafeln und einem Bildni 



ro^ -^'3\ 



.90) 






Wien, IGOO. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 

In Commission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbuchhandlung, 

I., Graben 31. 



Die Autoren allein sind für den Inhalt ihrer Mittbeilnngen .verantwortlich. 



Inhalt. 



Seite 

Personalstand der k. k. geologischen Reichsanstalt (1. April 190O) .... V 

Correspondenten der k. k. geologischen Reichsanstalt VIII 



Heft 1. 



Seite 



Geologische Studien im Gebiete des 01t- und Oltetzthales in Rumänien. 
Von Dr. K. A. Redlich. Mit 2 lithographirten Tafeln (Nr. I und II) 
und 7 Zinkotypien im Text 1 

Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. Von Franz Kretschmer, 
Bergingenieur in Steruherg (^Mähren). Mit 2 Tafeln (Nr. IIE und IV) 
und 3 Zinkotypien im Text 29 

Die Fauna der unterpontischen Bildungen um Londjica in Slavonien. Von 
Prof. Dr. Karl G orj au o vic - K r amberger. Mit einer litho- 
graphirten Tafel (Nr. V) 125 

Beiträge zur Parallelisirung der Miocänbildungen des piemontesischen 
Tertiärs mit denen des Wiener Beckens. IL (Nach Studien, aus- 
geführt im Herbste 1898.) Von Franz Schaff er. Mit 2 Profilen 
im Text 135 

Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. Von Karl Oestreich. Mit einer 

Kartenbeilage (Tafel Nr. VI) und 3 Zinkotypien im Text 165 



Heft 2. 

Seite 
Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. Von 
MUDr. Mauric R e m e s. Mit 2 Tafeln (Nr. VII und VIII) und 

6 Figuren im T(>xt 213 

Die Fauna der oberpontischen Bildungen von Podgradje und Vizaaovec in 
Kroatien. Von Prof. Dr. Karl Gorj ano vid-Kra mberger. Mit 

einer lithographirten Tafel (Nr. IX) 235 

Ueiier Eruptivgesteine aus dem Salzkammergut. Von C. v. John 247 

lieber die geologischen Verhältnisse des Bergbaugebietes von Idria. Von 
Franz Kossmat. Mit 2 Tafeln (Nr. X und XI; und 7 Zinkotypien 

im Text • 259 

Das Salzburger Vorland. Von Eberhard Fugger.'^Mit 2 Tafeln (Nr. XII und 

XIII) und 30 Zinkotypien im Text 287 



Heft :<• ^ 

Geologische Studien in den nordmoldauiscliH»^ ^urpatheii. Von Dr. Sava 

Athanasiu. Mit 15 Zinkotyp-en im ie'xt 429 

Geologische Studien in den tertiären und jünger?v\ Bildungen des Wiener 
Beckens. Von Felix K a r r e r. :\Iit einr^r lithographirten Tafel 
(Nr. XIV) und einer Zinkotypie im Text • 493 

ßumevkungen über die Miocänablagerungen Volhyniens. Von W. Lask. rf w 517 

Die Kreideformation der Umgebung von Pardubitz und Pfelouß in t- 

böbmen. Von J. V. ^elizko 529 



IV 



Der neue Fundort in den Hallstätter Kalken des Berchtesgadener Versuchs- 

stollens. Von Lukas Waagen 545 

Ueber Gesteine von Pozoritta und Holbak. Von C. v. John 559 

Bericlit über die Resultate der stratigraphischen Arbeiten in der west- 
böhmischen Kreideformation. Von 0. Zahälka 569 



Heft 4. 



Seite 



Die geologische Umgebung von Graslitz im böhmischen Erzgebirge. Mit einer 
geologischen Karte iu Farbendruck (Taf. Nr. XV) und 20 Zinkotypien 
im Text. Von Carl Gäbert ,• • • ■ ^^^ 

Versuch einer Gliederung der Diluvialgebilde im nordböhmischen Elbthale. 

Von J E. Hibsch 641 

Die Fauna des Dachschiefers von Mariathal bei Presburg (Ungarn). Von 

Dr. Franz Seh äff er. Mit einer lithographirten Tafel (Nr. XVI) . . 649 

Die Fauna des glaukonitischen Mergels vom Monte Brione bei IMvn am 
Gardasee. Von Franz Schaff er. Mit einer lithographirten Tafel 
(Nr. XVII) 659 

Die Kreide des Görtschitz- und Gurkthaies. Von Dr. Karl A. Redlich iu 

Leoben. Mit 9 Zinkotypien im Text 663 

Franz von Hauer. Sein Lebensgang und seine wissenschaftliche Thätig- 
keit. Ein Beitrag zur Geschichte der österreichischen Geologie. Von 
Dr. E. Tietze. Mit einem Bildnis 679 



Tafel Verzeichnis der Tafeln: seite 

I— II zu: Dr. K. A. Redlich. Geologische Studien im Gebiete des 

01t- und Oltetzthales iu Rumänien 1 

III— IV zu: Franz Kretschmer. Die Eisenerzlagerstätten des mähri- 
schen Devon 29 

V zu : Dr. K. Gorjanovid K ramberge r. Die Fauna der unter- 

pontischen Bildungen um Londjica in Slavonien . . . 125 
VI zu: Karl Oestreich. Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. . 165 
VII— VIII zu: Dr. Mauric Reme*. Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden 

des Stramberger Tithon 213 

IX zu: Dr. K. Gorjanovi(5-Kram berger. Die Fauna der ober- 
pontischen Bildungen von Podgradje und Vizanovec in 

Kroatien 235 

X— XI zu: Franz Kossmat. Ueber die geologischen Verhältnisse des 

Bergbaugebietes von Idria 259 

XII— XIII zu: Eberhard Fug? er. Das Salzburger Vorland 287 

XIV zu: Felix Karre r. Geologische Studien in den tertiären und 

jüngeren Bildungen des Wiener Beckens 498 

XV zu: Carl Gäbert. Die geologische Umgebung von Graslitz im 

böhmischen Erzgebirge 581 

XVI zu: Dr. Franz Schaffer Die Fauna des Dachschiefers von 

Mariathal . . 649 

XVII zu : Dr. Franz S c h a i , y ;. Die Fanna des glaukonitischen Mergels 

vom Mt. Brione 659 

Ein Bildnis zu: Dr. E. Tietze. Franz v. Hauer. Sein Lebensgang und 

^ seine wissenschaftliche Thätigkeit 679 



Personalstand 

der 

k. k. geolcgisGhen Reichsanstalt. 



Director : 

Stäche Guido. Ritter des österr. kaiserl. Ordens der eisernen Krone 
III. Gl, Besitzer des Gomthurkreuzes II. Gl. des königl. säch- 
sischen Albrechtsordens, Gommandeur d. tunes. Niscian-Iftkhar- 
Ordens, Phil. Dr., k. k. Hofrath, Adjunct der kais. Leop. Carol. 
Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle, Ehrenmitglied 
der ung. geolog. Gesellschaft in Budapest, des Museumsvereines 
Francisco-Garolinum in Linz, der Societä adriatica di scienze 
naturali in Triest, der naturforsch. Gesellsch. „Isis" in Dresden 
und des Vereins der P'reunde der Naturgeschichte in Mecklen- 
burg etc., III., Oetzeltgasse Nr. 10. 



Vice-Director : 

Mojsisovics Edler von Moj svär Edmund, Ritter des österr. 
kaiserl. Ordens der eisernen Krone III. Gl., Gommandeur des 
montenegrinischen Danilo-Ordens, Officier des k. italienischen 
St. Mauritius- und Lazarus-Ordens, sowie des Ordens der Krone 
von Italien, Ehrenbürger von Hallstatt, Jur. U. Dr., k. k. Ober- 
bergrath, wirkl. Mitglied der kaiserl. Akad. der Wissenschaften 
in Wien , Foreign Member der geologischen Gesellschaft in 
London, Ehrenmitglied der Socieie des Natural, de St. Peters- 
bourg, der Soc. Beige de Geologie, de Paleontologie et d'Hydro- 
logie in Brüssel, der Soc. geol. de Belgique in Lüttich, des 
Alpine Glub in London und der Soc. degli Alpinisti Tridentini, 
corresp. Mitglied der kaiserl. Akad. der Wissenschaften zu 
St. Petersburg, der R. Academia ^ .darnese del Poggio in Monte 
varcchi, des R. Istituto Lomb. di scienze, lettere ed arti in 
Mailand, der Acad. of Natur. Sciences in Philadelphia, der 
British Association for the Advancement of science in London etc., 
III., Strohgasse Nr. 26. 



VI 

Chefgeologen : 

Tietze Emil, Iiitter des österr. kaiserl. Ordens der eisernen Krone 
in GL. Besitzer des kais. russischen Set. Stanislaus - Ordens 
II. Cl . Ritter des k. portugiesischen Set. Jacobs-Ordens und des 
montenegrinischen Danilo-Ordens, Phil. Dr., k. k. Oberbergrath. 
Mitglied der kais. Leop. Gar. Deutschen Akad. der Naturf. in 
Halle, Yicepräsident der k. k. geogr. Gesellschaft in Wien, 
Ehrenmitglied der königl. serbischen Akad. d. Wissensch. in 
Belgrad und der uralischen Gesellschaft von Freunden der Natur- 
wissenschaften in Jekaterinenburg, corresp. Mitglied der geogr. 
Gesellschaften in Berlin und Leipzig, der schlesischen Gesellschaft 
für vaterländische Cultur in Breslau und der Societe geologique 
de Belgique in Lüttich etc.. III., Hauptstrasse Nr. 90. 

Vacek Michael, III., Erdbergerlände Nr. 4. 

Bittner Alexander, Phil. Dr., III., Thongasse Nr. 11. 

Teller Friedrich, k. k. Bergrath, III., Kollergasse Nr. 6. 

Vorstand des clieini sehen Laboratoriuins : 

John von Johnesberg Conrad, k. k. Piegierungsrath, IL. Patfrath- 
gasse Nr. 6. 

Geologen : 
Geyer Georg, IIP, Kübeckgasse Nr. 9. 
Bukowski Gejza v., IIP, Marxergasse Nr. 27. 

Adjuncten: 

Rosiwal August. Docent au der k. k. technischen Hochschule, 

IL, Untere Augartenstra?se Nr. 37. 
D reger Julius, Phil. Dr., IIP, Uugargasse Nr. 63. 
Eichleiter Friedrich, IIP, Thongasse Nr. 4. 

BibHotliekar : 

Matosch Anton, Phil. Dr.. IIP, Haujitstrasse Nr. 33. 

Assistenten : 

Kern er von Marilaun Fritz, Med. U. Dr., IIP, Ungargasse Nr. 6. 
Suess Franz Eduard, Phil. Dr., PrivatdOcent an der k. k. Univer- 
sität. IT., Afrikanergasse ^ , -9. 
Küssmat Franz, Phil. Dr.. . ^r Mvil ^-manngasse Nr. 4. 

l raktikanten : 

Abel Oth. "iu. Phil. Dr., P, Christinengasse Nr. 4. 
Hinterlo hner Karl, Phil Dr., IIP, Geologengasse Nr. 1. 



Yll 

Für die Kartensammlung: 

Z eicline r: 
Jahn Eduard, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, 

III., Messenhausergasse Nr, 8. 
S k a 1 a Guido, III. , Hauptstrasse Nr. ; 8 1' . ^ ' 
Lauf Oscar, VIL, Kaiserstrasse Nr. 8. 

Für die Eanzlei: 

Girardi Ernst, k. k. Rechnungsrath, III., Marxergasse Nr. 23. 

Hilfsbeamte: 

Wlassics Johannes, k. k. Ingenieur i. R., III., Mohsgasse Nr. 13. 
Zelizko Johann, III., ßlattsasse Nr. 8. 



Diener : 

Erster Amtsdiener: Schreiner Rudolf. 

Besitzer des silbernen Verdienstkreuzes mit 

der Krone 
Laborant: K a 1 u n d e r Franz 
Zweiter A m t s d i e n e r : Palme Franz 
Dritter Amts dien er: Ulbing Johann 
A m t s d i e n e r g e h i 1 f e für das Laboratorium : 

Felix Johann 
A. m t s d i e n e r g e h i 1 f e n für das Museum : 

Spatny Franz 

Kreyca Alois 
Heizer: Rausch Josef 

Portier 
Erjauz Anton, Real-Invaliden-CorporalBH- Hauptstrasse Nr. 1. 



t 



III., Rasumoflsky- 
gasse Nr. 23 u. 25. 



VIII 



Correspondenten 

der 

k. k. geologischen Reichsanstalt 
1899. 

P. Luigi Don Baroldi in Pranzo bei Riva. 

Dr. August Böhm von Böhm ers heim, Privatdcent an der 
k. k. technischen Hochschule in Wien, 

Heinrich Fessl, Bergverwalter in Jauerburg. 

Johann Grimmer, Berghauptmann in Sarajevo. 

Dr. Jarosl. J. Jahn, a. ö. Professor der Minera'ogie und Geologie 
an der böhm. technischen Hochschule in Brunn. 

Ernst Kittl, Gustos der geologisch-palaeontologischen Abtlieilung 
des k. k. naturhistorischen Museums in Wien. 

P. Desiderius Laczkö, Gymnasialprofessor in Veszprim, Ungarn. 

Simon Rieger, Bergingenieur und Betriebsdirector des Quecksilber- 
bergwerkes St. Anna am Loibl in Krain 

Joseph Schmid, k. k. Oberbergrath und Director des k. k. Montan- 
werkes Idria. 

Dr. Franz Wähn er, Docent für Geologie an der Wiener Universität. 



i 



9^gi^fm:^^:iß 






- A --. 




Ausg^ejjt^bwii am -n . Mai i-^'.*'.». 



JAHRBUCH 



KAISERLICH - KÖNIGLICHEN 




JAHRGANG 1899. XLIX. BAND. 

1. Heft. 

Mit Tafel I-VI. 









Wien, 1899. 
Verlag- der k. k. Geologischen Reichsanstalt, 

In Commisaion bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. HoiT3uchhaQdluns'. 

r., l?rab.^i' 31. 



California Academy of Sciences 



Presented byl 



■Q gische 



Reichsanstalt, Wien 



■*-;l| 



Geologische Studien im Gebiete des Olt- 
und Oltetzthales in Rumänien. 

Von Dr. K. A. Redlich. 

Mit 2 litiiographirten Tafeln (Nr. I und IT) und 7 Zinkotypion im Text. 



I. Die Kreide und das Eocän im Oltthal (Rumänien). 

Der von Hermannstadt über den Rothenthurmpass Reisende 
gelangt bald, nachdem er die Grenze passirt hat, zu cretacischen und 
eocänen Sedimentgesteinen, welche ihn, theils auf archäischem, theils 
auf palaeozoischem Gestein lagernd, weit über den Badeort Calimanesti 
hinaus begleiten. Das umstehend beigefügte Kärtchen (Fig. 1) zeigt 
die Verbreitung der hier liegenden Schichtserie. Sclion im Jahre 1895 
hatte ich bei einem zweistündigen Aufenthalte in Brezoiu im Lotru- 
thale Gelegenheit, einzelne Fossilien aufzusammeln, welche in Folge 
ihres indifferenten Aussehens leicht zu dem Irrthum fiihrten, dass 
hier oligocäne Schichten ^) zur Ablagerung gelangt seien. Im darauf- 
folgenden Jahre wurde dieser Fehler so weit behoben, dass auf Grund 
der gesammelten Fossilien leicht das cretacische Alter der weissen 
Kalke von Brezoiu bestimmt werden konnte. Da weiter westlich zwischen 
Perisani und Pripora sich Eocänfossilien fanden, stellte ich die ganzen 
über jene Kalke scheinbar discordanten Complexe zum Eocän, was 
auch in meinem vorläufigen Berichte im Jahre 1896 2) zum Ausdruck 
kommt. Erst das gründliche Studium der letzten Jalire hat es mir 
erlaubt, eine genaue Ausscheidung der Schichten in diesem Gebiete 
auszuführen. 

Der von mir studirte Theil erstreckt sich im Oltthal von Chineni 
an bis Calimanesti, östlich bis zum Topologthal. westlich bis in's 
Stiinthal, einem Seitenthal des Lotru. 

Die archäische Unterlage besteht grösstentheils aus Biotit-Horu- 
blendegneissen mit pegmatitischen und aplitischen Einlagerungen. Ein 
Eingehen in die petrographischen Verhältnisse scheint mir deshalb 
nicht am Platze zusein, da Herr Munteanu Murgoci, Assistent des 
petrographischen Institutes in Bukarest, diesbezüglich arbeitet und 

') Verhandlungen d k. k. geol. Reichsanstalt 1896. pag. 82. 
■') Verhandlungen d. k. k. geol. Reichsanstalt 1896, pag. 492. 

Jaliibiich (1. k. k. geo]. IJcioliaanstalt, 1899, 49. Bd., 1. Mit. (Dr. K. A. HeiUicb.) 1 



Dr. K. A. Redlich. 



[2] 



Fig. 1. 
llpbersichlskarte der Kreide und des Eoclin im Oltthal. 




I _] Archäische, und Palaeozoische Unterwge 

F^ICHTUNG OF-S Pl^OFIU ISl . 



[3J Geol. .Studien im Gebiete des Ult- und Oltetzthales in Rumänien. l] 

in einem vorläutigen Bericht im Verein mit Professor Mrazek die 
wichtigsten Ergebnisse dieser Studien niedergelegt hat^l. 

Viel wichtiger als das Archäische erscheinen mir die von Munteanu 
M u r g c i und M r a z e k zum erstenmal constatirten Schichten von 
Brezoiu, welche zum grössten Theil die Unterlage der von uns studirten 
Sedimentärschollen bilden. Es sind dies Breccien und Conglomerate, 
welche oft sehr leicht mit Gneissen verwechselt werden können, nament- 
lich dort, wo sie nicht grobkörnig erscheinen. „Sie bestehen aus grossen 
Stücken von Glimmerschiefer, Amphiboliten, Graniten, Quarz und Feld- 
spath etc , einem Materiale also, welches aus der sogenannten unteren 
Gruppe der krystallinen Gesteine ^) stammt. Ihre sedimentäre Natur ist 
leicht zu constatiren, wie z. B. südlich und nördlich von Calinesti in dem 
gegen das Dorf zu gelegenen Kamm, auf der Spitze des Mt. Sida etc. 
An anderen Stellen dagegen sind die Schichten namentlich im Liegenden 
so compact, dass sie schwer von der archäischen Unterlage unter- 
schieden werden können. Dies ist z. B. nördlich von Calinesti der 
Fall. Der Gebirgszug von Olanesti, die Berge Naurutui, Mt. Sida, 
Mt. Uli Popovici bestehen aus dieser Breccie." Ich selbst habe beim 
Studium der östlichen Partie des Gebietes diese Breccie zwischen 
Perisani und Pripora gegen den Mt. Säte nachweisen können, ebenso 
gegen den Mt. Cozia zu. Eine genaue Ausscheidung auf der Karte 
bleibt den Specialaufnahmen vorbehalten. Ueber das Alter dieser 
Schichten lässt sich, wie schon Munteanu Murgoci hervorhebt, gar 
nichts Näheres sagen, da sie keine Fossilien führen und in der ganzen 
Umgebung keine ähnlichen Gesteine getrotfen werden. Sicher ist, dass 
sie jünger als das Archäische und älter als jurassische Schichten sind ; 
mir möchte es scheinen, als ob ein Vergleich mit den verrucanoähn- 
lichen Conglomeraten, die man so häufig in den Alpen und Karpathen 
findet, hier am Platze wäre. In dem von uns beigegebenen Profile 
zwischen Calinesti und Cozia bilden diese Breccien und Conglomerate 
eine Antiklinale. Sie lagern discordant auf den ebenfalls antiklinal 
gebogenen Gneissen (vergl. Profil IV auf Seite 18). Die Kreide und das 
Eücän sind die jüngsten Formationsglieder dieser Gegend. Sie bedecken 
ein weites Areal, bilden im Norden die zwei Lappen von Brezoiu und 
Titesti, während sie im Süden eine zusammenhängende Masse dar- 
stellen, welche von dem nördlichen Theil durch die Gebirgsgruppe 
voll Olanesti und dem Mt. Cozia getrennt ist. Das Ganze wurde bis 
jetzt kurzweg mit dem Namen Flysch bezeichnet^). 

Das tiefste Glied dieser Schichtserie ist die obere Kreide, welche 
fossilführend das Bassin von Brezoiu bildet. Dasselbe wird im Westen 
begrenzt durch das Stanthal am rechten und durch das Visilatului- 
thal am linken Ufer des Lotruflusses. Im Norden reicht es bis zu den 

^) Mrazek und Murgoci: Dare de seamä asupra cercetarilor geologice 
diu vara 1897. III Muntii Lotrului. — Raport inaintat D-lui Miuistru al Agri- 
culturei etc. ßucuresci 1898. 

-) Mrazek: Essai d'une classitication des roches cristallines de la zone 
centrale des Carpathes roumaines. Archives des sciences phys. et nat., 4«. ser. 
t. ril. Geneve 1897. 

^) Sabba Stefanescu: Etu>ie sur les terrains tertiaires de Roumanie. Con- 
tributions ä l'Etude stratigraphice. Lille 1^97, pag. 69. 

1* 



4 Dr. K. A. Redlich. [4] 

Abhängen des Mt. lui Po])Ovici, im Süden bis zu den niedrigen -Ge- 
hängen, auf denen Brezoiu steht, lieber den 01t herüber reicht eine 
schmale Zunge, welche vielleicht mit der im Osten sich weiter aus- 
dehnenden Masse des Mt. Ciocotita zusammenhängt. Diese Kreide- 
scholle besteht aus Conglomeraten mit mergeligen Zwischenlagen, 
weissem Kalkstein und grauem bis braunem Sandstein ebenfalls mit 
mergeligen und thonigen Zwischenlagen. Alle diese Schichten zeigen 
in dem ganzen Bassin ein südliches Verflachen (10 — 11^\ < 25 — 30°). 
Am rechten Ufer des Lotru, dort, wo Brezoiu steht, bleibt dieses 
Verflachen erhalten. 

Die Kreideschichten stossen direct an die Breccie von Brezoiu 
an, die hier ein Verflachen von 3'' zeigt. (Die im Profil IV, pag. 18 
weissgelassenen Schichten mit entgegengesetztem Fallen, an welche 
jene Kreideschichten im Lotruthale anschliessen, gehören nicht der 
Kreide an, wie man dies nach der Legende glauben sollte, der Zeichner 
hat vielmehr die Kreuze einzusetzen vergessen, welche als Bezeich- 
nung für die palaeozoische Breccie angenommen wurden. ) Ob wir hier 
eine blosse Discordanz der Kreideconglomerate auf der Breccie von 
Brezoiu, oder, was das wahrscheinlichere ist, eine Verwerfung 
gegenüber der älteren Unterlage vor uns haben, Hess sich nicht 
mit Sicherheit entscheiden. Weiter nach Westen, gegen das Stan- 
thal zu, ist ein Verflachen nach Osten w^ahrzunehmen. Li den 
tieferen Partien sind die Conglomerate gröber und bestehen zum 
grössten Theil aus archäischem Gestein. Nach oben zu nehmen sie 
weisse bis graue Kalkbrocken auf, welche in den unteren Partien 
ganz fehlen. Diese Kalkblöcke erreichen oft eine Höhe von 8 — 10 m 
und bergen eine rein senone Fauna. Sie sind bald rein kalkig, 
dann weiss, bald mehr sandig, dann braun, oft sind auch Brocken 
von Gneiss in ihnen eingeschlossen. Sie enthalten zahlreiche Fora- 
miniferen, namentlich Orbitoiden, Korallen, Echiniden und Muschel- 
reste, an einzelnen Stellen, zum Beispiel beim Zusammenfluss des 
Lotru und 01t. auch Lithothamnien. An anderen Orten kann man direct 
von Korallenkalken sprechen. Trotz ihres Reichthumes an Fossilien 
sind diese nur mit grosser Mühe zu erhalten, da sie sich aus dem 
dichten Kalk nur schwer herauslösen. Die Fossilien, welche ich aus 
den Blöcken am linken Ufer des Lotru, namentlich gegenüber der 
zweiten Brettsäge gesammelt habe, sind folgende : 

LitJiofJiatnnium cf. furon/cuin Eofhplefz 
Orhitoides genmcica Leijm. 

„ secans Leym. 

'J liamnadraea cf. agartcltes Gold/. 
Centrastraea cf. cistella Defr. 
Cladocera cf. temiis Retiss. 
TrochosmiUa didijma GoJdf. 
Orthopsis cf. miliaris Cotteau. 
Cidaris subves ic uUcn's d^Orh. 
Eschara s/>. 

Tcr'chrafiila hiplicdfa Brocc. 
„ (uirHCft Soir. 



[5] (icol. Studien im (iübicti; des Oit- iiiul Oltct/tliaics in Kiimii,ni(;n. ;"> 

'rcrehrdtelld Mvazcki h. sp. 
}\'aJ<lh<'iniia Fascncti-s/s n. sp. 
Terebrattilhta strlaiuUi Maut. 
h'ln/nclioHeUa plicatilis Soir. cor. plsmti (ir'ni. 
FccfcH cf. i^uhgyanulafus Mi\n^t. 

„ I)i(jiir(lini A. Römer. 
Pecten (Amusinm) invermm X/Isohu 
Lima tectd d'Oi'h. 

„ (lioaricata Dujard. 
L'nixi ornafa (UOrh. 
„ (ispent Maut. 
Spondijlus cf. str latus Lam. 
Janira quinqueplicafa Lam. 

„ ({f. striatocostata (joUlf. 
Ostraea uugulata Schlofh. 
Grijphaea resicnlayls Goldf. 
Exocjijra sp. 
IJip)pt()'ifc's cüUiciatus \Foodir. rar. lionianictt in. r. 

„ Lapelrousel Goldf. 

RadioUtes sp. (Steinkern). 
Dmtal'mm, sp. 
Pleurotomaria sp. 
Trochus sp. 
Natica cf. Hörncsi Favre. 

„ ruijosa HotH/riijh. 
Oxijrrhina MantcUi Ä(j. 

Die meisten von diesen Fossilien kommen im Tiiron und Senon 
vor, doch sind einzelne für dcas Senon so charakteristisch, dass wohl 
kein Zweifel über die Zutheilimg der Schichten in diese Altersstufe 
aufkommen kann. Vor Allem ist es die Anwesenheit von Hlppnrlfcs 
Lapclroasel und der Orbitoiden {Orhitoides gensacica. und Orhiioidcs 
secatis), welche diese Kalke als dem oberen Campanien zuge- 
hörend charakterisiren. Infolge der Lagerungsverhältnisse (es folgen 
nach oben, wie gleich gezeigt werden wird, Sandsteine und Mergel 
mit ßacitlifes anceps und Inoccramus Cripsi) und aus der Anwesenheit 
von Hippiirifes collicialus rar. Romanica zu schliessen, ist es wahr- 
scheinlich, dass diese Fossilien auch in die tieferen Theile des Cam- 
panien herabsteigen und hier dem dritten senonen HippuritCiihqrizoiit 
der Gosau entsprechen würden, wie ihn Douville in seinen Etudes 
sur les Itudistes, 1. c. pag. 103 charakterisiert. Diese Ansicht könnte 
ja auch in dem Umstände eine Stütze finden, als eine Variation von 
Lapcirousei (rar. crassa Doiioillc) allenthalben aus dem mittleren Cam- 
panieu der Gosauschichten bekannt ist^) und auch einzelne Bruchstücke 
in unseren Ablagerungen dieser Species angehören dürften. Festgestellt 
erscheint somit, dass diese Kalke dem Senon angehören und zwischen 
dem mittleren und oberen Campanien zu stehen kommen. 

^) Douville: Etüde sur les Rudistes. Mcmoires de l;i soc. geol. de KriUice, 
Paleontolügie, Tom. VII, fasc III, pag. 222 Paris 1897. 



6 Dr. K. A. Redlich ■ [6] 

lieber diesen Kalken folgen scheinbar discordant Sandsteine, 
welche im Turia Stupenita, dem nächsten Bachlauf vom Stanthal, in 
einem Steinbruch aufgeschlossen sind. Grosse Inoceramen bis zu 
30 - 40 an Durchmesser und zahlreiche Landpflanzenreste sind 
namentlich in den mergelig - sandigen Zwischenlagen eingeschlossen. 
Der sehr charakteristische Inorermmi>^ Crlp4 lässt es sofort erkennen, 
dass wir es abermals mit dem oberen Senon zu thun haben. Die 
Sandsteine werden nach oben zu immer dünnbankiger, die grauen 
Mergel und Tegelzwischenlagen dagegen mächtiger. In diesen han- 
genden Sandsteinschichten fand ich gegenüber der Kirche von Brezoiu 
gleich über der Brücke folgende Fauna: 

OrJilfoidcs Fanjasi Bronn. 
„ secans Leijmerie 
Astrocoenia sp. 
Adinacis Hauen' L's. 
Serpnia ßlifovnm Soir. 
Pecten (Amnsiwn) hwersuni Nil sonn 
ApeUana sp. 

Anisocerax cf subcoinpressain Foibes. 
Li/foccra^ sp. aus der Gruppe des T'unokanuin Major. 
Baciditcs anceps Lani. 

Die mergeligen Zwischenlager sind voll von (Jrbitoiden, von 
denen ich Ofhltoides Faujasi Bronn, und (). secans nennen möchte. 
Ein iiummulitenähnlicher Durchschnitt fand sich auch hier. Da jedoch 
keine weiteren Exemplare gefunden wurden, kann ich nur sagen, dass 
jenes Individuum spiralig sich deckende Umgänge mit grossen Kam- 
mern zeigt. Schliesslich finden sich am rechten Ufer des Lotru vor der 
Umbiegung in das Stanthal, Sandsteine, die zahlreiche Brachiopoden- 
reste führen. Da sich aus diesem groben Sandsteine keine Schalen- 
exemplare herauslösen Hessen, so kann man diese Brachiopoden nur 
als RliijncJiondla aus der Gruppe der plicafilis Soir. bestimmen. 

Alle Fossilien, von den Schichten mit Jnoceramus Cripsi au, 
gehören dem oberen Senon an. Wie ist nun die scheinbare Discordanz 
der Kalke mit den fast gleichalterigen Sandsteinen, Mergeln und 
Conglomeraten zu erklären? Die ganze Stellung dieser Kalke innerhalb 
der Conglomerate ist eine höchst eigenthümliche. Anfangs glaubte 
ich auch wirklich an eine thatsächliche Discordanz, solange ich die 
über diesen Kalken, folgenden Sandsteine für Eocän ^) hielt. Wir sehen 
am Eingang des Lotruthales aus dem Oltthal die senonen Kalke mit 
einem Verflachen nach Nordost und einem W'inkel von 60 — 70*^, 
darüber folgen die Conglomerate und Sandsteine mit südlichem Ver- 
flachen, von welchen ich ebenfalls gezeigt habe, dass sie senonen 
Alters sind (siehe die nachstehende Fig. 2). 

Gehen wir am linken Ufer des Lotruflusses aufwärts, so treffen wir 
an zahlreichen Stellen dieselben Kalke mit der gleichen Fossilführung. 



pag. 493. 



Geologische Stddieii in Rumiiiiien, IL Verh. d. k. k. geol. K.-A. 1896, 



[7] 



Geol. Stii(li(!U im Gebiete des 01t- uncrOltetztliales in Rumänien. 



Es sind Blöcke, von denen einzelne eine Höhe von mehreren Metern 
erreichen. T leberall kann man leiclit die Blocknatnr nachweisen. An 
einer einzigen Stelle ist das nicht möglich, d. i. im Oltthal oberhalb 
Golotreiii. Hier fussen die Kalke so tief, dass man ihr Liegendes 
nicht seilen kann. Aber auch sonst überall, wo ich diese Kalke wahr- 
nahm, waren immer nur Blöcke, freilich oft von ausserordentlicher 
Grösse, so am Wege von Pripora nach Poiana, am Wege von Gausani 
nach Griblesti und an vielen anderen Stellen mehr. Diese Blöcke 



Fig. 2. 
Die Kreideschiclileii am Ziisaiiiiiieiifluss des Lotiu und Olt. 




(i = Senone Hippuritenkalke. 

h =-- Conglomerate, Sandsteine und mergehge Zwischenlageii mit Bacitlites 
ftnceps- Lcini. 



sind nichts anderes als ein Zerstörungsproduct einer 
innerhalb des Conglomerates gebildeten Kalkbank 
mit Hippuriten, so dass in den tieferen Partien der Conglomerate 
die Kalke fehlen und erst nach oben zu überhand nehmen. 

Da in der ganzen Masse von Brezoiu das Verflachen ein süd- 
liches bleibt, so geht daraus hervor, dass die Liegendpartien nicht 
jünger als Senon sein können, somit der ganze Complex der oberen 
Kreide angehört. Die beiden Schollen im Stanthal sind gleichfalls der 
oberen Kreide zuzurechnen, wie dies aus dem Fund eines Actäonellen- 
durchnittes daselbst hervorgeht. 



8 Dr. K. A. Redlich. ' [8] 

Wenden wir uns nun weiter ostwärts an das andere Ufer des 
01t in das Tiial von Baiesti, so kommen wir zu einem Gneissrücken, 
der das Bassin von Brezoiu von dem von Titesti trennt. Im Tliale 
von Baiesti tretten wir nach einstündiger Wanderung auf Conglo- 
merate mit einem Verflachen von 3 — 4''. In ihnen kommen noch 
jene senonen Kalkblöcke vor. Dieses Verflachen bleibt auf dem Wege 
nach Perisani und Pripora dasselbe. Wir steigen also in das Hangende, 
das wir oberhalb Perisani. auf der Bezirksstrasse bei der neuen Brücke, 
fossilführend erreichen. Zahlreiche Nummuliten und Alveolinen be- 
decken hier den Boden. Diese gehören folgenden Species nn : 

AloeoHna longa Cz. 
Niimmniifcs contorlu?. Dci^h. 
,. parforittus (VOrJ). 

RawofuU Defr. 
()i])/foi(lii^ sp. 

Das nordöstliche Verflachen bleibt nun dasselbe bis oberhalb 
Titesti. Im Walde nördlich von Titesti konnte ich mehrmals dasselbe 
abnehmen. Bei einer Quelle fand ich abermals einzelne Nummuliten. 
Den Fundort näher zu präcisieren fällt mir sehr schwer, da er mitten 
im Walde in einer Bachrinne liegt, ohne dass in der Nähe irgend 
ein Weg und Steg sich befänden. Der einzige Anhaltspunkt wäre der, 
dass jenes Wässerchen in den Ptiu Barbului fliesst, der seine llichtung 
gegen Titesti nimmt. 

Das Verflachen ändert sich, sobald wir von Titesti nach Norden 
wandern, u. zw. oberhalb Bumbuesti 8'', auf der Strasse von Voisoara 
nach Griblesti 9''. Die zahlreichen Nummuliten, die ich sowohl bei 
Perisani als auch oberhalb Titesti gesammelt habe, beweisen zur 
Genüge, dass wir es hier mit Eocän zu thun haben. Dieses bildet 
die Form einer breiten Synklinale, was auch Sabba S t e f ane sc u in 
seiner Arbeit über die Stratigraphie des Tertiärs hervorhebt^). Wenn 
es nun zweifellos ist, dass wir über Titesti hinaus Eocän vor uns 
haben, so glaube ich trotzdem nicht fehlzugehen, wenn ich die nörd- 
liche Partie des Beckens von Titesti der Kreide zuzähle. Vor Allem 
gehen wir ja thatsächlich in das Liegende, wie das Verflachen von 
8'' und 9'' beweist, was aber noch auffallender ist, das ist wieder 
das Ueberhandnehmen jener grossen senonen Kreideblöcke, sowie 
der gleiche petrographische Charakter der Kreidescholle von Brezoiu. 

Der ganze südliche Theil, der bei dem Orte Baiesti und Pripora 
beginnt, von hier sich immer mehr verbreitert und bis an die Südgrenze 
unseres Kartenblattes zu verfolgen ist, wurde dem Epcän zugezählt, 
obwohl es auch hier möglich ist, dass die Liegendpartien der oberen 
Kreide angehören. Fossilführende Punkte wurden nur auf dem Wege 
von Pripora nach Poiana und in dem Bachbette gegen den Mt. Clo- 
cotita gefunden, üeberall trifft man hier auf Nummuliten, die ganze 
Bänke von Nummulitenkalk bilden; in ihnen finden sich neben dem 
Nnmmidites. contortn^ DesJi., Sp«ni(Ii//n.'< cf. aslafifiis (l'Airli und zahl- 

') Salilia Stc faiiosc ii: Etiulft siir los tcrrains t.ertiaircs de Romiiaiiio, I.e. 
pag. 7ü. 



[^n 



Geol. Stiulien im (lebioto des Olt- und Oltctzthales in Iliiriiänion. 



reiche Pecteiiabdrücke. Da von liier aus das VerHiiciien ein süd-süd- 
östliches verbleibt, gegen Cozia zu sogar ein rein südliches wird 
und da überdies weiter im Osten anschliessend an unser Gebiet 
Sabba Stefanescu') im Topologthal ebenfalls Nummuliten des 
mittleren Eocän gefunden hat, so habe ich die ganze Partie als Eociin 
ausgeschieden. Petrügrai)liisch besteht der ganze Complex zu unterst 
aus grauem Sandstein mit mergeligen Zwischenlagen, wie sie auf der 
Strasse im Oltthal oberhalb Cozia aufgeschlossen sind, im Hangenden 
aus Conglomeraten ebenfalls oft mit sandigen und mergeligen Zwischen- 
lagen. Die Schichtfolge ist also umgekehrt, wie in der oberen Kreide 
von Brezoiu, wo gerade die Liegendschichten aus Conglomeraten, die 
Ilangendschichten dagegen aus Sandstein mit mergeligen Zwischen- 
lagen bestehen. Das Ganze hat den echten Flyschcharakter, überall 
treffen wir Hieroglyphen, sowohl in der Kreide als auch im Eocän. 
P^s ist daher eine Trennung dieser beiden Schichtstufen auf Grund 
petrographischer Merkmale kaum möglich, wenn nicht Fossilfunde die 
Präcisirung des Alters erlauben. 

Eine auffallende Erscheinung jenes Gebietes will ich nicht un- 
erwähnt lassen. Es sind die schwefelwasserstoft'führenden Quellen, die 
allenthalben den Flyschgesteinen entströmen. Neben denen von Cali- 
manesti sind es schwächere Quellen in der Umgebung von Brezoiu, 
welche unsere Aufmerksamkeit erregen. Namentlich ist es eine im 
Thale Doabrei, einem Seitenthale des Lotru an seinem linken Ufer, 
gegenüber der Kirche von Brezoiu, die sich dadurch auszeichnet, dass 
mehrere Meter ober ihr eine zweite Schichtquelle entspringt, die 
süsses Wasser führt. 

Zum Schlüsse möchte ich noch unser Kreide- und Eocän - 
vorkommen mit den bis jetzt studierten nächstgelegenen Partien ver- 
gleichen und da werden wir durch die ausserordentlich werthvolle 
Arbeit von Popo vi ci-Hatzeg^) auf die Umgebung von Campulung 
und Sinaia gewiesen. Conglomerate und Mergel bilden hier die Kreide. 
Die ersteren enthalten eine cenomane Fauna, während die darüber 
liegenden Mergel senonen Alters sind. Das Eocän folgt theilweise 
als Nummulitenkalk mit darüber lagernden Conglomeraten, theilweise 
als Flysch, das sind Conglomerate und Sandsteine mit mergeligen 
Zwischenlagen. 

Aus dem oberen Oltthal auf ungarischer Seite erwähnt H er bi c h 3) 
Conglomerate, aus welchen er an einer Stelle bei Uermös'^) Fossilien 
der ganzen oberen Kreide gesammelt hat. Es scheint daher, als ob 
die petrographische Ausbildung der Kreidesedimente von Cenoman 
aufwärts in den südlichen Karpathen dieselbe geblieben sei. Anders 
steht es mit der palaeontologischen Entwicklung. Während wir an 

') Ibidem pag. 72. 

^) Popovici: Etüde geologique des environs de Campulaug et de Sinaia. 
These presentee a la fac. des sciences de Paris, pag. 121. Paris, Georges Carro 
et C. Naud. Editeurs. 1898. 

^) Herb ich: Das Szeklerland mit Berücksichtigimg der angrenzenden 
Landestheile. Mitth. d. Jahrb. der kön. ung. geol. Ges. 1878, pag. 243. 

*) Herbich: Ueber KreidebihUingen dar siebenbürgischen Ostkar])athon, 
Yorh. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 308. 

.lahrbiich d. k. k. geol. ReicU.Siiiistalt, 18ii9, 49. Bd., 1. lUt. (Ur. K, A. Kedlieli.) 2 



10 Dr. K. A. Redlich. |10] 

vielen Stellen in Siebenbürgen und auch an unserem Fundorte zahl- 
reiche Ilippuriten finden, so dass man direct von Ilippuritenkalken 
sprechen kann, fehlen diese an anderen Punkten vollständig und sind 
durch eine reiche Animonitenfauna ersetzt, wie z. B. an dem von 
Herb ich beschriebenen oben citirten Fundort von Uermös. 

Schliesslich möge nochmals darauf hingewiesen werden, dass bis 
jetzt ähnliche senone Blockkalke in dem südlichen Karpathenzug noch 
nicht gefunden wurden. Auch das Eocän ist überall gleicli entwickelt. 



II. Die Gegend zwischen Cernadia und Polowratsch. 

Zwischen Cernadia und Polowratsch erheben sich weithin sichtbar 
weisse Kalke, welche dieser Gegend das charakteristische Gepräge 
verleihen. Sowohl die Karte des geologischen Bureaus ') als auch jeiie 
von I) r a g h i c e n u ^) verzeichnen an dieser Stelle oberjurassische 
Kalke, ohne dass das Hangende und Liegende einem besonderen 
Studium unterworfen worden wäre. In den von mir in den Verhand- 
lungen der geologischen Ileichsanstalt 1895, pag. 330 und 189(), pag. 82 
gegebenen Reiseberichten, habe ich in Bezug auf die Schichtenfolge 
in dem hier zu besi)rechenden Gebiete Ansichten ausgesprochen, 
M'elche ich heute nach dem Abschlüsse meiner Studien auf Grund 
wiederholter Begehungen, bei denen ich neue bessere Aufschlüsse zu 
finden so glücklich war. nicht mehr aufrecht erhalten kann. 

Die Unterlage besteht grösstentheils aus Gneissen mit granitischen 
Zwischenlagen. Nördlich von Cernadia bis gegen das Thal des Galbin 
sind es Biotitgneisse. Diese sind deutlich geschichtet mit einem süd- 
lichen Yertiächen bei steiler Schichtstellung und biotitreich. Unter 
dem Mikroskope sieht man ein Aggregat von farblosen, wasserhellen 
Quarzkörnern, durch Muscovitschuppen und getrübte Feldspathkrystalle, 
deren p]]emente meist zähnig ineinander greifen, unterbrochen. Die 
Quarzkörner zeigen in der Regel stark undulöse Auslöschung, zuweilen 
erscheinen sie auch zwischen gekreuzten Nicols zwillingsartig gestreift. 
An den Feldspathen beobachtet man nicht allzu selten mikroklinartige 
Zeichnung, was wohl als Wirkung des Gebirgsdruckes aufzufassen ist 3). 
Reichliche Mengen eines dunkelbraunen Biotits zum Theil in Chlorit 
verwandelt, si)ärliche Nadeln von Apatit und Körner von Zirkon ver- 
vollständigen das Bild. 

Die oben erwähnten granitischen Partien in den Gneissen 
gestatten folgende Beobachtung: Sie bilden ein feinkörniges bis "mitt- 
leres Aggregat ohne Andeutung einer Parallelstructur. Der Feldspath 
ist wohl seiner Hauptsache nach Orthoklas, doch kommen einzelne 
Körner von Mikroklin und Plagioklas vor. Von Glimmer finden sich 



') 1888: Harta geologicn generala a Romaniei liicratu de nioml)ri bloranlni 
goologic, snl) directionea Dlui G, Btefanescu. 

-) 1890, Draghicenn, Geologische Uebersichtskarte dos Königreiches 
Kiiniänien, 1:800.000. Jahrb. d. k k. geol. Keichsaiistalt, Band XL. 

") Brauns. Die optischen Anomalien der Krystalle, pag 135. Leipzig 1891. 



ril] tieol. Stiiili(!ii im Gebiete des 01t- und ()lt(!t/,thales in Rumänien. |1 

sowohl Biotit als auch Muscovit, dofh beide in verhältuissniässig 
j^eriugeii Meiipieu^i. 

Nach den Angaben von Munteanu Murgoci aus dem benachbarten 
Paringugebirge '•^), wären diese Gneisse nichts anderes, als palaeo- 
zoisciie (iesteine, die ihr krystallinisches Aussehen einer nietamorphen 
Umwandlung durch die in der Nähe befindlichen Granit- und Granulit- 
massen verdanken, und sich in ununterbrochener Linie von Baia dl 
Arama bis hierher verfolgen lassen. 

Diese Gneisse mit granitischen Partien bleiben als Unterlage 
der sedimentären Massen bis in die Gegend des Galbinthales, wo 
(iranite die Gneisse durchbrechen. Weiter gegen Osten bei Polowratsch 
ist das Archäische durch Gneisse vertreten. Hier kann man wohl mit 
Recht von Muscovitgneissen sprechen, da der Biotit gegenüber dem 
Muscovit weit zurücktritt. Der Feldspath zeigt auch hier eine stellen- 
weise recht deutliche Mikroklinstructur. 

Ueber diesen Schichten folgt ein lichtes, einem Aplite makros- 
koi)isch nicht unähnliches Gestein. Die Betrachtung der Dünnschliffe 
lehrt jedoch, dass es aus Quarzfragmenten, sehr spärlichen Resten 
von polysynthetisch verzwillingten, stark zersetzten Feldspatlien und 
kleinen Muscovitschuppen besteht. Die beiden erstgenannten Ge- 
mengtlieile, insbesonders aber der Quarz, zeigen eine stark undu- 
löse Auslöschung. Das Gestein ist ein Sandstein, welcher wahr- 
scheinlich dem durch Druck wieder verfestigten Granitgrus seinen 
Ursprung verdankt und kann mit dem Brongni art'schen Namen 
Arkose bezeichnet werden. Diese Arkose kennt Mrazek^) bereits 
aus dem Vulkangebirge und hat sie bis in das Thal des Ghilorcelu 
verfolgt. Dies ist jenes Thal, bei welchem im Westen unser Kalk- 
massiv beginnt. Von hier aus ziehen die Arkosen weiter bis gegen 
das Galbinthal, wo sie auskeilen. Mrazek hält sie auf Grund von 
Vergleichen mit Arkosen des Banates für liasisch. Fossilien Hessen 
sich darinnen nicht finden. 

Eine auffallende Erscheinung zeigt diese Arkose im Thale beim 
zweiten Kalkofen am Wege von Novaci nach Cernadia (im Folgenden 
werde ich das Querthal, das bei diesem Kalkofen endigt, kurzweg 
das der Pleasa nennenl Dringt man in jenes Thal vor, so trifft man 
auf graue Gesteine, welche mir im Felde als metamorphe Linsen 
innerhalb dieser Arkose erschienen, so dass ich ihre Lagerung nicht 
weiter verfolgte. 

Unter dem Mikroskope stellt sich nun heraus, dass wir es mit 
einem Fibrolithgneiss zu thun haben. Das feinkörnige, ziemlich biotit- 
arme Gestein zeigt im DünnGchlitf unter dem Miskroskope folgendes 
Bild. (Siehe die Fig. 3.) Das aus reichlichen Mengen von Quarz und 



') Die Stücke, welche dieser Beschreibung zu Grunde liegen, sind im Thale 
des Ghilorcelu und in dem der Pleasa gesammelt. Herr M. Murgoci, der sie in 
meinen Aufsammlungen sah, erkannte dieselben sofort als Gesteine, die jenen 
Metamorphosen des Paringgebirges gleichen. 

'-) M. Murgoci: Dare de reama cercetarilor geologica diu Vara 1897 
II Manioul Paringu. Bucaresci 1898. 

"j L. Mrazek: Dare de seama asiipra cercetarilor geologice diu Vara 
1897. 1. Partea de E. A. Miintilor Vulcan, pag. 15. Raport inaintat D-lni Minisfru 
Agiiculturei. Bucnresci 1898. 



12 



Dr. K. A. Redlicli. 



[12] 



spärlichem Feldspath bestehende Aggregat bildet etwa ^/g der ganzen 
Gesteinsmasse. In diesem Aggregat gleichsam eingebettet finden sich 
Biotitlamellen und spärliche Muscovitschiippen. Einzelne isotrope 
Körner mit auffallend starkem Relief sind Granat. Ab und zu er- 
scheinen in dem Gesteine grössere Partien von Quarz, welche ganz 
durchspickt sind von äusserst dünnen (0001 — 0003 mm), langen 
Nadeln, genau so wie in dem von 13 ecke untersuchten Fibrolith- 
gneiss ^) von Fuglau im niederösterreichischen Waldviertel, den ich 

Fig". 3. 




Fibrolitligiieiss aus dem Thale der Pleasa bei Ceniadia in Uuuiänien. 

Die Sillimanitnadeln sind durchscbnittlich dünner als in dem Gneisse von Fuglau. 
Die dunkleren Stellen enthalten Biotitlamelleu und trübe Zerset^ungsproducte des 

Feldspaths. 



des Vergleiches wegen in Fig. 4 abgebildet habe. Die geringen Dimen- 
sionen der Nadeln verhindern die optische Prüfung, doch ist die Aehn- 
lichkeit der Gesteine überhaupt eine so grosse, dass an der Kichtig- 
keit der obigen Bestimmung nicht gezweifelt werden kann. Diese 
Laboratoriumsbeobachtung würde eher dafür sprechen, dass die Arkose 
auf dem Fibrolithgneiss ruht, dass wir es daher vielleicht nur mit 
einem aus nächster Nähe herbeigerollten Block von jenem Gneiss zu 
thun haben. Da es nun natürlich nicht mehr möglich ist, jene Stellen 



^)Becke. Die (Tneisforniation des niederösterreichischen Waldviertels. 
Tschermak's mineral.-petr. Mittheilungen, IV. Bd., pag 213. — I^ie Dicke der 
Sillimanitnadeln beträgt nach meinen Messungen (0001 — Ol mm). 



[13] 



Gt!oI. Studien im (icbictte des Olt- unil Oltct/tlialcb in lliiniiuiicii 



i:5 



zu besuclieu, so imiss ich die Stelhnig dieser FibroJitli^neisse imier- 
lialb des Schichtsystenis offen lassen. 

Ueber diesen Sandsteinen folgen die weissen oberjurassischen 
Kalke. An ihrer Basis sind dieselben oft geschiefert mit thonigein 
Zwischenmittel, wie z. B. beim Kloster Polowratsch. Sie haben bald 
graue, bald weisse Farbe. P^>inzelne unbestimmbare Nerineen und 
Korallen sind die ganze palaeontologische Ausbeute. Diese wurden in 
losen Blöcken im Galbinthal gefunden. Diese Kalke bilden bei Cernadia 



Fig. 4. 




Fibrolitligiieiss von Fug-lau, Nied.-Oest., Waldviertel. 

ISillimaiiitnadeln zu Bündeln vereinigt, mit (^iiarz verwachsen. Lappen von Biotit 
und grosse Körner von Granat. 



zwei Antiklinalen, zwischen welche der Flysch synklinal eingefaltet ist 
(s. Profil 1 auf Seite 18). Die südlichere verliert sich gegen Osten 
unter den Flysch, während die nördliche sich nach Osten fortsetzt, 
im Thale der Pleasa von einer Antiklinale des Arkosensandsteines 
unterbrochen wird, an welcher Stelle eine Schlucht am linken Ufer 
des Baches sichtbar ist (s. Protil II auf Seite 181 Soweit sich hier in 
dem fast ungeschichteten, von Clivage durchsetzten Kalkstein ein Ver- 
flachen abnehmen lilsst, scheinen sich diese Kalke noch einmal nach 
Norden svnklinal einzubiegen. Wie schon Mrazek ^) hervorhebt, w'eisen 



^) Mrazek: Dare de seama asiipra cercetarilor geol diu vara 1S!)7. I. Partea 
de E A. Munlilor Vulcan, 1. c. pag. '20. 



14 Dr. K. A. Redlicli, [14] 

alle diese Kalksteine (l;is Karstphäiiomen auf. „Ueberall, wo wir ent- 
waldete Thäler finden, bedecken grosse Trümmermassen den Boden. 
Unzählig sind die Grotten, die tief eingerissenen Thäler, die Spalten, 
Löcher und die unterirdischen Quellen." So finden wir Thäler, wie die 
des Oltetz und der Cernea, die tief eingerissene Canons darstellen, 
solange sie in den Kalken ihr Bett eingegraben haben'). Zahlreiche 
Grotten, wie die von I^olowratsch, von denen die grösste an der Ost- 
seite des Oltetzthales liegt, während drei kleinere am entgegengesetzten 
Ufer in schwindelnder Höhe sich befinden, säumen das Thal ein. Im 
letzteren findet sich Salpeter, den Einwohnern schon lange bekannt 
und zur eigenen Pulvererzeuguiig verwendet. Bei Baia di fer, an 
der Einmündung des Galbin, finden wir eine Höhle mit Guano, aus 
der Munteanu Murgoci den Zahn eines f7/s?(s spelwus erwähnt ^j. 
Auch bei Cernadia ist eine Höhle, von der der letztgenannte Ver- 
fasser glaubt, dass sie mit der von Baia di fer zusammenhänge. Oft 
kommen auch aus dem Kalkstein unvermittelt Quellen hervor, wie 
z. B. bei Cernadia. Diese Kalke sind Reste einer zusammenhängenden 
Kalkmasse, die den ganzen Südrand der Karpathen eingesäumt haben. 
Sie finden sich bald in grösserer, bald in kleinerer Ausdehnung so- 
wohl östlich und westlich, als auch nördlich von unserem hier zu be- 
schreibenden Gebiete. Ueberall sind sie leicht an ihrer grauen Farbe 
zu erkennen. Was ihr Alter anbelangt, so können wir sie mittelst 
Analogie dem oberen Jura zuweisen. Ob die Kalkschiefer an ihrer 
Basis ebenfalls dem oberen Jura zuzuzählen sind oder dem Dogger 
angehören, lässt sich in dieser fossilarmen Gegend nicht bestimmen. 
Als jüngeres Glied folgt über diesen Kalken der Flysch. Der Flysch ist 
in Form von Sandstein, rothen und grünen Schiefern und gebankten 
Kalken mit thonigem und sandigem Zwischenmittel ausgebildet. Eine 
Störung trennt ihn im Süden von den Kalken, er scheint am ganzen 
Südrande auf dem jurassischen Kalke hinabgesunken zu sein, was 
namentlich beim Kloster Polowratsch deutlich sichtbar wird. Dass das 
weiche Material der gebirgsbildenden Kraft wenig Widerstand ent- 
gegengesetzt hat. zeigt sich deutlich in der Synklinalen Einfaltung des 
Flysch nördlich von Cernadia. Das genaue Alter dieser Flyschpartie 
zu bestimmen, ist wiederum in Folge der Fossilarmuth dieser Schichten 
unmöglich. Der einzige Anhaltsi)unkt wäre ein Vergleich ähnlicher 
Schichten in den Alpen, wo die rothen und grünen Schiefer innerhalb 
des Flysches als der unteren Kreide angehörig betrachtet werden. 

Jüngeres Tertiär reicht discordant über den Flysch hinauf bis 
an die Jnrakalke. Von Cernadia lässt es sich am Südrand bis gegen 
Polowratsch verfolgen. Es besteht aus Leithakalken und darunter aus 
lichtgrünem Tegel. In dieser Ausbildung legt sich eine Partie des 
Tertiär mit siidlichem Verflachen direct an die Jurakalke. Von dieser 
durch den^^ysch getrennt, kann man eine zweite südliche Ablage- 
rung ebenfa/ftl mit südlichem Einfallen betrachten, auf welcher Cer- 
nadia steht. In den an den Jurakalken gelegenen höheren Partien 

') Mrazek: Queltiiies romarqiies sur le cours des riviöres en Vallachie. 
Anmiairo du Miiseo geol. de Bncarost 1896, pag. 19. 

-j Munteanu Murgoci: Calcare si fenomene de Erosione in Carpatii nieri- 
dionali. Buletinul societatii de sciinte. An. VII, Nr. 1. I<s98, pag. 14. 



\h\ 



(ieol. Studien im Gebiete des 01t- und Oltetztliales in Riimänio 



IT) 



mm 


g:^ ■■ -M^ -: 






1 


||.^Ä 


1^ 


1^ 


■ ^ 


^i ' .^^^m^^^B 


^7.:^ 


■'M^ 


^ 


'''^^^I^HE^HI 


1 


AM';! 


: 1 




^v'- 


•■■ E^ 


1 1 


^^^^^^^^^^^^OBt-'ass^^tBsm 


i^lOi 


^R^ 


1 






^^^v! 


py 


mm 1 


fü«^ 


-'^y-' 

-"^^M 




^^^^-*^ 


ir* 


■t'M 




^^'Ti?** ^^^ ^ 


1 


*-'■'' ■ ^1'*- 




< "ifli 




>«■ 


i 


1- '^Sr'I^^^^P 


•i»^ 


^, 


^ 




»t-^ 


R^^A ■ ' 


■ 


■ÄäJ, IF^ 




r ^- ' 






:J 


.,'■'-' i 


1 


' '^Ik^'^jH 


iP 


w 



I 1 = 



S .2 






16 Dr. K. A. Rodlicli. |16] 

liatte ich Gelegenheit, zalilreiche Fossilien zu sammeln, namentlich 
in einer am linken Ufer des Pleasathales gelegenen Wasserrinne. Die 
Leithakalke sind gelbweiss bis grau, enthalten dort, wo sie an die 
Jurakalke stossen. zahlreiche Brocken derselben und sind an einzelnen 
Stellen, so namentlich gegen den Ghilorcelu Rinku reich an Llflm- 
fluinniiiim raiHosifti^imum-KnoWen. Neben diesen konnte ich in ihnen 
noch folgende Fossilien sammeln : 

Ci/pyaea s^p. 

CeritJiium cf. ruhifjinoAuni Eichir. 

Bulla sp. 

Troclnisi sp. 

Mnnodonta cmguhifa Eielnr. 

Fectiincidus pilosus Lhin. 

Area Noae Linn. 

Cardium äff. hispiduiif Kichir. 

Chama sp. 

Lima cf. sqnmosa Polli. 

Ausserdem enthält das Gestein noch zahlreiche Foraminiferen, 
welche Durchschnitte von Quinqueloculinen und Triloculinon darstellen, 
die jedoch in diesem Zustand nicht bestimmbar sind. 

Vor Allem herrscht jedoch Alveolina melo d'Orh. vor, welche an 
manchen Stellen geradezu gesteinsbildend auftritt. 

Es ist also kein Zweifel, dass wir marine Kalke der Uferzone 
vor uns haben, welche mit den Leithakalken des Wiener Beckens 
vollständig übereinstimmen. Die darunter liegenden Tegel, weiche 
oft von harten Conglomeratbänken unterbrochen werden, enthalten 
neben zahlreichen Polystomellen , Sphäroidinen \\m\ Truncatulincn 
folgende Fossilien: 

Ringkula huccinea JJesh. 
Mitra recticostata Bell. 
„ stnafula Brocc, 
Plcurotoma n. xp. (verwandt mit 7V. sfriafida i. 
Turrifella hicarinata, Kiclnr. 

„ turris Bast. 

„ c.f. terehrcdis Law. 
Trocluis sp. 

Odontostoma cf. plicata Moni. 
Nnfica liclicina Brocc. 
Iiissoa Ldchcsifi Bdsf. 
Denfafiinn incurcum llcn. 
Corlmla gihha Olivi. 
Nuctda nucUus Linnce. 

,, Mai/cri Ilöni. 
Venus sp. 

Pecteti cf. RcKssi Hörn. 
Osfntea cochh'C(r Polli. 
Echinidcnstachel. 
LaiHHU elcguHx Ag. 



[17] Geo\. Studien im Gebiete des Olt- und Oltetzthales in Riimiinien 17 

Diese Tegel sind daher luicli ihrer Fauna eine Facies des oberen 
Theiles der zweiten Mediterranstufe und könnten am besten mit den 
Ablagerungen von Gainfahrn und Steinabrunn verglichen werden. 
Wie schon erwähnt, zieht sich das Miocän gegen Osten weiter und 
wird in einer Entfernung von zwei Stunden im Oltetzthal in Form 
von groben Conglomeraten und schwarzen Kalken wieder aufgedeckt 
angetroffen. Es legt sich hier an den Flysch und ist nur in dem tief 
eingerissenen Thal sichtbar, da jüngere 8chottermassen das Ganze 
überdecken. 

Die scliwarzen Kalke enthalten zahlreiche Litothamnien und 
Foraminiferen, von denen auch hier Äloeol/na m4o (VOrh. vorherrscht. 
Ueberdies konnte ich aus ihnen noch folgende Fossilien heraus- 
präpariren und bestimmen : 

Conus ventricosm Bronn. 

Cijpraea sp. 

Cerithium scahrum Olivi. 

Rissoina piisüla ßrocc. 

Risf'oa sp. 

Lithodotnus avitensis Mai/er. 

Hinnites s^). 

Modiola sp. 

Gastrochaena dubia Renn. 

Serjmla sp. 

Vermetus infortus Lam. 

Cidaris cf. Schwahenaiü Lcmbe. 

Heliastraea Reusseana M. Edu\ et H. 

Gegen Süden schliesst sich an das Miocän concordant das Sar- 
matische an. Im Oltetzthal beginnt es mit einem kleinen Faltenzug 
(Profil ni) und zeigt dann ein Verflachen gegen Süden. Es bestellt 
theils aus Conglomeraten, theils aus zwischenlagernden Sandbcänken. 
Die Bindemittel der ersteren enthalten eine ausserordentliche Menge 
von Fossilien und sind an manchen Stellen direet durch Muschel- 
breccien ersetzt, wie wir sie ähnlich bei Nexing in Niederösterreich 
antreffen. Trotz der ausserordentlich grossen Individuenzahl konnte 
ich nur wenige Species auffinden. Es sind dies: 

Madra podolka Eicliu\ 
Ervilia podolka Eichtv. 
Cerithium disjunctum Soir. 

Die Gasteropoden treten gegenüber denLamellibranchiaten ausser- 
ordentlich zurück. Das jüngere Tertiär hat in Rumänien eine weite 
Verbreitung!) und keilt schliesslich gegen Osten 2) im Baragan aus. 

^) Ueber die Ausdehnung der Tertiärschichten in Rumänien gibt uns die 
Arbeit von Sabba Stefanescu: „Etüde sur les terrains tertiaires de Koumanic. 
Lille, Imperimerie ßigot Freres, 1897" Aufschluss. 

-) C. A 1 i m an e s t i anu: Communicare asupra sondagului din Baragan. 
Estras din buletinul sog. politecnice Nr. 3, 1895, Anul XI. 

.labrbneh d. k. k. geol. Reiclisanslalt, 1899, 49 Bd., 1. Hft. (Dr. K. A. RedHcli.) 3 



18 



Dr. K. A. Redlich. 



[18] 




riD] Geol. Stiulieu im Gebiete des 01t- niul Oltetzthalcs in Rumiiiiieii. 19 

Die von mir auf vorstehender Seite gegebenen Trofile I, II, III 
beziehen sich auf diese Studie. Profil I beginnt bei den ersten Kalk- 
öfen am Wege von Novaci nach Canadia und zieht sicli nach Nord- 
nordost, so dass das Thal von Ghilorcelu östlich liegen bleibt. Die 
ältesten Gesteine sind Gneisse mit granitischen Einlagerungen, darüber 
folgt die Arkose. Die jurassischen Kalke sind in zwei Antiklinalen 
getheilt, zwischen welche der Flysch synklinal eingefaltet ist. Das 
Miocän liegt in zwei getrennten Partien auf dem Ganzen, am Abhang 
des Ghilorcolu Rinku in Form von Leithakalk mit Llthothamnium 
mmosiss^imum und grünem Tegel, welch' letzterer am Fusse der Berge 
gegen das Dorf Cernadia sich fortsetzt. Beide Theile haben südliches 
Verflachen. 

Im Osten schliesst sich Profil II an, welches die Verbesserung 
jenes im Jahre 1895 in den Verhandlungen der k. k. geologischen 
Reichsanstalt, pag. 331, gegebenen Profils enthält. Wir sehen die 
südliche Antiklinale der oberjurassischen Kalke bereits nicht mehr, 
da dieselbe unter dem Flysch getaucht ist; die nördliche Antiklinale 
wird durch eine Schlucht unterbrochen, in welcher der Arkosen- 
sandstein zum Vorschein kommt. Das obere Kalkmassiv scheint syn- 
klinal eingebogen zu sein, obwohl dies nur eine Vermuthung ist, da 
sich ein Verficächen nirgends abnehmen Hess. Der Arkosensandstein 
liegt auch hier auf Biotitgneissen. 

Schliesslich wäre das östlichste Profil zu betrachten. Die juras- 
sischen Kalke ruhen auf Muscovitgneiss (Profil III), daran legt sich 
der Flysch, welcher durch eine Störung von den Kalken getrennt 
ist; im Thale des Oltetz trifft man die Leithakalke, auf diesen con- 
cordant das Sarmatische. Schotter bedecken theilweise den Flysch 
und das jüngere Tertiär. Auf ihnen steht das Kloster Polowratsch. 



Palaeontologische Beschreibung der Kreidefossilien des 
Oltetzthales. 

Lif/iofhaninium cf. tiironicum Rothpletz. 

(Siehe umstehend Fig. G.) 

1891. Iiothi)letz: Fossile Kalkalgen aus den Familien der Codia- 
ceen und der Corallineen. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1891, 
pag. 313, Taf. XVI, Fig. 9, 13. 

Längliche, strauchartig sich verzweigende Kalkröhrchen durch- 
setzen das Gestein. Sie haben einen Durchmesser von 1—1 V2 '"^^'• 
Der ganze Strauch hat eine beiläufige Höhe von 3— 4c;w. Die Zellen 
sind () — 10 [j. breit und 10 — 12 [j. im Hypotliallium bis 31 a lang. 
Gestalt und Zellengrösse stimmen recht gut mit lAfhothumninm tiiro- 
nicum überein, nur der Durchmesser der Kalkröhrchen ist geringer. 
Da von der Fructifikation nichts zu sehen ist, so ist eine vollständig 

3* 



20 



Dr. K. A. Redlich. 



[20] 



sichere Ideiitificirun*^' mit L. turorücum nicht möglich. Herr Professor 
Rothpletz in München war so liebenswürdig, die Stücke mit seinen 
Originalen zu vergleichen, und meint, dass die geringe Dicke aus 
der Sterilität der Aststücke zu erklären sei, da die fertilen Stöcke 
stets ein kräftigeres Rindenmaterial zeigen. Eine habituelle Aehnlich- 
keit mit der recenten Species L. bi/ssoldes Lam. haben mich bewogen, 

Fig. 6. 
Lithotliaiiinium cf. turoiiicum Rothplctz. 




'>) Längsbrucli, den Verlauf der Aeste zeigend (nat. Gr.). — h) Qiierbruch (nat. Gr.). 
— c) Längsschnitt bei circa 200facher Vergrösseriing. 



Messungen der Zellgrösse vorzunehmen. Die bedeutende Breite der- 
selben (17 — 19 [j.) schliessen jedoch jede Identificirung aus. 

Herr Professor Roth p letz theilt mir auch mit, dass das von 
ihm beschriebene LlfJiothamniiim turonicum. aus Reausset nicht aus 
dem Turon stamme, wieCoquand fälschlich jenen Fundort bezeich- 
nete, dass vielmehr jene Schichten dem Senon angehören, wovon sich 
genannter Herr durch Autopsie überzeugen konnte.. 



J211 (üol. Stiulieii im Gebiete des 01t- und Oltetzthales in Htiniäiiieii. 21 

Orbitou/e.'^ secans Leymeric. 

(Taf. 1, Fig. 7«— (/.) 
1851. Leyineiie: Memoire sur iin iiouveau type Pyreiieen. Meinoires 

de la soc. gool. de France, II serie. vol. IV, pag. 101, Taf. IX, 

Fig. 4« und b. 
Die obere Schale ist convex gebogen und besitzt oft einen 
deutlichen Knopf, die untere ist flacher. Vom Mittelpunkt gehen 
Tuberkeln aus, welche ihrer Anordnung nach oft unterbrochen sind, 
sich kreuzenden Streifen entsprechen und gegen die Umrandung hin 
ausstrahlen. Sie sind bereits mit freiem Auge ersichtlich und geben 
dem Ganzen ein chagrenirtes Aussehen. Die Grösse der Thiere 
schwankt zwischen 6 und 8 mm, die Dicke zwischen l^/g und 3 mm. 
Ein grosser Tlieil hat die Form, wie sie L e y m e r i e für diese 
Species abbildet (Fig. 7 d). Andere Exemplare erreichen wiederum 
eine beträchtliche Dicke (Fig. 7 a, h, c), die obere Schale schwillt 
an und erhebt sich dann knopfförmig. Diese Formen nähern sich 
sehr den von Noetling beschriebenen und abgebildeten Orhifoldes 
.s'oc7V<//s Leißn. ') aus Baluchistan, sowohl in der Form als auch in 
der stärkeren Ornamentirung. Ein Trennen der Exemplare ist jedoch 
bei den vielen Uebergängen ganz unmöglich. Orbifoides secans fand 
sich sowohl in den Kalken als auch in dem darüberlagernden 
Bakulitensandstein. 

Orbitoides gensacica Leymerie. 

(Taf. ir, Fig. 6« und b.) 
1851. Leymerie: Memoire sur un nouveau type Pyreneen. Mem. 

de la soc. geol. de France, ser. II, tom. IV, pag. IDO, pl. IX, 

Fig. 2 und 3. 
Kreisrunde Scheiben bis zu einem Durchmesser von 30 jttin, 
meistens jedoch 18 — 20 uim nicht überschreitend, bei einer Dicke 
von 2 — 3 mm. Die obere Schale ist leicht gewölbt, mit einer schwachen 
Anschwellung in der Mitte, die untere Schale ist entweder ganz 
flach oder schwach convex gebogen. Die Oberfläche ist mit feinen 
Tuberkeln besetzt, welche gegen die Mitte zu derartig gedrängt 
sind, dass es den Anschein erhält, als würden sie von Iladialstrahlen 
abgelöst werden. Man gewinnt jedoch bei einem Vergleich der 
Exemplare die Ueberzeugung, dass diese radialartige Anordnung der 
Tuberkeln nur auf individuellen Eigenthümlichkeiten beruht. 

Orbitoides Faiijasi d'Orb. 

(Taf. I, Fig. 8 a-d) 

18(32. Reuss: Palaeontologische Beiträge. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. 

Wissensch. in Wien, 1862, pag. 309, Taf. IV, Fig. 9 ; Taf. V. Fig. 1-5. 

Diese in unseren Bakulitenschichten sehr häufige Form hat 

einen Durchmesser von 3^ — 4 mm, ist dünn, scheibenförmig, unten 



■ ') Noetling. Fauna of IJaluchistan. Mem of tlie geol. öurvey of India, 
1897, vol. J, Part 3, pag. 8, Tab. I, Fig. 1-4. 



22 r>i-. K A. Redlich. [22] 

etwas weniger gewölbt als oben, mit zugeschärftem liande. Die Ober- 
rtäclie ist mit Tuberkeln besetzt, welche oft ineinander Üiessen 
und der Schale ein runzeliges Aussehen geben. Die von mir gesam- 
melten Plxemplare stimmen vollständig mit denen von Mae stricht 
überein. wo sie zu den gemeinsten Foramiuiferen gehören. 

AiUhozoa. 

So zahlreich sich auch die Korallen in unseren Ablagerungen 
linden, so eignen sich doch die wenigsten zur specifischen Bestim- 
mung, was mir auch von Professor Felix in Leipzig, dem ich die 
Stücke gesandt hatte, durch seine Bestimmungen bestätigt wurde. 

Terebratula carnea Sow. 

(Taf. I, Fig 5 u lind h.) 

1<S47. d'Orbigny: Terrains cretaces- Brachiopodes — Paleontologie 
lran(;aise. Tome IV, pag. 103, pl. 513, Fig 5 — 8. 

Diese so häufige Senonform wurde nur abgebildet, um die volle 
Uebereinstimmung mit den bis jetzt an anderen Orten gefundenen 
Exemplaren zu zeigen. Der Beschreibung ist nichts hinzuzufügen. 

TerehrateUa Mrazeki n. apJ) 

(Taf. I. Fig. 1 

Länge 29 mm 

Breite 26 „ 

Dicke 17-6 „ 

Länge der kleinen Klappe . 22 ,. 

Die Gestalt der Schale ist oval, quer verlängert. Aus den oben 
angeführten Zahlenwerthen ist ersichtlich, dass die Dicke ausser- 
ordentlich schwankt, während die übrigen Grössenverhältnisse sich 
ziemlich gleich bleiben. Die Schalenoberiiäche ist mit zahlreichen 
hohen aber abgestumpften Flippen verziert. Von den Wirbeln in 
geringer Zahl ausgehend (grosse Klappe 8. kleine Klappe 7), ver- 
mehren sie sich rasch durcli Theilung, so dass man am Stirnrand 20 
und mehr zählen kann. Concentrische Anwachsstreifen verleihen der 
Oberfläche, wenn die Schale noch erhalten ist, ein welliges Aus- 
sehen. Die grosse Klappe ist stark gewölbt und biegt in ihrem unteren 
Drittel gegen den Stirnrand zu unter einem stumpfen Winkel ab. 
Sie ist in der Mitte eingesenkt und zeigt eine tiefe Bucht an der 
Stirne, ferner besitzt sie einen gekrümmten, sich allmälig zuspitzenden 
Schnabel, der leider bei allen mir vorliegenden Exemplaren an seiner 
Spitze abgebrochen ist. Die Area ist breit und wird zum grössten 
Theile von einem zweitheiligen Deltidium eingenommen. Der Schloss- 
rand ist schwach gebogen. 

') Ich benenne diese Species nach Dr Mrazek-, Professor der Mineralogie 
an der Universität in Bukarest. 



27-6 Hirn 


30 "5 )niH 


— nun 


23-6 „ 


25 


24 „ 


1^^ „ 


22 „ 


17-4 „ 


n) „ 


20-4 „ 


19 „ 



[2/)] Geol. Studien im (Johicto dos Olt- und Oltot/.tl.alos in Runiiinion. 2;\ 

Die kleine Klappe hat einen durch tiefe Furchen abgegrenzten 
Mittelwulst. Dieser ist gebildet von einer vom Schlossrand aus- 
gehenden Rippe, welche sich bald spaltet und durch Kinschübe gegen 
den Stirnrand vermehrt. Die Abbildung zeigt die strahlenförmige Ab- 
scheidung von einer Grundrippe zu wenig. Die Oberfläche beider 
Klappen ist mit einer feinen und dichten Punktirung bedeckt, welche 
jedoch erst unter der Loui)e sichtbar wird. 

Die inneren Merkmale blieben vollständig unbekannt. Durch 
die hohe, dreieckige Area nähert sich unsere Species der Gattung 
Li/ra und Trif/onosemus. Von ersterer entfernt sie sich durch den 
gekrümmten Schnabel. Von letzterer ist dagegen die Abtrennung 
in Folge Fehlens des Foramens und des inneren Gerüstes äusserst 
schwierig. Ich stelle unsere Form zur Gattung Terehratella, da mir 
nach dem Schnabelbau das Foramen gross gewesen zu sein scheint. 

Am besten lässt sich Terebrafella Metiardi d'Orh. mit ihr ver- 
gleichen, von der sie jedoch leicht durch die spitzige Gestalt, durch 
die höhere Area und durch die Dicke unterschieden wird. 



Waldheimia Pascuensis n. sp. 

(Taf. I, Fig. 2 a-c.) 

Schale länglich oval, fast eben so hoch als breit. Die grosse 
Klappe hat einen hohen und breiten Wirbel mit einem scheinbar 
grossen Foramen. Sie ist in der Mitte durch zwei Rinnen flach ein- 
gesenkt und bildet eine schmale Bucht. Ein mittlerer Einschnitt lässt 
den Anschein erwecken, als wäre ein Septum vorhanden, da er sich 
jedoch nicht in das Innere fortsetzt, so fällt diese Vermuthung weg 
und wir haben es nur mit einem Eindruck in der Schale zu thun. 
Der Schlossrand ist stumpfwinkelig. Die kleine Klappe ist hoch 
gewölbt und erreicht unterhalb des Wirbels die grösste Dicke. In 
der Mitte liegt ein breiter Mittelwulst. Ein aus einem Stück beste- 
hendes nach innen zugeschärftes Septum durchzieht zwei Drittel der 
Schale. Die Commissur greift nach rückwärts, um erst dort, wo 
Mittelwulst und Bucht zusammentreffen, sich nach vorne zu biegen. 
Die Ornamentirung der Schale besteht aus einer feinen, dicht ge- 
reihten Punktirung, welche jedoch erst unter der Eoupe sichtbar 
wird ; gegen den Stirnrand stellen sich an der unteren Hälfte sehr 
feine Längsstreifen ein. 

Wiederum ist es leider nur ein Exemplar, das zur Beschreibung 
dieser Species benützt werden konnte. Dasselbe ist noch dazu zum 
grössten Theil Steinkern, so dass man die Längsstreifen, welche den 
Unterrand umsäumen, nur als feine Eindrücke sehen kann, die sich 
nicht einmal auf der Zeichnung ausdrücken Hessen. 

Ich habe das Exemplar nach mehreren Seiten durchschnitten, 
jedoch nur das tiefe Septum auf der kleinen Schale wahrnehmen 
können, während von dem sonstigen Armgerüst nichts erhalten ist. 



'> Diese Species wurde zu Ehren des Ingenieurs Pascu, Chef des Minen 
dienst im Domänenministerium, benannt. 



24 I>r. K. A. Redlicl). [24] 

In Folge des langen Mittelseptums der kleinen Klappe ist die Ein- 
reibung zu Waldheimia wohl gesichert. 

kva nächsten steht unserer Species der Waldheimia tamarindn.^ 
Soir. rar. mar/ua Walker aus dem Neocom. Sie ist jedoch von ihr 
durch den stärkeren Bau der gressen Klappe, wodurch die Commissur 
eine nach rückwärts geschwungene Linie annimmt, leicht zu unter- 
scheiden. 

Lima divaricata Dujarii 

(Taf. II, Fig 4.) 

1888 — 1889. Holzapfel: Mollusken der Aachener Kreide. Palaeonto- 
graphica. Bd. XXXV, Taf. 27, Fig. 7, pag. 241. 

Unter den zahlreichen Individuen dieser Gattung, welche ich 
an unserem Fundorte sammeln konnte, istLm« divaricata die häufigste. 
Ihre Gestalt ist bald ganz oval, wie sie Holzapfel aus der Kreide 
von Aachen abbildet, bald etwas schief oval, den Exemplaren des 
Elbethalgebirges gleichend. Sie ist leicht zu erkennen an den fein- 
gekörnten Radialrippen, welche von der Mittellinie aus gegen beide 
Seiten divergiren und durch Spaltung sich vermehren. Als indi- 
viduelle Eigenthümlichkeit wäre für unsere Exemplare zu bemerken, 
dass der Winkel, unter dem die Radialrippen gegen die Mitte zu- 
sammentreffen, ein spitzerer ist, als die sonst beschriebenen Exemplare 
ihn zeigen. 

Aniuaium Inversiwi Nilso/m. 

1889. Griepenkerl: Versteinerungen senoner Kreide von Königs- 
lutter. Palaeont. Abh. IV, pag. 45. 
Kleine. 5—7 nun lange und fast ebenso hohe Exemplare finden 
sich sowohl in den Hippuritenkalken, als auch in dem Bakulitensand- 
stein. Die Schale ist aussen mit feinen Anwachstreifen ornamentirt, 
im Innern befinden sich 10 Rippen, welche durch die dünne Schale 
nach aussen durchscheinen. Dasselbe gilt von den Zwischenrippen, 
welche bis gegen die Mitte der Schale reichen und an 2 Exemplaren 
zu sehen sind. Die hinteren Ohren sind rechtwinkelig, von den vor- 
deren ist nichts zu sehen. 

Janira äff. striatocostata Goldf. 

(Taf. II, Fig. 3«.) 
1802. G Id f US s : Petrefacta Germania, pag. 52, Tab. XCIII. Fig. 2 a—q. 
Neben der Janira qin'nquecostafa fand sich ein Bruchstück mit 
vier hervortretenden Rippen, dessen Ornanientirung in feinen Längs- 
riffen sowohl in den Zwischenräumen , als auch auf den Rippen 
besteht. In Folge dieser Ornamentirung stelle ich dieses Stück in 

') Davidson: British fossil Bracliiopoda vol. IV, snppl. Crotaceotis Brach. 
1>1. VI, Fig. 16—19, pl. VII, Fig. 5 -0, pag. 49. — Palaonntograpliiral snc. Lon- 
don 1874—1882. 



[251 Geol. 8tiulicn im Gebiete des 01t- und Oltotzthales in Rumänien. 25 

die Nälie der sfriatocost(cfa, wenn auch einzelne Merkmale liicht voll- 
ständig mit dieser Species übereinstimmen. Die Hauptrippen treten 
nur wenig hervor und die concentrischen Streifen fehlen, obwohl 
wir es mit einem jugendlichen Exemplare zu tliun haben. 



Gryphaea vesicularis Lanik. 

(Taf. I, Fig. 6.) 

184o. d'O r b i g n y : Paleontologie francaise. Terrains cretaces. Tome III, 
pag. 742, Taf. 487. 

Diese in allen Senonablagerungen der Erde so häufige Form ist 
auch an unserem Fundort vertreten. 

Die Oberschale ist concav aufgebaueht, am Wirbel abgeplattet, 
an der Seite flügelartig verlängert und mit Anwachsstreifen ornamentirt, 
welche ihr ein geblättertes Aussehen verleihen. 



Hippurites colliciafns J^'oodward var. liomanka nt. v. 

1813(5. Hippurites radiosm Desmoulins in Kedlich: Geologische Studien 
in Rumänien, II, Verh. d. k. k. geol. K.-A. 1896, pag. 82. 

Ein grösseres Material von aufgesammelten Stücken lässt es 
unzweifelhaft erscheinen, dass uns nicht Hippurites radiosus IJesm. 
vorliegt, sondern eine dem Hippurites colliciatiis Woodward sehr nahe 
stehende Form, welche sich von dieser nur durch die Berippung 
unterscheidet. 

Die untere Schale ist kegelförmig, bedeckt mit schwach abge- 
rundeten Ripi)en, welche durch gleich breite und tiefe Zwischenräume 
voneinander getrennt sind. Die Schlossfalte (L) ist nur durch eine 
stumpfwinkelige Einbiegung angezeigt, die beiden Säulchen sind fast 
gleich hoch, von der Schlossfalte weit entfernt. Das vordere Säulchen 
{S) ist an der Basis verbreitet, nach oben zu abgerundet, das rück- 
wärtige {E) dagegen ist an der Basis ein wenig eingeschnürt. Von 
den Muskeleindrücken und Zahnlöchern ist wenig zu sehen. Die obere 
Schale ist nicht erhalten. 

Die inneren Charaktere stimmen vollständig mit dem von I) o u- 
V i 1 1 e ^) abgebildeten Exemplar überein, der einzige Unterschied diesem 
gegenüber ist die schwache Berippung. Da diese äussere Orna- 
mentirung an allen Exemplaren eine constante bleibt, so scheide ich 
unsere Species gegenüber der echten D ouville'schen Art als var. 
Romanica aus. 

Hippurites coUiciatus wurde bis jetzt im Campanien in Klein- 
asien bei Hakim Khan und im Waggrabeu bei Hieflau in den gleich- 
alterigen Schichten gefunden. 



') Douville: Etudes sur les Rudistes. Mem. de la soc. geol. de France 
Paleontologie. 1890—1897, Nr. 6, pag. 221, Taf. XXXII, Fig. 8 n. 9. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsuiistalt, 1899, 49. Bd., 1. Uft. (Dr. K. A. Kedlich.) 4 



26 l>r. K. A. Redlich. [26] 

Hippurites Lapelrousei Goldf. 

(Taf. II, Fig. 2 a—d.) 

1890—1897. Douville: Etudes sur les Rudistes Mein. 4« la «o^- 
geol. de France Paleontologie 1890—1897, Nr. 6, pag. 164, Taf. 
XXIV, Fig. 8 und 9. 

Das einzige, gut erhaltene Exemplar zeigt so sehr die charakte- 
ristischen Eigenschaften dieser Species, dass ein Zweifel der Identi- 
ficirung nicht aufkommen kann. Die Schale ist dünn, die untere 
Klappe ist schwach kegelförmig und nähert sich mehr dem Cylinder. 
Die Rii)pen sind geschärft, durch gleich breite Rinnen getrennt. Die 
obere Klappe ist bedeckt von einer Zellschichte, welche nach aussen 
hin in abgerundete, schwach verlängerte Poren endet , darunter liegt 
ein Canalsystem, das von der Mitte ausgehend, sich gegen den Aussen- 
rand zu öfters gabelt. 

Die Schlossfalte ist nur durch einen leichten Eindruck in der 
Schale gekennzeichnet. Die Säulchen ragen nur wenig in die Schale 
herein, sind breit und abgerundet, der schmale Leistenzahn hat die 
Form eines x, zu seinen Seiten liegt die vordere und die hintere 
Zahngrube. 

Der hintere Muskeleindruck ist gerundet, seine rückwärtige 
Wand ist an dem vorderen Säulchen befestigt und reicht von hier aus 
gegen den Rand der hinteren Zahngrube, mit der er sich vereinigt. 

Hli>i)H)'lfe.s Lapeiroiisei findet sich namentlich im oberen Cam- 
panien der Pyrenäen und in Mästricht und charakterisirt liier das 
Dordonien, die Varietät crassa ^) dagegen, kennt man zugleich mit colli- 
ciatus im mittleren Campanien der Gosau, ferner aus Bulgarien, von 
wo sie unter dem Namen H. buh/aricns von Toula-) beschrieben wurde. 

Einzelne Bruchstücke mit dickerer Schale und gröberer Orna- 
mentirung Hessen sich zu dieser Variation stellen. 

Pleiirotomaria sp. 

(Taf. IT, Fig. ort; h, c.) 
Leider ist auch diese Species nur in zwei nicht vollständig er- 
haltenen ?]xemplaren vertreten. Da sie neu zu sein scheint, will ich 
ibr in Folge ihrer Unvollständigkeit keinen Speciesnamen geben und 
begnüge mich mit der palaeontologischen Reschreibung. Die Schale 
ist flach kegelförmig, eng genabelt, mit fünf Windungen von fast 
rhombischem Querschnitt. Die Ornamentirung besteht aus Radial- 
streifen, über welche feine, kaum sichtbare Zuwachsstreifen setzen. 
Der Mundrand ist auf der Oberseite des letzten Umganges erhalten, 
während die Basis nur als Steinkern vorliegt. Schalenreste mit Mund- 
randspuren lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass dieser gegen 
die Kante der letzten Windung einen einspringenden Winkel ge- 
bildet hat. 



*) Douville: Etiules sur les Rudistes, 1. c. pag. 222 

^) Toula: Untersuchungeu im centralen Balkan. Denkschr. d. k. Akad, der 
Wiss. LV. Bd., II. Partie, pag. 101, pl. III, Fig. 24. 



[27] Geol. Studien im Gebiete des 01t- und Oltetzthales in Rumänien. 27 

Lytoceras aus der Gruppe des Timotheanwn Mayor. 

1895. Kossmat: Untersuchungen über die südindische Kreide- 
formation. Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich- 
Ungarns und des Orient. IX. Bd., pag. 133, Taf. XVII, Fig. 11, 13«, h. 

Durchmesser 11 mm 

Höhe der letzten Windung . . 4 mm 
Grösste Dicke (> mm. 

Schon aus diesen Zahlenwerthen geht hervor, dass wir es mit 
einem Jugendexemplar zu thun liaben. Die Umgänge wachsen rasch 
an, so dass die Form tief genabelt erscheint. Sechs gegen den Rücken 
sattelförmig ausgebogene Einschnürungen zieren die sonst glatte Schale. 
Der Querschnitt der einzelnen Windungen erscheint fast viereckig mit 
breiter Basis und Rücken. Von der Lobenlinie ist nur wenig zu sehen. 

Anisoceras cf. siibcotnpressmri Forbes. 

(Taf. I, Fig. 3«, 6.) 

1895. Kossmat: Untersuchungen über die südindische Kreide- 
formation, 1. c. pag. 145, iW. XIX, Fig. I0a,h, 11 r/, 6, 12. 

Diese Art ist durch ein einzelnes Bruchstück vertreten. Es ist 
ausgezeichnet durch einen länglich ovalen Querschnitt und besitzt als 
Ornamentirung zugeschärfte Rippen. Von der Lobenlinie ist uur der 
Aussenlobus, Aussensattel und der erste Seitenlobus' sichtbar. Diese 
stimmen vollständig mit der von Kossmat gegebenen Abbildung 
der indischen Exemplare überein. 

Baculites anceps Lamk. 

(Taf. I, Fig. 4f/, ö.) 

1840. d'Orbigny : Paleontologie francaise. Terrains cretaces, pag. 565, 
Taf. CXXXIX, Fig. 1—7. 

Zahlreiche Fragmente von Bakuliten mit eiförmigem, an der 
Siphonalseite zugeschärftem, an der Antisiphonalseite abgerundetem 
Durchschnitt, lassen sich in ihrer Ornamentirung und Lobenlinie leicht 
mit dem von d'Orbigny abgebildeten Baculites anceps identificiren. 
Die Schale ist mit halbmondförmigen Rippen versehen, welche auf der 
Siphonalseite beginnen, gegen den Rücken stark aufbiegen, ohne ihn 
zu erreichen. Die Lobenlinie ist ein vollständiges Abbild des von 
d'Orbigny gegebenen Bildes. 



Von der langen Reihe der in den Kreideschichten des Oltetz- 
gebietes gesammelten Fossilien habe ich nur jene zur palaeontologischen 
Beschreibung ausgewählt, welche erstens neu waren, zweitens durch 
individuelle Abweichungen gegenüber den Originalbeschreibungen 
Ergänzungen bedurften, und schliesslich solche, die in der Literatur 
bis jetzt noch selten beschrieben sind. 



28 I^r. K. A. Redlich. [28] 

Ich kann diese Arbeit nicht schliessen, ohne allen denen, die 
mir mit Rath und That behilflich zur Seite standen, wärmstens zu 
danken. Vor Allem gilt dies von dem Chef des Minendienstes im 
Domänenministerium in Bukarest, Ingenieur A 1 i m a n e s t i a n u und 
Ingenieur Pascu, Herrn Professor Mrazek in Bukarest, von Pro- 
fessor Grossouvre in Bourges, von Professor Felix in Leipzig, 
Director Fuchs in Wien, Professor Höfer in Leoben, Professor 
Rothpletz in München und schliesslich von meinem Freunde und 
Lehrer Dr, Anton Pelikan, der mir bei der petrographischen Be- 
schreibung und Abbildung helfend die Hand reichte. 



Die Eisenerzlagerstätten des mährischen 

Devon. 

Von Franz Kvetsclimer, Bergingenieur in Sternberg (Mähren). 
Mit 2 Tafeln (Nr. III [1] und IV [2J) und 3 Zinkotypien im Text. 



Einleitung. 

Die Schwierigkeit, die nöthigen Eisenerze herbeizuschaifen, ist 
für viele Hochöfen der allein maßgebende Grund, dass dieselben 
ihre Production restringiren, oder durch den gänzlichen Verhau der 
leichter gewinnbaren, zuweilen fast sämmtlicher Eisenerzlager, worauf 
sie basirt, niedergeblasen und anderwärts übertragen werden müssen. 

Die abgebauten Erzlager bedeuten einen unersetzlichen Substanz- 
verlust, und in dem Maße als die grossen Eisenerzvorkommen in 
unserem Vaterlande (Eisenerz, Nutschitz, Biudt, Gyalar) durch fort- 
währende Steigerung der Production täglich stärker in Anspruch 
genommen werden, ihre leichter gewinnbaren Erzmittel successive 
abnehmen, verschärft sich die Situation des Erzbezuges und die 
kleineren Erzvorkommen gewinnen an Bedeutung; sie schieben sich 
gleichsam näher dem Vordergrunde und gelangen täglich mehr zur 
Geltung. 

Von diesem Gesichtspunkte aus mag es nicht ungerechtfertigt 
erscheinen, durch nachstehende Studien neuerdings die Aufmerksamkeit 
auf eine Reihe technisch wichtiger Eisenerzlagerstätten der mährisch- 
schlesischen Devonformation zu lenken, w^elche schon im Mittelalter 
und in diesem Jahrluindert als Grundlage dem wichtigeren Theile 
der mährisch -schlesischen Roheisen-Industrie dienten, gegenwärtig 
aber wegen des Schwindens der Entfernungen und der dadurch be- 
günstigten Massenproduction auf den von der Natur grossartig ver- 
anlagten Erzvorkommen zum grössten Theile ausser Betrieb stehen. 

Aber nicht nur in bergmännisch-technisclier, auch in geologischer 
Hinsicht knüpft sich besonderes Interesse an diese Erzlager, welche 
insbesondere durch den neuzeitigen Bergbau näher bekannt geworden 
sind und auch in weiteren Fachkreisen bekannt zu werden verdienen. 
Der Verfasser hatte als Bergbaubetriebsleiter Gelegenheit, diese Erz- 
lager und die darauf umgehenden Bergbaue genau kennen zu lernen 
und übergibt hiemit seine in langjähriger Praxis erworbenen p]r- 

Jahrbucli d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. lieft. (Fr. Kretschuier.; 



30 Franz Kretschmer. [2] 

fahrimgen und Beobachtungen der Oeffentlichkeit, in der Hoffnung 
und Zuversicht, dass dies dem vaterländischen Bergbau zum Nutzen 
gereichen möge. 



I. Geologischer Theil. 

Der nordöstlich d e s M a r c h t h a 1 e s verbreitete Devon 
Mährens und des angrenzenden Schlesien beherbergt ausser einigen 
vereinzelten untergeordneten Vorkommen drei g r ö s s e r e, d e u 1 1 i c h 
ausgeprägte Eisenerzlagerzüge, und zwar vom Liegenden 
zum Hangenden fortschreitend: 

1. Die in bergmännisch- technischer Hinsicht wichtigste Erzab- 
lagerung in der Umgebung von Mährisch- Aussee, welche bei 
M e e d 1, S t o r z e n d o r f, D ö r f e 1 und T r e u b 1 i t z einsetzt, dagegen 
im Hellbusch bei Trübenz, bei Pürkau, Janowitz erzarm 
ist und erst am ü r 1 i c h b e r g e bei K 1 e i n - M o h r a u ihre reiche 
Fortsetzung findet. Dieser p]rzlagerzug gehört — wie später nachge- 
wiesen wird — dem Unterdevon an. 

2. Ebenfalls noch im U n t e r d e v o n, aber dicht an der Grenze 
gegen das Mittel devon taucht der zweite E]rzlagerzug am 
P i n k e r Berge nächst M ä h r i s c h - N e u s t a d t aus der umgebenden 
March-Oskawa-Niederung empor und streicht in einem im geognosti- 
schen Sinne ununterbrochenen Zuge über Schönwald, Pinkaute, 
D.-Eisenberg, Hangen stein, Bittenwald bei Ptömerstadt, 
Klein-Mohrau nach Neu-Vogelseifen und Morgenland. 

3. N a h e der F o r m a t i o n s g r e n z e gegen die C u 1 m- 
schichten folgt der von mir bereits früher beschriebene Zug der 
Diabasgesteine \), in deren Begleitung Eisenerze auftreten, welche den 
dritten Erzlage rzug bilden; dieselben setzen bei Sternberg 
im SSW ein und streichen über D. -Lodenitz, Bärn, Rauden- 
berg, Bennisch bis Lichten im NNO. 

Das Haupt streichen dieser Erzlagerzüge verlauft conform 
mit den übrigen Gliedern der Devonformation nach 2h 7gd; dem- 
selben allgemeinen Streichen folgen die unterteufenden archäischen 
und die auflagernden Culmschichten. 

Betrachtet man die orograph is chen Verhältnisse des 
Hohen Gesenkes in unserem Gebiete, so findet man, dass die 
hervorragenden Kuppen der südwestlichen Ausläufer: Hohe Raute 
bei Sternberg (058 m ü. M.), Karler Berg (623 m), Kreuzberg bei 
D.-Eisenberg (590 m). Hoher Viebich (540 m) sehr angenähert, i m 
Kreuz streichen 20 h 13 gd liegen; nahezu parallel läuft die 
Hauptkette des Hohen Gesenkes: Altvater (1490 m ü. M.), Rother- 
berg (1333 m), Kepernik (1424 m), Fichtlich (1109 in] längs einer 
Linie nach 21 h 3gd. 

Fast in senkrechter Richtung darauf erscheint die Bergkette : 
Hoher Viebich (549 m ü. M.), Habichtsberg (850 m), Weisserstein 



^) Zeitsclirift für Berg- niul Hüttenwosen, XLII. Jahrg., pag. 1G8 ii. ff. 



["3] Die Eiseiierzlugorstätten ilos mährischen Devon. 31 

(1)47 in), Verlonierstein (1155 m), Backofeu (1555 m), Schieferhaide 
(1355 m), Maiberg (1381 m), Hoheliaide (1440 ni), lilngs der Linie 
2h 7gd angeordnet, also parallel mit dem allgemeinen 
Streichen der Gesteinsschichten. Es liegt somit die Rich- 
tung der 1) r i m ä r e n Hebung und des g e n e r e 1 1 e n S c h i c h- 
tenstreichens senkrecht auf der Hauptkammrichtung 
desHohen Gesenkes, wie wir dies auch beispielsweise am 
Harze und in einem Theile des Thüringer Waldes wiederfinden. 

Aus Taf. HI [1], welche das Querprofil der Devonformation in 
dem hier in Betracht kommenden Terrain zwischen Mährisch- 
A u s s e e und Sternberg darstellt, ist die Stratification der einzelnen 
Formationsglieder zu entnehmen. Nach dem Vorgange Römer's') 
wird die Gliederung in drei Gruppen auch für den in Bede stehenden 
Theil der Formation beibehalten. 



A. Unterdevon. 

Das unterste Formationsglied wird durch den Quarzitzug 
vom Bradlwald repräsentirt, der jedoch widersinnig nach NW 
fällt, so dass die archäischen Schichten, bestehend aus Chloritgneissen, 
aufgelagert erscheinen. 

Die Quarzite unterteufend, folgt eine mächtige Zone grüner 
Schiefer mit Kalkste in lagern, welche ebenfalls NW fallen 
und wahrscheinlich einen centralen Kern repräsentiren. 

Daran stosst der Au sseer Quarzitzug vom Grossen und 
Kleinen Taubenbusch jedoch mit SO-Fallen, welcher wegen 
seiner petrographischen Aehnlichkeit möglicherweise die südöst- 
liche Flanke e i n e s L u f t s a 1 1 e 1 s darstellt, den die B r a d 1 e r 
Quarzite hier bilden. 

W^eiter südöstlich lagern sich abermals Grünschiefer mit 
SO-Fallen ein, die aber zum Theile modificirt erscheinen und die 
Eisenerzlager statten des ersten Zuges mitführen ; in einer 
Mulde der letzteren Gesteinszone liegen als jüngste Bildung die 
Q u a r z s a n d s t e i n e mit ihren typischen Vertretern am M e e d 1 e r 
Steinberg, worauf dann abermals NO-fallende, theilweise veränderte 
Grün schiefer mit dem zweiten Erzlagerzuge folgen, welche 
ich als den complemenfären Gegenflügel derMeedl — Fink er Grün- 
schiefermulde auffasse, wie in dem Profil Taf. HI [IJ, gezeichnet. 

Für diese Züge von Quarzit, sowie die Grünschieferzonen, bis 
dorthin, wo diese bei Mähr.-Neustadt, Bergstadt. Klein -Mohrau an 
die halbkrystallinischen bis klastischen Grauwacken und T hon- 
schiefer anstossen, ergibt sich nach Maßgabe der palaeontologischen 
Einschlüsse und der Stratification deren Zugehörigkeit zum Unter- 
devon. Chloritgn eiss nordwestlich des Bradler Quarzit- 
zug e s einerseits und m i 1 1 e 1 d e v o n i s c h e G r a u w a c k e n am 
Hangenden kalkreicher Grünschiefer mit dem zweiten 



'; Feld. Römer: (leologie von Ohersclilesien 1870. 



32 Franz Kretschmer. [4] 

Erzlagerzug andererseits, bilden die Grenzen des 
Unter de von. 

Merkwürdig ist die Consequenz , mit welcher die einzelnen 
Forniationsglieder, sowohl was die Äehnlichkeit ihrer Structur betrifft, 
als auch in Bezug auf ihr stratigraphisches Verhalten, ohne nennens- 
werte Störungen auf grosse Entfernungen ruhig abgelagert erscheinen, 
so dass man, auf demselben Streichen vorkommend, Gesteine gleichen 
Alters findet, während in der darauf senkrechten Richtung gegen 
Südost stets jüngere Glieder auftreten. 

Petrographisches Verhalten. 

Die Quarzite des untersten oder Hauptzuges bestehen vor- 
Aviegeud aus dichtem bis grobkörnigem, weissem bis grauem Quarz 
mit wenigem G 1 i m m e r von weisser, durch Verwitterung hochrother, 
goldgelber Färbung bald schimmernd, bald matt. Durch Aufnehmen 
von mehr Glimmer wird der Quarzit häufig schiefrig und bei Ueber- 
handnehmen der Glimmer finden seltene Uebergänge in Glimmer- 
schiefer statt. 

Während der nordöstliche Theil dieses Quarzitzuges zumeist 
aus feinkörnigem Quarzit besteht, welcher selten Reste ehemals 
klastischer Structur erkennen lässt, sind die Quarzite desBradl- 
waldes als Conglomerate ausgebildet, über deren klastische Natur 
kein Zweifel obwalten kann ; sie bestehen aus fein- bis grobkörnigem, 
weissem bis glasigem Quarz, jedoch mit einem zart gefältelten 
chloritis ch e n Glimmer als Bindemittel. Sehr häufig erreichen 
jedoch die wohlgerundeten Quarzkörner Wallnuss- bis Hühnereigrösse, 
seltener sind sie bis kindskopfgross, während sich der chloritische 
Glimmer mit horizontaler Fältelung in charakteristischer Weise um 
die einzelnen Quarzkörner herumlegt. Diese Bestandtheile* sind 
vorherrschend miteinander zu einem Ganzen verflösst und erst auf 
den Verwitterungsflächen treten die eigentlichen Structurverhältnisse 
deutlicher hervor. 

Die Ausseer Quarzite (zweiter Zug) tragen im wesentlichen 
denselben i)etrographischen Charakter an sich, wie die Bradler, sie 
sind gleich diesen, überwiegend fein- bis grobkörnige Quarzite, Avorin 
die Quarzkörner dicht verflösst erscheinen, mit Uebergängen theils 
in grobe Conglomerate und feinkörnige, dünnschiefrige. vielfach 
gequetschte Q u a r z i t s c h i e f e r, worin auf mächtigen Nestern und 
Klüften Partien weissen und glasigen Quarzes eingeschlossen 
sind. Diese Quarzite enthalten ebenfalls ein chloritisch-glimmeriges 
Bindemittel, welches in parallelen Lagen dem Quarzit eingeschaltet 
ist; in den oberen Gesteinspartien verwittert und gebleicht, bis zu 
losem Sand zerfallend, erscheint dasselbe nach der Teufe frisch 
erhalten, fest und durch beigemengte organische Substanz blaugrau 
gefärbt. Die Conglomerate sind auch hier aus bis hühnereigrossen 
Rollstücken Aveissen Quarzes zu einem Ganzen verflösst. 

Auf der Markersdorfer Horka führen die nämlichen Quar- 
zite und Conglomerate sehr viel von chloritisch-glimmerigem Binde- 
mittel, das durch Graphit dunkelgrau gefärbt erscheint; dieselben 



[5] Die P]isenerzliigerstiittcn des mälirisclicn Devon. 33 

enthiilteii ferner Lagen und Trümmer von weissem Quarz, graplii- 
t i s c h e m P h y 1 1 i t mit Kalkstein in linsenförmigen Concretionen 
verwachsen. 

Eine weitere Modific.ation dieser Quarzite findet sich am Grossen 
und Kleinen Brable tzb erge, wo sie seltener als Congiomerate 
ausgebildet und durch ein k a 1 k i g e s, von E i s e n o xy d und G r a p h i t 
gefärbtes Bindemittel verbunden sind; das Gestein ist ausserdem von 
Calcit in Körnern bis Wallnussgrösse durchschwärmt. Zufolge Ueber- 
wiegen des Bindemittels vollziehen sich Uebergänge in Kalks te in ; 
ferner schliesst fast jede Schicht des Quarzits mit einem phyllitischen 
Gesteinsblatt ab, oder der PhyUit ist in grösseren Bestandmassen 
intercalirt. Häufig erscheint das Brabletzgestein vom Kopfe der 
Schichten her auf Klüften und Spalten seines Bindemittels beraubt, 
so dass aussen ein poröses, schwammartiges, durch Eisenoxyd rostig 
gefärbtes Gestein übrig bleibt, während im Innern und nach der 
Teufe der ursprüngliche Gesteinscharakter unversehrt blieb; bei 
weitergreifender Verwitterung zerfällt das Gestein leicht zu Grus 
und Sand. 

Die Ausseer Quarzite enthalten öfter auf Klüften und Spalten 
gangartig secundären Quarz mit Bergkry stall - Drusen, theils 
frisch erhalten, theils wieder zerfressen, ferner Calcit und Pseudo- 
morphosen von Quarz nach Calcit, Zellen nach Pyriten etc., 
zuweilen ebenfalls pseudomorph mit Quarz ausgefüllt. 

Sandsteine. Diese sind überwiegend aus groben Körnern 
glasigen bis weissen Quarzes nur theilweise verflösst oder blos zu 
zelligen, porösen Massen zusammengesintert, so zwar, dass ihre kla- 
stische Beschaffenheit im Gegensatz zu den älteren Quarziten sofort 
in die Augen fällt, theils sind sie durch ein modificirtes thonig- 
talkiges Bindemittel verkittet oder es ist das letztere in parallel 
zur Schichtung eingelagerten mächtigen Partien selbständig ausge- 
schieden. Durch Verwitterung erscheinen einzelne Straten ihres 
Bindemittels beraubt, weniger fest, brüchig, bröckelig oder ganz zu 
losem Sand zerfallen, während das Bindemittel zu einer weissen 
bol artigen milden Masse, den sogenannten „faulen" Adern der 
Steinbrecher, umgewandelt wurde. Nur einzelne Partikeln von grünlich 
glänzenden unzersetzten Chlorittalk finden sich hie und da im 
festen Gestein, den ursprünglichen Zustand des Bindemittels ver- 
rathend. Eigenthümlich sind die durch Eisen- und Manganlösungen 
gefärbten sphärischen Sandsteinzonen, deren Centrum strohgelb bis 
weiss, während die Peripherie zuweilen im wiederholten Earbenwechsel 
ockergelbe und dunkelrothe Binge mit schwarzen Rändern zeigt. 

Nimmt man die Sandsteine vom Meedler Steinberg als 
Prototyp, so erscheint in jenen vom Silberberg bei D.- Losen der 
Glimmer mehr verändert, der Chlorit gelbroth ohne Glanz ; bei Treiblitz 
nimmt das milde bolartige Mineral an Menge erheblich zu, während 
in der Schönwälder Horka grosse Quarzblöcke einzehi in ver- 
witterten glimmerigen Massen eingebettet erscheinen. 

Diese Sandsteine, welche unter dem Ausdruck Meedler Sand- 
steine zusammengefasst werden sollen, sind offenbar der Detritus der 
Bradler und Ausseer Quarzite. 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Kretschmer.) 5 



34 Franz Kretschmer. [6] 

Die dem Unterdevon in drei Zügen eingeschalteten Grün- 
schiefer sind dichte, schwer bestimmbare Gesteine von sehr wech- 
sehider Beschatt'enheit, deren Gemengtheile nur unter dem Mikroskop 
erkennbar werden; sie haben demzufolge seither eine sehr ver- 
schiedene Deutung erfahren. Auf den älteren, vom geologischen 
Werner- Verein zur Durchforschung Mährens und Schlesiens, sowie der 
von der österr. k. k. geologischen Reichsanstalt herausgegebenen 
Karten hat man dieselben entweder als Talkschiefer oder gar 
nicht ausgeschieden und bei dem „Urthonschiefer-Phyllit" belassen. 

E. Daubrava^) nennt sie Chlorittalkschiefer, F. Römer^) be- 
schreibt aus der Gegend von Klein-Mohrau, Wiedergrün, Engelsberg 
und Würbentlial auf demselben Zuge liegende Gesteine als Diorite, 
Dioritschiefer und diesen engverbundene „Grünschiefer", während 

F. B e c k e *) dieselben als U r a 1 i t d i a b a s, U r a 1 i t d i a b a s s c h i e f e r 
und schiefrigen Uralitdi abas porphyrit erkannt hat. Selten ist 
das Gestein so grobkörnig und so erhalten, dass die wesentlichen 
Gemengtheile Uralit und Oligoklas mit freiem Auge deutlich 
erkennbar sind. Nachdem nicht festgestellt ist, ob der Augit überall 
in Form von Uralit erhalten ist, soll in folgender Darstellung der 
allgemeinen Bezeichnung D i a b a s s ch i e f e r der Vorzug gegeben 
werden. 

Diese Diabass chief er verleugnen ihre eruptive Abkunft, es 
sind mikrokrystallinisch gemengte Gesteine, u. zw. vorwaltend lauch- 
grüne, chloritreiche, aphanitische Diabase, beziehungsweise deren 
T uff e, während andere Vari etat e n daneben nur eine beschränkte 
Verbreitung erlangen; im erhaltenen Zustand matt, bis stark glänzend, 
indem ein secundärer lichter Glimmer die Structurflächen überzieht; 
sie sind von durchwegs ausgezeichneter Schiefer- und Parallelstructur, 
bald dünnschiefrig, bald dickschiefrig, selten plattig. in ü'ö bis l'O 
dicken Bänken wohl geschichtet, ferner erscheinen dieselben an zahl- 
reichen Punkten ihres weiten A'erbreitungsgebietes in autfallender 
Weise durch dynamische Vorgänge verändert, gequetscht, sowie 
gefältelt, und zwar sind sowohl die einzelnen Schieferlagen und Gesteins- 
bänke, als auch ganze Schichtencomplexe vielfach gebogen, gerunzelt, 
wellig gewunden, im Zickzack geknickt, sowie zu mehrfachen Mulden, 
Sätteln und Falten zusammengeschoben. 

In öfters wiederkehrenden Zonen besitzen diese Diabas- 
schiefer eine autfallend parallele Wechsellagerung feinster bis 
mehrere Millimeter starker Lagen von dunkellauchgrüner, chlorit- 
reicher und hellgrüner chloritarmer felsitischer Gesteinsmasse, wodurch 
eine bemerkenswerte zonare, schalige und streifige Anordnung nach 
Art des Festungsachates hervorgerufen wird. Unter dem Mikroskop 
hat man gefunden, dass der lagenförmige, streifige Diabasschiefer 



^) Geologische Karte von Mäl)ren und Schlesien, aufgenommen von L. Hohen- 
egger. bearheitet von F. Fötterle, Wien 1866. 

^) Die gcognostischon Verhältnisse von M.-Neustatlt. Jahrb. dei- k. k. geol. 
R.-A., 13. Bd., 4. Heft, Jahrgang 1863. 

■') Geologie von Oberschlesien von F, Römer, 1870. 

*) Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschafton in Wien, Bd. I, 
Abthg I, 1892, pag. 28G u. ff. 



[7] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 35 

wesentlich aus gleichviel Plagioklas und Quarz, reicliliehem, dem 
Klinochlor nahestehendem, deutlicli pleochroitischem Clilorit, unterge- 
ordnet Epidot, Jtutil in herzförmigen Zwillingen, Turmalinsäulchen und 
Magnetitoktaedern besteht, während Kalk fehlt, also die Entstehung 
dieses Diabastuffes aus Diabas schwer nachweisbar erscheint. 

Ausser den ai)hanitischen Diabasschiefern und den lagenförmig- 
streifigen Diabastutfen lassen sich noch folgende Varietäten unter- 
scheiden : 

Q u a r z d i a b a s s c h i e f e r, zumeist stark glänzend, auf den 
Schieferungsfläclien breitet sich ein talkähnlicher Glimmer in ganzen 
Häuten aus, mit glasigem, bis röthlichem Quarz in schwachen Lagen 
interponirt, oft in feinster Wechseilagerung von Quarz und Diabas. 
Häufig erscheint der weisse Quarz in selbständigen Massen dem 
Diabasschiefer in Knollen, mächtig(?n Blöcken und in untergeordneten 
Lagern eingeschaltet. 

D i a b a s m a n d e 1 s t e i n und K a 1 k a p h a n i t s c h i e f e r, lauch- 
grün, glanzlos bis matt; zu den oben angeführten wesentlichen Gemeng- 
theilen gesellt sich weisser, rosenroth bis violett gefärbter Calcit in 
rundlichen Körnern mehr oder weniger dicht eingestreut oder in 
zarten Lamellen bis zu stärkeren Lagen der chloritreichen Diabas- 
grundmasse intercalirt; zuweilen tritt der Calcit in selbständigen 
Bestandmassen in grösseren Nestern und Adern oder untergeordneten 
Lagern auf. 

Ferner Diabastuffe mit beigemischtem Kalk- oder Thonschiefer- 
sediment, in welchem das Diabasmaterial zurücktritt, während Kalk 
entschieden überwiegt, oder aber es kam neben der übrigen Gesteins- 
masse Thonschiefersediment in grösserer oder geringerer Menge zum 
Absatz. 

Durch Anhäufung des Chlorits werden örtlich einestheils Chlo rit- 
schief er ausgebildet, während anderntheils aus der Umsetzung 
Talk hervorgeht, und durch successive Uebergänge verknüpft, Talk- 
chloritschiefer und reine Talkschiefer entstehen. 

Auch eine porphyrische Form dieser Diabasgesteine ist den 
verschiedenen Varietäten untergeordnet, und zwar zeigt sich die 
dunkellauchgrüne, im wesentlichen chloritreiche, schiefrige Gesteins- 
masse von sehr vielen weissen oder röthlich angehauchten Schmitzen 
durchzogen, welche zumeist aus noch unzersetztem Plagioklas, neben 
reichlichem Calcit besteht und einen gequetschten Diabasporphyrit 
vorstellt. 

Anfängliche Verwitterung, namentlich der Diabasmandelsteine 
und Kalkaphanitschiefer, äussert sich durch Auslaugung der Kalk- 
spathsecretionen, so dass das Gestein seinen Kalkgehalt gänzlich 
verliert und ganze Schichten und Zonen davon durchaus porös und 
schwammartig durchlöchert erscheinen. Durch weitergreifende Ein- 
flüsse der Verwitterung wird der Chlorit zunäclist angegriffen, während 
die übrigen Gemengtheile noch stabiler bleiben ; das Gestein erscheint 
von ockriger Substanz, dem Zersetzungsproduct des an Eisenoxyd 
sehr reichen Chlorits erfüllt, weiterschreitend wird es matt, röthlich- 
gelb bis ockergelb, schliesslich büsst dasselbe seine Cohärenz ein und 
wird zu milden, talkthonigen Schiefern umgewandelt. 

5* 



36 Frauz Kretschmer. [g] 

Autfalleiul ist es, dass in dem hier in Betracht kommenden 
Terrain neben den weitverbreiteten Diabasschiefern dichte und 
körnige Di ab ase von massiger Stru et ur so selten sind; ich 
fand sie blos auf dem nordwestlichen Sattelflügel im Hangenden der 
Bradler Quarzite, und zwar am Scheitel des Steinhübel bei 
Neb es, wo ein fester plattiger Grünstein in nackten Felsen zu Tage 
ansteht. Ein cähnliches Gestein wird auf der Vogelhaide bei Steine 
für den Strassenbau gewonnen, wo es in kahlen Felsklippen zu Tage 
tritt; hier ist dasselbe jedoch grobkörnig, nicht massig, sondern 
geschichtet, sehr langklüftig, plattig, lagerliaft und liefert deshalb 
vorzügliche Ueberlegsteine für Hochbauzwecke; das Streichen ist 
2— 3 h, Fallen 20 — 21 h -^ 75 — 80«. Körniger Diabas steht ferner in 
der obenerwähnten centralen Zone der Diabasschiefer oder im Lie- 
genden des Bradler Quarzitzuges auf der Höhe Ob er kr ug {344: m 
ü. M.) bei Poleitz in einer nackten Felspartie zu Tage an u. s. w. 

Die Diabasschiefer stehen im Zusammenhange mit den andern 
Formationsgliedern, insbesondere mit dunkelgeflammten bis blau- 
schwarzen kohligen und hellgrünlichgrauen Thylliten, sowie lichten 
Quarz- Chi oritoids Chi efern. Die Phyllite sind sehr fein ge- 
fältelt, von ausgezeichneter Parallelstructur, auf Schieferungsflächen 
stark seidenglänzend. 

Dadurch, dass der Feldspath (Orthoklas, selten Plagioklas), welcher 
in den Phylliten zuweilen accessorisch in liirsekorn- und erbsengrossen 
Körnern beigemengt ist, local überhand nimmt, werden grobkörnige 
und andere S chief er gn e isse ausgebildet, welche mit den Phylliten 
wechsellagern. 

Die zwischen den Bradler und Ausseer Quarziten verbreiteten 
Diabasschiefer, welche das tiefste Niveau einnehmen, bilden, wie 
bereits oben angeführt, wahrscheinlich einen centralen Kern, 
beziehungsweise ein sc hie f liege ndesSchichtengewölbe 
wie dies im Profil auf Taf. HI [1], dargestellt erscheint. Diese Schiefer 
sollen folgend kurz als A u s s e e r D i a b a s s c h i e f e r benannt werden. 

Die im Hangenden der Ausseer Quarzite folgenden jüngeren 
Diabasschiefer und Tuffe von Meedl und Pinke bieten 
wohl in petrographischer Hinsicht dieselben Merkmale und ähnliche 
Varietäten dar, wie oben eingehend erörtert, jedoch sind dieselben 
hier weniger glimmerglänzend, sie scheinen zuweilen mehr matt, ura- 
gew^andelt bis thonschieferähnlich. 

Auch in der Meedler und Pinker Diabasgesteinszone treten 
Diabasporphyrite als untergeordnete Intercalirungen auf. — 
Neben den normalen und Quarz- Diabasschief ern erlangen 
dagegen mit Kalkcarb onaten infiltrirte Diabasschiefer, 
und zwar Diabasmandelstein- und Kalkaphanits chief er 
eine grössere Verbreitung, welche durch ihren Reichthum an Calcit 
und Chlorit, häufig aucli an Talk ausgezeichnet sind und mit den 
Eisenerzlagerstätten der eingangs erwähnten Lagerzüge im Contaet 
stehen. 

Charakteristisch erscheinen gewisse in der Nähe der P^isenerz- 
lagerstätten sowohl am Hangenden als auch im Liegenden stehende 
olivengrün matte Diabasschiefer, worin zahlreiche bis dicht eingestreute 



r9] Die Eisenerzlagerstätten des miihrischen Devon. 37 

wohlgebildete millinieter- bis centimetergrosse Göthit - Hexaeder ^), 
metasomatisc'lie Pseudoinorphosen nach Eisenkies eingewachsen sind 
und die ich kurz Pyritschiefer nenne. Die Umwandlung der Eisen- 
kieskrystalle ging bisweilen fortschreitend weiter in ockriges Braun- 
eisenerz vor sich, bis auch dieses durch Erosion weggeführt wurde 
und ähnlich wie bei den Mandelsteinen ein schwammartig durch- 
löcherter Schiefer zurückblieb. 

Die Meedler und Pinker Diabasschiefer und deren Tuffe führen 
ebenfalls Quarz und Calcit in selbständigen Bestandmassen, in 
Knollen, grösseren Blöcken und in Lagen ; sie zeigen den gleichen 
parallel lagenförmigen, achatähnlichen Aufbau und die dadurch bedingte 
Streifung und Bänderung, dasselbe ausgezeichnet schiefrige Gefüge, 
ähnliche complicirte, oft wunderliche Runzelungen, Windungen, 
Biegungen. Faltungen und Knickungen der Schichten wie die älteren 
Diabasschiefer. Auch transversale Schieferung wurde stellenweise 
beobachtet ; so z. B. zeigen die; in Begleitung der Eisenerzlager- 
stätten am Storzendorfer Erzberg auftretenden Diabasschiefer deutlich 
diese Erscheinung u. s. w. 

Umsetzung der Diabasschiefer einestheils in Chi orit schiefer, 
anderentheils in Talk schiefer kommen auch hier nicht selten 
vor. Namentlich als Nebengestein und taube Mittel in den Eisenerz- 
lagern kommt eine Modification der Diabasschiefer vor, die fast als 
reiner Talkschiefer erscheint; letzterer ist weiss bis grünlich, mild 
sehr fettig anzufühlen, mit Fettglanz, zartester paralleler Fältelung 
und Knickung: accessorisch ist Chlorit in gras- bis lauchgrünen 
Partikeln eingestreut. 

Beginnende Verwitterung dieser Mandelsteine äussert sich 
ebenfalls in Kalkwegfuhr, wodurch das zumeist matte Gestein entweder 
einzelne erodirte rundliche Löcher zeigt, oder in schmalen Streifen 
und Lagen ausgehöhlt ist und weitergehend durchaus porös und 
schwammartig erscheint. Bei weiter fortschreitender Zersetzung 
wird der Diabasschiefer seiner lebhaft lauchgrünen Farbe verlustig, 
indem das Eisen und Mangan des Chlorits zu Oxyd, Oxyduloxyd oder 
Oxydhydrat umgewandelt wurde, dadurch dem Gestein die verschieden- 
artigsten, rasch wechselnden P'arbennuancen, schwarz, braunroth, rosen- 
roth, rothgelb, ockergelb verleihend; gleichzeitig büsst das Gestein 
auch seine Cohärenz ein, wird bei theilweisem Verlust seines Eisen- 
und Kieselerdegehaltes, schliesslich seiner schiefrigen Structur ver- 
lustig und zu gelbbraunen bis dunkelrothen oder hellfarbigen weissen 
1 e 1 1 e n- o d e r b o 1 a r t i g e n Massen decomponirt. Mit de m G r u n d- 
wasser in Berührung lösen sich diese letzteren vollends zu brei- 
artige n, dem schwimmenden Gebirge ähnliche n M a s s e n 
auf, die in der Nähe der E i s e n e r z 1 a g e r s t ä 1 1 e n u n r e g e 1- 
mässige ausgedehnte Zonen bilden, von den Bergleuten 
„Wassersäcke" genannt. 



^) Y. Kobcll hat gezeigt, dass das durch Metasomatosis des Kisenkieses 
entstandene Brauneisenerz, gewöhnlich die chemische Zusammensetzung des 
Göthits besitzt. 



3g Franz Kretschmer. [10] 

In den eben erwähnten zersetzten Meedler Schichten, und zwar 
in der unmittelbaren Nähe der Eiseiierzlagerstätten und als taube 
liergmittel auf diesen letzteren selbst, sind zahlreiclie feste völlig- 
intakte Rippen, viele Kubikmeter grosse Gesteins- 
blöcke und Schollen, sowie ganze Lager von Diabas- 
mandelstein und Kaikap h anitsc hie f er beim Grubenbetrieb 
angetroffen worden, deren Inneres von der ringsum statt- 
gehabten Zersetzung verschont geblieben ist. Diese 
stoffliche Metamorphose äussert sich derart, dass die unversehrt ge- 
bliebene Masse durch verschiedene Stadien in den zersetzten Zustand 
übergeht, und zwar so, dass das Gestein von aussen und den Structur- 
liächen her zu fettig anzufühlenden, lettigen bis breiartigen Massen 
zersetzt erscheint, sodann eine schwache äussere Hülle, porös und 
schwammartig durchlöchert, mit Roth- und Gelbockernestchen die 
Gesteinsschollen rings umgibt, während der Kern noch völlig unver- 
sehrten festen, glänzenden, grünlichen, chlorit- und talkreichen 
Diabasmandel stein und K alkaph anit schief er oder deren 
Tuffe mit Kalksediment birgt. 

Eine untergeordnete Stellung nehmen die Kalksteine des 
hier in Frage kommenden Gebietes ein, sie sind vorherrschend blau- 
grau in bald helleren, bald dunkleren Nuancen und von körniger 
Beschaffenheit, seltener sind reine Kalksteine, in der Regel über- 
wiegen dolomitische mit einem Gehalt an Bittererdecarbonat bis zu 
lG"/o, oder auch durch Kieselerde verunreinigt. Häufig besteht das 
Gestein aus abwechselnd papierdünnen bis wenige Millimeter starken 
Lagen von graublauem, dolomitischem und weissem reinem Kalk- 
stein, oder der erstere wechselt mit ebensolchen Lagen von grün- 
lichgrauem Diabasmaterial, wodurch das Gestein eine achat- 
ähnliche Streifung und Bänderung zeigt, und zwar mit vielfacher 
bogenförmig oder im Zickzack hinlaufender Biegung, Faltung, bezie- 
hungsweise Knickung der Schieferlagen und durch mehr oder weniger 
mächtige Schichten gehend. Bei Verwitterung werden die Lagen 
reinen Kalksteins und die Diabasmasse zuerst weggeführt, während 
der schwer verwitteibare dolomitische und kieselige Kalkstein als 
Gerippe stehen bleibt, wodurch das Gestein auf den Zerklüftungs- 
flächen tief durchfurcht erscheint. Der Kalkstein ist demzufolge zu- 
meist unrein, sehr fest und findet nur für die Zwecke des Strassen- 
baues Verwendung. 

Dagegen sind gewisse, in Begleitung der Eisenerze auf- 
tretende Kalksteine (wie weiter unten folgende Analyse nach- 
weist) sehr rein und reich an wirksamen Kalkcarbonat; ihre Färbung 
ist vorherrschend weiss bis hellgrau, deren Structur zuckerkörnig, 
überwiegend massig oder dick geschichtet. 

Ein besonderes Interesse knüpft sich an den g r a n i t ä h n- 
lichen Gneiss, welcher dem Unterdevon intrusiv eingeschaltet, sich 
hier als ein krystallinisch grobkörniges Aggi-egat von glasigem bis 
weissem Q u a r z mit kleinen Bergkrystall-Druschen, weissem, gelblichem 
bis röthlichem, })er]mut,terglänzendem Orthoklas, seltener graulich- 
weissem Oligoklas darstellt, worin der Glimmer durch den lauch- 
grünen t a 1 k c h 1 r i t i s c h e n G 1 i m m e r unserer Gegend vertreten 



n 1] Die P'iisenerzlagerstiltten dos mährischen Devon. 39 

ist, welch letzterer nicht völlig regellos eingestreut ist, sondern eine 
Tendenz nach paralleler Anordnung zeigt. Durch Verwitterung erscheint 
der Feldspath häufig caolinisirt, der talkchloritische Glimmer zu roth- 
ockeriger Substanz zersetzt. 

Der granitähnliche Gneiss ist allem Anscheine nach ein I n- 
tr u s i V g e s t e i n von massiger S t r u c t ur, regellos von zahlreichen 
Klüften durchsetzt, er scheint dem ProtOgyn der Schweizer Central- 
alpen am nächsten verwandt und nimmt an Stellen, wo er besonders 
stark tektonischen Druckwirkungen ausgesetzt war, einen gewissen 
Flasergneissen ähnlichen Habitus an. 

Der Phyllit, welcher den granitähnlichen Gneiss mantelförmig 
umschliesst, verliert durch Contactmetamorphose seinen petrographi- 
schen Charakter, wird äusserlich matt schwarzgrau, ist variolitisch 
von glasigem Quarz durchzogen und zeigt an Stelle des schiefrigen ein 
stark plattiges Gefüge; bisweilen geht auch dieses verloren und das 
Gestein wird hornfelsartig, massig, höchst fest. 

Verbreitung' und Gliederung. 

Die tiefsten Quarz ite der mährisch-schlesischen Devon- 
formation bilden einen scharf charakterisirten Horizont und erheben 
sich aus dem Diluvium des Marchthales im Wäldchen südlich 
der Bezirksstrasse von Poleitz nach Dubitzko, ferner bei dem 
Wirtschaftshofe des Jambor auf dem kleinen Polankaberge 
(346 m ü. M.), wo sie jedenfalls nahe zu Tage treten, wie nach den 
im LÖSS herumliegenden Blöcken von Quarzit und Conglomerat ge- 
schlossen werden darf; ausserdem wurde im Hausbrunnen des Land- 
wirtes Jambor Quarzit durchteuft. Nun erscheint der Quarzitzug 
westlich Poleitz auf eine längere Distanz durch Berglöss verdeckt 
uud erst auf der Besdieger Horka itritt der Quarzit in einer 
isolirten, auffallend höckerigen, felsigen Bergkuppe zu Tage. In nord- 
östlicher Richtung fortschreitend, stösst man schon im Dorfe Wele- 
borsch auf die Quarzite des Bradlwaldes, welche auf der Welc- 
her s c h e r S k a 1 k a (460 m), am K a t z e n s t e i n (570 m), am B r a d 1- 
stein (601 m) und endlich am Drei st ein (567 iii) hoch aufgethürmte, 
vielfach zerrissene, nackte und weithin sichtbare Felsmassen bilden, 
auf den Gehängen von ausgebreiteten Moränen, den Resten einstiger 
Vergletscherung umgeben sind und speciell am Bradlstein die grösste 
Mächtigkeit von schätzungsweise 200 m erreichen. Das Streichen der 
Bradler Quarzite verläuft in einer sanften Curve von 5 h bis 3 h, das 
Fallen ist 23— 21 h unter -^60—75*'. 

Nach Maßgabe des allgemeinen Streichens finden die Bradler 
Quarzite ihre. Mos durch die Auswaschung der D. - L i e b a u e r 
Thalmulde unterbrochene Fortsetzung auf den Gehängen des 
S t ü c k e n w a 1 d e s (534 m ü. M ) un d des M ü h 1 b e r g e s (577 in), 
wo sie infolge Durchbrechung des Seifenbaches in querschlägiger 
Richtung vorzüglich aufgeschlossen sind, in grossartigen kahlen Klippen 
zu Tage anstehen; sie bilden hier auf den Seifen lehnen und im 
Hofwaid nördlich D.-Liebau mehrere i)arallele Quarzitlager von 
bedeutender Mächtigkeit, welche mit stark glänzendem Diabasschiefer 



40 Franz Kretschmer. [12] 

und Phylliten wechseln, was auf wiederholte Schichtenfaltung hinzu- 
weisen scheint. Massige, fast dichte, sehr feinkörnige, krystallinische 
Quarzite wechseln mit groben Conglomeraten, worin die wohlgerundeten 
Knollen weissen Quarzes bis Faustgrösse erreichen. Dass von diesen 
Gesteinen eingenommene Gebiet besitzt, normal auf das Streichen 
gemessen, ungefähr 2 km Breite. 

Am Mühlberg selbst und in der Fortsetzung am H u t b e r g 
(5V)6 w/) bei Bladenstlorf nimmt die Mächtigkeit iler Quarzite 
wieder ab und beträgt am letzteren Fundort ungefähr 120m; hier 
stehen sie am Scheitel des Berges zu Tage, woselbst plattige, gut 
spaltende, lagerhafte und körnige Quarzitschiefer in einem Bruche 
gewonnen werden. 

Auf dem östlichen Gehänge des J* r i s e n b e r g e s (705 ni.) bei 
Bladensdorf verschwindet das schwache Quarzitlager abermals unter 
Löss. Im allgemeinen Streichen 2 h verbleibend, lässt sich der 
Quarzitzug zunächst durch Moränen, sodann insbesondere durch zu 
Tage anstehende, die Kämme und Scheitel der Berge bildende, nackte 
Felsmassen weiter nordnordöstlich verfolgen, über den Ilabichtberg 
(850 m), wo die Quarzite abermals zumeist als Conglomerate vertreten 
sind, nach dem H a i d s t e i n, dem Weisse u- und S c h w a r z e n s t e i n 
und F i c h 1 1 i n g, weiterhin am V e r 1 o r e n e n s t e i n, H ö r n d 1 s t e i n. 
Backofenstein, Schief er haide , Maiberg, Hohe Hai de, 
Oppafall, Mooslehne, Würben thaler Höh enberg, Lu d- 
w i g s t h a 1 e r S c h 1 o s s b e r g , K a u h b e e r s t e i n , Einsiedler 
D ü r r e n b e r g, M o t h s e i f e n k a m m , H a c k e 1 s t e i n und Kahlen- 
berg, letzterer in der Berggruppe des mächtigen Querberges. 
Es ist dies somit ein grossartiger, im geognostischen Sinne zu- 
sammenhängender Gesteinszug von rund ()0 Kilometer Länge, der in 
orographischer Hinsicht dadurch ausgezeichnet ist, dass derselbe in 
der Regel die höchsten Bergrücken zum Theil über VdOO )n ü. M. 
bildet und auf den Kämmen und Scheiteln derselben in senkrecht 
abfallenden, bis 10 /«hohen, vielfach zerisseuen, nackten Klippen zu 
Tage tritt. 

Während die vorwaltend gut geschichten Quarzite im nord- 
östlichen Theile bis zum Backofenstein gegen SO fallen und die Auf- 
lagerungsfläche derselben gegen die NW fallenden, älteren Chlorit- 
gneisse keine durchwegs normale, sondern durch Längsbrüche hervor- 
gerufen sein dürfte, ist das Fallen vom Hörndlstein bis zum Fichtling 
concordant, sehr flach gegen NW, von da ab bis zum Habichtsberg 
widersinnig, um vom Bladensdorfer Hutberg beginnend, gegen SW 
nochmals parallel mit dem Chloritgneiss nach NW einzufallen. 

Die reinen, feinkörnigen Quarzite werden örtlich zur Chamott- 
erzeugung und als Zustellsteine für hüttenmännische Feuerungsanlagen 
benützt. 

Am Dürrenberg bei Einsie de 1 führt der geschilderte 
(^larzitzug eine reichhaltige fossile Faunai) derzufolge der 
Dürrenberger Quarzit unzweifelhaft der unteren Abtheilung 
der Devonformation oder nach der Gliederung von Römer 

') Römer: Zeitschrift der D. geol. Uesellschaft. Jahrgang 18(j5, Ö. 579. 



[13] IHe p]isonerzlagerst<ätten des mährischen Devon. 41 

dem Unterdevoii angehört. p]ine zweite Fundstelle gleicher Ver- 
steinerungen wurde in jüngster Zeit am Schlossberge bei Lud- 
wigsthal entdeckt, wo es mir gelungen ist, beim Steinbruchsbetriebe 
gute Exemplare von Grammi/sia Ilanültonensis E. de Vemeuü, Hpiyi/er 
mncropterus Goldf., Naticopsis (?) sp., Serpulifes sp. etc. zu gewinnen. 
Die !Se)piUites-B{ii\k ist circa 0-75 m mächtig. 

Wenn auch die weiter südwestlich auftretenden Quarzite, 
namentlich jene des Bradlwaldes, bisher keine organischen Ein- 
schlüsse ergeben haben, so ist es doch unzweifelhaft, dass diese 
letzteren Quarzite, wie oben nachgewiesen wurde, in der südwest- 
lichen Fortsetzung der demselben Zuge angehörigen Dürrberger und 
Schlossberger Quarzite liegen und mit diesen ein, wenn auch nicht 
überall zusammenhängendes , dessenungeachtet gleichzeitig abge- 
lagertes Ganzes bilden. Zufolge die s er Lagerungsverhältnisse 
ergibt sich die Zugehörigkeit der ß r a d 1 e r Quarzite 
gleichwie für die Dürren berger und Schlossberger zum 
Unter de von, desgleichen gehören dahin die mit den- 
selben zusammen vorkommend en Diabas schiefer, sowie 
die eingeschalteten Kalksteine und aufgelagerten 
Quarz Sandsteine. 

Im nordöstlichen Theile des geschilderten Quarzitzuges, speciell 
am Dürrenberg liegt der Quarzit unmittelbar auf C h I oritgneis s als 
Liegendem, einem sehr charakteristischen Gestein, das durch vielen 
Albit, geringe Menge Orthoklas, seinen Reichthum an Muscovit 
ausgezeichnet ist und ein schiefriges, grobkörniges Gefüge besitzt ; 
seine Farbe ist vorherrschend dunkelolivengrün, verursacht durch 
eingeschaltete Chloritschui)i)en und Flasern , die sich auf den 
Schieferungsflächen ausbreiten und häufig neben Muscovit überwiegen ; 
der letztere erscheint an zahlreichen Fundstellen in bis zollgrossen 
Tafeln, was dem Gestein ein auffälliges Aussehen verleiht. Solche 
Chloritgneisse halten mit ihren auffälligen petrographischen Merkmalen 
in merkwürdiger Consequenz auf grosse Entfernung unter dem grossen 
Quarzitzuge an, ich fand dieselben ausser am D ürr enber ge, weiter 
südwestlich, unterhalb Karlsbrunn, am Hin- und Wied erstein, am 
Kamm des H a i d e n z u g e s (Peterstein), am P r i s e n b e r g , auf der 
Höhe nordöstlich Bladensdorf (wo sie nicht so glimmerreich), bei 
der B 1 a d e n s d r f e r S t ä r k e f a b r i k, am linksseitigen Thalgehänge 
des S e i f e n g r II n d e s ; hier übergehen sie am Hangenden in M u s- 
covitgneisse von dünnschieferiger bis grobklotziger und massiger 
Structur, welche gegen die Quarzite quarzreicher werden. An den 
südwestlichen Abdachungen des Stücke nwald e s bei D.-Liebau 
findet man zwischen losen Blöcken von Quarz- Con gl ome rat 
grosse Trümmer eines ähnlichen Chloritgneisses, der aber insofern 
modificirt erscheint, als darin bis wallnussgrosse Ausscheidungen 
glasigen bis weissen Quarzes einen wesentlichen Gemengtheil bilden. 
Allem Anscheine nach dürfte das Gestein in der Nähe der hier 
durchgehenden Quarzite anstehen. 

Anders liegen diese Verhältnisse noch weiter südwestlich, wo 
am Steinhübel bei Liebesdorf am südlichen Ausgange dieses 
Ortes, in einem verlassenen Steinbruche, dunkle, kohlige, glimmer- 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1899, 49. Uand. l. Heft. (Fr. Kretschmer.) Q 



42 Franz Kretscliraer. [14] 

reiche Phyllite von zarter Filltehmg auf den Schieferflachen und 
transversaler Schieferung an die Bradler Quarzite treten ; erst weiter 
im Thale aufwärts finden sich in einem verlassenen Steinbruche am 
linken Gehänge grüne, zartgefaltete, chlori tische Schiefer, 
ebenfalls mit falscher Schieferung ; dadurch bemerkenswert, dass sich 
auf den stark glimmerigen Structurflächen Tafeln von Muscovit ein- 
stellen und durch Feldspathaufnahme Uebergänge in Chloritgneiss 
entstehen. (Streichen 3 h, Fallen 21 h < 75".) 

Diabasschiefer werden in dem Steinbruche am Zusammen- 
flusse des S t e i n e r- u n d R h 1 e r b a c h e s gewonnen, woselbst sie auch 
weiter thalabwärts an mehreren Stellen in nackten Felsen zu Tage 
treten. Das Gestein führt rundliche Quarzeinschlüsse, ist sehr fest, 
zähe, vielfach gefaltet und geknickt und wird durch Verwitterung 
schmutziggelb bis rothbraun. 

Ebenso treten bei Unter-Bezdieg duükelgeflammte kohlige 
Thons Chief er an die Quarzite und erst bei Ober-Bezdieg lagert 
ein dünnschieferiger Chloritgneiss. (Streichen 4 h. Fallen 22 h < 60^.) 

Diese an die unterdevonischen Bradler Quarzite gegen NW 
angelagerten krystallinischen dunkeln und kohligen Phyllite, sowie die 
grünen Diabasschiefer scheinen hier zwischen die archäischen Chlorit- 
gueisse eingeschoben und es ist nicht unmöglich, dass die bei 
Nebes, Steine und Rohle entwickelten Diabasgesteiue 
den n r d w e s 1 1 i c h e n S a 1 1 e 1 s c h e n k e 1 d e r ]\I e e d 1 e r D i a b as- 
s Chief er, beziehungsweise ihrer Tuffe darstellen, wie dies die 
Ergänzungscurven des Profils auf Taf. III [1], andeuten. 

Nachdem nun solcher Art ein fester Ausgangspunkt für die 
Altersbestimmungen gewonnen ist, müssen nach dem Vorgange R ö m e r's 
die Au sseer Quarzite, dann die Mee dler San ds t eine, sowie 
die A u s s e e r ä 1 1 e r e n u n d j ü n g e r e n D i a b a s s c h i e f e r, w e 1 c h e 
letztere die Eisenerzlager von Meedl bei M. -Aussee 
und Pinke nächst M. -Neustadt ums chliessen, bis dort, wo 
sie am Galgenberge bei letzterer Stadt an die Grau- 
w a c k e n a n s t o s s e n , in richtiger Consequenz dem U n t e r d e v o n 
zugewiesen werden. 

Die Aussee r Quarzite verlaufen in einem zum allgemeinen 
Streichen der Bradler Quarzite (3 h 2 gd) parallelen Zug; ihr oro- 
graphisches Verhalten ist dadurch bemerkenswert, dass auch sie die 
Scheitel und Rücken jenes Höhenzuges einnehmen, welcher am Durch- 
bruche der March steil einsetzt, über den Grossen Br ab letz 
(342 w ü. M.), den Kl ei neu Br ab letz (327 w), St. Rochus 
(320w), Barbara, Kirchl, Kleinen Taubenbusch (370 w), 
Grossen Taubenbusch (374 m), Treiblitzer Horka (ßm m) 
fortstreicht; durch die Erosionsmulde bei Treiblitz und Markersdorf 
unterbrochen, finden wir ihre Fortsetzung in dem W oll m ann'schen 
Bruche auf der Höhe H i n t e r - Z a h o n südlich B ö h m i s c h - L i e b a u 
und im S chmidt'sch en Bruche, sowie am Wachberg nördlich 
Deutsch -Lieb au wieder. 

Das allgemeine Streichen der Ausseer Quarzite ist 4 h und mit 
dem Streichen des erwähnten Gebirgsrücken conform, das Fallen ist 
deutlich ausgesprochen 10 h unter < 60—70»; sie sind am Tauben- 



[151 r)io Eisenerzlagerstätton dos raiihrischon Devon. 43 

busch von grossen, tlieilweise offenen Klüften nach verschiedenen 
Richtungen durchzogen, dieselben werden wegen leichterer Arbeit 
von den Steinbrechern bei der Gewinnung verfolgt, insbesondere im 
Winter, wo die überlagernde Decke gefriert und darunter ohne 
Zimmerung gefahrlos gearbeitet werden kann. 

Die Ausseer Quarzite stehen jenen vom Bradlwalde an Mächtigkeit 
nach ; erstere werden durch die beiderseitigen Diabasschieferzonen 
in ihrer Verbreitung eingeengt. Grössere Mächtigkeit erreichen die- 
selben auf der Treiblitzer Ilorka, wo sie früher in mehreren Brüchen 
entblösst waren und einerseits beim Bahn- Wächterhause Nr. 19 zu 
Tage treten, andererseits bei Pissendorf an die Ausseer Diabasschiefer 
stossen. Die festesten Quarzite, insbesondere der weisse Quarz, finden 
geschlägelt zum Strassenbau Verwendung, die weniger festen Bruch- 
steine werden für Hochbauzwecke ausgehalten. 

Einen ähnlichen Parallelzug bilden die nun weiter im Hangenden 
folgenden Meedler Sandsteine, welche am Meedler Stein- 
berg (287 m ü. M.) in mehreren grossen Steinbrüchen circa 300 w 
im Streichen, 50 m in der Mächtigkeit aufgeschlossen sind und hier 
nach 3 h streichen, 9 h und 21h unter < 80 bis 85^ einfallen, also 
eine steil aufgerichtete, zusammengeschobene Schichtenstellung ein- 
nehmen. Allem Anscheine nach sind diese Sandsteine concor- 
dant der Meedl-Pinker Grünschiefer- Synklinale auf- 
gelagert. 

Vom Steinberg südwestlich verschwinden die Quarzsandsteine 
unter Löss und Lehm und erst nach Ueberschreitung der Niederung 
des Adelmannbaches finden wir sie im stark verwitterten Zu- 
stande in dem Bruche am Scheitel des Stein hübeis südwestlich 
Hlivitz, ferner am Rothenberg (269 m), bei Königlosen 
dürfte nach den zahlreichen der Ackererde inneliegenden Stufen von 
Meedler Quarzsandstein und weissem Quarz auf die Anwesenheit in 
geringer Teufe geschlossen werden. 

Vom Steinberg gegen NO begegnen wir den Quarzsandsteinen 
wieder auf dem Scheitel der Höhe rechts der Strasse Meedl- 
Trei blitz, wo sie früher in einem nun eingeebneten Bruche beim 
Bahnbau ausgebeutet wurden; weiter am Rücken des Deuts ch- 
Losener Silberberges (291 m ü. M.), dann auf der Dlauha 
hora (264 m) nordöstlich Treiblitz und erst nach der durch das 
Oskawa- und Markowathai bedingten Unterbrechung treten sie auf 
der Schön Wälder kleinen Horka und in dem Erbrichter- 
Walde nördlich Trübenz wieder zu Tage. 

In örographischer Beziehung ist noch zu erwähnen, dass die 
Meedler Sandsteine ebenfalls den Scheitel und Rücken des gedachten 
Höhenzuges einnehmen, dessen Richtung dem allgemeinen Streichen 
der Sandsteinschichten conform ist. Die Meedler Quarzsandsteine 
werden als Bruchsteine und Sand, theils zum Hochbau, theils zum 
Strassenbau, auch für Chamotterzeugung und als Form- und Schweiss- 
sand für hüttenmännische Zwecke verwendet. 

Im Gegensatze zu den Quarziten, welche als das widerstands- 
fähigere Gesteinsmateriale die Höhen dominiren, treten in dem hier 



44 Franz Kretschmer. HQl 

in Betracht kommenden Gebiet die Diabasschiefer und deren Tuffe 
als leichter verwitterbar, zumeist auf den Gehängen und in den 
Niederungen, Thälern und Gräben auf. Den drei Quarzitzügen ent- 
sprechen drei Diabasschieferzonen, und zwar ist die älteste oder 
tiefste, jene der sogenannten Ausseer Diabas s c hie f er am 
besten aufgeschlossen, auf den westlichen Abfällen des Ausseer 
Kreuzberges und des S c h 1 o s s b e r g e s, dann im Polleitzer 
Graben bis U n t e r- B e z d i e g, in dem Graben gegen L e p i n k e 
und dem Katzenstein, sowie auf letzterem selbst, wo sie theils 
in kahlen 10 — 20 m hochragenden Felspartien zu Tage anstehen oder 
in zahlreichen Steinbrüchen entblösst sind; ferner sind diese Gesteine 
mit mehreren Einschnitten der mährischen Grenzbahn zwischen den 
Stationen Markersdorf und D eutsch-Liebau durchbrochen. 
Jenseits der Liebauer Terrainmulde erscheinen sie auf der Seifen- 
lehne im Hofwald und am Ameisen hüb el in Wechsellagerung 
mit mächtigen Quarziten. Ihre weitere Erstreckung gegen NO bildet 
das dem Haidenzuge Fichtling — Hohe H a i d e vorgelagerte Berg- 
land, wo aber die lebhaft grünen chloritreichen Diabasschiefer in 
ihrer Verbreitung gegen kohlige Phyllite zurücktreten, bis diese 
letzteren weiterhin vorherrschend werden. 

Der nun folgende Schichtencomplex der Me edler Diabas- 
schiefer ist in unserem Gebiet grösstentheils zu milden Massen 
zersetzt, denen kaum die Schieferstructur erhalten blieb, welche daher 
mehr weniger tief weggewaschen sind und unter Lössbedeckung ver- 
schwinden ; ihre Verbreitung und sonstigen Verhältnisse sind erst durch 
den darin umgehenden Eisenerzbergbau näher erkannt worden. Die 
Zahl obertägiger Aufschlüsse ist demzufolge beschränkt. Am südöst- 
lichen Gehänge des Ausseer Q u a r z i t k a m m e s zeigt sich der Löss 
tief in das Innere der zersetzten Diabasschiefer von zahlreichen 5 bis 
10 m tiefen Gräben durchfurcht, wo die letzteren in dem ihnen eigen- 
thümlichen modificirten Zustande als rothe, gelbe, weisse, theils milde 
thonschiefrige, theils als lettige und bolartige Massen entblösst 
erscheinen. Guten Aufschluss gewährt der Pingenrand beim fürstlich 
L i e c h t e n s t e i n'schen Z e c h e n h a u s des Bergbaues M e e d 1. 
Charakteristische Di ab as -Man d eiste in e stehen zu Tage an in 
dem Steinbruche, wo die Fahrwege von Hlivitz und Königlosen 
nach M. -Aussee unterhalb der St. Rochus-Cap eile zusammen- 
treffen. Den erwähnten gleiche , zersetzte Gebirgsschichten sind 
mit dem ersten, nördlich des Treublitz er Bahnhofes in einer 
Curve gelegenen Eisenbahn-Einschnitt blossgelegt worden. Das Haupt- 
streichen dieser Schichten verläuft, von nebensächlichen Störungen 
abgei^ehen, parallel zu den Quarzitzügen 3 h mit wechselndem Fallen 
nach 9 h und 21h; dieselben umschliessen bei Meedl und Storzen- 
dorf die hochwichtigen Erzlagerstätten des obenerwähnten ersten 
Erzlagerzuges. 

Jenseits der Liebauer Terrainmulde erleiden diese Gesteine 
jedoch im nordöstlichen Fortstreichen eine wesentliche Störung, 
d u r c h n a c h 10 h quer v o r g e 1 a g e r t e, i n K u p p e n e'm p o r- 
ragende, pro togyn ähnliche Gneis se, welche auf dem 
Rücken des H ö h e n k a m m e s zwischen W a c h b e r g und 



[17] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 45 

13ü schelberg theils in nackten Felsblöcken anstehen, tlieils in 
mehreren Steinbrüchen gute Aufschlüsse gewähren ; die Schiefer er- 
scheinen mantelförmig aufgelagert und durch Contactwirkung niodi- 
ficirt, was am besten in dem grossen Steinbruche am südöstlichen 
Ende des Wach b e rgkam m es zu beobachten ist. weder glimnier- 
schieferähnlich veränderte Schiefer 9 h streicht, 15 h unter -^SO — 40^* 
fällt, sehr fest wird und in Quadratmeter grossen Platten bricht. 
Am Büschelberg selbst lagert weisser Quarz in mächtigen Blöcken, 
von verwittertem gelbockerigen Schiefer umhüllt. 

Der S p i t z h ü b e 1 bei ]\I o s k e 1 e, auffällig durch seine isolirt 
dastehende Kegelform, ist vorherrschend aus grobkörnigem Chi orit- 
gneiss zusammengefügt, der stellenv/eise in Wechsellageruug mit 
Grünschiefer auftritt und wieder normales Streichen 2h und Fallen 
20h aufweist. — In der Schön wälder grossen Horka, deren dom- 
ähuliche Form sofort auffällt, findet sich in mantelförmiger Auflagerung 
ein mattes, dichtes, dunkelgraues, chloritfreies, zumeist schiefriges 
Gestein mit ausgezeichneter Parallelstructur, vielfach wellig gebogen, 
gefaltet, sowie mit Lamellen glasigen Quarzes interponirt; jedenfalls 
ein durch die Nähe eruptiver Gesteinsmassen modificirter Phyllit, 
der aber an der Westseite des Berges in normale Diabasschiefer, 
beziehungsweise deren Tuffe verlauft. 

Der n r d ö s 1 1 i c h e n F r t s e t z u n g der M e e d 1 e r D i a b a s- 
s Chief er begegnen wir bei Pürkau, Janowitz, am Kalks- und 
Urlich berge bei Kl ein mehr au, am Mittelstein und Holz- 
berg bei C a r 1 s b r u n n. Auf der T u c h 1 a h n bei N e u d o r f enthalten 
die Diabasschiefer drei Gänge silberhaltigen Blei glänz es, 
auf denen ausserdem Siderit, braune Zinkblende und p]isen- 
kies nebst Kupferkies in derben körnigen Aggregaten, selten in 
Krystallen einbrechen. Cerussit erscheint sehr untergeordnet. Auf 
diesen Gängen geht ein alter, mit sehr wechselndem Glück betriebener 
Bergbau um, der gegenwärtig durch die vereinigte Königs- und Laura- 
hütte (preuss. Oberschlesien) betrieben wird. — Derselben speciell hier 
ausUralit-Diabas, schiefrigem Uralitporhyrit und deren Tutfen bestehen- 
den Gesteinszone scheinen auch die goldhaltigen Quarzgänge 
bei Dürrseifen anzugehören, jedoch verlaufen hier die Diabas- 
schiefer in theilweise ch loritis ch e Phy Ui te, die mit kohligen 
Thonschiefern wechsellagern. Die Gänge bestehen hauptsächlich 
a US g ö 1 d i s c h e n Eisenkiesen und deren Verwitterungsproduct 
B r a u n e i s e n e r z, g o 1 d- und s i 1 b e r f ü h r e n d e m B 1 e i g 1 a n z und 
f r e i g 1 d h a 1 1 i g e m, eisenschüssigem, gelbem und braunem 
Quarz; untergeordnet brechen auf den Gängen ein: Siderit, 
Magnetit, Fahl er z, Kupferkies, Zinkblende, Arsenkies 
und Antimonit. Wahrscheinlich stehen auch hier die Durchbrüche 
von Uralit-Diabas nebst seinen Varietäten mit der Vererzung im 
Zusammenhange. 

Gleichgeartet ist die (dritte) Zone der P i n k e r Diabas- 
schief er, welche, soweit sie auf der M a r c h - N i e d e r u n g verbreitet 
erscheinen, ebenfalls unter jüngeren Gebilden, namentlich Löss, ver- 
deckt sind und sich gleich den Meedler Diabasschiefern in einem weit 
vorgeschrittenen Zersetzungszustand befinden. Nur am P i n k e r b e r g e 



4R Franz Kretschmer. [18] 

und am Hofberg bei Schöiiwald treten diese Schichten näher 
zu Tage und bilden insbesondere am ersteren Orte im Verein mit 
Kalkstein, Kiesel eisenstein und Roth eise nerz einen 
isolirten Bergkegel, dessen geologische Verhältnisse erst durch den 
dort umgehenden Bergbau erschlossen worden sind. 

Weiter im nordwestlichen Fortstreichen , dort wo sich bei 
Trübenz und Pinkaute die Ausläufer des Hohen Gesenkes aus 
der Kbene erheben, treten uns diese Schichten zunächst in zwei Stein- 
brüchen rechts des Verbindungsweges von Schönwald nach Trübenz, 
dann in der Waldstrecke „Obere Sc h a c h t e n " nördlich P i n k a u t e, 
am Kreuzberg und Vogelfels bei D eutsch-P]isenberg in 
ihrer ursprünglichen Structur und Farbe als normale Diabasschiefer, 
insbesondere aber als chloritreiche D i ab a s - M a n d e 1 s t e i n e entgegen 
und streichen in merkwürdiger Regelmässigkeit conform mit den anderen 
Formationsmitgliedern nach 3 h, während das allgemeine Fallen bis 
hierher nach 21 h gerichtet ist. Die Fortsetzung derselben Schichten, 
welche von da ab nach SO fallen, lässt sich vom Res ebner Wasser- 
fall über Hau gen stein, Bitten wald, Bräu niste in, Klein- 
M h r a u, Morgenland und N e u - V o g e 1 s e i f e n, an der Grenze 
gegen das folgende Mittel-Devon weiter nordostwärts verfolgen, auf 
welchem Wege sie überall in Begleitung von Rotheisen er z- und 
Magneteisenerz- Lagern nebst Kieseleisensteinen des oben 
erwähnten zweiten Lagerzuges auftreten. 

Da in unserem Gebiete die Meedler Diabass chief er süd- 
östlich 9h und die Pinker NW 21h, also gegeneinander 
einfallen, so ist wohl mit Rücksicht auf dieses stratographische 
Verhalten und die Aehnlichkeit der p e t r o g r a p h i s c h e n 
Charaktere beider Diabasschiefergebiete die Schlussfolgerung 
zulässig, da SS dieselben in einer Mulde abgelagert sind, 
wie dies im Profil auf Tafel HI [1] angedeutet erscheint. 

Die im Unter de von vorkommenden Kalksteine haben nur 
eine geringe Verbreitung, sie bilden darin stockförmige, den Diabas- 
schiefern untergeordnete Massen. Speciell sind hervorzuheben die der 
Ausseer Diabasschieferzone parallel eingeschalteten Kalkstein-Stöcke 
im Riede „Karnik" bei Pissen dorf, wo sie- vielfach gebogen, ge- 
faltet, geknickt, am Kopf stehend oder überstürzt auftreten und in 
mehreren Steinbrüchen für die Zwecke der Erzeugung von Strassen- 
schotter abgebaut werden. 

Mit dem benachbarten Einschnitte der mährischen Grenzbahn 
bei Markersdorf wurde ein ähnlicher Kalkstein durchbrochen, 
dessen Schichten ebenfalls mannigfache Biegungen und Faltungen auf- 
weisen; dieselben streichen 4 h, fallen unter < oO« nach 10 h und 
22h, und bilden solcher Art ein flaches Schichtengewölbe, 
wie dies bei dem undulirten Schichtenbau unserer Gegend 
häufig vorkommt. 

Auch die beiden E r z 1 a g e r z ü g e der Meedler und Pinke r 
Diabasschiefer mit ihrer Fortsetzung nach NO werden theils von 
sehr kalkreichen Diabasschiefern, theils von mehr oder weniger 
verunreinigten K alk stein läge rn begleitet. Speciell am Pinker- 
berge in den dortigen Eisenerz g r u b e n ist man auf dem 



\ 



n9] Die P^isencrzlagerstätten des mährischen Devon. 47 

M a s Chilis (' li ach te in der Teufe von 4>^ in au f k ry sta Ui- 
n i s c h körnigen, hellgrauen bis weissen massigen Kalk- 
stein gestossen, der nach der Teufe bedeutend an Mächtigkeit ge- 
winnt, daselbst von ansehnlichen, weitverzweigten Höhlen durch- 
zogen ist, die theilweise von mulmigem Rotheisenerz ausgefüllt 
sind. Bei n ä h e r e r B e t r a c h t u n g z e i g t s i c h, d a s s d i e H a u pt- 
m a s s e dieses Kalksteins aus S ä u 1 e n g 1 i e d e r n von C r i- 
noiden besteht, welche insbesondere auf den angewitterten Structur- 
llächen und an den abgenagten Ilöhlenwänden in zahllosen bis finger- 
langen Säulenstücken erkennbar werden. P]s ist zumeist Crinoidearum 
genus? mit einfachem Nahrungscaiial durchbohrt, wie solche A. Halfar 
früher in dem A Is cher'schen Schieferbruche am unteren Dorfende 
von Dittersdorf bei Engelsberg gesammelt hat^); ausserdem fanden 
sich nicht näher bestimmbare Brachiopoden. Der Pinker Crinoiden 
Kalkstein ist sehr rein, wie die chemische Analyse nachweist, welche 
folgende procentische Zusammensetzung ergab: 

Procent 

Kalkerde * 99-24 

Kieselerde 0"36 

Thonerde 0-19 

Eisenoxyd 0'14 

Zusammen . . . 99-93 



B) Mitteldevon. 

Darunter wird ein mächtiges, über einen grossen Flächenraum 
ausgedehntes Schichtensystem begriffen, das aus Grau w a c k e n 
und T honschiefern zusammengesetzt ist, jedoch auf der March- 
niederung nur in wenigen sanften Elrhebungen aus dem Löss und dem 
Alluvium emportaucht, dagegen im nordöstlichen Theile zwischen 
Langendorf und Bladowitz die Breite von 9/./« besitzt, im 
Westen durch das Diabasschiefergebiet Pinke — Deutsch-Eisenberg 
und im Osten durch die Diabas-Mandelsteinzone bei Sternberg be- 
grenzt wird. 

Petrographisches Verhalten. 

Vorherrschend sind feinkörnige Gra uwacken -Sands teine, 
deren Gemengtheile mit einander theilweise verflösst erscheinen, was 
dem Gestein ein halbkrystallinisches Gefüge verleiht Weisse Körner, 
zumeist Quarz, selten relds[)ath, erscheinen durch ein chloritisch- 
thoniges Bindemittel dem Derivat der Diabasschiefer verkittet, örtlich 
wird das Bindemittel kalkspäthig. Dem Gestein kommt vorwaltend 
ein dickschiefriges Gefüge zu, welches in mächtigen Bänken abge- 
lagert ist. Grauwacken-Conglomerate sind selten. 

Die T h n s c h i e f e r sind grau, schwärzlichgrau geÜammt bis 
schwarz, bei Verwitterung wird die Färbung schmutziggelb. Parallele 

^) F. Römer, Geologie von Oherschlesien 1870, pag. 21. 



48 Franz Kretschmer. ["201 

Fälteluiig der Schieferungsfliicheii ist allgemeiu, desgleichen ist die 
falsclie Scliieferuiig häufig und infolge davon griffeltormig prismatische 
Zerklüftung. Die untersten Schichten des Systems enthalten noch viel 
von den talkchloritischen Ilesten der Diabasschiefer als sogenannte 
„faule Adern" eingeschlossen und successive vollziehen sich die Ueber- 
gänge von den Pinker Diabasschiefern zu den feinsandigen Thon- 
schiefern. 

Der Kalkstein ist gewöhnlich krystallinisch, dicht bis feinkörnig, 
hellgrau bis tiefschwarzgrau , mit Calcit durchädert, zumeist vo^n 
massiger Structur, stark zerklüftet, die Kluftiiachen mit gelbbraunen 
Letten überzogen, doch ist stellenweise auch Schichtung, bestehend 
aus 2—4 w nicächtigen Bänken, zu beobachten. Die tief dunkelgraue 
Varietät ist mehr oder weniger rein und wird im beschränkten Maße 
als B a u k a 1 k verwendet ; die hellgrauen Varietäten sind theils 
dolomitische Kalksteine, deren Gehalt an Bitterde-Carbonat 
bis zu 227o steigt, theils sind es feste Kieselkalksteine, welche für 
die Zwecke der Strassenbeschotterung gute Verwendung finden. 

Lageruiigs Verhältnisse und Gliederung. 

Zwischen den Grauwacken und Thonschiefern findet regelloser 
Wechsel statt, jedoch so, dass die Grauwacken vorherrschen. Der 
g^mze Schichtencomplex ist, wie die angrenzenden Zonen, in eine 
Jieihe paralleler — von örtlichen Störungen abgesehen — von Süd- 
west nach Nordost streichender Mulden und Sättel gefaltet, daher die 
Bestimmung der Mächtigkeit nicht möglich ist. 

In der Marchniederung sinken diese Schichten grösstentheils 
unter Löss und Alluvium; späriiche Aufschlüsse gewähren die Stein- 
brüche am Wolfs- und Galgenberge bei Mähr. -Neustadt, 
die Bahneinschnitte zwischen den Haltestellen Aujezd und Blado- 
witz; besseren Einblick bieten häufige natürliche Aufschlüsse und 
zahlreiche Steinbrüche bei Bladowitz und in den Ausläufern des 
Hohen Gesenkes. Die Grauwacken liefern einen vorzüglichen lager- 
haften Baustein. 

Die Kalksteine bei Langen dorf bilden in den um- 
schhessenden Grauwackengesteinen zwei mächtige Einlagerungen 
zwischen der Eulenberg er Strasse einerseits und dem Dorfe 
Karle andererseits, welche am Fusse des Vogelfels einsetzen 
über diesen hinweg nach Eulenberg, dem Uhustein gegen NO 
lortstreichen und nordöstlich Zech an endigen. Das allgemeine 
Streichen dieser Kalklager ist 3-4 h, das Fallen 9-10 h unter 
< 40—50". 

Nachdem der in Uede stehende Schichtencomplex zwischen den 
unzweifelhaft unterdevonischen Quarziten und Diabasschiefern einer- 
seits, sowie den einem höheren Niveau der Devonformation ange- 
hongen Sternberger Schichten andererseits lagert, so ergibt sich für 
denselben nach Maßgabe seiner stratigraphischen Stellung zwischen 
diesen beulen Altersstufen ein mitteldevonisches Alter 



[21] Uie Eiseiit'izlagerstiittt'ii des mälirischeii Devon. 49 



C) Oberdevon 

Dasselbe umfasst in der Gegend bei Stern berg ein System 
von G r a u w a c k e n - Sandsteinen, T h o n s c h i e f e r , sowie 
mächtige D i a b a s - M a n d e 1 s t e i n e mit körnigen als anch dichten 
Diabasen und D iabas-Porpli y rite n nebst Kalksteinen. In 
Begleitung der Mandelsteine treten die Eisenerzlagerstätten des p]in- 
gangs erwähnten dritten Eis enerzlagerzuge s auf. 

Petrographisches Verhalten. 

Die G r a u w a c k e n - S a n d s t e i n e lassen sich kaum von den 
oben geschilderten mitteldevonischen unterscheiden, sie sind nur 
deutlicher körnig, die Gemengtheile weniger verflösst als bei den 
letztgenannten. Das Bindemittel ist zumeist kalkhaltig, daher Brausen 
mit Säuren beständig zu beobachten. Häufig ist das Gestein sehr 
grobkörnig, doch nicht in dem Maße, dass es als Conglomerat 
bezeichnet werden könnte. Durch Verwitterung wird das Gestein 
schmutziggelb. Local sind die im Hangenden der Eisenerzlagerstätten 
in grösserer Mächtigkeit auftretenden Sandsteine ihres kalkhaltigen 
Bindemittels beraubt und zu gelblichen bis weissen Sauden ver- 
wittert, welche, mit Wasser wie ein Schwamm durchtränkt, Schwimm- 
sand ähnliche Massen bilden, die beim Schachtabteufen Schwierig- 
keiten entgegensetzen. 

Die Thonschiefer zeigen viel mehr als die mitteldevonischen 
das Aussehen mechanisch gebildeter Sedimente, das glimmerschiefer- 
ähnliche Gefüge, sowie die parallele Fältelung fehlt. Die Thon- 
schiefer übergehen durch sandige Thonschiefer in Grauwacken-Sand- 
steine, zwischen welchen Gesteinen eine wiederholte Wechsellagerung 
stattfindet. 

Aehnlich, aber doch anders erscheinen die T h o n s c h i e f e r, 
welche die Diabas-Mandelsteine local in ansehnlicher Mächtigkeit, 
gleich einer m a n t e 1 f ö r m i g e n Hülle, umgeben oder zwischen 
denselben eingeschlossen sind. Dieselben erscheinen hellgrünlichgrau 
bis bläulichgrau, schwarzgefieckt, durch Verwitterung gelbfleckig ; ein 
vorzügliches schieferiges Gefüge und eine ebensolche Spaltbarkeit 
ist ihnen durchwegs eigenthümlich, daher sie früher häufig zur 
Dach schief er-Gewinnung Anlass geboten haben. An zahlreichen 
Punkten zeigen diese Schiefer ausgezeichnete Parallelstructur und 
Fältelung, sowie sehr häufig die Erscheinung transversaler Schieferung, 
beispielsweise im 1 1 i l i e n s t o 1 1 e n bei G o b i t s c h a u . auf der 
alten D eutsch-Hauser Strasse zwischen Wächtersdorf und 
Gobi tschau, am Waldwege am oberen Ende von Lippein und 
zahlreichen anderen Orten. Häufig ist der Schiefer insbesondere in 
der Nähe der Eisenerzlagerstätten kalkhaltig oder derselbe um- 
schliesst Kalkstein in Lagen und Knollen oder letzterer wechsel- 
lagert in dünnen Bänken mit dem ersteren ; ferner enthält derselbe 
Schiefer bisweilen Trümmer und mächtige Blöcke von Grauwacken- 
Sandstein eingeschoben. 

.Jalirl). d. k. k. geol. Heichsaiistalt, 1899, 49. Baucl, 1. Heft. (Kr, KretscliHicr.) 7 



50 Franz Kretschmer. [22] 

Das Vorkommen von Kalkstein ist auch liier nur ein unter- 
geordnetes; derselbe ist von dunkelgrauer bis hellgrauer Farbe und 
bildet in der oberwähnten Schieferhülle der Diabas-Mandelsteine 
geringmächtige, linsenförmige Lager. Im Kalkgraben beiRietsch 
treten im mittleren und hinteren Tiieile desselben an den Gehängen 
1-5 — 3-0 w und mehr, mächtige Kalklager in der gedachten Schiefer- 
hülle auf, welche in mehreren Steinbrüchen ausgebeutet wurden. Der 
Kalkstein, welcher wohlgeschichtet ein dickschieferiges Gefüge 
besitzt, 2-3 h streicht, -8 — 9 h unter -^ 45^ einfällt, liefert nach dem; 
Brennen einen reinen, sandfreien Speckkalk, der für Bauzwecke 
der nächsten Umgebung Verwendung findet. — Andere, ebenfalls 
nur geringmächtige Kalksteinlager, finden sich auf Kaminka süd- 
westlich VV ächtersdorf. im Walde Poppenried nordöstlich Go- 
bi t s c h a u in Begleitung von K i e s e 1 e i s e n e r z, D i a b a s - M a n d e 1- 
stein und Schal stein. 

Die Diabasgesteine gleichen durchaus denjenigen in den 
Umgebungen von Dillenburg (Nassau), Bennisch (Schlesien ^) und an 
anderen Orten : es sind folgende Varietäten hervorzuheben : 

Körniger Diabas tritt innerhalb der gedachten Gesteinszone 
nur sporadisch auf. als ein krystallinisches Gemenge von normaler 
Zusammensetzung und dunkellauchgrüner Farbe, ein echtes Massen- 
gestein mit polyedrischer Zerklüftung. Herr Prof. H. Ilö f ör (Leobeii) 
hatte die Güte, den Diabas aus dem Steinbruche links am Wege 
Riet seh nach dem Kuhgraben u. d. M. zu untersuchen und lautete 
der Befund: ,.Normaler Diabas, bestehend aus Plagioklas, Augit, 
Chlorit, Magnetit, Titanit und wenig Apatit, stark ver- 
wittert, daher im Schliffe nicht durchsichtig, dennoch manche Plagio- 
klase ziemlich frisch." — Herr Dr. A. Pelikan (Wien) fand in 
demselben Gestein: Augit rothbraun, Titan eisen mit Titanit- 
r a n d, Plagioklas, Chlorit, und erklärte dasselbe für einen in 
Zersetzung begritfenen Diabas. 

Granitische Diabasgemenge sind selten, dagegen häufiger Diabas- 
porphyrite. In einer lauchgrünen, grünlichgrauen, zuweilen ge- 
bleichten hellgrauen Diabas-Grundmasse liegen zahlreiche, selten 
frisch erhaltene, zumeist mehr oder weniger stark alterirte bis centi- 
metergrosse, weisse bis gelblichgraue Krystalle von Plagioklas 
(OligoklasV). während Augit-Einsprengiinge gänzlich fehlen. Auch 
dieses Gestein erscheint von zumeist massiger, vielfach zerklüfteter 
Structur. häufig ist dasselbe jedoch durch Gebirgsdruck schiefrig 
geworden. Besonderes Interesse knüpft sich an die im Ottilien- 
Stollen bei der K 1 u n k e r m üble vorkommenden Diabasporphyrite, 
ein lebhaft grasgrünes Gestein, dicht durchschwärmt von weissen 
Schmitzen, letztere bestehend aus Calci t, mit einem Reste unzer- 
setzten, sehr basischen Plagioklas es. Viele von den weissen 
Partikeln zeigen deutliche Krystallumrisse. Diese Deformation von 
Krystallen dürfte dem Gebirgsdruck zuzuschreiben sein und hat man 
es also hier mit einem gequetschten Diabasporphyrit zu thun. In 



') Die Eisenerzberghaiie bei Henniscb (Schlesien) von Franz Ktotsobmer. 
Oesterr. Zeitschr. f. B. u H. Jahrgang XLII, S. 167. ■ 



|2o] I^'f Eisnufrzlagerbtiitteii dos inährischoii J)c!V()n. 51 

einem kSteiiibruclie und einzelnen am Tage herumliegenden ötutt'en 
fand ich bei Krokersdorf einen reichlich makroskopischen Titanit 
führenden Diabasporphyrit. Speciell auf dem Westgehänge der 
F eiger 1 koppe , östlich Niedergrund, am Waldwege von der 
Reiclisstrasse zur Kukuksbaude, treten Diabasporphyrite auf, 
welclie stellenweise faust- bis kopfgrosse Bruchstücke von Diabas- 
Mandelstein umschliessen ; diese intereissanten Breceien sind innig 
verflösst, so dass deren Bestandtheile erst durch Verwitterung besser 
hervortreten. 

Im Gegensatze zu den vorigen Varietäten erscheinen die 
Diabas-Mandelsteine wohlgeschichtet und von lagerartigem 
Charakter; es kommt denselben fast durchwegs ein zumeist dick- 
vscbieferiges, plattiges und langklüftiges Gefüge zu. In der gewöhnlich 
lauchgrünen dichten Grundmasse liegen mohnkorn- bis hanfkorngrosse, 
weisse, seltener gelbe, rothe oder violette Körner von Kalkspatli. 
In ganz frischem Zustande ist die Farbe des Gesteins grünlichschwarz, 
bei beginnender Verwitterung jedoch erscheint häufig die Grundmasse 
hellgrün gebleicht, grünlichgrau bis hellgrau, was auch durch ursi»rünglich 
chloritreiche und chloritarme Abänderungen bewirkt wird. 

Hieran schliessen sich noch folgende Varietäten: Diabas- 
aphanit (Diabasschiefer), worin die Kalkspathkörner gänzlich ver- 
schwunden sind und die in der Regel cidoritreiche Diabasgrundmasse 
ausschliesslich vorherrscht, also eine Art Grünscliiefer ausgebildet wird. 

Kalkaphanit; in der aphanitischen, beziehungsweise chlori- 
tischen Diabasgrundmasse erscheinen die Kalkspathkügelchen immer 
häufiger und schliesslich so dicht gedrängt, dass Leisten und Lagen 
von Kalk entstehen, welcher endlich derart vorherrschend wird, dass 
die Diabasgrundmasse bis auf wenige Membranen verschwunden ist. 

Herr Professor H Höfer hatte die Güte, die Diabas-Mandel- 
steine ebenfalls zu untersuchen, und fand u. d. M. : 1. Diabas- 
Mandelstein aus dem Steinbruche im Liegenden der Eisenerz- 
zeche „Paul" in der Ob er au bei Sternberg, frisch erhalten, 
grünlichschwarz, mit sehr vielen Iialkspathkügelchen durchsetzt. 
„Normaler Diabas-Mandelstein, sehr reich an Erzen, Plagioklas 
noch zum Theil erhalten, Augit völlig chl oritisirt, Kalkspath- 
kügelchen häufig durch Calcitmasse verbunden." 

2. D iabas ap h an it, mit dem Ot tilie nsto llen bei Gobit- 
schau in 175w. Entfernung vom Mundloch durchbrochen: „Grüner 
Schiefer, kalkreich, in welchem die Entstehung aus Diabas kaum 
mehr nachzuweisen ist, K a 1 k s p a t h und C h 1 o r i t vorherrschend. 
Feldspath völlig in Kaolin und Quarz zersetzt, von Siderit 
begleitet Sonst Mangel an Erzen, auffallenderweise auch ohne 
Limonitbildung, daher weniger verändert." 

.3. Diabas-Mand eist ein modiiicirt, gebleicht, hellgrau, aus 
dem Gobitsc hau er P]rb stellen, bei 200 ni vom Mundloch 
anstellend: „Erinnert an gewisse Variolite, ist aber kalkreich, viel 
umgewandelte Tuffmasse , die nicht durchsichtig wird und deren 
Zusammensctzuiig daher problematisch bleibt.'' 

Auch lloiT Dr. A. Pelikan hatte die Güte, die erwähnteji 
Diabasgesteine aus demselben Stollen u. d, M." zu untersuchen und 



52 Franz Krotschmor. [24] 

hat. die Ergebnit^se dieser Forschungen in seiner, nach Vollendung 
vorliegender Arbeit erschienenen Abhandlung: „Ueber die mährisch- 
schlesiche Schalsteinforniation von A. Pelikan" (Sitzungsber. der 
kais. Akad. d. Wissenschaften in Wien, Juni 1898. Bd. CVII, Abth. 1) 
veröffentlicht. P]ine systematische Sammlung der mit dem gedachten 
Stollen durchfahrenen Gesteinsreihe, sowie Proben der körnigen Dia- 
base und Diabasporidiyrite obiger Fundorte, welche ich an Professor 
F. Becke eingesendet, gelangten bei dieser Arbeit in Verwendung. 
Pelikan hat einen Theil der Diabasgesteine aus der Umgebung von 
Sternberg als S p i 1 i t • M a n d e 1 s t e i n , beziehungsweise S p i 1 i 1 1 u f f 
erkannt. 

Durch V e r w i 1 1 e r u n g und A u s 1 a u g u n g werden die Kalk- 
spathmandeln und -Körner des Diabas-Mandelsteins weggeführt, und 
es erübrigt ein poröses, löchriges und schwammartiges Gestein, das 
sich bei fortschreitender Verwitterung zunächst graubraun färbt, 
dann zu milden, verschieden braungelb bis weiss gefärbten T hon- 
schiefern zersetzt erscheint, um schliesslich in gelbbraune, letten- 
artige Massen aufzugehen. 

Schalstein, feinerdige Grundmasse von Diabas mit Kalk- 
und T hon Schiefersediment vermischt, umschliesst Bruchstücke 
von T h n s c h i e f e r, F e 1 d s p a t h, K a 1 k s p a t h und erhält dadurch 
das deutliche Aussehen eines mechanischen Sediments ; örtlich finden 
sich Schalst ein-Conglomerate und Breccien. sowie loser 
S c h a 1 s t e i n s c h u 1 1. Eine nicht unbedeutende Rolle spielen 
breccienartige Gesteine, bestehend aus Mandelstein- 
Bruchstücken mit Kalkbindemittel. Solche Breccien finden 
sich beispielsweise am Weinberg bei Sternberg und beim Gobit- 
schauer Kreuz, links der alten Deutsch-Hauser Strasse etc. Alle diese 
oben angeführten Varietäten der Diabasgesteine sind durch zahlreiche 
Uebergänge miteinander und den obgedachten Thonschiefern ver- 
knüpft. 

Wirft man einen Rückblick über die oben geschilderte Gesammt- 
reihe der dem mährisch-schlesischen Devon eingeschalteten Diabas- 
gesteine, so finden wir dieselben durch folgende petrographische 
Unterschiede scharf charakterisirt : Während in den Diabaszügen 
des Unterdevons die ai)hanitischen Diabassrhiefer und deren Tuffe 
die Hauptmasse der betreffenden Gesteinszonen bilden und andere 
Varietäten dagegen fast ganz zurücktreten, sind in dem ober- 
devonischen Diabaszuge die Mandelsteine vmd Schalsteine w^eitaus 
vorherrschend. Auffällig ist es, dass neben den ausgezeichnet schief- 
rigen und geschichteten Diabasgesteinen, welche grössere Mächtigkeiten 
und weite Verbreitung erreichen, massige Diabase sowohl in den 
unter-, sowie auch oberdevoiiischen Diabaszonen so vereinzelt auf- 
treten. Die Diabaseruptionen haben währe.nd der ganzen 
D e v u z e i t wiederholt, und zwar submarin, statt- 
gefunden mit nachfolgender Zerstäubung und Sedimentation des 
Diabasmaterials, welches gleichzeitig mit Kalk- und Thonschiefer- 
sediment zum Absatz gelangte. Am nachhaltigsten und stärksten 
wirkten diese Vorgänge im Unterdevon, wo die Diabasgesteine ihre 
grösste Entwicklung erlangen, während h\ den oJ)eren Horizonten des 



r2r)] ni(> Kisenorzlagorstätten dos mährischen Devon. 53 

Oberdovoiis sicli diese Krsclieimnifieii wesentlich abschwächten, so dass 
nur die sclnnale Diabaszone Stornberg — Benniscii zur Ausbildung- kam. 
Eine auffällige Thatsache ist es. dass in dem oberdevonischen 
Diabaszuge Sternberg — Bennisch C o n t a c t g e s t e i n e . ähnlich den 
Harzer Spilositen und Desmositen gilnzlich fehlen; dagegen werden 
die unterd^nonischen Diabasgebiete, wie aus obigen Ausführungen 
hervorgeht, von Thonscliiefern begleitet, welciie zu rhylliten meta- 
morphosirt erscheinen; letztere sind aus^^rdem local hornschiefer- 
artig und dickplattig abgesondert. 



N'crbreituiig,' und Gliederung'. 

Das Schichtensystem bei Steruberg und Umgebung gehört 
einer 42 hn langen und durchschnittlich 1 /.;// breiten Gesteinszone 
an, welche ich bereits früher beschrieben i) ; dieselbe taucht bei Stern- 
berg im SW aus der Marchnie d erung empor und streicht über 
D e u t s c h - L d n i t z , Barn, C h r i s t d o r f , Bennisch bi s 
Lichten im NO; bei Sternberg nimmt dieselbe die grösste 
Breite, ca. 2T) h-tn ein, wo sie von Bladowitz im W bis an die 
aus Sandsteinen und kohligen Thonschiefern bestehenden Culm- 
schichten dicht bei der Stadt, ausgedehnt ist. 

Speciell die Diabasgesteine bilden in o r o g r a p h i s c her Be- 
ziehung zahlreiche, theils auffällige Rücken, theils domförmige 
Kuppen, denen 5 — 10 w hohe felsige Höcker, insbesondere am 
Scheitel derselben, aufgesetzt erscheinen ; sie sind bei Sternberg 
petrograi)hisch am vollständigsten entwickelt und erreichen mit den 
ihnen untergeordneten Thonschiefern daselbst die grösste Ver- 
breitung auf dem gedachten Zuge. Die Kenntnis ihrer Lagerüngs- 
verhältnisse ist insbesondere durch den Eisenerzbergbau gefördert 
worden. 

Die Hauptmasse der Diabasgesteine mit den eingeschalteten 
und umschliessenden Thonschiefern lagert dem Kreuzstreichen nach 
zwischen den Gemeinden Rietsch und Wächtersdorf: dagegen 
reichen sie im Streichen vom Strachow bis in den Kalk graben 
und von Babitz bis in den Popenried nordöstlich Gobitschau. 
Eine Einlagerung von weit geringerer Ausdehnung findet sich im 
Liegenden der Hauptzone am Altar st ein nordöstlich Rietsch. 
Eine dritte Zone von Diabasgesteinen setzt oberhalb dem StJ'ern- 
b e r g e r S c h 1 o s s b e r g ein und streicht zu beiden Seiten der neuen 
und alten Reichsstrasse bis dicht an Lippein heran über die Höhe 
Eccehomo bis in die „Mastichen" nächst Neudoi f. - ■ 

Das normale Hauptstreichen der Diabaä-Mandelsteihlager 
ist conform den Grauwackengesieinen zwischen 2—4 h schwankend, 
das Fallen durchwegs 8—10 h unter < 30 bis 45^. Nur auf den 
„ G r s s e n B e r g e n " in der b e r a u und am W e i n b e r g westlich 
Stern berg ändern die Diabassteine ihr normales Streichen, welches 
daselbst einen Haken bildet, sich fast in das normale Kreuzstreich^n 
8— 10 h vorlegt, in welcher Lage dieselben an den Gehängen des 



^) Oesterr. Zeitschrift für Berg- u. Hüttenwesen, Jahrg. 1894, XXII, pag. 165 



54 Franz Kretschmer. '[^^] 

Weinberjies bei der Lanp;engiisse zu Tage ausstreiche«. 5 Die Graur 
wackengesteiue ersclieinen parallel dieser hakenförmigeii, Einbuchtung 
der Diabas-Mandelsteine gelagert. 

Die theilweise kalkhaltigen, dachschieferähnlichen Thon- 
schiet'er wechsellagern häufig, in bald sehr ansehnlicher, bald ge- 
ringfügiger Mächtigkeit mit den Diabasgesteinen ; fast alle Djabas- 
■gesteinslager erscheinen an den Grenzen gegen die Grauwacken- 
sandsteine von einer local sehr mächtigen Hülle solcher Thonschiefer 
umschlossen, welche insbesondere am Wege von Rietsch zum 
A It a r s t e i n, im K a 1 k g r ab e n, an der alten und neuen Deutsch- 
hauser Bezirks Strasse, sowie den Gehängen des Schäfer- 
b a c h t h a 1 e s nördlich G b i t s c h a u " zu ansehnlicher Mächtigkeit 
gelangt sind und in früherer Zeit in zahlreichen Brüchen für die 
•Zwecke der Da ch.sc hi efer-Erzeugung ausgebeutet wurden. Diese 
Schieferbrüche sind jedoch seither alle wieder zum Erliegen ge- 
kommen, weil der Schiefer,^.heils zu sehr gebräch, eine zu geringe 
Ausbeute lieferte, und doch wieder zäh und pelzig war, theils dessen 
Farbe unansehnlich erschien und sich demzufolge die Gewinnung 
nicht lohnte. 

Merkwürdigerweise sind in dem tief eingeschnittenen Defilee 
des Schäferbaches selbst nirgends Diabasgesteine constatirt worden ; 
derselbe hat sein Bett durchwegs in den Grauwacken gegraben, 
während die Diabasgesteine zu beiden Seiten die Höhen beherrschen. 

Körnige Diabase sind nur auf wenige Aufschlusspunkte be- 
schränkt, und zwar: In dem bereits erwähnten Steinbruche links des 
Fusssteiges von Rietsch nach dem Kuhgraben, lagern solche 
im weiteren Liegenden der Kuhgrabener Eisenerzlagerstätte; im 
Steinbruche auf dem nordwestlichen Gehänge des Klobens (Reh- 
koppe) und auf dem letzteren selbst als nackte Felsmassen zu Tage 
anstehend; ferner an den Abhängen des Weinberges gegen die 
Langegasse bei Sternberg in Begleitung eisenschüssiger, dunkler 
Diabas-Mandelsteine etc. etc. 

Diabasporphyri te sind insbesondere sehr charakteristisch 
auf der Feiger 1 k p p e südlich der Kukukskoppe zu Tage an- 
stehend ; dieselben wurden ferner in dem Steinbruche im sogenannten 
Poppenried nördlich Gobi tschau als Strassenschotter gewonnen; 
ein ähnlicher Porphyrit kommt auf der Höhe Peinitz östlich der 
Colonie Levin, in der Waldstrecke Raaba östlich Rietsch und 
an zahlreichen anderen Punkten vor. 

Schöne Aufschlüsse über die Gesteinsreihe der Diabasgesteine 
werden insbesondere im p]isenhahneinschnitte Strahow zwischen 
K r c k e r s d r f und B 1 a d w i t z dargeboten ; hier ist vorwaltend 
ein aphanitischer Diabasschiefer mit spärlichen Kalkeinschlüssen ver- 
itreten. — Ein lehrreiches Beispiel über die Lagerungsverhältnisse 
der gedachten Gesteine bietet ferner der bei der sogenannten 
K 1 u n k e r m ti h 1 e angeschlagene 1 1 i 1 i e n s 1 1 1 e n der Zöptauer 
und Stefanauer Bergbau und Eisenhütten-Gewerkschaft, welcher fast 
im Kreuzstreichen gegen die Eisenerzlager im „Kreuzried-' bei 
Gobi tschau aufgefahren wird und von seinem Mundloch weg, vom 
Hangenden zum Liegenden folgende Gesteinsreihe durchbrochen hat: 



["27'] Die Kisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 5'5 

Meter 

Thon schiei'er, (lüiinschiefrig, briU-hi«», mit zarter Faltelunp; 

auf den iStructurHachen und transversaler Schieferung, um- 

schliesst Trümmer von Grauwac k en -San d stein . . 80*o 
Diabas-Man de Istein, hellgrau, untergeordnet Einlage- 
- rungen von chloritreichem Diabasaphani t , weissem 

Quarz und Calci t . . 3rO 

M a g n e t e i s e n e r z, reich 0-3 

Diabas- Mandelstein, chloritarm , grau , untergeordnet 

Kalkschalstein . . . 9:2. 

Diabas-Man de Istein , chloritreich , grün, untergeordnet 

Diabasaphanit . 35*0 

Diabasporphyrit, gras- bis lauchgrün, gequetscht . . . 9-0 
D i a b a s p r p h y r i t, wie vorher, zum Theil D i a b a s-M a n d e 1- 

stein mit Erzschnürchen, zu unterst Kalkschalstein 85-0 
Zertrümmertes Ph'zlager. unbauwürdig, bestehend aus 

Magnet- und Braun eisen erz, weissem Calci t und 

Quarz, nebst tauber Lagerausfüllung bO 

Thon schief er, wie oben, mit Ausscheidungen weissen 

Quarzes . 45-5 

Kalkschals tein, untergeordnet Man de Istein .... H8-5 
Diabas, dicht, schwärzlichgrün, massig, wechsellagernd mit 

schieiVigem Diabasi)0 rphyri t 35*0 

Zusammen . . 4Ö4'Ö 

Diese Schichten streichen im Stollen allgemein 3 h. fallen 9 h 
zwischen > 30 bis 40*^ schwankend ; dieselben sind von sehr zahl- 
reichen Parallel- und Kreuz k lüften durchsetzt, welche, von 
glattem, lettigem Gesteinsblatt beginnend, bis zu 1 m Mächtigkeit 
und darüber erreichen. Die mächtigen Klüfte sind mit Zermal- 
mungsschutt ausgefüllt, zeigen an den beiderseitigen Saalbändern 
gestreifte und spiegelige Rutsch flächen und tragen somit den 
Charakter von Dislocations spalten an sich. Von dem schwachen 
Magneteisenerzlager abgesehen, das im Diabas -Mandelstein 
eingeschlossen erscheint, ist blos auf der Gesteinsscheide der ersten 
Diabaszone und dem folgenden zweiten Thonschieferlager ein zer- 
trümmertes E i s e n e r z 1 a g e r zur Ausscheidung gelangt, während 
die übrigen Gesteinsscheiden im Stollen, soweit die heutigen Auf- 
schlüsse reichen, leer geblieben sind. 

Im Zuge der Diabasgesteine nördlich Lippein und bei Ecce- 
homo treten häutig porphyritarti ge Diabase und Diabas- 
porphyrite auf, mit scharfkantigen, theilweise caolinisirten 
Plagioklas-Einsprenglingen. Daselbst findet sich auch Kalk schal- 
stein am linken Thalgehänge nördlich Lippein, unterhalb Ecce- 
homo in einer circa 10 7n hohen zerklüfteten, grossblockigen Felspartie 
zu Tage anstehend. 

Der Schichtencomplex der Diabasgesteine und Thonschieferlager 
bei Sternberg überhaupt ist,, wie oben angedeutet, durch zahl- 
reiche Drüche gestört und bieten in dieser Richtung ein be- 
sonderes Interesse die mit dem ttilienstollen bei der Klunker- 



5ß Franz Kretschnier. [28] 

mühle durchbrochene Schichtenreihe und die Stalf elbrüch e auf 
der Mathildezeche l)ei Wächtersdorf, von welch' letzteren 
noch weiter unten ausführlicher die Rede sein wird (siehe Fig. 3). 
Neben diesen Erscheinungen im Grossen machten sich auch solche 
im Kleinen geltend und führten selir häutig an solchen Stelleu der 
gedachten Gesteinsreihe, welche starkem seitlichem Drucke ausgesetzt 
waren , zur 11 u n z e 1 u n g . Faltung, g e k r ö s e a r t i g e n W i n- 
dungen, vielfachen Biegungen und zickzackförmigen Knickungen, 
sowie zur t r a n s v e r s a 1 e n S c h i e f e r u n g der Schichten. Damit im 
Zusammenhange steht die d y n a ni o m e t a m o r p h i s c h e Gesteins- 
u ni w a n d 1 u n g , welche sich namentlich deutlich in den d e f o r- 
niirten Plagioklas-Finsprengiingen der Diabasporphyrite ausspricht, 
welche u. d. M. Kataklasstructur zeigen. 

Vorstehende Beobachtungen sind geeignet, die von der k. k. 
geologischen Reichsanstalt herausgegebenen Specialkarten, speciell 
das Blatt Zone 6, Col. XVI, Mähr.-Neustadt — Schönberg, geologisch 
colorirt nach der älteren Aufnahme von M. V. Lipoid, wesentlich 
zu ergänzen und zu erweitern. Während diese Karte fünf Diabaslager 
erkennen lässt, erhellt aus obigem, dass es thatsächlich weit zahl- 
reichere Diabasstöcke und Lager sind, die theils inselartig, theils in 
Lagerzügen aus den umschliessenden Thonschiefern hervortreten, 
welch letzteren Grauwacken-Sandsteine entweder blos eingeschaltet 
oder aber denselben in mächtiger Zone unter- oder aufgelagert 
erscheinen. 

Wie die im (Jttilienstollen bei Gobitschau verquerte Schichten- 
folge lehrt, zeigt sich daselbst ein rascher Wechsel mannigfaltiger 
Diabasgesteine mit Thonschiefer. Eine ähnliche Schichtenfolge lagert 
westlich vom Kaminka-Maschinenschachte im Kaminkawalde und eine 
ebensolche wurde auch mit dem Eisenerzbergbau im Kuhgraben bei 
Rietsch erschlossen. Weitere Aufschlüsse an anderen Orten des ge- 
dachten Gebietes mangeln, doch würden dieselben sehr wahrschein- 
lich ebenfalls eine rasche Wiederkehr derselben Schichten ergeben. 

In dem Querprofil auf Tafel III [1] habe ich blos die fünf vom 
Liegenden zum Hangenden, stets am Contact von Diabasgestein und 
Thonschiefer einander folgenden E i s e n e r z - E i n 1 a g e r u n g e n dar- 
gestellt, wie dieselben in der Profillinie Rietsch— Kaminka-Maschin- 
schacht zum Schnitt gelangen. Weitere Details konnten darin des kleinen 
Maßstabes wegen nicht aufgenommen werden. Dass der rasche Wechsel 
der Schichten, wie ihn beispielsweise das Profil des Ottilienstollens 
darbietet, auf einer einfachen Wechsell.igerung beruht, ist wohl zu 
bezweifeln, auch dürfte es sich nicht um Faltenbildungen handeln, 
vielmehr weisen die zahlreichen und mächtigen Dislocations- 
spalten im Ottilienstollen darauf hin, dass wir es mit einem 
Bruchgebirge zu thun haben, demzufolge die rasche Auf- 
ein a n d e r f Ige derselben Gesteine v e r m u th li ch mit Ve r- 
w e r f u n g e n u r s ä c h 1 i c h z u s a m m e n h ä n g t. 

An a n o r g a n i s c h e n E i n s c h 1 ü s s e n ist die eben geschilderte 
Schichtenreihe bei Sternberg sehr arm. Nach Römer') wurden zu- 



') Römer. Geologie von Oberscblesien 1870, jag. 3(t. 



[29] Die Eiseuerzlagerstätten des mührisclieii Devon. 57 

sammengedrückte Individuen der Gattung Stfi/ioJa sp. in einem mürben 
T h n s c li i e fe r bei G o b i t s c h a u aufgefunden, womit ganze Schiefer- 
lagen erfüllt sind. Auf den K a 1 k s t e i n 1 a g e r n im K a 1 k g r a b e n bei 
Rietscli sollen früher sparsame organische Reste von Korallen 
und B r a c h i o p öden gefunden worden sein (?), Kriechspuren und 
Polypenreste hat man auch in der Schieferhülle der Diabas- 
gesteine an dem rechtsseitigen Gehänge im Kalk graben beobachtet. 
Diese Versteinerungen sind zur Feststellung eines geologischen Niveaus 
kaum zu benützen. Nachdem jedoch die Sternb erger S chi cht en 
in derselben Gesteinszone lagern, welche F. Römer unter dem Namen 
„Bennischer Schichten" zusammengefasst hat, so sind die ersteren 
gleich den letzteren nach Maßgabe der allgemeinen Lagerungsverhält- 
nisse j e d e n f a 1 1 s j ü n g e r a 1 s d i e u n t e r d e v n i s c h e n B r a d 1 e r 
Quarzite und die den letzteren benachbarten älteren 
Diabasschiefer, sowie die angrenzenden mitteldevoni- 
schen Grauwacken. 



Besondere Mineralvorkomnmisse. 

Quarz (Bergkrystall). In bis 6 Centimeter langen und 2 Centi- 
meter dicken, farblosen, weissen bis rauchgrauen Krystallen der Form 
CO P.K, — B, oft verzerrt, pellucid, glasglänzend, zuweilen in schönen 
Drusen und Gruppen. Häufige Pseudomorphosen, d. h. Zellräume 
nach verschwundenen bis 3 Centimeter grossen Calciten, welch 
letztere den Mittelkanten parallel gestreift waren. Auf Klüften, 
Spalten und Plohlräumen der F^rz Lagerstätten zu Meedl und 
Storzendorf, sowie in den Ausseer Quarzite n. 

Galcit vom Bergbau Meedl und Pinke. Farblos, weiss, gelb 
und röthlich, häufigste Krystallform B; dann an Pinker Krystallen 
— 47/ oder auch 2 B zuweilen combinirt mit 4F und j // in büschel- 
und garbenförmiger Gruppirung, pellucid, glasglänzend ; auf Klüften 
im Kieseleisenstein. 

Calcit von Liskowetz und Kuh graben bei Rietsch nächst 
Sternberg. Zumeist kleine bis centimetergrosse, farblose bis weisse 

Krystalle ; häufig vorkommende Form B, ferner ~ B. cc R reihen- 

und treppenförmig gruppirt und zu schönen Drusen verbunden, auf 
B r a u n e i s e n e r z aufsitzend. 

Am Eduardschacht IV bei Gobitschau, ebenfalls se- 
cundär auf Klüften im Diabas man de Ist ein. Schöne Drusen und 
Gruppen von weissem und farblosem Calcit der Form B3.B, die 
äussere Oberfläche der grösseren Rhomboeder und Skalenoeder gegen 
das Poleck, aus unzähligen kleinen Rhomboedercheu in paralleler 



Magnetit. Bildet in kleinen bis millimetergrossen Kryställchen, 
in grosser Menge eingesprengt, einen wesentlichen Gemengtheil der 
Meedl er Rotheisenerze. Vorherrschende Form der Krystalle 
ist 0, selten combinirt mit oo od, metallisch glänzend, eisenschwarz. 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, l. Heft. (Fr. Kretsclimer.) ö 



5 g Franz Kretschmer. [30] 

Grössere Krystalle sitzen, zu Gruppen verbunden, auf den Structur- 
flächeu der iVleedler Erze. Auch den Pinker Erzen ist Magnetit 
in kleinsten Octaedern, jedoch sparsamer eingestreut. 

Eisenkies. Die zumeist kleinen Krystalle, speisgelb bis gold- 
gelb, metallisch glänzend, zeigen nur die einfache Form ccOoo, 
eingesprengt in den Erzen und Kieseleisensteinen zu Meedl 
und Pinke, insbesondere an den Ausbissen ihrer Lager. 

Ferner metasomatische Prjeudomorphosen von Göthit nach 
Eisenkies, bis centimetergrosse Krystalle — fast ausschliesslich 
der einfachen Form co go, häufig nach einer tetragonalen Axe ver- 
längert, deren Gestalt dann der tetragonalen Combination ccP.OP 
ähnlich erscheint; aber auch Durchkreuzungszwillinge mit geneigten 
Hauptaxen beider Individuen. Dicht gedrängt eingewachsen in die 
weiter oben geschilderten D i a b a s t u f f e, sogenannte Pyritschiefer, 
welche in Begleitung der Meedler Erzlagerstätten auftreten. Dieses 
interessante Vorkommen verdient einen Platz in jeder Sammlung. 
Auch in w^eissem Quarz und in den Kieseleisensteinen der 
Meedler und Pinker Erzlager eingesprengt. 

Psilomelan. Amorph, in traubigen, nierenförmigen oder 
stalaktitischen Formen von schaliger Structur, eisenschwarz bis 
bläulichschw^arz. Strich bläulichschwarz, zumeist matt, in mehr weniger 
starken Rinden auf den Spalten uud Klüften der Eisenerzlager 
zu Meedl und Storzendorf. Ebendaselbst erscheinen häufig 
eckige Bruckstücke von rothmelirten Kieseleisensteinen durch 
warzigen und stalaktitischen Psilomelan zu förmlichen Breccien 
verkittet. 

Limonit. Bildet ebenfalls auf Klüften und Spalten der 
Meedler Erzlager Warzenanhäufungen, ferner dünne Ueberzüge, 
welche im bunten, prachtvollen Farbenspiel pfauenschweifartig er- 
glänzen; auch zarte, goldgelbe, stark metallisch glänzende Häutchen 
eines wasserhaltigen Eisenoxydes auf Magnetrotheisenerz, Zuweilen 
finden sich auf sammtartigen, nelkenbraunen bis schwarzbraunen 
Limonitüberzügen der Meedler Erze prachtvolle manganitische und 
pyritische Dendriten. 

Pinguit. Derb, sehr mild, geschmeidig, zeisiggrün bis gras- 
grün, Bruch uneben, splitterig, mit Fettglanz und undurchsichtig, 
sehr fettig anzufühlen; eingewachsen in Aederchen und klein- 
muscheligen Partien, -als Ueberzüge und Rinden auf Magnet- und 
Brauneisenerz und den in den Erzlagern vorkommenden talk- 
thonigen Berg mitte In, auf den Eisenerzgruben Robertzeche im 
Kuhgraben, Georgzeche in Liskowetz, Ottilienzeche bei 
Gobi tschau, auf Kaminka und in der Ob er au. Dieses wasser- 
haltige, amorphe Eisenoxydsilicat erscheint ebenfalls als ein secun- 
däres Zersetzungsproduct allgemein auf den Eisenerzlagerstätten der 
Mandel- und Schalsteinzone Sternberg— Bennisch. 



[31] Die Eisenerzlagerstätten des mälirischen Devon. 59 

Siderit. Derb, in krystallinischen Aggregaten theils auf den 
Erzlagern, theils im Mandelstein selbst eingeschlossen, stellenweise 
in Limonit umgewandelt, insbesonders häufig auf der Ottilien- 
zeche bei G o b i t s c h a u. 

Sollten dies die letzten Reste des Eisenspathes sein, welche 
verschont geblieben sind von dem auch hier stattgefundenen Ver- 
laufe der Oxydation und Desoxydation in Hilmatit und Magnetit auf 
den gedachten P'rzlagernV 

Stilpnom e lan. Krystallinisch, von feinschuppiger, klein- und 
grossblättriger, seltener parallel- und sternförmig strahliger Structur, 
schwärzlichgrün bis pechschwarz, fettgiänzend. Strich olivengrün oder 
grünlichgrau, spröd, fast undurchsichtig; derselbe bildet auf den 
Magnet- und Braun ei se nerzlagern, zuweilen auch im 
Mandelstein selbst, kleine derbe Partien, Schnüre und Nester, 
schmale Spalten und Klüfte im Zusammenvorkommen mit Calcit 
und Quarz, feinschuppigem und dichtem Chlorit, feinkörnigem 
Magnetit, ferner mit eingesprengtem Pyrit, seltener hellgrünem 
und feinkörnigem Epidot. 

Auf der Paulzeche nächst Sternberg kommt der Stil- 
pnomelan in sehr dünnen, randlich zernagten oder rauhen Krystall- 
tafeln vor, welche sechsseitige Umrisse erkennen lassen, zumeist 
zellig gruppirt und mit Eisenocker überzogen. 

Häufig ist auf den Eisenerzlagern ferner ein schwarzes, 
schieferiges Gestein, sogenannter Stilpnome lan schief er, mit 
körnigem und octaedrischem Magneteisenerz imprägnirt und mit 
Nestchen von gelbokerigem Limonit durchsetzt, so z. B. auf der 
Ottilienzeche bei Gobitsc hau u. s. w. 

Der Stilpnomelan stellt sich als ein secundäres, auf den Eisen- 
erzlagerstätten der Mandel- und Schalsteinzone Sternberg — Bennisch 
fast allgemein vorkommendes Accessorium dar, und erscheinen als 
wichtigere Fundorte erwähnenswert: Hugo- und Robertzeche bei 
Rietsch, Mathildezeche bei Wächtersdorf, Ottilienzeche bei 
Gobi tschau, als auch die Eisenerzgruben in der Kaminka und 
Ob er au nächst Sternberg. 



II. Bergmännischer Theil. 



Die Eisenerzlagerstätten und der Bergbaubetrieb. 

Die Eisenerzlager, beziehungsweise die darauf umgehenden 
Bergbaue sollen nun nachfolgend in der natürlichen Reihenfolge 
von den unterdevonischen zu den oberdevonischen, oder mit anderen 
Worten: vom Liegenden zum Hangenden fortschreitend, zur Dar- 
stellung gelangen. 

8* 



ßQ Frauz Kretsclimer. [32] 

A. Bergbau Poleitz. 

Auf der unmittelbar östlich der Kirche zu Poleitz (nächst 
Mcähr. - Aussee) gelegenen Anhöhe, der sogenannten Poleitzer 
Horka (349 m ü. M.) und deren Abhängen gegen den Poleitzer 
Graben, also dem ersten Zuge der tiefsten oder sogenannten 
Ausseer Diabas schief er eingelagert, findet sich ein wohl 
untergeordnetes, aber sehr reiches Magneteisenerz -Vorkommen. 

Die D i a b a s s c h i e f e r der Bergbauörtlichkeit sind durch eine 
lebhaft grüne, chloritreiche Modification ausgezeichnet, deren dicht- 
gedrängte Blasenräume mit Kalkspat h, selten Quarz infiltrirt 
sind ; letzterer erscheint häufig in grösseren Bestandmassen selbst- 
ständig ausgeschieden. Ausserdem sind noch andere Varietäten, 
Diabasmandelstein, Diabastuffe mit reichlichem Kalk- 
sediment, sowie untergeordnet Diabasporphyrite vertreten. Zu- 
weilen zeigen diese Schiefer neben der herrschenden Zersetzung 
des Uralits in lauchgrimen mehr weniger fettglänzenden Chlorit, 
solche in grünlichweissen perlmuttergläuzenden Talk, hie und da 
auch ölgrünen Epidot. In unregelmässigen Zonen und einzelnen 
Schichten erscheint das Gestein zufolge Auslaugung der Kalkspath- 
secretioneu gänzlich schwammartig durchlöchert; letztere sind total 
verschwunden, so dass das graubraun verwitterte Gestein seines 
Kalkgehaltes gänzlich verlustig wurde. Durch weitergreifende Ein- 
wirkung der Verwitterung werden aucli hier stark modificirte, 
talkthonige, milde, weiss, gelblich und röthlich gefärbte Schiefer 
ausgebildet. Die Parallelstructur dieser Schiefer scheint ebenfalls 
sehr bemerkenswert; sie sind ausserdem vielfach gebogen, ge- 
faltet und geknickt; dieselben streichen nach 3— 4h und fallen 
nach 21 -22 h unter < 45-70". 

Den Aufschluss dieses Erzvorkommens hat man anfänglich 
— wie zahlreiche Pingen nachweisen — durch Tagbaue und 
mehrere Haspelschächte, später durch den fast auf der Sohle 
des Poleitzer Grabens angeschlagenen Carolinen Stollen bewerk- 
stelligt, welch letzterer allgemein die Richtung 9 h bis 10 h im 
Quergestein verfolgt und bei 244 w ganzer Länge ungefähr 60 m 
Saigerteufe einbringt. Mit demselben sind vom Mundloche weg drei 
bauwürdige, nach 2 h bis 3 h streichende, 20 h bis 21 h unter < 45 
bis 600 einfallende Magneteisenerzlager angefahren und dem 
Abbau zugeführt worden, und zwar: 

Das erste Erzlager, etwas mehr mit Quarz durchzogen, 
bildet einen 40 w im Streichen anhaltenden, bis 15 m mächtigen 
lenticulären Erzlagerstock, dessen Mächtigkeit gegen den Ausbiss hin 
bis 1-25 und 0-65 m successive abnimmt. 

Das folgende zweite Erzlager ist an der mächtigsten Stelle 
9-5 m stark, im übrigen ist seine Mächtigkeit blos 0-95 bis 1-25 m 
und sinkt gegen die Lagerenden bis auf 0-65 m herab ; dasselbe hält 
nordwestlich vom Stollen 67 m, südwestlich von demselben 50 m, 
zusammen 1 17 w im Streichen an. 

Endlich folgt das dritte Erzlager; nordöstlich vom Stollen 
auf 76 ni streichender Länge anhaltend, behauptet sich dasselbe zu- 



["331 Die Eisenerzlagerstätten dos mährischen Devon. 61 

meist in einer Mächtigkeit von 1-25 w, schwillt local bis 3-H in an und 
verdrückt sich ))is auf 0-()5 m herab. 

Ausserdem sind noch einige andere schwache, 0-3 bis OG m 
mächtige Einlagerungen von IMagneteisenerz mit dem Stollen über- 
fahren worden, welche jedoch als unbauwürdig nicht näher in Betracht 
kommen mögen. Auf dem im Stollenvorfeld befindlichen, 40 m tiefen 
Fanny seh acht hat man 0-30 bis 0-95 m mächtige, mulmige 
Magneteisenerze (Schliche) von sehr hohem Eisengehalt gebaut. 
Die Masse der Poleitzer Erzlager besteht aus einem dichten 
bis körnigen, eisenschwarzen, zuweilen schwärzlichgrünen Aggregat 
von Ma gn e ti t eisen er z, in welchem zahllose kleinste bis milli- 
metergrosse, aber wohlgebildete, stark metallisch glänzende Mag- 
n e tit-Kryställchen der Form eingestreut sind. Das Erz ist sehr 
stark magnetisch und örtlich durch Verwitterung in lose Körner und 
Kryställchen zerfallen, dem von den Bergleuten sogenannten Schlich- 
erz (Magneteisenmulm). Nachstehende Analysen geben Aufschluss 
über die chemische Zusammensetzung im Grossen und richtig ge- 
wählter Durchschnittsproben : 

Poleitzer Erze 
kStuferz roh Schlicherz roh 
Percent Percent 

Eisen . 49-30 04-7 

Mangan 1-24 ? 

Kieselsäure ...... 21-40 8-25 

Thonerde 0-50 3-25 

Kalkerde 4-00 Spur 

Magnesia — Spur 

Schwefel O'U — 

Phosphor — — 

Glühverlust 3-70 — 

Eine Reihe von 9 anderen Analysen roher Stuferze führt auf 
den durchschnittlichen Gehalt an 

Eisen 49 -20/0 

Kieselsäure 18-5^0 

Die Poleitzer Magnetite sind überwiegend schussfeste Stufen- 
erze ; neben den reichen Magneteisenerzen brechen auf den Lagern 
auch dichte, sowie eigenthümlich cavernöse Kiese leisen st eine 
ein, welche mit vielem weissen bis rosenrothen, stark zerfressenen 
Quarz,' mit ziegelrothem Jaspis gestreift und gebändert als auch 
mit stark metallisch glänzendem Magnetit eingesprengt sind. Auf 
den Erzlagern kommen ausserdem vor: weisser, rosenrother bis 
violetter Quarz und Calcit in Adern, Nestern und Butzen, auch 
in grösseren Bestandmassen lagerförmig; ferner schwärzliche und 
grünliche dichte Diabasschiefer in wiederholten Einschaltungen; 
besonders bemerkenswert sind dichte bis körnige Gemenge von 
C h 1 r i t und M a g n e t e i s e n, worin tafelförmige Krystalle zuweilen 
mit sechsseitigen Umrissen von Klino chlor, Magnetit der 



62 Franz Kretschmer. [34] 

Form 0, seltener . oo oo , goldgelbe, stark perlmutterglänzende 
Muscovittafeln, spärlicher Eisenkies eingestreut erscheinen. 

Oben geschilderte Erzlager sind wohl oberhalb der Stollensohle 
bis auf wenige restliche Lagertheile grösstentheils abgebaut, dieselben 
setzen jedoch ohne Qualitäts- und Mächtigkeitsunterschiede unter die 
Stollensohle herab. Die Wasserzuflüsse auf der Stollensohle sind 
ohne Bedeutung und dürften nach der Teufe keine nennenswerte 
Vermehrung erfahren, so dass eine schwache Pumpe zur künftigen 
Wasserbewältigung hinreichen möchte. Die Erzförderung ging auf 
der Stollensohle in ungarischen Förderhunden um; zur Wetterführung 
hat man zwei Lichtschächte in der Nähe der Lager II und IIl 
offen gehalten. Gegenwärtig ist der Bergbau zeitweilig sistirt. 

Andere Erzvorkommen aus der Umgebung von Po- 
leitz wären zu erwähnen: Bedeutungslose Erzschnüre sind durch 
mehrere Schurfgräben entblösst worden rechts am Verbindungswege, 
welcher unterhalb der zu Poleitz gehörigen Colonie Krug durch die 
daselbst östlich abzweigende Terrainmulde nach Kloppe führt. — 
Schlichartige Magneteisenerze hat man mit dem 30 m tiefen Schurf- 
schachte erschürft rechts am Verbindungswege von B e s d i e g nach 
Kloppe, wo dieser den Scheitel der Höhe erreicht. Die Erze sollen 
jedoch angeblich grösstentheils im Wasser liegen (?). 



B. Bergbau Meedl. 

Die E i s e n e r z 1 a g e r s t ä 1 1 e n bei Meedl sind dem beschriebenen 
Zuge der Meedler Diabasschiefer untergeordnet und setzen 
rechts und links der Bezirksstrasse von König losen 
nach Mährisch Aussee ein; dieselben streichen nach 3 h 2" in 
einem durch theils nicht bescliürfte, theils erzleere Zonen unter- 
brochenen Zuge über die Witkowitzer Maschin sc hacht-Anlage 
beim sogenannten „Busch", das Eisenberger Zechen haus an 
der Bezirksstrasse Meedl — Mährisch Aussee und die daselbst 
befindliclie grosse Pinge nach dem Riede „In den Schächten", 
Südann über Storzendorf und die Pinge am Erzberg, wo sie auf 
den Zöptauer Schürfungen westlich D örfel ihr heute bekanntes 
Ende erreichen, und beträgt diese streichende Länge 3-3 hn. Aber 
auch darüber hinaus, sowohl in nordöstlicher als auch südwestlicher 
Richtung, ist das von den Bergleuten sogenannte „Schöne Erzgebirge'', 
nämlich die charakteristischen zersetzten, früher Uralit und Kalk 
reichen Diabasscli iefer verbreitet, welche die Meedler Erz- 
lagerstätten beherbergen, und zwar sind sie durch Schürfungen 
in der Königlosen er „Daubrawa" westlich des kleinen Bra- 
l)letzberges und entgegengesetzt bei Dörfel und Tr ei blitz theils 
durch Scliüifungen auf Eisenerze und Brunnengrabungen und dem oben 
erwähnten Einschnitt beim T r e u b 1 i t z e r B a h n h o f constatirt worden. 

Die durch Bergbaubetrieb näher bekannt gewordene Haupt- 
masse der Meedler Erz n i ed erläge befindet sich west- 
lich Meedl beim sogenannten „Busch" und „In den 
Schächten" rechts und links der Bezirksstrasse von 



[35] t)ie Eisenerzlagerstätteu des mährischen Devon. 63 

Meedl nach Mährisch A ussee. P]s sind zwei La gergruppen, 
eine westliche und eine östliche, zu unterscheiden, welche durch 
ein 180 m mächtiges taubes Mittel modificirter Diabasschiefer vonein- 
ander getrennt erscheinen. Die östliche Gruppe birgt den llaupt- 
schatz des Vorkommens; sie umfasst drei mächtige Lager, und 
zwar im Kreuzstreichen von NW nacli SO aufgeführt : 

Das I. Lager setzt im nordöstlichen Felde des Meedler Ma- 
schinenschachtes ein und hält daselbst auf 200 m streichender Länge bau- 
würdig an und vereinigt sich mit dem II. Lager dicht an der Bezirks- 
strasse Meedl— Aussee; seine Mächtigkeit schwankt zwischen 2 bis 3 m. 

Das II. Lager behauptet seine Bauwürdigkeit im nordöstliclien 
Maschinenschachtfelde bis über den Josefschacht II (gegenüber dem 
Eisenberger Zechenhaus) hinaus auf die streichende Länge von 260 m,, 
seine Mächtigkeit beträgt 3-5 bis 4-5 m ; dagegen im südwestlichen 
Schachtfelde spitzt es erst beim Josefschacht V aus, das streichende, 
nur kurz unterbrochene Anhalten beträgt nach dieser Richtung 280 m^ 
zusammen somit 540 m. Im gedachten südwestlichen Schachtfelde bildet 
das II. Lager drei mächtige Erzlinsen, deren Mächtigkeit 13m, 
\Q> m und Im beträgt; dasselbe ist im Streichen und Fallen 
zuMulden undSätteln oder zusammenhängenden Falten 
gebogen. 

Das III. Lager ist südwestlich vom Maschinenschacht bei den 
Schächten VIII, X und XI in mehrere, nahe beieinander lie- 
gende Erzlinsen von 13 bis 16 w Mächtigkeit getrennt, 
welche ebenfalls sattel- und muldenförmig eingelagert er- 
scheinen; in der Terrainmulde beim Meedler Maschinenschacht 
sind die Verhältnisse dieses Erzlagers wegen des zerstückten Montan- 
besitzes und Wassernoth unbekannt geblieben; dagegen erweitert 
es sich in der grossen Finge beim Eisenberger Zechen- 
haus zu einem 38 bis 47 m mächtigen E r z 1 a g e r s t o c k. Der- 
selbe spitzt wohl auf dem Bergrücken oberhalb dem gedachten Zechen- 
haus aus, setzt aber alsbald wieder ein, dessen bauwürdiges Anhalten 
durch uralte Baue und neue Schurfversuche bis zum Grenzgraben 
zwischen Meedl und Storzendorf nachgewiesen wurde. Die ganze Länge 
des III. Lagers von südlich des Schachtes XI bis an den gedachten 
Grenzgraben beträgt 750 m. 

Das Hauptstreichen der geschilderten Eisenerzlagerstätten 
verläuft sowohl untereinander, als auch zu den umschliessenden Diabas- 
schiefern und deren Tuffen parallel nach 3 h 2^, das Einfallen ist 
infolge der Faltungen sehr schwankend, doch im Wesentlichen nach 
9 h 20 gerichtet. 

Als weitere Fortsetzung dieser Lagergruppe fand sich „Schönes 
Erzgebirge" in den beiden Brunnen nächst der Sto rze n dorf er 
Schmiede und der daselbst befindlichen Kapelle. Ferner sind in 
der Gemeinde Storzendorf selbst mehrere Ansassen beim Brunnen- 
abteufen auf Eisenerze gestossen ; so z. B. stehen beim Gärtner Johann 
Conrad Nr. 22 feste Stuferze über die ganze Brunnensohle an, etc. etc. 

Allem Anscheine nach gehört derselben Lagergruppe die mäch- 
tige Erzablagerung am Erzberg circa 200 m nordöstlich 
Storzendorf, wo mit dem Blanskoer Maschinenschacht — 



64 Franz Kretschmer. [36] 

obwohl derselbe nur kurze Zeit im Betriebe gestanden war — dennoch 
zwei reiche Eisenerzlager aufgeschlossen worden sind, und zwar 
das erste knapp östlich des Maschinenschachtes 2 bis 3 m mächtig, 
hat man auf 40 w, das zweite westlich davon, 1 bis 3 m stark, wurde 
auf 60 III im Streichen verfolgt, welches letztere beide Lager parallel 
nach 2 h einhalten, während das Einfallen steil nach 20 h gerichtet 
ist, obwohl liach gelagerte Partien nicht fehlen, da auch hier die 
Schichten dieselbe Faltung, wie oben geschildert, darbieten. 

Die westliche Lagergruppe ist auf grosse, streichende 
Längen unterbrochen und unbekannt, die folgenden Erzpunkte liegen 
blos längs des Hauptstreichens angeordnet, ohne dass ihr Zusammen- 
hang näher nachgewiesen wäre. Das schönste Vorkommen dieser Lager- 
gruppe wurde mit den Wilhelmschächten I bis III im Riede 
„In den Schächten" auf der Grenze Meedl— Storzen dorf 
abgebaut, woselbst ein 1 bis 3 m mächtiges Eisenerzlager mit normalem 
Streichen (3 h 2°), wechselndem Fallen gegen NW und SO eingelagert 
erscheint, das eine der Faltung der Diabasschiefer voll- 
kommen analoge, oft wiederholte Mulden- und Sattel- 
bildung aufweist, wie das die nachfolgenden Profile (Textfigur \a,h 
und c, S. 65 [37]) durch das Erzlager in der Partie zwischen dem 
Mittelschachte II und dem weiter nordöstlich situirten Förderschacht III 
versinnlichen. 

Im Weiterstreichen dieser Lagergruppe gegen SW linden 
wir eine bauwürdige Erzablagerung, wieder auf den Eduard- 
schächten IV und IX, links der Bezirksstrasse Mähr. Aussee — 
Königlosen, woselbst ein 1 bis 3 m starkes Erzlager, das sich 
stellenweise zu mächtigen Erzlinsen erweitert, in oberen Sohlen ab- 
gebaut wurde, auf der I. Tiefbausohle nicht bauwürdig ist, es erscheint 
jedoch nicht ausgeschlossen, dass es auf der II. Tiefbausohle neuerdings 
einsetzt, wie nach der daselbst im hochgradig zersetzten Zustande 
herabsetzenden Diabasschieferzone (sogenannten ..Schönes Erzgebirge") 
gehofft werden darf. 

In der Terrain m ulde, wo sich die Wege von Königlosen 
und aus der Daubrawa südlich der Ausseer Roch uskap eile 
kreuzen, befinden sich alte Zöptauer Eisen erzsch ürfung e n, 
woselbst theils seidenglänzende, theils matte und zersetzte Diabas- 
schiefer der Meedler Erzformation, grünl chgrau bis rosenroth und 
ockergelb vertreten sind, in der Nähe von charakteristischem Diabas- 
Mandelstein begleitet. 

In der K ö n i g 1 s e n e r Daubrawa hat man auf dem Meedler 
Hauptstreichen mit 11 Schurfschächten ein armes, schwaches, 
nicht bauwürdiges, mit schwarzem Kalkspath durchsetztes Braun- 
eisenerzlager untersucht, das wahrscheinlich an der Grenze gegen 
die Meedler Quarzsandsteine vorkommt und von glänzendem, 
glimmerreichen bis thonigen, zersetzten Diabasschiefer und -Tuff, 
sandigem, grünlichgrauen Thonschiefer begleitet wird, welch' 
letzteres Gestein die Uebeigänge in den Meedler Quarzsandstein des 
Steinhübeis vermittelt. Streichen 2 h, Fallen 20 h unter < 75». 

Dagegen dürfte wohl die nordöstliche Fortsetzung der 
westlichen Lagergruppe auf den Zöptauer Eisenerz- 



[37] 



I)ie KiKeiiorzlag(;rstJi,ttou des mähriscbon Dovoii. 



65 



Schürfungen westlich Dört'el zu suchen sein, wo aber nur belang- 
lose Erzlinsen in Begleitung von zersetzten normalen I) i a b a s- 
schiefer, D i a b a s - M a n d e 1 s t e i n , sowie sogenannter P y r i t- 
s Chief er erschürft wurden. 

Bezüglich der Ausfüllung d e r M e e d 1 e r Eisenerzlager- 
Stätten ist zu bemerken, dass speciell die geschilderte öst- 
liche oder Haupt-Lagergruppe vorwaltend aus einem 

T\g. 1. 
Eisenerzbau Willielmzeche bei Meedl. 

Maßstab: 1:500. 



NW 




a. Querprofil durcli das Liegendlagcr der Partie zwischen dem Mittelschachte 
Wilhelm II und dem Nordschachte Wilhelm III. 



NW 



h. Qiierprofil durch dasselbe Liegendlager, jedoch etwas 'näher an dem Wilhelm- 
schachte III. 





c. Längsprofil nach dem Streichen derselben Erzlagerpartie. 



rothstrichigen dichten B o t h e i s e n e r z besteht, das als Zeichen 
beginnender Bückverwandlung sehr viel Magnetit eingesprengt 
enthält, daher stark magnetisch ist; häufig ist darin Jaspis ein- 
gewachsen. Das Botheisenerz ist derb, öfters faserig, matt bis spiegelig, 
bräunlichroth bis dunkelstahlgrau schimmernd, von unebenem Bruch; 
der Magnetit erscheint darin in eisenschwarzen, stark metallisch 
glänzenden, kleinsten bis millimetergrossen Kryställchen der Form 0, 
oder in kleinsten Körnern und in grösseren Mengen eingewachsen; 
der Jaspis ist dicht von Eisenoxyd blutroth gefärbt, matt. Durch 

Jahrb. d. K. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Kretschmer.) 9 



6(^ Franz Kretschmcr. [38j 

fortgesetzte Rückbildung wird der Magnetit mehr vorherrschend, bis 
endlich, durch eine lleilie von I^ebergängen vei'knüpft, local mehr 
oder weniger grobkrvstallinische Magneteisenerze ausgebildet 
werden, bei weiterschreitender Umwandlung entsteht Braun ei sen- 
erz, das jedoch nur untergeordnet auf den Blanskoer Schächten, 
nordöstlich des pjsenberger Zechenhauses, vorkommt. Auf diesen 
Erzlagerstätten sind insbesondere m u 1 m i g e M a g n e t- und K o t h- 
eisenerzo vertreten, wegen ihres hohen Eisen- und geringeren 
Kieselerdegehaltes sehr geschätzt, deren Menge ungefähr 50% der 
reichen, bezw. schmelzwürdigen Lagermasse ausmacht. Sie sind durch 
Verwitterung der festen Erze, speciell der grobkörnigen Magnet- 
eisenerze entstanden; letztere geben stellenweise einen scharfen, sehr 
reichen M a g n e t e i s e n s a n d. Der K i e s e 1 e r d e g e h a 1 1 der festen 
Magnet-, sowie der Rotheisenerze erscheint in den reichen Erzen 
untergeordnet, wächst jedoch in stetig ansteigender Reihe, wodurch 
sauere, nicht verhüttungswürdige Kieseleisensteine 
entstehen, welche bei weiterer Anreicherung der Kieselerde in eisen- 
arme Ei s e n k i e s e 1 übergehen, wie die unten folgenden Analysen 
nachweisen. 

Alle diese Varietäten sind miteinander durch mannigfaltige 
Uebergänge verknüpft, zuweilen tritt weisser Quarz oder Kalk in 
feinste Wechsellagerung mit M agn e t- oder R o th e i s e n e rz, wodurch 
ein dunkelgrau und weiss gestreiftes oder gebändertes Gestein entsteht. 
Das Rotheisenerz hat zumeist ein schiefriges Gefüge, zuweilen 
zeigt es dieselbe P a r al 1 e 1 s t r u c t u r und zarteste F ä 1 1 e 1 u n g 
wie gewisse Diabasschiefer, aus denen es durch eine Art meta- 
somatischer Pseudomorphose hervorgegangen ist. Die rothmelirten 
Kieseleisensteine und E i s e n k i e s e 1 sind auf den gedachten 
Eisenerzlagerstätten in sehr m ä c h t i g e n und 1 a g e r s t o c k a r t i g e n 
Massen vertreten, sie zeigen vorwaltend massige Structur, zuweilen 
auch Schichtung und führen als wesentlichen Gemengtheil Magnet- 
und Rotheisenerz in Kryställchen, oder derb in Streifen und 
Lagen; accessoriscli eingewachsen glasigen und milcluyeissen Quarz, 
blutrothen Jaspis, seltener Feldspath, Chlorit, aber häufig 
Pyritkrystalle oder zahlreiche, oft dichtgedrängte, poröse und zer- 
fressene G öthit würfeln als Pseudomorphosen nach Pyrit, oft noch 
einen speisgelben Kern enthaltend; infolge weiterer Verwitterung 
verschwindet der Göthit und das Gestein erscheint von hexaedrischen 
Zellen durchzogen. 

Ein ähnliches Erz führen die Lagerstätten am Storzendorfer 
Erzberge, nämlich ein dichtes Rotheisenerz mit 45 bis 507o 
Eisengehalt und S[)uren von Mangan; dasselbe ist spiegelig, roth- 
strichig und mit glänzenden Mag ne tit Oktaedern und -Körnern stark 
eingesprengt, in untergeordneter Menge kommen auch hier feste, 
bisweilen sehr grobkörnige Magneteisenerze vor, örtlich zu 
Mulm, d. h. einem grusähnlichen Aggregat von Magnetit verwittert. 

Auf den obenerwähnten Wilhelmschächten I bis Jll der 
westlichen Lagergrupi)e kommt ein mehr oder weniger mit 
Magnetit imprägnirtes Rotli ei sen e rz vor, das durch sein stark 
poröses, zelliges und schwanimartiges Ausselien auffällig ist ; es 



[39] 



Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 



67 



yclieiiit, dass auch hier epigeiietisch Kieselsäureverhiste stattgefunden 
haben. Accessorisch sind dem Erz eingewachsen selten Felds path, 
hautig Chlorit, Calcit, weisser Quarz, rother Jaspis, pseudo- 
morphe Göthitwürfeln oder hexaedrische Zellen nach diesen, ferner 
Psilonielan auf Structurfiächen. 



Meedler Roilieiseiier/e. 



Eisen . . . . 

Maugan . . . 

Kieselsäure . 

Thonerde . . 

Kalkerde . . 

Magnesia . . 

Schwefel . . 

Phosphor . . 

Glühverlast . 



63-38 

iSpnr 

5Ü9 

1-4U 



03 
0-72 



58-52 
16-43 



021 



5407 
060 

1806 
403 
0-51 

Spur 

0-24 



49-86 
20-49 



0-24 



33-60 
110 

5000 
0-68 
0-67 

Spur 



1. Mulmiges Magnet -Rotheisenerz (roh) vom Witko witzer Maschinen - 
Schacht bei Meedl, I. Tiefhausohle, östliche Lagergnip]ie, Lager III. 

2. Meedler Schlicherz (roh) aus demselben MascLinenschacht. 

3. Rotheisenerz, magnetisch, rohe Stufen aus dem Witkowitzer Maschinen- 
schacht bei Meedl, östliche Lagergruppe 

4. Meedler Stuferz, geröstet, aus demselben Schaclite 

5. Kieseleisenstein, festos Stuferz, geröstet, aus demselben Maschinen- 
schacht. 



Der Bergbaubetrieb der „Alten". 

Im Mittelalter ist bei Meedl und S t o r z e n d o r f ein 
blühender Bergbau umgegangen, dem, nach der Grossartigkeit 
der FAn- und Zubaue zu schliessen, bedeutende Hilfsmittel zur Dis- 
position standen, und zwar mussten günstige ökonomische Verhältnisse 
— entgegen den Schwankungen der neuen Zeit — constant und 
nachhaltig gewirkt haben. Ich hatte keine Gelegenheit genommen, 
durch Quellenforschung die wenig bekannte Vergangenheit dieses 
Bergbaues aufzuhellen, doch wäre dies ein dankenswertes Feld der 
engeren vaterländischen Geschichtsforschung. 

Zum Aufschlüsse der Meedler Erzlagerstätten haben 
die Alten unterhalb Hlivitz auf der noch heute so genannten 
„St ollen wiese" einen grossen Stollen angeschlagen; derselbe 
hatte wahrscheinlich sein Mundloch links des Fahrweges von Meedl nach 
Königlosen, unfern dem Punkte, wo der Ad elmann sbach in den 
sogenannten „Stollengraben" einmündet, und ist zwischen dem 
Meedler Maschinenschacht und dem Eisenberger Zechen- 
haus auf den Erzlagern eingetrotfen, demzufolge seine Länge nicht 
weniger als ISOOm und die eingebrachte Saigerteufe, auf die Hänge- 
bank des genannten Maschinenschachtes bezogen, 35 m betragen haben 

9* 



ßg Franz Kretschmer. [40] 

dürfte. Als man mit dem letzteren auf der I. Tiefbausohle die Erz- 
lager erreichte, zeigte sich die überraschende Thatsache, dass die 
„Alten" noch circa 100 m tiefer gebaut haben! Allerdings 
war der Abbau der „Alten" in dieser Teufe belanglos, die tieferen 
Erzmittel blieben unverritzt, da sie schönere Erzanbrüche in oberen 
Teufen hatten und der Bergbau mittlerweile wahrscheinlich iinver- 
muthet zum Stillstand kam. Einen Stollen von 1800 m Länge aufzu- 
fahren, in den zersetzten Meedler Diabasschiefern, welche ungemein 
blähen, demzufolge sehr druckhaft und örtlich bis zu schwim- 
menden Massen d e c o m p o n i r t sind, erscheint als eine Meister- 
leistung, die unser Erstaunen erweckt; die Ausdauer und Geschick- 
lichkeit der alten Bergleute, welche es ermöglichten, mit den dama- 
ligen primitiven Hilfsmitteln diesen Stollen nicht nur aufzufahren, 
sondern auch zu erhalten, erscheint im glänzenden Lichte; es musste 
überdies eine günstige wirtschaftliche Lage vorhanden gewesen sein, 
dass ihnen die hiezu nöthigen Geldmittel nicht versiegten. 

Ein zweiter Stollen diente den Alten zur Lösung des 
Erzvorkommens am E r z b e r g bei S t o r z e n d o r f, derselbe hatte 
sein Mundloch muthmaßlich am nordwestlichen Ausgange von 
Meedl, unfern der Bildsäule am Kreuzungspunkt der Feldwege 
von Meedl nach dem Erzberg und Dörfel; er dürfte in der 
Nähe des Blanskoer Maschinen Schachtes auf den Erzlagern 
eingetroffen sein und demzufolge dessen Länge ungefähr 1100 m, die 
eingebrachte Saigenteufe beiläufig 33 m betragen haben (?) In oberer 
Teufe ist man mit dem neuen Bergbau auf ein Gesenk mit Horn- 
stätte gestossen, worin die „Alten" Handpumpen aus Eichenholz mit 
Radantrieb eingebaut hatten, es scheint, dass sie sich anfänglich auf 
diese Weise mit Unterwerken geholfen haben. 

Zur Zimmerung der Stolleu und Strecken bedienten sich die 
„Alten" hauptsächlich des Eichenholzes, welches damals in den 
nahen Auenwäldern der „Daubrawa" zweifelsohne weit billiger zu 
haben war als heute, nur beim Abbau benutzten sie auch das billigere 
Birkenholz. Die Alten haben nur die e i s e n r e i c h e n Schlicherze 
(Magneteisen- und Rotheisenerzmulm), dann die quarz armen, 
milden und gebrächen Stuferze gefördert, dagegen sind die 
kieselerdereichen, festen Stufen zum Versatz der Verhaue 
verwendet worden. In neuer Zeit hat man dieses gute Beispiel nicht 
beachtet und von den quarzigen und festen Stufen Vieles mitgefördert, 
was besser unten geblieben wäre, und dadurch die Qualität der 
Meedler Erze discreditirt 



Der neue Bergbaubetrieb. 
I. Der Witkowitzer Bergbau bei Meedl. 

Zur Entdeckung des Meedler Bergbaues führten anfangs dieses 
Jahrhunderts die von den „Alten" bei den neuen Haspelschächten 
VIII und X circa 100 m südlich des Witkowitzer Maschinenschachtes 
zurückgelassenen, ausgedehnten Erzhalden. Es war wohl 
darüber im Laufe der Zeit ein völliger Nadelholzwald gewachsen, bis 



[411 Die EisenerzlageistätU'ii des mahrischen Devon. 69 

einzelne Stamme vom Sturme ausgelioben, das darunter liej;en(l(i Va'z 
biosiegten, welches dann zu den Hochöfen bei Marienth a 1 (im 
Feistritzthal) abgefahren und gleichzeitig von Bergleuten nach den 
anstehenden P^rzhigerstätten gescliürft wurde. Eine ebensolche uralte 
Erzhalde führte zur Entdeckung des mit den Eduardschächten IV 
und IX abgebauten Erzlagers der Liegendlager-Gruppe. 

Dem neuzeitigen Bergbau dienten anfänglich zahlreiche Haspel- 
schächte zum Aufschluss und zur Förderung; in den Vier- 
ziger Jahren hat das Eisenwerk Marienthal infolge der günstigen 
Erzanbrüche zur Entwässerung am nördlichen Ausgange von Hlivitz 
einen Stollen mit Richtung auf die E d u a r d z e c h e (links der 
Bezirksstrasse Aussee— Königlosen) betreiben lassen; derselbe be- 
gegnete jedoch in den blähenden, daher sehr druck haften, mit 
Wasser Säcken behafteten Diabasschiefern solchen Schwierigkeiten, 
dass er nicht vorwärts kam; selbst einige auserlesene Kühr- 
Ostrauer Bergleute, welche in der dortigen „Kurzawka" gearbeitet 
haben, vermochten den Stollen in dem Schwimmenden nicht ans 
Ziel zu bringen, so dass derselbe schliesslich aufgegeben 
werden musste. Ein grober Fehler war es, dass man die Licht- 
schächte im Voraus in der Stollenaxe abteufte, wodurch dem Schwim- 
menden vermehrte Wassermengen zugeführt wurden, das dann voll- 
ends nicht zu halten war. 

Im Jahre 1854 hat man sich zur Anlage eines Maschine n- 
schachtes entschlossen und dessen Position in dem tauben Mittel 
zwischen den beiden oben geschilderten Lagergruppen 180 w süd- 
westlich der Bezirksstrasse Ausse e — M e e d 1 gewählt ; damit 
hat man in 10 w Teufe den natürlichen Grundwasserspiegel 
getroffen, dann bis 34-6 m mittelst Handpumpen weiter abgeteuft und 
1 855 den Schacht mit einer W a s s e r h a 1 1 u n g s - D a m p f m a s c h i n e 
nebst Pumpen ausgerüstet, welche sich jedoch gegenüber den Wasser- 
zuflüssen als völlig unzureichend erwiesen hat, so dass die. Anlage 
schon 1859 wieder ausser Betrieb gesetzt und später wieder abge- 
tragen wurde. 

Im Jahre 1868 Hess das Witkowitzer Eisenwerk auf 
demselben Schacht eine den Wasserzuflüssen gewachsene, entsprechend 
grössere Maschinenanlage, mit genügend kräftigen Maschinen 
und Pumpen ausgerüstet, erbauen; damit hat man den i]-4: m langen, 
2-4 m breiten Schacht nun ausgebaut, mit zwei P'örderabtheilungen, 
einem Fahr- und einem Kunsttrumm versehen , sodann bis 58-8 m 
abgeteuft und darin in M-G m die I. Tiefbausohle, in 54*4 m die II. 
Tiefbausohle gefasst. Zur Ableitung der gehobenen Wässer diente 
eine in 11-3 m Teufe herangeführte, durchwegs ausgemauerte Abhub- 
brösche, deren Mundloch in den Graben südöstlich des Maschinen- 
schachtes, 190 m von diesem entfernt, gelegen ist. Die früher 
bestandenen Haspelförderschächte und zwar im nordöstlichen Maschinen- 
schachtfelde, Josefschächte I, II, III und IV. im südwestlichen Schacht- 
felde die Schächte VIII, IX, X und XI wurden successive abgeworfen 
und nur die zur Wetterführung nöthigen offen gelassen. 

Auf den beiden Bausohlen hat man zunächst die Bau- 
sohle n q u e r s c h 1 ä g e gegen die östliche L a g e r g r u p p e aufge - 



70 Franz Kretschmer. [42] 

fahren und zM'ei Erzlager querschliigig überbroclien. das dritte 
liegt an dieser Stelle bereits im nachbarlichen Grubenfelde. Die bis 
zu 1 e 1 1 e n- und b o 1 a r t i g e n Massen zersetzten ]VI e e d 1 e r 
Schiefer zeigen der Einwirkung der f e u c h t e n Gruben- 
a t ni s p h ä r e ausgesetzt, im h o h e n G r a d e die b ö s e E i g e n- 
Schaft des B 1 ä h e n s und bieten d a d u r c h d e m B e r gm a n n 
zuweilen bedeutende Schwierigkeiten dar. Von der Er- 
wägung ausgehend, dass die Zersetzung Ucäher zu den Erzlagerstätten 
zunimmt, demzufolge der Druck auf die Zimmerung grösser wird und 
um keine Bergfesten zurücklassen zu müssen, also eine sofortige 
vollständige Ausgewinnung der Erzlagerstätten zu erzielen, hat man 
beim Betriebe der Bausohlenstrecken die festeren Liegendgesteine 
aufzusuchen getrachtet und darin letztere aufgefahren, sowie in Ab- 
ständen von durchschnittlich 50 ?« Verbind ungs-Quer schlage 
nach den Erzlagern ausgelängt. Auf diese Weise sind auf der I. Tief- 
bausohle die nordöstliche B a u s o h 1 e n s t r e c k e 2i') 7 m und die 
südwestliche 300 m zu Feld getrieben worden. Obige Voraussetzung 
ist jedoch nicht überall zugetroffen, es zeigte sich später, dass es örtlich 
besser sei mit den Bausohlenstrecken innerhalb der Erzlager- 
stätten zu bleiben, wei 1 das Gebirge daselbst entschieden 
weniger druckhaft, demzufolge die Pirzhaltung dieser Strecken 
nicht so kostspielig war. 

Die Schwierigkeiten, welche die so tiefgreifend umgewandelten 
Diabasschiefer darboten, wurden andererseits wieder dadurch aufge- 
hoben, d a s s d i e s e 1 b e n b e i m V r b a u und d e r E r zg e w i n n un g 
wesentliche Erleichterungen gewährten, wenn nicht 
erst solche möglich machten, indem man darin, sobald diese 
Massen entwässert waren, rasch vorwärts kam, weil die schussfeste 
Cohärenz der intacten Schiefer in die des Keilhauen-, beziehungs- 
weise Lettenhauen-Gebirges übergeführt erscheint. Manche schwächere 
Erzlagerstätte, welche bei Schussfestigkeit derselben und des Neben- 
gesteins den Abbau nicht lohnen würde, ist durch die erörterten 
Umwandlungsvorgänge erst abbauwürdig gemacht worden. 

Das E d u a r d 1 a g e r hat man mittelst eines o49 m langen 
Diagonalschlages ausgerichtet. Auf der IL Tiefbausohle sind die 
Aus- und Vorrichtungsbaue nicht so weit gediehen, weil der 
Bergbau infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Krise des Jahres 
1873, Ende 1877 ausser Betrieb gesetzt werden musste, demzufolge 
die südwestliche Bausohlenstrecke nur die Länge von 171//?, die 
nordöstliche eine solche von 158 m erreichte. Die letztere Strecke 
war jedoch 45m vom Bausohlenquerschlag weg in ausgedehnte 
Wasser Säcke gerathen, deren weitere Verörterung schwierig 
und kostspielig erschien, demzufolge der übrige Theil der nordöstlichen 
Bausohlenstrecke im Lager I aufgefahren worden ist, was sich gut 
bewährt hat. Bei dem wechselnden Fallen und der Absätzigkeit 
dieser Erzlagerstätten musste man vom Vorbau im Kreuzstreichen 
innerhalb der Lagerstätte vielfach absehen und war bemüssigt, zu 
S a i g e r - G e s e n k e n , beziehungs\veise S a i g e r - Ti e b e r br e c h e n 
zu greifen, die an den Verbin dun gs-Q uer schlagen dicht 
bei den Erzlagern disponirt wurden und welche zum Ab- 



[431 r)ie Eisonorzlagorstiitten dos niähiischcn Devon. 71 

ba 11- Aiifi'ri l'f der Mulden- und Sntteltliigel, sowie zur Förderuii}^' 
und VVettertulirung- dienten. Die solcliergestalt abgegrenzten Abbuu- 
felder wecbselten wohl sehr in iliren Abmessungen, im allgemeinen 
waren sie circa ßO m lang und 20 m Ha(di hoch. Die insbesondere im 
II. Tiefbau vorkommenden, ganz flachgelagerten Sattelflügel 
sind mittelst seh we b en(l er Aufhauen dem Abbau zugeführt 
worden. 

Als Abbaum e tli od e stand ein Firstenbau in Schmal- 
stössen in Anwendung, d. h. die Stosshöhe musste wegen des 
milden und brüchigen Nebengesteines blos in gewöhnlicher Strecken- 
höhe -- 2-2 m (in der Gesteinslichte gemessen) geführt werden, weil 
der Ausbau dem Abbau sofort nachfolgen muss. In der 
Regel wurde auf jeder Firstenstrosse von dem Saiger-Ueber- 
brechen aus, gewöhnlich am Liegenden eine Hauptstreichende 
aufgefahren, bei grösserer Mächtigkeit der Lagerstätte in der Mitte 
oder gleichzeitig eine Streichende am Hangenden aufgefahren. Von 
der Hauptstreichenden aus erfolgte dey Verhau mittelst Qu erb au 
in Lo?«, höchstens oO m breit ausgezimmerten querortmässigen Pfeiler- 
abschnitten. Dem Strossen verhau folgte alsbald der Berg- 
versatz des zum grösseren Theile aus den beim Abbau fallenden 
Bergmitteln und aus nicht schmelzwürdigen Kieseleisensteinen, sowie 
eisenarmen Eisenkiesel, als auch den vom Vorrichtungsbau kommenden 
Bergen hergestellt wurde; nur wenn diese Materialien nicht hinreichten, 
war es gestattet, Bergstrecken zur Versatzgewinnung aufzufahren, 
sonst war dies untersagt, um den ohnehin bedeutenden Gebirgsdrück 
nicht unnützerweise zu vermehren. 

Was den Ausbau betrifft, so hat dieser im schwimmenden 
Gebirge, speciell in den mit breiartigen und s u j) p i g e n M a s s e n 
angefüllten W a s s e r s ä c k e n erhebliche Schwierigkeiten 
bereitet und an die Geschicklichkeit und Zuverlässigkeit der Häuer 
nicht geringe Anforderungen gestellt. Es waren zwei Steiger aus 
dem Ostrauer Steinkohlenrevier, die dort im Schwimmsand gearbeitet 
und die Meedler Belegschaft auf die Getriebezimmerung in den 
Wassersäcken eingeschult haben. Die B a u s o h 1 e n (^ u e r s c li 1 ä g e 
und -Strecken mussten fast durchwegs in solider Ge- 
triebe Zimmerung aufgefahren werden, nur in den unzer- 
setzten erzleeren Zonen und in den entwässerten Abbaufeldern war 
„stumpfes" Verpfählen zulässig. Die Bausohlenquerschläge waren im 
doppelgeleisigen Profil 21m hoch, 16 m verglichen breit in der 
Zimmerungslichte, die Bausohlenstrecken 2-1 m hoch, 0-<.»5 w ver- 
glichen breit aufgefahren : sobald man jedoch an die Wassersäcke kam, 
musste man vorerst im kleinen Profil löm hoch, G ;w breit durch- 
gehen, um zu entwässern und dann erst im Normalprofil nachzu- 
zimmern. 

Das Blähen d e s N e b e n g e s t e i n s äusserte sich local durch 
einen enormen Druck auf die Zimmerung. Es wurde fast 
durchgehends mit dem besten Fichten- und Tannen-Stammholz in 
Bolzenschrott auf Trieb gezimmert, doch es kam wiederholt vor, dass 
besonders blähende Strecken mit Kappen-, Stempel- und Grundsohlen 
von 40, aO beziehungsweise 20cm mittleren Durchmesser nach 3 bis 



72 Franz Kretschinor. [44] 

6 Monaten derart zerbrochen und das S treckenprof il so 
deforniirt war. dass kein Förderwa^en mehr durch konnte 
und unverzüglich die Auswecli slung veranlasst werden 
musste. Von der Wirkung des Blähens erhält man durch folgende 
Thatsachen eine bessere Vorstellung: Wenn vor einem im zersetzten, 
aber bereits entwässerten Diabasschiefer anstehenden Ort, vom Häuer 
die nöthige Gesteinslichte mittelst Keil- und Lettenhaue ausgeschlagen 
war, so folgte in der Regel sofort der Ausbau; wurde dies jedoch 
versäumt und blieb der ausgehauene Raum durch kurze Zeit etwa 
() — 12 Stunden unverzimmert stehen, so musste dann beim Einbauen 
der im vorgeschriebenen Normalprofil vom Tagzimmerling angefertigte^ 
Hauptzimmer 10 bis 15cm an der Firste, den beiden Stössen 
und der Sohle nach gehauen werden, denn soviel war 
mittlerweile das sonst gut stehende Gebirge allmälig 
in den r t s q u e r s c h n i 1 1 h e r e i n g e w a c h s e n ! Beim Abteufen 
des Maschinenschachtes kam es öfters vor, dass das am Samstag auf 
die Schichtsohle gelegte, 35— 40tm starke Hauptzimmer bis Montag 
in der a u f g e b 1 ä h t e n M a s s e gänzlich verschwunden war! 
Aus dieser Ursache hatte der Bergbau Meedl alljährlich einen be- 
deutenden H 1 z c n s u m . welcher auf die Gestehungskosten 
empfindlich drückte. Man hat daher vielfache Mittel versucht, dieser 
Calamität entgegen zu wirken, und zwar um dem Ausbau eine längere 
Dauer zu verleihen. Eichenholz herangezogen; dasselbe zeigte 
sich wolil dem Drucke und dem Blähen gegenüber viel widerstands- 
fähiger, doch erschien es in der Folge zu wenig elastisch, spröd und 
bekam vielfach Sprünge und Risse, welche einen namhaften Theil 
der grösseren Festigkeit wieder aufhoben und da es zu theuer war, 
so hat man diese Art des Ausbaues wieder fallen gelassen. 

Der Meedler Bergbau hatte im Sommer häufig mit mattem 
Wetter zu kämpfen ; letztere wurden hauptsächlich verdorben 
durch faulendes Grubenholz, insbesondere dem im 
Alten Mann zurückbleibenden, weil nicht allerorts 
geraubt werden durfte, durch die Oxydation der 
blähenden Schiefer, desgleichen durch x }' d a t i o n und 
R e g e n e r i r u n g des d e n B e r g v e r s a t z b i 1 d e n d e n G e s t e i n s- 
materials und andere minder gewichtige Ursachen. Es genügte 
wohl im allgemeinen die natürliche Wetterführung, doch 
muss auf mehrere Durchschläge mit dem Tage Bedacht genommen 
werden, um mehrere frische Wetterströme der Grube zuzuführen, da 
sich diese überall an den Zimmerpaaren der durchwegs im Ausbau 
stehenden Ein- und \'orbaue und an vielen Krümmungen derselben 
stossen, ferner infolge obiger Ursachen sehr bald sauerstoffarm 
werden , also nach Z u r ü c k 1 e g u n g auffallend kurzer 
W e 1 1 e r w e g e a u f g e b r a u c h t s i n d , dann das Licht nicht brennt 
und jede Arbeit aufhört. Die oben erwähnten Haspelschächte haben 
dem gedachten Zwecke gute Dienste geleistet. 

Zur Wasserhaltung diente eine doppelt wirkende Dampf- 
maschine horizontaler Aufstellung mit verstellbarem Expansions-Ex- 
center, oime Condensation. Cylinderbohrung ()-518w, Kolbenhublänge 
U-92() w, welche bei 0-33 Füllung, 4 Atmosphären absoluter Admissious- 



[451 Die Kiseiierzlagerstätten des inälirisclicii Devon. 73 

Spaiimu»^ und 40 Toiiron pro Minute, ;")() IIP an der Maschinenwelle 
abü;ab. Die Punipentransniission bestand aus Zahnradvorgelege und 
2 Knnstwinkeln von Ml Arnilänge auf zwei über dem Pumpentrumm 
liegenden 50 cm Blecliträgern montirt. Die Pumpen waren gewöhnliche 
Hubpumpen mit in den Steigrohren durchgeliendem, sclimiedeisernem 
Gestänge von 03 mm Durchmesser, so dass beim Ersaufen Liderung 
von oben möglich war, was bei den a u s d e n W a s s e r s ä c k e n u n d 
den klüftigen, wasserdurchlässigen P^rzlagern zu er- 
wartenden W a s s e r d u r c h b r ü c h e n notliwendig erschien. Durch- 
messer des Pumpenkolbens ^ 0'805 m, die Kolbenhublänge ült<')0 w, 
die genieteten schmiedeisernen Steigrolire von 7 mm Blechstärke hatten 
()-421 m Durchmesser und da die Pumpen gleichzeitig als Abteufpumpen 
fungirten, so war an den Saugrohrenden je ein ausziehbarer, schmied- 
eiserner Schläucher angebracht. Die Pumpen gössen auf der Abhub- 
rösche in 11-3;« Teufe aus, von wo ein direct an den Kunstwinkel 
angehängter Drucksatz von0'118;>i Phurgerdurchmesser und 0-790/// 
Hub die nöthigen Speisewässer zu Tage gehoben hat. 

Die anfänglichen Wasserzuflüsse haben 28 Secun- 
denliter betragen, die auf 502 //^ Förderhöhe zu heben waren, 
es blieb somit bei der Wasserhaltungsmaschine eine mehr als aus- 
reichende Kraftreserve für Wasserdurchbrüche zur Disposition, welche 
auch wiederholt vorgekommen sind und nach acht-, längstens vierzehn- 
tägiger Inundation der Grube wieder zu Sumpf gebracht* wurden. 
Genaue Rechnung führt zu dem Resultat, dass für die Wasserzuflüsse 
des Bergbaus Meedl eine Dampfmaschine, welche unter den oben 
angegebenen Bedingungen 30 HP effectuirt haben würde, genügend 
stark gewesen wäre. Während bei den ursprünglichen Wasserzugängen 
die Wasserhaltungsmaschine 22 Stunden per Tag und Nacht im 
Gange erhalten werden musste, trat später successive der Beharrungs- 
zustand in den Wasserzuflüssen ein, welche sich auf normale 
22 Secundenliter verminderten, so dass der Pumpenbetrieb 
auf 18 Arbeitsstunden per Tag und Nacht reducirt werden konnte. 
Insbesondere im Frühjahr, aber auch im Herbst haben die Wasser- 
zugänge durch die Thau- und Regenwässer eine namhafte Vermehrung 
erfahren, weil die zu Tage ausbeissenden Erzlagerstätten bis dahin 
abgebaut worden sind und sich nun die atmosphärischen Wässer in 
den Pingen sammeln und durch den „Alten Mann" den Tief bauen 
zusitzen. 

Der Depressionskegel der durch diesen Pumpenbetrieb 
erzeugt wurde, war ein ganz bedeutender. Auf den oben erwähnten 
Blanskoer Wilhelmschächten, welche vom Witkowitzer Maschinenschacht 
500 m entfernt liegen, i s t d e r n a t ü r 1 i c h e G r u n d w a s s e r s p i e g e 1 
successive 13-3 w saiger deprimirt worden, so dass auf 
diesen Schächten ein dementsprechend hoher E r z- 
p feil er, der früher im Gr u n d wasser lag, trocken gelegt 
ohne j e d e W a s s e r h a 1 tu n g a b g e b a u t w erde n k o n n t e. dem 
zufolge auch dieser Grubennachbar zu den Kosten der Wasserhaltung 
beigetragen hat. Wie gross das Depressionsgebiet war und wie langsam 
sich dasselbe nach Einstellung der Wasserhebung 1877 mit den auf- 
gegangenen Grundwässern wieder füllte, darüber gibt die interessante 

Jahrb. d. k. k. geol. lleichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Kr. Kretsclimer.) 10 



74 Franz Kretschmer. ["46] 

Thatsache Aufschluss. dass die Wässer im Maschinellschachte von 
ihrem tiefsten Stande in 58'8 m Teufe, erst im Jahre 1892 am 
Eösclienmundloch lim unter der Maschinenschächter Hängebank 
wieder zum Ausiluss kamen; es benöthigte also das Grund- 
wasser 15 Jahre Zeit, um jenes Niveau wieder zu er- 
reichen, das ein 8-jähriger Pumpenbetrieb abgezapft hat! 

Die Förderung besorgte eine achtpferdige doppeltwirkende 
Dampfmaschine horizontaler Aufstellung mit Stephen so n'scher 
Coulisse von 0*259 m Kolbendurchmesser und 0-458 m Hublänge. 
Der Treibapparat war durch Zahnrad-Transmission verbunden und 
bestand aus zwei cylinderischeii Seiltrommeln, wovon eine fix das 
Unterseil, die andere mit Mitnehmer construirt, das Oberseil trug. 
Das Gewicht der Förderschale war 350 l-g, des leeren Förderwagens 
200 AT/, die Nettoförderlast 600 /.y/, somit äussere Seilbelastung 1150 äy/. 
Die Förderschalen waren mit der bekannten Ostrauer Fangvorrichtung 
versehen, als Aufsatzvorrichtung diente ebenfalls die bekannte Ostrauer 
Construction. Die Förderung ging auf den Hauptvorbauen durchwegs 
in englischen Förderwagen auf Yignolschienenbahn von 045 m Spur- 
weite vor sich, nur auf den Firstenstrossen bediente man sich der 
ungarischen Förderhunde. 

Die Dampfsp eise pumpe hatte 0-131 m Durchmesser des 
Dampfcylinders, 0090 m Plungerdurchmesser und 0-238 m gemein- 
schaftlichen Hub. 

Diese Schachtanlage wurde mit Dampf versorgt durch drei 
gleiche B o u i 1 1 e u r k e s s e 1, bestehend aus je einem cyliuderischen 
Oberkessel von 6 954 m Länge, 1-106 m Durchmesser und je einem 
Siederohr von 4-900 m Länge und 0-790 m Durchmesser, also mit 
einer directen Heizfläche von 27 m- und für 5 Atmosphären Dampf- 
spannung concessionirt. Höhe der gemauerten Esse 24-65 in. 

Der Kohlen verbrauch war erheblich, und betrug 26-6 q 
in 24 h. Die Speisewässer enthielten sehr viel Kalk- und Magnesia- 
carbonat, die im Kessel schaumige und schlammige Massen bildeten 
und vom Dampf bis in die Cylinder der Maschinen mitgerissen und 
hier lästig wurden. Diesem Uebelstande begegnete man theil weise 
mittelst Popper'scher Blecheinlageu. 

Die Maschinen und Kessel waren in einem ebenerdigen Kiegel- 
wandgebäude von 265 in- verbauter Grundfläche untergebracht. 
Da infolge Entwässerung des Gebirges, besonders durch 
Trockenlegung der W a s s e r s ä c k e und der damit zu- 
sammen h ä 11 g e n d e n V o 1 u m v e r m i n d e r u n g , sowie d u r c h 
Abbau erhebliche Terrainsetzungen eintraten, so er- 
schien hier eine leichte, sich gleichmässig nachsen- 
kende Riegel wand sehr am Platze. Mit dem Maschinen- 
schachtgebäude einen Hofraum bildend, sind noch vorhanden: eine 
Grubenschmiede und Magazin 79 m^, ein Zechenhaus mit Arbeiter- 
wohnung 165 ni^, weiter davon ein Steigerhaus 228 m'^; das Ganze 
repräsentirt sich noch heute als eine recht schmucke Bergwerksanlage. 
Unterhalb dem Maschinenschachte stehen zwei Rostöfen, in denen 
seinerzeit feste, zum Theile kaum verhüttungswürdige, weil schlecht 
geschiedene Stuferze geröstet w^urden. 



147] Dio Eisouerzlagerstätten des mährischen Devon. 75 

Die Jahresproductioii des Witkowitzer Bergbaues 
Meedl war bei der Abhängigkeit von der jeweiligen Conjunctur 
der Eisenindustrie eine schwankende, speciell der Witkowitzer 
Maschinenschacht förderte in den letzten drei Jahren seines Voll- 
betriebes von 1873 bis einschliesslich 1875 im Durchschnit 120.000 q 
Magnet- und Rotheisenerze jährlich, welche mit der Belegschaft von 
100 Mann zum Gestehungskostenpreis von 39-6 Kreuzer per 100 k</ 
erbauen und zu Tage gefördert worden sind. Es beträgt somit die 
per Kopf der beschäftigten Arbeiterzahl erzielte Jahresförderung 1200 7 
und 1000 5 der Erzförderung absorbirten einen Materialaufwand von: 



81 q 


Kesselkohle 


6-4 fm 


Grubenholz 


25 kg 


diverses Eisen 


3-5 ,; 


Dynamit 


23 „ 


Rüböl als Grubengeleucht 



2. Der Eisenberger Berbgau bei Meedl. 

Derselbe war nur von beschränktem Umfange und baute zumeist 
auf dem Erzlager III der östlichen Lagergruppe, welches 
hier sehr mächtige, leicht gewinnbare Stuf- und Schlicherze führt. 
Der Aufschluss geschah durch mehrere, in der Aloisiazeche abgeteufte 
Haspelschächte von circa 31 m mittlerer Bauteufe. Der A b b a u 
bewegte sich also durchwegs in oberen Teufen oberhalb 
dem Grundwasserspiegel, und auch heute stehen daselbst 
oberhalb dem letzteren noch reiche und bedeutende E r z m i 1 1 e 1 
an. Dieser dem Fürsten Johann Liechtenstein gehörige Berg- 
bau kam zum Erliegen, weil der Hochofen zu Eisenberg a. d. 
March 1873 ausgeblasen wurde. Die Jahresproduction bezifferte 
sich bei 13 bis 15 Mann Belegschaft auf rund 14.000 q, wovon der 
Classe nach 50 bis 60% reiclie Magnet- und Rotheisenerzstufen und 
40 bis 500/0 Magneteisenerzschliche. 

3. Der Blanskoer Bergbau bei Meedl und Storzendorf. 

Auf diesem dem Fürsten II u g S a 1 m gehörigen Bergbau 
sind mit den Haspel schachten in der Barbarazeche bei 
Meedl die Erzlager II und III der östlic h en Lagergruppe, 
welche auch hier sehr mächtig und reich sind, bis zum Grundwasser- 
spiegel abgebaut worden; das Fortstreichen derselben von da gegen 
NO zum Grenzgraben und darüber hinaus wurde durch Schurfversuche 
constatirt; dem weiteren Vordringen in jene Teufe, wo bauwürdige 
Lagerungen auftreten, hat Wassernoth Einhalt gethan, jedoch sind 
überall uralte Gruben])aue angefahren worden, die auf bauwürdigen 
Erzlagern umgegangen sind. 

Zum Aufschluss des Lie gen dlagers auf der W ilhelms- 
zeche im Riede „Bei den Schächten" hat man den Barbara- 
stollen herangeführt, dessen Mundloch bei der sogenannten „Alten 
Weide« oberhalb Meedl im Grenzgraben gegen Storzendort hegt: 

10* 



7R FYanz Krctschmer. [48] 

derselbe diente dem Zwecke der Wasserlosung und brachte auf den 
Wilhelmsclüichten oO m Saigerteufe ein. Auch dieser Stollen begegnete 
bei seiner Auffahrung in den zersetzten, in Berührung mit Wasser 
sehr beweglichen Diabasschiefern und ihren Tuffen solch' grossem 
Druck, dass die stärkste Zimmerung keinen Widerstand zu leisten 
vermochte; später theilweise in Bruchstein -Mauerung gesetzt, ist 
auch diese letztere arg deformirt worden. 

Die Haspelschäclite Wilhelm I, II und III entsprachen haupt- 
sächlich dem Zwecke der Förderung, womit die Erzlager bis zur 
Stollensohle abgebaut wurden. Als später der Witkowitzer Maschinen- 
schacht den Grundwasserspiegel successive l3'o m tiefer legte, sind 
dann die genannten Haspelschächte von bisherigen oC) m bis 49'o m 
im Trockenen tiefer nachgeteuft und die Erzlager ohne 
W a s s e r e r h a 1 1 u n g s k s t e n d e m A b b a u zugeführt worden. 
Nach Einstellung des erwähnten Maschinenschachtes 1877 hat man 
noch zwei Jahre weiter gearbeitet, bis auch hier die 
G r u n d w ä s s e r w i e d e r successive aufgegangen sind, dem- 
zufolge dieser Tlieil des Bergbaues ebenfalls bis zur Wiederaufnahme 
des maschinellen Pumpenbetriebes still liegen muss. 

Am Storz endorf er Erzberg galten anfänglich zwei links 
des Fahrweges von Storzendorf nach Dörfel abgeteufte Versuch- 
schächte der Aufsuchung des Erzvorkommens überhaupt, der eine 
davon erreichte beill"4y// das natürliche Wasserniveau und ist damit 
ein schwaches, dunkelstahlgraues Magneteisenerz abgebaut worden. — 
Rechts von dem gedachten Vei'bindungswege Storzendorf — Dörfel hat 
man den sogenannten Pumpenschacht abgeteuft, womit bei \bm 
Teufe der natürliche Grundwasserspiegel erteuft wurde ; mit Iland- 
pumpen hat man sodann den Versuch gemacht, unter die uralten Baue 
zu kommen, weitere 2 m abgeteuft, jedoch diese Arbeit nach hart- 
näckigem Wasserkampfe aufgegeben. Die angefahrenen, uralten, aus- 
gedehnten Verhaue setzen tief unter die erreichte Sohle herab, die- 
selben enthalten viel altes Grubenholz und aus festen Stuferzen 
hergestellten Versatz. 

Nachdem man sich dergestalt überzeugt hat, dass die Wasser- 
zuflüsse mittelst Hand nicht zu bewältigen sind und die „Alten" mit 
der weiter oben beschriebenen Stollenanlage die Erzlagerstätten viel 
tiefer gefasst und abgebaut haben, ist man 1891 zur Anlage eines 
M a s c h i n e n s c h a c h t e s geschritten, welcher circa 200 m gegen NO 
von Storzendorf entfernt, knapp rechts vom wiederholt angeführten 
Fahrweg nach Dörfel angeschlagen, 2-b m lang, 1-2 m breit gemacht 
und mit zwei Förder- und einer Fahrabtheilung versehen worden ist. 
Zur Wasserhebung diente eine unterirdische Wasserheb- 
maschine von 0215 Dampfcylinder = 0'170 m Plungerdurchmesser 
und 0172m gemeinschaftlichem Hub; den Dampf besorgte eine am 
Tage in einer Nothkaue untergebrachte Loco mobile, deren 
Dampfkessel low- Heizfläche besass und für 5 Atmosphären Ueber- 
druck concessionirt war. Diese Dampfpumpe zeigte sich in der Folge 
als für die Wasserzufliisse nicht ausreichend. Trotzdem ist es gelungen, 
den Maschinenschacht soweit abzusinken, dass man in 41 m Teufe die 
1. Tiefbausohle fassen und die oben geschilderten, reichen Erzlager 



r491 Hie Kisonoizlag(;rstätten dos mährischen Devon. 77 

ausrichten konnte; dabei zeigte sich, class die Alten bis zu der 
e r h e b 1 i (• h e u T e u f e von Ho m li e r a b g e li o ni ni e ii w a r e n , was 
mit IliU'ksiclit auf die bedeutenden Wasserzugänge nur mit Hilfe des 
oben erwähnten Stollens möglich war. Die geschilderte Schachtanlage 
hatte nur den Charakter eines \'ersuches an sich, doch ehe man an 
die Ausführung der p r o j e c t i r t e u definitiven Anlage gelangen 
konnte, ist auch dieser Tiieil des Bergbaues trotz der sehr günstigen 
und reichen Erzanbrüche 189)3 wegen Auflassung des Hochofen- 
betriebes in Blansko zum Stillstand gekommen. Eine definitive 
Maschinenschachtanlage für dieses Vorkommen möchte vortheilhaft 
ihre Position links des Weges von Storzendorf nach Dörfel erhalten. 

Die J a h r e s p r d u (; t i n d e s ß l a n s k o e r B e r g b a u e s bei 
Meedl und Storzendorf betrug durchschnittlich bei der Beleg- 
schaft von 25 bis 30 Mann abgerundet 24.0UÜ q. Beim Bergbau Meedl 
und Storzendorf sind somit von den drei Gewerkschaften 
zusammen in den Jahren des Witkowitzer Maschinenschacht- 
betriebes circa 158.000 <^ Eisenerze im Durchschnitt pro 
Jahr gefördert worden. — 

W^as die Zukunft des Bergbaues bei Meedl betrifft, so 
ist hervorzuheben, dass dieses Erzvorkommen die ergiebigste und 
reichste E r z n i e d e r 1 a g e de r m ä h r i s c h - s c h 1 e s i s c h e n 
Devonformation darstellt, welche heute noch dem d er- 
einstigen Abbaue vorbehalten ist. Allerdings sind die Erze 
in dem W i tk o w i tz e r M a a s s e n c o m p 1 e x oberhalb dem natürlichen 
Grundwasserspiegel bis auf untergeordnete Pfeilerreste fast gänzlich 
aufgebaut, ferner hat der Witkowitzer Maschinenschacht die Erzlager 
I und II, sowie Theile der Lager III, soweit dieselben in den Witko- 
witzer Feldesantheil hineinfallen, auf der I. Tiefbausohle abgebaut, 
obwohl auch hier nocli unabgebaute Lagertheile zurückgeblieben sind; 
dagegen war die II. Tiefbausohle erst in der Vorrichtung begritfen 
und hat daselbst der Abbau kaum begonnen. Die in den Eise n- 
berger Montanbesitz fallenden Erzlager sind nicht einmal bis 
zum natürlichen Grundwasserspiegel gänzlich verhauen und steht 
somit die Hauptmasse dieser Erze noch zur künftigen 
Disposition. Auf den Blansko er W il h el m schäc hte n hat 
man mit dem sinkenden Grundwasser eine relativ geringe Pfeilerhöhe, 
der westlichen Lagergruppe weggebaut. Alles übrige, also die 
Hauptmasse der Erze, n amen tli ch das Lager III als 
mächtigstes der östlichen Lagergruppe, ist auch hier 
noch zum grössten Theile unverritzt, dem künftigen 
Abbau vorbehalten. Wenn man, um sicher zu gehen, blos bis zu 
einer künftigen III. Tiefbausohle rechnet, wohin die absoluten und 
relativen Erzaufschlüsse reichen, so ergibt diese Schätzung, dass 
sich der Erzrei chthum bei Meedl auf 4 — 5 Millionen 
metrische Centner beziffert, wobei darauf Rücksicht ge- 
nommen ist, dass man bei der Kuttung und Scheidung der Erze 
rigoros zu Werke geht, nur Magneteisenerz-Schliche gewinnt und von 
den festen Magnet- und Botheisenerz -Stufen nur die quarzarmen, 
eisenreichen mitfördert, alles andere als Versatz oder angebaut in 
der Grube belässt. 



78 Franz Krctschmer. [50] 

Um bei Meedl einen rationellen Bergbau mit billigen Productions- 
kosten zu ermöglichen, ist es nothwendig, dass der zerstückte 
M n t a n b e s i t z V r e r s t z u s a m m e n g e s c li 1 a g e n w e r d e ; dann 
genügt für das Erzvorkommen bei Meedl ein einziger Maschinen- 
schacht mit gleichlangen Schachtfiügeln von dem aus die Ausrichtung 
und der Abbau in zweckentsprechender Weise erfolgen kann. Dagegen 
empfiehlt sich für das Vorkommen am Erzberg bei Storzendorf selbst- 
redend eine separate Maschinenschachtanlage, weil ein übermäßig 
grosses Schachtfeld wegen kostspieliger Erhaltung sehr langer und 
druckhafter Bausohlenstrecken nicht rationell wäre. 



C. Bergbau Pinke. 

Am Pinker Berge, der isolirten Erhebung zwischen dem 
Galgen berge bei Mähr.-N eustadt und dem Dorfe Pinke, 
treten zahlreiche Erzlagerstätten auf, deren Fortsetzung nach beiden 
Streichrichtungen über den Umfang des Berges hinaus gegen NO und 
SW denudirt und durch Löss verdeckt erscheint; dieselben setzen, 
soweit sie durch Bergbaubetrieb bekannt wurden, am südöstlichen 
Ausgange von Pinke, beziehungsweise am SW-Fusse des Berges ein, 
streichen über den Scheitel des letzteren hinweg und endigen am 
nordöstlichen Fusse der Erhebung, das ist am Verbindungswege 
Mähr.-Neustadt — Königlosen. 

Diesem Vorkommen sind die Fig. 2 — 5 auf Taf. IV (2) gewidmet, 
wovon Fig. 2 einen markscheiderisch genauen Grundriss der Erzlager, 
sowie der sie umschliessenden Gesteine auf der L Tiefbausohle des 
Maschinenschachtes "darstellt, während die Figuren 3, 4 und 5 Profile 
gut aufgeschlossener Theile der Lagerstätten wiedergeben. Ihre 
mächtige und vollständige Entwicklung fanden die obgedaehten Erz- 
lager am Scheitel des Berges zu beiden Seiten des Ver- 
bindungsweges Mäh r.- N e u s t a d t — P i n k e und lassen hier — wo 
der Bergbau hauptsächlich umgegangen ist — zwei voneinander 
in der Richtung de s Haupts tr eiche ns durch eine taube, 
30 m lange G e s t e i n s z o n e getrennte L a g e r g r u p p e n er- 
kenne n, und zwar liegt die s ü d 1 i c h e G r u p p e dicht beim gemein- 
schaftlichen M a s c h i n e n s c h a c h t , südöstlich des Zöptauer Z e c h e n- 
h aus es, zwischen diesem einerseits und dem steinernen Kreuz am 
gedachten Pinker Verbindungswege andererseits. Von dieser Gruppe 
am Streichen vorkommend, folgt auf die Vertaubung — darauf das 
erwähnte Zeclienhaus steht — von letzterem gegen NO die nörd- 
liche Lager gruppe, welche unterhalb des verlassenen Stein- 
bruches der Stadtgemeinde Mähr.-Neustadt endigt. 

Die südliche Lag er gruppe umfasst 7 Erzlager, welche 
vom Hangend zum Liegend in nachstehender Reihe folgen : 

Das Lager I (Hubert lag er genannt) ist im Maschinen- 
schacht erteuft worden, gestaltet sich jedoch nur auf der II. Tief- 
bausohle bauwürdig, setzt wohl unter letztere herab, sitzt aber dort 
schon theihveise auf dunklem C rin oidenk alkstein ; oberhalb 
der I. Tiefbausohle spitzt es aus, oder führt dort nur Kieseleisensteine ; 



[51] Die Eisenerzlagerstäften des mährischen Devon. 79 

seine streichende Länge beträgt 153 m nach 2 li 12", das Fallen 
ist unter <^ 70" nach 20 h 12^. Mit dem Bausohlenquerschlage im 
II. Tiefbau ist dasselbe 5"65 /w mächtig verquert worden, bestehend 
aus zusammen 3*40 m mächtigem S t u f- u n d S c h 1 i c h e r z , sowie 
Kieseleisensteinbänken, mit 2"25 m tauben Mitteln in 
Wechsellagerung; gegen SW nimmt er beim südlichen Verbindungs- 
querschlage den gedachten Kalkstein auf, so dass hier vom Hangend 
zum Liegend auf 0-G w Schlicherz, O'T m Crinoid enkalk und 
2-8 w K i e s e 1 e i s e n s t e i n folgen, und die ganze Mäclitigkeit 4* 1 m 
beträgt. Im Durchschnitt wechselt die Mächtigkeit der bau- 
würdigen S c h 1 i c li e r z e (R o t h e i s e n e r z m u 1 m) dieses 
Lagers von 1 bis 3m, solche der Kieseleisensteine am Liegenden 
in denselben Grenzen. Gegen SW verbindet sich das Lager I mit 
dem Lager III und bildet dort eine 3 bis 6 m mächtige Linse 
reiner S c h 1 i c h e r z e. 

Von untergeordneter Bedeutung ist das Lager II (auch 
Grenz lag er genannt), das vom vorigen durch eine 20 w mächtige 
Zwischenlagerung getrennt wird; dasselbe ist beim Hauptquerschlag 
auf der IL Tiefbausohle, wo es bauwürdige Schlicherze führt, nur 
52 m lang im Streichen, auf der I. Tiefbausohle blos durch ein 
5 m mächtiges Kieseleisensteinlager vertreten ; es streicht 2 h 8", 
fällt unter < 72" nach 20 h 8", die durchschnittliche 
M ä c h t i g k e i t d e r b a u w ü r d i g e n E r z e b e t r ä g t 3 ?w. Unterhalb 
der II. Tiefbausohle führte es noch 4 m mächtige Schlicherze, war 
jedoch nur mehr 16 m lang und wird gegen SW durch Kalkstein 
verdrückt. In demselben Schichtenniveau findet sich auf der IL Tief- 
bausohle eine belanglose Erzeinlagerung beim südlichen Verbindungs- 
querschlag; dieselbe ist nur kurz im Streichen, besteht aus 05 bis 
l'O m Schlicherz, sowie 0-5 m Kieseleisenstein am Liegend und 
spitzt aber sowohl oberhalb als auch unterhalb der IL Tiefbausohle 
gänzlich aus. 

SW vom Maschinenschacht lagert beim südlichen Verbindungs- 
Querschlage das Hubertlager III, welches jedoch auf der zweiten 
Strosse oberhalb der IL Tiefbausohle auskeilt; auf der I. Tiefbau- 
sohle enthält es vielen Kieseleisenstein, besitzt durchschnittlich 
circa 3 m Mächtigkeit, erscheint zunächst 50 m lang 
im Streichen, verbindet sich gegen SW mit dem Lager I und 
übersetzt sodann ins Hangende, wo es 1876, kurz vor 
d e r B e t r i e b s e i n s t e 1 1 u n g, 4 >M mächtig angehauen, jedoch 
auch später nicht weiter untersucht w o r d e n i s t. Das 
Streichen des Hubertlagers III ist nach 3 h 1« und das Fallen 
21h 1" gerichtet. Auf den mittleren Strossen der IL Tief- 
bausohle ist das Erzlager länger, beiläufig 75 m und 
3-3 m mächtig, und zwar in der Mitte 1-5 m Schlich erz, am 
Hangend und Liegend je 13 m, beziehungsweise 0-5 m Kiesel- 
eisenstein. 

D a s L a g e r IV ■; H a n g e n d s t r e i c h e n g e n a n n t ) setzt gleich 
unter dem Löss am Tage ein und verflächt durch alle Sohlen bis 
unterhalb die IL Tiefbausohle in bauwürdiger Mächtigkeit, indess 
seine daselbst 125 m betragende Länge im Streichen 



80 Franz Kretschmer. [52] 

«ach der Wettersohle liiii zunimmt, von da gegen den Tag abnimmt. 
Das Streichen ist 3 h 1«, das Fallen 21 h P < 67". Die durch- 
schnittliche Mächtigkeit dieses Erzlagers (welches mit den 
Lagern V und VI den Hauptschatz der Witkowitzer Grube bildet) 
beträgt 4 bis 10 m, hievon entfallen auf die in wiederholter 
Wechsellagerung auftretenden K i e s e 1 e i s e n s t e i n e 2 bis 6 ni, 
während die reinen Schliche (untergeordnet reiche Stufen) durch- 
schnittlich 2*0 bis 4-5 m Mächtigkeit besitzen ; ausserdem fanden sich 
am nordöstlichen und südwestlichen Ende dieses Erz- 
lagers auf allen Sohlen Linsen reiner Schlicherze, die 
bis 5, 8, ja 10 m Mächtigkeit anschwellen. Unterhalb der 
IL Tiefbausohle ist die Mächtigkeit der Schlicherze noch 1 bis 2-5 m 
mit Anschwellungen bi& 4 m, jedoch bei abnehmender streichender 
Länge constatirt worden, da auch hier Kalkstein, von dem 
in den oberen Sohlen keine Spur war, die Stelle der 
Erze einzunehmen beginnt. 

Auch das Lager V (Mittelstreichen genannt) setzt vom 
Tage unterm Löss durch alle Sohlen hinab ; es hat die g r ö s s t e 
streichende Länge, und zwar bis zum Witkowitzer Wetter- 
f e n s c h a c h t 140 , darüber hinaus bis zum S o p h i e n f u n d- 
schacht 198 m; wie weit es von da noch südwestlich fortstreicht, 
ist nicht untersucht worden. Seine Mächtigkeit wechselt von 
1"0 bis 50 ni. und besteht zumeist aus reinen Schlich erzen 
mit untergeordneten Stuf erzen am Liegenden; die bis 
5 ni mächtigen Schlicherzanschwellungen sind auf den verschiedenen 
Sohlen innerhalb der Lagerstätte zufällig bald da, bald dort vertheilt. 
Auch dieses Lager wird gleich dem anderen von mehr weniger 
mächtigen Kieseleisensteinen begleitet, es streicht 2 h 10" und 
fällt 20 h 10« unter < Gö". Unterhalb der IL Tiefbausohle wurde 
dieses Erzlager 1*5 bis bis l'Om mächtig im Wasser verlassen, 
hievon die bauwürdige Erz mäch tigkeit l'ö bis 3-0 m 
beträgt, wiewohl auch hier bis b m starke E r z 1 i n s e n auf- 
setzen, das übrige sind Kieseleisensteine und taube Einlagerungen; 
den Kalkstein hat man jedoch auf diesem Erzlager 
noch nirgends gesehen. 

Eine untergeordnete Lagerstätte bildet das Lager VI (Liegend- 
streichen g e n a n n t), von dem vorigen durch ein 6 m starkes 
Gesteinsmittel getrennt. Dasselbe ist blos 38 m im Streichen 
lang, Ibis 2 m mächtig, wiewohl linsenförmige Erweiterungen 
der bauwürdigen Erzmä chtigk eit bis 6 m auch hier nicht 
fehlen. Das Lager streicht 2 h 5" und fällt 20 h 5» unter < IV 
vom Tage herab durch alle Sohlen ein und ist auf der IL Tief- 
bausohle in unverminderter Mächtigkeit und Länge 
anstehend im Wasser verlassen worden. 

Auf eine circa 36 m mächtige taube Zwischenlagerung folgt 
das Lager VII (Marialager genannt), welches Qine Ibis 3m 
mächtige Ausscheidung reiner S c h 1 i c h e r z e mit 
bauchigen P^rweit erungen bis zu 5 m, in einem 10, 15 
bis 28 m mächtigen K i eseleisenstein lager darstellt. 
Der bauwürdige Ilotheisenerzmulm ist mit geringer Unterbrechung 



[531 I^ie Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 81 

bis nun auf 103 m streichender Länge aufgeschlossen, 
ohne in der Richtung gegen NO das Ende erreicht zu 
haben, da der weitere Aufschluss wegen Einstellung des Bergbau- 
betriebes unterblieb. Das Erzlager streicht 2 h 0^ und fällt unter 
< 70^ nach 20 h 0^, es setzt gleich unter Tags ein, keilt jedoch auf 
der ersten Tiefbausohle zum grösseren Theile aus. Von besonderem 
Interesse ist es, dass das umschliessende, mächtige Kieseleisenstein- 
lager auf derselben Sohle plötzlich mitauskeilt (s. Taf. IV (2), Fig. 3) ; 
nur vereinzelte Trümmer von Kieseleisenstein erreichen die I. Tief- 
bausohle. Obwohl nicht herabsetzend, wurde dieses Lager dessen- 
ungeachtet in den Grundriss Fig. 2 aufgenommen, um überhaupt 
eine Vorstellung davon zu vermitteln. 

Das Marialager findet allem Anscheine nach seine südwestliche 
Fortsetzung auf dem früheren M a r i a s c h a c h t I, wo ebenfalls 
durchschnittlich l'Om mächtige Schlicherze in Begleitung 
von Eisenkiesel abgebaut wurden. Demselben Schichtenniveau dürften 
auch die mit den ehemaligen Theresiaschächten I und II, sowie 
die im Brunnen de s Gärtnerhauses Nr. 17in Pinke erteuften 
Erze angehören. Auf den genannten Theresiaschächten hat man 
nämlich zwei schwache S c h 1 i c h l a g e r, bis zum unteren Aus- 
biss in der Saigerteufe von 35 m, gänzlich zu Ende verhauen. Das 
Streichen des Marialagers ist insbesondere gegen NO zu wenig unter- 
sucht, um darüber ein abschliessendes Urtheil fällen zu können; 
hier ist auf dem Mariaschachte II kurz vor der Betriebs- 
einstellung ein bis bm mächtiges, bislang 52m im Streichen 
aufgeschlossenes Schlicherzlager angefahren worden. Wie 
weit es noch gegen NO fortsetzt, ist unbekannt; jeden falls dürfte 
man es hier mit einer beachtenswerten Erzaus- 
scheidung zu thun bekommen. 

Die nördliche Lagergruppe begreift wohl nur drei, aber 
mächtige Erzlager in sich, und zwar : 

I. Lager (auch Hang endlag er genannt) und das 
Lager II (Hauptlager genannt) gehören dem südöstlich des 
Zöptauer Wetterofenschachtes vorkommenden, 30 m mächtigen 
Kieseleisensteinstock an, in welchem sie zwei selbständige 
Erzausscheidungen in der Mitte und am Liegenden dieser Lagerstätte 
bilden. (Vergl. Taf. IV (2), Fig. 4.) Diese beiden Erzlager vereinigen 
sich in der Nähe des mehrerwähnten Zechenhauses und verfolgen von 
da ab gegen NO ein divergentes Streichen, indem das Lager I nach 
2 h 0» streicht und unter < 58 bis 78« nach 20 h 0« einfällt; dagegen 
ist das Streichen des Lagers II 3 h 8" und das Fallen unter < 53 
bis 630 nach 21 h 3^ gerichtet. Vom Wetterofenschächter-Querschlage 
ungefähr 12 7n gegen NO nimmt das stetig stärker werdende, aus 
Kieseleisensteinen bestehende Mittel zwischen den beiden Erzlagern, 
Diabasschiefer und Kalkstein auf. 

Das I. Lager hat vom Zechenhause bis zu seinem Ende an 
dem mächtigen Kieseleisensteinlager, welches am Tage im verlassenen 
Steinbruch der Stadtgemeinde Mähr.- Neustadt für die Zwecke der 
Strassenpflasterung seinerzeit abgebaut wurde, eine bauwürdige 
streichende Länge von 150 m. Die reichen Schlicherze 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Kretschmer.) n 



g2 Franz Kretschnier. [54] 

wechseln in der Mächtigkeit von l'O bis 4-5 und 5-5 m, 
indem sich die Lagerstätte local zu mehr weniger langen Erzlinsen 
erweitert. Am Hangenden wird diese letztere von einem 13 bis 14 w 
mächtigen Kieseleisensteinlager begleitet, das identisch ist mit dem- 
jenigen, welches in dem erwähnten Steinbruche entblösst erscheint 
und hierorts am Hangenden auf der I. Tiefbausohle ein schwaches 
und a r m e s S c h 1 i c h e r z 1 a g e r mitführt ; dasselbe hat sich, obwohl 
73 in im Streichen nach 3 h IP verfolgt, nirgends bauwürdig auf- 
gethan. Das I. Lager wird 6bisl0m unter der L Tiefbau sohle 
durch den oben geschilderten weissen bis hellgrauen 
und massigen Kalkstein abgeschnitten; die festen Kiesel- 
eisensteine am Hangenden setzen wohl in grössere Teufen herab, 
ohne jedoch bauwürdige Erzausscheidungen mitzu- 
f ü hr en. 

Das Hauptlager besitzt vom Zechenhause bis zum Ueber- 
brechen VII eine bauwürdige Länge von 1 59 in, von da setzt 
es noch 50 m in unbauwürdigem Zustande bis zum Verbindungs- 
querschlag IV fort, so dass dessen ganze Länge bis zum Ausbiss 209 m 
beträgt ; seine Mächtigkeit ist starkem Wechsel unterworfen und 
schwankt von 1*0 bis 4, 6*5 und 8 tn, doch kommen local 
auch stockförmige Erz aussehe! dun gen vor, deren 
Mächtigkeit bis 14 und selbst 18 m anschwillt, allerdings 
sind diese grossen Erzkörper hauptsächlich durch grobschotterig 
desaggregirte Kieseleisensteine, welche bei der Erz- 
gewinnung ausgerecht werden müssen, verunreinigt. Wie die Profile 
Fig. 4 und 5 zeigen, wird das Hauptlager schon auf der I. Tiefbau- 
sohle, und zwar am Wetterofenschachte durch Kalkstein, 20 m 
im Streichen unterbrochen. Der letztere bildet daselbst eine aus- 
gedehnte, bis zur 3. Firstenstrosse emporragende Kuppe, 
welche an ihrer Oberfläche zu rundlich abgenagten 
Blöcken, Klippen und Felswänden zerfallen erscheint, 
und auf, sowie zwischen denen die Sc lilic herze und 
Kieseleisensteine sitzen. Von dieser Unterbrechung weiter 
gegen NO, fällt der Kalkstein unter die I. Tiefbausohle, wohin das 
Hauptlager 8 m tief hinabsetzt und dort in trichterförmigen 
und höhlenartigen Räumen im Crinoidenkalkstein 
lagert. Zahlreiche, ringsum abgenagte, viele Cubikmeter grosse 
Kalkstein blocke — Ueberreste der hydrochemischen Vorgänge 
— finden sich auch hier lose in Seh lieh erzen eingebettet; 
sie reichten auch hier stellenweise bis zur dritten Firstenstrosse auf 
der I. Tiefbausohle hinauf. 

Durch ein Schiefermittel von 24 m abgesondert, folgt im nord- 
östlichen Felde das reiche Liegendlage^r; dasselbe ist auf der 
I. Tiefbausohle mit dem Verbindungsquerschlage III 9-5 m mächtig 
überfahren worden, bestehend aus sehr reichen Schlicherzen mit 
geringfügigen Schiefermitteln, während Kieseleisensteine fehlen. Die 
durchschnittliche Mächtigkeit schwankt von 7 bis 8-5m; 
gegen NO, wo sich auf der I. Tiefbausohle in sein Streichen Kalk- 
stein vorlagert und es abschneidet, schwillt dasselbe bis 10 
und 12 m mächtig an; gegen den südwestlichen Ausbiss sinkt 



[55] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 83 

seine Mtächtigkeit bis auf 10 m herab. Die bauwürdige Länge 
beträgt 55 w, das Streichen ist ;) h 2°, das Fallen 21h 2° unter 
< 57^; gegen die Wettersohle und oberhalb des Grundwasserniveaus 
wird dieses unten auffällig reine Lager von Kieseleisenstein- 
lagen begleitet; 10 m unter der ersten Tiefbausohle werden die 
reichen Schlicherze lettenartig, arm, zum grösseren Theile aber 
durch viele Kalksteinb lö cke und -Klippen verdrängt. 

Ausser den geschilderten Erzlagerstätten hat man beim Bergbau 
Pinke noch zahlreiche andere kleinere Erzausscheidungen angefahren 
und auch theilweise abgebaut, sie sind jedoch ohne jede Bedeutung, 
können daher füglich übergangen werden. 

Die vorwaltende Ausfüllungsmasse der bauwürdigen Lagertheile 
der Pinker Erzlagerstätten wird durch ein mulmiges Rotheis enerz, 
sogenanntes Schlicherz gebildet, dem etwas Wad in feiner Ver- 
theilung beigemengt ist ; dasselbe hat ein erdig verwittertes Aussehen 
und ist infolge seines Wadgehaltes röthlichbraun abfärbend. Bei 
zunehmendem Wadgehalt wird das Erz bis bräunlichschwarz, sehr 
leicht, feinerdig und staubig, so dass es der Wind von der Halde 
trägt. Untergeordnet tritt auch dichtes bis faseriges, stufiges 
Rotheise nerz auf, in zoll- bis fussdicken parallelen Lagen mit 
dem Schlicherz wechsellagernd ; dasselbe enthält Magnetit in 
kleinsten Oktaedern und Körnchen sparsam eingestreut; es ist von 
kirschrother Farbe , ebenem , auffällig pseudoregulärem Bruch , 
ferner von sehr dünnschiefrigem Gefüge, gebräch bis mürbe, stark 
zerklüftet, daher leicht gewinnbar. Beide Erzvarietäten wirken in 
weit geringerem Maße auf die Magnetnadel, als die Meedler 
Erze; während dort die Compassmissweisungen beim Verziehen 8 
bis 15° betragen haben, sind hier nur solche von 1 bis 2'/2*^ constatirt 
worden. Rückbildung in mulmiges Magneteisenerz, dadurch, 
dass sich stetig zunehmend Magnetit anhäuft, kommt häufig und 
zufällig auf den Schlicherzkörpern vertheilt vor. Die Stuferze ver- 
halten sich ebenso, und sind Uebergänge in stufige Magnet- 
eisenerze, insbesondere amAusbiss, und als begleitende Hangend- 
oder Liegendschwarten der Rotheisenerzlager zu beobachten. Die 
Magnetite zerfallen häufig zu einem r e s c h e n M a g n e t e i s e n s a n d. 
Wo die Erze am Kalkstein aufsitzen, wechseln Partien rehr reicher 
mit armen, 1 e 1 1 i g e n S c h 1 i c h e r z e n, welche schliesslich in einen 
braun rothen, eisenschüssigen Letten übergehen. Die Erze 
der nördlichen Lagergruppe sind, wie die unten folgenden Analysen 
darthun, durchschnittlich 6"/o reicher als jene der süd- 
lichen Lagergruppe. Insbesondere ist es das L i e g e n d 1 a g e r der 
ersteren Gruppe, welches auf der L Tiefbau so hie und der 
Gesenksohle ein sehr reiches S c h 1 i c h e r z führt , das durch 
seinen grösseren Gehalt an r e s c h e m M a g n e t e i s e n e r z m u 1 m 
ausgezeichnet ist. 

Dem Verhalten der geschilderten Rotheisenerzlagerstätten zu- 
folge besteht die Erzförderung vorherrschend aus Schlicherzen, 
während Stuferze dagegen sehr erheblich zurücktreten und kaum 
10% der ganzen Förderung ausmachen. 

11* 



§4 Franz Kretschmer. [56] 

Die Kieseleisensteine und Eisenkiesel treten auf den 
Rotheisenerzlagern mit den Schlicherzen in bandförmig geordneten 
Streifen bis meterstarken Bänken parallel eingeschaltet auf, oder die 
ersteren bilden selbständige Lager und Lagerstöcke von ansehnlicher 
Mächtigkeit, denen die Rotheisenerzlager untergeordnet sind und 
unregelmässig bald am Hangend, bald am Liegend oder in der Mitte 
derselben zur Ausscheidung kamen. Beispielsweise besteht das 
Kieseleisensteinlager beim Wetterofenschacht zwischen dem Hangend- 
und Hauptlager, überwiegend aus gänzlich zerklüfteten 
und zu einem Haufwerk groben Schotters zerfallenen 
Kieseleisenstein mit schwächerenund stärkeren Lagen, 
Nestern und Butzen eines reichen Schlicherzes durch- 
setzt, so dass es sich lohnte, diesen 12 in mächtigen Theil der 
Lagerstätte als Abrecherz abzubauen. Auch sonst müssen bei der 
Erzgewinnung die den Rotheisenerzschlichen eingelagerten Kiesel- 
eisensteine gut ausgerecht werden, worauf der Rückstand einen 
reichen Schlich liefert. Die Kieseleisens teine sind überwiegend 
geschichtet, doch fehlt nicht massige Structur; sie bestehen 
hauptsächlich aus Quarz mit beigemengtem Rotheisenerz, von 
welch' letzterem die rothmelirte Farbe herrührt, ausserdem führen 
sie als wesentlichen Gemengtheil Magnetit in Oktaedern oder 
körnigen Aggregaten in Leisten und Nestern. Accessorisch finden 
sich darin häufig blutrother Jaspi s (dichter Eisenkiesel), ferner hin 
und wieder zahlreiche Pyritkrystalle, theilweise in Pseudomorphosen 
von Göthit nach Pyrit. Stellenweise verschwinden die Göthitwürfeln 
und das Gestein erscheint von hexaedrischen Zellen durchzogen, 
bisweilen mit Limonit- Stalaktiten ausgekleidet. Als Seltenheit 
findet sich Feldspath eingesprengt, auf Structurflächen öfters 
Ueberzüge von Psilomelan in traubigen und nierenförmigen Aggre- 
gaten. Zuweilen erscheinen die Kieseleisensteine zerfressen, 
porös, von cavernoser und zelliger Structur oder sie sind 
von grösseren erodirten Löchern durchzogen, theilweise aus- 
gefüllt mit einem mulmigen Rotheisen er z. Offenbar wurde die 
Kieselerde weggeführt, während das gleichfalls in Lösung über- 
gegangene Eisenoxydul sogleich wieder zur Ausscheidung gelangte. 

Obige Eisenerzvarietäten sind — wie das in der Natur des Vor- 
kommens begründet ist — durch interessante Uebergänge miteinander 
verknüpft und ist insbesondere aus den nachfolgenden Analysen zu 
ersehen, dass von den reichen und milden Rotheisen erzen 
bis zu den armen und sehr festen Kieseleisensteinen eine 
continuirliche Reihe mit stetig sinkendem Eisengehai t 
und gleichzeitig steigendem Kie sei erdegehalt besteht. 

Der Phos])horgehalt der Pinker Rotheisenerze ist schwankend 
und zwar enthalten die Schliche 0-09 bis 0-207o, dagegen die ge- 
brächen, schiefrigen Stufen abnehmend 0-07, die festen, derben Stufeu 
O'Oe^,, Phosphor. Dieser Phosphorgehalt ist wohl gering, dessenunge- 
achtet ist die Zusammensetzung der Pinker P]rze eine derartige, dass 
dieselben mit anderen Erzen gattirt, hauptsächlich zur Darstellung 
eines vorzüglichen Giessereiroheisens, nebenher auch für Thomasroh- 
eisen, jedoch nicht fiir Bessemerroheisen Verwendung finden. 



[57] 



Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 



85 



Eisen . . 
Mangan 
Kieselsäure 
Thonerde . 
Kalkerde . 
Magnesia . 
Schwefel . 
Phosphor . 
Glühverlust 



53-13 

? 

17-50 

3-25 

ü-75 

Spur 

Spur 

? 

2-00 



47-69 
1-39 

19-70 
5-45 
0-75 

Spur 

Spur 
? 
4-20 



4504 
0-89 

24-75 
6-98 
0-43 
0-92 

Spur 
0-09 
205 



43-88 
1-80 

23-00 
7-30 
0-80 

Spur 
? 

0-13 
3-40 



54-51 
1700 



33-04 

? 

50-30 
2-30 
0-10 

? 

0-10 

? 

9 



2500 
Spur 
63-30 
Spur 
0-70 
? 

? 
? 
0-30 



17-02 

71-80 



Nördliche Lagergruppe. 

1. Rotheisenerz-Schliche vom Hauptlager. 

2. Rotheisenerz-Schliche, Durchschnitt von den 3 Lagern, Wettersohle. 

5. Rotheisenerz-Stufen, schiefrig, gebräch, verwittert. 

6. Kieseleisenstein, wie er bis 1873 gefördert und verhüttet wurde. 

7. Kieseleisenstein, feste eisenarmc Stufen. 

8. Kieseleisenstein, sehr fester eisenschüssiger Quarz. 

Südliche Lagergruppe. 

3. Rotheisenerz-Schlich , theilweise gemischt mit mürben schiefrigen 
Stufen, Durchschnittsprobe aus den Lagern IV, V and VI, Wettersohle, 

4. Rotheisenerz-Schlich, theilweise gemischt mit mürben schiefrigen 
Stufen, Durchschnittsprobe aus den Lagern IV, V und VI, f. Tiefbausohle. 



Der (Trubenbetrieb Pinke. 

Obwohl den „Alten" fast alle wichtigen Erzvorkommen auf den 
obengeschilderten Erzlagerzügen der mährisch - schlesischen Devon- 
formation bekannt waren, hat man am Pinker Berge nirgends Spuren 
ihrer Thätigkeit angetroffen, es scheint, dass ihnen dieses schöne 
Erzvorkommen unbekannt geblieben war. Der Bergbau Pinke wurde 
anfangs dieses Jahrhunderts durch den Gewerken Josef Zwi erzin a 
für das Eisenwerk Marienthal, bald darauf durch das damals dem 
Oberstkanzler Grafen Mitrowsky gehörige Eisenwerk Zop tau 
aufgenommen und je nach Lage der Eisenindustrie mit wechselndem 
Geschick betrieben; auf Perioden schwunghaften Betriebes folgten 
solche gänzlichen Stillstandes. Gegenwärtige Besitzer sind die Wit- 
k w i t z e r, dann die Z ö p t a u e r und S t e f a n a u e r Bergbau- 
u n d E i s e n h ü 1 1 e n - G e w e r k s c h a f t. 

Im Bergbauterrain bei Pinke liegt der Grundwasserspiegel 
27-54 unter Tage (auf die Hängebank des Maschinenschachtes be- 
zogen); anfänglich wurden bis dahin die beschriebenen Erzlager- 
stätten mittelst zahlreicher Haspels ch ächte abgebaut. Auch hat 
man einen Stollen herangetrieben, dessen Mundloch am NO-Fusse 
des Berges liegt, während seine ganze Länge (bis Maschinenschacht) 
595-5 m beträgt; es ist jedoch der Zweck dieses Stollens nicht ein- 



86 Franz Kretschmer. [58] 

leuchtend, da derselbe (am Maschinenschacht) blos 24-69 m Saiger- 
teufe einbringt, somit der Grundwasserspiegel dort 2-84 m tiefer liegt, 
also zur Wasserlosung gar nicht dienen konnte und auch zur Förde- 
rung überflüssig war. 

Dem weiteren Vordringen in die Teufe setzten die Grundwässer 
unübersteigliche Hindernisse entgegen ; wiederholte Versuche, mit 
Handpumpen tiefer zu kommen, waren erfolglos, man war dem- 
zufolge bemüssigt, 1873 zu einem Maschin ens ch acht zu greifen, 
welcher vom Zöptauer Zechenhause 55 ni nach 16 h 11" im Hangenden 
der südlichen Erzlagergruppe angeschlagen wurde. Der Schacht er- 
hielt rectangulären Querschnitt 4*44 m X 1*75 ni = 7*77 m^ in der 
Zimmerungslichte gross, mit Eintheilung in 2 Förder-, 1 Fahr- und 
1 Pumpen-Trumm, seine ganze Teufe bis Sumpfsohle beträgt 72*10 m. 
Die I. Tiefbau so hie wurde bei 47-66 m, die II. Tiefbau- 
sohle bei 67-14 m gefasst. Um die Wässer nicht zu Tage heben 
zu müssen, hat man den vorerwähnten Stollen zum Zwecke der 
Wasserableitung von den Pumpen benützt, doch hat sich dieser an 
sich gute Gedanke bei Pinke nicht bewährt, weil dadurch nicht nur 
nichts erspart wurde, sondern ein so langer, im blähenden Schiefer 
anstehender Stollen, wie die Rechnung zeigt, grössere Erhaltungs- 
kosten erforderte, als was eine stärkere Wasserhebmaschine und der 
Mehrverbrauch an Kohle im anderen Falle gekostet haben würde. 

Um schon während des Maschinenschacht-Abteufens Erze zu 
fördern und künftig für Wetter vorzusorgen, hat man aus den drei zur 
Wetterführung offen gelassenen H a s p e 1 s c h ä c h t e n bei 30- 15 m 
Teufe (auf den Maschinenschacht bezogen) eine Wettersohle 
angeschlagen. Bald nach Anfahrung der Erzlager auf der I. Tief- 
bausohle jedoch wurde der Bergbaubetrieb gleich den anderen Gruben 
auch hier, infolge der Nachwehen der grossen ökonomischen 
Krise des Jahres 1873, Mitte 1876 sistirt, demzufolge die 
Grundwässer wieder aufgegangen sind, während die neu a u f- 
gefahrenen Vorbaue in den zersetzten Diabasschie fern 
und erdigen Schlich erzen anstehend, welche sich in 
Berührung mitWasser zu breiartigen Massen auflösen, 
gänzlich zu Bruche gingen. Demzufolge gestaltete sich die 
gegen Ende 1881 erfolgte Wiederaufnahme dieses Bergbaues langwierig 
und kostspielig. 

Der Vorrichtungsbau auf der I. Tief bausoh le bestand 
in der Auffahrung des Hauptqu erschlage s , womit sämmtliche 
Lager der südlichen Gruppe im bauwürdigen Zustande verquert 
wurden, dagegen hat man das Marialager bei 118 m vom Maschinen- 
schacht im gänzlich verdrückten Zustande erreicht; sodann ist die 
nordöstliche Bausohlenstrecke im Lager IV durch die Ver- 
taubung hindurch bis zum Hangend- und Hauptlager der nördlichen 
Grupi)e und weiter bis zum Ausbiss des letztgenannten Lagers auf 
280 m Länge aufgefahren worden. Die s ü d w e s 1 1 i c h e B a u s o h 1 e n- 
s trecke hat man auf dem Lager V bis 166 m vorgetrieben. Nahe 
beieinander liegende Lager, wie IV, V und VI, sind mittelst der Bau- 
sohlenstrecke im Lager V abgebaut worden, um an Erhaltungskosten 
der sehr druckhaften Bausohlenstrecken zu sparen, während die 



[51)] l>i(! P^iseuerzlftgerstiltten des mährischen Devon. 87 

anderen Lager durch llili'squerschlage, an denen die tonlägigen Vor- 
baue im Kreuzstreichen zu liegen kamen, in Abständen von 40 bis 
60 m verbunden wurden. In gleicher Weise wurden die Lager I, II 
und III, theilweise auch IV von der Bausohlenstrecke im Lager I aus 
abgebaut. Die weiter auseinander liegenden, durch feste Mittel ge- 
trennten Lager der nördlichen G r u p p e erhielten zum Theil 
jedes seine separate Bausohlenstrecke, da diese auch unter weit 
geringerem Druck zu leiden hatten. Die Vorbaue im Kreuz- 
streichen, als welche ton lägige U eberhauen dienten, hat 
man hier mit Rücksicht auf die grössere Mächtigkeit durchschnittlich 
blos 30 m auseinander gelegt. 

Aehnlich gestaltete sich der Vorbau auf der II. Tiefbau- 
sohle, jedoch ist man daselbst mit der nordöstlichen B a u- 
sohlen strecke hinter der verdrückten Zone anstatt auf das Haupt- 
lager der nördlichen Gruppe auf grosse dom förmige Höhlen 
im Crinoidenkalkstein gestossen, welche theilweise 
mit einem Haufwerk schotteriger Kieseleisensteine 
und mit Schlicherzen von den obensitzenden Erzlager- 
stätten ausgefüllt waren; gleichzeitig ergoss sich über eine 
Kalksteinterrasse ein Sturzbach durch die Strecke zum Maschinen- 
schacht! Hier sah man die Natur so recht bei der Arbeit! An diese 
Höhlen schlössen sich andere, verbunden durch labyrinthische, im 
Kalkstein ausgenagte grössere, theils otfene, später mit Schlicherzen 
theilweise ausgefüllte Klüfte und Gänge. Am Hangenden der 
Höhlenkalksteine setzen blos höchst feste Kieseleisen- 
steine herab. Damit war die wichtige Thatsache constatirt, dass 
das Hangend- und Hauptlager nicht herabsetzen, viel- 
mehr in der Teufe gänzlich durch Kalkstein verdrängt 
werden; dasselbe wurde später bezüglich des Liegendlagers fest- 
gestellt. Die weitere Auffahrung der letzterwähnten nordöstlichen Bau- 
sohlenstrecke in dem massigen Kalkstein erschien zu kostspielig und 
war man nach der solcherart erfolgten Abzapfung der Wässer ge- 
zwungen, die unter die I. Tiefbausohle 6 bis 8 m tief herabsetzenden 
Theile der Erzlager der nordöstlichen Lagergruppe mittelst G e- 
s enken abzubauen. 

Das Marialager, welches auf dem Mariaschachte II nur bis 
38 m Saigerteufe herabsetzt, hat man mittelst zweier Haspel- 
schächte und einem We tters chacht vorgerichtet und blos 
zum kleineren Theile abgebaut. 

Beim Pinker Bergbau stand dieselbe Abbaumethode in Anwen- 
dung, wie sie beim Bergbau Meedl beschrieben wurde , nämlich 
F i r s t e n b a u mit S c h m a 1 s t ö s s e n und unmittelbar nach- 
folgendem Versatz; bei grösseren Mächtigkeiten ist dieses Ab- 
bausystem mit dem Qu erbau combinirt worden. Zum Versatz dienten 
die in den Vorbauen fallenden Berge, so z. B. wurden dieselben von 
der tieferen auf die obere Sohle mittelst Fördermaschine gehoben 
und dort in die unterhalb befindlichen Firstenverhaue gestürzt. Die 
Gewinnung von Versatzbergen in Berg strecken oder gar B erg- 
müh ien war untersagt, um die Vermehrung des ohnehin erheblichen 
Gebirgsdruckes zu verhindern. Durch die rasche Oxydation der 



gg Frauz Kretschmer. [60] 

anstehenden Schiefer und der Versatzberge, sowie den Fäulnisprocess 
des Grubenholzes etc. erhöhte sich die Temperatur der Grubenluft 
auf den oberen Firstenstrossen so bedeutend, dass bei einer Tem- 
peratur des einziehenden Wetterstromes am Sohlqiierschlage von 10 
bis 120 Pi.. auf den Abbaustrossen 18 bis 20° R zu verzeichnen waren. 
Diese Verhältnisse erzeugten auf den Strossen sehr häufig matte 
Wetter, bewirkten aber eine rasche Regenerirung des Bergversatzes, 
welcher schon nach zwei bis drei Jahren vom gewach- 
senen Gebirge fast nicht zu unterscheiden war. 

Beim Ausbau hatte der Pinker Bergbau nicht jene Schwierig- 
keiten zu überwinden wie Meedl, es sind hier die mit breiartigen 
Massen angefüllten Wassersäcke nicht vorhanden. Dessenungeachtet 
hat man auch in Pinke gegen blähende, demzufolge stark 
druckhafte milde Schiefer anzukämpfen, insbesondere waren es 
die Bausohlenstrecken der südlichen Lagergruppe, soweit sie in zer- 
setzten Diabasschiefern anstehen, deren Erhaltung mit Schwierig- 
keiten verknüpft war. Gewöhnlich hat die Auswechslung der Zimme- 
rung nach kaum halbjährigem Bestände begonnen, um fast nicht mehr 
aufzuhören. Auf den Erzlagern und im Quergestein aufgefahrene 
Hauptvorbaue zeigten weit geringeren Druck. Auch hier mussten die 
Ein- und Vorbaue grosse ntheils in solider Getriebszi mm e- 
rung aufgefahren werden, sogenanntes „stumpfes Anstecken" 
war nur bei gut stehendem, entwässerten Gebirge zulässig. Für den 
Ausbau in der ganzen Grube bestanden einheitliche Normal- 
profile mit folgender Lichtweite der fast durchgehends auf Zahn 
angefertigten Hauptzimmer, und zwar für Bausohlenquerschläge 2-15 
X 1-05 m verglichen breit, für Bausohlenstrecken 2-05 X 0'90 m, für 
Wagenförderung, ferner Abbaustrecken, Querorte etc. 1-75 X 0-80 m, 
für ungarische Hundeförderung, Ueberbrechen zur Fahrung und För- 
derung 1-50 X 090 m. Dergleichen Normalprotile galten auch für die 
Haspelschächte und Gesenke, was den grossen Vortheil darbot, dass 
die Zimmerung überall passte, beim Rauben überall 
wieder verwendet werden und von einer separaten 
Zimmerling skühr in Vorrath nach billigen Gedings- 
s ätzen angefertigt werden konnte. 

Auf Grund langjähriger Erfahrung empfiehlt sich als bestes 
Mittel gegen das B 1 ä h e n der Schiefer , welches die solideste 
Zimmerung so rasch zerdrückt, ein möglichst die hterAbschluss 
der blossgelegten Gesteinswände gegen die Einwirkung 
der mit Wasser geschwängerten Grub enatm o Sphäre. 
Auf Schrott ausgezimmerte Ein- und Vorbaue zeigten sich 
widerstandsfähig, was aber zu kostspielig erschien, da man zuerst 
auf Trieb auszimmern muss und dann erst ausschroten kann. Als 
billigste Art hat sich eine möglichst luftdicht ab- 
schliessende Verpfählung bewährt, die Pfähle müssen nach 
der Schnur gesäumt und die Strecke faßartig an First und Stössen 
dichtschliessend verpfählt, sowie die ganze Arbeit exact ausgeführt 
werden. Solcher Ausbau hat dem Blähen relativ am besten Widerstand 
geleistet; sogenannte „Gatter"- Verpfählung, welche mit Pfahlmaterial 
spart, ist in diesem Falle verwertiich. Zur Conservirung der Gruben- 



[61] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 89 

Zimmerung an weniger druckhaften und trockenen Stollen hat sich 
Anstrich mit Kalkmilch bewährt, weniger solcher mit Gar- 
bo 1 i n e u m ; ferner ist auf häufiges, regelmässiges S c h w a m m kehren 
zu dringen. Obwohl der jährliche Holzaufwand lange nicht jene Höhe 
wie beim Bergbau Meedl erreicht hat, war derselbe immerhin gross 
genug, um einen wesentlichen Bestandtheil der Gestehungskosten 
auszumachen. 

In friiherer Zeit hatte der Pinker Bergbau alljährlich während 
der Monate Juni, Juli und August aus den gleichen Ursachen wie 
Meedl unter mattem Wetter zu leiden, jedoch in verstärktem 
Maße ; es kam soweit, dass die Erzförderung sowie jede andere Arbeit 
in der Grube wochenlang unterbrochen war, selbst im Maschinen- 
schacht konnte man nur bis zur I. Tiefbausohle gelangen und musste 
die Liederung der Pumpen von oben bewerkstelligt werden. Diesem 
Uebelstand begegnete man erfolgreich, durch Erbauung eines Tag- 
wetterofens auf dem Wetterschacht im Hangenden der nördlichen 
Lagergruppe. Um für 100 Mann in der Schicht und einem Wetter- 
bedarf von 5 m^ per Secunde zu genügen, erhielt der Wetterofen 
1 m^ Rostüäche und ist mit einer Blechesse von 0-79 m Durchmesser 
und 15 m Höhe angerüstet worden. Die Einrichtung hat sich nach 
jeder Richtung hin bewährt und hatte der gedachte Bergbau seit dem 
noch niemals infolge matter Wetter eine Betriebsstörung zu erleiden 
gehabt. 

Die Wasserhaltung und Förderung besorgten zwei 
Maschinen und zwei Dampfkessel, untergebracht in einem 
Schacht-, Maschinen- und Kesselhause von 280 m^ ver- 
bauter Grundfläche. Das Gebäude ist ebenerdig, massiv aus unge- 
brannten Ziegeln erbaut, was sich später nicht bewährte, da dasselbe 
infolge der bedeutenden Terrainsenkungen um den Maschinen- 
schacht stark zerrissen und aus dem Loth gekommen ist, so dass es 
theilweise abgetragen und reconstruirt werden musste. Wegen der 
geschilderten Gebirgsbeschatienheit bildeten sich über den ausgebauten, 
wohl versetzten Räumen, dessenungeachtet insbesondere in der süd- 
lichen Lagergruppe, tiefe abflusslose Pingen, der Maschine n- 
schacht kam ungefähr 1'25 m dergestalt aus dem Loth, 
dass er sich mit seinem Tag kränz gegen die Pingen 
neigte. Ausserdem zeigte sich eine langsam fortschreitende Setzung 
des Maschinenschacht - Tagkranzes sammt dem Taggebäude , den 
Maschinen, Kesseln und Pumpen im verticalem Sinne, welche 
schliesslich die Grösse von ungefähr l'öO m erreichte 
und die Ursache häufiger Reparaturen war. 

Die Wasserhaltungsmaschine ist horizontal angeordnet, 
doppelt wirkend, mit May er'scher Expansionsschieber-Steuerung und 
mit einem Dampfstrahl-Condensator nach Körting ausgerüstet. Der 
Dampfcylinder hat 0-277 m, Bohrung, Kolbenhublänge O'BIO in und 
beträgt die Leistung der Maschine im normalen Betriebe an der 
Maschinenwelle, d. i. bei 0-33 Füllung, 4-5 Atmosphären ettectiven 
Kesselüberdruck und 65 Touren pro Minute (ohne Berücksichtigung 
der Condensation) 11 Pferdestärken; bei 0-5 Füllung und sonst 
gleichen Bedingungen efiectuirte die Maschine 15-4 HP. 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899. 49. Band, 1. Heft. (Fr. Kietschmer.) 12 



90 Franz Kretschmer. [62] 

Die Pumpentransmission besteht aus einem Zahnradvorgelege 
1 :5 und zwei Kunstwinkeln von 1-263 m Schenkellänge für die 
beiden Hubpumpensätze und 1-583 m für den Speisewasserdrucksatz. 
Die zwei H u b p u m p e n haben eine Cylinderbohrung von 0-217 m und 
0-946 m Kolbenhublänge, gusseiserne Steigrohre von 0-240 m Licht- 
weite und darin durchgehenden schmiedeisernen Gestänge mit Keil- 
muffen 35 mw stark ; es erhielten also auch diese Pumpen die zweck- 
mässige Einrichtung, dass Liederung und Reparatur von oben erfolgen 
konnte, was sich in den vorausgesehenen Fällen des Ersaufens der 
Grube und bei Wetternoth als sehr betriebssicher erwiesen hat. 
Beide Pumpen hoben die Wässer aus dem Schachtsumpf blos auf 
die Stollensohle, so dass die Förderhöhe sich auf 49 m reducirte, 
während die Plungerpumpe von 0145 m Durchmesser und 1-184 m 
Hublänge die nöthigen Speise- und Condensationswässer aus 24-69 m 
Teufe zu Tage lieferte. 

Seit Eintritt des Beharrungszustandes betragen die Wasser- 
zuflüsse 8 S e c u n d e n 1 i t e r, und werden diese von den Pumpen 
normal in 13 Spielen bewältigt, wobei letztere 16 Stunden im 
Betriebe bleiben, während restliche acht Stunden auf Stillstände 
entfallen. Anfänglich waren 11 Secundenliter und bei Wasser- 
durchbrüchen, sowie bei der Gewältigung der aufgegangenen Grund- 
wässer im Jahre 1882 bis zu 16 Secund enlit er zu halten, 
wobei die Wasserhebmaschine im Maximum zwei bis drei Stunden 
per Tag- und Nachtschicht stehen durfte ; dementsprechend war der 
Ko hl en verbrauch für Wasserhaltung und Förderung anfangs 
18*5 (/ per 24 Stunden, welcher später nach Abzapfung des Wasser- 
magazins successive auf 108 f/ herabsank. 

Die Fördermaschine von nominell 15 Pferdestärken ist 
ebenfalls horizontal aufgestellt, doppeltwirkend, mit Gocch'scher 
Coulissenumsteuerung ausgerüstet. Der Kolbendurchmesser ist 0-277w, 
die Kolbenhublänge 0-610 m. Zahnradvorgelege 1:5 überträgt auf 
den Treibapparat, bestehend aus zwei cylinderischen Seiltrommeln 
von 1-93 m Durchmesser, wovon eine fix das Unterseil, die andere 
lose mit Mitnehmer versehen, das Oberseil trägt. Die Seilscheiben 
haben 1-93 w Durchmesser, als Förderseile dienen Gussstahldrahtseile, 
bestehend aus sechs Litzen ä acht Drähten Nr. 16, sie haben 11 mm 
Durchmesser und wiegen per laufenden Meter 1-06 kg. Die äussere 
Seilbelastung setzt sich zusammen aus 350 hj Gewicht der Förder- 
schale, 200 li(j Gewicht des leeren W'agens, 470 kg Nettoförderlast, 
zusammen 1020 kg; demzufolge beträgt die wirkliche Leistung der 
Maschine beim Anhübe 13-5 HP. Die Förderschalen haben Ostrauer 
Fangvorrichtung, als Aufsetzvorrichtung diente ebenfalls die bekannte 
Ostrauer Construction. Die Förderung geht in den Hauptvorbauen 
durchwegs in Förderwagen auf Vignolschienenbahn von 0*450 m Bahn- 
spurweite vor sich, nur in den Abbaustrecken auf den Firstenstrossen 
stehen ungarische Förderhunde in Verwendung. 

Die Wandpumpe zur Kess el speisung hat 0091 m 
Durchmesser des Dampf cylinders, 0-089 m Plungerdurchmesser und 
0-234 w gemeinschaftlichen Hub. 



[63] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devou. 91 

Zur Dampfbeschatt'ung sind im Kesselhause zwei gleiche, 
für 5 A t m s j) h ä r e n U e b e r d r u c k c o n c e s s i o n i r t e B o u i 1 1 e r- 
ke SS ein untergebracht, dieselben haben nachstehende Abmessungen: 
Länge des Oberkessels 8'798 m, Durchmesser desselben 1-106 m; 
Länge des Siederohres 8*060, Durchmesser 0-790 m, die Heizfläche 
beträgt 38-6 m^, Höhe der Blechesse (über dem Rost) Ulm, deren 
Durchmesser 0-48 m. 

Der Witkowitzer Bergbau bei Pinke förderte von 1882 
bis incl. 1890 durchschnittlich jährlich mit dem Mannschaftsstande 
von 50 Köpfen 50.000 q Rotheisenerz-Schliche gemischt mit reichen 
schieferigen Stufen. Dagegen erzielte der Zop tau er und Stefan- 
auer Bergbau in den letzten 12 Jahren (1883 bis 1894) mit der 
durchschnittlichen Belegschaft von 60 Mann, die Durchschnitts-Jahres- 
förderung von 50.000 q überwiegend reiche Schlicherze. Die pro Kopf 
der beschäftigten Arbeiteranzahl erzielte, jährliche Erzförderung ist 
somit im ersteren Falle 1000 q und im zweiten 833 q. Die Gestehungs- 
kosten pro lOO/.v/ calculirten sich oberhalb des Grundwasserspiegels 
mit 26 kr., unter demselben sind sie durch die hinzukommenden 
Wasserhaltungskosten etc. theurer geworden, und zwar in der Periode 
des gemeinschaftlichen Betriebes, wo die Jahresförderung fast 100.000 (/ 
betrug, vertheilten sich alle Spesen günstiger, demzufolge sich die 
Erzeugungskosten auf 38 kr. stellten, später, in der Periode des 
Alleinbetriebes, wo die ganze Förderung auf 60.000 q zurückgegangen 
war, erhöhten sie sich auf 44 kr. pro 100 q. 





1000 q 


der 


Erzförderung 


absorbirten einen 


Mate 


r i a 


a u f- 


wan 


d von: 




91 q 

4-38 fm 
153 Stück 
14-8 kg 

46-2 I 


Kesselkohle 

Grubenholz 

Schwarten 

diverses Eisen 

Dynamit 

Grubengeleucht. 









Obwohl der Pinker Bergbau zum überwiegenden Theile abgebaut 
erscheint, so ist dessen ungeachtet auf den verbliebenen 
La gertheilen noch ein jahrelanger Betrieb möglich. 
Wie aus obiger Darstellung erhellt, setzen die Lager I, H, lü, V 
und VI der südlichen Lagergruppe unter die H. Tiefbausohle herab, 
jedoch mit der Einschränkung, dass die Lager I, II und IV bereits 
auf der II. Tiefbausohle Kalksteinmittel aufnehmen, dadurch an 
Mächtigkeit einbüssen und im Streichen kürzer werden, wahrscheinlich 
in geringer Teufe unter letzterer Sohle durch Kalkstein gänzlich 
verdrückt werden ; dagegen ist bis nun auf den Lagern V und VI kein 
Kalkstein zu sehen gewesen und setzen die letzteren in schöner 
Mächtigkeit und gleicher Qualität der Erze weiter herab, so dass 
die Fassung einer III. Tiefbausohle rationell erscheint. 
Ausserdem sind auf den beiden Tiefbausohlen bauwürdige Pfeilerreste 
und Lagertheile der Erzlager I, III, V und VI, sowie am Marialager 
zurückgeblieben; speciell beim Sophie n - Fundschacht und 
in der westlichen Fortsetzung gegen das Dorf Pinke 

12* 



92 Franz Kretschmer. [64] 

sind noch unverritzte Theile der Lcager III und IV an- 
stehend, da dort seit Inangrittnahme des Tiefbaues nichts geinaclit 
wurde. 

Die Lager der nördlichen Gruppen werden nach der Teufe — 
wie weiter oben ausgeführt — sämnitlich durch Kalkstein abgeschnitten 
und erscheint ihre Hauptmasse bis dahin abgebaut; nur am Hangend- 
lager stehen noch unter dem Stollen zurückgebliebene Sicherheits- 
pfeiler, desgleichen ein Theil der Sicherheitspfeiler für die Bau- 
sohlenstrecke im Hauptlager, sowie jene der verlassenen Bausohlen- 
strecke im Liegendlager zur Gänze, und zwar sind es in den beiden 
letzten Fällen fast drei Abbaustrossen. 

Approximativ kann das beim Pinker Bergbau noch heute an- 
stehende, absolut und relativ aufgeschlossene Erzvermögen 
auf mindestens 300.000 q reicher S c h 1 i c h e r z e, mit etwas 
Stufen untermischt, geschätzt werden, wobei aber der 
sehrwahrscheinlicheAufschlussneuerErzlagerstätten 
imberücksichtigt bleibt. 

Der Pinker Bergbau ist anfangs September 1895 wegen grosser 
Erzvorräthe eingestellt worden, es dürfte sich aber bei günstiger Con- 
junctur und vorher zusammengeschlagenem Montanbesitz verlohnen, die 
Kosten einer neuerlichen Wassergewältigung daran zu wagen, um die 
zurückgebliebenen Erzlagertheile und Pfeilerreste zu holen. 

Am Schlüsse der Darstellung über das Meedler und Pinker Erz- 
vorkommen angelangt, möchte wohl auch die Frage, betreffend die 
Genesis der geschilderten Eisenerzlagerstätten, in den 
Kreis der Erörterung gezogen werden. 

Dadurch, dass der Pinker Bergbau in der relativ geringen Teufe 
von 48 m saiger, auf dem oben erwähnten Crinoiden-Kalkstein gestossen 
ist, auf welchem der grösste Theil der Pinker Eisenerzlagerstätten 
aufsitzt, ergab sich für die Beantwortung der gedachten Frage eine 
gesicherte Grundlage ; führen doch schon die Profile 3, 4 und 5, 
Taf. IV (2) an und für sich in dieser Hinsicht eine sehr verständ- 
liche Sprache. 

Die ursprüngliche Stratification am Pinker Berge bestand aus 
normalen D i a b a s s c h i e f e r mit untergeordnetem M a n d e 1 s t e i n und 
deren Tuffen im Wechsel mit Kalkstein- und K i e s e 1 1 a g e r n. 
Ein instructives Bild hievon bietet insbesondere die mit dem Wetter- 
querschlage auf der II. Tiefbausohle im südwestlichen Maschinen- 
schachtfelde durchfahrene Gesteinsreihe, wo dieselbe noch in ihrer 
ITrsprünglichkeit erhalten ist. 

Die Erzlager sind demnach nicht gleichzeitiger, 
sondern späterer oder secundärerEntstehung auf hydro- 
chemischem Wege; es hat eine Art Metasomatosis im 
Grossen stattgefunden, so dass die äussere Form und 
die Structur der Kalksteinlager auch den Eisenerz- 
lagern erhalten blieb. Wahrscheinlich vom Kopf der 
Schichten her wurde successive derKalkstein als Doppel- 
carbonat weggeführt und gleichzeitig Eisen carb onat 
an seine Stelle abgesetzt, letzteres wurde durch Sauerstoff 



[651 I^ie Eiseuerzlagerstätten des mährischen Devon. 93 

reiche Wasser sogleich hölier oxydirt als Eisenoxydhydrat ausgeschieden, 
die Kohlensäure in Freiheit gesetzt, welche wieder neuerdings als 
Lösungsmittel in den Kreislauf treten konnte. Das Eisenoxydliydrat 
ging dann durch den Verlust des Wassers in Rotheisenerz und durch 
Desoxydation endlich in Magneteisenerz über; jedoch war dieser 
Umwandlungsprocess nicht durch die ganze Masse der p]rzablagerung 
gleichmässig gediehen, so dass lloth- und Magneteisenerz nebenein- 
ander vorkommen. 

Auf diese Weise sind aus den Kalksteinlagern die Eisenerzlager 
hervorgegangen. In oberen Teufen, im Oberbau (oberhalb des Grund- 
wassers) bis hinab zur dritten Strosse auf der I. Tiefbausohle fand 
sich nirgends eine Spur von Kalkstein; er ist der G e- 
s t e i n s - M e t a m r p h s e gänzlich zum Opfer gefallen, so 
radical hat dieser Umbildungsprocess gewirkt! Dagegen gehört dem 
Kalkstein als Primärgestein die Teufe. 

Das Eisen stammt jedenfalls von den Diabasschiefern, denen 
die Kalksteine eingeschaltet waren oder es noch sind und welch 
erstere etwa 5— 15*^/o manganhaltiges Eisenoxyd führen; insbesondere 
ist der in den Diabasschiefern einen wesentlichen Gemengtheil bildende 
Chlorit durch hohen Eisengehalt ausgezeichnet. Wie die diesfällige 
Analyse nachweist, enthalten die gleichgearteten und benachbarten 
Ausseer Diabasschiefer die abnorm grosse Menge von 19"80% mangan- 
haltigem Eisenoxyd. 

Neben einem Theil des Eisengehaltes haben die in Begleitung 
der Eisenlager auftretenden Diabassschiefer auch einen grossen 
Theil i h r e r K i e s e 1 e r d e i n L ö s u n g gegeben, während die 
Thonerde zur Gänze zurückgeblieben ist, wie durch Bausch- 
analysen nachgewiesen wurde ; so z. B. enthält der relativ fast unver- 
änderte Diabasschiefer aus dem Hangenden des Pinker Hauptlagers 
64-85<'/o Kieselerde und 17-88*'/,, Thonerde, während dessen Zersetzungs- 
product, die bolartige Masse vom Marialager, blos 37i>5% Kieselerde, 
hingegen 35'84"/o Thonerde ergab. Je nach dem nun in den Mineral- 
lösungen das Eisen oder die Kieselerde mehr oder weniger vorherrscht, 
präcipitirten nun, die Stelle des Kalksteins einnehmend, mehr oder 
weniger reiche Magnet-Rotheisenerze oder Kieseleisensteine, wie dies 
an der Ausbildungsform der Pinker Eisenerzlagerstätten zu beob- 
achten ist. 

Der gedachte Auslaugungsprocess, welchem einerseits die Bildung 
der Pinker Eisenerzlagerstätten zu danken ist, bewirkte andererseits 
die mehr oder weniger vorgeschrittene M o d i f i c i r u n g d e r Di a b a s- 
schiefer, indem Eisen und Kieselerde weggeführt, da- 
gegen Wasser aufgenommen wurde, bis schliesslich nur 
ein theilweise eisenschüssiges Thonerde-Magnesia- 
silicat von hohem Wassergehalt zurückblieb, nämlich 
jene fettig anzufühlenden, milden letten- und bolartigen 
Massen, welche weiter oben im petrographischen Theile der Gegen- 
stand eingehender Schilderung waren. 

Gleichzeitig mit diesen hydrochemischen Vorgängen, welche zur 
Entstehung der Erzlager führten, erfolgte noch eine Anr ei eher ung 
derErz mittel in derArt, dass die Kieselerde der eisen- 



94 Franz Kretschmer. [66] 

schüssigen Massenquarze zum Tlieil ebenfalls frei 
wurde, während das mitgelöste Eisencarbonat sogleich 
in der Form als mulmiges Roth- und Magneteisenerz 
s e c u n d ä r z u r A u s s c h e i d u n g kam. Hiefür sprechen die in den 
festen Kieseleisensteiuen ausgefressenen zahlreichen Gruben, Hohl- 
räume etc., welche Reste von Roth- und Magneteisenmulm umschliessen, 
dann das schotterige Haufwerk von Kieseleisenstein, gemischt mit 
Rotli- und Magneteisenmulm, zu welchem die Kieseleisensteinlager 
örtlich zerfallen sind. 

Betrachtet man die Profile Fig. o, 4 und 5, Taf. IV (2), so ist 
wohl an eine ursprüngliche magmatische Spaltung in der Art, dass 
das Magneteisenerz, beziehungsweise Rotheisenerz primär auf den 
gedachten Lagerstätten zur Ausscheidung gelangte, kaum zu denken. 

Aehnliche Bildungsvorgänge mögen auch zur Entstehung der 
Meedler Eisenerzlagerstätten geführt haben, obwohl dort noch nicht 
jene Teufe erreicht ist, wo die Erze nachweislich auf Kalkstein auf- 
sitzen ; dagegen hat man daselbst im Oberbau wiederholt schwache 
Kalksteinbänke iil Wechsellagerung mit dem Diabasschiefer überfahren. 

Auf die mit Pinke ähnliche Art der Genesis weist ausser dem 
gleichen petrographischen Verhalten der Umstand hin, dass auch 
dort diestarkzersetzten Diabasschiefer und bolartigen 
Massen, welche die Erzlager umgeben und deren Zer- 
setzungsstadium mit der Entstehung der letzteren im 
engen Connex steht, nach der Teufe weniger zersetzt 
und fester erscheinen; schon auf der H. Tiefbausohle des 
Meedler Maschinenschachtes finden sich die oben beschriebenen zahl- 
reichen Blöcke, Schollen und Lager von intaktem Diabasschiefer, 
während oberhalb dieser Sohle die Nebengesteine der Erzlagerstätten, 
durchwegs hochgradig zersetzt, erscheinen. Li welche Teufe jedoch 
die hydrochemische Umsetzung der Carbonate und Silicate hinabge- 
reicht hat, beziehungsweise wo die Erze aufhören und die 
Kalksteine in ihrer Ursprün glichk ei t lagern, darüber fehlen 
bei Meedl bis nun nähere Anhaltspunkte; jedoch ist nach Analogie des 
Pinker Vorkommens mit hoher Wahrscheinlichkeit der Schluss zulässig, 
dass dies ebenfalls in keiner grossen Teufe sicherlich der Fall sein 
wird. Das Auskeilen, beziehungsweise Aufsitzen der Pinker, voraus- 
sichtlich auch der Meedler Eisenerzlagerstätten nach der Teufe, steht 
im ursächlichen Zusammenhange und erhält hiedurch die Anschauung 
von deren s e c u n d ä r e r E n t s t e h u n g s w e i s e vom Kopf der 
Schichten her, eine wichtige Stütze. 

Während die intakten Diabasschiefer und deren Tuffe imper- 
meable Gesteine sind, worin die Wasserzuflüsse stets gering waren, 
erscheinen die umgewandelten und zersetzten infolge der 
erlittenen Substanzverluste und der damit ursächlich zusammen- 
hängenden Volumverminderung als mehr o d e r w e n i g e r i n t e n s i v 
mit Wasser angesoffen e Gesteinsmedien. Die grösste 
Wasserdurchlässigkeit besitzen jedoch die Eisenerz- 
lager und die sie begleitenden Kieseleisensteinlager 
selbst, was sich beim Grubenbetriebe in der Art äusserte, dass das 
jedesmalige Anhauen der Erzlager auf den einzelnen Bausohlen mehr 



[671 Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 95 

oder weniger intensive Wassereinbrüclie zur Folge hatte, verknüpft 
mit einer mehrtägigen Inundation der Grubenbaue. Zeigten sich 
vor den Ausriclitungsbauen autfällig verstärkte Wasserzuflüsse , so 
konnte mit einiger Sicherheit auf die Nähe der Erzlagerstätten ge- 
schlossen werden. Diese Erscheinung, sowie die damit ursächlich ver- 
knüpfte grosse Klüftigkeit der Erzlager — welche so weit geht, dass 
dieselben, wie oben erwähnt, bis zu einem schotterigen Haufwerk 
zerfallen sind — als auch zahlreiche nesterförmige Holilräume darin 
haben ihre Ursschen in der V o 1 u m v e r m i n d e r u n g , welche da- 
durch entstanden war, dass das erstlich anwesende Eisencarbouat, 
successive in Eisenoxyd und Eisenoxyduloxyd übergeführt wurde. 
Dividirt man nämlich die absoluten Gewichte durch die specifischen 
des Siderits und des Magnetits, so ergibt sich für den letzteren ein 
um 51o/o geringeres Volumen gegenüber dem Spatheisen, aus 
welchem das Magneteisen hervorgegangen. Die durch die gedachte 
Volumabnahme hervorgebrachte Klüftigkeit der Erzlager bedingt die 
grössere Durchlässigkeit für Wasser, denn diese ist abhängig von der 
Anzahl der Durchgangsöftnungen, welche ein bestimmter Querschnitt 
darbietet. Poröse und klüftige Massen werden im Gegensatze zu den 
dichten massigen stets grössere Wassermengen ergeben. 

Die entstandenen Hohlräume und Klüfte füllten sich unter dem 
Grundwasserniveau mit Wasser, welches dann beim Anfahren der 
Erzlager die Veranlassung zu den Wassereinbrüchen wird. 

D. Das Bergrevier Sternberg. 

Der im Westen der Stadt Sternberg verbreiteten, oben geschilderten 
Zone mächtiger Diabasgesteine mit Thonschiefer- und Grauwacken- 
sandsteinlageru wechselnd, sind zahlreiche Eisenerzlagerstätten unter- 
geordnet, welche insbesondere Ausscheidungen und Anhäufungen am 
Contact von Diabas und Thonschiefer darstellen und eine durch das 
gleiche Auftreten bedingte Aehnlichkeit mit dem Erzvorkommen bei 
Bennisch und Umgebung aufweisen ^) ; sie sind geognostisch von be- 
sonderem Interesse und technisch hochwichtig. Dieselben waren mit 
wenigen Ausnahmen bereits den „Alten" bekannt, welche darauf, wie 
überhaupt auf dem ganzen Erzlagerzuge der Mandelsteinzone Stern- 
berg-Bennisch, im Mittelalter einen blühenden Bergbau betrieben 
haben, der später durch Jahrhunderte geruht, bis derselbe anfangs 
dieses Jahrhunderts zu neuem Leben wieder erwacht ist und je 
nach der Conjunctur der Eisenindustrie mit wechselndem Geschick 
betrieben wurde. Was die „Alten" auf den ihnen bekannten Eisen- 
erzlagern oberhalb des Grundwasserspiegels zurück- 
gelassen haben, hat der neuzeitige Bergbau vollends weggebaut, die 
den „Alten" nicht bekannten oder von denselben nicht gebauten 
Lagerstätten sind seither bis zu diesem Niveau ebenfalls fast gänzlich 
zu Ende verhauen worden, so dass heute oberhalb des natürlichen 
Grundwasserspiegels nur belanglose Pfeilerreste und Lagertheile an- 



^) F. Kretschmer: Die Eisenerzbergbaue bei Benniscli (Schlesien). Oesterr. 
Zeitschr. f. Berg- u. Hüttenwes. XLII, 1894, Nr. 15 u. 16. 



9ß Franz Kretschmer. [68] 

Stehen; die Erzlager setzen aber abbauwürdig in weitere Teufen 
lierab, wo sie des Aufschlusses durch Stollen- oder Maschinenschacht- 
anlagen harren. 

Um im Sinne einer übersichtlichen Ordnung vorzugehen, sollen 
die gedacliten Lagerstiitten. so wie sie am Streichen in annähernd 
demselben Schichtenniveau liegen, vom Liegenden der ausgedehnten 
Sternberger jNIandelsteinzone beginnend und zum Hangenden fort- 
schreitend, aufgeführt werden, und zwar: 

a) Gabrielenzeche am Altarstein nordöstlich Rietsch. 

Jenseits des Kalkgraben am Altarstein findet sich ein von dem 
übrigen MandeLsteingebiet durch zwischengelagerte blaugraue Kalk- 
steine und dachschieferähnliche Thonschiefer isolirtes Mandelsteinlager 
von untergeordneter Verbreitung. Oberhalb des Altarsteins, rechts 
vom alten Deutsch-Hauser Verbindungswege im ehemaligen Rietscher 
Gemeindewalde, wird dieser Mandelstein an der Grenze gegen die im 
Liegenden unterteufenden Grauwacken von armen Brauneisenerzen 
begleitet, welche bis zu Tage ausstreichen, leicht gewinnbar sind, in 
reiche feinkörnige bis dichte dunkellauchgrüne Magneteisenerze 
übergehen, die hier in den Fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts 
durch mehrere Schächte gewonnen und im Stefanauer Hochofen ver- 
hüttet worden sind. 



b) Sophienzeche in Liskowetz südlich Rietsch. 

An dem westlichen Gehänge der Höhe Liskowetz im Rietscher 
Gemeindewalde lagert im Mandelstein ein untergeordnetes Vorkommen 
eines reichen Magneteisenerzes, das zum Theil eine beginnende Um- 
wandlung in Rotheisenerz darbietet und das durch mehrere Schurf- 
baue untersucht, jedoch nicht weiter aufgeschlossen ward. 

c) Georg-Hu^ozeche im Liskowetz nordwestlich Krokersdorf 
und Robertzeche im Knhgraben südöstlich Rietsch. 

Von der Bezirksstrasse Sternberg— Römerstadt circa 300 m 
entfernt, stösst man im gutsherrlichen Walde auf den südöstlichen 
Abhängen des Liskowetz auf einen grösseren, vom Tagbau der „Alten" 
herrührenden Ringenzug, und zwar zunächst auf die ungefähr 100 m 
langen Pingen auf Georgzeche, dann folgen jene der Hugozeche mit 
120 m Länge und nach einer längeren Unterbrechung die circa 180 m 
lange Ringe der Robertzeche im Kuhgraben. Es sind im wesentlichen 
drei im selben Schichtenniveau aneinandergereihte Erzkörper, welche 
im Liegenden von Thonschiefer, darunter Grauwackensandstein, im 
Hangenden von Diabasmandelstein umschlossen sind; letztere häufig 
in typischer Ausbildungsform mit mohn- bis schrottkorngrossen Kalk- 
spath-Secretionen. 

Speciell der Georgzecher Erzkörper hält 152 w im 
Streichen an, das zwischen 2h bis 3h schwankt, während sein 
Fallen OSO unter < 50« erfolgt, dessen Mächtigkeit von l'O 



[69] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 97 

b i s 8"2 m wechselt. Nachdem die Grenzen der Verdrückung' des 
Erzlagers im Streichen gegen die Teufe divergiren, so wächst die 
streichende Baulänge mit zunehmender Teufe. Das Erzlager besteht 
überwiegend aus einem feinkörnigen, eisenschwarzen, 
glänzenden Magneteisenerz, das in der Grube gesprengt 
werden muss, somit als Stuferz bricht, das jedoch am Tage in Be- 
rührung mit den Atmosphärilien seine Farbe allmälig in graubraun 
bei Verlust des Glanzes verändert und zu einem Brauneisenerz 
ähnlichen Schlich zerfällt; es stehen jedoch auch mulmige Magnet- 
eisenerze an. Verwitterung zu Braun eisen erz kommt häufig 
vor, das auch zuweilen in grösseren Bestandmassen auf der Lager- 
stätte einbricht; seltener sind Uebergänge in Rotheisenerz. Die 
Erze sind häufig von weissem und gelbem Kalk spath in Adern und 
Trümmern durchzogen, hie und da werden auf Brauneisenerz sitzend, 
schöne Drusen rhomboedrischen Kalkspaths gefunden. 

Analyse der stufigen Magneteisenerze unter I, pag. 117, Ana- 
lyse der mulmigen Magneteisenerze unter II ebendaselbst. 

Zum Aufschluss und Abbau dieser Erzlagerstätte diente 
neben mehreren H a s p e 1 s c h ä c h t e n der Lisko wetzer Stollen, 
dessen Röschenmundloch die Stollenwässer in den „Goldene Ente" 
genannten Bach 500 vi westlich Krokersdorf ausgiesst. Derselbe hatte 
unterwegs vier Lichtschächte, erreichte bis zum Erzlager (Schacht V) 
die Länge von 860-7 ;;?, während die daselbst eingebrachte Saigerteufe 
33'19 m beträgt. Dieser Stollen ist als Sohlstrecke auf dem Erz- 
lager und darüber hinaus auf 95 ni fortgesetzt worden und obwohl 
die Erze in Gestalt von untergeordneten Putzen und Nestern weiter- 
streichen, hat man den Weiterbetrieb gegen Hugo und Robert wegen 
der in grösserer Menge zusitzenden Wässer sistirt; es erscheint 
jedoch die W'iederaufnahme dieses Stollenbetriebes hoffnungsreich. — 
Nachdem das Erzlager über der Stollensohle vollständig zu Ende 
verhauen war , hat man dasselbe mit zwei t o n 1 ä g i g e n Ge- 
senken bis zur flachen Teufe von 5-7 m unter der Stollensohle 
abgebaut, dabei die Wasserzugänge mittelst Schlepppumpen gehalten. 
Die Mächtigkeit des Erzlagers soll nach Angabe der alten Bergleute 
auf der Unterwerkssohle noch unverändert angetroffen worden sein, 
was jedoch der Bestätigung bedarf. 

Der H u g z e c h e r Erzkörper ist wesentlich kürzer im 
Streichen, ungefähr 120 m, und bricht auf demselben überwiegend 
ein aus der Verwitterung hervorgegangenes, dichtes und o c k r i g e s 
Brauneisenerz, das übrigens ähnliche Verhältnisse darbietet, 
wie das folgende Robertzecher Erzlager. Der gedachte Erzkörper 
ist bis zum natürlichen Grundwasserspiegel gänzlich abgebaut, jedoch 
sind hier nach der Teufe noch ansehnliche p]rzmittel zu erhoffen. 

Wichtiger als der vorgenannte, erscheint der folgende Rob ert- 
zecher Erzkörper im Kuhgraben, 0-87 hn südöstlich Rietsch ; 
er streicht 4h, fällt 10h unter < 50 bis 60«, seine Mächtig- 
keit in oberen Teufen beträgt 3-0 bis 3'5 m und in der 
Sohlstrecke am natürlichen Grundwasserspiegel 1-9 
bis 5-7 w, woselbst er auch 209 w, weiter oben blos 171 m im Streichen 
bauwürdig anhält, so dass auch hier die Grenzen der Verdrückung 

Jahrb. d. k. k. geol. Keicbsaustalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Kretschmer.) 13 



98 Franz Kretachmer. [70] 

an den beiden Lagerenden gegen die Teufe divergiren. — Der Erz- 
körper enthält oben fast ausschliesslich dichte, sowie ockerige Braun- 
eisenerze, wovon nur ungefähr 2b^lQ Stufen, während die Schlicherze 
den Rest ausmachen. Auch dieses Erz stellt sich als ein Rück- 
bildungs-Product des Magneteisenerzes dar, was leicht nach- 
weisbar ist an den im Lager einzeln vorkommenden Stufen, die aussen 
in mulmiges Brauneisenerz umgewandelt sind, während der un- 
regelmässige Kern sich noch im Magne tit-Zus tand e 
befindet. Ausserdem gehen die Brauneisenerze dicht unter dem 
Grundwasserspiegel — der dahier im Mittel 45-2 m saiger unter 
Tage liegt — fast gänzlich in b 1 ä u 1 i c h s c h w a r z e , stufige 
Magneteisenerze über. Uebergänge der reichen Erze durch zahl- 
reiche Mittelglieder in eisenarme Kieseleisensteine fehlen auch 
hier nicht. 

Im Liegenden des Robertlagers steht hellgrauer bis bläulich- 
schwarzer, durch Verwitterung strohgelb gefleckter Thon schief er, 
welcher in der Mächtigkeit von 0'5 m bis zu mehreren Metern 
wechselt und weiterhin wahrscheinlich durch den nordwestlich des 
Hugozecher Lagers in einem Steinbruche zu Tage tretenden Grau- 
w a c k e n s a n d s t e i n unterteuft wird ; dagegen bildet das unmittelbare 
Hangende ein schiefriger Mandelstein in mehr oder weniger 
verwestem Zustande, und zwar ist das ursprünglich sehr chloritreiche 
Gestein in strohgelben bis weissen, talkthonigen Schiefer umgewandelt, 
der successive seines schiefrigen Gefüges beraubt wird, um endlich 
in fettig anzufühlende, bolartige Massen zu verwittern. Weiterhin folgen 
frisch erhaltene, feste Diabasmandelsteine und Schal steine. 

Von Mineralien sind auch hier auf Brauneisenerz sitzende 
schöne Krystalldrusen von Kalkspath zu erwähnen. Als Ueberzüge 
und Leisten in Brauneisenerz oder in den talkthonigen Bergmitteln 
des Erzlagers kommt gelblich-grüner Pinguit vor. Zumeist an den 
Lagerausbissen finden sich Pyrite, zerfressene Quarze, Kalk- 
späthe etc. 

Analyse der Brauneisenerzstufen unter HI, pag. 117, Analyse 
der Brauneisenerzschliche unter IV, ebendaselbst. 

Dem A u f s c h 1 u s s und Abbau dieses Lagers dienten zahl- 
reiche Haspel seh ächte von B7-9 bis 52-5 m ganzer Bauteufe, 
von denen mindestens zwei gleichzeitig offen gehalten wurden ; damit 
hat man die Lagerstätte bis zum Grund was serniv e au, also bis 
45-2 m Teufe zum grösseren Theile verhauen, jedoch sind daselbst 
noch ansehnliche Pfeilerreste zurückgeblieben, welche künftighin im 
Trockenen abgebaut werden können, während die Hauptmasse 
der Erze in die Teufe ins Wasser hin absetzen, ohne 
Mächtigkeits- und Qualitätsunterschiede wahrnehmen zu lassen. 

Die Vorrichtung bestand in der Auffahrung der meist kurzen 
Sohlquer schlage, der Sohlstrecken, sowie der Bau strecken, 
welch' letztere in Saigerabständen von 9-5 m aufeinander folgten, 
worauf im Kreuzstreichen Ueb erbrechen 26-5 m entfernt, die 
Pfeiler begrenzten, während der Abbau firstenstrossenförmig mit 
Versatz nachrückte, hiebei wurden grössere Mächtigkeiten mittelst 
Quer bau verhauen. Die Gestehungskosten der Erze stellten 



[711 Die EisenerzlagerBtätten des mährischen Devon. 99 

sich auf 18 Kreuzer per 100 hg, also billig, da keine Wasserhaltungs- 
ko8ten darauf lasteten. 

(1) Concordia-, Hubert- und Liborzeche im Walde „Draschba" 
nördlich Krokersdorf. 

Von dem vorhergehenden Lagerzuge durch ein 280 m mächtiges 
Gesteinsmittel getrennt, folgt dieses kurzabsätzige Vorkommen; es 
sind zumeist belanglose Butzen und Nester längs des generellen 
Streichens angeordnet. Auf Concordia lagern 30 bis SS^/o eisen- 
haltige milde Br aun eisener ze, wenig aufgeschlossen; dieselben 
waren im Zuge gegen Hubert mächtiger. Auf letzterer Zeche sind 
uralte Tagbaue sichtbar ; die Brauneisenerze mit Ueber- 
gängen in Magneteisenerze sind reich, leicht gewinnbar, jedoch 
häufig durch Verwerfungen gestört. Aehnliche Verhältnisse be- 
stehen auf Liborzeche. Das Liegende dieser Erzlager bildet auch 
hier der Thonschiefer, während am Hangenden Diabasmandelstein 
nebst seinen Varietäten lagert. 

e) Hilaristollen im gutsherrlichen Walde „Dubsko" nord- 
westlich Gobitschau (Stachetenried). 

Dieses isolirte Vorkommen ist durch einen uralten mächtigen 
Tagbau gekennzeiclmet; die dabei umherliegenden grossen Stufen 
von Brauneisenerz mit angeblich 3G'7o Eisengehalt lassen auf 
deren Anstehen in nächster Nähe schliessen. Die „Alten" hatten als 
Einbaue zwei Stollen vorgetrieben. Neuere Schürfungen stiessen 
in geringer Teufe auf Wasser, die eingebaute Pumpe versank im 
„Alten Mann". 

f) Eduardzeche im Riede „Raaba", 15 km nordöstlich 
Krokersdorf. 

Von den sub d) angeführten Vorkommen durch eine 425 m 
mächtige Gesteinszone getrennt, folgt das schöne Erzvorkommen in 
der Raaba, eines der wenigen, welches die „Alten" nicht gebaut 
haben und das erst der neuzeitige Bergbau aufgeschlossen hat. 

Hier treten zwei nahe b e i e i n a n d e r 1 i e g e n d e Erzlager 
in einem Diabasmandelstein auf, der zu einem strohgelb gefleckten, 
milden Thonerdesilicat zersetzt erscheint. Von den beiden Erzlagern 
ist insbesondere das liegende stärker gebaut worden, es hält circa 
104 m im Streichen gegen NO an und fällt nach SO ein, gegen das 
Ausgehende hin keilt es ungefähr 5 m unterm Tage aus. Das ein- 
brechende Erz ist vorwiegend ein reiches Magneteisenerz, das 
an den Structurflächen und im Innern der Stufen beginnende Um- 
wandlung in Rotheisenerz darbietet, dadurch spiegelig dem Eisen- 
glanz ähnlich erscheint, wofür dasselbe auch früher irrthümlich ge- 
halten worden war. Zu B r a u n e i s e n e r z verwitterte Lagerpartien 
gegen den Tag hin sind auch hier häufig. 

Der Aufschluss und Abbau wurde durch 3 Haspelschächte 
von 29-1 '//< durchschnittlicher Bauteufe bewerkstelligt; mit Gesenken 

13^ 



IQO Franz Kretschmer. [72] 

hat man die Erze bis zum natürlichen Wasserniveau, das hier in der 
Teufe von 34-8 m unterm Tage liegt, gänzlich zu Ende verhauen, unter- 
halb desselben fallen die bauwürdigen Erze ins Wasser und 
um dieses letztere zu heben, hat man auch hier einen Versuch mit 
Handpumpen gemacht, ohne jedoch die Zuflüsse zu zwingen. 

g) Bartholomäuszeche im gutsheriiichen Walde Kalkgraben 
westlich der alten Strasse Sternberg— Deutsch-Hause. 

Das daselbst aufsetzende Erzlager besteht aus einem fein- 
körnigen, reichen Magneteisenerz von angeblich 50% Eisen- 
gehalt, dem accessorisch tafelförmige Krystalle und krystallinische 
Blättchen von Eisenglanz eingestreut sind. Dasselbe ist mit einem 
15-2 m langen Versuchstollen und einem 95 m tiefen Licht- 
schacht erschürft worden, worauf man dann einen Zubaustollen 
von 132'7 m Länge zum weiteren Aufschluss herangeführt hat. 

h) Bergbau Ottilienzeche bei Gobitschau. 

Zwischen dem Dorfe Gobitschau einerseits und der alten Strasse 
Sternberg — Deutsch-Hause andererseits, im sogenannten Kreuzriede, 
treten zwei durch ein 90 in mächtiges G ebirgsmitt e 1 ge- 
trennte Eisenerzlager auf, und zwar das Liegend- oder 
Ottilienlager in der Ottilienmaß I und das Hangend- oder 
Eduardlager in der ehemaligen Eduardzeche, jetzt Ottilienmaß IL 
Speciell das letztere ist in den, dicht an der Südseite des Dorfes 
gelegenen Gärten, durch eine tiefe Terrainsenkung vom früheren 
Abbau herrührend, am Tage gekennzeichnet. 

Das Liegendlager, welches in der Mächtigkeit von 
M, 2-5 bis 4-0 w wechselt, nach 3 h ll'6o streicht, unter 49" 
nach 9 h 11-6 o einfällt, besteht aus einem weniger stufigen, vor- 
wiegend mulmigen Braun eis enerz, über dessen Metallgehalt die 
Analysen V (Stufen) und VI (Schlich) pag. 117 den nöthigen Aufschluss 
bieten. Dasselbe ist aus einem bläulich-schwarzen, dichten bis körnigen 
Magneteisenerz hervorgegangen, wie an der Hand unverwitterter 
Lagerpartien in der Teufe nachgewiesen werden kann. Ausserdem 
brechen auf diesem Lager ein: faust- bis kopfgrosse Stufen von 
schwärzlich-grünem, grossblätterigem S t i 1 p n o m e 1 a n , eisenarme, 
dunkle S t i 1 p n o m e 1 a n s c h ie f e r als 0-3 bis 0-7 w mächtige 
Zwischenmittel, vereinzelte Trümmer von Diabasmandelstein und 
mehr oder weniger starke Th o n schi ef ermittel; auf den Structur- 
flächen ist zeisiggrüner bis grasgrüner Pinguit häufig, seltener ist 
ein feinerdiger chocoladebrauner W a d der Lagermasse in 3 — 5 cm 
starken Leisten intercalirt. Magneteisenerz und Stilpnomelanschiefer 
fünd durch instructive Uebergänge miteinander verknüpft. 

Dieses Erzlager wurde bis zum natürlichen Grundwasser- 
spiegel, das ist bis zur Saigerteufe von 44-6 m mittelst zweier 
saigerer Haspelförderschächte und einem tonlägigen Fahr- 
und Wetterschacht derart zum Abbau vorgerichtet, dass daraus 
vier Baustrecken betrieben worden sind, welche sich in Saiger- 



[731 r^ie Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 101 

abständen von 7'6 tn folgten und denen 19—23 m entfernt liegende 
Ueb erbauen ins Kreuz führten. Die so gebildeten Pfeiler von 
11 bis 12 ni flacher Höhe und 18 bis 22 m Länge hat man sodann 
firstenst rossen förmig mit nachgeführtem Bergversatz abge- 
baut. Das bauwürdige Anhalten des Erzlagers, in oberen Teufen 
etwas kürzer, hat man auf der tiefsten Sohlstrecke am Grund- 
wasserspiegel auf 250 w Länge nachgewiesen. Nachdem also 
oben die Grenzen der Verdrückung an den Lagerenden in NO und 
SW gegen die Teufe hin divergiren, so dürfte auch unter dem Grund- 
wasseruiveau die bauwürdige Länge derselben bis zu einer gewissen 
Grenze voraussichtlich wachsen. 

Das Liegendlager ruht auf Thon schief er und Zermalmungs- 
producten des letzteren zusammen 3 m mächtig, dann folgt Grau- 
wackenconglomerat Im stark und schliesslich Grauwacken- 
sandstein nicht durchbrochen; darüber im Hangenden folgt nach 
Massgabe der mit dem Hangendquerschlage vom Ottilienförderschacht I 
durchfahren en Schichten : Diabas mandelstein (theilweise zersetzt 
mit Intercalirungen von Diabasporphyrit 80-0 m, T h o n- 
schiefer 157 m, Diabasmandelstein (nicht durchbrochen). Auf 
der letzteren Grenze zwischen Thonschiefer und den im Hangenden 
folgenden Diabasmandelstein findet sich weiter gegen ONO vorkommend 
das Hang endlag er, auch Eduardlager genannt, welches circa 
< 450 gegen SSO fällt und von WSW nach ONO streicht, dessen 
bauwürdige Länge am Grundwasserspiegel mau blos 
mit 112 m constatirte; dagegen war seine Mächtigkeit sehr er- 
heblich, obwohl nicht näher bekannt, doch weist darauf die ansehn- 
liche Pingenbreite unverkennbar hin. Dasselbe ist mit einem fein- 
körnigen kalkhaltigen Magneteisenerz von angeblich 36% 
Eisengehalt ausgefüllt, das in seiner äusseren Erscheinung dem weiter 
unten angeführten Mathildezecher Magneteisenerz ganz ähnlich ist, so 
dass das erstere für die Fortsetzung des letzteren gehalten wird (?). 
Den Abbau hat man auch hierdurch zwei Haspelschächte von 
31'29 m mittlerer Teufe bewerkstelligt; unter dieser Sohle sind die 
Erze bis zum Grundwasserspiegel, welcher hier in einer mittleren 
Teufe von 41 34 m liegt, mittelst T n 1 a g s g e s e n k e n zur Gänze 
verhauen worden. 

Obigem zufolge sind beide Erzlager bis zum Grundwasserspiegel 
abgebaut, also über dem letzteren keine Erze mehr anstehend, da 
diese jedoch auf beiden Lagern in bauwürdiger Mächtigkeit und 
Qualität in die Teufe hinabsetzen, erschien die Entwässerung dieser 
Lagertheile Erfolg verheissend; nachdem ferner die Terrainverhält- 
nisse südwestlich und südöstlich Gobitschau einer Stollen an läge 
günstig liegen, so hat man letzteren einem Maschinenschacht aus 
dem Grunde vorgezogen, weil der Stollen sowohl in den Anlagekosten, 
als auch in den Betriebs- und Unterhaltungskosten wesentlich billiger 
zu stehen kommt. 

Die Terrainverhältnisse gestatteten sowohl die Anlage eines 
Stollens in der Richtung des generellen Streichens, als auch im 
hangenden Querstein in fast gleicher Länge und Teufe, doch hat 
man den Liegendstollen vorgezogen: 1.) Um möglicherweise die be- 



■[Q2 Franz Kretschmer. [74] 

kannten Hangendlager der Willengottes-, Engelbert- und Albertzeche 
zu verqueren, und 2.) weil sich zufallender Mandelstein über das 
Streichen weit leichter arbeitet, als im Streichen. Demzufolge ist 
der Stollen in dem Seitenthale, welches vom Schäferbache gegen 
die Colonie Levin führt, nächst der sogenannten Klunkermühle 
dergestalt angeschlagen und nach 20 h 3 " 52 ' betrieben worden, 
dass das Liegendlager bei 645-2 m Gesammtlänge erreicht und nach 
Abzug der zulässigen Ansteigens von 1 pro ^'/oo, 84-74 m an Sai ger- 
teufe eingebracht wird, so dass also unter dem Grund- 
wasserspiegel rund 40 w an saigerer Pf eil erhöhe gelöst 
werden, welche durch eine Mittelsohle in zwei gleiche Bausohleu 
von 20 m Saigerabstand getheilt werden sollen. Gegenwärtig ist der 
Stollen auf 4040 ni. vorgetrieben und damit die oben angeführte 
Schichtenfolge durchbrochen worden. Die Stollentagrösche ist bis 
() m Höhe ausgebrochen und ausgemauert, der Stollenmund im er- 
weiterten Profil auf 13-4 w. Länge, 2'50 m hoch X 1-27 verglichen 
breit = 3-18 m^ gross gezimmert und weiterhin das normale, gleich- 
falls trapezförmige Stollenprofil in der Zimmerungslichte 2*35 m hoch 
X ri2 m verglichen breit = 2-63 m^, im festen Gestein 2-40 m hoch 
X 1-40 m breit = 3-36 m'^ gross ist, wovon 0*45 m^ auf die Wasser- 
saige entfallen, während der übrige Theil der Förderung und Fahrung 
dient. 

Das hohe Stollenprofil hat man gewählt, um für eine kräftige 
Bewetterung vorzusorgen, was seither auch vollständig gelungen 
ist. Es steht zu erwarten, dass der Stollen damit ans Ziel gebracht 
wird, demzufolge Lichtschächte ganz erspart werden, die in dem 
festen Mandelstein, sowie auch im Thonschiefer bei der erheblichen 
Saigerteufe theuer zu stehen kämen. Bei der Stollenlänge von 335 m 
sind zahlreiche und wasserreiche Kreuzklüfte angefahren worden, 
welche ausserdem matte Wetter, sehr wahrscheinlich aus dem 
„Alten Mann" der vorliegenden alten Grubenbaue mitbrachten, so dass 
die Grubenlichter ihren Dienst versagten. Nach circa drei Wochen war 
die auffällige Erscheinung vorüber und die Wetter so frisch wie früher. 
Um den natürlichen Wetterwechsel zu unterstützen, sind von dem 
Gefälle vor dem Stollenmundloch 13-3 m in einer Parti al-Turbine 
nutzbar gemacht worden zum Betriebe eines C entri fug al- Ven- 
tilator. Als Aufschlagswasser dient das Stollenwasser, dessen 
Menge von 8-9 Secundenliter in Maximum bis 5-6 Secundenliter im 
Minimum schwankt, je nach der Jahreszeit und der Wasseranspannung 
der durch den Stollenbetrieb entblössten Klüfte. An den Ventilator 
schliesst sich bis vor Stollenort ein hölzerner Luttenstraug von 0-20 m 
Seite des quadratischen Querschnittes, in innerer Lichte gemessen. 

Die oben angeführten Stollenwassermengen blieben constant, 
wie eine mehrjährige Beobachtungsreihe nachweist. Eine Ein- 
wirkung auf die obertägigen, in der Nähe befindlichen 
Quellen hat sich nicht ergeben, wie vielfache, nacli längereu 
Zeiträumen wiederholte Beobaclitungen und Messungen nachweisen, die 
an den Wasserständen der Hausbrunnen in der Gemeinde Gobitschau 
und den Quellen, welche am Fusse des nördlichen Gehänges dicht 
iiinter Gobitschau zu Tage treten, angestellt wurden. 



[751 l)iö Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 103 

Dies ttiidet seine Begründung in der Betrachtung nachstehender 
Thatsachen: Die gemessenen 15 Brunnen der Gobitschauer Ansassen 
haben nur eine Tiefe von 110 m im Minimum bis 1570 m. im Maxi- 
mum oder 7 2 m im Mittel und tragen zum Theil den Charakter von 
Cisternen an sich, oder führen nur d i e W il s s e r der v a d o s e n 
subterranen Circulation, welche sich in der o b e r- 
tiigigen Detrituslage bewegen und nach der Teufe 
grösserem Widerstände an einer Lettenschicht be- 
gegnen. Der Ottilienstollen aber hat die profunde subterrane 
Wassercirculation zum Gegenstande , deren mittlerer Si)iegel im 
„Kreuzriede", wie bereits oben erwähnt, 44-6;« unter Tage liegt; 
es herrscht somit zwischen den beiden Wasserniveaus 
eine mittlere saigere Höhendifferenz von 37-4 w. Dem- 
zufolge ist eine Abzapfung der Gobitschauer Hausbrunnen durch 
den Ottilienstollen, obwohl derselbe 84*7 m Saigerteufe unter Ter- 
rain im benachbarten „Kreuzriede" einbringt, dessenungeachtet aus- 
geschlossen. 

Nach der Wassermenge und den von ihr mitgebrachten matten 
Wettern zu schliessen, konnte eine Depression des natürlichen Grund- 
wasserstandes auf den 241 m im Stollenvorfeld befindlichen Erzlagern 
üttilie und Eduard mit einiger Sicherheit vermuthet werden, man 
hat demzufolge zwei alte H a s p e 1 s c h ä c h t e ge wältigt, dann trocken 
weiter abgeteuft und dem künftigen Stollenhorizont vorauseilend, auf 
dem Ottilienlager eine Wettersohle in 5o-5 w Saigerteufe gefasst 
und mit der Erzförderung begonnen. Gegenwärtig beträgt die Beleg- 
schaft 40 Mann, die Jahresförderung 30.000 q. 

Die Erz menge, welche durch die obige Stollenanlage bei dem 
Schüttungsvermögeu der soliden Maße per 1 m^ = 24 <[ gelöst wird, 
beziffert sich rücksichtlich des 

Ottilienlagers mit 420.000 q 

Eduardlagers (schätzungsweise) . . 350.000 „ 



zusammen . . 770.000 q 

Der E r z e u g u n g s p r e i s der Erze vom Liegendlager berechnet 
sich oberhalb dem Grundwasserniveau, also beim Abbau im Trockenen, 
auf 26 kr. pro 100 kg. 



i) Willengotteszeche im Sclieibenriert nördlich Wächtersdorf. 

Ungefähr 100 m westlich der alten Strasse Sternberg— Deutsch- 
Hause auf der Kat. Parc. Nr. 323 bricht am Contact von Thonschiefer 
und Mandelstein ein 0'6 bis 12 m mächtiges Magneteisenerz 
von angeblich 55 bis 60% Eisengehalt. Dasselbe ist bis an die Ver- 
drückung mittelst Haspelschächten abgebaut worden, jedoch die 
Möglichkeit, es hinter der Verdrückung wieder auszurichten, sehr 
wahrscheinlich. Zum tieferen Aufschluss hat man aus dem sogenannten 
Gründel nördlich und oberhalb Wächtersdorf einen Stollen auf un- 
gefähr 133 m Länge herangetrieben. 



104 Franz Kretschraer. [76] 

k) Helene-, Mathias- und Sidoniazeche im fürstlichen Walde 
Kaminka in der Gemeinde Babitz. 

Versteckt im Walde, insbesondere rechts des Fahrweges von 
Sternberg nach Rietsch, finden sich zahlreiche Pingen und Halden 
von Schurfduckeln und Haspelschächten alter Eisenerzförderungen 
herrührend. Auch hier ist ein in Begleitung von modificirten Mandel- 
stein auftretendes mildes Braun eise nerz der Gegenstand des 
Abbaues gewesen , das seinerzeit in den Hochöfen zu Marienthal 
und Witkowitz zur Verhüttung gelangte. Zur Unterfahrung dieses 
Vorkommens ist ein beiläufig 95 ni langer Stollen vom Kaminka- 
bache herangeführt worden. 

1) Engelbert- und Albertzeche beiderseits der Strasse Stern- 
berg—Deutsch-Hause, circa 300 ni nördlich Wächtersdorf. 

Eine nach dem allgemeinen Streichen gestreckte Finge bezeichnet 
die Stelle, wo früher ein untergeordnetes putzenförmiges Vorkommen 
armer Braun eise nerze abgebaut worden ist. Allem Anscheine 
nach treten die; Erze auf der Gesteinsscheide des daselbst zu Tage 
tretenden Thonschiefers mit dem Mandelstein auf. 

Weiter im Hangenden gegen SO fortschreitend, sind mit dem 
Steinbruche im Walde der Wächtersdorfer Erbrichterei im schiefrigen 
Diabasporphyrit, Diabasmandelstein und Diabastutf lagernd, ungefähr 
rOO m mächtige Butzen armer Brauneisenerze entblösst worden. 



m) Bergbau Sternberg, Paul-, Juliana- und Prokopzeche in 
der (/olonie Oberbau. 

Knapp hinter der Sternberger Vorstadt Neustift, in der 
Colonie Oberau, bezeichnet am Tage eine grosse und tiefe Finge 
die Stelle, wo die „Alten" einen ansehnlichen Tag bau betrieben 
haben. Es lagern hier in der oben beschriebenen hackenförmigen 
Einbuchtung der Diabasgesteine gegen die Stadt Sternberg hin, und 
zwar auf der Grenze gegen die letzteren und die im Hangenden 
folgenden Grauwackensandsteine , hauptsächlich zwei demselben 
Schichtenniveau angehörige Erzvorkommen, und zwar die B u t z e n 
und Stöcke von Magneteisenerz auf der Paulzeche 
dicht hinter der Vorstadt Neustift und das mächtige 
Erzlager auf der Juliana- und Prokopzeche in der 
O b e r a u. 

Das Paulzecher Erzvorkommen ist am Tage durch eine 
sanfte Terrainsenkung (Finge) der dortigen Akerparcellen gekenn- 
zeichnet, es setzt gleich hinter der Vorstadt Neustift bauwürdig ein, 
streicht in der Richtung gegen die Häusergruppe Oberau, conform 
mit dem hier aus dem normalen Streichen verrückten Diabasgesteinen 
nach 20 bis 22 h, während das Verflachen 2 bis 4 h unter < 22" 
erfolgt; dasselbe erleidet im Weiterstreichen gegen die Julianazeche 
eine längere Verdrückung, welche bisher noch nicht zur Ausrichtung 
gelangte. Das Lager hält am Grundwasserspiegel, der hier in einer 



[77] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 105 

mittleren Teufe von 33*2 m unterm Tage liegt, auf 89 m Länge 
bauwürdig an. 

Die Ausfüllung dieser Lagerstätte bildet vorwaltend Magnet- 
eisenerz, das in untergeordneten Partien zu dichten und okerigen 
Brauneisenerz verwittert und accessorisch mit Schnüren sowie 
Nestern von schwärzlich-grünen bis pechschwarzen blätterigen Stil- 
p n m e 1 a n, als auch mit C a 1 c i t und Quarz, spärlichen Pyrit 
durchwachsen ist. Dieses Erzvorkommen ist bis zum Grundwasser- 
niveau gänzlich abgebaut, verspricht jedoch nach Maßgabe seines 
Verhaltens in der Wassersaige, nach der Teufe bauwürdig einzufallen. 
Wahrscheinlich galt dem Aufschluss dieses Vorkommens der ur- 
alte Stollen, welcher angeblich an den Gehängen des Weinberges 
gegen die Langegasse, bestanden haben soll (?). 

Auf denselben Gehängen westlich der Langengasse hat man auch 
einen Erzausbiss im Mandelstein zwischen der fürstlich Liechtenstein- 
schen Ziegelei und gegenüber dem Obstgarten des Gasthofbesitzers 
Netter angetroffen. 

An dem Feldwege, welcher durch die Oberau nach dem Wind- 
mühlberge führt, dicht am östlichen Pingenrand thut sich das Juliana- 
lager bauwürdig auf, streicht in der Richtung der Pinge, um sich 
weiterhin gegen die „Grossenberge" zu verdrücken; es ist jedoch 
nach Analogie gleicher Vorkommen fast gänzlich fraglos, dass sich 
dasselbe gegen „Kaminka" neuerdings bauwürdig einwerfen dürfte. 
Das Juliana-Eisenerzlager bildet neben dem KamJnkalager den vor- 
nehmsten Schatz der Gegend ; sein allgemeines Streichen ist 8 h, das 
Verflachen 2 h unter -^ 40 bis 50°, die Lager mächtigkeit 
schwankt von 2 und 3 m bis 5-7 m, während das ununterbrochene 
Anhalten im Streichen am natürlichen Grundwasser- 
spiegel bei 28'5 m Teufe auf 200 m constatirt wurde. Die 
Verdrückungen an den Endschaften des Lagers divergiren auch hier 
nach der Teufe, so dass also dahin diese Länge noch etwas wächst. 

Ein Bild von der Stratification des Lagers und seiner Neben- 
gesteine gewährt der Kreuzriss (siehe Textfigur 2 auf umstehender 
Seite) durch den Prokopschacht I am nordwestlichen Pingenrand und 
den Maschinenschacht; es ruht auf in mächtiger Zone entwickeltem, 
schwärzlich-grünem, dichtem Diabas-Aphanit, welcher weiter im 
Liegenden in einen dunkeln, durch dichtgedrängte Kügelchen weissen 
Kalkspaths sehr charakteristischen Diabas-Mandelstein über- 
geht. Auf das am Prokopschachte I, 3-8 m mächtige Erzlager folgt 
zunächst 0'95 m Th on s c h i e f e r, sodann 3"8 m S c h a 1 s t e i n- 
Conglomerat und -Breccie, ferner 1-9 m S chal Steins chutt 
und endlich ein 26 bis 32 m mächtiger Complex von bis zu lockerem 
Sand aufgelösten Grauwacken - San dst einen , welche ^ 24^ 
herab einfallen, so dass eine Aufstellung der Schichten gegen die 
Diabasgesteine hin stattfindet, was mit der eruptiven Herkunft der 
letzteren zusammenhängt. 

Was die Zusammensetzung des Julianalagers betrifft, so wird 
dieses auf der Wettersohle in 34 m Teufe aus einem schwärzlich- 
grünen, dichten bis feinkörnigen Magneteisenerz gebildet, das 
sich mit der Keilhaue arbeiten lässt und häufige Umänderungen zu 

Jahrb. d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1899, 49. Baud, 1. Heft. (Fr. Kretsohmer.) 14 



106 



Franz Kretschmer. 



[78] 




*• »- 


^H 


^ o 


QCO 






« ^ 3 


GcS er 




P C P 


- D ^ 


f ^ sr 


B pS 


&,p r+ 






'^ w 




J?" ? 


^ i 


^äg- 



[79] I^ie Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 107 

Brauneisenerz darbietet; gegen das Ausgehende erscheint es fast 
gänzlich in ein dichtes und gelbockriges Braun eise nerz, sowie 
T hon eisen stein umgewandelt. Das Magneteisenerz wird häufig 
von Schnüren eines pechschwarzen, körnig-blätterigen Stilpnomelan 
und weissen Kalkspathadern, sowie zuweilen auch von Chlorit, 
durchzogen ; bisweilen bildet sich eine dem Mandelstein völlig gleiche 
Structur aus, indem das dunkle Magneteisenerz als Grundmasse dicht- 
gedrängte, hanfkorngrosse , weisse Kalkspathkügelchen umschlossen 
hält. Eine stellenweise vorkommende, 0*5 m starke Lage des Erzkörpers 
am Hangenden ist durch Diabasmaterial verunreinigt, daher unbau- 
würdig; im übrigen ist dasselbe auffallend rein. 

Die Analyse der Brauneisenerze ist unter VII, pag. 117, und 
diejenige der Magneteisenerze unter VIII, ebendaselbst angeführt. 

Den Bergbaubetrieb betreffend, ist anzuführen, dass das 
Julianalager, wie oben erwähnt, bereits auch von den „Alten" ab- 
gebaut wurde, und zwar haben sie die Erze am Tage herausgenommen, 
wovon die 230 m lange und 40 m breite Finge zurückgeblieben war. 
— In neuer Zeit ist dieser Bergbau 1 843 wieder erschlossen worden, 
und zwar beschränkte man sich anfänglich, das Erzlager bis zum 
Gr und w asser horizont mittelst zahlreicher Haspelschächte 
abzubauen. Als aber bis dahin alle Erzmittel zu Ende verhauen waren, 
hat man den Versuch gemacht, mittelst Handpumpen niederzu- 
kommen, was an starken Wasserzuflüssen scheiterte. Eine nicht zu 
kostspielige Stollenanlage hätte blos 38 m Saigerteufe eingebracht, 
demzufolge blieb nur die Erbauung einer Masch inen seh acht- 
anlag e zum Aufschluss der gedachten, im Wasser liegenden Lager- 
theile übrig. 1873 hat man mit dem Bau begonnen und den Maschinen- 
schacht nördlich der Häusergruppe Oberau derart angeschlagen, dass 
derselbe 157 tn ins Hangende des Julianalagers fällt und dessen strei- 
chende Länge in zwei gleiche Flügel getheilt wird. Das Schacht- 
Maschinen- und Kesselhaus ist massiv aus Bruchstein erbaut, 
deckt eine Fläche von 251 m^ und sind darin eine Wasserhaltungs-, 
eine Fördermaschine, zwei Dampfkessel eingebaut, welche 
aber sowohl in ihrer Constructionsart, als auch in den Abmessungen 
völlig conform sind der maschinellen Ausrüstung der Pinker Maschinen- 
schachtanlage, welch letztere oben der Gegenstand eingehender Be- 
schreibung war, daher hier übergangen werden kann. 

Im Grunde des Projectes sollten vorerst zwei Tiefbausohlen in 
475 und 66'5 m Schachtteufe gefasst werden, doch entschied man 
sich später, um den 91 w langen Querschlag auf der I. Sohle zu 
sparen, blos die IL Sohle aus dem Maschinenschacht zu fassen und 
bei 47'5 m Teufe eine Mittelsohle einzurichten. Der Maschinenschacht 
erhielt einen rectangulären Querschnitt per 4*42 m Länge und 1-74 w 
Breite = 7-69 m^ und ist in 2 Förder-, 1 Fahr- und 1 Fumpen-Trumm 
eingetheilt; im letzteren waren 2 Ilubpumpensätze von 22 cm Boh- 
rung und 95 cm Kolbenhub eingebaut. 

Man durchteufte mit diesem Maschineuschacht die nachfolgende 
Schichtenfolge : 

14* 



108 Franz Kretschmer. [80] 

Ackererde VOO tn 

LÖSS, gelb 3-55 „ 

Grauwackeiisandstein, gelb, verwittert 23-14,, 

Blauer Thonschiefer 0-57,, 

Grauwackenschiefer, gelb, verwittert 1"90 « 

Blauer ThoDSchiefer 0-57,, 

Gelber Grauwackenschiefer 2-09 „ 

Dunkler Thonschiefer, sandig, kohlig 0-76 „ 

Grauwackenschiefer, lichtgelb 2-46,, 

„ mit dunklen Thonschieferlagen . 24-27 „ 
Zu Sand aufgelöster G r au wacken Sandstein mit viel 

Wasser (Fliesssand) ? 

Zusammen . . 60*31 m 

Bis dahin betrug der Wasserzufluss nur 3-7 Secundenliter. 
Plötzlich änderte sich dieses Bild, die letztangeführte Schichte des 
obigen Schichtenprofils wurde nicht an2;ehauen, sondern durch Wasser- 
druck aufgehoben, brachte sehr bedeutende Wasserzugänge und ergoss 
ihren Sand sofort unter die beiden Hubpumpensätze, welche ver- 
schlemmt, den Dienst versagten, demzufolge die Wässer bis 29-7 m 
Teufe aufgegangen sind. 

Die Wassergewältigung gestaltete sich schwierig und kostspielig ! 
Zuerst setzte man die Fördermaschine mit zwei Wasserkästen 
in Betrieb, mittlerweile sind zwei 21cm Hubpumpen Sätze ein- 
gebaut, mittelst Wasserhebmaschine in Betrieb gesetzt und damit die 
ersoffenen Pumpenrohre geholt worden, endlich versah man die Förder- 
maschine mit einem zweiten Zahnradvorgelege und hing daran zwei 
weitere in die Fahrabt h eilung eingebaute 27 cm 
Pumpensätze. Diese vier Pumpensätze hielten in 50*8 ?« 
Schachtteufe einen Wasserzufluss von 23-7 Secunden- 
liter, womit sich ein scheinbarer Beharrungszustand 
am Maschinen Schacht ausbildete. 

Um für die Wetterführung auf der I. Tiefbausohle vorzusorgen 
und früher zur Erförderung zu gelangen, teufte man mit den sinkenden 
Grundwässern nächst dem Erzlager drei Haspelförder seh ächte 
ab, welche das Wasserniveau bei 38 w erreichten, es war somit 
b er e i t s 9-5 w W a s s e r a b g e z g e n. Diesen abgetrockneten Lager- 
theil hat man sodann in der Teufe von 35 in vorgerichtet und gleich- 
zeitig dadurch die Wettersohle für den Tiefbau vorbereitet. 

In der Folge vermochte selbst ein zehn monatlich er ange- 
strengter Gang der oben gedachten vier Pumpen die 
aufgegangenen Wässer nicht unter 50-8 m Schachtteufe 
abzusinken, weil die im Hangenden lagernde, schwammartig mit 
Wasser angesoftene Schicht, zu Sand zerfallener Grauwacke, beim 
Maschinenschacht ungefähr 26 bis '62 m mächtig sein dürfte und im 
Streichen einseits an die Vorstadt Neustift, andererseits bis in den 
Kaminkaried reicht — wo sie mit dem Maschinenschacht 6-6 m mächtig 
durchsuiikeu wurde — also auf beiläufig 1-8 km Länge anhält und 
dergestalt ein grosses unte rirdis ches Wasserreservoir 
bildet. Dessen ungeachtet erfolgte, wie oben erwähnt, auf dem 



[81] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 109 

Erzkörper, 124 m vom Masrhinenschacht entfernt, ein wohl langsames 
aber stetiges Sinken des Grundwasserstandes von 28"5 w bis HS-O?« 
unter Terrain, so dass eine vollständige Abzapfung dieses 
unterirdischen Wassermagazins in Aussicht stand! 

Bei dem Umstand jedoch, dass die Wässer mangels eines 
Stollens 53*1 m hoch zu Tage zu heben waren, der Kohlen ver- 
brauch dauernd die Höhe von '52-b q per 24 h behauptete, so er- 
schien die gewinnbringende Nutzbarmachung der Erze 
durch zu grosse Wasserhebungskosten in Frage gestellt; 
der Weiterbetrieb dieser kostspieligen Entwässerung 
des weit ausgedehnten Wasserträgers war mit einem 
entsprechenden Erzeugungspreis der Erze in Wider- 
spruch gerathen. Bevor jedoch weitere Maßnahmen getroffen 
werden konnten, ist auch der Bergbau in der Umgebung von Stern- 
berg iofolge der wirtschaftlichen Depression der Siebziger Jahre 
zum Stillstand gekommen. 

Der Aufschlagspunkt des Maschinenschachtes war in dem wasser- 
reichen Hangeudsand entschieden ungünstig gewählt; derselbe steht 
überhaupt zu weit im Hangenden und hatte demzufolge einen zu weit 
ausgedehnten Gebirgstheil zu entwässern. Bei künftiger Wieder- 
aufnahme des Bergbaues wird es sich empfehlen, die jetzige 
Maschinens chachtanlage abzubrechen, die wasserreichen 
Hangendsande uüverritzt zu lassen und die Position der neuen 
Anlage so zu wählen, dass 

1. der Maschinenschacht unterhalb des natür- 
lichen Grundwasserspiegels zur Gänze in die mehr 
dichten, weit weniger wasserdurchlässigen Diabas- 
gesteine hineinfällt; 

2. die Bausohlenquerschläge dessenungeachtet in den schuss- 
festen Mandelsteinen möglichst kurz ausfallen ; 

3. von der bauwürdigen Lagermasse keine zu grossen Sicherheits- 
pfeiler zum Schutze der obertägigen Anlagen stehen bleiben müssen. 

Die bis zur projectirten 11. Tiefbausohle in <J6-5 m Saigerteufe 
anstehende Erzmenge calculirt sich bei dem Schüttungsvermögeu 
der soliden Masse von 24 q per i m^ nach den gegebeneu Daten 
und 20o/o Abschlag für Vertaubungen 

rücksichtlich des Julianalagers auf ....... 340.000 q 

rücksichtlich des Paullagers auf 160.000 „ 

Zusammen . . 500.000 q 

Dass diese Erze in weitere Teufen einfallen, kann nacli Maß- 
gabe anderer Erzvorkommen auf dem Zuge Steraaberg — Bennisch 
angenommen werden. 

Auf dem Streichen gegen die „Grossen Berge" und „Ka- 
minka" vorkommend, gelangt man vorerst links oberhalb der Bezirks- 
strasse Sternberg— Römerstadt zu dem dortigen Steinbruche, worin 
Mauersteine erzeugt werden. Hier findet sich im Diabasmandelstein 
nebst Varietäten ein 0*2 bis l'Om mächtiges Brauneisenerz- 
lager, durdiwaxilisen mit Stilpnomelan, Kalkspath und \m- 



110 Franz Kretschmer, [82] 

verwitterten Partien eines dichten Magneteisenerzes. Stellen- 
weise . schwillt das Lager bis 2 m Mächtigkeit an, aber im Ganzen 
ist es arm, unbauwürdig. Auch hier ist die verrückte Lage der 
Schichten, nämlich Streichen nach 10 h, Fallen 4 h unter < 35 — 40^ 
deutlich zu beobachten. 



ii) Bergbau Kaminka. 

Genau l'l hn südwestlich von Wächtersdorf und zu beiden 
Seiten des Verbindungs-Fahrweges Babitz— Wächtersdorf im Riede 
„Kaminka", links des gleichnamigen Baches, lagert unter ähnlichen 
Verhältnissen wie in der Oberau, an der Grenze der Diabasmandel- 
steine gegen die im Hangenden folgenden Grauwacken, das wichtige 
Adolfzecher Eisenerzlager. Durch die Ausrichtungen auf der 
L Tiefbausohle constatirte man eine bauwürdige Länge 
von 265m und eine durchschnittliche Lagermächtigkeit 
von 2-5 bis 2-8 m ; das allgemeine Streichen hat hier seine normale 
Lage und ist nach Maßgabe dieser Auffahrungen 3 h, das Einfallen 
9h unter -^230. Die Bausohlenstrecke auf der IL Tiefbausohle 
hat eine streichende Bauwürdigkeit in geschlossener Länge 
von 290 tn ergeben, es nimmt also diese letztere nach unten zu, 
da die Grenzen der Verdrückung an den beiden Lagerenden dahin 
ebenfalls auseinanderlaufen; dagegen vermindert sich die Mächtigkeit 
des Lagers in der Wassersaige der letztgenannten Sohle örtlich bis 
auf r6 m, wovon die eine Hälfte aus Erz, die andere aus Kiesel- 
eisensteinen besteht. 

Das Adolfzecher Erzlager liegt auf mächtigem Diabas- 
mandelstein, welcher im unmittelbaren Liegenden dünnschiefrig, 
mild, stark zersetzt erscheint, weiterhin folgt dann eine 26 '6 m 
mächtige Schicht von Kalks ch als t ein, worauf feste Mandelsteine 
einsetzen ; im Hangenden ist es überlagert zunächst von 3 m T h o n- 
schiefer, dann folgt Grauwacken Sandstein, der zu losem 
Sand aufgelöst ist, der schliesslich in die ' herrschenden festen 
Grauwacken übergeht. 

Die Lagermasse wird im wesentlichen durch ein eisen- 
schwarzes, selten schwärzlich-grünes Magneteisenerz gebildet, 
das aus einem Aggregat kleinster Magnetitoktaeder und 
Körner besteht, verunreinigt durch weissen Quarz, blutrothen 
Jaspis, röthlichen Eisenkiesel, seltener ist Calcit, Pyrit, 
Stilpnomelan, Chlorit und Pinguit. Ueberwiegend erscheint 
das körnige Erz zerfressen, dadurch zellig, cavernös, bis zu losem 
Schlich (Mulm) zerfallend. Das poröse Erz ist grösstentheils mit ver- 
witterten Nestchen mulmigen B raun eise nerzes durchzogen, 
wovon die im allgemeinen braunmelirte Färbung der Kaminker Erze 
herrührt. Dieser Verwitterungsprocess findet am Tage seine Fort- 
setzung, indem ein Theil der eisenschwarzen Stufen nach längerem 
Liege^i an der Luft ebenfalls zu einem braunen Schlich zerfällt. 

Durch Aufnalime von mehr Kieselerde bilden sich auf den 
Lagern in grösseren Bestandmassen unreine Varietäten aus, und 
zwar Kieseleiseusteiue, Eiseukiesel mit blutrothem Jaspis, 



[83] Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 111 

weissen Quarz und Kalkspat h verwachsen; dieselben machen 
insbesondere am Ausbiss und in den verdrückten Partien den vor- 
wiegenden Theil der Lagermasse aus. In untergeordneten Nestern 
und regellosen Partien finden sich auch andere Oxydationsstufen des 
Eisens, und zwar selten Rotheisenerz, häufig Brauneisenerz, 
welch' letzteres gegen das Ausgehende hin schliesslich den grössten 
Theil des Lagers ausmacht. Was die Cohärenzverhältnisse anbelangt, 
so gibt das Erzlager bei guter Scheidung 40% Stufen, 607o Schliche 
und Erzklein. 

Die chemische Analyse der stufigen Magneteisenerze ist weiter 
unten folgend unter IX, pag. 117, diejenige der mulmigen Magnet- 
eisenerze unter X, ebendaselbst, angeführt. 

Der Bergbaubetrieb. 

Zur Entdeckung des Bergbaues Kaminka führten die von den 
Eisenerzförderungen der „Alten" zurückgebliebenen Erzhalden, auf 
welche Bergleute anfangs der Vierziger Jahre in dem früher daselbst 
vorhandenen Walde links des Fahrweges Babitz — Wächtersdorf ge- 
stossen sind, die dann zu den Hochöfen nach Zöptau abgeführt 
wurden. Die Alten haben die Erze blos bis zur Wassersohle heraus- 
genommen. In neuerer Zeit wurde zur tieferen Lösung der Lager- 
stätte der an der Strasse Sternberg -^ Römerstadt beim Wirtshaus 
„Filzlaus" am Kaminkabache angeschlagene Stollen herangetrieben, 
welcher bis zum Erzlager 793 m lang ausgefallen ist und am Fund- 
schachte 24-7 m Saigerteufe einbrachte. ':. ..lO'- 

Als auch hier das Erzlager bis zur StoHensohle; gänzlich zu 
Ende verhauen war, wurde als billigstes Auskunftsmittel ebenfalls 
eine Tiefbauanlage 1870 erbaut. Der Maschinenschacht 
ist 106 m im Hangenden derart augeschlagen, dass die bauwürdige 
Länge der Erzablagerung ebenfalls in ungefähr zwei gleiche Flügel 
getheilt erscheint; derselbe erhielt einen rectangulären Querschnitt 
in der Lichte der Bolzenschrottzimmerung 403 m lang, 1*58 m breit 
= 6-37 m^ gross gehalten ; er ist in 2 Förder-, 1 Fahr- und 1 Pumpen- 
Trumm abgetheilt und erreichte den Stollenhorizont bei 343 w Teufe. 
Die I. Tiefbausohle hat man bei 48-5 m, die II. Tiefbausohle bei 68*3 m 
gefast, demnach die saigeren Bausohlenabstände 14-2 und 198 m 
betragen. 

Die im Maschinenschacht durchsunkene Schichtenreihe ist: 

Ackererde und Löss . . . 1-0 m 

Grauwacken Sandstein und Grauwacken schief er 

wechsellagernd 35-3 „ 

Grauwacken Sandstein zu losem Sand aufgelöst. . . ö-6 „ 

Thonschiefer hellgelb zersetzt 2-8 „ 

Magneteisenerzlager 2*8 „ 

Diabasmandelstein zu oberst stark zersetzt . . . . ■ 21'5 „ 

Zusammen . . . 70-0 m 

Maschinenschacht und Stollen sind durch eine im Liegenden geführte 
167 m lauge Umbruchstrecke verbunden. 



1-|2 Franz Kretschmer. [84] 

Den Vorbau, speciell auf der II. Tiefbausohle, hat man in 
der Weise eingeleitet, dass nach Anfahrung des Erzlagers mittelst 
des 455 w langen Bausohlenquerschlages zunächst die Bau- 
sohlen strecke» auf dem Erzlager bis an die Verdrückung in NO 
und SW zur Verörterung gelangten. In 20 m Entfernung gegen SW 
und 165 m gegen NO hat man zwei U eberhauen im Verflachen 
bis zur I. Tiefbausohle aufgefahren, behufs Abgrenzung des Sicher- 
heitspfeilers zum Schutze für den Maschinenschacht und die 
obertägigen Anlagen. Die 48'5w betragende flache Baufeldhöhe wurde 
nun dergestalt in Pfeiler eingetheilt, dass von den letzteren Ueberhauen 
aus in 18 m Abstand von der Bausohlenstrecke und dann in weiteren 
Ibm flacher Höhe Bau st re ck en in südwestlicher und nordöstlicher 
Richtung bis an die Lagerenden getrieben worden sind. Diesen 
Strecken führten durchschnittlich 20 m auseinanderliegende Ueber- 
hauen von der IL zur I. Tiefbausohle ins Kreuz, wodurch rectan- 
guläre Pfeiler, durchschnittlich 320 m^ gross, entstanden sind. 

Das Abbausystem war hier im Gegensatze zu den bereits 
geschilderten Bergbauen, wo fast nur Stossbaue in Anwendung stehen, 
ein Pfeilerbau mit Zubruchewerfen des Hangenden. 
Nachdem die nächstobere Sohle zu Ende verhauen war, erfolgte der 
Abbau der folgenden Sohle heimwärts von den Lagerendschaften 
gegen den Schacht, und zwar ist der Pf eilerverhau schwebend 
in Abschnitten von 6 — 7 m Breite bewerkstelligt worden, während 
das Hangende (Dach) mit langen Kappen und Scharstempeln ab- 
gefangen werden musste. Langsam, aber stetig, senkte sich sodann 
das Hangende herab, gleichzeitig quoll das Liegende empor, auf diese 
Weise die offenen Verhaue schliessend. Belästigend wirkten allerorts 
die aus dem Hangendsand zusitzenden Wässer. Wegen des zersetzen 
milden Liegenden wurden beim Herabkratzen der Schlicherze in den 
Ueberhauen diese letzteren durch taubes Material theilweise verun- 
reinigt, was deren Qualität beeinträchtigte. 

Der Ausbau bot im Uebrigen nichts Bemerkenswertes dar. 

Die Wetterführung war eine natürliche, welchem Zwecke 
je ein Wetterschacht an den Enden der beiden Maschinenschacht- 
flügel zu entsprechen hatte. 

Das Schacht-, Maschinen- und Kesselhaus dieser Tief- 
bauanlage massiv aus Bruchstein erbaut, bedeckt eine Fläche von 
283-8 m2 und befindet sich darin nachstehende, der Wasserhaltung 
und Förderung dienende maschinelle Ausrüstung: 

Eine W asserhaltungs-Dampfmaschine von 12 HP, hori- 
zontaler Aufstellung, ohne Expansion und Condensation (!), Kolben- 
durchmesser 0-265 m. Kolbenhublänge 0-632 m, macht 42 Spiele 
pro Minute, Zahnradvorgelege 1 : 6 und ein Kunstkreuz von löl m 
Armlänge. Diese Maschine bethätigt eine Druckpumpe mit Leder- 
klappen von 0-263 m Kolbendurchmesser und 1-264 7n Kolbenhub- 
länge, und lieferte bei normalem Gange mit 7 Spielen pro Minute 
0-410 m» Wasser auf 36 m Förderhöhe (bis zur Stollensohle). Die 
Saug- und Druckrohre hatten einen Durchmesser von 0-184w. Diese 
geringe Tourenanzahl genügte, um beim coutinuirlichen Betriebe der 
Wasserhaltungsmaschine die eurrenten Wasserzuflüsse zu Sumpf zu 



[85] l^ie Eiseiierzlagerstätten des mähriscbeu Düvou. 1 1 3 

halten, welch' letztere dem Gange der Pumpe entsprechend, f)H 
Secundenliter ausmachen. 

Die Fördermaschine von 8 HP horizontaler Anordnung 
mit Gouch'scher Coulisse , 0-200 m Kolbendurchmesser, 0-525 in 
Kolbenhublänge, macht normal 42 Spiele pro Minute. Zur Bethätigung 
des Treibapparates ist ein Zahnradvorgelege mit dem Uebersetzungs- 
verlüUtnis 1 : 6 angeordnet. Der Treibapparat besteht aus zwei cylin- 
derischen Seilkörben von 225 m Durchmesser, 0-33 m Breite, zwei 
Seilscheiben von 2-20 m Durchmesser , zwei Förderschalen theils 
mit, theils ohne Fangvorrichtung und der bekannten Ostrauer Aufsetz- 
vorrichtung. Die äussere Seilbelastung setzt sich zusammen aus dem 
Gewicht der Förderschale 250 kg, leerer Wagen 175 kg^ Netto- 
Förderlast 400 A-//, zusammen 825 L-cj. Die Förderung erfolgte durch- 
wegs in englischen Förderwagen auf Vignolschienenbahn mit 037 m 
Spurweite. 

Zur Kessel Speisung diente eine stehende I)ampfi)umpe, 
an der Wand des Kesselhausses verankert. Dem Zwecke der Dampf- 
vers o r g u n g genügten zwei gleiche PM n s i e d e r o h r k e s s e 1 
von 356 m- Heizfläche concessionirt für 5 Atmosphären maximalen 
Ueberdruck, doch ist die Kesselspannung bei normalem Betriebe 
nur bei 3^2 Atmosphären gehalten worden. Länge des Oberkessels 
8*692 w, Durchmesser desselben 0'948 w ; Länge des Sieders 7-740 >>/, 
dessen Durchmesser 0-724 m, Fläche des Planrostes 1-56 w^, Höhe 
der Blechesse 13-4 m. Durchmesser derselben 0-79 m, Kohlen- 
verbrauch per 24 Stunden 14-8 q Grieskohle, weil die 
Wasserhebmaschine sehr unökonomisch arbeitete. 

Ein Zechenhaus 43-2 m^, eine Grubenschmiede 34-6 /^r^ 
und ein Gez äheschopfen 44-6 m^ gross, nächst dem Maschinen- 
schachte erbaut, vervollständigten die obertägigen Anlagen. 

Der Maschinenschacht in der Kaminka förderte jährlich 60.000 ^^, 
deren Gestehungskosten sich folgend bezifferten: 

Arbeitslöhne für Gewinnung und Förderung 255 kr. 

Kosten des Maschinenbetriebes 16-7 kr. 

Materialien und Regie-Auslagen 6-0 kr. 

Zusammen per 100 ky . . . 48-2 kr. 

1000 ^ der Erzförderung machten einen Materialaufwand er- 
forderlich von : 

96-4 <i Grieskohle 

1-63 fm Grubenholz 

? Sprengmaterial 

? Geleucht. 

Ueber den gegenwärtigen Stand der unverritzten Erzmittel 
am Kaniinkaer Maschinenschachte ist zu bemerken, dass das Erzlager 
blos am Stollenhorizont vollständig abgebaut ist, dagegen steht auf 
der L Tiefbausohle der im Streichen 68 in lange Sicherheitspfoiler 
für den Maschinenschacht und den Bausohlenquerschlag, ferner steht 
die IL Tiefbausohle zur Gänze vorgerichtet und bis auf wenige 
Pfeiler an der Baugrenze noch unverritzt an. Demzufolge berechnet 

Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Kretscbmer.) 15 



] {4 Franz Krütscbrner. 186] 

sicli die am K a ni i n k a 1 a g e r bis zur II. T i e f b a ii s o h 1 e a u- 
stehende, bereits zUm Abbau Vorgerichte te Erzmenge 
bei dem Schüttu 11 gs vermögen der soliden Masse per l m^ 
^ 30 q auf 794.450 (/. Dass die Erze unter die gedachte Sohle 
weiter einfallen und sich dort bauwürdig aufthun, ist sehr wahr- 
scheinlich, was eventuell durch eine mittelst Separat- Wasserhaltung 
zu betreibende Einfallende zu untersuchen wäre. 



o) Matliildezeche westlich Wächtersdorf. 

Am Kaminkabach aufwärts gegen Wächtersdorf befindet sich 
450 m westlich von letzterem Orte im sogenannten „Scheibenried" 
ein Erzvorkommen, das in gleicher Weise, wie das Kaminkalager, 
auf der Gesteinsscheide zwischen Mandelstein im Liegenden und 
den mächtigen Grauwacken im Hangenden auftritt und das überdies 
ein interessantes Beispiel localer Störungen der Schichten darbietet. 
Das Erzlager besteht aus einem feinkörnigen, theils stufigen, theils 
mulmigen Magneteisenerz, es streicht 2 bis 3 h, fällt 9 h im 
allgemeinen unter -^ 35 — 40^ das bauwürdige Anhalten im 
Streichen ist auf der Wassersohle mit 9b m nachgewiesen 
worden, während die Mächtigkeit zwischen 1*5 bis 2b m 
wechselt. Dem Verflachen nach betrachtet, ist das Erzlager bis 
auf die tiefste Abbaustrecke 9"1 m unterhalb dem Oberstollen durch 
5 Verwerfungen von 5 bis 7 m Sprunghöhe in sechs Gebirgstücke 
getrennt; diese letzteren sind dem Fallen nach gemessen 6 bis 10m 
lang und verflachen 15 bis 18^ nach 8 bis 9 h, dagegen verflachen 
die Sprungklüfte 75 bis 80"^ ebenfalls SO. Nebenstehendes Profil 
Fig. 3 versinnlicht diese Dislocationen, welche sich als parallele 
Verwerfungen darstellen, verknüpft mit normalen Senkungen der 
getrennten Gebirgsstücke am Hangenden der Sprungklüfte. Zu diesen 
Störungen durch Längsklüfte im Fallen gesellen sich Störungen im 
Streichen, wodurch das Lager in seiner Fortsetzung gegen NO wieder- 
holt ins Hangende übersetzt. 

Untenfolgend sind die Analysen der Mathildezecher Magnet- 
eisenerzstufen unter XI, der mulmigen Erze und des mitfallenden 
Erzklein unter XII, pag. 117, angegeben. Diese letzteren Erze sind 
immer etwas ärmer, weil ihr Eisengehalt durch bei der Gewinnung 
und Förderung hineinkommendes Bergklein herabgezogen wird. 

Die Alten haben das Mathildezecher Erzvorkommen nicht gebaut, 
dasselbe ist erst in den Vierziger Jahren entdeckt und dem Abbau 
zugeführt worden. 

Ursprünglich dienten dem letzteren mehrere H a s p e 1 s c h ä c h t e, 
später hat man aber dort, wo das von Wächtersdorf herabkommende 
S c h 1 i c h t g r ü n d e 1 im Kaminkabach einmündet, den b e r s t o 1 1 e n 
angeschlagen, welcher bis zum Anfahrungspunkt des Lagers 115 m 
lang geworden ist und auf dem Hauptförderschacht 21-2 m Saiger- 
teufe einbringt. Neuerdings ist 17-2 tri unter dem Oberstollen noch 
ein zweiter Stollen vom Kaminkabach her bis auf 303 w auf- 
gefahren worden, welcher mit 478 w das Mathildenlager anfahren 
soll. Unter dem Einflüsse der durch diesen Stollen erzeugten Depression 



[87] 



Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 



115 




^ S 



15* 



{IQ B>anz Kretschmer. [88] 

des natürlichen Grundwasserspiegels ist man bis 30-3 tn Saigerteufe 
gekommen und hat bis dabin die Erze gänzlich zu Ende verhauen. 
Dagegen liegt das Mundloch des Kaminkastollens unter dem 
Mathilde-Unterstollen 59-44 w. und würde der erstere eventuell vom 
Kaniinkaer Maschinenschacht bis zum tiefsten Gesenk am Mathilde- 
lager noch auf 759 m dem Streichen nach weiterzutreiben sein, 
wobei man unterwegs den Aufschluss neuer, auf der Gesteinsscheide 
einbrechender Erzlagerstätten erhoffen darf. 

Ungefähr 4w unterhalb der Brücke über den Kaminka- 
bach a m F a h r w e g e W ä c h t e r s d r f — K rockersdorf ist eine 
Linse schönen Magneteisenerzes gefunden worden, von 
welcher man seinerzeit über 100 g Erze erzeugte. Die Erze haben 
sich wohl bei 2 m Gesenkteufe in der Sohle verdrückt und konnten 
dieselben wegen Wasserzuflüssen aus dem Bache nicht weiter unter- 
sucht werden. Dieses Vorkommen deutet darauf hin, dass das 



p) Peiiiitzstolleii im Sclieibeiiiiecl östlich der C'olonie Lewiii. 

Auf der Waldparcelle des Ansassen Josef Schulmeister, 
Cons.-Nr. 22 in Gobitschau, wurde ein Braun ei s euer z-Vorkommen 
erschürft, das ebenfalls am Contakt zwischen D iabasm and sls tein 
im Liegenden und Thon schiefer im Hangenden lagert; letzterer 
enthält eingeschobene Kalksteinlagen und zeigt deutlich ausge- 
sprochene Clivage, deren Ebene senkrecht auf den Hauptschieferungs- 
flächen steht. Auf dieses Vorkommen hat man auf lialber Höhe des 
Schäferbachgehänges einen Zubau, den sogenannten Pein itz Stollen 
angeschlagen und durch die im Hangenden auftretenden, sehr festen 
Grauwackensandsteine, mit untergeordneten Thonschiefern wechsel- 
lagernd, auf ungefähr 133 w vorgetrieben, sowie einen Lichtschacht 
abgeteuft; der Stollen hat jedoch die Erzlagerstätte nicht erreicht, 
weil der weitere Vortrieb desselben aus unbekannten Gründen vor- 
zeitig eingestellt wurde. 

Die nebenstehende Tabelle gibt ein Bild der chemischen Con- 
stitution der Eisenerze von Sternberg und Umgebung. Diese, sowie 
die weiter oben angeführten Erzanalysen stammen zum grösseren 
Theile aus dem hüttenmännisch-chemischen Laboratorium zu Witko- 
witz, welche theilweise auf meine Anregung hin und mit den von mir 
besorgten Proben ausgeführt worden sind. Ein weiterer Theil dieser 
Erzanalysen rührt aus dem Probirgaden zu Stefanau her, und fühle 
ich mich gegenüber den maßgebenden Factoren zu geziemendem 
Danke verpflichtet, für die gütigst ertheilte Zustimmung zur Ver- 
öffentlichung dieser Analysen, weil sie eine nothwendige Ergänzung 
vorliegender Arbeit bilden. 

Die geschilderten Eisenerzlager bei Sternberg und Umgebung 
bieten dieselbe L i n s e n s t r u c t u r dar, wie ich solciie für die derselben 
Gesteinszone angehörigen Eisenerzlager bei Bennisch und Umgebung 
gezeichnet und beschrieben habe i). Merkwürdig ist, dass auch die 



^) F. Kretschmer a. a. 0. 



[89] 



Die P]isenerzlagerstätten des mährischon Devon. 



117 



o o o c o 

■'T CO <M CO .-H 

ö ""• öo M Tj. Ö "="■ '^• 



0500COOOOO 



eo -«j< o o o o <M 



.1=, ^ 
o o 



«5 


o o o o 


o 










4.^ 


t- cr> -1 


;- o-. 


^' ib 


CO 


(M 




'^ 


o 


o o o 


f-i 


.§ 


lO 






öo '^ 


CO t- r-l 


ft^^- 


^•co 






C/J 




o 




00 c 


05 


05 t~ rh 


in 


O <N 




«b CO -^ o '"■ 


O CD • 


CO 


cq 




'" 


o 


O lO lO lO 


T- O 




00 t- c- 


•^ 




c^'^ 


CO c^ CO 


o'-' 


O CD 



^ p^ 



^ -r; ü bc CS 



c o 



q; - 



=4^ --l .0) 



c2 ^ c2 






!-i bß 



^ ^ ^ ^. 



5 « 



3 j:5 



O O O CO o 

xp ip lO >— I Oi 

t- -ijf CO "^^ "^^ ö cb 






ic bß bc W) tic 
3 CS es Co 5^ 



!-. ^ 



^ X )^ y^ 



:=« T' t3 "7 ,<1^ 2 ^ 

a boo; 5 ^ a fe g^_^ 



118 



Franz Kretschmer. 



[90] 



Erzlager bei Sternberg genau so wie bei Bennisch an den Lager- 
spitzen (Enden) gesetz massig derart übergreifen, dass 
wenn man auf dem L a g e r s t r e i c h e n gegen S W vorwärts 
schreitet oder im Lagerfallen gegen SO abwcärts vor- 
kommt, so findet man die nächstfolgende Erzlinse im 
Liegenden des a u s k e i 1 e n d e n L a g e r t h e i 1 s , wie dies die bei- 
stehende grundrissliche Skizze (Fig. 4) versinnlicht. Diese Störungen 
liängen häufig nicht nur ab von der ursprünglichen Absonderungsform 
der kalkreichen Mandelsteine, beziehungsweise Kalksteine, aus denen 
die Eisenerzlager durch einen secundären Umwandlungsprocess her- 
vorgegangen sind, sondern wir haben es örtlich mit wirklichen 
Di slo cation en zu thun. und zwar dürften es in den meisten 



Fig. 4. 




Fällen rechtsinnige Verwerfungen sein, hervorgerufen durch 
Kreuzklüfte, welche normale Senkungen am Hangenden des Verwerfers, 
jedoch von geringer Sprunghöhe, zur Folge hatten. Nachdem diese 
Dislocationen in der ganzen Gesteinszone Sternberg— Bennisch local 
wiederkehren, so dürften dieselben in allgemeinen Ursachen ihre 
Begründung finden, und möglicherweise gleichzeitig mit der Auf- 
richtung der Schichten stattgefunden haben. 

Gleichwie bei Dillenburg und Herborn in Nassau die wichtigeren 
Eisenerzlagerstätten auf der Gesteinsscheide zwischen Schalstein und 
Cypridinenschiefer (Kramenzel) lagern, ebenso gilt auch für die Um- 
gebung von Sternberg, sowie überhaupt auf dem ganzen Diabaszuge 
Sternberg— Bennisch, der für den Bergmann sehr wichtige Erfahrungs- 
satz, dass die bauwürdigen Eisenerzlagerstätten stets 
am Contakt von Thonschiefer und Diabas man del stein 
(oder seinenVarietäte n), niemals aber i m D i a b as g e s t e i n 
selbst aufsetzen. 



[<)1] r)ie Eiscnerzlagerstätteii des mälirischeii Devon. 110 



Rückblick. 

Neuerdings hat Dr. E. Tietze^) in genialer Art eine andere 
(Jliederung des mährisch-schlesischen Devons begründet; darnach wäre 
dasselbe auf das Unterdevon Römer's und eine Anzahl sporadisch 
verbreiteter Gesteinsklippen beschränkt. Derselbe trennt die bisher als 
devonisch betrachteten Grauwacken vom Devon ab, um sie dem Culm 
einzuverleiben und gelangt zu der Schlussfolgerung, dass wir in den 
bei Bennisch und Sternberg in Form untergeordneter Lager auf- 
tretenden Crinoidenkalken mit den zum Theil kalkhaltigen Thon- 
schiefern „alte Klippen des Devon vor uns haben, welche von der 
Culmgrauwacke umlagert, bezüglich theil weise überlagert werden." 

Tietze folgert ferner aus den Devonpartien von Lud mir au, 
von Rittberg, von Nebotein und von Grügau allgemein, dass 
die Grauwacken denselben nicht normal aufgelagert, vielmehr örtlich 
Discordanz unzweifelhaft erkennen lassen, dass die Devongebilde 
keineswegs einer auf den Nordwest, längs der allgemeinen Streichens- 
richtung der Grauwacken, beschränkten Zone angehören, sondern einen 
klippenförmigen Charakter an sich tragen. 

Ausser den oben erwähnten, in der Marchfurche durch 
Erosion biosgelegten Devoninseln, werden auch solche aus der 
Beczwafurche angeführt, wo in der Gegend bei W e i s s k i r c h e n 
zweifellos devonische Gesteine „sich sogar noch nahe der äussersten 
Ostgrenze der bezüglich ihres untercarbonischen Alters allseitig an- 
erkannten Culmgrauwacken Mährens befinden. Daraus allein geht 
hervor, dass erstlich devonische Gesteine sich unter dem Culm allent- 
halben, sei es fortsetzen, sei es einmal fortgesetzt haben, so dass ihr 
Auftreten an irgend welchen Stellen des Grauwackengebietes nichts 
Auffälliges, hat und zweitens, dass vor allem eine regelmässige Auf- 
einanderfolge der hier in Betracht kommenden palaeozoischen Gesteine 
von Westen nach Osten im Sinne Römer's nicht existirt." 

Diese radicale Umgestaltung der bisherigen Ansichten über die 
mährisch-schlesische Devonformation im Sinne der von Tietze ent- 
wickelten Auffassung vermochte ich nicht vollinhaltlich anzunehmen, 
ich glaubte noch an der älteren, insbesondere von F. Römer auf 
palaeontologische Einschlüsse gegründeten Devongliederung festhalten 
zu sollen. 

Es ist nicht meine Aufgabe, auf die rein theoretische Frage 
betrejfs der Altersdeutung Tietze's näher einzugehen; immerhin ist 
es aber auffällig, dass in unserem hier in Betracht kommenden Terrain 
nirgends eine Transgression der Grauwackengesteine über die mit 
Sicherheit erkennbaren Devongebilde beobachtet werden konnte, viel- 
mehr zeigen sich die Grauwackengesteine überall concordant, den 
anderen Devongliedern aufgelagert; erstere streichen und fallen 
völlig conform den letzteren. Wo ich am Pinker Bergbau aus den 
erzführenden, dem Unterdevon angehörenden Diabasschiefern und 



') Die geognostischen Verhältnisse der Gegend von Olraütz von Dr. E. Tietze, 
Jahrbuch der k. k gcol. R.-A. 1893, ßd. 43, Hft. 3, pag. 399—566. 



120 B'ranz Kretschmer. [92] 

deren Tuffen ins Liegende mit Querschlägen hinausgefahren bin (siehe 
das Profil Fig. 3 auf Taf. IV |2]) konnte ich nicht nur keine Discor- 
danz, geschweige denn eine Transgression der Schichten, vielmehr 
sogar in petrogr aph is eher Hinsicht successive Ueber- 
gänge vom Diabasschiefer und dessen Tuffen in phyl- 
litähnliche Thonschiefer und schliesslich in zweifellos 
klastische Thonschiefer beobachten, welch letztere bereits 
den Grauwacken einzuverleiben sind und nach der Altersdeutung 
Tietze's als culmisch anzusprechen wären, was wohl ausgeschlossen 
erscheint, da bei transgredirender Auflagerung eine scharfe Abgren- 
zung und kein successiver Uebergang der constituirenden Gesteins- 
elemente zu erwarten ist. 

Wohl sind die Diabasmandelsteine nebst ihren Schieferhüllen 
der Gesteinszone Sternberg— Bennisch gegen den Grauwackensand- 
stein scharf abgegrenzt, zeigen jedoch gegen diese nirgends trans- 
gredirende Auflagerung, vielmehr wechsellagern Diabasmandelsteine 
und Schalsteine mit den Thonschiefern und devonischem Encriniten- 
und Korallenkalkstein, sowie mit Grauwackensandstein in vollkommen 
concordanter Lagerung, wie die oben gegebenen als auch die Profile i) 
von dem Eisenerzbergbau bei Seitendorf nächst Bennisch (Schlesien) 
nachweisen. Dagegen habe ich discordante Auflagerung der Thon- 
schiefer, namenthch derjenigen, welche die Schieferhüllen bilden, auf 
den Diabasgesteinen innerhalb der Gesteinszone Sternberg— Bennisch 
nicht selten beobachtet, was mit der Präexistenz dieser 
Thonschiefer zusammenhängt. Ferner enthalten die Thon- 
und Mergelschiefer der Mandelstein - Schieferhüllen zuweilen 
gro sse Trümmer von Grauwackensandstein eingeschoben, 
welche möglicherweise durch dynamische Vorgänge beim Aufbruch 
der Diabase in die Thonschiefer gelangt sind, also ein directer 
Beweis für die frühere Anwesenheit der Grauwacke, 
so zwar, dass ein postdevonisches Alter derselben ausgeschlossen 
erscheint. 

Nach Massgabe des Profils auf Taf. III (1) beginnen die Grau- 
wackengesteine dort, wo sie an das Unterdevon anstossen , das 
letztere scheinbar unterteufend, mit einer Antiklinale westlich Mähr.- 
Neustadt; weiter gegen SO verschwinden sie unter der jungtertiären 
und quartären Ueberlagerung, so lässt sich also nur per Analogie 
schliessen, dass auch die übrigen Theile des in das Profil fallenden 
Grauwackengebiets zu Mulden und Sätteln gebogen sind, doch kann 
soviel mit Bestimmtheit constatirt werden, dass die Grauwacken bei 
Bladowitz und Rietsch überall südöstlich völlig concordant unter die 
unzweifelhaften oberdevonischen Thonschiefer (h des Profils) nebst den 
ihnen intercalirten Kalksteinlagern und die Diabasmandelsteine, sowie 
die Schalsteine (/) einfallen. Dasselbe Verhalten zeigen die im Hangen- 
den des Mandelsteinzuges folgenden oberdevonischen Grauwackensand- 
steine, also auch hier an der südöstlichen F o r m a t i o n s- 
grenze, sowie vorhin an der nordwestlichen keine 

^) Die Eisenerzberghaiie bei Hennisch (Schlesien) von Fr. Kretschmer: 
üesterr. Zeitschr. f. Berg- u. Hüttenwesen, Jahrg. XLII, S. 167 ff. 



I 



[93] J^i« EiseiierzlagerBtätten des mährischen Dovoii. 121 

Tran sgressi 011 der Schichten. Es erscheint somit gewaltsam, 
die Formatioiisgiieder ( /; f/, /.;) aus der natürlichen Reihenfolge heraus- 
zureissen und dem Culm zuzuweisen. 

Während sich Römer (Geologie von Oberschlesien, pag. .'U) f iir 
das Gebundensein der P]isenerze an die Diabase aus- 
spricht, V. C am erl ander (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1890) ebenfalls 
für diese Anschauung eintritt, verficht Tietze die Auffassung, dass 
nicht alle diese Eisenerze den devonischen Diabasgesteinen angehören, 
vielmehr denselben ein verschiedenes geologisches Auftreten eigen ist. 

Ich will die Unhaltbarkeit dieser Anschauungen auf Grund meiner 
langjährigen Beobachtungen bei den hier in Betracht kommenden lu'z- 
bergbauen nachweisen. Im Gebiete der bisher als subcarbonisch an- 
gesehenen (jrauwacken ist mir nicht ein Eisenerzvorkommen bekannt, 
auf dem eine nennensw^erte Eisenerzgewinnung stattgefunden hätte. 
Wohl spricht Camerlander in seiner erwähnten Arbeit (pag. 170 
[681) von alten Urkunden aus den Jahren 1080, 1200 und 1269, in 
welchen von Eisenwerken bei Laschtian und Domstadtl die Rede ist, 
sowie von Bergen daselbst, „in welchen Eisen gegraben wird". An 
beiden Oertlichkeiten kommen jedoch keine P^isenerzlagerstätten vor 
und dürfte die von Tietze bezweifelte Vermuthung Camerlander's 
jedenfalls richtig sein, dass es sich in jenen alten Urkunden um 
Hüttenwerke, aber nicht Eisenerzbergwerke gehandelt habe. 

Dagegen erhellt aus den obigen, auf (irund eigener Anschauung 
gegebenen eingehenden Schilderungen jener technisch wichtigen Eisen- 
erzlagerstätten, dass dieselben ausnahmslos den devonischen 
Diabaszonen angehören, mit diesen untrennbar ver- 
bunden sind und entweder, wie bei Sternberg, fast ausschliesslich 
an deren Grenze gegen die Nebengesteine (Thonschiefer) eingelagert 
sind, oder dieselben erscheinen direct zwischen die Diabasschiefer 
und deren Tuft'e eingebettet, wie hinsichtlich der Eisenerzvorkommen 
bei Pinke und Meedl nachgewiesen wurde. Was für die Eisenerz- 
niederlageii von Meedl. Pinke und Sternberg gilt, ist auch für die 
auf demselben Zuge liegenden Eisenerzlagerstätten im Urlich bei 
Klein-Mohrau, beziehungsweise Bittenwald — Neu-Vogelseifen — Wieder- 
grün, ferner von der Fortsetzung des Eisenerzlagerzuges Deutsch- 
Lodenitz— Bärn — Bennisch zutrelfend. 

Jedenfalls stammt s ä in m 1 1 i c h e s E i s e n j e n er L a g e r- 
Stätten im wesentlichen von den Diabasen her, die 
Diabasaufbrüche brachten das Eisen aus dem Erdinnern 
näher an die Tagesob e r fläche in Form von eisenreichem 
Augit, der zu Uralit und Chlorit umgewandelt wurde. Letzterer ist 
dann weiter gespalten worden in ein wasserhaltiges Thonerde-Silicat 
und Eisencarbonat, das auf die Wanderschaft ging und den Platz 
mit dem Kalkcarbonat ausgetauscht hat. Darum stehen Diabas- 
u n d Eisenerzlager im n o t h w e n d i g e n C a u s a 1 z u s a m m e n- 
hange, erstere bedingen letztere, ohne Diabas keine 
Eisenerzlager! Die oben geschilderten Eisenerzlager gehören 
fast ausnahmslos diesem Typus an, ein primärer Ursprung infolge 
von magmatischer Spaltung dürfte nur auf die im Diabasporphyrit 
und Diabasmandelstein vorkommenden, jedoch gänzlich untergeord- 

Jahib. d. k. k. geol. Reichsaiistalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. iFr. Kretscbiner.) IQ 



122 Frauz Kretschmer. [94] 

neten sowie unbauwürdigeii Magneteisenerz- beziehungsweise Braun- 
eisenerzlinsen beschränkt sein. 

Es ist bis nun über die oben geschilderten Eisenerzlagerstätten, 
sowie über die darauf umgehenden Bergbaue sehr wenig in die 
Oeffentlichkeit gedrungen, und nachdem die neuzeitige Bergbau- 
thätigkeit diesbezüglich überaus zahlreiche, als auch wertvolle Auf- 
schlüsse gebracht hat. und um diese nicht in unverdiente Vergessenheit 
gerathen zu lassen, ist eine auf Autopsie begründete Darstellung 
dieser unter denkwürdigen geologischen Verhältnissen auftretenden 
Eisenerzlager nicht nur keineswegs überflüssig, sondern zeitgemäss, 
weil dieselben auch künftighin in bergmännisch-technischer Hinsicht 
aller Beachtung würdig erscheinen. In wiefern ich meiner Aufgabe 
gerecht geworden, mag der nachsichtsvollen Beurtheilung der Fach- 
genossen überlassen bleiben. 



Inhalts -Verzeiehnis. 



Seite 

Einleitung 1—2 

I. Geologischer Theil. 

Hiezu das Profil auf Tafel III (1). 

Die Erzlagerstättenzüge 2 

Petrographisches Verhalten, Zusammenhang des allgemeinen Schichten- 

und Gebirgsstreichens 2-3 

A. Unterdevou. 

Allgemeine Lagerungsverhältnisse der einzelnen Formationsglieder und der 

beiden Erzlagerzüge 3 — 4 

Petrographisches Verhalten. 

Bradler Quarzite 4 

Ausseer Quarzite 4 — 5 

Meedler Quarzsandsteine 5 

Die Diabasschiefer und deren Tuffe, Beschreibung der einzelnen Varietäten 6—8 

Diabasschiefer von Aussee 8 

Diabasschiefer von Meedl, den ersten Erzlagerzug umschliessend .... 8—9 

Diabasschiefer von Pinke, den zweiten Erzlagerzug umschliessend .... 8—9 

Verwitterung und Umwandlung der Diabasschiefer 9—10 

Kalksteine , 10 

Granitähnlicher Gneiss (Protogyn) 10— U 

Contactgesteine (Phyllit) H 

Verbreitung und Gliederung. 

Zone der Bradler Quarzite als tiefstes Glied des Unterdevon, stratigra- 

phisches Verhalten, Altersbestimmung 11 — 13 

Archäischer Chloritgneiss an der unteren Grenze des Unterdevon .... 13 

Diabasgesteine und Phyllite bei Nebes, Steine und Rohle 13-14 

Lagerungsverhältnisse und Alter der Ausseer Quarzite ^ . . . 14 — 15 

Lagerungsverhältnisse und Alter der Meedler Sandsteine 15 

Verbreitung und Stratigraphie der Ausseer Diabasschiefer 15-16 

Verbreitung und Stratigraphie der Meedler Diabasschiefer 16 



[95] I^iß Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 123 

Seite 

Gneiss, Diabasschiefer und Phyllit am Wachbergkamm, Spitzlmbel bei 

Moskele und der Schönwälder grossen Ilorka 16—17 

Gänge silberhaltigen Bleiglanzes bei Neudorf 17 

Goldhaltige Quarzgänge bei Dünseifen 17 

Verbreitung und Stratigraphie der Pinker Diabasschiefer 17 — 18 

Lagerungsverhältnisse der Kalksteine 18—19 

B. Mittehlevon. 

Erzleere Grauwacken und Thonschiefer nebst den Kalksteinen 19 

Petrographisches Verhalten , 19—20 

Lagerungsverhältnisse und Gliederung 20 

C. Oberdevon. 

Petrographisches Verhalten. 

Grauwackensandsteine und Thonschiefer 21 

Kalkhaltige Thonschiefer und Kalksteine ... 21—22 

Diabasgesteine mit dem dritten Erzlagerzug, Beschreibung der einzelnen 

Varietäten, der Mandel- und Schalsteine, sowie der Breccien . . . 22 — 23 

Mikroskopische Analyse der Diabasgesteine . • . ... 23 — 24 

Vergleichung der oberdevonischen mit den unterdevonischen Diabasen . . 24—25 

Contactgesteine 25 

Verbreitung und Gliederung. 

Die Gesteinszone Sternberg— Bennisch, deren orographisches Verhalten 

und Lagerungsverhältnisse 25 

Fundorte der einzelnen Diabasvarietäten bei Sternberg und Umgebung . . 2G 

Profil der Schichtenfolge im OttilienstoUen bei Gobitschau 2G— 27 

Dislocationen und andere Störungen in dem Complex der Diabasgesteino 

und Thonschiefer bei Sternberg 27 — 28 

Organische Einschlüsse und Altersbestimmung 28—29 

Besondere Mineralvorkommnisse 29—31 



II. Bergmännischep Theil. 

Die Eisenerzlagerstätten und der Bergbaubetrieb 3l 

A. Bergbau Poleitz. 

Specielle Beschreibung der Erzkörper und deren mineralogische Zusammen- 
setzung, sowie des Grubenbetriebes 32—34 

B. Bergbau Meedl. 

Specielle Darstellung der Erzlagerstätten mit den Profilen. (Fig. 1) ... 34—37 

Die Ausfüllungsmasse derselben in mineralogischer Beziehung 37 — 39 

Chemische Analysen der Meedler Rotheisenerze 39 

Der Bergbaubetrieb der „Alten" 39—40 

Der neuzeitige Bergbaubetrieb: 

1. Der Witkowitzer Bergbau bei Meedl und seine maschinelle Aus- 

rüstung etc. 40—47 

2. Der Eisenberger Bergbau bei Meedl 47 

3. Der ßlanskoer Bergbau bei Meedl und Storzendorf 47 — 49 

Die Zukunft des Meedler Bergbaues und sein Erzreichthum 49 — 50 

C. Bergbau Pinke. 

Specielle Schilderung der Pinker Erzlagerstätten, hiezu Tafel IV (2) . • 50—55 

Die Pinker Erzlager in mineralogischer Hinsicht 55— 5G 

Chemische Analyse der Pinker Rotheisenerze 57 

Der Grubenbetrieb Pinke 57 — 61 

16* 



124 Franz Kretschmer. [96] 

Seite 

Die maschinelle Ausrüstung desselben 61—63 

Wirtschaftliche Verhältnisse und Erzvermögen 63 —64 

Genetische Betrachtungen über die Pinkor und MecMller 

Eisenerzlagerstätten 64—67 

D. Das Bergrevier Sternberg. 

ff. Gabrielenzeche am Altarstein nordöstlich Rietsch 67 

h. Sophienzeche im Liskowetz südlich Rietsch 68 

c. Georg- und Hugozeche im Liskowetz nordwestlich Kro- 
kersdorf und Robertzeche im Kuhgraben südöstlich 

Rietsch 68—71 

(l. Concordia-, Hubert- und Liborzeche im Walde „Draschba" nördlich 

Krokersdorf 71 

e. Hilaristollen im gutsherrlichen Walde „Dubsko" nordwestlich Gobitschau 

(Stachetenried) 71 

./, Eduardzeche im Riede „Raaba", 1*5 km nordöstlich Krokersdorf ... 71 
(f. Bartholomäuszeche im gutsherrlichen Walde „Kalkgraben" westlich der 

alten Strasse Sternberg— Deutsch-Hause 72 

h. Bergbau Ottilienzeche bei Gobitschau. 

Darstellung der Eisenerzlager 72 — 73 

Die neue Stollenanlage 73—74 

Die Grundwasserverhältnisse 74—75 

i. Willengotteszeche im Scheibenried nördlich Wächtersdorf 75 

k. Helene-, Mathias- und Sidoniazeche im fürstlichen Walde „Kaminka" 

in der Gemeinde Babitz 76 

/. Engelbert- und Albertzeche beiderseits der neuen Strasse Sternberg — 

Deutsch-Hause, circa 300 m nördlich Wächtersdorf 76 

m. Bergbau Sternberg, Paul-. Juliana- un d Pr o kopzeche in 
der Colonie Ob er au. 

Specielle Schilderung der Erzlagerstätten . . , 76-77 

Profil durch den Maschinen- und Prokopschacht (Fig. 2) 78 

Die mineralogische Constitution der Erzlager 77—79 

Der Bergbaubetrieb und anstehende Erzmenge 79—81 

«.. Bergbau Kam inka. 

Eingehende Schilderung der Eisenerzlagerstätte 82 

Deren Zusammensetzung in mineralogischer Hinsicht 82—83 

Der technische Grubenbetrieb und seine maschinelle Ausrüstung . . 83—85 
Jahresförderung, (Jestehungskosten, aufgeschlossene Erzmenge . . . 85 — 86 
0. Mathilde zeche westlich Wächtersdorf. 

Beschreibung der Erzlagerstätte und ihrer Störungen, sowie der 

Aufschlussbaue . , 86 

Profil der Erzlagerstätte (Fig. 3) 87 

p. Peinitzstollen im Scheibenried östlich der Colonie Levin 88 

Chemische Analyse der Eisenerze von Sternberg und Umgebung 88—89 

Allgemeine Betrachtangen über die Structur und die Verwerfungen der 

Erzlagerstätten in der Gesteinszone Sternberg - Benisch mit Fig. 4 . . 88 u 90 

Rückblick und Schlassl)emerkungen 91—94 



Die Fauna der unterpontischen Bildungen 
um Londjica in Slavonien. 

Von Prof. Dr. Karl Goi'janovic-Krainlx'rger. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. V). 

Der Ort Londjica liegt nahe dem östlichen Ende des Krndija- 
Gebirges, unweit Gradisce bei Kutjevo (siehe Specialkarte 1 : 75.000, 
Zone 24, Col. XVIII). Den Kern dieser Gegend bilden krystallinische 
Schiefer, welche zumeist nur in tieferen Wassergräben anzutreffen 
sind. In denselben finden wir auch petrefactenreiche Leithakalke, 
welche in Gestalt grösserer oder kleinerer Fetzen den krystallinischen 
Kern umgeben. An den Leithakalk schliessen sich stellenweise marine 
Mergel, dann sarmatische und präpontische weisse Mergel an, auf 
welchen endlich eine mächtige Folge pontischer Bildungen liegt. Alle 
erwähnten Gebilde sind durch diluviale Lehme und Sande überdeckt ^). 

Ich habe bereits von dem Fundorte Bekinac südlich Londjica 
in der nominirten Schrift (1. c. i)ag. 22 und 24) einer von Herrn 
Milan Turkovic, Herrschaftsbesitzer von Kutjevo, mir freundlichst 
zugesendeten Collecte Erwähnung gethan, in welcher ich 

Vdlenciennesia Eeussi Ncum. (nicht J\ annulafa h'fim^s.) 

PJanorbis sp. 

Card'mm Leyizl li. Hörn. 

Congeria hanatica E. Hörn, und 

Fischreste (Schuppen und Kiefer von Gadoiden) 

erkannte, und welche Fauna ich mit jener von Beocin verglich. 

Im Jahre 1898 überraschte mich Herr M. T urko vic abermals 
mit einer sehr netten Sammlung von Gastropoden und Lamelli- 
branchiaten, und zwar aus Babindol, südlich von Londjica. und 
der Gegend zwischen Crnaklada und Kovacevac östlich von 
Londjica. Die Suite von Babindol ist blos, was das petrographische 
Aussehen der Gesteine anlangt, verschieden von der vorerwähnten 
und aus Bekinac stammenden. Während der Mergel von letzterer 
Fundstelle grau ist, ist jener von Babindol und der Gegend von 
Crnaklada fast weiss und so weich, dass er bei Berührung abfärbt. 

') Gorjano vic -Kr am berger: „Geologija okolice Kutjeva". „Rad" der 
südsl. Akad Agram 1897. 

.lahrb. d. k. k. geol. Keichsanst., 1899, 49. Bd., 1. Ilft. (Gorjauovic-Kiainberger.) 



126 Prof. Dr. Karl Gorjanovi(5-Kramberger. [2] 

Indem die Faunen aller dieser Fundorte übereinstimmen, also 
einem und demselben Niveau angehören, so werde ich dieselben auch 
zusammenhängend schildern und blos bei jeder Art den betreffenden 
Fundort angeben. 



A. Ga stropoda. 

Gen. : Hydrobia. 

1. Hydrobia sp. ind. 

Von dieser Gattung liegt blos ein aus Babindol stammendes, 
ungenügend erhaltenes Exemplar vor, welches keine nähere Unter- 
suchung zulässt. 

Gen.: Limnaeus. 

2. Lünnaeiis velutinus Desh. 

(Taf. V, Fig. 1.) 

Limnaea vehifina Desh. — Sandberger: „Land- und Süsswasser- 
conchylien, Tab. XXXII, Fig. 10 und 10«. 
Diese grosse Limnaeen-Art wurde schon vonReuss („Palaeon- 
tolog. Beiträge VII. ^', Sitzungsber. d. k. k. Akad. d. Wiss., 57. Bd., 
pag. 92) und später von Lenz und A. Koch aus Beoßin nominirt^). 
Auch in Kroatien, und zwar in der Umgebung von Agram finden sich 
in den unteren pontischen Bildungen (entsprechend dem Beociner 
Cementmergel) grosse Limnaeen, welche sehr an Limn. vdntinus Desh. 
erinnern 2). 

Aus Babindol liegen 6 Exemplare eines Limnaeus vor, die noch 
am besten mit L. celutinns übereinstimmt. Sie sind zwar kleiner als 
die Deshayes'sche Art, mau kann sie indessen doch nicht von jener 
trennen. 

3. Linmaeus shnplex Krmnb.-Gorj. 

(Taf. V, Fig. 3.) 

Ein einziges, mehr in der Längsrichtung entwickeltes, ziemlich 
bauchiges Stück trenne ich von der vorerwähnten Art, da es sich 
sehr leicht durch seine Gestalt von jener unterscheiden lässt. Das 
Gehäuse dieser neuen Art ist 22 mm lang und IG mm breit. Die Ober- 
fläche des Gehäuses (vornemlich Steinkern) ist ausser einigen spär- 
lichen, hauptsächlich bei der Mundöffiiung vorhandenen Zuwachs- 
streifen, glatt. 

Fundort: Babindol. 



^) „Geologie der Friiska gora". Math.-natiirw. Berichte aus Ungarn, Bd. 
XIII, pag. 114. 

Lenz: „Beiträge zur Geologie der Fmiska gora in Syrmion". Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1873, 28. Bd., 3. Heft. 

*) Gorjanovic-Kramberger: „Das Tertiär des Agraraer Gebirges". 
Jabrl). d. k k. geol. K-A. 1897, pag 554. 



[3] Die Fauna ik-r iinterpoutischen Bildungen um Loiuljica in Slavonieii. 1 27 

4. (?) Limnaeus nobills lieiiss. 
iTaf. V, Fig. 2.) 
1868. Llmnaeiis nohllis lieuss: Palaeontol Beiträge (2. Folge). Sitzungs- 
berichte d. math.-naturw. Cl. d. k. Akad. d. Wiss. Wien, LVIl. 
Bd., I. Abth., pag. 85, Tab. II, Fig. 1 und 2. 
Diese interessante Art beschrieb Rcuss auf Grund von 4 Kxem- 
phiren, welche aus dem Steinbruche am Hahnenbach, eine Stunde SO 
von Arbegen, zwischen Madiasch und Hermannstadt, herrühren. 

Zwischen Crna klada und Kovacevac bei Londjica wurde ein 
samnit Abdruck erhaltenes Stück dieser Art aufgefunden, jedoch beide 
unvollständig. Aus eben diesem Grunde konnte die Artbezeichnung 
nicht als definitiv feststehend betrachtet werden, weil ja die Möglich- 
keit nicht ausgeschlossen werden konnte, dass uns hier etwa blos 
der Wirbeltheil einer Valendennesia Reussi vorläge. — Vorderhand 
mag wenigstens in unbestimmter Form das Auftreten dieser schönen, 
mit deutlich welligen Querfurchen versehenen Art gedacht werden. 
Ich werde nicht ermangeln, bei erster Gelegenheit die Fundstelle per- 
sönlich zu besuchen, um über das Vorhandensein dieser Art in den 
unteren pontischen Schichten Slavoniens Gewissheit zu verschaffen. 

Gen.: Valendennesia. 

5. Valenclennesia Reussi, Neum. 

1875. Valendennesia Reussi, Neum. : „Congerien- und Paludinenschichten 
Slavoniens". Abhandl. d. k. k. geol. R. -A., Vol. MII, pag. 81, 
Tai". IX, Fig. 22. 
1884. Valendennesia Reussi, Neum. Brusina: „Fauna der Congerien- 
schichten von Agram". Beiträge zur Palaeontol. v. Oester.-Ung., 
Vol. m, pag. 179, Tab. XXVII, Fig. 70 und 72. 
1897. Valendennesia Reussi., Neum. Brusina: „Materiaux pour la 
Fauna malacologique neogene . . ." Agram, pag. 1, Tab. I, Fig. 17. 
Diese merkwürdige Gastropodenart, welche genetisch zweifels- 
ohne von den Limnaeiden. insbesondere von der Art Limnaeus nohilis 
Reuss abzuleiten ist '), finden wir auch in Babindol in sehr schönen 
grossen Exemplaren vor, die ich nicht näher beschreiben will, da 
dies schon in der citirten Literatur erschöpfend geschehen ist. 

Gen.: Plaiiorbis. 

6. Flanorbis Turkovici, Kramb.-Gorj. 

(Taf. V, Fig. 4, 5 und G.) 

Dieser Gastropode ist so zu sagen das interessanteste Object 
dieser CoUecte. Es ist dies ein verhältnismässig grosser Flanorbis, 
der in 4 Exemplaren vorliegt. Obwohl keines davon intact ist, so 

^) Vergleiche diesbezüglich: Hauer: Verhandl. d. k. k. geol. R. A. 1867, 
pag. 234, und insbesondere: Neumayr: Die Congerien- und Paladinenschichteu 
Slavoniens, pag. 81. 



128 Prof. Dr. Karl Gorjaiiovic-Kramberger. [4] 

kann man doch alle Eigentliümlichkeiten dieser Art feststellen. Von 
den Dimensionen ist es blos die Höhe des Gehäuses, welche mir 
unmöglich ist zu bestimmen, da alle Stücke im Mergel eingebettet sind. 

Indessen ist die Sculptur des Oehäuses so bezeichnend, dass 
man imstande ist, schon nach einem Bruchstücke derselben diese 
Art zu erkennen. 

Wie gesagt, liegen vier Exemplare vor. die von zwei nahe 
liegenden Fundorten, nämlich Babindol und Dobra voda herrühren. 
Die drei abgebildeten Stücke zeigen uns ihre beiden Seiten; an 
zweien davon ist je eine Schalenpartie erhalten, so dass man an 
ihnen gleichzeitig die Sculptur der beiden Seiten des Gehäuses beob- 
achten kann. 

Das flache, zarte Gehäuse misst im Durchmesser bis 18 mm 
und besteht aus S^o allmälig anwachsenden Umgängen, die an der 
oberen Seite durch tiefere Furchen abgegrenzt sind, und dadurch 
etwas gewölbt erscheinen, während die untere Seite flacher ist. Die 
Breite des ersten Umganges beträgt nahe dem Mundrande 6 mm, 
während der zweite (in derselben Lage) ca. 3 mm misst. Die Sculptur 
der Schalenfläche ist sehr bemerkenswert, indessen ziemlich ver- 
schieden oben und unten. Die Oberfläche der oberen Schalenfläche 
scheint anfangs glatt zu sein; wendet man sie indessen gegen das 
Licht, bemerkt man sehr leicht drei Ileihen flacher, knotiger Er- 
höhungen, und gegen den Mundrand hin noch sehr zarte Zuwachs- 
streifen, knapp vor dem Rande selbst, auch stärkere Rippen. Gegen 
die älteren Windungen zu sind die regelmässig angeordneten Rippen 
sehr deutlich und überall mit drei Knoten versehen. — An der 
unteren Seite sieht man ausser feinen, dichten Zuwachsstreifen regel- 
mässig angeordnete, sehr deutliche Radial- (Quer) Rippen, die gegen 
die älteren Umgänge hin, allmälig dichter werden. Die einzelnen 
Rippen sind mit 7 — 8 deutlichen kleinen Knötchen verziert, welche 
indessen nach vorne zu (gegen den Mundrand) verschwinden. Es 
möge bemerkt sein, dass diese Knötchen an der inneren Schalen- 
seite weit kräftiger ausgeprägt sind als an der äusseren, wo man 
sie ziemlich schwer beobachtet. Die Rippen greifen auch etwas über 
den Rand 
erscheint. 

Diese FluHoi-hls-AYt scheint in der unteren Abtheilung (ins- 
besondere meiner 4. Etage) der pontischen Stufe eine ziemlich wich- 
tige Rolle zu spielen, da sie ausser in Slavonen auch in Kroatien 
und Ungarn vorkommt. Wenngleich es nicht dieselbe Art ist, die da 
angetroffen wird, so sind es doch ganz nahestehende Formen, welche 
in direct verwandtschaftlichen Beziehungen mit unserer Art stehen. 
Vor allem gedenke ich der Lör enthey'schen Art Flanorbis pon- 
ticH.^ 1), welche sich nicht nur blos bezüglich der Gestalt und der Zahl 
der Windungen, sondern auch theilweise in der Sculptur der Schale 
eng an unsere Art anscliliesst. 

M „Beiträge zur Kenntnis der nnterpontisclien Bildungen des Szilslgyer 
Comitates und Siebenbürgens." Klausenburg 1893. Ertesitö II, naturw. Sectiön, 
pag. 315 (27). Taf. IV. Fig. Ha. 



[5] Die Fauna der unterpontiscluüi Bildungen um Londjica iü Slavonien. \'2S) 

Sowohl der Planorhii^ potiticits Lör. als insbesondere unser 77. 
TnrkoDu'i ni. erinnert einjü;ermassen an jene Phinorben-Abtheilunfi, 
welche als „Armiyer'' bezeichnet wurde. Ich erwähne die Art J'l. 
(ArmUjer) cristatus Drap, aus den levantinischen Schichten von Khodus, 
welche uns (). v. Bukowski beschrieb'). Diese Art steht unserer 
bezüglich der Sculptur ziemlich nahe, nur ist sie bei weitem kleiner, 
da sie im Maximum 2 umi im Durchmesser erreicht. Sie schliesst 
sich übrigens viel enger an die recenten Formen dieser Planorben- 
Gruppe, von welchen ich die Arten Planorhls nautileu? Jj. mr. cr'ififatm 
Dnrp. und F(. nanüleu^ var. xpinalnsm CUs. erwähne •'), an. — Auch 
die Brusina'sche Art PL ptijcophorm, welche aus den Congerien- 
schichten der Umgebung Agrams stammt, dürfte diesem Formenkreis 
angehören. Nachdem aber diese Art noch nicht näher beschrieben 
und abgebildet wurde, so kann auch nichts über die verwandtschaft- 
lichen Verhältnisse derselben zu unserer Art gesprochen werden. 

7. Planorbis tenulstrlatus Kramh.-Gorj. 

(Taf. V, Fig. 7.) 

Das flache, aus 41/0 durch ziemlich scharfe Nahten getrennten 
Windungen bestehende (lehäuse misst im Durchmesser 14-6 mm. Die 
einzelnen Windungen wachsen nur allmälig an so zwar, dass die erste 
um die Hälfte breiter ist als die ihr vorangehende. Der äussere 
Rand des Gehäuses ist etwas comprimirt. 

Die Oberfläche des Gehäuses ist mit äusserst feinen Streifen 
dicht bedeckt, die indessen nur mit Hilfe der Lupe wahrnehmbar sind. 

Fundort: Babindol. 

8. Planorbis sp. äff. Radmanesti, Fuchs. 

1870. Planorbis Radmanedi, Fuchs. Jahrb. d. k. k. geol. K.-A. Wien, 

XX, pag. :i46, Tab. 14, Fig. i;-5-lG. 
1884. Planorbis Jiadmanesti, FucJts. Brusina: „Die Fauna der Con- 
gerinenschichten von Agram . ." Beiträge z. Palaeontol. Oester.- 
Ung., HI. Bd., pag. 176, Tab. XXX, Fig. :-30— 32. 
Dieser Art theile ich vorläufig ein einziges aus Babindol stam- 
mendes Exemplar zu, welches ziemlich gut zur Fuchs'schen Be- 
schreibung passt. — Durchmesser des Gehäuses: 4'5 mm. 

Gen.: Valvata. 

9. Valvala sp. 

Hieher gehört ottenbar ein deformirtes Gehäuse, welches nicht 
näher bestimmt werden kann. 



^) „Die levantinische Molluskeufauna der Insel lUiodns". I. Theil, Wien 
1893. Denkschr. d. niath.-naturw. Cl. d. k. Akad., pag. 18, Tab. VIII, Fig. 2—3. 

^) Clesin: „Die Familie der Liranaeiden'. Nürnberg 188G, pag. 152 und 
153, Tab. 21, Fig. 5 und 7. 

.Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., 1899, 49. Bd., 1. Htt. (Gorjaiiovic'-Kriiniberger.) I7 



"130 Prof. Dr. Karl Gorjanovid-Kramberger. [6] 

Gen. : Zagrabica. 

10. Zagrabica cf. rhytiphora Brus. 

1897. Zacjrabka rhi/tiphora, Brus. „Materiaux pour la Fauna mala- 
colog ..." Agram. Tab. XIII, Fig. 12 und 13. 

So bezeichne ich ein ungenügend erhaltenes Gehäuse, welches 
bezüglich seiner Sculptur an die eben genannte Art erinnert, nur dass 
die Querlinien unseres Exemplares bei weitem zarter und verhältnis- 
mässig etwas breiter sind. 

Fundort: Babindol. 



B. Lamellibranehiata. 
Gen.: Coiigeria. 

1. Congeria hanatica B. Hörn. 

1875. Congeria hanatica, R. Hörn. Hörnes: „Tertiärstudien". Jahrb. 

d. k. k. geol. R.-A. Wien 1875, pag. 75 und 76, Tab. III, Fig. 

2—5. 
1897. Congeria hanatica, R. Hörn. Andrusow: „Fossile u. lebende 

Dreissensida'' Eurasiens". Petersburg, pag. 211 (Resume, pag. 45), 

Tab. XI, Fig. 18-20. 

Die von Babindol und Crnaklada stammenden, hieher gehörigen 
Exemplare entsprechen ganz der von Hörnes gegebenen Beschrei- 
bung, und zwar entspricht seine Fig. 3 unserem aus Crnaklada (bei 
Kovacevac). und seine Fig. 4 unseren aus Babindol stammenden 
Stücken. 

2. Congeria zagrahiensis Brus. 

1883. Dreissena zagrahiensis Brus. „Congerienschichten von Agram". 

Beiträge zur Palaeontol. Oesterr.-Ung., Bd. III, pag. 140, Tab. 

XXVII, Fig. 52. 
1894. Congeria zagrahiensis Brus. „Fauna von Dubovac". Jahrb. d. 

k. k. geol. R.-Ä., Vol. XLIII, pag. 372, Tab. VI, Fig. 1. 
1897. Congeria zagrahiensis Brus. „Materiaux pour la Fauna mala- 

col. .."." Agram, pag. 29, Tab. XVI, Fig. 3. 
1897. Congeria zagrahiensis Brus. Andrusov: „Fossile und lebende 

Dreissensidae^^ . Petersburg, pag. 199, Tab. IX, Fig. 17 — 21. 

Von dieser sehr charakteristischen Art habe ich mehrere Exem- 
plare aus Babindol, und zwar so typische, dass es ganz überflüssig 
wäre, eine Abbildung davon zu reproduciren. 



[7] Die Fauna der unterpontischcn Bildungen um Londjicii in Slavonieu. 131 

Gen. : Limiiocardiuni. 

3. Limnocardkim Ahichiforniis Kramb.-Gorj. 

(Taf. V, Fig. 12, l;$ und 14.) 

So benenne ich eine in mehreren Exemplaren vorliegende, aus 
Babindol stammende Art, welche auf den ersten Blick der Art Car- 
(Uuin Äbichi R. Hörn, anzugeliören scheint, sich indessen von dieser 
durch constante Merkmale unterscheidet. 

Das hauptsachlichste Merkmal des C. Abichi bilden die geschlos- 
senen Schalen, dann die zehn schütter angeordneten Radialrippen, 
zwischen welchen noch hie und da schwache Falten auftreten, dann 
der scharfe, zur hinteren Seite verlaufende Kiel, hinter welchem die 
Schale entweder glatt ist, oder von einer schwachen Rippe durch- 
zogen wird. — Unsere Exemplare haben zwar auch dünne, ovale, un- 
gleichseitige und hinten abgestutzte Schalen, besitzen aber immer 
12 — 14 Radialrippen, die ziemlich von einander entfernt auftreten, 
jedoch zwischen sich keine secundären Rippen oder Falten bergen, 
und was besonders hervorgehoben sein mag. hinter der stärksten nach 
hinten verlaufenden Rippe immer noch drei sehr deutliche Rippen 
zeigen. Ausserdem beobachtet man an der Schale noch schwache 
Zuwachsstreifen. 

Vergleichen wir unser Limnocardium mit Limn. Äbichi, so lässt 
sich einerseits ihre enge Verwandtschaft nicht leugnen, andererseits 
aber, falls wir zu den älteren nahen Formen zurückgreifen, eine 
genetische Formenreihe zusammenstellen, die uns dann auf eine mit 
schüttern. gleichartigen Rippen versehene Stammart, nämlich auf das 
Linmocanl. p/icatum Eichw. zurückführt. Man hätte demnach das 
schütterrippige sarmatische Card, plicatum als Stammform betrachtend, 
in der Art Limnoatvd. plicataeformis in. den präpontischen etwas 
degenerirten Nachkommen mit schwach geknoteten Rippen, und im 
Limnoc. Abiclii/onnis m. den glattrippigen, sonst gleichartigen pon- 
tischen Vertreter des Limnoc. plicatum zu erblicken, von denen sich 
Limnoc. Abichi It H. blos durch die Reduction der hinteren Rippen, 
respective der Rippenzahl auszeichnet. 

Limnoc. Abichiformis m. — Limnoc. Abichi R. Hörn. 
~ — - Limnoc. plicataeformis m. 

1 

Limnoc. plicatum Eichw. 

Ich muss noch bemerken, das ein junges, ebenfalls aus Babindol 
stammendes Exemplar unserer neuen Art blos sieben weit stehende 
Rippen und eine Falte vor der kräftigen, nach hinten ziehenden Rippe 
zeigt. Obwohl das Stück, wie bemerkt, jung ist, so hat es doch au 
der hinteren Seite zwei Rippen, welche sonst, wie es scheint, bei 
jüngeren Exemplaren der Art Limn. Abichi R. H. dort fehlen. 

17* 



1\32 Prof- r>i". Karl Got-jaiiovi(^-Kraml)erger. [g] 

Erwacli seile Stücke unserer Art erreichen 30 nun Länge und 
21^' '«'" an Breite: oder es verhält sich die Länge zur Breite wie 
= Vb: l. 

4. Limnocardimn asperoro.sfafmn Kramh -Gorj. 

(Taf. V, Fig. 10 und 11.) 

Dieses, flache Liiiinocardium hat die Gestalt des Limn. ntiophorum 
ßrus., ist indessen bedeutend grösser und weist eine geringere An- 
zahl von Rippen auf. Während jene 33 — 35 Rippen besitzt, hat unsere 
neue Art blos 10. Dieselben sind nicht sehr hervortretend, indessen 
doch bezeichnend: zwischen je zwei Rippen befindet sich ein ebenes 
Feld, und an der Basis der Rippe, eine mit derselben parallel laufende 
etwas erhabene Linie. Der Rippenkamm ist beschuppt und ausserdem 
die ganze Schale mit zarten Zuwachsstreifen versehen. Diese feinere 
Oberflächensculptur wurde nach einem Abdrucke, welcher sich neben 
der abgebildeten Art befindet, beschrieben. — Die in natürlicher 
Grösse dargestellte linke Schale ist 26 nun lang, 21 mm breit und 
etwa 5 nnn dick. 

Fundort: Babindol (4 Exemplare). 

5. Limnocardümi otiophoruin Brus. 

1884. Ädacna otiophora Brus. „Die Fauna der Congerienschichten von 
Agram..." Beiträge zur Palaeontol. Oesterr.-ling., Bd. III, pag. 
158, Tab. XXIX, Fig. 45 und 46. 

1897. Limnocardium otiophonim Brus. „Materiaux pour la Fauna 
malacol. ..." Agram, pag. 53, Tab. XX, Fig. 14. 

Von dieser kleinen Muschel besitze ich 4 Exemplare aus Ba- 
bindol. Die grösste davon ist 8mw lang und '6'2mm breit; die kleinste 
6"2 mm lang und 5*3 mm breit. 

Gen.: Pisirtiiim. 

In diese Gattung reihe ich einige sehr interessante Schalen, 
die sich von den sonst bekannten Pisidien dadurch unterscheiden, 
dass sie einen kräftigen, nach rückwärts zu verlaufenden Kiel, und 
hinter diesem eine mehr minder kräftige Falte aufweisen. 

Aehnliches beobachten wir an einem Pisldiimi, den uns Sand- 
berger in seinem Atlas auf Taf. XXXIII, Fig. 4 darstellt. 

Unsere aus Babindol und Crnaklada stammenden Pisidien ge- 
hören zwei Arten an, die sich sehr gut durch den mehr oder weniger 
vorgezogenen vorderen Muschelrand unterscheiden. 

6. Pisldium cosfatnm Kramb.-Gorj. 

(Taf. V, Fig. 8.) 

Schale 9 mm lang. 7-5 mm breit, vorne abgerundet, hinten 
schräge abgestutzt. \'om Wiihel zieht sich nach hinten zu ein scharfer 



[O] ' I>i(' Fauna der iintei-ponti^chon Hildiingeii lim I.ondjica in Slavonien. 1 :i;5 

Kiel, hinter welcliein sicii nödi eine leichte Falle befindet. — Die 
Schale ist sonst mit Zuwachsstreifen versehen. 

Fundort: I^abiridol (2 Exemplare i. 

Bemerkung: P]in derartiges Pmdium fand ich auch in den 
tieferen i)0htischen Schichten von Gornji Stenjevac bei Agram. 

7. Pisidiuni protradum Kraiuh.-ijorj. 

. (Taf. V, Fig. 9.) 

Schale 13 mm lang und 8 mm hoch. Der verlängerte Vorder- 
rand auffallend nach vorne gezogen; der ebenfalls längere, jedoch 
breitere Hinterrand abgestutzt. Vom Wirbel zieht sich nach hinten 
zu ein deutlicher Kiel hinter welchem eine Falte sichtbar ist. — 
Das eben beschriebene Exemplar stammt aus Babindol. — Ein aus 
der Gegend von Crnaklada herrührendes Stück ist bei l5o wni lang. 



Schlussbemerkung. 

Die Fauna um Londjica (Babindol, Crnaklada— Kovacevac, Dobra 
voda) ergab folgende Liste: 

Hijdrohia .s/>. 

L'nnnaeui^ cf. rehd'niu?. Desli. 
(?) „ nohili?, Reuss 

„ simpIex Kramb.-Gorj. 

l^aleficiemiesia Reuss/\ Neum. 
Thiiiorhlx J'url'ovia, Kyamb.-Gorj, 
,, fPHiiistriatiis Kramb.-Gorj. 

„ sp. uff'. Radtnanesti Fuchs 

J^alvata i^p. 

Zagrabica cf. rlii/fiplioya Bikk. 
Congeria banatica R. Hörn. 
„ zagrabiensis Brns. 
Limnocardium AbicJiiformis Kramb.-Gorj. 
„ asperocosfatum Kramb.-Gorj. 

„ ofiophorum Ems. 

Fisidium cosfatiUH Kramb.-Gorj. 
„ protractum Kramb.-Gorj. 

Fischreste. 

Unter den angeführten Mollusken sehen wir Lhnnams celufinus, 
dann Congeria banatica, welche gewöhnlich in den unterpontischen Bil- 
dungen auftreten. Ausser diesen müssen noch erwähnt werden PJa- 
Horbis Tiirkovici und Limnocardimu Abichiformis als dependente Formen 
für P/atiorbis pordicui^ Lör. und L/mnoc. Abichi /.'. Hörn. Wenn auch 



134 Prof. Dr. Karl Goi;janovJc-Kramberger. no] 

der Betrag der übereinstiinmeiiden Formen ein geringer zu sein 
scheint, so ist dies doch blos dem Umstände zuzuschreiben, dass die 
einzehien tieferen pontischen Faunen nocli unzulänglich faunistisch 
ermittelt sind. Trotzdem kann es als feststehend betrachtet werden, 
dass die Faunen von Babindol, Bekinac. Crnaklada, ßeocin in Sla- 
vonien mit der entsprechenden des Ägramer Gebirges (Kremenjaker 
Kalkniergel), und der Localitiiten Novi Marof in Kroatien und Olah- 
Lapäd in Ungarn gleichalterig, ja einer und derselben Etage (meiner 
vierten) angehören, somit unter dem „ii'//oy//Ao/V/ea-Niveau" und dem 
„Li/rcaca-EoYizowV der oberen pontischen Abtheilung liegen. 



Beiträge zur Parallelisirung derMiocänbildungen 

des piemontesischen Tertiärs mit denen des 

Wiener Beckens. 11/) 

(Nach Studien, ausgeführt im Herbste 1898.) 
Von Franz Schauer. 

Mit 2 Profilen im Text. 

Um meine im Frühjahre 1898 begonnenen Untersuchungen in 
dem westlichen Tertiärbecken Oberitaliens, insbesondere in dem an 
den Apennin sich anschmiegenden Südschenkel der Synclinale fort- 
zusetzen, begab ich mich im Herbste desselben Jahres nochmals in 
das junge Bergiand von Piemont und Ligurien^). 

Gleichzeitig wollte ich einer liebenswürdigen Einladung des 
Cav. Luigi Rovasenda in Sziolze zum genaueren Studium seiner 
so überaus reichen und für das in Frage stehende Gebiet so 
interessanten geologischen Sammlung nachkommen. Leider mangelte 
es mir aber zum Schlüsse an der für diesen Zweck erforderlichen 
Zeit, so dass ich mich auf einen kurzen Besuch dieser so merkwürdigen 
Localität beschränken musste. 

Obwohl die Resultate meiner früheren Untersuchungen bei 
Beginn der neuen noch nicht publicirt waren, zog ich es dennoch 
vor, beide Theile separat zu behandeln, da dadurch der innere Zu- 
sammenhang nicht viel einbüsst, und die nur skizzenhafte Darstellung 
ganz dem Charakter der aus der Gesammtfülle der Erscheinungen 
herausgegriffenen partes disjectae entspricht. 

Meine stratigraphischen Studien, verbunden mit einer möglichst 
eingehenden Ausbeutung einzelner Fundstätten, verfolgten auch diesmal 
den Zweck, zur detaillirten, auf palaentologischer Grundlage fussenden 
Kenntnis einzelner Horizonte beizutragen, um dadurch Anhaltspunkte 
für eine weitergehende, über grössere Gebiete sich erstreckende 

') Siehe ersten Theil dieser Beiträge. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1898, 
Bd. 48, Heft 3. 

^) Streng genommen wäre also der für diese Arbeit gewählte Titel ungenau, 
aber die politischen Grenzen Liguriens können wohl mit Berechtigung ausser Acht 
gelassen werden, da der in diese Provinz reichende Theil der Tertiärmulde nur 
unbedeutend ist und im Vergleiche zu der Piemont angehörigen Hauptmasse ganz 
vernachlässigt werden kann. Er ist ein Theil des grossen „piemontesischen 
Tertiär be cken s". 

Jahrbuch d. k. k, geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Schaffer.) 



136 Franz Schaffer. [2] 

rarallelisirung ganzer Schichtencomplexe zu gewinnen. Denn um die 
Sache von einem höheren Standpunkte aus betrachten zu können, 
fehlt es bis jetzt noch an den nöthigen genau bekannten Einzelheiten, 
aus deren Menge erst die Auslese der charakteristischen, allgemein 
giltigen Merkmale zu geschehen hat. 

Vor allem Anderen muss ich, um etwaigen Missdeutungen vor- 
zubeugen, einen unliebsamen Irrthum richtigstellen, der sich ohne 
mein Verschulden in den ersten Theil dieser Beiträge eingeschlichen hat. 

Da nämlich mein beabsichtigter Besuch der Localität Vignale, 
der mich über die Stellung des über der typischen pietra da cantoni ^) 
liegenden Mergels aufklären sollte, damals vereitelt wurde, so musste 
ich mich darauf beschränken, eine mir von Herrn Dr. F. Vaschetti 
in liebenswürdigster Weise mitgetheilte Faunenliste wiederzugeben. 
Leider verwechselte der genannte Herr, der seine Untersuchungen 
nur als Liebhaber betreibt, die beiden Horizonte „Elveziano" 
und „Tor toniano" und sandte mir eine Liste von Fossilien des 
„Elveziano" — der hier sehr sandreichen pietra da cantoni — 
unter der Bezeichnung „Tor toniano", so dass ich annehmen musste, 
sie stammten aus den von den italienischen Fachgenossen für tortonisch 
angesehenen Mergeln. 

Diesen Irrthum konnte ich erst jetzt bei einer persönlichen 
Unterredung mit Herrn Dr. Vaschetti feststellen. 

Da aber die grösstentheils aus der pietra da cantoni stammenden 
Fossilreste auf eine bedeutende Meerestiefe hinweisen, und da sie 
nach der irrthümlichen Angabe über diesem unseren Horner- 
schichten entsprechenden Horizonte auftreten sollten, so sprach ich 
die Meinung aus, dass die oberen Mergel unserem Schlier ent- 
sprächen. 

Diese Ansicht ändere ich jetzt nach dem Besuche der Localität 
durchaus nicht, da diese spröden Mergel fossilleer sind. Wenigstens 
konnte ich selbst trotz eifrigen Suchens keine organischen Ileste darin 
entdecken, und auch einer privaten Mittheilung des Herrn Dr. G. de 
Alessandri zufolge wurden nie welche daraus gesammelt. 

Damit glaube ich den übrigens belanglosen Fehler berichtigt 
zu haben. 

') Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf eine Tliatsuche von jjrincipieller 
Bedeutung hinweisen, die ich schon hei der Besprechung der Ijocalität Rosignano, 
wenn auch nicht mit gel)ührendem Nachdrucke, hervorhob. Es wird nämlich von 
den italienischen Forschern die pietra da cantoni stets als „arenaria", als 
Sandstein, bezeichnet. Thatsilchlich ist auch ihr Aussehen dem eines feinkörnigen 
^Sandsteines sehr ähnlich. Aber wenn man ein Stückchen mit verdünnter Salzsäure 
behandelt, so zeigt sich ein so bedeutendes Vorherrschen kalkiger Substanz, dass 
die Grundlosigkeit dieser Bezeichnung sofort augenscheinlich wird. Der grünlich- 
graue, thonigfette Rückstand enthält nur mikroskopische Tartikelchen von kieseliger 
Substanz und winzige Glimnierschüppclion. 

Selbstverständlich gilt dies nur von den reineren Gesteinsjiartien und kann 
nicht auf die stark mit Sand vermengten Vorkommnisse ausgedehnt werden. 

Tch balie daher für die pietra da cantoni nach dem massenhaften Auftreten 
der Gattung (Uobiyerimt (neben anderen Tiefseeforaminiferen) die Bezeichnung 
G lobiger inenkalkstein gewählt, um damit auch ihre ausgesprochene Aehn- 
lichkeit mit dem lower globigerina limestone von Malta und Gozzo hervorzuheben, 
der ebenfalls vielfach als Sandstein angesehen wird. 



[;5] Beitr. z. rarallolisirung d. Mi()cäiii)il(lniigeii d. picmont Tertiärs ntc. \l]'J 

Der Punkt, auf den ich diesmal meine Aufmerksamkeit liaui)t- 
sächlich concenti-irte, und auf dessen Studium ich den grössten Tlieil 
der verfügbaren Zeit verwendete, war Serravnlle-Scrivia. 

Um das dieser Localitiit anhaftende Interesse zu erliöhen. dazu 
trug vor allem der Umstand bei, dass an iiir einer der eifrigsten 
Forscher in dem (iebiete der tertiären Ablagerungen Euroi)as, ins- 
besondere auch in denen des oberitalienischen fjeckens, Charles 
May er -Ey mar, lange Jahre hindurch eingehenden Studien oblag, 
deren Resultate aber bisher nur theilweise bekanntgegeben wurden. 

Schon 1877 bedauerte Th. Fuchs \) anliisslich seinei- Studien- 
reise in die Tertiärgebiete Oberitaliens die Zurückhaltung des ge- 
nannten Forschers, der die gewiss reichen Ergebnisse seiner Arbeit 
der Oeffentlichkeit vorenthält, und heute, nach zwanzig Jahren, muss 
man das Fehlen einer diesbezüglichen ausführlichen Schrift noch 
immer beklagen. 

Denn die Arbeiten ]\areto's2) haben bei dem i'aschen Fort- 
schritte und nach dem heutigen Stande der Foi'schung nur mehr 
historisches Interesse, und die veröffentlichten Resultate dei- älteren 
Untersuchungen May ei's 3j besitzen nicht den nöthigen Grad von 
Detailbeschreibung, da sie sich über zu ausgedehnte Landstriche er- 
strecken ; zudem sind seithei' zwei Decennien verflossen. 

Th. Fuchs, der im Jahre 1S77 das Profil von Sei-ravalle — 
freilich nur flüchtig — verfolgte, sprach sich sehr skeptisch über 
dessen von Mayer immer hervorgehobenen stratigraphischeu Wert 
aus, Aveil er den erwarteten Fossilreichthum der einzelnen Horizonte 
vermisste. Und in der That ist nur ein unserem Badener Tegel ent- 
sprechendes Schichtglied durch seinen aber wirklich überraschenden 
Reicdithum an Fossilresten ausgezeichnet, alle anderen behergen sie 
nur in spärlicher Menge, und blos durch eingehende Untersuchungen 
war es mir möglich, eine Anzahl bestimmbarer Fossilien aus manchen 
Schichten zu erbeuten. Auch fehlt in diesem Profile das Aequivalent 
unserer Horner Schichten in faunistisch charakterisirter Ausbildung, 
und die Stellung der an der Basis der miocänen Bildungen auf- 
tretenden fossilleeren Schichtglieder ist eine sehr fragliche. Gleich- 
wohl ist die Vollständigkeit der Schichtserie vom Schlier bis in das 
jüngste Miocän Grund genug, dieses Profil als Normalprofil des Süd- 
schenkels der piemontesischen Tertiärmulde eingehender zu besprechen. 

Die Ortschaft Serravalle-Scrivia liegt an der wichtigen, von 
Novi-Ligure nach Genua über den Roncopass führenden Weltstrasse, 



^) Th. Fuchs, Studien über die Gliederung der jüngeren Tertiärbildungen 
Oberitaliens. Sitzber. d. k. Akad. d Wiss. LXXVII Bd., I. Abth., 1878. 

^) L. Paieto, Note snr les subdivisions que l'on pourrait etablir dans ies 
terrains tertiaires de l'A pennin septentrional. Eull. soc. geol. France. 2. ser., 
tom. XXII, pag. 210. 

L. Pareto, Coupes ü travers 1' Apennin des bords de la Mediterranee <\ la 
vallee du Pö, depuis Livnurne jusqu'ä Nice. Bull. soc. geol. France. 2. ser., 
tom. XIX. 

*) Ch. May er-Eyniar, Sur la carte geologique de la Ligurie centrale. 
Bull, soc geol P'rance. 3. ser., tom V, pag. 282. 

Ch. Mayer-Eymar, Studii geologici sulla Liguria centrale. Bell. com. 
geol. It. Vol. VIII 1877, pag. 407. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1899, 49. Band, i. Heft. (Fr. Schatfer.) 18 



138 Franz Schaffer. [4] 

dort, wo sich die Vorberge des Apennin steil aus den jungen Alluvien 
der Ebene erheben. Die Tieflandsbucht von Novi erstreckt sich süd- 
wärts zwischen die niederen Höhenzüge der jüngsten Tertiärzeit bis 
knapp vor Serravalle. Hier verlässt die Scrivia das enge Thal, in 
welchem sie das Gebirge durchbricht, und das dem Orte den Namen 
gegeben hat. Im Sommer fast wasserleer, bietet das 50 — 60 m breite, 
von hohen, senkrechten Wänden eingesäumte Flussbett einen ganz 
eigenthümlichen Anblick. Die ganze Schichtfolge ist an diesen Fluss- 
rändern vortrefflich aufgeschlossen, und es lässt sich hier der ein- 
fache geologische Bau dieses in orographischer Hinsicht so äusserst 
mannigfaltigen, pittoresken Berglandes sehr gut verfolgen. Die in 
einem mit dem geologischen Alter abnehmenden Neigungswinkel gegen 
N fallenden Schichten wechseln in ihrer petrographischen Beschaffen- 
heit ausserordentlich und bedingen dadurch die Mannigfaltigkeit der 
Terrainverhältnisse, die bei der ungeheueren Mächtigkeit der einzelnen 
Horizonte ganz von deren Natur abhängig zu sein scheinen. Tiefe, oft 
schluchtenartige Nebenthäler folgen dem Streichen der leichter zer- 
störbaren Mergelschichten, und in scharfen Contouren erhebt sich 
das widerstandsfähigere Material, wie Conglomerate oder Sandsteine, 
zu beträchtlicher Höhe über die Thalsohle. 

Die grösstentheils nur spärliche Pflanzendecke gestattet zudem 
ein leichtes Verfolgen einzelner Horizonte über weite Strecken, Den 
Thalboden, der in einer Meereshöhe von ca. 220 w liegt, bedeckt 
eine mehrere Meter mächtige Decke von typischem Löss, der in 
einigen Ziegelöfen Verwendung findet und nach Aussage der Arbeiter 
öfters Knochenreste geliefert hat. Oberhalb Serravalle verschwindet 
er doch bald. 

Da es gerade in diesem Profile sehr schwierig ist, eine untere 
Grenze für die in den Bereich meiner Untersuchung zu ziehenden 
jüngeren tertiären Bildungen festzustellen, so beginne ich mit einem 
fossilleeren, von den italienischen Geologen ^) noch dem Oligocän zu- 
gezählten, von Th. Fuchs 2) als Flysch angesprochenen Schichtgliede, 
das bei Arquata-Scrivia längs des Flusses und an den steilen Hängen 
gut aufgeschlossen ist und in der nächsten Umgebung Höhenrücken 
bis 388 m. zusammensetzt. Der letztgenannte Forscher erwähnte aber 
damals das Vorkommen von losen Blöcken eines Bryozoen, Nummuliten 
und Pectenscherben enthaltenden Gesteines mitten im „Flyschgebiete" 
und knüpfte daran die Vermuthung, dass solche versteinerungsführende 
Schichten in der Nähe anstehend vorkommen dürften. Mir gelang es 
jedoch nicht, etwas Derartiges aufzufinden. 

Die petrographische Beschaffenheit dieses tiefsten hier in Be- 
tracht gezogenen Horizontes ist eine äusserst wechselnde. Wenn man 
bei der Ortschaft Varinella in das Flussbett der Scrivia hinabsteigt 
und das an den steilen Uferwänden aufgeschlossene Profil verfolgt, 
so sieht man grobkörnige Sandsteine mit sandigen Mergeln, mit 
Conglomeraten und wahren Blockanhäufungen wechsellagern. 

1) V. Sacco, I terreni terziari del Piemonte e della Liguria setteutrionale. 
1886, 1:25.000 Blatt Serravalle— Scrivia. 

F. Sacco, II bacino terziario del Piemonte. Milano 1889. 
») Th. Fuchs, 1. c. pag. 34. 



[5] Boitr. z. Parallelibirung d. Miocänbildungen d. pieinont. Tertiärs etc. 139 






'uuoqr'j 0SS(}^ M^ 



CS 



vudquog- jr>j^ 



^uziopVfY ip v^sojp 



2 v^vit^S^ff v^soj 



7JtSX> p -aoooff 



O'^soa^juoiY fe* 



ü 


o 


^ 


._ 


«. 


9 


CC 


^ 


"S 


ÖD 

8' 


•^ 


Si 


_c 


s 


O 


1 


t3 


'S 


^ 


O 




□ 


o 


M 





_; o 



rt 

s 




3 
Ä 


3 


3 


1 


o 


i 


"o 


o 




"äj 


"Sj 


-a 


fcß 


TS 


"? 


bjD 



:b ^ w H 






i O -H C-J CO -* lO 



18* 



140 Vranz Schaffer. [6] 

Der Sandstein ist ein !;rauer. dickbankiger, mürber Quarz- 
sandstein, der auf den Scliichtflächen Fliesswülste erkennen lässt. wie 
sie bei unserem Flyschsandsteine vorkommen, mit dem er auch sonst 
grosse Aelinlichkeit aufweist. Doch ist sein Korn im Allgemeinen 
gröber, und es fehlt der Glimmer fast vollständig, während kleine 
Glauconitkörper darin auftreten. Fossilreste sind mir aus diesem 
Sandsteine nicht bekannt. F^r geht stellenweise in dunkelgraue, 
bröckelige, sandreiche Blätterniergel über, die ebenfalls vollständig 
fossilleer sind, und mit diesen wechsellagern dann wieder Conglomerate 
und Gerolle von Urgestein und Serpentin. Die Grösse der einzelnen 
Geröllstücke ist sehr verschieden. Sie erreichen mitunter Kopfgrösse. 
An mehreren Stellen nehmen sie aber ganz gewaltige Dimensione^i 
an, und Blöcke von mehreren Gubikmetern Inhalt treten in mächtigen 
Bänken angehäuft auf. so dass man von wahren Blockanhäufungen 
sprechen kann. Dabei konnte ich stets nur wohlgerundete, aber nie 
eckige Trümmer beobachten. Es kann also keinem Zweifel unter- 
liegen, dass dieses Material von bewegtem Wasser transportirt 
wurde. 

Diese Blocklager und Conglomerate inmitten des äusserst 
mächtigen, fossilleeren Horizontes erinnern auffallend an die analogen 
Bildungen der nächsten Umgebung von Turin (Superga) und anderer 
Orte, die dort überall an der Basis des Miocäns auftreten, und an 
die Conglomeratbänke vom Santuario di Crea (basso Monfferrato), 
die mir eine dem tiefsten Miocän entsprechende Fauna geliefert 
haben ' ). Ich glaube daher keinen grossen Fehler begehen zu können, 
wenn ich diese Ablagerungen in Rücksicht auf die im Hangenden 
auftretenden fossilführenden Horizonte entgegen den Ansichten der 
italienischen Forscher ebenfalls an die Grenze von Oligocän und 
Miocän stelle. 

Die Lagerungsverhältnisse sind in diesem ein paar hundert 
Meter mächtigen Schichtgliede durch tektonische Vorgänge complicirt, 
lassen sich aber unterhalb Varinella an dem Uferrande gut verfolgen. 
Das Fallen der Schichten ist hier gegen NO gerichtet und nimmt, 
wenn man ein Stück flussaufwärts schreitet, einen immer grösseren 
Neigungswinkel an. Schliesslich stehen einige Bänke saiger und dann 
beginnt der ganze Schichtcomplex gegen SW einzufallen, so dass wir 
also eine vollständige, eng gefaltete Antiklinale vor uns haben. Doch 
ist das Verfolgen der einzelnen Bänke in beiden Schenkeln nicht so 
einfach und die Darstellung in dem Profile eine nur schematische. 

Gegen oben wird das Fallen der hier vorherrschenden Sand- 
steinbänke flacher, und es folgen die jüngeren Bildungen in fast con- 
cordanter Ueberlageruug. Der Gegensatz, der zwischen diesen so 
stark gestörten Liegendschicliten und den jüngeren, gleichmässig 
gegen N fallenden Etagen besteht, lässt erkennen, dass eine Periode 
gewaltiger tektonischer Bewegungen zwischen der Ablagerung dieser 
beiden Horizonte platzgegriöen hat. deren Zeugen uns an so vielen 
Punkten des 'J'ertiärbeckens entgegentreten, und auf die ich noch 
an anderer Stelle zu sprechen kommen will. 

^) Siehe den ersten Theil dieser Beiträge, pag. 19. 



[7] Beitr. z. Parallelisirimjr i]. MiociuibildunKCii d. pieniont. Tertiärs etc. 141 

Das näoliste sich in petrograpiiischer Hinsiclit auf das 
Deutlichste abtrennende Hchiclitglied bilden graue, festgebankte 
Mergel von einer ganz ausserordentlichen Mäclitigkeit. Nördlich von 
dem Fosso Liborno ist ihre concordante Aut'lagerung auf dem hier 
nur etwa 20» gegen N fallenden Hyschähnlichen Sandstein zu er- 
kennen. Sie setzen sich mit ziemlich gleichbleibendem Fallen bis an 
den nördlichen Bergrand der \al Borbera fort, .so dass ihre Oesammt- 
mächtigkeit wohl 800 )k betragen mag. Und in diesem für eine aus- 
gesprochene Tiefseebildung (hier wie immer, wenn nicht ausdrücklich 
bemerkt, im Sinne Th. Fuchs' als unter der 50 Fadenlinie abgelagert) 
wohl ganz enormen Schichtcomplexe lusst sich kaum ein Unterschied 
in irgend einer Hinsicht feststellen, der stichhältig wäre, eine weitere 
Gliederung vorzunehmen. 

Von der Basis bis an die Grenze gegen die Hangendschiehten 
treffen wir denselben grauen, stellenweise etwas schmutziggrünen 
Me^'gel in seiner ganzen Mächtigkeit in ca. ^2 ^>^ dicke Bänke ge- 
sondert. Diese Bankung wird durch einen auffälligen Wechsel von 
härtereu, kalkreicheren und leicht zerreiblichen, sandigen Lagen 
herbeigeführt. Es ist überraschend, mit welcher Regelmässigkeit diese 
Wechsellagerung an allen Punkten auftritt, wo immer die Mergel zu 
Tage treten, und wie sie in dieser Zone nach und W au das 
Sediment gebunden erscheint. So treffen wir bei Acqui — etwa 30 hn 
westlich — denselben Mergel mit der gleichen regelmässigen Bankung 
\yieder. 

Im Relief kommt diese mächtige Zone leichter zerstörbaren 
Materiales sehr gut zum Ausdrucke. Das weite Thal des Torreute 
Borbera ist hier der Länge nach in diese Mergel eingeschnitten, und 
die von diesen gebildeten Bergzüge stehen denen der Umgebung an 
Höhe und Schärfe der Contouren weit nach. Sie bilden die welligen 
Höhen, die das linke Scriviaufer begleiten, und der durch ihr Streichen 
vorgezeichneten Terrainsenke folgt die westwärts nach Gavi führende 
Strasse. 

Die kalkreichen, festen Bänke enthalten besonders in den 
höheren Lagen zahlreiche, wenn auch fast durchwegs durch Druck 
stark deformirte Fossilreste. Die Kalkschalen sind grösstentheils durch. 
Auflösung entfernt und haben vermutlilich dazu beigetragen, den 
Kalkgehalt der Bänke zu erhöhen. Stellenweise konnte ich nester- 
artige Anhäufungen von Fossilien beobachten ; doch sind diese im 
allgemeinen ziemlich selten. 

Ausser zahlreichen Ttlanzenresten, die sich auf den Schichtflächen . 
finden, und die wieder die merkwürdige Thatsache bestätigen, dass 
Landpfianzen so häufig in Ablagerungen grösserer Tiefe augetroft'en 
werden, kommen darin noch folgende bestimmbare Fossilien vor: 

Trochiis turrifus Bon. 
Cassidarla ecliinopjiora Lant. 

„ .s7>. 

Fnsiifi sp. 

Östren tieylerta Michf. 
Lucina sinuosii^ Don. 



142 " Franz Schaffer. ' ' [8] 

Lacina sp. 

Solenom^/a Doderleinl Matj. 

Attiria Äf/uri Bast. 

Vaqmdla Calandrellii Mi cht. 

. ■„ Rzehaki Kittl. 

Balantium pulcherrimim May. . ' . >. 

Carinaria Paretoi Maif. 

Hijalaea sp. ■ 

Cleodora sp. 

Ausserdem treten zahlreiche Foramiuiferenarten auf. • . , 

' •; : ' Dem Alter nach kann ich diesen ausgedehnten Horizont dem 
Schlier von Oberösterreicli und Baiern gleichstellen, Und zwar gestützt 
sowohl auf die P'auua. als insbesondere auf die concordant darüber- 
liegenden jüngeren Sedimente, die, wie aus Nachfolgendem hervor- 
gehen wird, unseren Schichten von Grund entsprechen. Die grösste 
Uebereinstimmung aber zeigen diese Schliermergel in petrographische^ 
Hinsicht und in Bezug auf die Zusammensetzung und den Erhaltuiigö- 
zustand ihrer E'auna mit dem Schlier von San Leo, CäSaläcchio, 
Monte Paderno und anderen Localitäten des Tertiärs vOn Bologna. 
Mit dem ein nur untergeordnetes Schichtglied bildenden Länghiano 
des nördlichen Montferrat möchte ich sie, wie aus meiner ersten 
diesbezüglichen Abhandlung hervorgeht, nicht identificireii. 

Wenn man, von S kommend, bei dem Stcädtchen Vignole die 
Borbera überschreitet, so steht man vor dem steilen, stellenweise 
senkrechten Absturz eines von WSW nach ONO streichenden Betg- 
zuges, der die höchsten Erhebungen der nächsten Umgebung — bis 
468 m — umfasst und nach einer seinen Gipfel krönenden Wallfahrts- 
kirche die Costa di Madonna del Monte genannt wird. ; 

Mehr als 240 m ragt der Kamm über die Thalsohle eriipor, 
und in seiner reichen, scharfen Gliederung gibt sich sofort ein 
grosser petrographischer Gegensatz zu den eben besprochenen 
Horizonten zu erkennen. 

Dieser ganze Höhenzug wird von einem äusserst widerstands- 
fähigen Sandsteine von lichtgelber oder lichtgrauer Farbe gebildet, 
der hier am Fusse des Berges auf den Schliermergeln autiagert. Es 
ist ein meistens mehr grobkörniger Quarzsandstein mit vereinzelten 
Serpentinkörnern und Glimmers( liüppchen, oftmals mit einer bedeu- 
tenden Menge von organischem Detritus vermengt. Ein schmutziggelb- 
liches Kalkcement verkittet diese Elemente zu einer sehr festen Masse. 

An den steilen, nackten Hängen dieses Bergzuges tritt allent- 
halben eine sehr deutliche Bankung zu Tage, die sich durch den 
ganzen ungeheuren Horizont dieser Sandsteine auf eine horizontale 
Erstreckung von ca. 2000 m in unserem Profile constant bleibt. Bei 
dem 20^ selten übersteigenden, so ziemlich gegen N gerichteten 
Neigungswinkel der Schichten müssen wir demnach die Gesammt- 
mächtigkeit des in Frage stehenden Sedimentes an dieser Stelle auf 
mindestens 700 m veranschlagen. 

Die Stärke der einzelnen Bänke ist wechselnd, doch beträgt 
sie meistens Va— 1 ^^^- Ihre Oberfläche ;^eigt — insbesondere in den 



[9] Bfitr. z. Parallelisinuiff d. Miocänbildiinge» d. piemont. Tertiärs etr. 143 

(lichteren, feinkörnigen Lagen — ausgesprochene Fliesswiilste, wie 
sie an den Flyschsandsteinen zu heobacliten sind und die Schicht- 
flachen mit seltsamen wurmförinigen Relieffiguren bedecken. Stellen- 
weise — z. B. in der Val Sereigo, östlich von Stazzano --- treten 
polsterähnliche und walzenförmige Concretionen auf, welche lebhaft 
an die in den Leithakalkbildungen des Wiener Beckens (Neudorf 
an der March) vorkommenden erinnern. 

Hier ist auch die sonst so ausgesprocliene Bankung theilweise 
durch eine falsche gegen fallende Schichtung verwischt, welche 
sehr leicht zu Irrthümern Anlass geben könnte. 

Der Sandstein besitzt in seinem Habitus eine auffällige Aehn- 
lichkeit mit dem Eggenburger Sandsteine des ausseralpinen Wiener 
Beckens, mit dem er auch früher dem Alter nach gleichgestellt 
wurde. Doch ist jetzt durch die spärlichen Fossilreste, die er liefert, 
sein jüngeres Alter zweifelsohne festgestellt. Dieser Irrthum wurde 
durch den Mangel einer reicheren Fauna verursacht. Denn wo immer 
man die Sandsteinbänke untersucht, wird man stets feinen Detritus 
von Conchylienschalen , Bryozoen , Cirripedien und Echinodermen 
finden, ohne aber in den meisten Fällen auch nur wenige sicher 
deutbare Fossilreste zu erhalten. In manchen lockeren Lagen nimmt 
dieses organogene Sediment so überhand, dass es einen förmlichen 
Muschelgrus bildet und lebhaft an den jungen Muschelsandstein 
von Girgenti erinnert, der das Material zu den gewaltigen Tempel- 
bauten des alten Agrigentum lieferte. Auch in den heutigen Meeren 
finden sich stellenweise solche Aidiäufungen von organischem Detritus, 
an dessen Bildung die in den F^xcrementen vieler Fische massenhaft 
enthaltenen unverdaulicheii Speisereste einen wesentlichen Antheil 
zu nehmen scheinen. 

Nur diese lockeren Lagen bergen bisweilen fossile Reste in 
einem Erhaltungszustande, der ihre Bestimmung gestattet. Doch sind 
sie, soweit ich erkennen konnte, auf die höheren Gesteinspartien 
beschränkt. 

In den festen Bänken, die einen vorzüglichen Bruchstein liefern, 
scheinen die Kalkschalen zur Bildung des Bindemittels gedient zu 
haben und grösstentheils der Auflösung zum Opfer gefallen zu sein. 

In Folgendem gebe ich ein Verzeichnis der in diesem Sandstein- 
horizonte auftretenden fossilen Arten : 

Lithotliamniuni sp. 
Tefhia simplex Micht. 
Caryophijllia cyatha Mich. 
Pentacrinus Gastaldi Micht. 
Cidaris avenionensis Desni. 
Serpula sp. 

Myriopora friincafa Mich. 
Tevehratula oitrea Lirin. 

„ miocenica Micht. 

Ävicula phalaenacea Lam- 
Pecten henedictns Lam. 
latissimus Brocc. 



144 Franz Scliafffir. [10] 

Pecfcn i^cahrellus L<im. 
,, pu»io Lam. 
„ Besser! Ändr. 
,, ele(fans Ändr. 
,, oenfiJabrum Goldf. 
An omni costafa Brocc. 
Ostrea plicatuia Gmel. 
., digitalina Dub. 
„ Bohlayi Desh. 
Cardita scahrkosta Mich f. 
., Joiianneti Bast. 
'„ Partschi Goldf. 
Lucina columhella Lam. 
(jlob'ulosa Desh. 
,, horealis Linn. 
Venus Agiaurae Bro7i</. 
Tapes vetidus Bast. 
Tiirritella turris Bast. 

cermicularis Brocc. 
„ cathedroHs Brong. 

Cerithium lignifarntn Kiclnr. 
VagirteUa sp. 

Balatdium peclcynotitaiuiin M<ii/. 
Bald uns sp. 
Lannui sp. 

Auf Grund dieser Fauna, die typische Formen der älteren 
Mediterranstufe mit jüngeren Arten vereint aufzuweisen hat, können 
wir dieses mächtige Schichtglied als ein Aequivalent unserer Schichten 
von Grund und Niederkreuzstätten ansehen. 

Ich möchte hier nur kurz auf das prägnante Relief dieser Sand- 
steinzone hinweisen, welche in unserem Profile drei scharfe, parallel 
zur Streichungsrichtung verlaufende Rücken bildet: die Costa di 
Madonna del Monte, die Costa Bufalara und die Costa Capanna', die 
alle durch enge, schluchtenartige Thäler von einander getrennt sind. 
Von der ersten zieht sich ein scharfer Grat in fast SN-Kichtung bis 
knapp an die zweite hin, wird aber durch die tiefe Schlucht des 
Rio Sereigo steil abgeschnitten. Wenn man diesen Grat verfolgend 
bis an den jähen Absturz gelangt ist, so hat man eine nackte, schiefe 
Wand — den Südabsturz der Costa Bufalara — vor sich, die mit 
ihren kahlen, regelmässig aufeinander gethürmten Schichtköpfen den 
Anblick einer cyklopischen Mauer gewährt. Man könnte geneigt sein, 
das hier geradlinig verlaufende, enge Thal auf eine tektonische 
Linie zurückzuführen, so auffallend tritt uns seine Nordwand wie 
durch eine Verwerfung abgeschnitten entgegen. Doch habe ich keinen 
thatsächlichen Grund, eine solche tektonische Erscheinung anzunehmen, 
welche die enorme Mächtigkeit dieses Horizontes durch theilweise 
Wiederholung erklären würde. 

Weiter westlich verlaufeil in etwa SSO — NNW-Richtung noch 
zwei scharfe Bergketten, die bei Stazzano schroff an die Thalebene 



( 



[11] Beitr. z, Parallelisirung d. Miocänbildnngcn d. pioniont. Tertiärs Hr. 145 

herantreten und hier auf steiler Höhe den j^ewaltigen Bau des 
.Seminario Leone XIII. tragen. 

Gegen oben <>ehen die Sandsteinbänke nach steUenweise 
mergeligen Einschaltungen allmählich in einen grauen, sandigen 
Tegel über, der schon am Monte Antico — in der Fortsetzung der 
Costa Capanna — zu Tage tritt und an dem Nordabhange dieses 
Berges, durch einige tiefe VVassergerinne aufgeschlossen. Conchylien- 
schalen lieferte. Wenn wir den Abhang hinabsteigen und jenseits der 
von Stazzano gegen Vargo führenden Strasse in den Weinbergen das 
Profil weiter verfolgen, wird der Tegel reiner, plastischer, er nimmt 
eine hellgraue Färbung an. und die fossilen Reste von Gastropoden, 
Scaphopoden und Bivalven finden sich vom Regen ausgewaschen in 
den Abzugsgräben in Menge. 

Es folgt nun ein wild zerrissenes Relief, das einige kleine, 
theilweise periodische Wasserläufe aus dem weichen Materiale heraus- 
gearbeitet haben, ein System enger Schluchten und steiler Kämme, 
denen der Volksmund nach einem kleinen Gehöfte — wie man mir 
erklärte — den Namen Bocca d'Asino gegeben hat. Die steilen, 
durch Erosion und Rutschungen an vielen Stellen entblössten Ab- 
hänge schliessen den undeutlich gebankten Tegel bis in eine beträcht- 
liche Tiefe auf. und ihnen ist es zu verdanken, dass diese Oertlichkeit 
eine der reichsten Fundstätten im marinen Neogen Italiens geworden 
ist. Es war nur das in verhältnismässig 'kurzer Zeit gesammelte 
Material, das mir zur Zusammenstellung der im Nachfolgenden ge- 
gebenen Fossilliste vorlag und doch 238 Arten von Gastropoden, 
Scaphopoden und Lamellibranchiaten lieferte, deren Zahl sich nach 
meinem Ermessen bei umfangreicherer Ausbeutung gewiss um ein 
Beträchtliches erhöhen liesse. 

Die Schichtung ist durch das von Regengüssen herabgeschwemmte 
Material stark verwischt, aber es lässt sich doch an einigen Punkten 
ein leichtes Nordfallen (15 — 20^) constatiren, insbesondere dort, wo 
sich Zwischenlagen von Serpentingeröllen und Sauden einschalten. 
Vorzugsweise in dem engen Thale des Rio della Bocca d'Asino und 
in dessen linker Nebenschlucht treten inmitten des plastischen Tegels 
Lagen von groben Gerollen — vorherrschend von Serpentin — auf, 
die, soweit ich erkennen konnte, über eine ziemliche horizontale 
Ausdehnung verbreitet sind. Doch lassen sich, wie es die Nach- 
giebigkeit des Materiales mit sich bringt, keine genauen Grenzen 
ziehen ; Tegel und Gerolle sind wie durcheinander gemengt. 

Diese Erscheinung fiel schon L. Pareto auf, der die Menge 
der in diesen groben Detritusmassen vorkommenden Fossilreste her- 
vorhob ^), ohne aber eine Deutung zu versuchen, während Ch. Mayer 
sie „eher auf einen unterseeischen Serpentinkegel, als auf die Mündung 
eines Flusses" zurückführen möchte '-^i. Aber selbst für den Fall, dass 
der genannte Forscher mit diesem „Serpentinkegel" nur eine hervor- 
ragende Klippe des Grundgebirges bezeichnen wollte, lässt sich seine 
Deutung nicht mit den gegebenen Thatsachen in Einklang bringen. 



^) Bnll. soc. geol. France. 2. s^r., tom. XXII, pag. 238. 
') Bull. soc. gäol. France. 3. s^r., tom. V, pag. 292. 
Jahi'buch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, i. Heft. (Fr. Öchafter.) 19 



146 Franz Srhaffer. [12] 

Deim auf einem so tiefen und ruhigen Meeresboden, wie ihn die für 
die Entwickelung der hier herrschenden Pleurotomenfauna erforder: 
liehen Standortsverhältnisse bedingen, kann kein so grobes Sediment 
zur Ablagerung gelangen, ohne dass die Lebensbedingungen gänzlich 
umgestaltet würden. Von einer Veränderung der hier ständigen Fauna, 
die damit noth wendiger Weise Hand in Hand gehen müsstß, ist aber 
nichts zu bemerken. Es ist also die Annahme einer — natürlich i3is 
in die Region der Brandung reichenden — Klippe keineswegs in den 
thatsächlichen Verhältnissen begründet. 

Die schon von Pareto angeführte Thatsache des Vorherrschens 
der Fossilien in den Gerolle führenden Lagen war es, die mir den 
Weg wies, einen diesbezüglichen Erklärungsversuch zu unternehmen, 
der, wie ich im Folgenden zu zeigen gedenke, vielleicht etwas riiehr 
als Wahrscheinlichkeit für sich in Anspruch nehmen darf. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich ausdrücklich auf die Ver- 
wirrung hinweisen , welche in den bei der Bestimmung miocäuer 
Mollusken gebräuchlichen Tafelwerken herrscht, und welche theils 
durch unrichtige Uebernahme älterer Namen, theils durch übergenaue 
Unterscheidung von Species ohne Rücksichtnahme auf Varietäten 
entstanden ist. 

Es ist hier nicht der Ort, auf die selbst bei wichtigen Leit- 
fossilien sjch zeigenden Ungenauigkeiten näher einzugehen , die 
freilich die bedauerlichsten Irrthümer verschulden müssen. 

Ich habe mich bei der Bearbeitung des Materiales -v- um einer 
Ueberfülle von Species auszuweichen — soweit es mir möglich war, 
an die von M. H o e r n e s, B r o c c h i, M i c h e 1 o 1 1 i, B a s t e r o t u. a* 
eingeführte Nomenclatur gehalten und erst, wenn, ich damit nicht 
mein Auskommen fand — wie besondei-s bei den Pleurotomen — 
das grosse Werk von Bella rdi-Sacco zuhilfe genommen. 



yerzeichnis der in dem Tegel der Localität Bocca d'Asino 
vorkommenden Mollusken. 

h, hh, bhli verschiedene Grade von Häufigkeit, * bedeutet, dass die Exemplare 
deutliche mechanische Einwirkung erkennen lassen. 

Laniellibraiichiata. 

Feden scabreUus Lam. * 

„ Besseri Andy. * 
Chlamys tauroperstriata Sacco * 

„ gloria maris Duh. * 
Spondi/l'us s^j. * 
Anomia costata Brocc. 
Ostrea digitaUna Duh. '■' 

„ Bohlayl Desh. * 
Nncitla tiucleus Linn. 

„ May tri IJoern. 
Area diluvii Lam. h 

^ Turonica Duj. 



jli3] Beitr. z. Parallelisiruiig d. Miöcanbildiingeii d. piemoiit. Tertiiirs etc. 147 

Area Fichteli Desli. "-*= i) 

„ ' sp. 
Pedunculus pilosus Linn. * 
Chama gryphina Lam^ * 

„ papyvacea Desh. 
Cardita Jouanneti Bast: * 
Lucina colwnbella Lam. 

„ globulosa Desh. * 
Cardium hians Brocc. * 

„ discrepans Lam. * 

Venus plicata Gmel. * 

„ Baster otl Desh . 

„ cincta Eichiv. 

„ Äglaurae Brong. * 
Cytherea Pedemontana, Äg. * 
Corhula carinata Duj. 
„ gibba Olivi 

Scaphopoda. 

Dentalium Bouei Desh. \\\\ 

„ Badense Partsch. hh 

„ inaequale Bronn. 

„ gadus Mont. 

Oastropoda. 

Turbo $p. ^ 

Trochus patulus Brocc. hh 
Xenophora testigera Bronn. 
Calyptraea chinensis Linn. 
Natica redempta Micht. hh 
''■ „ Josep)hinia Risso. h 

„ millepunctata Lam. hh 
„ ; helicina Brocc. hh 
Scalaria lamellosa Brocc. 

„ geniculata Bell. 
Turritella varicosa Brocc. h 

„,. Archimedis Brong. * 

„ hicarinata Eichte. * 

„ imbricatarla Brocc. 

„ . subangulata Brocc. * 

„ vermicular/s Brocc. * 

„ tricarinata Brocc. hh 

„ tripUcata Brocc. * 

„ cochleata Brocc. 



^) Ich glaube, die mir vorliegenden Bruchstücke mit Sicherheit auf diese 
Art zurückführen zu können, die auch an anderen Localitäten in Ablagerungen 
der zweiten Mediterranstufe auftritt, z. B. bei Largileyre ä öalles , Gironde 
(Sammlung des k. k. uaturhistorischen Hofmuseums). 

19* 



jlg Franz Schaffer. [14] 

TurriteUa tmris Bad. 
Vermetus arenarma Linn. * 

„ intortua Lam. * 
Turhnnilla lacfea Linn. 
Melania huec'meUa Bon. 
Cerithinm Ugnitarnm Eichir. * 
„ minutum Serr. * 

„ Bronni Fartsch. 

„ doliolum Brocc. 

„ dertoneme Maif. 

Chenopm pes^ pdiranl PliiL 
Stromhus np. 

Cassidarid e^hinophora Lam. 
Cassis mammiUaris Grat. " 

„ crumea Lam. 

Dolium cf. suhfasciatum Sacra. 

Triton corrugafum Lam. 

.. Apenninicum Sassi. h 

„ Tarbelliamim Grat. * 

Ranella marginata Brong. hhh 

„ reticularis Desh. 
Coluntbella nassoides Bell. 
„ scripta Bell. 

„ semicaudata Bon. h 

,, thiam Brocc. h 

„ earinata Bon. hh 

„ compta. Bronn. 

„ suhulato Bell. 

^ negkcta Bell. 

Buccinum Brugadinum Grat. * 
Phos polygonus Brocc. h 

„ connectens Bell, 
üyllema ancillariaeformis Grat, hh 

„ terebrina Bell. 
Nassa prismatica Brocc, h 
„ gibba Brocc. 
„ (/. turbinata Bell. 
„ Pareti May. 
„ cf. laxcsulcata Bell, 
], Perelrae Bell. 
„ cf. notanda Bell. 
„ incrassata Mull. 
„ (/, mnfrosa Bell. 
„ pseudoclathrata Mi cht. 
„ t'urrita Bors. 
„ Bonelli Sism. 
„ fiimida Eicliic. 
„ obliquafa Brocc. 
„ tornata Dod. 

mutabilis Linn. h , . 



[15] Beitr. z. Parallelisirnng d. Mmcänbildiinffcii d. picmont. Tertiärs etc. \4.\) 



NanHd pidchra d'AtKj. h 

roatrtata Kiclnr. lih 

., deiionensii( Jic/I. 

„ Hoprncsl Maij. 

,, soUdit/a Beil. 
transUans Bell. 

„ Alhuianensifi Bell. 
Muri'x nindohommtH Hoerti. 

„ horridwi Brocc. 

„ sublaratus Bast, h 

„ eritutceus Llnn. 

„ craticulaius Brocc. 

„ ßshdosusi Bronn. 
. „ productus Bell. 

„ Renieri Miciä. 

„ derionensis May. 

„ Partschi Hoern. 
Fusus crispus Bors, h 

„ semiru^osus Bell, et Mich f. 

„ intermedius Micht. h 

„ corneus Linn. 
' „ clavatus Brocc. 

^, Klipsteim Micht. hh 

„ virgmetis (irat. 
Chrysodmtms cinguUferus Jan. 
Fasciolaria Tarbdliana, Grat. 
Pyrula rudicula Bast * 

„ Gondita Brotiff. * 
Marginella Deshayesi Micht. h 
MUra paucicostata Bell. 

„ gomophora Bell. 

„ Bronni Micht. 

„ scrobiculutAt Brorc. 

„ fusiformlii Brocc. 

„ cupremna Brocc h 

„ aperia Bell. 

„ Michelotti Hoern. 

^ pijramidella Brocc. h 

,, ex-ornaia Bell. 

„ rcdicosfata Bell. 
Vduta rarisplna Bell. 
Aneillaria obmleta Brocc. 

„ glandiformh Lani. hhh 
OUva cla,vuia, Lmu. 
Cancellariu Bellardü Micht. 
„ callosa Partsch. 

„ lyrata Brocc. 

Bondli Bell. 
„ cancellata Lam. 

^ m^mllacea Micht. 



150 



Franz Schaffet. "'■'^'' •■ '■^"'' [16] 

CanceUaria Do'derleini May: ■ 

,."■'■ Barjönae Da Cosf. 

„ ^ oartcosa Brocc. ■ 

„ serrata'Brbnn. < 

Terebra acuminatd Bors. 

„ fuscafa Bvücc. * 

,, costuläfa Bors. 
^•r-'FarmPsr^ont. '■'"'"''^^ 

„ terehrinä Bort. 
„ ' reticularis Peech. 

„ spinuJosaiDöA: 
PusioneUä '^pedSnmMn'ä Sacco. 
Pleurotoma Muanrfefi Desm. h 

„ dlmidtatä Brocc. . hh 

„ LamarcM Meli, h 

„ 'aviü- Bell: 

„ ÄlUohii Bell hh 

„ Paretl Muyt 

'■ • ^- „ . ^emlmarginafa Lam. h 

,; (iraniiküö-cincta Mund, h 

„ ramosa BaM. hh 

„ cäidphracta Brocc. hh 

•, ' hracteata Bfocc. hh 

„ Sehr eiber si Hoern. 

/- V trifasciata Hdem. 

■^■y Jani Öell. " ' 

„ incerfa Bell, h ' 

„ rotata Brocc. hh 

„ rotulata Bon. h ' 

„ configua Brocc. i\ 

„ spiraUs Serr. \\ 
(jradafa Defr. h 

„ ditissima May. 

„ ordita Bell. 

„ imstulafa Brocc. hli 

„ calcarae Bell. 

„ furbinata Bell, h. 

'„ Sotterii Micht. 

„ Ciirionii 'Micht. 

„ incrassata Du). 

„ turricula Brocc. ' h 

„ Mercatii Bell. 

i:'ri"S .'v.'^^ Stazzanensis Bell. 

„ spinosa Grat. 

„ Copü J5eH. h 

„ txcavata Bell. 

„ Coquandi Bell. 

„ pinguis Bell. 

„ modiola Jan. 

,, intermedia Bronn. 



y^r} 


'f 


:ii.ii jfi')blf;;i;v Ty^J 




..:■.'• 


i;/a.j a^: irir;!/^''-]« 1 




'-.a 


ui -'TK'}!! ,:;[•>!:;• !i,;f: 


f:;^*i: 


:.'r> 


•:ji ^rlliJ: -fli'ff {yli 


n'ifil 


:■■} 


?>'!(< ,-|.:j/-Io-:(; -v .„;. 



,]^.i;:'! 




■'•7 





n-y] B«itr. z. PrtralleliBirung d. MiocJinbiUlun^fii d. piemojit. TertiärB ctr- 1-5] 

iij -T'?/} T-irrT '.'M ^leurptQ9t^<i' Uirgidnla Bell. AXh. 
.;.,';'»' 'nl; .ii^ ii'viK/.';;;» ;;,.,t. JCüssutltJ JißU. müjj- 
ivim '>iji->«i<f •^•ü/i!i'jfh«;>i. 'Al-icf- Äcfassizi Hdhn 
;o m:nata: Pe^'r. .,.!:>• 
rio[co>'o^«to; MüpaL 

: i'i^f.j'eGÜcosfa Bell. . ■;'.) 

[ueonsiilariß M(m. 

• Geslini D^^in. . ■■; 

:;':>^-:ij(' 'rtTsii. »i d;:/': ^ »; . praecedens Bell, ;. ; 
'il-nf'.o •:^[; i'rvil'i-.?:;;.' :;■;,>■ . pfQavia Bell, , 

.^;. ' '! . ,; . rustica BrocQ. .,.■;, :..;. 

-. i ;: .:■■.. « cf^ Inornata Bell. ,:^.i 

=.;.-;Vio '*.;.■;;:•■ '»hr:'; .„: ■ interseda Dod. ■ • • jj-ij 

„ tuhercidata Puscli. : , .;»|k» 

„ asperulnta Lam. 

„ Reevei Bell. 

Conus rf. Ißemponderosm Sacco. 
„ . Escheiregl Da Cost..^ > 
„ hetuUnokles Lam. * 
„ o/. oUvaefomm R. Hoenn. * 
., fuscocingulatns Bronn. : 
„ PuscJiii Micht. *. 
„ antediluvignus Br¥<J. .h 
„ Dujardlyil Desk. * 
„ Brezinae R. Hoern. . 
„ Bercjhausi Micht- h * 
„ Kßxren Hoern. et Aning. * 
,, elatus Micht. * . 
„ antiqmis Brocc. • 
„ raristr latus Bell. 
„ ventricüsus Bronn. * . 
„ hungaricns R. Hoern.. 
„ Mojsvari R. Hoern. >;.. . 
B%dla lignaria Linn. * »a ;" 

„ Brocehi Micht. ' • 

Ausserdem finden sich zahlreiche Arten von Anthozoeu, besonders 
der Gattungen Flahellum, Trochocyathus, Stephanophgllia^ Desmophyllum, 
Heliastraea, Deadrophyllia und Is^/s, Rhizopoden in grosser Menge 
und abgerollte Brocken von Lithothaninienkalk. 

Diese reiche Fauna stellt sich uns in ihrer (lesammtheit be- 
trachtet als ein beiläufiges Aequivalent der Lapugyer Fauna dar. 
Wir haben die Vertreter einer ausgesprocheneu Pleurotomenfauna, 
also Bewohner einer mindestens 1,00. Faden betragenden Tiefe, und 
daneben treten zahlreiche • Arten auf. die für eine Strandfacies 
charakteristisch sind. . ,■,,.. .. 

Aber diese Faunenmiscliuhg scheint wenigstens nach meiner 
Ueberzeugung eine nicht primäre zu sein, wie sich aus folgenden 
Thatsachen entnehmen lässt. 



Ig;^ Franz Scbaffer. [18] 

Ich habe schon im Vorhergehenden auf die merkwürdige 
stellenweise Einstreuiing von Schotter und Gerollen in die Tegel- 
biinke hingewiesen. Diese auffällige facielle Erscheinung brachte mich 
nun auf die Vermuthung, dass wir es hier vielleicht mit einer 
secundären Mengung zweier verschiedener Faunen zu thun haben. 
Und ich glaube mich in dieser Erkenntnis nicht geirrt zu haben. 

In der vorhergehenden Liste sind alle jene Arten mit einem 
Sternchen bezeichnet, welche durch Bruch, Abrollung oder einen 
anderen mechanischen Eintluss lädirt sind und auch in ihrer blassen 
Färbung und in dem opaken, mehr kreidigen Aussehen der Schale 
von den mattglänzenden, oft chalcedonartig durchscheinenden, licht- 
gefärbten Gehäusen der Mehrzahl der Species abstechen. Stellen wir 
diese Formen zusammen, so ergeben sie folgende typische Strand- 
oder Seichtwasserfauna : 

Peden scabrellus Lant. 

„ Besseri Andr. 
OilaiHi/s fauroper^triata Sacco. 

„ f/loria mm'is Diih. 
Spondijins sp. 
Ostrea dü/italuia Dub. 
„ Bohlaiji De.^h. 
Area FlcJifeli ])esh. 
Fectunculns pilosus Linn. 
Chama (jryphina Lam. 

„ papiiraceu Desii. 
Cardita Jouanneti, Bas f. 
Lucina glohulosa De^h. 
Cardinm hians Brocc. 

„ discrepans Lam. 

Venus plicata (jlmeL 

„ AgJaurae Brong. 
Ci/therea Pcdemontana A(f. 
Turbo sp. 
Turritella Archimedis Bromj. 

„ bicarlnala Elcliiv. 

„ subangulata Brocc. 

„ vermicuJaris Brocc. 

„ triplicata Brocc. 

Vermetus arenarius Linn. 

„ intortus Lam. 
Cerithium Ugnitarum Eichw. 

„ minutmn Serr. 

6V/s.s'/,s- mammiUaris Graf. 
Triton TarbelJianum Grat. 
Biiccinuin Bruyadlniim Graf. 
Fijrtda ru^ticnla Bast. 
■ • ' • ,, condifa Brong. 

Terebra fiiscata Brocc. ' ■ > ' • • ■• • 

Conuft Esche wegi Da Cost. 



[19] Beitr. z. Parallelisirung d. Miocänbildiingen d. piemont. Tertiärs etc. 153 

Conus betulinoides Lam. 

„ cf. olivaefornm R. Hoern. 

„ Puschii Mi cht. 

„ Ihijardini Desli. 

„ Berghmm Micht. 

„ Karren Hoern. et Avln(/. 

„ elatus Micht. 

„ ventricosus Bronn. 

Bulla h'gnaria Linn. 

Weiters erkennen wir, dass alle diese Arten nur in sehr be- 
schränkter Individiienzahl, meistens vereinzelt, vorkommen. Daraus 
ergibt sich die erste Thatsache: Die der Facies fremden (he t e- 
ropischen) Arten treten vereinzelt auf und sind 
1 ä d i r t. 

Wenn wir dann eine Ostrea von einer ca. 20 mm messenden 
Schalendicke, die nicächtigen Klappen des Fedunculus piloms, der 
Cijtherea pedemontana, der Cardifa Jouanneti und anderer grosser 
Lamellibranchiata, das Gehäuse der Terehra fuscata stets und die 
grossen Turritellen meistens zerbrochen finden und an anderen 
dieser bezeichneten Molluskenschalen deutliche Abrollung constatireu 
können, während die zartesten Gehäuse der reich verzierten 
Canaliferen, besonders der Pleurotomen, die Stacheln mancher 
Murex-Ai% die papierdünnen Schalen kleiner Bivalveu (Nacula, 
Corhula u. a.) und die so zerbrechlichen Dentalieu in einem selbst 
für eine Tegelfacies selten guten Erhaltungszustande auftreten, dann 
ist wohl der Schluss gestattet, dass alle jene z u e r s t a n g e- 
führten Fossil reste hier auf secundärer Stätte lagern. 
Und zM'ar liegt die Vermuthung nahe, dass sie mit den Gerollen, 
die ja auch ein fremdes Element bilden, in die Ablagerungen grösserer 
Tiefe gelangt sind. 

Trennen wir nun die mit einem Sternchen versehenen Arten 
von den anderen, so haben wir zwei ganz verschiedene Faunen vor 
uns, von denen die eine unserem Badner Tegel entspricht, während 
sich die andere als ausgesprochene Seichtwasserfauna repräsentirt. 
Wir haben uns demnach wohl vorzustellen, dass sich an küstenfernen 
Punkten inmitten plastischer Tegel und an ufernahen Stellen, wo sich 
Gerolle und Sande ablagerten, zwei verschiedene Faunen entfaltet 
haben, und dass dann die Strandfauna mit dem Sedimente in grössere 
Tiefe transportirt wurde. Wie dies geschah, darüber können wir nur 
Vermuthungen anstellen. 

Es ist möglich, dass die an einem höheren, küstennahen Punkte 
abgelagerten, grobkörnigen Sedimente, die unter dem Maximum des 
Neigungswinkels aufgehäuft waren, bei Niederwasser infolge des 
mangelnden Gegendruckes oder bei einer heftigeren Erderschütterung 
auf ihrer schlammigen Unterlage abglitten, und sich unter die 
Ablagerungen ruhigerer Tiefen mengten, oder dass sie bei einer 
negativen Verschiebung der Strandlinie in den Bereich der Brandung 
geriethen, von den Wogen von ihrer primären Lagerstätte losgerissen 
und durch das am Grunde zur Tiefe strömende Wasser, den Sog, 

Jahrbuch d, k. k. geol. Keichaanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Schaffe!'.) 2ü 



154 Franz Schaffer. [20] 

fortgeschleppt wurden. In beiden Fällen wurden natürlich die darin 
eingebetteten Fossilien von ihrer ursprünglichen Lagerstätte entfernt 
und in Faciesverhältnisse gebracht, die mit ihrer Lebensweise in 
Widerspruch stehen. Dass sie bei diesem gewaltsamen Transporte 
sehr zu Schaden kamen, ist selbstverständlich, wohingegen die im 
Tegel endogenen Arten gegen diese äusseren Angriffe geschützt waren. 

Ob einer dieser Erklärungsversuche der hier entsprechende ist, 
das zu entscheiden, liegt ausser unserer Macht, und wir stehen hier 
wieder vor einer der vielen ungelösten Fragen, wie sie uns überall 
aufs Meue entgegentreten. 

Nun verstehen wir aber den zwischen der Localität Bocca 
d'Asino und St. Agata bestehenden faunistischen Gegensatz, der darin 
zum Ausdrucke kommt, dass an letzterem Orte eine typische Badner 
Pleurotomenfauua ohne so zahlreiche eingestreute, exogene Arten 
auftritt, und wir können uns das Fehlen einer ausgesprochenen 
Strandbildung, wie sie fast allenthalben auf das Innigste mit der 
Tegelfacies verknüpft ist, in unserem Profile erklären. Denn wenn 
auch tief im Thale des Rio Sereigo ein grauer Mergel zutage tritt, 
und darüber ein grobkörniger Sandstein mit vielen Bruchstücken 
von Molluskenschalen und Nulliporenkalkbrocken liegt, der erst in 
die sandreichen Tegelbänke des Monte Antico übergeht, so kann ich 
mich nach meiner durch Augenschein gewonnenen Erkenntnis doch 
nicht dazu entschliessen, diese oberen Sandsteinbänke als eine unseren 
Leithakalkbildungen aequivalente Ablagerung anzusehen, sondern 
glaube, sie ihrem ganzen Habitus nach nur als ein Glied des mächtigen, 
unseren Grunder Schichten altersgleichen Sandsteinhorizontes an- 
sprechen zu müssen. 

Interessant wäre es nun, festzustellen, ob östlich von Sardigliano, 
wo die Schottereinlagerungen in dem Tegel verschwinden, insbesondere 
bei St. Agata Fossili, diese im Westen vernichtete Strandbildung 
nachzuweisen ist, ob also dort die für das Zustandekommen dieser 
eigenthümlichen Faunenmischung an der Bocca d'Asino massgebenden 
Vorbedingungen gefehlt haben. 

Ich möchte nur noch auf das Auftreten von GeröUe- und 
Schotterlager mitten in Tiefseebildungen der heutigen Meere hin- 
weisen. So fand das Schiff „Travailleur" an der Küste von Portugal 
und Spanien in einer Tiefe von 300—500 Faden grobe Detritus- 
massen mit einer ausgesprochenen Tiefseeiauna, die sich wohl auch 
infolge ähnlicher Vorgänge, wie wir sie für die GeröUe im Tegel der 
Bocca d'Asino voraussetzen müssen, auf secundärer Lagerstätte be- 
finden mögen ^). 

Nordöstlich von der letztgenannten Localität in der Fortsetzung 
unseres Protiles gegen den orographisch scharf hervortretenden Monte 
Rosso wird der Tegel sandreicher und geht schliesslich vollständig in 
unreine, lockere Sande über, die mit mergeligen Zwischenlagen wech- 
seln. Aus diesem Horizonte konnte ich folgende Fossilien bestimmen : 



^) Milne Edwards, Rapports sur la campagne de dragages du Travailleur 
dans la Mediterranee et dans l'Atlantiqtie en 1881. (Assoc. Scieat. de France, 
22 Jan. 1882.) 



[21] Beitr. z, Parallelisirung d. MiocänbilJtm^feii d. piomout. Tertiärs etc. 155 

Facten criatatus Bronn. 
Pectiinadui^ pilosus Lhin. 
Venus muUilamella Lam. 
Corhuht <jlbh(i Olioi. 
Natica helicina Brocc. 
Turritella turris Bast. 

,, suhahgnJata Brocc. 

Centhium minufiim Serr. 

„ ruhig inoHUiH Eichw. 

„ pictum Bast. 
Buccinum sp. 
Pleurotoma cataphrada Brocc. 

„ dimkliata Brocc. 

Conus ponderosus Brocc. 

Ausserdem kommen darin zahlreiche Arten von Foraminiferen 
und Authozoen vor. 

Es scheinen also diese obersten Schichten des Tortoniens hier 
die Rolle unserer oberen Leithakalkbildungen zu spielen. 

Gegen oben nehmen die mergeligen Zwischenanlagen überhand, 
es treten darin Gypslinsen und Kalkbänke auf, die zwar in unserem 
Profile kaum nachzuweisen sind, aber weiter östlich einen streng 
innegehaltenen und gut ausgeprägten Horizont charakterisiren, der 
in volkswirtschaftlicher Beziehung eine gewisse Rolle spielt. Bei 
Sardigliano, Giusulana und weiter bei St. Agata Fossili und Mossa- 
bella gewinnen diese Gypslinsen eine ziemliche Mächtigkeit und werden 
mit den kalkigen Zwischenlagen in vielen Steinbrüchen ausgebeutet. 
Im engsten, ursächlichen Zusammenhauge mit diesen Vorkommnissen 
stehen schwefelhaltige Quellen, die an verschiedenen Stellen zutage 
treten, und deren ich noch zu gedenken beabsichtige. 

Dieser in seiner Mächtigkeit nicht besonders bedeutende 
Horizont — er erreicht an anderen Orten vielleicht 100 m im 
Maximum — ist der beständigste in der ganzen neogenen, ja in der 
ganzen tertiären Schichtreihe der italienischen Halbinsel. Von Sicilien 
bis in die südwestliche Ecke des Beckens von Piemont lässt er sich 
an unzähligen Punkten in gleich typischer Entwickelung verfolgen 
und bietet einen sicheren und leicht erkennbaren Markstein bei der 
Gliederung des marinen Neogens. Nach S. von Bosniasky^) be- 
hauptet er, an vielen Orten mit Schwefelvorkommnissen verbunden, 
seine Lage unmittelbar über dem Tortoniano in Sicilien, Calabrien, 
in der Romagna, den Marche und in Toskana, und am Nordfusse des 
Apennin und im Berglande des Montf errat finden wir ihn in der 
nämlichen Ausbildung wieder. 

Im Hangenden der Mergel und Gypse folgt in unserem Profile 
eine circa 100 m mächtige Ablagerung grober Gerolle und Con- 
glomerate, die unfern der Villa Monte Rosso, in steilen Wänden an- 
steigend, den Gipfel des Monte Rosso bilden. Diese gewaltige Masse 



') S. de Bosniasky, La formazione gessoso-solfifera e il secondo piano 
mediterraneo in Italia. Soc. Toscana di Scienvj. Nat. 14. nov. 1880. 

20" 



156 Franz Scbaffer. [22] 

widerstaiidstahigen Materiales tritt im Relief scharf hervor, und wer 
je den Weg von Serravalle nach St. Agata über das Gebirge zurück- 
gelegt hat, dem wird gewiss das durch sie bedingte landschaftliche 
Gepräge aufgefallen sein. Hier im Osten gewinnen nämlich diese 
Geröllmassen eine ganz ausserordentliche Mächtigkeit, wie sie über- 
haupt auf den südöstlichen Theil der Tertiärmulde beschränkt sind 
und gegen Westen nur mehr in einzelnen Flecken auftreten, die 
dann bei S. Cristoforo vollständig verloren gehen. Es liegt daher die 
Vermuthung nahe, dass diese Bildung auf die durch das steile Ein- 
fallen der tertiären Schichten bedingte Nähe des Grundgebirges im 
Osten zurückzuführen ist, wohingegen im Westen der Apennin weiter 
zurücktritt, und die Zone der känozoischen Ablagerungen infolge des 
äusserst flachen, muldenförmigen Baues eine ganz ausserordentliche 
Breite erlangt. Auch das Material, Urgestein, Serpentin, flyschartiger 
Sandstein und doloraitische Kalke, weist schon auf die Herkunft 
dieser Massen aus dem Apennin hin. 

Von einer Sonderung nach der Grösse der einzelnen Rollstütke 
konnte ich nichts bemerken. Es liegen oft ein paar Cubikmeter 
grosse Blöcke mitten in kleineren Gerollen, und gegen oben nehmen 
besonders grobe Sande in ganz hervorragendem Maasse an der 
Bildung dieses undeutlich gebankten Schichtgliedes Antheil. 

Durch einen weit vorgeschrittenen Oxydationsprocess ist seine 
Färbung eine lebhaft rostrothe und sticht im landschaftlichen Bilde 
von dem Grün des Bestandes von Kastanien, Eichen und Robinien, 
der die Villa Monte Rosso umgibt, scharf ab. Ihr verdankt der 
Berg seinen Namen. 

In 30 — 40 in hohen, senkrechten Wänden erhebt sich sein 
Gipfel über die Sande und Mergel der Basis und bildet in unserem 
Profile den zweithöchsten Punkt (432 m). Wo die Atmosphärilien 
von keiner Vegetationsdecke gehemmt ihren zerstörenden Angriff 
ausüben konnten, da bedeckt ein grellrostrother, etwas thoniger 
Sand die Oberfläche, der besonders am nördlichen Abhänge des 
Berges gegen Cassano Spinola eine ausgedehnte Verbreitung besitzt. 
Aber nicht nur hier, überall, wo die Conglomerate und Gerolle zu- 
tage liegen, stellt sich das nämliche Zersetzungsproduct ein, das 
öde, unfruchtbare Höhenrücken über weite Strecken bildet und bei 
heftigen Regengüssen von den fliessenden Wässern in tiefere 
Mulden zusammengeschwemmt wird. Es ist ein trauriger Anblick, 
den diese von zahllosen Wassergerinnen zerschnittenen Höhen 
gewähren, auf denen kaum ein paar kümmerliche Sträucher die 
nothwendigen Vegetationsbedingungen finden können. 

Von P'ossilien fand ich an Geröllstücken aufsitzend grosse 
Austernschalen, die meines Erachtens hier auf secundärer Lager- 
stätte ruhen. Ob diese Geröllmassen eine dem Belvederschotter ana- 
loge Bildung sind, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, aber wahr- 
scheinlich; gewiss jedoch ist, dass wir ihre Bildung als eine Folge 
des Rückzuges des Miocänmeeres und mancher damit in engstem 
Zusammenhange stehender tektonischer Veränderungen des Hinter- 
landes zu betrachten haben. Er ist das letzte Glied der so überaus 



[2o] Beitr. z. Parallelisining d. Miocänbildiingcu d. piomont. Tertiärs etc. 157 

mächtigen und mannigfachen Serie von marinen Miocänbildungen. die 
wir soeben durchwandert haben. 

Den gesammten über dem tortonischen Tegel und Sande 
liegenden Schicbtcomplex von Sauden, Gypsmergeln und Gerollen 
aber können wir als ein Aequivalent unserer sarmatischen Stufe und 
der Congerienschichten ansehen, denn abgesehen von den Lagerungs- 
verhcältnissen treten in demselben Horizonte an verschiedenen Loca- 
litäten Vertreter einer typischen Brackwasserfauna wie Adncna, Dreis- 
seria, MeJania, Melanopi^is, Hi/drobici, Ci/retia, Neritodonta auf, und wir 
können also auch hier den allgemeinen Rückzug des jüngeren miocänen 
Mediterranmeeres constatiren, bevor es neuerdings mit dem Beginne 
der Plioccänzeit in einer örtlich weit verbreiteten Transgression vor- 
dringt und in den Mergeln des Piacentino und den Sauden des 
Astiano seine reiche, so auffällig veränderte Meeresfauna begräbt. 
Und diese gewaltige Schwankung der Strandlinie in negativem 
Sinne, die zwischen der Miocän- und Pliocänzeit platzgegriffen hat, 
ist durch diesen höchsten Horizont, der eine theilweise Aussüssung 
des Beckens anzeigt, allenthalben auf das Schärfste präcisirt, und 
mit ihr die obere Grenze des Miocäns mit einer Genauigkeit gegeben, 
die wir an der Basis bei der Abgrenzung gegen das Oligocän leider 
noch immer vermissen. 

Ich kann es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, ein 
Phänomen zu erwähnen, das gerade zur Zeit meiner Anwesenheit in 
dieser Gegend viel Aufsehen machte und die abergläubige Be- 
völkerung in Furcht und Schrecken versetzte. Zu Spineto, einem 
kleinen Orte in der Nähe von Villalvernia, befindet sich ein Haus- 
brunnen, der in den letzten Tagen des Monates August eine ganz 
eigenthümliche Erscheinung zeigte. Um Mitternacht begann es in 
seiner Tiefe mit grossem Geräusche zu brodeln, das Wasser trübte 
sich, und ein weisser, im Dunkeln schwach leuchtender Nebel erhob 
sich über den Brunnenrand. Dies dauerte circa 30 Minuten, dann 
wurde es wieder ruhig. Diese Erscheinung wiederholte sich nun jede 
Nacht um dieselbe Stunde. Das Wasser des Brunnens ist frisch und 
trinkbar und bewahrte auch während des Aufwallens seine Temperatur. 
Diese Angaben wurden mir von verlässlichen Personen gemacht, 
welche das Phänomen zur Nachtzeit beobachteten. 

Die Kunde hievon verbreitete sich in der ganzen Gegend, und 
es mangelte durchaus nicht an den abenteuerlichsten Deutungen, 
nach denen ein fabelhaftes Thier, ja der Teufel selbst, in der Tiefe 
des Brunnens sein Wesen treiben sollte. 

Mir lag natürlich daran, diesen pozzo bollente, wie er all- 
gemein genannt wurde, kennen zu lernen, um dem räthselhaften 
Vorgange auf den Grund zu kommen, und ich war mit Herrn 
Ingenieur E. Mainini aus Serravalle schon auf dem Wege nach 
Spineto, als wir erfuhren, dass in St. Agata ein Brunnen dieselbe 
Erscheinung zeige, den wir denn auch aufsuchten. Er befindet sich 
im Hofe des Oekonomiegebäudes des Herrn Advocaten E. Bellingeri. 
Seine Tiefe beträgt etwa 10 m ; das Wasser steht bis circa 5 m 
unter der Oberfläche. Das Aufwallen dieses Brunnens geschieht in 
ungleichen Intervallen und ist auch in seiner Dauer nicht beschränkt. 



158 Franz Schaffer. [24] 

Das Wasser wird dabei röthlich, — blutig wie die Leute sagten. Ein 
Trunk überzeugte mich sofort von seinem hepatischen Geschmack, 
und eine flüchtige geologische Untersuchung der nächsten Umgebung 
Hess mich erkennen, dass der Untergrund von den im Vorhergehenden 
erwähnten gypsführenden Mergeln gebildet wird, und es lässt sich 
meines Erachtens das Aufwallen des Wassers auf das Aufsteigen von 
Gasblasen — vermuthlich von Schwefelwasserstoff — zurückführen, 
die sich in dem rothen, thonigen Schlamme des Bodens — einem 
Zersetzungsproducte der hier weit verbreiteten rothen Gerolle 
und Sandmassen — ansammeln und von Zeit zu Zeit den Druck der 
Wassersäule zu überwinden imstande sind. Dabei wird durch das 
Aufwühlen des Grundes die Trübung herbeigeführt. Die Periodicität 
dieser Erscheinung in dem Brunnen von Spineto scheint mir — falls 
sie überhaupt Thatsache ist — auf Zufall zu beruhen. 

Einige schwefelhaltige Quellen, die in derselben Zone zutage 
treten, z. B. die reiche zwischen Cassano Spinola und Sardigiiano 
gelegene, werden zu Heilzwecken verwendet und scheinen in engstem 
Zusammenhange mit den überall auftretenden Gypslinsen zu stehen. 



Einige interessante, von dem Profile von Serravalle abweichende 
Einzelheiten und eine überaus bedeutsame Ergänzung der daselbst 
verfolgten, an der Basis aber lückenhaften Schichtfolge des marinen 
Miocäns bietet die nächste Umgebung von Acqui. Den Ruf, welchen 
dieser Ort als Curort schon unter den Römern als Aquae Statiellae 
genoss, verdankt er den heissen Schwefelquellen, die in der Stadt 
selbst und südlich davon am rechten Ufer der Bormida zutage 
treten. Die Stärke der Quellen, ihre hohe Temperatur (40—750 C.) 
und ihre chemische Zusammensetzung — sie enthalten vorwiegend 
Schwefelcalcium, Chlornatrium, Chlorcalcium und Kieselsäure — machen 
den Ort zu einem der besuchtesten Bäder Oberitaliens. Es wird zu- 
meist der aus zersetztem Mergel und dem Mineralniederschlage der 
Quellen gebildete Schlamm zu Heilzwecken verwendet. 

Aber abgesehen von den thermalen Erscheinungen verdient die 
Localität ein ganz besonderes Interesse, denn an ihr zeigt sich in 
typischer Weise die stets noch geleugnete Ueberlagerung der 
Bildungen der ersten Mediterranstufe durch die der zweiten. Dabei 
sind besonders die tieferen Glieder durch einen Fossilreichthum aus- 
gezeichnet, der jeden Zweifel an der Altersverschiedenheit der 
einzelnen stratigraphischen Horizonte ausschliesst, und die einfachen, 
allenthalben in mächtigen Aufschlüssen zutage tretenden Lagerungs- 
verhältnisse machen das zu besprechende Profil (vergl. Fig. 2, pag. 159) 
zu einem wirklich classischen Normalprofil für das marine Miocän des 
Mediterranbeckens. 

Ich kann mich bei seiner Besprechung umso kürzer fassen, 
als die an der Basis liegenden Schichten von G. Trabucco') zum 
Gegenstande einer eingehenden Monographie gemacht wurden, und 



') G Trabucco, Sulla vera posizione del Calcare di Acqui. Firenze 1891. 



[25] Beitr. z. Parallelisirung d. Miocänbildungen d. piemont. Tertiärs etc. 159 



•Tiljoy^p }ußr>g^ ^ 









OT.ap9p\/o}y -5. 



t^^'^'^ 






^^i 



3 u opiTcyo}}/ ^ &j:^ 



.2 ^ 



3 <U 


s 


13 

q 


c« 


m 


cri ••=■ 


a 








Is 


CO 


c/3 


TS 


'^ 


is 


'x 


TS 


a 


§ 



~~ 2 H '- 



'^ Ol to O SiO 

C3 bß Oh ^ s-j 

C« H O CC S 

II II II II II 



160 Franz Schaffer. ' [26] 

die höheren sich in gleicher Ausbildung wie bei Serravalle 
wiederholen. 

Als tiefstes Glied tritt auch hier ein fossilleerer Horizont von 
schmutzig-grünem Mergel auf. Er geht gegen oben in sandreiche 
Geröll- und Conglomeratbänke über, in denen Serpentin und Quarzit 
vorherrschen. Diese sind meines Erachtens den früher erwähnten 
analogen Bildungen vieler anderer Localitäten des piemontesischen 
Tertiärs altersgleich und dürften mit Sicherheit an die Basis des 
Miocäns zu stellen sein. Hierher rechne ich auch den dünnbankigen, 
grauen Mergel, der südlich vom „Stabilimento dei Bagni di Acqui" 
in dem engen, tief eingeschnittenen Thale des Rio Ravanasco zutage 
tritt und, nach den oberflächlichen, wohl stark verwitterten Partien 
zu urtheilen, keine makroskopischen Fossilreste enthält. Das Fallen 
der Schichten ist gegen N gerichtet und beträgt etwa 20°. 

Diese Mergel werden gegen oben sandreicher und gehen 
unmittelbar am Badeetablissement in eine vielleicht 20 m mächtige 
Nulliporenkalkbank über Diese ist im Relief sehr deutlich ausgeprägt, 
denn ihrem Streichen folgt der steile Nordabhang des hier bis an 
das Bett der Bormida herantretenden Bergzuges, und die leicht zer- 
störbaren Mergelbänke, welche im Hangenden in concordanter 
Lagerung folgen, tragen noch dazu bei, das orographische Bild als 
eine directe Folge des geologischen Baues zu kennzeichnen. 

Die Kalkbank ist in einem Steinbruche in einer ca. 10 m hohen 
Wand aufgeschlossen und stellt sich uns als ein gewachsener Litho- 
thamnienkalk dar, der von einem der Hauptsache nach aus Bryozoen- 
ästchen und Foraminiferenschälchen gebildetem Gemenge erfüllt und 
durch ein kalkiges Cement zu einer äusserst dichten, ziemlich 
homogenen Masse zusammengekittet ist. 

Von fossilen Resten finden sich darin der Hauptsache nach 
grosse Pecten in oft vortretflicher Erhaltung und Zähne von 
Selachiern. Sie wurden von G. Trabucco in der oben erwähnten 
Arbeit einem eingehenden Studium unterzogen, das uns den calcare 
di Acqui als eine Bildung mittlerer, etwa 30-70 m betragender 
Tiefe und als ein Zeitäquivalent der Eggenburgerschichten des ausser- 
alpinen Wienerbeckens anzusehen lehrt. 

Der Vollständigkeit halber lasse ich im Nachstehenden die von 
dem genannten Forscher gegebene Fossilliste dieses Horizontes folgen : 

Carcharodon megalodon Ag. 
Odontasp/s cuspidata Ag. 

„ contortidem Ag. 

Oxyrhina hastalk Ag. 
Hemijiristis serra Ag. 
CJirgsophrys cincta Ag. 
Balamis pyodudus Miclif. 
Teredo JSorvegica Spengl. 
Lucina pecten Lam. 
Fecten Holgeri Gem. 

„ Solarium Lam. 

„ hurdigaleniiiin Lam. 



[27] Beitr. z. Parallelisirung d. Miocänbildungen d. piemont. Tertiärs etc. 161 

Fecten Haueri Micht. 

„ Malvinae Dub. 

„ (Janira) reoolutus Micht. 
Terebripora Ärchiaä Fisch. 
Ohjpeaster sp. 
Astraea sp. 
Textilaria sp. 
ClavuUna sp. 
Nodosaria sp. 
Globigerina sj). 
Hastigerina sp. 
Truncatulina sp. 
Ämphistegina sp. 
Operculina spr. 
Gyroporella sp. 
Lithothamnium racemus Aresch. 

Ich habe schon in dem ersten Theile meiner Arbeit auf die 
Unzulässigkeit der für diesen Kalkstein von vielen Autoren ge- 
brauchten Altersbezeichnung Aquitaniano hingewiesen, und folge 
der Meinung Trabuccos, der ihn der L an ghi sehen Stufe zu- 
zählt, wiewohl ich mich dessen weiteren Folgerungen von der Zu- 
sammenziehung von Aquitaniano, Langhiano und Elveziano 
inferiore unter der Bezeichnung Langhiano, soweit sie das 
Profil von Acqui betreffen, nicht vollinhaltlich anschliessen kann. 
Denn während der Nulliporenkalk von Acqui ohne allen Zweifel der 
älteren Mediterranstufe angehört, müssen wir die darüberfolgenden 
Mergel- und Sandsteinhorizonte, welche die directe Fortsetzung der 
bei Serravalle angetroffenen mittelmiocänen Schichtglieder sind, als 
unserer zweiten Mediterranstufe angehörig betrachten. 

Die an dem rechten Ufer der Bormida zunächst über dem 
Kalksteine liegenden, mit einem etwa 20^ betragenden Neigungs- 
winkel gegen N fallenden Mergel sind von dem im Thale der 
Borbera angetroff'enen Schliermergel weder petrographisch noch 
faunistisch zu unterscheiden. Sie zeigen dieselbe deutliche Bankung, 
denselben Wechsel von sandigen und kalkreicheren Lagen und den 
nämlichen Erhaltungszustand der fossilen Reste. Ihre Mächtigkeit 
ist bei dem auf eine nordsüdliche Erstreckung von mehr als 3 km 
sich gleichbleibenden Neigungswinkel mit 1000 tn wohl nicht zu hoch 
veranschlagt. Die Stadt Acqui liegt ganz in dieser breiten, im Relief 
durch das weite Bormidathal und die nördlich gelegenen, niederen 
Bergzüge bezeichneten Zone, welche durch das senkrecht zur 
Streichungsrichtung verlaufende Thal des Rio Medrio auf eine weite 
Strecke aufgeschlossen ist. 

Von Fossilien führt G. Trabucco aus diesen Mergeln an: 

Squalidi Spirialis atlanta Koen. 

Lepas Capellinii Trab. Hyalaea sp. 

Aturia Aturi Bast. Balantium pedemontanum May. 
„ radiata Bell. „ siymosum Bell. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (Fr. Schaflfer.) 21 



162 



Franz Schaffer. 



[28] 



Balant'mm pulcherrimum May. 
Vaginella Calandrellii Micht. 
„ Rzehaki Kiftl. 
„ Lapugiensis Kittl. 
Carinaria Parefi May. 

„ Hugardi Bell. 
Trochus sp. 
Natica helicina Brocc. 

„ redempta Micht. 
Bulla Brocchi Micht. 
Bullaea varicosa Ponzi. 
Teredo navalis Linn. 
Neaera Saracchii Trab. 
Pholadomya sp. 
Solenomya Doderleini May. 
Lucina miocenica Micht. 

„ Ägassizi Micht. 

„ spinifera Montg. 

„ Dicomani Mengh. 
Leda fragilis Chemn. 

„ Taramellii Trab. 
Änomia costata Brocc. 
Placuna langhiana Trab. 
Pecten Philippi Micht. 



Ostraea neglecta Micht. 
Schizaster sp. 

Lunulites intermedia Micht. 
Turbinolia sp. 

StephanophyUia elegans Bronn. 
Nodosaria comata Bats. 

„ bacillum Defr. 
Uvigcrina pigmaea d'Orb. 
Globig er ina bulloides d'Orb. 

„ bulloides var. triloba 

Reuss. 

„ inßata d'Orb. 

„ rubra d'Orb. 

„ dubia Egger. 

„ quadrilobata d'Orb. 

Orbulina universa d'Orb. 
Pullenia obliquo-loculata d'Orb. 

„ sphaeroides d'Orb. 
Sphaeroidina austriaca d'Orb. 
Pulvinulina Menardii d'Orb. 
Filliti. 

Nemertites sp. 
Helminthoida sp. 
Palaeodictyon tectiforme Sacco. 



Die horvorragendsten Charakterzüge dieser Fauna, das Fehlen 
der Canaliferen, das Vorherrschen zartschaliger Bivalven, wie 
Neaera, Leda und mancher Lucinen, das massenhafte Auftreten von 
Pteropoden, die zahlreichen Arten von Tiefseeforaminiferen und die 
Einzelkorallen lassen diese Mergel als unzweifelhaftes Aequivalent 
des Schliers von Oberösterreich und Bayern erkennen, wie wir es 
auch in dem Profile von Serravalle nachweisen konnten. 

Wenn wir von Acqui nordwärts durch das Thal Medrio wandern, 
so sehen wir beiläufig an der Stelle, wo der gegen Ricaldone führende 
Fahrweg von der Fahrstrasse abzweigt, den Mergel sandreichef 
werden und schliesslich in dieselben lichten Sandsteinbänke über- 
gehen, die wir in so ungeheuerer Mächtigkeit in den Bergen östlich 
von Stazzano antrafen. Auch in diesem Profile ist ihre Entwicklung 
keine geringere, denn sie lassen sich hier auf eine horizontale Ent- 
fernung von etwa 2000 m verfolgen, und wir können ihre Gesammt- 
mächtigkeit auf ca. 700 m schätzen. Die so ausgezeiclinete Bankung 
und der Wechsel härterer und lockerer Schichten, die Menge von 
feinem organischen Detritus, den wir allenthalben in dem Gesteine 
antreffen, und der ungünstige Erhaltungszustand der fossilen Reste 
sind auch hier die bezeichnendsten Merkmale dieses so wohl 
charakterisirten Horizontes. 

Von den Fossilien, die ich an wenigen Punkten zu sammeln in 
der Lage war, konnte ich bestimmen: 



[29] Beitr. z. Parallelisirung d. Miocänbildtmgen d. piemont, Tertiärs etc. 163 
Lithothamnium sp. Lucina globulosa Desh. 



Cidaris 



sp. 



Pecfen latissimus Brocc. Venus sp. 

„ scabrellus Lam. Turritella turris Bast. 

„ Bessert Andr. „ vermicularis Brocc. 

Anomia costata Brocc. Cerithium liynitarum Eichw. 

Osfrea digitalma Dub. Baianus sp. 

„ sp. Lamna sp. 
Cardita Jouanneti Bast. 

Ausserdem fand ich zahllose Aestchen von Bryozoen, welche 
manche Lagen ganz erfüllen, und kleine Korallenstöcke. 

Es kann also keinem Zweifel unterliegen, dass wir dieses 
mächtige, eintönige Schichtglied, das eine directe Fortsetzung der 
bei Serravalle angetroffenen analogen Bildungen ist, als Aequivalent 
unserer Schichten von Grund und Niederkreuzstetten anzusehen 
haben. Die zahlreichen jüngeren Formen seiner leider noch nicht 
genügend bekannten Seichtwasserfauna bieten einen auffälligen 
Gegensatz zu den typischen Charakteren der ersten Mediterranstufe, 
welche uns in dem Nulliporenkalke von Acqui begegnet sind. 

Die, wie wir gesehen haben, im und dann wieder weiter 
im W in so gewaltiger Entwicklung auftretenden tortonischen Mergel 
und die damit in engstem Zusammenhange stehenden Bildungen der 
Strandfacies sind in diesem Profile auf eine ganz unbedeutende 
Zone reducirt, die an manchen Punkten vollständig verschwindet, so 
dass die gypsführenden Mergel des obersten Miocäns direct auf den 
Sauden vom Alter unserer Grunderschichten auflagern. Es erinnert 
das Zurücktreten dieses sonst so mächtigen marinen Tegels ganz 
an die im Profile von Castelnuovo d'Asti angetroffenen Verhältnisse. 
(Siehe ersten Theil dieser Abhandlung, Jahrbuch d. k. k. geol. 
R.-A. 1898, Bd. 48, pag. 418.) Wo aber diese Tegel in ihrer typischen 
Ausbildung zutage treten, da führen sie auch die so bezeichnende 
Canaliferenfauna. 

Eine ganz ausserordentliche Entwickelung gewinnen in diesem 
Profile die brackischen Ablagerungen des obersten Miocäns. Die an 
der Basis auftretenden Gypse und Kalke nehmen hier eine gewaltige 
Zone ein, während die Mergel zurücktreten. Dieser ökonomisch so 
wichtige Horizont lässt sich bis unter die Ortschaft Ricaldone ver- 
folgen, wo er von Sauden und Schotter von nur geringer Mächtigkeit 
und endlich von den mit diesen stets verbundenen spröden Mergeln 
überlagert wird. Alle diese Schichtglieder entsprechen auf das 
Genaueste den am Monte Rosso angetroffenen und als Aequivalente 
der sarmatischen Stufe und der Congerienschichten erkannten Bildungen. 
Fossilreste konnte ich darin in diesem Profile nirgends nachweisen. 

Nördlich von Ricaldone breiten sich in einer ausgedehnten 
Zone die Tegel und Sande des Pliocäns in der allerorten sich gleich- 
bleibenden reichen faunistischen Entwicklung aus. 



21* 



164 Franz Schaffer. [30] 

Es Wäre überflüssig, über den Wert der beiden besprochenen 
Profile in Hinsicht auf die Stratigraphie des unteren Neogens viele 
Worte zu verlieren. 

Das Profil von Serravalle umfasst das mittlere und obere 
Miocän in reicher faunistischer Entwickelung und in seltener Voll- 
ständigkeit. Wir haben als tiefstes, durch eine individuenreiche, wenn 
auch artenarme und einförmige Fauna ausgezeichnetes Glied den 
Schlier im Borberathaie, darüber den mächtigen Horizont von 
Sanden und Sandstein, das Altersäquivalent unserer Gruuderschichten, 
über denen dann in ungemein fossilreicher Entwickelung der Badner 
Tegel mit den Sanden der Leithakalkbildungen und schliesslich die 
brackischen Schichten, die sarmatische und die pontische Stufe, folgen. 

Bei Acqui liegen an der Basis graue Tegel, die mir keine 
makroskopischen Fossilreste lieferten und etwa als Aequivalente des 
Foraminiferentegels von Ketösmezö angesehen werden könnten, 
darüber folgt der Nulliporenkalk von Acqui, der die Fauna unserer 
Eggenburgerschichten führt, und dann die vollständige Serie der bei 
Serravalle angetroffenen Schichtglieder, der Schlier, die Schichten 
von Grund, der tortonische Tegel und die den Rückzug des Miocän- 
meeres anzeigende brackische Stufe. 

Dieses letztere Profil ist in seiner Vollständigkeit und regel- 
mässigen Ausbildung wohl eines der interessantesten in dem Gebiete 
mediterraner Neogenbildungen und das einzige mir bekannte, welches 
in so typischer Weise die Ueberlagerung einer sicher der ersten 
Mediterranstufe angehörigen Fauna durch unzweifelhafte Ablagerungen 
des jüngeren Mediterranmeeres erkennen lässt. Es ist ein glän- 
zender Beweis für die Richtigkeit der von E. Suess für 
das Wiener Tertiär hecken aufgestellten Schichtfolge 
und für die Altersverschiedenheit der beiden älteren 
Mediterranstufen. 

Es ist als gewiss anzusehen, dass ähnlich wie bei Acqui zahl- 
reiche Profile in dem südlichen Theile des jjiemontesischen Tertiär- 
beckens dieselbe vollständige Schichtserie aufweisen werden, und es 
wäre nur zu wünschen, dass dieses Gebiet zum Gegenstande ausge- 
dehnterer und eingehenderer Untersuchungen gemacht würde, die, wie 
zu erwarten ist, zahlreiche Ergänzungen und Erweiterungen meiner — 
der Natur der Sache nach — nicht genügend abgeschlossenen Studien 
ergeben werden. 



Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 

Von Karl Oestreich. 

Mit einer Tafel ^Nr. VI) und 3 Zinkotypien im Text. 



Vorbemerkung. 

Die vorliegende Studie verdankt ihre Entstehung einer Anre- 
gung von Herrn Professor P e n c k in Wien. Er war es, der eine bei 
dem Verfasser durch Wanderungen im Gebirge von frühester Jugend 
an, besonders aber durch die Vorlesungen seines ersten Lehrers, des 
Herrn Professor Fischer in Marburg, geweckte Neigung zu Thal- 
studien in die richtigen Bahnen lenkte. 

Die Studie selbst ist die Frucht der Arbeit zweier Jahre. 

W^ährend des Sommers 1896 wurden die orientirenden Touren 
zur Kenntnis der orographischen und stratigraphischen Verhältnisse 
des gesammten Gebietes ausgeführt. Während der ganzen schnee- 
freien Zeit des Jahres 1897 wurde, nach nunmehr erlangter Kenntnis 
der für diesen speciellen Fall nothwendigen Arbeitsmethode, die geo- 
logische Aufnahme der Tertiärablagerungen vorgenommen ; dabei aber 
auch, soviel Zeit sich erübrigen Hess, durch häufigen Besuch über- 
ragender Berge die Einsicht in die allgemeinen Verhältnisse des Ge- 
birges erweitert. 

Die Literatur für das bearbeitete Längsthal beschränkt sich 
eigentlich auf Stur's Abhandlung: „Ueber die neogenen Ablagerungen 
im Gebiete der Mürz und Mur in Obersteiermark", die im Jahrbuch 
der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien im Jahre 1864 erschien. 
Stur's 1871 veröffentlichte Geologie der Steiermark gab nur eine 
Correctur seiner Ansichten über das genauere Alter der Tertiär- 
ablagerungen, verwies aber im übrigen auf die genannte Abhandlung. 

Als Karten standen dem Verfasser die neuen Aufnahmskarten 
von Vacek: 

Leoben und Brück a. d. Mur (Zone 16, Coi. XH), 
Mürzzuschlag (Zone 15, Col. XHI), 
Neunkirclien— Aspang (Zone 15, Col. XIV) 

zu Gebote. Ausserdem copirte er sich Theile der Blätter: 

Eisenerz — Wildalpe— Aflenz (Zone 15, Col. XH) 

der neuen Aufnahme und 

Jahrbuch d. k. k. geol. Keichsanstalt, 1899, 49. Band, 1. Heft. (K. Oestreich.) 



166 Karl Oestreich^ [2] 

St. Michael (Zone 17, Col. IX), 
Murau (Zone 17, Col. X), 
Köflach— Voitsberg (Zone 17, Col. XII) 
der alten Aufnahme. 

Blatt: Judenburg (Zone 17, Col. XI) 

endlich enthält ältere und neuere Aufnahmsresultate verschiedener 
Bearbeiter zusammen. 

Die neogenen Bildungen sind auf diesen Blättern fast stets nur 
mit einem Farbenton ausgeschieden, so dass des Verfassers Arbeit 
im Punkte der kartographischen Gliederung eine durchaus origi- 
nale war. 

Von einer Discussion der Bemerkungen Stur's wurde abge- 
sehen. Der Vergleich mit den folgenden Ausführungen wird ergeben, 
dass Stur's Anschauungen manchmal acceptirt, manchmal modificirt, 
manchmal fallen gelassen wurden, dass von Stur als tertiär ange- 
sprochene Bildungen eine andere Deutung erfuhren, dass seitdem, 
durch die jüngsten Aufnahmen oder die des Verfassers, neue Vor- 
kommnisse entdeckt wurden. Zumal Vacek hat in dankenswerter 
Weise tertiäre Terrassen ausgeschieden; allerdings ist eine solche 
Ausscheidung nicht immer in dem Sinne zu verstehen, dass die be- 
treffenden Terrassen auch jetzt noch wirkliche Tertiärablagerungen 
trügen. 

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in einen directe Beob- 
achtungen wiedergebenden und einen mehr theoretischen Theil. 
Innerhalb des ersteren wurde ausserdem noch, zur besseren Kenntnis 
des ganzen in Rede stehenden Gebietes, eine mehr compilatorische 
Arbeit niedergelegt, eine Darstellung des geologischen Grundgerüstes, 
wie sie sich aus Geyer's und Vacek's Berichten ergibt. 



I. Theil. 

Geologisch - morphologische Skizze und Darstellung der 
tertiären Ablagerungen. 

Man denkt nur an die allgemeine Lage zum Streichen der Ost- 
alpen, wenn man die von der oberen Mur und der Mürz durchflossene 
Thalfurche ein Längsthal nennt. Sie stellt in Wahrheit einen Wechsel 
von Längs- und Querthalstrecken dar und ist somit als ein „zusam- 
mengesetzes Thal" zu bezeichnen. 

Zudem lässt ein Blick auf die Karte zwei ihrer Richtung nach 
unterschiedene Thalstrecken, eine westliche, von West nach Ost, und 
daran anschliessend eine östliche, von Südwest nach Nordost ziehende, 
erkennen. Diese beiden Theilstrecken gehören, wie das Studium des 
Gebirgsbaues lehrt, in der That gänzlich verschiedenen geologischen 
Gebilden an ; daher eine gesonderte Betrachtung der beiden Regionen 
des oberen Murbeckens und des Mürzbeckens von selbst gegeben 
erscheint. 



[3] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. t67 

Das obere Murbecken. 

Das formgebende Element in der Urographie der östlichen 
Centralalpen ist die Umschwenkung der Tauernaxe nach Südost und 
das damit verbundene Ausweichen aller Schichtglieder aus der bisher 
allgemein befolgten West — Ostrichtung in die neue, dazu diagonale 
nordwest-südöstliche. Und wenn somit die Flussrichtungen in dem 
Gebiet östlich von dieser Biegung andere sind, als weiter im Westen, 
ist es uns erlaubt, dem Stand unserer heutigen Kenntnisse entsprechend, 
den letzten Grund dieses Verhaltens in der uns noch verborgenen 
Ursache zu suchen, welche die Umbiegung der Streichungsrichtungen 
im böhmischen Massiv veranlasste, also im alten hercynisch-sudetischen 
Gebirge, zu dem ja auch das palaeozoische Grundgerüst unserer 
Alpen gehört. 

Vom geologischen Bau der Umbiegungsregion gibt uns das 
Studium der diesbezüglichen Arbeiten Georg G e y e r's ein klares 
Bild 1). 

Eine solche Umbiegung ist wie jede tiefer greifende Bewegung 
in einem aus Gesteinsmassen verschiedener Festigkeit und Mächtigkeit 
bestehenden Complexe eine sehr complicierte Erscheinung. Wir finden 
nicht etwa von einem Punkte an im geologischen Streichen aus- 
schliesslich die neue Richtung ausgedrückt; wir haben im Gegentheil 
eine Anzahl von mehr oder weniger starren Kernen, die im Streichen 
normalerweise die neue Hauptrichtung documentieren, umflossen 
von den weicheren Schichten, die mannigfache Eigenbewegungen aus- 
führen. Doch ist auch das Streichen der richtunggebenden starren 
Massen kein regelmässiges, wie die folgende Betrachtung lehrt. 

Vier Gneisskerne, vier „Centralmassive", umrahmen den west- 
lichen Theil unseres Längsthaizuges: 

Das Ankoglmassiv im Westen, 

das Königstuhlmassiv im Süden, 

das Hochgollingmassiv im Norden, 

das Bösenstein-Grössenbergmassiv im Osten. 

Das Schichtstreichen ist im Ankogl- und dem Bösenstein-Grössen- 
bergmassiv das nordwest-südöstliche; im Hochgollingmassiv ein 
westöstliches, und im Gneissgebirge des Königstuhls ein meridio- 



*) Bericht über die geologischen Aufnahmen im Gebiete der krystallinischcn 
Schiefer von Judenburg, Neuniarkt und Obdach in Steiermark. Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1890, pag. 199. 

Bericht über die geologischen Aufnahmen im Gebiete des Specialkarten- 
blattes Murau. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1891, pag. 108 

Bericht über die geologischen Aufnahmen im oberen Murthale (Phyllitmulde 
von Murau und Neumarkt). Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1891, i)ag. 352. 

Reisebericht über die geologischen Aufnahmen im Luogau (Salzburg). Ver- 
handl. d. k. k. geol. R.-A. 1892, pag. 319. 

Vorlage des Blattes „St. Michael". Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1893, pag. 40. 

Ueber die Stellung der altpalaeozoischen Kalke der Grebenze zu den Grün- 
schiefern und Quarzphylliten von Neumarkt und Set. Lambrecht. Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1893, pag. 406. 



1^ Karl Oestreich. [4] 

nales, das jedoch in der Murgegend ebenfalls in das westöstliche 
einlenkt. 

Das Verhäitniss der Gneisskerne zu den die Zwischenräume 
ausfüllenden Glimmerschiefermassen, also die Frage nach dem ab- 
soluten und relativen Alter der Centralmassive, steht noch ausserhalb 
der allgemeinen Discussion. Doch ist anzunehmen, dass Gneissmassive 
und Glimmerschiefer in dieser Gegend von der grossen Gebirgs- 
faltung in gleicher Weise betroffen wurden. Wird doch der West- 
ost streichende Gneisskamm der Niedern Tauern (Hochgollingmassiv) 
nach seinem Untertauchen unter den Glimmerschiefer von diesem als 
kammbildendem Element nahezu in gleicher Höhe gegen Osten hin 
fortgesetzt, bis auch dieser Kamm in die Nordwest-Südostrichtung um- 
schwenkt, die Mur überschreitet und die Seethaler Alpen zusammen- 
setzt, zwischen dem Neumarkter und dem Obdacher Sattel 0, ein 
breites Gewölbe, das nur auf seinem Scheitel, vielleicht durch Zerrungs- 
vorgänge, westöstliche Streichrichtuugen zeigt. Auch die im Süden 
zu beiden Seiten des Königstuhlmassivs gelegenen Glimmerschiefer- 
massen haben das normale nordwest- südöstliche Streichen mit gele- 
gentlichen west-östlichen Ausweichsrichtungen. Im Hangenden dieser 
ältesten Bildungen haben sich an zwei ge.ichützten Stellen jüngere, 
transgredirende Schichtglieder erhalten, innerhalb (d. h. westlich) des 
Katschthal - Taurach - Bruchs die Kalkphyllite des Lungau und, wie 
Geyer sagt, geschützt durch die Umbiegung des Glimmerschiefer- 
kamms der Niederntauern die Gesteine der Phyllitmulde von Murau- 
Neumarkt. Die Kalkphyllite des Lungau fallen vom Gneiss des Ankogl- 
massivs nach Osten und Südosten gleichmässig ab und erfüllen den 
Raum zwischen diesem und der Hochgollingmasse, wobei sie das 
Liegende der Kadstädter Triastransgression bilden. 

Die Phyllitmulde von Murau-Neumarkt erleidet eine grössere 
Complication durch das Auftreten einer mächtigen Kalkplatte in den 
Kalkphylliten, die in einer bedeutenden, meridional verlaufenden 
Aufwölbung zutage tritt, ferner dadurch, dass die hangenden Quarz- 
phyllite über die Kalkphyllite hinaus auf die Glimmerschiefer über- 
greifen. Funde von Crinoidenstielgliedern in den Kalken der Grebenze 
verweisen die ganze Serie dieser halbkrystallinischen Gebilde bereits 
in das Palaeozoicum. Das Gesammtstreichen der Mulde ist, der Haupt- 
leitlinie entsprechend, das nordwest-südöstliche. Die meridionale Rich- 
tung, die ausser in dem erwähnten Kalkzug noch in den östlich des- 
selben streichenden Quarzphyllitfalten der Neumarkter Niederung 
zutage tritt, ist vielleicht nur eine unbedeutende Abweichung von der 
Hauptrichtung, und es ist noch nicht nöthig, an zwei zeitlich unter- 
schiedene Störungsvorgänge zu denken. 

In Denudationsresten sind ferner noch die Ueberbleibsel einer 
grösseren triadischen Decke in den Radstädter Tauern (zwischen 
Ankogl- und Hochgollingmassiv), sodann südlich der Mur, innerhalb 
des Königstuhlbogens in der Region der Stangalpe, Ablagerungen 
von Meer und Festland der Carbouzeit erhalten. Vielleicht sind 



') „Sattel" hier in orographischem Sinne. Besser würde wohl Senke oder 
Niederung passen. 



[5] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 169 

manche uns heute unerklärbar scheinende Flussrichtungen auf die 
Abfiussverhältnisse in den heute verschwundenen palaeozoischen und 
mesozoischen Sedimentdecken zurückzuführen. 

Dies ist in kurzen Zügen das geologische Bild der Umbiegungs- 
region, die wir nach ihrer Hauptentwässerungsader „das obere Mur- 
beckeu" nennen wollen, und die nächste Aufgabe wird sein, an der 
Hand dieser Leitlinien die Flussrichtungen derselben zu besprechen. 

Die Mur durchfliesst dieses^ ihr oberstes Thalgebiet in west- 
östlicher Richtung, unbekümmert *um das Streichen des Gebirges. 
Nur die bedeutendsten ihrer Quellflüsse haben thatsächlich die Nord- 
west-Südostrichtung, die sonst noch in den] Verbindungsstrecken des 
nördlichen und südlichen Nebenthaies zum Ausdruck kommt. Die 
natürliche Abflussrichtung wäre die zur Gurk, und damit zur Drau. 
Geyer ^) wies bereits darauf hin, dass die nordwest-südöstlich ge- 
richteten Querstrecken des Rauten-, Katsch- und Wölzerbaches, ebenso 
wie in der Diluvialzeit, für die es nachweisbar ist, auch in früheren 
Zeiten, also in der ursprünglichen Anlage, über die Perchauer und 
Neumarkter Sättel mit der Olsa, also der Gurk-Drau, in Verbindung 
stehen mochten; also zu jener Zeit, als die Mur noch nicht die 
Gneissmasse des Bösenstein-Grössenbergs durchbrochen hatte. Viel- 
leicht kann die Untersuchung der Carbonablagerungen der Stangalpe 
nähere Aufschlüsse über die älteste Geschichte unserer Gegend geben. 
Doch vorher bleibt alles reine Speculation, und es ist wohl metho- 
disch richtiger, nur den westöstlichen Lauf, wie er heute daliegt, ins 
Auge zu fassen; bietet doch auch er Probleme in hinreichender 
Menge ! 

Er ist ausgezeichnet durch die vorzügliche Ausbildung des 
Doppelthaies, das an manchen Stellen sogar ein dreifaches Thal 
darstellt, und durch die fiederförmige Stellung seiner Quellflüsse. 

Sieben Quellflüsse, die Mur, der Zederhausbach, die Taurach, 
die Weissbriach, der Lignitz-, der Göriach- und der Lessachbach, 
vereinigen sich zu zwei Quellflussarmen, Mur und Taurach. Die 
Stellung der Quellflüsse wurde als fiederförmig bezeichnet; die süd- 
westlichsten, Mur, Zederhaus und Taurach, fliessen parallel dem 
Streichen der Ankoglmasse nordwest-südöstlich, die nach Osten zu 
folgenden stellen dagegen Querthäler dar. Der letzte, der Lessach- 
bach, verläuft fast gradlinig im Meridian und findet seine gradlinige 
Fortsetzung in der Verbindungsstrecke von Taurach und Mur, sowie 
in der Mur selbst auf der kurzen Strecke ihres Durchbruchs durch 
den Gneiss des Königstuhlmassivs. Dort, wo die Mur wieder in 
die Ostrichtung einlenkt, empfängt sie den dritten Quellarm, den 
Thomabach. 

Ausser der erwähnten, von dem heutigen Taurach-Murfluss be- 
nutzten Verbindungsstrecke, besteht weiter oberhalb eine zweite, die 
ebenso gradlinig verläuft, aber heute nicht mehr vom Wasser benutzt 
wird. Dass aber in früheren Zeiten diese Linie ein wirkliches Fluss- 
thal war, beweist die gleiche Höhe der beiden Sättel in circa 1140 m 
Meereshöhe, zwischen Taurach und Mur einerseits, und Mur und 



1) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1891, pag. 109. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt 1899, 49. Band, 1. Heft. (K. Oestreich.) 22 



170 Karl Oestreich. |6], 

Thomathal andrerseits i). Die relative Höhe dieser Sättel beträgt 
circa 40 m über der Taurach, ungefähr 100 w über Mur und Thomabach. 
Auch diese Verhältnisse scheinen für die Existenz primärer meridio- 
naler Thalläufe zu sprechen, ebenso wie die eigenthümliche Richtung 
der Bundschuhthäler, die von Süden her bis zu dem letzterwähnten 
Sattel der Mur zufliessen, hier eine scharfe Schwenkung von 90^ 
ausführen und der Mur parallel fliesseii, bis diese sie in der geogra- 
phischen Breite des Thomathals erreicht. Früher sprach man in 
solchem Falle wohl einfach von zwei sich kreuzenden Bruchsystemen, 
heute haben wir zunächst an zwei der Zeit nach verschiedene Ab- 
flusssysteme zu denken. 

Von jetzt an, also ungefähr von der 1000 m-Isohypse, durch- 
fliesst die Mur das südliche Thal, die Fortsetzung des Thomathals, 
während der eigentliche, „Mur" genannte Quellarm eine gradlinige 
Fortsetzung im Leissnitzthal findet. Ein dritter, nördlichster Parallel- 
lauf ist der Krakaubach, der von den Querthälern der Niederen 
Tauern gespeist wird. Es folgt nun wohl die eigeuthümlichste Strecke 
des gesammten Thalzugs: die nördlichen Nebenthäler öffnen sich in 
drei diagonalen Thalstrecken in das südliche Hauptthal. Es sind das 
die Thäler des Kanten-, des Katsch- und des Wölzerbaches. 

Das dritte (nördlichste) Nebenthal hat in der Krakau eine Meeres- 
höhe von 1100 m. Ein Sattel, der 1200?// wenig überschreitet, führt 
in das Schöderthal, das nach kurzer Entfernung (circa 6 Kilometer) 
nur noch eine Höhe von 900 m hat, und eine breite Senke über den 
Kammersberg (1066 m) führt vom Schöder-Katschthal nach dem 
Wölzerthal. Das Katschthal sowie das Wölzerthal ziehen aus ihren 
mehr als 50 m höher gelegenen Thälern in der erwähnten Diagonal- 
richtung nach der Mur ab. Weiter oberhalb hat dieselbe Richtung 
der Rantenbach, der Abfluss des vereinigten Krakau- und Seebaches, 
welch letzterer den mittleren Thalzug benutzt, in dem weiter im 
Westen Mur und Leissnitzbach fliessen. 

Das nördliche Thal steht wiederum mit dem mittleren in Ver- 
bindung durch den trockenen Sattel von Schöder, dessen höchste 
Erhebung 50 m über den beiden Flussniveaus beträgt 2). Auch hier 
ist wieder die Spur eines alten meridionalen Thaies. 

Die Mur, der Fluss des südlichsten Thaies, empfängt von Süden 
her die Gräben des Königstuhlmassivs und der transgredirenden 
Carbonscholle, die sämmtlich die normale senkrechte Richtung zum 
Hauptfluss zeigen. Doch auch auf der Südseite beginnen complicirtere 
Verhältnisse beim Eintritt in die Phyllitmulde. Rantenbach, Katsch- 
und Wölzerbach erhalten Fortsetzungen ihrer nordwest-südöstlichen 
Richtung im Lassnitzbach, im Neumarkter Sattel und in dem von der 
Perchau herabfliessenden Doppelbach. 

Der Neumarkter Sattel ist eine breite Senke, die in etwa 140 ni 
über der in 745 m Meereshöhe fliessenden Mur im Gehänge einsetzt. 



') Die Karte verzeichnet für den erstereu Sattel nur 1129 m. Die wirkliche 
Wasserscheide wurde durch einen weiter nördlich sich bildenden, nach Südost 
abfliessenden Bach ausser Wirksamkeit gesetzt. 

^) Sattel 944 tu, Schöder 898 m. Rantenbach 890 m. 



[7] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 171 

Der höchste Punkt seiner Tietenlinie, die Station St. Lambrecht in 
888 m, ist in der Horizontalen nur 3 Kilometer vom Thalabhang gegen 
die Mur entfernt. Während nach Süden zu durch die Olsa eine Ent- 
wässerung zur Drau stattfindet, besteht kein Abfluss zur Mur. Dagegen 
benutzt der von Südwesten her kommende Lambrechtbach (Tajabach) 
die weichen Schiefer des Sattels, um in ihnen in tief erodirtem Bett 
mit starkem Gefäll die Mur zu erreichen. Vielleicht stellt er einen 
alten Nebenfluss eines einst über den Neumarkter Sattel zur Mur 
fliessenden Stromes dar. 

In diesem Neumarkter Sattel besitzt also das Murthal einen 
unter der 9u0 m-Isohypse gelegenen Ausgang in das Thalsystem 
der Drau. Und ein zweiter derartiger Sattel in der Meereshöhe von 
951 m führt aus dem Judenburger Becken in das zur Drau fliessende 
Lavantthal über. Auf der nördlichen Seite empfängt die Mur in 
demselben Becken einen grösseren Nebenfluss, die Pols, und östlich 
von beiden genannten Seitenthälern , Granitzenthal und Obdacher 
Sattel einerseits, Pölsthal andrerseits, schliesst das von dem heutigen 
Flusse durchbrochene Bösenstein-Grössenbergmassiv das ganze obere 
Murbecken ab. 

Es drängt sich nun von selbst die Frage auf: Gibt es ein Mittel, 
die früheren Stadien der Flussentwicklung zu erkennen, haben wir 
zunächst den tertiären Fluss? 

Die Kenntnis der Thatsache, dass das Murthal in der Diluvial- 
zeit bis in das Judenburger Becken vergletschert war, wird uns davor 
bewahren, allzu kühne Erwartungen zu hegen in Betreff der Er- 
haltung früherer Thalablagerungen. In der That, die tertiären Reste 
sind im oberen Murbecken nur sehr spärlich vorhanden. 

Das Murthai von St. Michael im Lungau bis Tamsweg, also das 
Thal des mittleren Hauptquellstromes, wurde von den diluvialen Eis- 
massen bis auf den Felsgrund ausgeräumt. Nur an einer Stelle, im 
Schutz der Gletscherbifurcation, am Gehänge unter dem erwähnten, 
vom Murthal zum Thomabach führenden niederen Sattel, sind ältere 
Thalablagerungen in einem schmalen Hügelsaum erhalten. Es ist ein 
von Moräne überlagerter, dünngeschichteter, z. Th. schon geschieferter 
Mergel mit feinen Kiesstreifchen, ganz rein, ohne Gerolle, Ost bis 
Nordost fallend, dem sich gegen Nordosten zu ein längerer, aus 
Conglomerat bestehender Hügelstreif anschliesst, aus einem Conglo- 
merat, das dem heutigen Murschotter entsprechen mag und gleich 
diesem viel KalkgeröUe (der Radstädter Trias) enthält. Das Conglo- 
merat scheint eine höhere Lage einzunehmen als der Mergel, doch 
ist sein Fallen nicht wahrzunehmen, auch nichts von einem Contact. 
Weder auf der Karte, noch in der Literatur ist dieses Vorkommen 
verzeichnet. Doch ist es in der Natur leicht wahrnehmbar durch die 
eigenthümliche, kantenlose, abgerundete Gestalt des Lehmhügels, 
den höheren, schärfer conturirten Rücken, den das Conglomerat 
zusammensetzt. 

Im Taurachthal fand keine derartige Ausräumung statt. Hier 
floss der Eisstrom nicht ungehindert durch das Thal. Die Gletscher, 
welche die Flüsse der Lungauer Querthäler ihm in die Flanke 
schickten, bauten ihre Moränen in die Taurachebeue vor; und im 

22' 



172 Karl Oestreich. [8] 

Schutze ihrer Moränen innerhalb der Taurachebene und weiter nach 
Osten in der ganzen Breite zwischen dein Leissnitzthal und der vom 
heutigen Flusslaufe verlassenen Fortsetzung des Taurachthals ist in 
einer Länge von gegen 10 Kilometer die tertiäre Thalablagerung er- 
halten geblieben. Sie stellt sich dem Auge sehr deutlich dar durch 
das plötzliche Auftreten ruhigerer Hügelformen in der Grundmoränen- 
landschaft der Taurachebene. 

Eine Gliederung, wie G e y e r ^) sie annimmt, in unteren Mergel 
und oberes Conglomerat mit einem Schotter im Hangenden, das 
Ganze muldenförmig, lässt sich nicht durchführen. Beginnt man die 
Kartirungen bei Tamsweg, so hat es allerdings den Anschein, als 
folgten unter dem Westnordwest bis Nordnordwest einfallenden Con- 
glomerat die Pflanzenschiefer in den höheren Lagen des Tertiärhügels. 
Doch wechselt einerseits die Fallrichtung beständig, und andererseits 
ist an vielen Stellen, am besten aber im Göriachthal (Ostgehänge), 
zu bemerken, dass Conglomerat und Mergelschiefer in beständiger 
Wiederholung wechsellagern ^). Es spielte sich hier ein sehr wechsel- 
volles Flussleben ab, und die Einwirkung, welche die spätere Störung 
auf diese stete Aufeinanderfolge von Schichten allerverschiedenster 
Consistenz ausübte, sowie der Druck, den sie von den darüber hinweg- 
strömenden Eismassen erlitten, äussert sich im beständigen Wechsel 
der Fallrichtung. Weiter im Osten, im Leissnitzthal, sind die Ver- 
hältnisse einfacher; das gegen Süd (Südwest oder Südost) geneigte, 
dem Grundgebirge auflagernde Conglomerat bildet den Abhang nach 
dem Thal. Ein Profil am östlichen Gehänge des bei Sauerfeld von 
Norden kommenden (Prebersee-) Grabens zeigt, wie unter dem Gewicht 
der sich schräg stellenden Conglomeratmassen die weicheren Glimmer- 
schiefer im Liegenden gefältelt und zerdrückt wurden. Das Plateau 
oben, im Hintergrunde, ist von den Mergelschiefern bedeckt. 

Zur Klarlegung der tertiären Flussverhältnisse ist besonders 
der Umstand von Interesse, dass die Conglomerate keine Kalkgerölle 
enthalten, also nicht von der Taurach und aus dem Radstädter Trias- 
gebirge, sondern aus den Lungauer Querthälern kamen. Die Taurach 
scheint zu jener Zeit über den Mauterndorfer Sattel nach Süden zur 
Mur abgeflossen zu sein. Eine niedere Thalwasserscheide mag sie vom 
nächsten Parallelthal, dem Thal der Weissbriach, geschieden haben. 
Was den von Geyer angenommenen tertiären Schotter auf dem rechten 
Ufer der Taurach anbetriff"t, gegenüber von Tamsweg und Wölting, 
so stellt er wohl nur ein aufgelöstes Conglomerat dar. Er bildet auch 
auf dem linken Ufer bei St. Andrä einen kleinen Hügel. Vielleicht 
verdankt er seine vom normalen Typus des Conglomerats abweichende 
Erhaltungsart nur dem Druck durch das Gletschereis, dessen Moränen 
ihn bedecken. 

Das nächste Tertiärvorkommen ist das des Sattels von Schöder, 
zwischen Schöder- und Rantenbach, in der Phyllitmulde- von Murau: 
ein nach Nord fallendes Conglomerat aus zum Theil sehr grossen 



^) Persönliche Mittbeilung. Publicirt wurde nichts. 

^) Auf der Uebersichtskarte konnte diese Wechsellagerung nicht zum Aus- 
druck gebracht werden. 



I 



[9] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. l73 

Gneiss- und GlimmerschiefergeröUen, demnach eines von Norden, von 
den Niedern Taueren, nacli Süden fliessenden Flusses. Oberhalb der 
Abzweigung fand ich im Schöderbach einige Conglomeratstücke, die 
vielleicht aus dem oberen Günsterthal stammen ; doch fehlte die Zeit, 
dieser sehr undeutlichen Spur nachzugehen. Das Conglomerat von 
Schöder ist wenig aufgeschlossen, am besten an der Strasse, wo sie 
die Höhe des Sattels erreicht; ferner kann man am östlichen Gehänge 
ein feineres Conglomerat und kohleführenden Sandstein wahrnehmen. 

Die Spuren eines bedeutenderen Flusses sind im Wölzerthal zu 
finden, in den mächtigen Conglomeratablagerungen von Oberwölz. In 
vier Resten, dem Hügel von Schloss Rothenfels, dem Abhang des 
Hinterburgplateaus gegen das Wölzerthal, dem Meinhartsdorfer Cal- 
varienberg und dem östlichen Thalgehänge über dem Eselsberger 
Bach, ist diese über 200 m mächtige Ablagerung erhalten : Westnord- 
west bis Nord fallende, manchmal grellroth gefärbte Kalk- und 
Dolomitconglomerate mit ebensolchen Sandsteinzwischenlagen. Die 
Gerolle entstammen den dort allenthalben anstehenden Kalkmassen 
der Kalkphyllitstufe. Doch da deren Hauptverbreitungsgebiet südöstlich 
der Wölzergegend liegt, möchte man geneigt sein, in der Zeit der 
Bildung dieses Conglomerates einen dem heutigen entgegengerichteten 
Flusslauf zu vermuthen. 

Im Murthal selbst sind die tertiären Ablagerungen alle ver- 
schwunden, hier wechseln Strecken glacialer Erosion mit solchen 
glacialer Accumulation. Nur in einem kleinen Seitengraben, dem 
Waltersbachgraben bei Unzmarkt, ist ein blauer Thon mit darüber 
lagerndem verfestigtem Schotter oder bereits wieder aufgelöstem 
Conglomerat zu sehen, in einem sehr unbedeutenden Aufschluss. Der 
Schotter mag tertiär sein, denn die Gerolle sind wohlgerundet, 
während ich für die Diluvialzeit dieselben eckigen und wenig ge- 
rollten Stücke, wie sie der heutige Wildbach dort ablagert, annehmen 
möchte. 

Es bleibt nun noch die wichtige Frage nach der tertiären Ge- 
schichte des Neumarkter Sattels. In der Diluvialzeit war diese Region 
vom Murgletscher erfüllt, worauf Geyer hinwies, und jedenfalls 
stellt sie ein breites, uraltes Thal dar. Aber wiederum ist der 
Gletscher die Ursache, dass oberflächlich nur sehr wenig zu sehen 
ist; es wechseln lange Rücken anstehenden Felsgesteins mit langen, 
flachen, von glacialen Bildungen erfüllten Thälern ab. 

Stur^) wies auf einige Vorkommnisse von Tegel hin, die Rolle 
aus der Neumarkter Gegend anführt, sowie auf die Resultate einer 
Bohrung, die von oben nach unten eine Folge von Lehm, Schotter, 
Tegel, bildsamem Thon und bläulichem Sand ergab, die er für tertiär 
erklärt, weiss aber nichts über etwaige tertiäre Flussläufe anzugeben. 
Auch die neuere geologische Aufnahme verzeichnete alle jüngeren 
Bildungen mit der Farbe der glacialen Schotter. Leider konnte ich 
diese Gegend erst spät im Herbst besuchen, als der Schnee eine 
genauere Begehung unmöglich machte. Doch sah ich zwei interessante 
Stellen, zunächst ein Profil im Einriss des Lambrechtbaches , das 



') Stur, Jahrb d. k. k. geol. R.-A. 1864, Bd. 14, pag. 241. 



174 Karl Oestreich. [10] 

von unten nach oben Schotter, eine Conglomeratplatte, Thon ergab. 
Diese Lagerung ist ganz zweifellos, an eine Anlagerung des Schotters 
konnte nicht gedacht werden. Eigenthümlich ist auch die Conglomerat- 
platte, deren Mächtigkeit kaum mehr als 5 cm beträgt. Die Serie 
fällt ganz flach südlich. Sie ist eingesenkt in die Quarzphyllite und 
taucht unter die Thalsohle des Lambrechtbaches, tief unter dem alten 
Thalboden des Neumarkter Sattels. 

Daraus geht hervor, dass im Bett des Lambrechtbaches auf 
die Zeit starker Erosion eine Accumulationsperiode, und dieser 
wiederum eine Erosionsperiode folgte, die noch heute andauert. Und 
die ganze Entwicklung fand erst statt, als der Neumarkter Sattel 
kein Flussthal mehr darstellte ; also, wenn man in ihm das tertiäre 
Flussthal sehen möchte, erst in der Posttertiärzeit. Diese Zeit würde 
alsdann mit einer starken Erosion beginnen, mit der Erniedrigung der 

Fi^. 1. 







Das Profil am rechten Ufer des Lambrechtbaches, 

1. Schotter. 

2. Conglomeratplatte. 

3. lietten. 

Sohle des Lambrechtbaches auf das vielleicht durch einen erneuten 
Einbruch des Judenburger Beckens neugeschaÖene, vertiefte Thal- 
niveau der Mur. Darauf käme, dem Anwachsen der absperrenden 
Eismassen im Hauptthal entsprechend, eine sehr schnelle, sehr mächtige 
Accumulation. Durch diese Zuschüttung seines eigenen Bettes wäre 
das Gefälle des Lambrechtbaches stark reducirt worden, so dass er 
schliesslich nur noch feine Gerolle transportiren konnte, wie sie die 
Conglomeratplatte zusammensetzen ; und dann fand nur noch eine 
Ablagerung feinsten Schlammes statt. 

Die Voraussetzung dieser Darlegung, die Annahme, dass in der 
Tertiärzeit noch der Neumarkter Sattel das Flussniveu darstellte, 
fand unerwartet schnell eine willkommene Bestätigung. Denn östlich 
der Station St. Lambrecht fand ich das wirkliche Flussconglomerat in 
einem durch den Adelsberg vor der Wegschatfung durch die diluvialen 
Eismassen bewahrten Best. Es besteht aus den Kalken und Schiefern 
der Neumarkter Gegend und beweist also, dass es nur einem Neben- 
fluss, nicht aber der Mur selbst seine Entstehung verdankt. 



I 



[11] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 175 

Das Mürzbecken. 

Wir brachen die Skizzirung der geologischen Position unseres 
Tiängsthalzuges an dem Punkte ab, wo der aus Granatenglimrnerschiefer 
bestehende Kamm der Niederen Tauern, aus der bisherigen west- 
östlichen Richtung in die nordwest-südöstliche umschwenkend und 
nach Südost weiterstreichend, die Seethaler Alpen sowie die Saualpe ') 
bildet. Auch wurde bereits erwähnt, dass die äussere Contur des 
Glimmerschieferzuges sich an die Bösenstein- Grössenbergmasse an- 
lehnt, die selbst nur einen Theil der grossen „nordsteirischen Gneiss- 
masse" darstellt, innerhalb deren die weitere Entwicklung des Längs- 
thals stattfindet, bis zu seinem Ausklingen in das Wiener Becken. 
Ueber die Structur dieses mächtigen Gneissbogens sind wir durch 
Vacek's^) Arbeiten unterrichtet. 

Die nordsteirische Gneissmasse wiederholt in ganz hervor- 
ragender Weise den Umriss des böhmischen Massivs : als ein breites 
Kreisbogensegment, das seine Convexität nach Süden wendet. Und 
diese Umbiegungsstelle liegt sogar, wie Vacek hervorhebt, im 
Meridian von Grein, wo die Donau den südlichsten Vorsprung der 
alten Masse durchbricht^). 

In tektonischer Beziehung erweist sich der nordsteirische Gneiss- 
bogen als ein Haches antiklinales Gewölbe. Seine Axe stellen die 
Hornblendegneisse dar, welche die Hauptmasse der Rottenmanuer 
Alpen (Bösensteingruppe), der Sekkauer-Alpen (Zinkenkoglgruppe), 
der Stubalpe (Unibiegungsregion) und des nach Nordosten weiter 
streichenden Kammes (der Gleinalpe, der Hochalpe und des Rennfeld- 
stockes) bilden. 

Daran legt sich im Norden ein Mantel jüngerer, grober, flasriger 
und porphyrischer Gneisse, die in den Rottenmanuer Alpen sehr 
stark entwickelt sind, am Nordabfall von Glein- und Hochalpe nur 
mehr in einer schmalen Zone auftreten. Ihre volle Entwicklung tritt 
erst weiter nördlich^ im Mürzthaler Gneissgebirge zutage, zwischen 
Mürz- und Stübmingthal, wo die Gesteine, eben jene groben Gneisse, 



^) Vacek, Verhandl. d. k. k. geol. R-A. 1890, pag. 14. 

'') Ueber den geologischen Bau der Centralalpen zwischen Enns und Mur. 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 71. 

Ueber die geologischen Verliältnisse des Flussgebietes der unteren Mürz. 
Verhandl. d. k. k geol. R.-A. 1886, pag. 45ö. 

Die geologischen Verhältnisse des Semmering. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1888, pag. 60. 

Ueber die geologischen Verhältnisse des "Wechselgebietes. Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1889, pag. 151. 

Ueber die krystallinische Umrandung des Grazer Beckens. Verhandl. d. 
k. k. geol. R.-A. 1890, pag. 9. 

Ueber die geologischen Verhältnisse des Rosaliengebirges. Verhandl d. k. k. 
geol. R.-A. 1891, pag. 309. 

Ueber die krystallinischen Inseln am Ostrande der alpinen Centralzone. 
Verhandl. d k. k. geol R.-A. 1892, pag. 367. 

Einige Bemerkungen über das Magnesitvorkommen am Sattlerkogel in der 
Veitsch und die Auffindung einer Carbonfauna daselbst. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1898, pag. 401. 

') Vacek, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 73. 



176 Karl Oestreich. [12] 

dcas normale nordwestliche Einfallen verrathen. Und einen abge- 
sprengten Rest dieses tektonischen Gliedes müssen wir wohl in der 
Pretulalpe sehen, die südöstlich der Mürz in der Nachbarschaft des 
Wechselstockes liegt. Sie ist aus den gleichen Gesteinen zusammen- 
gesetzt und zeigt das gleiche nordwestliche Einfallen '). 

Auf der Südseite scheinen die Gesteine der zweiten Gneissstufe 
verschwunden zu sein, wenn nicht die Gneisse des Grössenbergs 
schon zu dieser zu stellen sind, wie Geyer 2) annehmen möchte. 

Nach der älteren Anschauung 3) fand hier, an der südlichen 
Biegung des nordsteirischen Gneissbogens, eine tektonische, nicht nur 
eine orographische Gabelung statt. Man nahm an, dass der Nordwest- 
Südost streichende Bösenstein-Grössenbergzug in gleicher Richtung 
weiterstreiche und die Koralpe zusammensetze, und dass am Speik- 
kogl (der Stubalpe) ein neuer, südwest-nordöstlich ziehender Gneisszug 
einsetze. Aber der Speikkogl ist nur in orographischer Hinsicht ein 
Knotenpunkt. Denn nach V a c e k's *) Untersuchungen besteht die 
Koralpe gar nicht aus Gneiss, sondern aus den Gesteinen der nächst 
jüngeren Granatenglimnierschiefergruppe. 

Weiter nach Osten zu , also in dem Südwest - nordöstlich 
streichenden Bogenstück der steirischen Masse, taucht das tiefste 
Glied, der Hornblendegneiss, unter. Erst im Rosaliengebirge ragt er 
wieder in einigen Kuppen über die groben Gneisse hervor, die nun 
nach langer Unterbrechung in etwas veränderter Streichrichtung an 
die Axe des Gebirges von Süden herantreten, östlich der Feistritz 
den Rabenwald, Presenberg, Masenberg und die Mulde des Wechsel- 
stockes zusammensetzen. Die Tiefenlinie dieser Mulde hebt sich nach 
Nord-Nordost zu: daher das vorerwähnte Wiederauftauchen der 
tiefsten Bildungen im Rosaliengebirge. 

Dagegen fehlt hier, wie überhaupt auf der ganzen Südseite des 
Gneissbogens, der körnige, sogenannte „Blasseneck" 5)-Gneiss, der 
auf der Nordseite in bedeutender Mächtigkeit normal auf die groben 
Gneisse des Mürzthales folgt. Er lässt sich aus der Eisenerzer Gegend, 
also von dem Gneissbezirk der Bösensteingruppe durch jüngere 
Bildungen getrennt, zunächst in breiter Entwicklung durch das obere 
Tragössthal, längs der Nordhänge des Stübmingthals, durch die 
oberen Veitschthäler, dann in einem schmalen Zug in die Prein 
verfolgen, und tritt in drei Kuppen, dem Kreuzberg, dem Kober- 
mannsberg und dem Gotschakogl, noch in der Semmeringgegend 
zutage. 

So stellt die grosse nordsteierische Gneissmasse nur noch einen 
Torso dar, vielfach umlagert von Trümmern und Fragmenten und 
erfüllt von den Gesteinen der Quarzphyllitgruppe. Denn der Granaten- 
glimmerschiefer, der im oberen Murbecken die Ausfüllung zwischen 
den Gneissmassiven darstellt, fehlt innerhalb des nordsteirischen 



') Vacek, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1888, pag. 61. 
'') Geyer, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1890, pag. 200. 
^) Stur, Geologie der Steiermark, pag. 13. 
*) Vacek, Verband), d. k. k. geol. R.-A. 1890, pag, 13. 
5) Foul Ion, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 88 und 111. 
Vacek, Verhandl. d. k. k. geol. R -A. 1891, pag. 311. 



[13] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 177 

Gneissbogens gänzlich. Die Thatsache jedoch, dass er auf der Aussen- 
seite desselben vorhanden ist, fuhrt uns zur Annahme, dass zur 
Zeit seiner Bildung die Gneissmassen noch nicht die tiefgehende 
Zerstörung erlitten hatten, welche die erneute Transgression und 
Ablagerung ermöglichten. Dieser Zeitpunkt trat erst zur Zeit der 
Bildung der Gesteine der Quarzphyllitgruppe ein, immer voraus- 
gesetzt, dass Vacek's Aufstellung von grossen transgredirenden 
Formationen in diesen ältesten Schichtbildungen Geltung hat. 

Die Quarzphyllitserie beginnt im Innern des nordwestlichen und 
südlichen Bogenstückes mit einem Conglomerat i), über dem sich 
zunächst Gesteine von gneissartigem Habitus aufbauen, sodann die 
ganze Masse der Phyllite, deren Streichen in dieser Gegend voll- 
ständig dem der Gneisse entspricht 2). 

Berücksichtigt man ferner Vacek's Angabe, dass die Quarz- 
phyllite vom Wechselstock allseitig abfallen, so könnte man die 
Vermuthung aussprechen, dass die Schichtstörung der Phyllitgruppe 
nur eine Begleiterscheinung der Faltung des Gneissgebirges war, und 
dass diese (Ur-) Faltung also in verhältnismässig später Zeit, erst 
nach der grossen Abtragung und erneuten Transgression, stattfand. 

Ob die Aufsteilung dieses Begriffes einer Quarzphyllitgruppe 
eine endgiltige sein wird, ist heute schwer zu entscheiden ; schon 
jetzt sind Bildungen dreier, durch Fossilfunde charakterlsirter Forma- 
tionen im Verbreitungsgebiet derselben nachgewiesen. 

Im nordwestlichsten Winkel, anschliessend an den inneren 
Rand der Gneisszone, erheben sich die Kalkmassen der Eisenerzer 
Alpen. Sie liegen nach der geltenden Anschauung als transgredirende 
Schichtreihe auf dem Blasseneck-Gneiss oder den Gesteinen der 
Quarzphyllitgruppe auf, am Abfall des Reiting gegen das Trofajacher 
Becken in einer Mächtigkeit von mehr als 1000 m. Da uns aber keine 
Detailarbeiten über diese Gebilde zur Verfügung stehen, lässt sich 
zur Zeit nicht entscheiden, ob weiter gegen Osten hin eine gewaltige 
Abtragung ungeheure Mengen von Sediment, eine allgemein verbreitete, 
mächtige Kalkplatte, weggeschafft hat, oder ob die heute erhaltenen 
Kalkstöcke nur Linsen in den Quarzphylliten darstellen, gleichzeitige 
Bildungen, und in einem andersartigen Medium entstanden. 

Im Liegenden der Eisenerzer ^) Kalke, in den pyritführenden 
Thonschiefern, sind Orthoceren gefunden worden. Und zwar ähnelt 
dieses Vorkommen in Gesteinscharakter sowie Erhaltungsart der 
Fossilien dem der zuerst entdeckten nordalpinen Silurfauna, der 
Fauna von Dienten*) (nördlich von Lend im Unterpinzgau), derartig, 
dass man auch die Eisenerzer Thonschiefer ins Obersilur stellte 



^) Verhandl d. k. k. geol. R.-A 1890, pag. 16. Berichtigung der daselbst 
1886, pag. 73 f. ausgeführten Ansicliten von der Zusammensetzung des Gneiss- 
profils, nach denen das Conglomerat und die hangenden Schiefergneisse noch zur 
Gneissserie gehören. 

2) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 76. 

^) Stäche, Ueber die Fossilfunde von Eisenerz. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1879, pag. 216. 

*) Hai ding er Berichte 1846, I., pag. 187; Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1854, 
pag. 371. — Stur, Geologie der Steiermark, pag. 92. — Stäche, 1. c. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, l. Heft. (K. Oestreich.) 23 



178 Karl Oestreich. [14] 

(Etage E, Bar ran de). Die tieferen Lagen der Kalke, die gelb- und 
rothgefleckten Sauberger Kalke, enthalten Reste von Brordeus und 
anderen unterdevonischen Formen (Fund vielleicht G Bar ran de). 
Nach oben gehen diese Kalke in gleichmässig grau gefärbte über, 
und das Hängendste bildet das berühmte Eisenerzer Spatheiseustein- 
lager. Nach Stur') ist auch in einem aus dem Spatheisenstein 
stammenden Handstück Spirifer cf. heterodytus v. Buch gefunden, so 
dass das Erzlager gleichfalls ins Devon zu stellen wäre. Doch glaubt 
Vacek, der diesen Fund nicht mehr erwähnt, dass die Eisenstein- 
formation eine spätere, vielleicht permische ^) Transgression auf den 
in längerer Festlandsperiode mannigfach ausgestalteten und abge- 
tragenen silurisch-devonischen Untergrund darstellte. 

Beide Gebilde, Kalk und Eisenstein, treten im Innern des 
Gneissbogens allenthalben auf, in grösseren und kleineren Zügen und 
Lappen, aber eine stratigraphische Fixirung ist bei dem Mangel an 
bezeichnenden Fossilien zur Zeit unmöglich. 

Dagegen ziehen zwei durch Pflanzen charakterisirte Züge von 
carbonischem Schiefer und Kalk, dem Gesammtstreichen entsprechend, 
einerseits aus dem Ennsthal bis in die Gegend des Murdurchbruchs 
bei Brück, und anderentheils aus der Gegend nordwestlich davon bis 
über den Semmering. In den Schiefern des nördlichen Zuges wurden 
durch Toula^) bei Klamm am Semmering, in denen des südlichen 
im Pressnitzthal bei St. Michael an der Mur durch J e n u 1 H) Pflanzen 
der Schatzlarer Schichten, also des Obercarbon, gefunden. Und dieser 
stratigraphischen Fixirung widerspricht auch die von K o c h 5) als 
Untercarbon gedeutete Fauna von Veitsch nicht, da auf dieses Alter 
mehr aus der Aehnlichkeit mit bestimmten untercarbonischen Marin- 
faunen, als aus einem ausschliesslich untercarbonischen Charakter der 
Fossilien geschlossen wurde ^j. 

Einige für das Gesammtbild unwesentliche Züge mögen hier 
übergangen werden ; dagegen soll späterhin eine kurze Discussion 
der entgegengesetzten Anschauungen über die geologischen Verhält- 
nisse des Semmering folgen, da er als Träger einer Thalwasserscheide 
von besonderem Interesse für unsere Darstellung sein muss. 

Im Norden des vom nordsteirischen Gneissbogen umgrenzten 
Gebietes findet die Auflagerung des triadischen Gebirges, der nörd- 
lichen Kalkalpen, statt. Es sind das die schollenförmigen, durch 



') Stur, Geologie der Steiermark, pag. 94. — Stäche, 1. c. 

») Verband], d. k. k geol. R.-A. 1886, pag. 82. 

^) Verband!, d. k. k. geol. R.-A. 1871, pag. 241. 

Toula, Geologiscbe üntersucbungen in der „Grauwackenzone" der nord- 
östlicben Alpen. Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissenschaften 1885, 
Bd. L, pag. 133. 

*) Stur, Funde von untercarbonischen Pflanzen der Schatzlarer Schichten 
am Nordrand der Centralkette in den nordöstlichen Alpen. Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A. 1883, pag. 189. 

^) M. Koch, Mittheilung über einen Fundpunkt von Uutercarbon in der 
Grauwackenzone der Nordalpen. Zeitschrift d. Deutsch, geol. Ges. 1893, XLV., 
pag. 294. 

«) Vacek, Verhandl. d. k. k. geol R.A. 1893, pag. 402 f. 



[15] 



Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 



179 



Brüche deformirten Kalkhochplateaus des Hochschwab, der Hoch- 
veitsch, der Schneealpe, der Raxalpe und des Schneeberg. 

Sie lagern im Westen auf den palaeozoischen Kalkmassen, weiter 
im Osten meist auf dem sogenannten Blasseneck-Gneiss. Und als 
Beispiel für die Art ihrer Auflagerung möge hier ein Profil vom 
Reichenstein der Eisenerzer Alpen zur Griesmauer der Hochschwab- 
gruppe, von Südsüdwest nach Nordnordost gesehen, folgen. 



ZISff 



:l88ff 



Fig. 









201^ 




1. Palaeozoischer Kalk. 

2. Grundconglomerat des Mesozoicums. 

3. Sandstein, 

4. Werfener Schiefer. 

5. Unterer Triaskalk. 



Halten wir uns das soeben dargestellte geologische Bild vor 
Augen, so werden wir gemäss der Thatsache, dass sich zwischen die 
Hauptmasse der Gneisse und das Kalkhochgebirge die Zone der 
Quarzphyllite einschiebt, innerhalb dieser weicheren Schichten die 
Entwicklung eines grossen Längsthaies erwarten. In der That ist 
dieses bogenförmig gerichtete Längsthal vorhanden. Li seiner nord- 
west-südöstlich verlaufenden Theilstrecke trennt eine niedere Thal- 
wasserscheide, der in nur 849 m Meereshöhe gelegene Schoberpass, 
die durch die Palten zur Enns abfliessenden von den durch die Liesing 
nach Südosten strömenden Gewässern. Der Umbiegung der Gneiss- 
massen entsprechend, schwenkt auch das Längsthal in die Südwest- 
Nordost-Richtung um, die es bis zu seinem Ende beibehält. Die von 
Norden her einmündenden Nebenflüsse erniedrigten im Laufe der 
Erdperioden das von ihnen durchströmte Gebiet, und es entstand ein 
förmliches Becken, das man nach dem Flusslauf, der relativ am 
längsten die erwähnte Längsthaifurche benutzt, das „Mürzbecken" 
nennen kann. 

Li dieses östliche Becken tritt die Mur ein. Aber nur eine 
sehr energische Gebirgsbewegung, nur eine solche, die gänzlich neue 

23* 



180 Karl Oestreich. [16] 

Reliefverhältiiisse schaffen musste, konnte die Mur veranlassen, ihre 
natürliche Abfiusslinie, die Gesteinsgrenze zwischen Glimmerschiefer 
(Seetlialer Alpen) und Gneiss (Grössenberg) zu verlassen, um in 
gänzlich neuer Richtung, in Südwest-nordöstlicher, statt wie bisher in 
west-östlicher, sich ein Bett quer durch den breiten nordsteierischen 
Gneissbogen zu suchen. 

In unserem Falle liegt die Ursache klar vor Augen, Bedeutende 
Einbrüche innerhalb der Gneisszone lenkten die Mur ab, und diese 
floss nun, anstatt wie früher über den Obdacher Sattel in die Meeres- 
bucht des mittleren Lavantthales, nunmehr durch das Judenburger 
und das Sekkauer Becken in das Längsthal am Innenrand des nord- 
steierischen Gneissbogens ein. 

Der Nachweis, dass die erwähnten Becken in der That Ein- 
brüche darstellen, ist ohne eine specielle Untersuchung des Grund- 
gebirges naturgemäss nicht zu erbringen. 

Doch ist die Umgrenzungslinie der Beckenlandschaft, die man 
nach dem centralgelegenen Knittelfeld das Knittelfelder Becken 
nennen mag, eine durchaus vom allgemeinen Gebirgsbau unabhängige, 
und beide Einzelbecken, das Judenburger wie das von Sekkau, zeigen 
ganz eigenthümliche, geradlinige Conturen, wie sie gewöhnlich durch 
Brüche entstehen. Von gewisser Bedeutung für diese Betrachtung ist 
das Vorkommen von Säuerlingen, wie des von Sauerbrunn bei St. Marein 
am Ostrand des Sekkauer Beckens, und von Sauerbrunn unter dem 
Pölshals, oberhalb Judenburg. 

Auch die grosse Serpentinmasse von Kraubath ') deutet auf 
vulkanische Thätigkeit, also auf die Existenz einer Bruchspalte. 

Auf die Störungen, welche die jüngeren Bildungen innerhalb 
der Beckenlandschaft erlitten, werden wir später einzugehen haben; 
vielleicht können sie uns genauere Anhaltspunkte für die Geschichte 
der Durchbruchsstrecke, für etwaige Nachsenkungen innerhalb des 
Beckens geben. 

Das Judenburger Becken hat zwei HauptÜüsse. die Mur und die 
Pols, die von dem 1265 m hohen Hohentauernpass herabkommt. An 
einer merkwürdigen Stelle, wenige Kilometer oberhalb ihres Eintritts 
in das Becken, nähert sich die Pols der Mur auf einen Kilometer. 
Es ist der sogenannte „Pölshals", ein Sattel in einer Meereshöhe 
von 811 m, 100 m über dem Bett der Mur, aber nur 13 m über dem 
Spiegel der Pols. Die Mur hat hier also viel tiefer erodirt, viel- 
leicht unter dem Einfluss der Vergletscherung, vielleicht auch, weil 
die Region ihrer Einmündung in das Judenburger Becken eine tiefere 
Senkung erfuhr. Zudem deutet der erwähnte Sauerbrunn unter dem 
Pölshals auf tektonische Störungen. Auch innerhalb des Beckens hat 
die Mur durch schnellere und tiefere Erosion auf eine längere Strecke 
hin die Pols abgedrängt und sie gezwungen, bis etwa in die Mitte 
des Beckens ihr parallel zu fliessen. 

Seiner Form nach stellt das Judenburger Becken ein recht- 
winkeliges Dreieck dar, dessen Basis, die Nordseite, eine Länge von 
über 15 Kilometer, dessen Höhe, also Nord-Süd- Ausdehnung in ihrer 



') Vacek, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 83. 



[17] Kin alpines Längsthal zur Tertiärreit. 181 

grössten Breite, über 1(J Kilometer beträgt. Als Granitzenbach fiiesst 
das von uns angenommene alte Laufstück der Mur vom Obdacher 
Sattel herunter von Süden her in das Becken ein, und von Norden 
empfängt die Mur das weitverzweigte System des Ingeringbaclies. 

Aus dem Judenburger Becken tritt sie sodann in das Sekkauer 
Becken, das gleichfalls dreieckige Gestalt zeigt; doch wird hier die 
Basis von der zugleich vom Flusse selbst benützten südöstlichen 
Seite gebildet. Die Erklärung der merkwürdigen Abfiussverhältnisse 
dieses Beckens hat uns später zu beschäftigen. Für jetzt mögen 
einige kurze Hinweise genügen, vor allem, dass es in ein inneres, 
westliches Becken, das obere Ingeringgebiet, und in ein äusseres, 
das eigentliche, direct zur Mur entwässerte Sekkauer Becken, zerfällt. 
Dieses ist wiederum anfänglich durch eine Reihe von niederen Gueiss- 
hügeln vom heutigen Murthal abgeschlossen. Weiterhin hat sich die 
Mur durch den Serpentinzug von Kraubath ein echtes, enges Durch- 
bruchthal, ein Thal im Thale, ausgenagt, während das eigentliche 
Becken in einer schmalen, thalartigen Erniedrigung zwischen dem 
Serpentinzug im Südosten und dem Gehänge des Gneissgebirges im 
Nordwesten seine Fortsetzung findet. 

Auf dem hiemit skizzirten Weg durchbricht die Mur das nord- 
steierische Gneissgebirge und tritt in das grosse Längsthal des Mürz- 
beckens als dessen Hauptfluss ein. 

Es ist eigenthümlich, dass sie in der Durchbruchsregiou bereits 
die Richtung ihres späteren, tektonisch bedingten Längsthailaufes 
zeigt, noch eigenthümlicher jedoch, dass sie nach der kurzen Strecke 
von 20 hm wiederum das Längsthal verlässt, um die Gneisszone von 
neuem zu durchbrechen und nach Südost durch das Devongebirge 
die pannonische Tiefebene zu erreichen. 

An dieser Stelle, dem sogenannten „Murknie" bei Brück an der 
Mur, haben wir in etwa 480 m ') die tiefste Stelle unseres Längsthal- 
zuges. Von da an hebt sich der Boden des nun von der Mürz be- 
nutzten Läugsthales und hat bei Mürzzuschlag, wo die den nördlichen 
Kalkalpen entströmende Mürz in das Längsthal einmündet, bereits 
eine Höhe von 672 m. Dieses zieht nun als Fröschnitzthal, darauf 
als unteres Dürrgrabenthal hinauf zu der Semmeringscharte in 980 w, 
und findet in einiger Entfernung jenseits eine geradlinige Fort- 
setzung im Auethal. Und das Auethal vereinigt sich bei Gloggnitz mit 
der parallel der Mürz aus dem Triasgebirge kommenden Schwarza 
und fliesst unter dem Namen der letzteren, immer in der Südwest- 
Nordostrichtung, in das Wiener Becken hinaus, als einer der QuellHüsse 
der Leitha. 

Nach dieser Richtung hin findet, entsprechend der Nachbarschaft 
der vom Einbruch des Wiener Beckens betroffenen Landschaft, die 
Erniedrigung bedeutend schneller statt. Keine 10 Kilometer Luft- 
linie von der Pnsshöhe entfernt, bei Gloggnitz, ist die Thalsohle be- 
reits in nur noch 400 ni Meereshöhe gelegen. 

Sieht man vom Durchbruch der Mur in das Tiefland ab, so ist 
die Stromgebietsentwicklung auf der Südseite längs der ganzen Strecke 



') Position von Brück a. d. Mur 487 



182 Karl Oestreich. [18] 

vom Beginn des ersten Durchbriichs bis zum Semmering auf eine 
schmale Zone von wenigen KilometeiMi beschränkt ; die Wasserscheide 
ist vom Thal aus stets sichtbar. Und ein Nebenthal ist nur an einer 
Stelle vorhanden, in der Breitenau, an der Grenze zwischen dem 
Gneiss des Rennfeldes und dem devonischen Kalkgebirge des Hoch- 
lantsch. Der Breitenauer Bach fliesst der Mürz parallel und ergiesst 
sich in die Mur kurz nach ihrer Einlenkung in die nordwest-südöst- 
liche Richtung. 

Umso complicirter erweist sich das ausgedehnte nördliche Strom- 
gebiet der Mur-Mürzfurche. Sie empfängt aus den palaeozoischen und 
triadischen Kalkalpen sieben grössere Zuflüsse, und unter diesen 
findet ein auffälliger Wechsel von Flüssen ohne seitliche Stroment- 
wicklung und Flüssen mit solcher statt. Es entsprechen dem ersteren 
Typus : Liesing, Lamming- (Tragöss-) Bach, Veitsch ; dem letzteren : 
Vordernberger Bach, Stübming-Thörlgraben, Mürz. 

Das Ostgehänge des Liesingthales ist nicht geschlossen. Es 
öffnet sich südlich der grossen palaeozoischen Kalkmasse des Reiting 
gegen Osten, gegen das Becken von Trofajach, das von dem Vordern- 
berger Bach entwässert wird. Da das Trofajacher Becken von dem 
Murthal durch eine aus Kalk und Phyllit bestehende Barre getrennt ist, 
kann man hier von einem Doppelthal sprechen ; und dieses nördliche 
Nebenthal scheint gegen das östlich folgende Lammingbachthal durch 
einen eigenthümlichen Thalzug fortgesetzt zu werden. Vom Trofajacher 
Becken, also von einer Meereshöhe von rund 600 m, zieht dieser 
durch das Lain-Trasthal auf einen Sattel von 1194 m Meereshöhe, 
durch das obere Kletschachthal zu einem Sattel in 1022 m, dann 
durch das Unterthal auf einen, der 1000 m nicht erreicht, und direct 
im Gehänge ober dem Lammingbachthale gelegen ist. Ganz besonders 
auffällig ist die scharfe rechtwinkelige Umbiegung, mit der Kletschach- 
bach und Unterthalbach die Längsfurche verlassen, um in kurzen 
Querthalstrecken der Mur zuzueilen. Oestlich vom Lammingbachthal, 
das nur ein ganz schmales Stromgebiet besitzt, haben wir die lange 
Längsfurche des Stübmingthales, ein typisches Nebenthal, 100 — 200 m 
über dem Mürzthal gelegen. Es wird von sechs Absüüssen des Hoch- 
schwab gespeist und ergiesst sich durch den schluchtartigen Thörl- 
graben in die Mürz, Es erscheint in keiner Weise geologisch bedingt 
und ist in den Gneiss eingebettet, den sein Ausfluss durchbricht. 

Minder deutlich ist das Doppelthal im oberen Lauf der Veitsch- 
thäler erhalten, während die Mürz mit der kurzen Strecke ihres 
westöstlichen Laufes und ihrem östlichen Zufluss, dem Raxenthal, 
diesen Typus sehr gut darstellt. Das Raxenthal ist wiederum durch 
zwei niedrige Joche nach dem Preinthal, einem Seitenthal der 
Schwarza, fortgesetzt. 

Fassen wir alles zusammen, so ergeben sich als Besonderheiten 
für das Flusssystem des Mürzbeckens : Der Einbruch der Mur von 
Südwesten her, der Durchbruch der Hauptentwässerungsader nach 
Südosten zu durch das Gneissgebirge, die Thalwasserscheiden im 
Nordwesten und Nordosten des grossen Längsthals und das auf weite 
Strecken hin entwickelte Doppelthal. Auffällig ist ferner, dass der 
in der Gegend des Murkniees mündende Lammingbach die Richtung 



[19] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. Ig3 

senkrecht auf das Liliigsthal zeigt, dieselbe Riclitung, die in seiner 
geradlinigen Fortsetzung die Mur nach ihrem Austritt aus dem 
Längsthal befolgt. 

Es erübrigt noch, andeutungsweise über die Region der grossen 
Wasserscheide des Semmering, der höchsten Stelle unseres Längs- 
thalzuges seit dem Lungau, die entgegenstehenden Anschauungen ^) 
zu beleuchten. 

Im grossen und ganzen ist das die Gegend der Auflagerung 
der Trias auf dem Grundgebirge. Aber ausser diesen durch Petre- 
factenfunde in der Hauptsache als Dachsteinkalk charakterisirten 
Kalkmassen kommen hier mächtige Massen von fossilleerem oder 
nur Crinoidenstielglieder führendem Kalk und Dolomit vor, als auf 
dem Grundgebirge transgredirender Gebilde. Man bezeichnete sie 
als Kalke der Grauwackenzone, bis Toula's Funde eine Räthfauna "^j 
in diesen Kalken nachwiesen. Toula zeichnete daher den ganzen 
Kalkcomplex auf seinem Uebersichtskärtchen als zur Trias gehörig 
ein, während Vacek den Zusammenhang mit den weiter im Westen 
folgenden, vom Carbon ^) überlagerten Kalkmassen betonte und nur 
die sicher triadischen Kalke und gypsführenden Schiefer als trans- 
gredirende Triasfetzen betrachtet, als triadische Ausfüllung einer 
alten Erosionsmulde. Vacek's Anschauung wird vielfach bekämpft, 
doch geht sie von der richtigen Grundansicht aus, dass längere 
Festlandsperioden unter normalen Verhältnissen die Bildung von 
Thälern und Erosionsbecken bewirken müssen. Daher muss die Ab- 
lagerung einer neuerlichen Meeresbedeckung in diese Hohlformen 
zuerst buchtförmig eingreifen und in ihnen auch in späteren Erosions- 
perioden am ehesten vor der Denudation bewahrt bleiben. Besteht 
nun eine Discordanz zwischen den grossen Semmeringkalkmassen 
und den sicher triadischen Kalken? 

Man kann die Frage mit Ja beantworten, wie mir scheint. 

Die triadischen Kalke fallen auf der Semmeringhöhe gegen 
Nordwest, auch weiter im Osten, zwischen Schottwien und Mariaschutz, 
sind sie ungefähr gegen Nord geneigt. Auch die Kalkschiefer am 
Myrthenbrückl, die Vacek allerdings zu den palaeozoischen Kalken 
stellt, fallen Nord-Nordwest. Dagegen die Kalke des Sonnwendstein 
über ihnen fallen nach Süd, und auch für die Kalke über den 
rhätischen Kalkschiefern der Passhöhe, die Kalke des Pinkenkogels, 
finde ich in meinen Notizen eine Südwest-Richtung verzeichnet. 
Nördlich, in den Adlitzgräben und bei Klamm, verzeichnet Toula 
dagegen ein nördliches Einfallen. 

Um diese Daten zu vereinigen, möge es gestattet sein, eine 
Antiklinale der grossen Kalkmassen des Semmering anzunehmen, 
deren Axe zwischen dem Hauptthal und den Adlitzgräben verlaufen 



^) Toula, Geologische Untersuchungen in der „Grauwackenzone" der nord- 
östlichen Alpen. Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissenschaften Wien 
1885, Bd. L, pag. 121. 

Vacek, Ueber die geologischen Verhältnisse des Semmeringgebietes. Ver- 
band!, d. k. k. geol. R.-A. 1888, pag. 60. 

^) Toula, 1. c. pag. 138. 

^) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 460. 



184 Karl Oestreich. [20] 

würde, so dass die Kalke des Pinkenkogels (nördlicli vom Hauptthal) 
in ihrer tektonischen Stellung denen des Sonnwendstein gleich- 
kommen. Und unregelmässig in den Sattel und den Südflügel der 
Antiklinale eingesenkt, würde eine Erosionsmulde erscheinen, in der 
die Trias zur Ablagerung kam. 

Durch eine weitere Aehnlichkeit von Gesteinen verschiedener 
Altersstufen wird eine zweite Complication geschaffen. Quarzite und 
quarzitische Schiefer finden wir in Verbindung mit den rhätischen 
Kalken, und Quarzite sind ein weitverbreitetes Schichtglied im 
ganzen östlichen Bezirk der Phyllite und Kalke. 

Die ältere Aufnahme, die von Toula, scheidet daher die 
Quarzite einheitlich aus. Vacek schied von der Quarzitstufe, die 
sich ihm als ein palaeontologisch noch nicht fixirter Horizont im 
Liegenden der palaeozoischen Kalke darstellt, die triadischen Quarzit- 
schiefer aus und unterschied daher in den triadischen Bildungen von 
unten nach oben drei Glieder: 

1. Feingefältelte, sericitische Thonschiefer (grau, lichtgrün, 
blassviolett), 

2. eine nur wenige Meter mächtige Kalkabtheilung, 

3. obere, gypsführende, im übrigen den unteren ähnliche 
Schiefer. 

Erhalten sind diese Schichten, ausser in mehreren kleinen 
Vorkommnissen, in zwei bedeutenderen, auf der Semmeringhöhe 
selbst und in der Mulde von Mariaschutz. 

Auch die Vacek'sche Auffassung erklärt vielleicht noch nicht 
alles, doch trägt sie ganz wesentlich zur Vereinfachung und Klärung 
bei, so dass wir bis zu besserer Kenntnis ihr folgen müssen. 

Ausserdem tritt in die Semmeringgegend auch noch der nördliche 
der beiden Carbonzüge ein. Toula's schon erwähnter Fund ober- 
carbonischer Pflanzen i) in den Schiefern bei Klamm war eine der 
frühesten Entdeckungen von Fossilien in den „azoischen" Schiefern 
der Alpen. 

Der Semmering ist in seiner heutigen Gestalt keine normale 
Thalwasserscheide mehr, obwohl die Verhältnisse auf der westlichen 
Seite denen einer solchen völlig entsprechen. Eine schwache Wasser- 
rinne, die wohl durch den Tunnelbau ihres Wassers zum grössten 
Theil beraubt wurde, zieht mit schwachem Gefälle abwärts von der 
Höhe, bis sie in dem aus dem linken Thalgehänge kommenden Dürr- 
graben einen stärkeren Wasserzufluss erhält, ganz wie bei anderen 
Thalwasserscheiden. 

Im Osten ist dagegen unter dem Einfluss der der Zerstörung 
leicht zugänglichen, weil nach Südost geneigten Quarzite ein ziem- 
lich unvermittelter Abfall entstanden, ohne ausgesprochenen Abfluss, 
und der in der Tiefe fliessende Myrthenbach zieht senkrecht zur 
Wasserscheide. Er kommt aus den Bergen der Sonnwendsteingruppe, 
durchquert die Triasmulde, um, immer nördlich fliessend, den 
Adlitzgraben, den Fluss des nördlichen Flügels der Kalkantiklinale 
zu erreichen, der ihn durch schnellere Vertiefung seines Bettes an- 



') Toula, 1. c. pag. 133. 



[21] Kin alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 185 

ziehen mochte ; denn die Wasserscheide zwischen dem Myrthengraben 
und der Mukle von Mariaschutz ist sehr niedrig. 

Diese Mulde selbst ist von breiter, bogenförmiger Gestalt und 
entspricht in ihrer Ausdehnung den weichen rhätischen Ablagerungen, 
die hier ausgeräumt wurden. Es fand hier eine Erniedrigung von 
900 auf 600 m statt, und in einem schmalen Durchbruchsthal durch 
die umschliessenden palaeozoischen Kalke erreicht der die Mulde 
entwässernde Göstritzbach die Tiefenlinie des Adlitzgrabens, mit 
dem er den Auebach bildet. Kurz vor seiner Einmündung in die 
Schwarza stellt dieser auch wieder die alte Längsthairichtung dar, 
die durch die schnellere Denudation des östlichen Flügels der 
Wasserscheide verwischt war. 

Wir sahen, dass das Preinthal als nördliches Nebenthal die 
Nebenthaistrecke des Mürzthales und das Raxenthal fortsetzt. Die 
Fortsetzung des Preinthales bildet das Schwarzathal in der diagonalen 
Verbindungsstrecke Hirschwang— Gloggnitz. 

Prein und Schwarza verdanken ihre Existenz der Lage auf der 
Grenze von Kalkalpen und Schieferalpen, und zwar ist das Thal, 
wie überall längs der ganzen Grenze vom Bodensee an, in die 
Schiefer erodirt. 

Nun tritt der Fluss in das Wiener Becken hinaus, die Berge 
erniedrigen sich schnell und treten weit auseinander. Ein ungeheuerer 
Schuttkegel, das „Steinfeld", erfüllt den ganzen Raum zwischen 
Rosaliengebirge und den Kalkalpen. 

Wir sind am Ende des grossen Längsthaies. 

Fragen wir nun, wie sich auf Grund der tertiären Ablagerungen 
die Entwicklungsgeschichte der Flussläufe zunächst in jener Ver- 
bindungsregion zwischen oberem Murbecken und Mürzbecken 
darstellt, in dem Judenburger Becken und der ihm entströmenden 
breiten Thalstrecke, so finden wir in der That reichliches Material 
zur Beantwortung dieser Frage. 

Am reichhaltigsten und am besten bekannt sind die tertiären 
Bildungen am Nordrand des Judenburger Beckens. Hier bestehen 
sie in einem schmalen Streifen längs des Grundgebirges aus einer 
förmlichen Serie: 

Mergelschiefer, 

Blauer Lehm, 

Sand (blaugrau und gelb). 

Schotter (regional beschränkt). 

Das Grundconglomerat, das Stur als den untersten fest- 
stehenden Horizont angibt, ist in seinem Auftreten, sowie in seinem 
Charakter sehr wechselnd, bald als Conglomerat, bald als Sandstein 
oder sandiger Schiefer entwickelt. Am besten ist das Profil an dem 
steil eingerissenen rechten Ufer des Ingeringbaches wahrzunehmen. 
Das Fallen von Mergelschiefer und blauem Lehm ist flach südlich. 
Die Sande sind ungeschichtet. Was Stur unter „wellenförmiger 
Biegung" ihrer Schichten versteht, ist unklar. Vielleicht denkt er an 
die discordante Auflagerung der Schotter, an die Ablagerung der- 
selben in Erosionsrinnen innerhalb der Sande. Stur's Einbeziehung 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, l. Heft. (K. Oestreich.) 24 



186 Karl Oestreich. [22] 

der Schotter in die tertiären Bildungen ist für viele Punkte bezweifelt 
worden. Hier scheint diese Einbeziehung thatsächlich zu Recht zu 
bestehen. Fossilien gibt es keine ; umsoraehr ist darauf Gewicht zu 
legen, dass die Schotter mit den Sauden in engem stratigraphischen 
Connex stehen, und dass die Basis, der sie einst zugeströmt wurden, 
nicht die grosse diluviale Murterrasse ist, sondern ein höheres Niveau 
einnahm. Somit bilden die Schotter die, oder wie wir später sehen 
werden, eine tertiäre Terrasse des Ingeringbaches ^). 

Die ganze Ablagerung fällt gegen Süd, manchmal Südost, und 
verflacht sich nach Osten zu, so dass nur im Osten die Letten und 
Sande erhalten blieben, die Mergelschiefer regelmässig überlagernd. 

Der weiten Verbreitung der Mergelschiefer nach war unser 
Becken in der Tertiärzeit von einem See erfüllt, in dem sich sogar 
eine eigenartige, wenn auch nur von einer Species gebildete Fauna 
entwickelte. In mehreren, bis zu '/o ^^ mächtigen Bänken tritt in den 
unteren Lagen der Mergelschiefer und zwar im Verlaufe ihrer 
ganzen Längserstreckung, eine Congeria, eine der Congeria triangularis 
Partsch nahestehende Muschel, auf. Dass das ßildungsmedium dieser 
Form eine grössere Ausdehnung besass, beweist das Auftreten von 
blauem, theilweise geschiefertem Thon mit derselben Congeria bei 
St. Oswald, nordöstlich von Ober-Zeyring, im Pölsthal. Die Thone 
fallen unter 45" nach Nordost oder Ost und sind in sehr unregel- 
mässiger Weise von den blaugrauen Sauden mit Kiesellagen und den 
gelben Sauden überlagert. Auch aus dem Sekkauer Becken wird die 
Congeria erwähnt ^j. 

Von durchaus anderem Charakter erweisen sich die Tertiär- 
bildungen am südlichen Rand des Beckens. Hier war die Material- 
zufuhr stärker, Mergel und Thone kamen hier nicht zur Ablagerung; 
höchstens in dem schmalen P'eeberggraben, südlich von Judenburg. 
Hier wird eine Kohle abgebaut, die in einem Sandstein lagert. 
Darunter soll auch echter Mergelschiefer vom Fohnsdorfer Typus 
vorkommen. Doch ist das zu bezweifeln, ich sah nichts dergleichen. 
Nach dort eingezogenen Erkundigungen bildet das Tertiär eine kleine, 
West-Ost streichende Mulde, zu der vom Gehänge her die Schichten 
steil einfallen. Auch jenseits des Sattels „Auf dem Eck" hat man 
Kohle erbohrt. 

Die südwestliche Begrenzung des Beckens bildet der Kalkzug 
des Lichtensteinberges. Auch er wird an seinem nordöstlichen Abhänge 
von einem schmalen Streifen tertiärer Sande und sandiger Lehme 
begleitet, die bei Mühldorf das Granitzenthal erreichen. Jenseits des 
Granitzenbaches wird der Südrand, von nun an Südostrand, des 
Beckens durch eine Reihe von breiten, flachen Hügeln, eine 200 m 
(relativ) hohe Vorstufe des eigentlichen Gneissgebirges dargestellt. 



^) Allerdings machte mich die Auffindung einer Anhäufung von wirren, 
groben, wenig gerollten Gesteinstücken unter der Cöte 787 bei Rattenberg an dieser 
Autfassung einigermassen irre. Von diesem undeutlichen Rest iässt sich aber 
doch noch nicht mit Sicherheit auf eine frühere Vereisung schliessen. Der Boden 
einer solchen hypothetischen ersten Vereisung würde in der That ein höheres 
Niveau, als das der Murboden— Aichfeldterrasse eingenommen haben. 

-) Stur, Jahrb. d k. k. geol. R.-A. 1864, pag. 240. 



[23] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit.. 187 

Nur an wenigen Stellen ist das anstehende Gestein blossgelegt; vom 
Thale aus in der ganzen Höhe sind diese Hiigel aus Sand und grobem 
Schotter zusammengesetzt. Und zwar besteht der westlichste, zwischen 
Granitzenbach und Feistritzbach gelegene, aus einer fast ganz reinen 
Sandablagerung, während die weiter östlich folgenden aus einem 
Wechsel von Sand und grobem Schotter ') (bis zur Blockgrösse) be- 
stehen. Das Einfallen war (besonders im Einriss an der rechten 
Seite der über die Stubalpe ziehenden Strasse) als ein nordöstliches 
festzustellen. Es fand hier also in der Tertiärzeit ein Wechsel von 
Zeiten ruhiger Ablagerung und energischer Strommündungen statt. 
Gegenüber von Knittelfeld, bei Lantschach, kommen am untern Ge- 
hänge auch kohlenführende Letten vor 2). Nach Osten zu verschwindet 
allmälig die Schotterbedeckung, und die Hügel der Vorstufe zeigen 
das nackte Gestein. 

Im südlichen Winkel des Judenburger Beckens mündet der vom 
Obdacher Sattel herabströmende Granitzenbach. Die höchste Höhe 
des Sattels, 951 m, und ein Streifen von da südlich bis St. Peter im 
Lavantthal wird von Sand eingenommen, während das Becken von 
Obdach selbst von den bekannten Mergelschiefern erfüllt wird, die 
ich an einer Stelle südwestfallend vorfand. Doch ist eine bestimmte 
Neigungsrichtung bei derartig bildsamen und jedem geringsten Druck 
und Gegendruck nachgebenden Gesteinen schwer anzugeben. 

Welches war nun die Zeit der Ablagerung der Knittelfelder 
Mergelschiefer? 

Das Leitfossil bildet die wahrhaft gesteinsbildende Congeria cj". 
triancjularis Fartßch. Ihr zuliebe wurde von Stur der Mergelschiefer, 
sowie überhaupt das ganze Tertiär der Knittelfelder Beckenlandschaft 
und der oberen Mur, in die Zeit der Congerienstufe ^), jener Ueber- 
gangsbildungen *) zwischen Miocän und Pliocän, zu denen die marinen 
Aequivalente fehlen, in die Zeit der zweiten Säugethierfauna des 
Wiener Beckens, die durch Mastodon langirostris charakterisirt ist, 
gestellt. Doch kam er später zur Einsicht, dass sich die Flora von 
Fohnsdorf nicht mit der Flora der Congerienstufe vergleichen lasse ^). 
Es blieb nun die Congeria. Aber dieser legte er keine Bedeutung mehr 
bei, da in der Wiener marinen Stufe, sowie im Liegenden der marinen 
Stufe, den Sotzkaschichten, Congerien^) gefunden worden seien. Weil 
nun in den mit dem Judenburger Becken in Verbindung stehenden 
Thälern Bildungen vorkommen, die er als terrestrische Aequivalente 
mit der marinen Stufe vereinigen musste, stellte Stur auch die Fohns- 



') Auf der Uebersichtskarte wurde der Einfachheit halber nur der Farben- 
ton für Schotter angelegt. 

•*) Von hier stammt wohl der von A. Hofmann gemachte Fund von 
Mastodon angustidens Cav., den Vacek erwähnt. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
1886, pag. 83. 

3) Stur, Jahrb. d. k k. geol. R.-A. 1864, pag. 249. 

•*) Neumayr, Denkschriften der Wiener Akademie der Wissenschaften, 
math.-naturw. Classe, Bd. 40, pag. 246. 

'") Stur, Beiträge zur Kenntnis der Flora, der Süsswasserquarze, der Con- 
gerien- und Cerithienschichten im Wiener und ungarischen Becken. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1867, pag. 88. 

«) Stur, Geologie der Steiermark, pag. 579. 

24* 



188 Karl Oestreich. [24] 

dorfer Mergels(;hiefer schliesslich in die Zeit der ersten Wiener 
Säugethierfauna '), in die Zeit des Masfodon angusfidens. In der That 
wurde, wie bereits erwähnt. Masfodon angmtidens bei Knittelfeld 
gefunden. Stur, der diesen Fund noch nicht kannte, gab zu, dass 
noch nicht alle Schwierigkeiten gehoben seien, und auch uns scheint 
eine definitive Lösung der Altersfrage der Knittelfelder Tertiär- 
bildungen erst nach erneuter Prüfung der Pfianzenfunde und nach 
genauerem Studium der ganzen als Congeria triangularis bezeichneten 
Formenreihe möglich zu sein. 

Es mag zugegeben werden, dass bereits in der Zeit der ersten 
Säugethierfauna hier Verhältnisse herrschten, die das Vorkommen von 
Mastodonten ermöglichten. Es wäre überhaupt ein Widersinn, das 
Vorhandensein natürlicher Abflussverhältnisse in dieser Gegend für 
die ältere Miocänzeit zu leugnen. Aber ein solches, wahrhaft ge- 
steinbildendes Vorkommen einer Congeria ist aus dieser Zeit, unseres 
Wissens, nicht bekannt und vor der Blütezeit der Gattung auch nicht 
ohneweiters denkbar. Und wenn die Mergelschiefer doch wieder der 
Congerienstufe zugewiesen werden sollten, müssen wir uns daran 
erinnern, dass die Congeria, wie ich beispielsweise an der Kapelle 
westlich von Schönberg sah, bereits in den Grundbildungen, den con- 
glomeratartigen Sandsteinen, auftritt. Wir hätten alsdann eine genaue 
Zeitbestimmung für den Einbruch des Judenburger Beckens, also für 
den Durchbruch der Mur durch den nordsteierischen Gneissbogen, 
was von allergrösster Wichtigkeit für die Kenntnis der Flussgeschichte 
der Ostalpen wäre. 

Unsere Congeria ist nur dem Judenburger Becken und seinen 
Verzweigungen eigenthümlich, sonst nirgends gefunden. Es muss hier 
eine Einwanderung einer Form vom Typus der Congeria triangularis 
stattgefunden haben, die in einem sehr reinen Süsswassersee günstige 
Fortpflanzungsbedingungen fand und eine locale Varietät oder gar 
Art bildete. 

Weiter abwärts tragen, wie bereits erwähnt, die Hügel der 
tertiären Vorstufe keine Ablagerungen mehr. Dafür ist das Sekkauer 
Becken mit seinem Hinterland, dem oberen Ingeringbecken, ganz vom 
Tertiär erfüllt, und zwar haben wir hier, nur schlechter aufge- 
schlossen, dieselbe Reihenfolge der Schichten, also dieselbe Ent- 
wicklung der hydrographischen Verhältnisse, wie im Judenburger 
Becken : 

Mergelschiefer, 

Lehm, 

Sand, 

Schotter. 

Am Kobenzerbach, wo die Kohle erschürft wurde, fand Stur 
auch die Congeria wieder; ich sah nur kleine Gastropoden, die noch 
nicht bestimmt werden konnten. Die Mergelschiefer stehen nur im 
oberen Ingeringbecken an, die Schotter auf der Höhe des vorderen 
Beckens bei Sekkau ; sonst ist das ganze Becken, zumal abwärts von 



') Zweite miocäne Sängethierfauna L artet's 



[25] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 189 

Sekkau von Lehm erfüllt, dessen oberste Partien sandig, bisweilen zu 
einem gruben Sandstein verfestigt werden. Dieser Sandstein ist un- 
mittelbar bei Sekkau in einem Bruch aufgeschlossen, der den Baustein 
zur romanisclien Sekkauer Domkirche geliefert iiat. Es ist ein Sand- 
stein aus Kies mit sandigem Bindemittel und aus Zwischenlagen von 
sandigem Schiefer bestehend, nach Südwest fallend, die Überfläche 
erodirt und unregelmässig von den Schottern bedeckt. Nach der Mur 
zu wird die Tertiärbildung durch den breiten diluvialen Sciiuttkegel 
des Feistritzbaches abgeschnitten; doch erfüllt der Lehm mit dem 
Sekkauer Sandstein auch den schmalen Tertiärstreifen zwischen der 
Serpentinmasse von Kraubath und dem Grundgebirge, ebenso wie 
unterhalb St. Stefan, rechts der Mur, den Sattel zwischen dem ins 
Murthal vorspringenden Hügel und dem Gneissgebirge südöstlich 
gegenüber St. Michael. Während wir in den Mergelschiefern und 
dem Lehm, sowie den Sauden wohl Seeablagerungen zu vermuthen 
haben, dürfte es gestattet sein, von dem erwähnten groben Sand- 
stein, bei seiner fiussartigen Längserstreckung und seinem gleich- 
massigen Charakter auf die Existenz eines (ruhig fliessenden) Flusses 
zu schliessen, mag er nun jünger oder auch älter als die limnische 
Bildung gewesen sein. 

Vielleicht dass dieses Flussystem bei St. Michael seinen Ur- 
sprung nahm. Alsdann würde der obere Pregggraben, der gleichfalls 
von einer lehmigen Tertiärablagerung erfüllt ist, einen linken Neben- 
fluss darstellen. Denn der Wasserlauf, dem diese Lehmablagerung 
ihre Entstehung verdankte, nahm seinen Ausfluss nicht durch das 
untere Durchbruchsthal, sondern, wie ein orientierender Blick vom 
Plateau des Lichtensteinerbergs deutlich macht, über einen Sattel in 
der Hügelreihe der tertiären Vorstufe geradlinig in das Sekkauer 
Becken. 

Es ist ein in seiner Lage wie im Charakter seiner Tertiär- 
bildungen genau umschriebenes und isolirtes Gebiet, welches wir 
soeben betrachteten, charakteristisch durch das Vorwalten ruhiger 
Seeablagerungen, besonders aber durch die zur Tertiärzeit bestandene 
Verbindung über den Obdacher Sattel mit dem Lavantthal. Weiterhin 
wird sich Gelegenheit finden, einige Gesichtspunkte zur Beurtheilung 
des Verhältnisses zwischen den Judenburger Tertiärbildungen und 
denen des Lavantthals beizubringen. 

Gänzlich verschieden von den bisher betrachteten Tertiärab- 
lagerungen sind die des Mürzbeckens. 

Schon schräg gegenüber dem letzten Vorkommen des Lehms 
und des Sekkauer Sandsteins bei St. Stefan haben wir im Conglo- 
merat von St. Michael die Ablagerung eines Flusses, der aus den 
Kalkalpen kam. Es erreicht eine Höhe von 800 m und fällt, soweit 
mir erinnerlich, flach gegen Süd ein. Die Gerolle sind Kalke aus 
dem palaeozoischen Gebirge und aus den nördlichen Kalkalpen, auch 
Gneiss- und Hornblendegesteine aus dem Gebiet des Bösensteinstocks. 
Ein weiteres Stück desselben Plusslaufs, das Tertiär der „Einöd". 
ist südwärts der Mur unter dem Schinniger erhalten, in einem Zug 
von Sätteln, die von der Mur durch einen etwas höheren Rücken 
getrennt sind. 



190 Karl Oestreich. [26] 

Am besten bekannt, aber eigentlich auch nur in Bezug auf das 
Vorkommen seiner Kohlen, ist das Leobener Tertiärbecken. Das 
Liegende bildet eine nach Stur über 100 w mächtige Ablagerung 
von Schieferthon, Schiefer und Sandstein mit dem Flötz im Liegendsten. 

Darüber folgt gegen 225 m mächtig das Conglomerat. Die 
tieferen lacustren Schichten treten im Seegraben zutage, und weiter 
im Westen, wo durch den Bergbau das Conglomerat abgedeckt ist. 
Die Conglomerate greifen allseitig auf das Grundgebirge über. 

Die lithologische Untersuchung erkennt in den Conglomeraten 
die Schuttkegel zweier Flüsse, ebenso wie die geognostische Kartirung 
zwei auch äusserlich getrennte Conglomeratbezirke verzeichnen muss '), 
Ln östlichen Conglomeratbezirk, um Veitsberg, im Seegraben, auf 
dem Sattel nördlich desselben und auf der linken Seite des unteren 
Tollinggrabens besteht das Conglomerat fast ausschliesslich aus Kalk- 
geröllen, und unter diesen überwiegen die dunkleren Varietäten 
(schwarz und grau), die rothen Kalke fehlen vollständig. Die Kalk- 
bänke wechsellagern mit sandigen Schichten, die nach oben in ein 
sehr feines Conglomerat übergehen, in dem Phyllit- und Quarzkörner 
vorherrschen. Das würde also auf jedesmaligen Stillstand der Kalk- 
geröllzufuhr und ein Vorherrschen der Bäche aus der Umgebung 
schliessen lassen. 

Dieses Conglomerat, auf das sich die oben angegebene Mächtigkeit 
bezieht und das nach Südwest einfällt, erreicht eine Höhe von 1000 m 
una scheint jenseits des Sattels, im oberen Theile des unteren Tolling- 
grabens, eher nach Nord einzufallen. Es dürfte demnach, wohl zu- 
sammen mit seinem Untergrund, eine antiklinale Aufwölbung erfahren 
haben. Wir nennen es das Leobner Hauptconglomerat. 

Südwestlich davon, dort, wo die Eisenstrasse in das Thal des 
Vordernberger Baches einbiegt, bei Donawitz, lagert bis auf die 
Höhe des Annaberges, 662 m, ein Conglomerat, in dem gleichfalls 
die Kalkgerölle überwiegen. In diesen aber herrschen die helleren 
Varietäten vor, Farben, wie wir sie aus den Triasgebieten kennen. 
Auch rosa und rothe Kalke, sowie Dolomitgerölle sind darunter, 
nebst Hornblendegneissgesteinen. Das Leobner Hauptconglomerat stellt 
somit nur einen den palaeozoischen (Eisenerzer) Kalkalpen ent- 
strömenden Nebenfluss dar, das Donawitzer Conglomerat aber den aus 
den Kalkalpen stammenden Hauptfluss, den wir von St. Michael und 
der Einöd her kennen. Auch die Mündung eines kleinen Baches aus 
den Phyiliten im Norden linden wir in einem feinkörnigen Conglo- 
merat am Nordrand, beim Bauer Ehrenhelm. 

Ein kleiner Rest von Conglomerat vom Donawitzer Typus ist in 
der Tiefe des oberen Tollinggrabens erhalten. Sollten wir hier eben- 
falls ein tertiäres Conglomerat vor uns sehen, würden wir genöthigt 
sein, bedeutende Bewegungen des ganzen Gebirges seit oder in der 
Tertiärzeit anzunehmen. 

I]benso wie in das Leobner Tertiär, Hess sich auch in den 
Complex der Tertiärablagerungen des Trofajacher Beckens mehr 



^) Auch Prof. Höfer in Leoben theilt diese Ansicht. Doch ist sie in der 
Literatur meines Wissens noch nicht zum Ausdruck gelangt. 



[27] Kin alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 191 

Klarheit bringen. Auch hier bilden Thonschiefer, Thone und Sande 
das Liegendste der Tertiärschichten. Sie bilden den tiefsten Theil 
des innern Beckens, der von den QuellHüssen des Feitscherbaches 
entwässert wird, sowie die Hügel, welche von der Strasse Trofajach- 
Traboch geschnitten werden, ferner die Moosflächen und das Plateau 
östlich über Trofajach. Der das ganze Becken in zwei Theile zer- 
legende Höhenzug westlich des Gössgrabens, der Zug des Kehrwaldes, 
besteht aus einem Conglomerat vom Donawitzer Typus (enthält aber 
allerdings auch grosse Blöcke, wie sie bei Donawitz nicht vorkommen), 
wie ein solches auch bei Hafning rechts des Krumpengrabens bemerkt 
wurde. Südlich der Strasse Trofajach — Traboch bis zu den zum Feit- 
schergraben ziehenden Mooswiesen, sowie auf dem nördlichen, schräg 
abgeflachten Gehänge des Lainthales wird das Conglomerat sehr fein- 
körnig, bis zu einem Sandstein, was auch für das echte Donawitzer 
Conglomerat charakteristisch ist. Am Nordrand bei Kurzheim ist 
dann noch eine locale Bildung zu erwähnen, ein rothgefärbtes Con- 
glomerat, oft zu Lehm erweicht, ein Zerstörungsproduct der dort 
anstehenden Phyllite. 

Der ganze Nordwesten des Beckens, aus dem gegen 1000 m 
relativ in gerader Wand der Reiting aufragt, ist erfüllt von dem 
ungeheuren Schuttkegel der Gräben dieses Reitingstockes , einem 
vielleicht tertiären, vielleicht aber auch diluvialen Kalkconglomerat. 
Echte Schuttkegelform ist diesem Gebilde eigenthümlich, wie besonders 
ein Blick von der Trabocher Strasse lehrt: zwei, in verschiedenem 
Winkel geböschte Stufen übereinander, die höhere, jüngere die des 
Bechelgrabens : Oberjesner — Scharstorf. Das vom Schuttkegel erfüllte 
Becken öffnet sich nach Westen zum Liesingthal, das hier eine dilu- 
viale Schotterterrasse unmittelbar an den Schuttkegel anlehnt. 

Nun fehlen im nördlichen Arm des Doppelthales (Trasthal, 
Kletschach- und Unterthal) alle Spuren von tertiären Ablagerungen, 
während das Hauptthal sie aufweist. Auf der südlichen Thalseite 
bei Leoben, beim Jägerhaus, in einer Höhe von circa 600 m, finden 
sich einige wenige Blöcke eines ganz feinen Kalkconglomerats '), die 
das rechte Ufer des tertiären Flusses darstellen dürften. 

Das Tertiär von Foirach und zu beiden Seiten des Utschthales 
(zwischen Niklasdorf und Brück auf der rechten Seite der Mur) 
zeigt jedoch nicht, wie Stur angibt, den Leobner Typus. Es ist ein 
Conglomerat aus krystallinischen Gesteinen, die Mündung eines 
Nebenflusses von der Mugel her, fällt nach Nordosten und wird von 
Lehm und Sand bedeckt, wenn diese Bildungen nicht einfach Auf- 
lösungsproducte der feineren Conglomerate und Sandsteine darstellen. 
Dagegen wird die Ablagerung des Hauptflusses weiter östlich, am 
Gehänge des Maderereckes gegen die Mur bei Brück gefunden, ein 
Vorkommen, das Stur nach dem Urgenthal benennt. Wir sind damit 
an die Umbieguiigsstelle der Mur gekommen, die eine genauere Be- 
trachtung verdient. 



^) Von Herrn Professor Höfer auf dieses Vorkomaieu aufmerksam gemacht,, 
gelang es mir erst nach eifrigem Suchen, die üheraus spärlichen Reste dieser Ab- 
lagerung aufzufinden. 



192 Karl Oestreich. [28] 

Das ebenerwähnte Conglomerat des Urgenthales, im Westen 
aus krystallinischen und Kalkgeröllen, im Innern, also nördlich, nur 
aus krystallinischen, im Osten jedoch fast ausschliesslich aus Kalk- 
geröllen bestehend, fällt südöstlich und taucht unter die diluviale 
Thalsohle. Weiter gegen Osten hört die Conglomeratbedeckung des 
Phyllitzuges auf, und erst auf dem Greggerberg, nördlich vom Brucker 
Schlossberg, finden wir das hier flach liegende Conglomerat wieder, 
in einer Höhe, die dem Niveau der von der Heiligen Geist-Kapelle 
gekrönten Felsterrasse am Eingang in das Durchbruchthal der Mur 
entspricht, so dass wir einen Ausfluss der tertiären Mur nach Süden 
ganz wohl annehmen können. 

Im Urgenthal, im Liegenden des Conglomerats, kommen auch 
Sande und Lehme vor. 

Dies ist, was mit Bestimmtheit gesagt werden kann. Weiterhin 
tritt eine neue Schwierigkeit hinzu. Bisher waren die diluvialen 
Bildungen, wie bei Leoben vor der Einbiegung der Strasse ins 
Vordernbergerthal, bei Proleb, an der Mündung des Kletschach- 
grabens, leicht kenntlich durch ihre nagelfluhartige Ausbildung und 
durch ihre Zusammensetzung aus krystallinischen Gesteinen. Nun- 
mehr treten die diluvialen Schuttkegel des Lamming- (Tragöss-)Baches 
und der Mürz hinzu, die sämmtlich die gleiche Beschaffenheit wie 
ein etwas zersetztes und verwittertes Tertiärconglomerat zeigen. 
Auch hier bleibt, bevor die Aufeinanderfolge der eiszeitlichen 
Schotter festgestellt ist, nichts übrig, als nur ein bestimmtes diluviales 
Niveau anzunehmen, und, da ja auch das tertiäre Conglomerat die 
Thalsohle erreichen kann, wie beim Urgenthal bemerkt wurde, alle 
darüber aufragenden Conglomerate ins Tertiär zu ziehen. Demnach 
wäre das Conglomerat nördlich vom Greggerberg bis zur diluvialen 
Sohle des Lammingbaches und das östlich von Brück bei Pischk für 
tertiär zu erklären, während ich auf der von Vacek verzeichneten, 
unzweifelhaften Tertiärterrasse von Uebelstein im Murdurchbruch 
keine echten Conglomeratbildungen fand. 

Das vorläufige Aufnahmeergebnis wäre also, dass der GeröUe 
aus den Kalkalpen führende Fluss des nordsteierischen Längsthaies 
auch in der Tertiärzeit das Gneissgebirge des Rennfelds nach Süd- 
osten zu durchbrach und wie heute an dieser Umbiegungsstelle die 
Mürz aufnahm. 

Wenden wir uns nun zum nördlichen Seitenthal, so treffen wir 
auf die Spuren mehrerer, zeitlich verschiedener Thalanlagen. Während 
das Lammingbachthal fast in seiner ganzen Länge von einer diluvialen 
Nagelfluh erfüllt ist, sind nur an zwei Punkten Reste des tertiären 
Lammingbach-Congiomerates erhalten, westlich von Oberort, an der 
vom Rötzgraben herüberführenden Strasse in der Höhe von etwa 
1000 m am Gehänge \), und im unteren Theil des Thaies gleich über 
Schörgeudorf. Damit sind aber die Spuren von tertiären Stadien der 
heutigen Thäler erschöpft. Der niedere, relativ nur gegen 200 m 
erreichende Sattel zwischen Lammingbach und Thörlgraben enthält 
zwei Ablagerungen eines Westost gerichteten Thallaufes, die den 



') Die Conglomerate in der Tiefe (Stur, 1. c. pag. 220) sind diluvial. 



[29] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. X93 

Sattel selbst bildenden Lehme, die etwas weiter j;egen Noi'dwest 
Spuren von Schieferung zeigen, und etwas höher ein Conglomerat 
meist zu Schotter zerfallen, aus Quarzgeröllen bestehend, das in 
rothen Sandstein übergeht. Ausserdem finden sich tiefer, bei Winkl 
im Thörlbachthal, südfallende Sande, Sandsteine und kohlenführende 
Letten. Die Lagerung dieser drei Glieder zueinander ist nicht 
leicht zu bemerken. Die Lehme des Joches sind ein Thal im Thal, 
nämlich im rothen Quarzconglomerat. Dieses bildet überdies noch 
eine Terrasse nördlich davon, beim Gamsbauer, sowie jenseits des 
Thörlgrabens die beiden Plateaus beim Gallegger und beim Bauer 
Pötschen. Das wäre ein von Westen her ins Thörlthal und in diesem 
in die Mürz gegen Kapfenberg zu Üiessender Stromlauf. Die Mürz 
selbst fliegst in dieser Gegend von Kapfenberg an bis kurz vor 
Kindberg am südöstlichen Rande einer tertiären Sand- und Lehm- 
ablagerung, des sogenannten Beckens von Parschlug. Bei Kapfenberg, 
zu beiden Seiten des Thörlgrabens, sind noch Reste einer nagelfluh- 
artigen Terrasse unbestimmten, doch wahrscheinlich diluvialen Alters 
erhalten. Von da an aber bilden zuerst reine Sande, dann Lehme 
oder lehmige Sandsteine, an der Strasse unter Deuchendorf flach 
östlich fallend, eine Bucht ähnlich der von Sekkau. Der innerste 
Theil der Bucht wird von den Schieferthonen erfüllt, die die bekannte 
Flora von Parschlug geliefert haben. Von Conglomeraten sah ich gar 
nichts. Stur's Angabe, dass das Conglomerat den ganzen Raum 
zwischen dem innersten Theil des Beckens und dem Diluvium der 
Mürz erfülle, ist unrichtig. Auch darin gleicht das Tertiär von Par- 
schlug dem von Sekkau, dass es längs des Hauptthaies nach Nordost 
zu durch einen schmalen Streifen lehmiger Sandablagerung fortgesetzt 
wird, die sogar im Fortstreichen einen Sattel, zwischen dem Wart- 
bergkogl, einem Gneissvorsprung, den die Mürz urafliesst, und dem 
Grundgebirge, erfüllt, genau wie bei St. Stefan oberhalb St. Michael. 
Eine eigenthümliche Homomorphie. 

Ln Norden, wo in der Niederung der Stübming, dem Aflenzer 
Becken, auch heute noch der nördliche Arm des Doppelthales 
erhalten ist, flnden wir in dieser breiten, über 10 km langen Furche 
auch die Ablagerungen des tertiären Thaies erhalten. Auch hier 
bilden die Thonschiefer, Lehme und Sande das Liegende. Auf ihnen 
lagern die wahrscheinlich diluvialen Schuttkegel des Seegrabens, des 
Feistritz- und Fölzergrabens. Auch in dem Abschnitt der Tertiärzeit, 
dessen Bildungen uns erhalten wurden, durchfloss kein Fluss mehr 
dieses Thal als Längsfluss. Der Zusammenfluss lag auch damals schon 
südlich des alten Thaies in der Rinne der Stübming. Interessant ist 
westlich vom heutigen Tertiärbecken über Ettmissl das Conglomerat 
eines heute verschwundenen Flusses, eines weiteren Parallelflusses 
der Fölz und des St. ligner Baches. Im obersten Theil der Stübming 
ist die Zusammensetzung der Terrasse nicht stets so deutlich zu 
erkennen. Doch sah ich Gneiss- und Schiefergerölle auf der Terrasse 
an der Einmündung des Rauschinggrabens. 

Eine genauere Untersuchung verdient die Pretalhöhe, das Joch 
zwischen Stübming und Veitsch. Oben fand ich keine Gerolle, doch 
unmittelbar darunter am Weg in die Stübming, also in rund 1000 w 

Jahi'buch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, i. Heft. (K. Oestieich.) 25 



194 Karl Oestreich. [30] 

Meere^höhe, sab ich wohlgerundete Schiefer-, Gneiss- und Kalkgerölle, 
wie sie nur von einem Fluss hier abgelagert werden konnten. Ueber- 
bleibsel eines alten, vielleicht cretacischen, von der oberen Veitsch 
in die Stubming fliessenden Flusses? 

Der Zug von Lehm und Mergelschiefer, den wir aus dem Par- 
schluger Becken im Hauptthal bis nach Wartberg verfolgten, setzt 
sich nun an dem südwestlichen Ufer der Mürz bis kurz vor Mürz- 
zuschlag fort, und tritt auch auf der tertiären Felsterrasse über 
Mitterndorf auf der rechten Seite des Flusses auf. Bedeckt ist er 
bei Krieglach zu beiden Thalseiten von einer oft wechselnden Ab- 
lagerung westlich fallender, bald aus Gneiss und Schiefern, bald aus 
KalkgeröUen bestehender Conglomerate, die mit Sandstein, Sand und 
Lehm wechsellagern, was auf eine sehr abwechslungsreiche Geschichte 
des dortigen Thaies schliessen lässt. Bald überwog die Mürz, bald 
herrschten die Zuflüsse, besonders der rechten Seite, vor. Auf der 
rechten Seite hört die Tertiärablagerung bald oberhalb Krieglach 
auf, auf der linken, bis Langenwang wandernd, verquert man eine 
Reihenfolge von lehmigen Thälern und Conglomeratrücken. Später 
bedeckten den Lehm nur noch Schuttkegel jüngerer, aus dem Schiefer- 
gebirge kommender Nebenbäche. 

Weiter oberhalb werden wir schon darum keine bedeutendere 
Thalablagerung erwarten, weil die Semmeringhöhe, wie wir von vorn- 
herein vermuthen dürfen , auch in der jüngeren Tertiärzeit eine 
Wasserscheide darstellte. In der That finden wir nur in schwachen 
Spuren zwischen Spital und dem Semmering die Gerolle eines älteren 
Fröschnitz- und Dürrgrabenbaches, auf einer ziemlich breiten, in 
schwacher Neigung gegen Südost abgeböschten Terrasse, in der 
allenthalben das Liegende hervortritt, so dass man die Gerolle förm- 
lich suchen muss. In die genannte Terrasse, die sich nach oben zu 
in die Semmeringhöhe fortsetzt, hat sich der Bach seitdem ein noch 
nicht sehr ausgebildetes Bett vertieft. 

Man kann darüber im Zweifel sein, ob die Gerolle den tertiären 
oder den diluvialen Flussläufen entstammen. Es finden sich auch 
sicher diluviale Ablagerungen in kleinen Resten, so beim Wiesenbauer 
am Eingang in die Fröschnitz, auch auf der von der P'röschnitz zum 
Dürrgraben ziehenden flachen Vorstufe des Dürrkogels. Doch ist es 
zum mindesten nicht ausgeschlossen , dass die zumeist bis aufs 
Liegende denudirte, abgeschrägte Terrasse zwischen dem Kalkzug 
des Pinkenkogels und dem von Steinhaus das tertiäre Thalniveau 
darstellt. Die Arbeit der diluvialen Flüsse wäre dann in erster Linie 
eine ausräumende gewesen. 

In der Semmeringgegend ist durch die starke Denudation jede 
Spur einer tertiären Ablagerung verwischt worden. Erst am Abhänge 
des Grasberges gegen das Auethal, über Weissenbach, findet sich am 
Gehänge ein conglomeratartiges Gestein, weithin sichtbar von der 
Ebene aus, das auf der geologischen Karte als Rohrbacher Conglo- 
merat, als tertiäre Flussbildung eingezeichnet ist. Doch die Gerolle 
sind eckig, nie gerundet, mit sehr dichter und stark hervortretender 
Grundmasse, so dass ich die Bildung als eine Gehängebreccie der 
palaeozoischen Kalke des Grasberges erklären muss. Immerhin 



[31] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 195 

entspricht ihre Höhe, 600 — 700 w, dem älteren tertiären Thal- 
boclen. 

Weder in den oberen Adlitzgräben, noch in der Prein ist bis 
jetzt Tertiär gefunden worden, dagegen ist hier nachzutragen, dass 
über dem Altenberger Graben, einem rechten Zufiuss des Kaxen- 
baclies, in einer Höhe von 900 — 1000 m ein kleines, von Kalkcon- 
glomerat und gelben Sandsteinzwischenlagern aufgebautes Plateau uns 
einige, wenn auch dürftige Kunde von dem tertiären Flussleben am 
Fusse der Kalkalpen gibt. 

Erst nach der Vereinigung von Auebach und Schwarza im 
breiten Schwarzathal, das eine Meereshöhe von nur mehr rund 450 ni 
hat, beginnt die Ablagerung des echten Rohrbacher Conglomerates, 
der tertiären Ablagerung im Innersten des Wiener Beckens. 

Es wird angezeigt sein, dasselbe im Zusammenhang mit einer 
kurzen Betrachtung der ganzen inneralpinen Wiener Tertiärent- 
wicklung zu Studiren. 

Der Einbruch des „alpinen" Wiener Beckens, der nach Süden 
dreieckig zugespitzten Niederung zwischen Kalk- und Sandsteinzone 
der Alpen im Westen, Rosalia- und Leithagebirge im Osten, war ge- 
folgt von einer Transgression des mittelmiocänen Meeres. Es entstand 
durch den Wellenschlag längs des neu geschaffenen Querabbruchs 
der Alpen eine Strandterrasse, an die sich die marine Uferbildung des 
Leithakalks anlehnte ; in der Tiefe bildete sich der bekannte ßadener 
Tegel. Unter dem Einfluss einer Verminderung des Salzgehaltes wurde 
gegen das Ende der ]\iiocänzeit die Fauna der „zweiten Mediterran- 
stufe" artenärmer und auch sonst mannigfach umgeändert. Das früher 
rein salzige Bildungsmedium dieser Fauna wurde ausgesüsst, brackisch. 
Diese Stufe nannte man die „sarmatische". Darauf folgte nach 
R. Hörn es, der in seiner neuesten Schrift') frühere Gedanken von 
Suess und Andrusow aufgreift, eine Zeit der Erosion, und diese 
wurde wiederum abgelöst durch die „pontische" Transgression, eine 
Ueberflutung durch die nunmehr völlig ausgesüsste, weitverbreitete 
„pontische" Seebildung, deren Ablagerung die Congerienschichten 
darstellen. 

Im Innersten des Wiener Beckens gibt es keine marinen Ab- 
lagerungen. Die — geologisch gesprochen — plötzliche Erniedrigung, das 
plötzliche Sinken der Erosionsbasis, musste die Erosionskraft ins Un- 
geheure steigern. Und thatsächlich finden wir den gewaltigen Schutt- 
kegel des Rohrbacher Conglomerates in einer Mächtigkeit von über 
50 m bis 10 km breit quer über das Thalbecken. 

Die Frage nach dem Alter hat man geglaubt lösen zu können 
durch den Nachweis sarmatischer^) Sande und Lehme im Liegenden 
des Conglomerates bei Brunn am Steinfeld, sowie durch den Fund 
von Dinotheriumi Cuvieri^) ebenda im Conglomerat. Das Conglomerat 
wäre demnach in die Zeit der Congerienstufe zu stellen. Doch ab- 



^)R. Hörne s, Sarmatische Concbylien aus dem Oedenburger Comitat. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1897. 

2) Karr er, Geologie der Kaiser Franz Josefs -Hochquellenwasserleitung. 
Abhandl. d k. k. geol. R.-A. 1877, IX. Bd., pag. 75. 

8j Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1882, pag. 342. 

25* 



196 Karl Oestreich. [32] 

gesehen davon, dass die Identität des Conglomerates von Brunn a. St. 
mit dem echten von Rohrbach nicht ohne weiters angenommen 
werden darf, da beispielsweise das seinerzeit ebenfalls als Rohrbacher 
Conglomerat bezeichnete Congiomerat weiter nördlich zwischen 
Steinabrückl und Enzesfeld sich nach Bittner und anderen durch 
seine Structur als Deltabildung erwiesen hat, ist ein solches Ergebnis 
auch gar nicht zufriedenstellend. Das Rohrbacher Conglomerat ist die 
älteste Bildung nach dem Einbruch. Wenn wir demnach nicht zwei 
Einbrüche annehmen wollen, muss das Conglomerat auch die Ab- 
lagerung des Flusses unmittelbar nach dem grossen und einmaligen 
J]inbruch darstellen. 

Das Rohrbacher Conglomerat ist ein ausgezeichnetes Kalkcon- 
glomerat, KalkgeröUe in einem kalkigen Bindemittel von oft sand- 
steinartigem Aussehen. 

Es beginnt als Hangendes der kleinen, wahrscheinlich dem 
Einbruch des Beckens vorangehenden ^), durch Mastodon angustidens 
Cuv. 2) ausgezeichneten Braunkohlenablagerung von Hart bei Gloggnitz, 
bildet darauf einen schmalen Streifen am westlichen Thalgehänge 
über Stuppach und wiederum von Liesling bis Pottschach. Hier er- 
langt es grössere Breite und setzt, durch den Saubachgraben unter- 
brochen, ein Plateau am südwestlichen Abhang des Johannserberges 
(„Gefiederwarte"), den sogenannten Lenzberg, in einer Höhe von 
über 500 m, bis Schloss Vöstenhof zusammen. Seine ganze Mächtig- 
keit und Ausdehnung wird aber erst klar durch das Auftreten der 
Rohrbacher und Neunkircher Terrassen, zweier zu beiden Seiten des 
Schwarzathals bis zu 450 m, also 60 m über das heutige Flussbett, 
aufragender breiter Vorstufen, des Kalkgebirges im Westen, des 
Gneiss- und Schiefergebirges im Osten. 

Das Neunkirchner Plateau stellt aber nur in seinem westlichsten 
Theil und auch wieder an seinem nordöstlichsten Ausläufer bei 
Ritten den Schuttkegel der Schwarza dar. Im östlichen Theil besteht 
es aus Quarzit- und Schiefergeröllen. Der tertiäre Pittenbach mündete 
demnach weiter westlich als heute. 

Die überaus ebene Oberfläche des vorderen Neunkirchner 
Plateaus könnte den flüchtigen Beobachter veranlassen, in 420 — 450 m 
das absolute Niveau zu vermuthen, bis zu dem die tertiäre Auf- 
schüttung stattfand. Doch lehrt uns die Terrasse des Lenzberges mit 
520 m, dass auch hier, wie fast stets, die Tertiärablagerungen 
Störungen erfuhren. 

Und noch eine weitere Bemerkung wird durch die Lenzberg- 
terrasse veranlasst. Der von der linken Seite einmündende Sirningbach 
floss in der Tertiärzeit senkrecht auf die Richtung des Hauptflusses, 
zwischen Johannserberg und Hochstickelberg, wofür die ebenerwähnte 
Terrasse Zeugnis ablegt. Da er gleichfalls aus den Kalkalpen kommt, 
bildet er eine Geröllablagerung, die der der Schwarza entsprechen 
muss. Die Schwarza scheint nun schneller erodiert zu haben, so dass 
der Sirningbach mit seinen Geröllmassen sich seinen Ausfluss selbst 



') Karr er, 1. c. pag. 1 f. 
^) Karr er, 1. c. pag. 59. 



[33] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 197 

verbarrikadirte. Er suchte sich daher ein neues Bett, nördlich vom 
Johannserberg in den weiclieren Phyliiten und triadisciien Werfener 
Schiefern. Die nagelfluhartigen Gerölhnassen bei St. Johann und unter 
dem nordöstlichen Abhang des Johannserberges dürften wohl 
diluvial sein. 

Ausser dem fast reinen Kalkconglomerate finden wir ein jüngeres, 
wahrscheinlich diluviales M, mehr nagelfluhartiges indem ersteren ein- 
gesenkt. So in Ternitz am Bahneinschnitt, am Steilufer der Schwarza, 
ferner bei Stuppach und Liesling unter der Tertiärterrasse. Dieses 
Gestein enthält zum Unterschied vom Rohrbacher Conglomerat viele 
Gerolle der Grünschiefer (einer Zone der Quarzphyllite nach Vacek). 
Zur Zeit des Rohrbacher Flusses lag also die Thalsohle noch über 
den Payerbacher Grünschiefern, in der Höhe des Preinthales. Erst 
das diluviale Thal grub sich tiefer ein bis zur heutigen Thalsohle. 

Beide Bildungen verschwinden unter dem mächtigen diluvialen 
Schuttkegel des Steinfeldes. Von nun an kann man nicht; mehr von 
einem Längsthal reden. Wir stehen am Schlüsse unserer Ausführungen 
über Vorkommen und Verbreitung der tertiären Ablagerungen in dem 
zu besprechenden Gebiet. 



IL Theil. 



Theoretische Betrachtungen. 

1. lieber das relative Alter und die relative Höhe der 
Tertiärablagerungen. 

Fasst man alles zusammen, was an Beobachtungen über ältere 
Thalablagerungen bisher mitgetheilt wurde, so erhebt sich zunächst 
die Frage nach dem relativen Alter dieser Ablagerungen unter sich. 
Denn ein für alle diese Bildungen gleiches absolutes Alter anzunehmen, 
worauf Stur's Forschungen hinausliefen, wäre unwissenschaftlich und 
a priori abzuweisen. Logischerweise müssen wir zu jeder Zeit im 
ganzen Gebiete Erosion und Flussleben voraussetzen. 

Die Fossilfunde sind nun recht ungenügend. Die von Stur (Geo- 
logie der Steiermark, S. 581) gegebene Tabelle der tertiären Fossilien 
ist seit jener Zeit, seit 1871, nur unbeträchtlich erweitert worden 2). 
Es muss auffallen, dass die Säugethiere sämmtlich dem Miocän, der 
ersten Wiener Säugethierfauna, angehören ; wie als hätte die heran- 
nahende oder gar schon eingetretene Eiszeit im Pliocän die Thierwelt 
bis fast zum Aussterben reducirt. Auch die Molluskenfauna, die Stur 
mit der von Rcun und Köflach im Tertiärland des Grazer Beckens 



') Karr er, 1. c. pag. 69. 

^) Besonderes Interesse verdient nur der Fund eines Zahnes von Palaeo- 
therium, das allgemein als obereocän gilt, im Becken von Parschlug. Toula, 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1884, pag. 345. 



198 Karl Oestreich. [34] 

identificirte, wäre nach P e n e c k e's Fixirung dieser Schichten unter- 
miocän ^), Doch ist zu bemerken, dass eine gründliche Aufsannmlung 
und Bearbeitung der Süsswasserconchylien des Mur-Mürzgebietes noch 
nicht vorgenommen wurde. Daher muss für die Beurtheilung des rela- 
tiven Alters der in Rede stehenden Ablagerungen vorderhand lediglich 
Gesteinscharakter und Lagerung massgebend werden. 

Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ein „gleiches Alter" oft 
nur in morpliogenetischem, aber keineswegs in stratigraphischem Sinne 
aufzufassen ist. 

Eine auffallende Thatsache ist, dass die tiefsten Bildungen im 
allgemeinen schlammiger und sandiger Natur sind : Mergelschiefer und 
Thonschiefer, Lehme und feine Sande, also Ablagerungen aus ruhigem 
Wasser, aus Seen oder ruhig fliessenden Flüssen. Dies gilt vom Mürz- 
thal, vom Atienzer Becken, von Leoben, von Trofajach. Auch im 
Liegenden des Conglomerates von St. Michael bei Leoben erwähnt 
Stur die Schichten der „tieferen Stufe". In der Knittelfelder Becken- 
landschaft kommen nur im Hängendsten Geröllablagerungen vor. Ueber- 
haupt lässt sich die Reilienfolge von Bildungen in ruhigem Wasser 
und darüber Schotter oder Conglomerat für das ganze Mürzbecken und 
die Durchbruchsregion festhalten. Im oberen Murbecken ist sie weniger 
klar. Das kleine Vorkommen im Waltersbachgraben bei Unzmarkt 
würde den geforderten Bedingungen noch entsprechen. Aber im Tertiär 
von Schöder und Oberwölz kann man — bis jetzt wenigstens — nicht 
von „tieferen Bildungen" reden, und im Lungauer Tertiär wechseln 
Conglomerat und Schieferthon regelmässig ab. 

Es ist hier einzufügen, dass auch die Conglomerate sich oft auf- 
fällig durch die geringe Korngrösse ihrer GeröUe von den Schotter- 
bildungen der diluvialen und recenten Flüsse unterscheiden. Man 
erinnere sich des Conglomerates von Trofajach, das im südlichsten 
Theil, südlich der Strasse Trofajach-Traboch, fast ausschliesslich aus 
feinen, nicht centimetergrossen Körnern besteht. Dasselbe Conglomerat 
setzt auch die nördliche Terrasse des Lainthales zusammen und findet 
sich im Donawitzer Conglomerat bei Leoben wieder. Auch der Sand- 
stein von Sekkau verdiente wohl, bei dieser Betrachtung herangezogen 
zu werden. 

Die Zeit der Ablagerung der später conglomerirten Flussschotter 
entspricht einer Erosionsperiode im Gebirge, einer Zeit wasserreicher, 
gefällreicher Flüsse, die auf eine Zeit folgte, in der das Fehlen solcher 
Flüsse die Bildung grosser, reiner Seen ermöglichte, u. a. des Stübming- 
Sees, des Sees von Trofajach. Die Ablagerungen dieser Seen sind nun 
wiederum, mit Ausnahme unbedeutender localer Grundconglomerate, 
die tiefsten Bildungen auf dem Grundgebirge. 

Nehmen wir nun an, dass die von diesen Seen erfüllten Niede- 
rungen die Ergebnisse der grossen intratertiären Gebirgsaufrichtung 
waren, so gelangen wir zu einer Anschauung, die einen Widersinn 
enthielte: dass nämlich trotz einer plötzlich eingetretenen Höhenver- 



') Pen ecke, Die Molluskenfauna des untermiocänen Süsswasserkalkes von 
Reun in Steiermark. Zeitschrift der Deutschen geol. Gesellschaft 1801, Bd. XLIII, 
pag. 346. 



[35] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 199 

Schiebung, die beispielsweise beim Trüfajacher Becken 1000 m betruji, 
doch keine Flüsse mit starker Erosion und Accumulation entstanden, 
sondern in weiten Seebecken ruhige und ungestörte Ablagerung weicher 
Schichten zu grosser Mächtigkeit vor sich ging. 

Diese Ueberlegung legt uns den Gedanken nahe, ob nicht jene 
grosse Höhendifferenz erst nachträglich eintrat, als die Ablagerung 
der weichen Schichten bereits stattgefunden hatte, und zwar in einer 
anderen absoluten Höhe, die von der Kammhöhe der überragenden Ge- 
birge weniger differirte. Mit anderen Worten: Bildungen, wie die 
Kalkmauer des Reiting, mögen erst in der Tertiärzeit, und zwar nach 
Beginn der uns erhaltenen Tertiärablagerungen durch Brüche bloss- 
gelegt worden sein. Das Hochgebirge, also der relativ grosse Unter- 
schied zwischen Thalbodenhöhe und Kammhöhe, bestand noch nicht 
zur Zeit des Absatzes der Gebilde der tieferen Stufe. 

Wie Stur anfänglich auf Grund des Fundes der Congeria von 
Fohnsdorf bei Knittelfeld eine Stufenfolge der Ablagerungen construiren 
wollte, können wir dasselbe thun auf Grund der Prüfung des Gesteins- 
charakters. 

Für das obere Murthal haben wir auch für die ältere Zeit Hoch- 
gebirgsverhältnisse anzunehmen. In der weiten Taurachebene spielte 
sich ein überaus wechselvolles Flussleben ab : bald überwogen die 
Flüsse, die wiederum hin und her pendelten, bald trat ein Stillstand 
ein, und Zwischenbildungen sandigen und mergeligen Charakters kamen 
zur Ablagerung. 

Für die Durchbruchsregion jedoch und das Mürzbecken lässt sich 
eine ältere und eine jüngere Jungtertiärzeit unterscheiden, ein Mittel- 
gebirgsstadium und eine Zeit des Hochgebirges. 

Wohin in der Zeit des Mittelgebirges die Seen von Leoben, 
Trofajach, Aflenz und Parschlug entwässert wurden, lässt sich in 
keiner Weise feststellen. Doch kann kein Zweifel herrschen, dass der 
spätere, aus dem triadischen Kalkgebirge des Ennsthales herfliessende 
Liesing-Murfluss die nun auch in den genannten Seebecken zur Bildung 
gekommenen Flüsse, Vordernbergerbach, Thörlgraben, Mürz, aufnahm 
und im heutigen Durchbruchthale in die pannonische Ebene hinausfloss. 

Die Terrassen des Palten- und Liesingthales sind noch nicht 
untersucht, aber die tertiären Schuttkegel von Trofajach, St. Michael 
und Donawitz enthalten in der Hauptsache Gerolle der nördlichen 
Kalkalpen. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Und wenn man auch 
bedenkt, dass die palaeozoischen Kalke der Eisenerzer Alpen von den 
Triaskalken überlagert werden, lassen sich doch unter den heutigen 
Verhältnissen und im Hinblick auf ihre diluvialen Bildungen die 
heutigen Zuflüsse des Trofajacher Beckens nur sehr schwer als die 
Herbeischaffer der erwähnten Kalkgeröllmassen ansehen; so dass der 
gewagt lautende Schluss, die Mur als Abfluss der oberen Enns zu er- 
klären, noch der natürlichste Erklärungsweg sein dürfte. 

Einige Schwierigkeit bereitet uns das Trofajacher Becken immer- 
hin, und die Darstellung der Flussgeschichte jener Gegend wäre ohne 
die Existenz desselben bedeutend leichter. Die Enns würde bei 
St. Michael in das heutige Murthal einbiegen und wäre von da bis 
nach Brück zu verfolgen. So aber öffnet sich das Liesingthal gegen 



200 Karl Oestreich. [36] 

das Becken von Tiofajach, in dem das Kalkcongloraerat den Berg- 
rücken des Kehrwaldes zusammensetzt, dessen zum Theil sehr 
mächtige Blöcke einen sehr bedeutenden Strom voraussetzen, der, 
wenn wir die morphologischen Verhältnisse im Auge haben, gerad- 
linig nach Südsüdost gegen den Hauptfluss nach Donawitz zu abfloss. 
Ausserdem besteht aber auch die Terrasse des Laintbales aus demselben 
Conglomerat. Wir müssen daher einen Fluss annehmen, der hier in 
starken Windungen floss. Doch möchte es verfrüht sein, den Verlauf 
dieser Windungen anzugeben. 

Oder aber, wir vereinfachen uns die Deutung dieser sonderbaren 
Verhältnisse durch die Annahme einer späteren Senkung des Beckens 
in seiner Gesammtheit. Alsdann wären die Conglomerate des Beckens 
doch vom Vordernberger und Rötzbach herbeigeschafft worden, die in 
einem höheren Niveau in der damals noch weiter ausgedehnten Trias- 
decke geflossen wären, und der Vordernberger Bach wäre, wie heute, 
ein Nebenfluss der Mur gewesen, die als Liesing aus dem Ennsthal 
nach St. Michael floss. 

Vielleicht ist diese letztere Deutung die zutreffende. . 



2. lieber die absolute Höhe der Tertiärthäler. 

Nachdem somit einige Betrachtungen über die relative Höhe der 
Tertiärthäler mitgetheilt wurden, wird mit Recht auch die Frage nach 
der absoluten Höhe des tertiären Thalsystems aufgeworfen werden. 
Lag der tertiäre Thalboden höher als der heutige oder nicht? 

Im allgemeinen gilt wohl die Anschauung, dass die Flüsse ihre 
Thäler allmälig einschneiden, dass in einem breiten, hochgelegenen 
Thale ein schmäleres, tieferes, eingeschnitten wird, und dass dieser 
Vorgang bei jeder Tieferlegung der Erosionsbasis sich wiederholt. 

Doch complicirt sich dieses allmälige Einschneiden durch die 
Gebirgsbewegungen. 

Thatsache ist, dass wir an manchen Stellen unzweifelhafte, 
modellartige, ungestörte Auflagerung des tertiären Conglomerates auf 
den Plateaus über dem heutigen Thal haben, so über dem Alten- 
bergerthal zwischen Rax und Schneealpe, so auf dem Greggerberg 
bei Brück an der Mur. 

Aber ebenso haben wir Tertiärbildungen, die unter die heutige 
Thalsohle tauchen, so die des Judenburger Beckens, die Rohrbacher 
Conglomerate, das Lungauer Tertiär. Daher lässt sich für unser 
Längsthal die gestellte Frage nicht so ohne weiteres einheitlich be- 
antworten, und die einzelnen Ablagerungen sind auf ihre Höhenlage 
zu prüfen. Aber auch so werden unsere Ergebnisse sehr mangelhaft 
sein, da Tiefbohrungen nur selten ausgeführt, noch seltener aber deren 
Ergebnisse in die Oeftentlichkeit gelangt sind. Die Untersuchung lässt 
sich zur Zeit nur in grossen Zügen führen. 

Die tertiären Ablagerungen erscheinen, mit ganz wenigen Aus- 
nahmen, stets gestört. Von vornherein wird man nun im Zweifel sein, 
ob sie allein gestört wurden oder ob sie von Gebirgsbewegungen, die 
ihre Unterlage betrafen, in Mitleidenschaft gezogen wurden. Und auch 
unter dieser Voraussetzung können sie gesonderte Bewegungen aus- 



[37] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 201 

geführt haben, infolge ihrer geringeren oder stärkeren Consisten/ im 
Verhältnis zu der liegenden Grundgebirgsmasse. 

In jedem Falle erfolgte eine Schrägstellung des tertiären Thaies, 
in einem Falle nur der Ablagerungen, im anderen Falle der Ab- 
lagerungen und des Thalbodens, bald in höherem, bald in geringerem 
Betrag, so dass das tertiäre und das heutige Thal zwei — thatsächlich 
oder in ihrer Verlängerung — sich spitzwinkelig schneidende Flächen 
darstellen 

Am sichersten wird man eine Höhenbestimmung des tertiären 
Thalbodens ausführen können, wenn man ausser den Geröllterrassen 
auch Terrassen im anstehenden Felsgestein vorfindet, und von solchen 
Punkten hat somit die Untersuchung auszugehen. 

Einen derartigen Anhaltspunkt bietet uns das Leissnitzthal 
östlich von Tamsweg, die Fortsetzung des Murthaies. Die Vereinigung 
beider Flüsse liegt bei Tarasweg in circa 1020 m Meereshöhe, die 
Thalwasserscheide zwischen Leissnitz und Seebach 10 km oberhalb in 
einer Höhe von 1246 m. Während also gegen die Mur hin eine Er- 
niedrigung von 200 m stattfand, ist auch die Wasserscheide selbst um 
etwa 60 m tiefer gelegt worden ; denn zu beiden Seiten finden sich 
Terrassen, die nördliche in 1293w, die südliche etwa in gleicher Höhe i), 
die nördliche bedeckt von dem auf dem Glimmerschiefer lagernden 
Tertiär (und glacialem Diluvium), die süilliche im anstehenden, nörd- 
lich fallenden Gneiss. An das Gebirge der Nordseite angelehnt, er- 
hebt sich aus dem Thale das tertiäre Conglomerat. Es fällt sehr flach 
bald nach Südwest, bald nach Südost. Die weichen alten Schiefer, auf 
denen es lagert, sind, wie im unteren Preberbachgraben zu sehen, an 
der Auflagerungsfläche zerdrückt und gefältelt. Hier wäre, da die 
Terrassen zu beiden Seiten ungestört blieben, somit eine Bewegung, 
die lediglich die Thalablagerungen betraf, eine Art Nachsackung, fest- 
gestellt. Es ist wohl erlaubt, für die Tertiärzeit einen Thalboden in 
der Höhe von 1300 m anzunehmen. In diesen senkten sich zwei 
schmälere Thalböden ein, ein nördlicher und ein südlicher, von denen 
nur noch der letztere heute als Wasserader benützt wird. 

Für die Höhenlage der Tertiärthäler des obersteierischen 
Doppelthalsystems kann uns die Bodenplastik der Gegend von Ober- 
wölz einige Anhaltspunkte geben. Südlich gegenüber von Oberwölz, 
dessen Kirche in 828 m liegt, erreicht das gegen das Thal einfallende 
Conglomerat eine Höhe von etwa 1000 m, westlich vom Eselsberger 
Bach hat es eine Mächtigkeit von 200 w, von 900 bis etwa 1100 m, 
und in dieser Höhe dehnt sich auf der gegenüberliegenden Seite die 
grosse, in der Diluvialzeit vergletscherte Ebene von Pöllau aus. Bei 
ungestörter Lagerung wäre es das nächstliegende, für die Tertiärzeit 
eine der heutigen entsprechende Thalsohle anzunehmen, und eine 
starke Geröllführung, welche die heutigen Thäler bis zur Plateauhöhe 
ausfüllte. Nun sind aber sämmtliche tertiären Reste geneigt nach Norden 
oder Nordwest, wie abgesunken von diesem Plateau selbst. Und daher 
dürfen wir wohl in eben diesem Plateau die Höhe der tertiären Thal- 
sohle sehen. Stellt das Conglomerat von St. Lambrecht das GeröUe 



^) Cote 1198 bildet beiweitem nicht die Terrassenhöhe. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band. 1. Heft. (K. Oestreich.) 26 



202 Karl Oestreich. [38] 

des tertiären Flusses dar, so war der Neumarkter Sattel in der Höhe 
von etwas über 900 w der tertiäre Thalboden. In 800 -900 m liegen 
zu beiden Seiten der Mur Terrassen, so Schrattenberg und die auf- 
fällige Stufe im Gehänge des linken Ufers bei Unzmarkt; auch das 
Thonvorkommen im Waltersbachgraben lässt sich hier einbeziehen. 

Schwieriger gestaltet sich die Untersuchung im Judenburger 
Becken. Der Anhaltspunkt, den uns die Hügel der tertiären Vorstufe 
gewähren, die bis gegen 900 m Sand- und Geröllbedeckung tragen, wird 
durch die Verhältnisse an der nördlichen Seite in seiner allgemeinen 
Giltigkeit beeinträchtigt, da die tertiären Ablagerungen hier unter die 
heutige Thalsohle tauchen. 

Nun ist ja die jüngere Tertiärzeit in unserer Gegend überhaupt 
keine Erosionsperiode, sondern eher eine echte Accumulationsperiode, 
aber eine über 200 m betragende, gleichmässige Ausfüllung des Beckens 
ist bei der relativ kurzen Zeit seines Bestandes i) an sich unwahrschein- 
lich ; und zu dem deutet gerade der verschiedene Charakter der Nord- 
und Südseite auf Gebirgsbewegungen, auf Verschiebungen, so dass der 
Nordflügel dem Südflügel nicht mehr entspricht. Wir haben hier eine 
Bruchregion, die erst in der Diluvialzeit oder kurz vor derselben zur 
Ruhe kam. Darauf deutet auch die obenerwähnte Anwesenheit der 
Quellen von Sauerbrunn am Pölshals und Sauerbrunn gegenüber von 
St. Lorenzen. 

Wahrscheinlich lag der tertiäre Thalboden etwa in der Höhe des 
Obdacher Sattels. 

Wie passt das nun zu unserer Annahme, dass die Mur über den 
Obdacher Sattel in das Lavantthal fioss'? Verliessen wir doch die 
tertiäre Mur in einer Höhe von etwa 900 m, während der Obdacher 
Sattel heute noch in 951 m liegt! 

Das Judenburger Becken ist nach unserer Annahme durch Ein- 
brüche entstanden. Das heisst: längs Bruchspalten sind Theile des 
Gebirges in ihrer Lage zueinander verschoben worden. In unserem 
Falle, an der Bruchspalte, die das Becken südlich begrenzt, mag der 
nördliche Flügel abgesunken sein, der südliche hingegen eine Hebung 
erfahren haben, eine Hebung, die diesmal ein ganzes Gebirgsstück, 
den Grössenbergstock und das Flussgebiet des oberen und mittleren 
Lavantthales, betraf. 

Bewiesen ist diese Lösung nicht, wohl aber verdiente sie, an Ort 
und Stelle auf ihre Richtigkeit geprüft zu werden. 

Der hypothetisch geforderte Abtiuss der Miir über den Obdacher 
Sattel, der etwa 150 m gehoben sein mag, wäre gerettet, und damit 
zugleich die Möglichkeit einer Erklärung des engen mittleren Lavant- 
thales, des Twimberggrabens, angebahnt. Schon Lipoid 2) bemerkte 
1854, es bestünden Andeutungen dafür, dass eine Verbindung des 
Tertiärs des oberen Lavantthales mit dem des unteren bestanden habe, 
jedoch nicht durch den Twimberggraben, sondern über den niederen 
Sattel bei Prebel und das Auethal Ich konnte gerade diese Gegend 



') Unter der Voraussetzimg, dass es erst seit der Zeit der Congerienstufe 
besteht. 

=>) Jahrb. d. k. k. geoi. R.-A. 1854, pag. 890. 



[39] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 203 

nicht besuchen und muss mich daher auf Lipo Id's Angabe verlassen, 
seine „Andeutungen" als Spuren tertiärer Ablagerungen auffassen. Aber 
auch bei nneiner flüchtigen Durchwanderung des Lavantthales war mir 
klar geworden, dass das Niveau des oberen Lavantthales als ein deut- 
liches Plateau in der Höhe von circa 900 w sich hoch über dem Twim- 
berggraben fortsetzt. Und die Entstehung dieses vielfach gewundenen 
Durchbruchthales wäre die, dass der Fluss ^) des oberen Lavantthales 
nach eingetretener Hebung und erneutem Beginn der Erosion seines 
Mittellaufes sein altes Bett nicht mehr fand und sich ein neues ero- 
diren musste. 

Dies ist nur bildlich gesprochen, in Wirklichkeit wird die Erosion 
von der Tiefe des unteren Lavantthales ausgegangen sein. 

Das untere Lavantthal, das breite, in nur mehr rund 400 m 
Meereshöhe gelegene Becken zwischen Saualpe und Koralpe, stellte, 
wie jüngst Höfer^) in einer äusserst lesenswerthen Arbeit gezeigt hat, 
in der Zeit der ersten und im Beginn der zweiten Mediterranstufe eine 
Meeresbucht dar. Die Fossilien des Germersdorfer Baches bei St. Andrä 
gehören dem oberen Grunder Niveau an, also den Schichten, die im 
ausseralpinen Wiener Becken den Aequivalenten des Leithakalkes und 
des Badener Tegels vorangingen. Zur Zeit der Meerestransgression des 
Wiener Beckens war das Lavantthal nicht mehr vom Meer erfüllt. Es 
kamen nun nur noch Sande, Lehme und Conglomerate mit Mastodon 
angustidens zur Ablagerung. Aber auch nocli in dieser Zeit wird die 
Mur ins Lavantthal abgeflossen sein. Erst infolge jener Hebung, die wir 
in das Pliocän, wenn nicht noch später anzusetzen haben, suchte die Mur 
das Längsthal innerhalb der obersteierischen Gneisszone auf. Vielleicht 
dass die Region der Brüche sich bis an das Knie dieses letzteren fort- 
setzte, so dass der Erosion gute Angriffspunkte geliefert wurden. 

Für die Höhenbestimmung des Tertiärthaies von Leoben mag das 
Conglomeratvorkommen vom Jägerhaus auf dem südlichen Thalgehänge 
in einer Höhe von 660 m wegweisend sein. Vielleicht lag der tertiäre 
Thalboden in dieser Höhe: und da auf der nördlichen Thalseite die 
Conglomerate bis zu einer Höhe von über 1000 m ziehen und sich 
jenseits deiselben wieder senken, hätten wir auch für diese Gegend 
eine Bewegung nachgewiesen, die Thal und Grundgebirge in gleicher 
Weise verschob. 

Auch das Conglomerat auf dem Greggerberge bei Brück an der 
Mur in circa 560 m deutet wohl die Höhenlage des tertiären Flusses 
über dem heutigen Thale an. Entspricht ihm doch auf dem jenseitigen 
Ufer die Terrasse, auf der die hl. Geistkapelle liegt. 

Von da an hätte sich die tertiäre Thalsohle wieder zu heben, 
und im oberen Fröschnitzthal wäre das heutige Thal dem tertiären 
nach Höhe und Breite annähernd gleich. Von den Verhältnissen über 
dem Semmering wurde bereits gesprochen, und es ist nun an der Zeit, 
diesem selbst ein Alter zu geben, zu suchen, ob in unserem Gebiete 
nicht auch ältere Thalniveaus ausgedrückt sind. 



') Nicht das Meer, wie Lipoid meinte. 

'^) Höfer, Das Miocän bei Mühldorf in Kärnten. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 
1892, pag. 311. 

26* 



204 Karl Oestreich. [40] 

3. lieber ältere Thalniveaus. 

Steht man auf dem Gstoder, dem höchsten Berge des oberen 
Doppelthals zwischen Mur und Seebach, so geniesst man wohl des 
besten Ueberblickes über das gesammte obere Murbecken mit seinen 
drei Thälern, dem südlichsten : Thoma- und Murthal, dem mittleren : 
Mur-, Leissnitz-, Seebach- und Rantenthal, dem nördlichen: Taurach-, 
Krakau- und Schöderthal ; man sieht die drei Einschnitte, durch welche 
die drei nördlichen Thäler in diagonalem Laufe das südliche, das Thal der 
Mur, erreichen. Im Norden schliessen die Niedern Tauern ab, die Kalk- 
spitzen der Radstädter Tauern im Nordwesten, im Südwesten der Zug 
des Hafner, der zum Ankoglmassiv gehört, im Süden der Stock des 
Königstuhls, an den sich gegen Osten die niedrigeren Berge der Phyllit- 
mulde anschliessen. Den Horizont im Nordosten und Osten beschliesst 
der Kamm der nach Südost umgeschwenkten Axe der Niedern Tauern. 
Ausser im Südosten ist das Bild also geschlossen. 

Die Gipfelhöhen der Tauern — der krystallinischen Niedern, wie 
der triadischen Radstädter Tauern — entsprechen einander: 2500— 
2800 w, auch die höchsten Gipfel des Königstuhlstockes überschreiten 
2400 m. Somit ist die nördliche und die südliche Wasserscheide in mehr 
weniger 2500 m gelegen. 

War das Gebirge nach seiner Faltung ursprünglich ein ge- 
schlossenes Gewölbe, so hätten wir in diesen heutigen Wasserscheide- 
rücken die Reste der ältesten Gebirgsanlage zu sehen. Innerhalb 
dieser beiden Rumpfgerüste spielte sich nun die Thalentwicklung ab. 

Es entstand der erste Unterschied von Berg und Thal, und wie 
weit die Erosion in jenem Entwicklungsstadium ging, müssen uns die 
Innern Randregionen der Rumpfrücken, sowie etwaige Reste in der 
Mitte des breiten ältesten Thaies zeigen. In der That besteht eine Vor- 
stufe, sowohl vor den Niedern Tauern, wie vor den Königstuhlbergen. 

Betrachten wir zunächst die Abhänge der Tauernberge gegen das 
Lungau, Da läuft vom Gurpetschegg der Kamm der Tanninghöhe in 
2112 >w nach Süd vor, vom Hundstein der Kranitzl 2070, auch auf 
dem von der Kreuzhöhe herabziehenden Genssitsch-Berg lässt sich das 
2000 + Niveau festhalten ; bei dem vom Kasereck herabziehenden 
Kamm ist die Spur verwischt, wenn nicht der Gummaberg in 2223 m 
unser Niveau darstellt; vor dem Preberstock aber der Lerchriegel in 
2138, dann die Preberalpe, jenseits des Rantenbaches der Arnlug 2155 m. 
Weiter gegen Osten scheint die Vorstufe sich etwas zu heben ; die 
Dockner Alpe in 2207 w, Cote 2200 unter dem Feldeck. 

Die Neigungsverhältnisse dieser ersten Thalanlage können die 
umgekehrten gewesen sein, oder aber die 2000 + Niveaus sind verwischt. 

Im Süden stellen die Vorberge wie der Hühnerleitennock und die 
Würflingerhöhe (2171 und 2195 m) die älteste Thalanlage dar. Und 
dass auch der Thalursprung, sei es nun des Hauptflusses oder aber 
eines Nebenflusses, ungefähr in derselben Höhe lag, beweist das linke 
Gehänge des Zederhausthaies, das die Phänomene in den Lungauer 
Querkämmen wiederholt, indem ein 2000 — 2l00 m Niveau stets wieder- 
kehrt. In der Ansicht, dass sich auch diese älteste Mur nach Osten zu 
richtete, aber dann in der Phyllitmulde nach Süden abschwenkte, kann 



[41] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. 205 

uns der Umstand bestärken, dass zwischen der umgeschwenkten Tauern- 
axe und dem Königstuhlstock das Niveau von 2000 + in der Frauen- 
alpe (2004 m) das höchste der Gegend ist. 

Ein Rest des alten Thalbodens ist aber auch der Berg, auf 
dem wir uns befinden, der Gstoder selbst, mit seinen 2141 m Meeres- 
höhe. 

Somit hätten wir das Niveau des ursprünglichen Gebirges in 
2500 w, die älteste Thalanlage im 2000 +. Auf diese Basis erodierten 
die Nebenflüsse ihre Betten, hier wurden die ältesten, heute natürlich 
verschwundenen Flussgerölle abgelagert. 

Aus irgend einer Ursache, die wir nicht kennen, muss sich nun 
im Unterlauf des Flusses eine Senkung zugetragen haben, und von 
dieser neuen Erosionsbasis aus begann eine neuerliche Erosion : es 
sanken zwei Thäler in das alte Thalniveau ein, zwischen denen der 
Gstoder als ein zweites Rumpfniveau stehen blieb. In dieser Zeit also 
finden wir den Beginn der Doppelthalbildung. 

Auch Übel- den Betrag dieser neuen Erosion kann uns der Blick 
vom Gstoder Auskunft geben. Der Kamm zwischen Krakau und See- 
thal mit dem Waldschober (1789) und einigen noch etwas höheren 
Punkten gibt uns das zweite Thalniveau an. Dasselbe Niveau (1790 
und 1801) hat, dem Gstoder benachbart, der nordöstliche Ausläufer 
des Lasaberges, das Lercheck unter dem Preber (1705), der Schwarzen- 
berg zwischen Thomathal und Murthal (1778). Weiter östlich, in der 
Phyllitmulde, ist es das allgemeine Gipfelniveau; zwischen Ranten- 
bach und Mur der Kramerkogl (1806), zwischen Katschthal, Mur- 
und Rantenthal die Stolzalpe (1816), zwischen Wölzerthal, Mur- und 
Katschthal die Pleschaitz (1797), südlich der Mur die Kuchalpe 
(1770), die Kuhalpe (1784 m). Die Gebrenze (1870 m) scheint erst 
im letzten Theil dieser Erosionspei iode zum Rumpfniveau geworden 
zu sein, wenn nicht die früher erwähnte meridionale Aufwölbung der 
Kalkplatte, deren höchste Erhebung sie darstellt, erst in der Folge- 
zeit eintrat. 

Und einer dritten Erneuerung des Flusslebens entspricht dann 
das ausgebildete Doppelthal. Denn in die erwähnten Reste des 1700 
bis 1800 w Niveaus erscheinen ja Thoma- und Mur-Taurachthal einge- 
senkt, ferner die Diagonalstrecken des Ranten-, Katsch- und Wölzer- 
thales. 

Die Erosion dieser Thäler fand nun bis zu einem Niveau statt, 
dem im allgemeinen die Höhenlage von löOO m entspricht. 

Reste dieses dritten Thalniveaus haben wir im Mitterberg zwischen 
Mur und Taurach (1578) zu sehen, im Lessenberg westlich von Schöder 
(1469), im Aichberg südlich Oberwölz (1440w). 

Und erst als in diesem Niveau neuerliche Erosion platzgriff, 
wurde das Schöderthal individualisirt, wurde der Pleschaitzstock durch 
den Hinterburger Graben in zwei Theile getheilt, und in diesem vierten 
Erosionsstadium haben wir wohl die Arbeit der Tertiärzeit zu sehen, 
deren Thalboden wir auf anderem Wege schon in einer Höhe von 
13C0 m zu finden glaubten. 



206 Karl Oestreich. ];42] 

Fassen wir zusammen, so ergibt sich 

Niveau I : ursprüngliclie Anlage des Gebirges . 2500 m 

II: erste Thalanlage 2000 „ 

III: zweite „ 1800 „ 

IV: dritte „ 1500 „ 

V: vierte „ (tertiär) . . . . 1300 „ 

VI: fünfte „ (recente Thäler) . 1000— 700 m. 

Diese Reihenfolge bleibt selbstverständlich hypothetisch, und erst 
müssten die ganzen Alpen in dieser Weise studirt werden, ehe wir 
diese Schlüsse verallgemeinern oder sie auch nur für unser Gebiet 
als gesichert annehmen dürften, ehe wir im vierten Niveau das der 
Kreidethäler sehen dürften. 

Schon in dem östlichen Theile unseres Längsthaizuges finden wir 
diese Verhältnisse nicht mehr so klar. Das Bild wird sehr complicirt 
durch das Absinken des Ostflügels, die Gehänge zu beiden Seiten ent- 
sprechen sich nicht mehr, und die orientirenden Höhenansichten geben 
uns nicht mehr so unmittelbare Antwort. 

Einige entscheidende Züge bietet uns aber auch hier das Land- 
schaftsbild. Um dasselbe nicht allzusehr zu verwirren, sei es uns 
erlaubt, die Südwest-Nordost-Richtung auch im alten Gebirge, der 
ersten Gebirgsanlage, als die bestimmende vorauszusetzen. Sofort wird 
uns nun auffallen, dass Nord- und Südgehänge sich nicht entsprechen. 
Im Norden begrenzt unser Thal mit kurzen Unterbrechungen ein Wall 
von Bergen, die eine Höhe von 2000 m erreichen oder übersteigen. 
Zunächst die Sekkauer Alpen, dann der Reiting, der Reichenstein, die 
Hochschwabgruppe, Hochveitsch, Schneealpe, Raxalpe und Schnee- 
berg. Dem hat das Südgehänge, von dem orographischen Gabelungs- 
punkt am Speikkogl an gerechnet, nur noch Höhen von 1700 m 
entgegenzustellen, den Hochlantsch (1722) östlich der Mur, und 
zwar ihres zweiten Durchbruches, und dann erst wieder Stuhleck 
(1783) und Wechsel (1738) in der Semmeringgegend. Das Stuhleck 
gehört orographisch einem vorderen Zuge an, dem östlich des Mur- 
knies das Rennfeld entspricht, der Wechsel dem hinteren Zuge, und 
ihm entspricht der Hochlantsch. Zwischen Stuhleck und Wechsel ist 
das Feistritzthal, ein Parallelthal zur Mürz, eingeschaltet, zwischen 
Rennfeld und Hochlantsch die Breitenau. 

Dass Absenkungen stattgefunden haben, ergibt sich daraus, dass 
der erwähnte hintere Zug unmittelbar an die Einbruchsregion des 
pannonischen Beckens grenzt. Wir gehen vielleicht nicht fehl, wenn 
wir als ursprüngliche Höhe für Stuhleck und W^echsel und Hochlantsch 
das Niveau der nördlichen Randberge (2000 m) annehmen, so dass die 
Senkung 300 m betragen würde. 

Der Kamm zwischen Speikkogl der Gleinalpe und Hochlantsch, 
also der Abfall der Ceutralalpen gegen das Grazer Becken, erreicht nur 
Höhen von 1600 m, diese aber in auffälliger Constanz. Dieselbe Höhe 
hat das Rennfeld, dieselbe die Pretulalpe vor dem Stuhleck (Fenster- 
alpe 1642, Hochalpe 1643, Mugel 1632, Rennfeld 1630, Pretul- 
alpe 1656 m). 1600 m ist somit das Hauptniveau der südlichen 
Thalseite, vielleicht die Höhe der ersten Thalanlage im neugefalteten 



[43] Ein alpines Längsthal zur Tertiärzelt. 207 

Gebirge. Auf der nördlichen Thalseite spielt dieses Niveau jedoch nicht 
diese Rolle. Ihm entspricht daseU)st wohl das 1800 m-Niveau, wie die 
Messnerin (1836) vor dem Ebenstein, die Windgrube (1810) vor dem 
Hochschwab, Schönhaltereck (1839) und Ameisbühel (1830) auf der 
Schneealpe, und eine niedere Stufe auf der Rax. 

Die Stufe von 1400 + dagegen ist auf beiden Thalseiten gleich- 
massig bestimmend. Man vergleiche den Zeherer Alp - Troiseckzug 
zwischen Stübming und Mürz mit Schwarzkogl-Pürschtling zwischen 
Mürz und Feistritz. 

Das wäre das ursprüngliche Gebirgsniveau, erste und zweite Thal- 
anlage. Treffen die bei dem oberen Murbecken angenommenen Ver- 
hältnisse auch hier zu, müssen wir zwischen dieser zweiten Thalanlage 
und der Tertiärzeit noch eine dritte erwarten, wie in der Höhe von 
1000 bis 1100 m in der That eine dritte in Semmering, in der 
Teichlalpe im Hochlantschgebiet, im Joch zwischen oberem Adlitz- 
graben und Preiner Gsoll, im Preiner Gscheid und in Terrassen, wie 
in der ßreitenau, existiert. Das tertiäre Niveau endlich lag in 900 
bis 600 m Höhe. 

Es wäre nun nur noch nöthig, für jeden Theil des Gebietes diese 
Stufen festzustellen oder zu prüfen, in welchem Niveau in jeder ein- 
zelnen Region Flussleben vor sich ging, denn ein solches weitver- 
zweigtes Stromgebiet kann eine wechselvolle Geschichte hinter sich 
haben oder hatte sie thatsächlich, wie aus den manigfachen Rumpf- 
horsten hervorgeht, dem Floning (1584), dem Thalerkogl (1656), dem 
Sonnwendstein (1523 m), die immer Zwischenstadien in den einzelnen 
Erosionsperioden bedeuten würden. 

Im ganzen lassen sich jedoch auch hier vom junggefalteten Ge- 
birge an fünf Erosionsstadien der Reihe nach festhalten : 

Niveau I: ursprüngliches Niveau des Gebirges . 2000 — 1700 m 

II: erste Thalanlage 1800—1600 „ 

III: zweite , 1400 



IV: dritte 


„ 


(cretacischeThäler) 


1100—1000 


V: vierte 


« 


(tertiäre Thäler) . 


900— 600 


VI: fünfte 


j) 


(recente Thäler) . 


900— 500 



4. lieber die Art der Umwandhiiig der tertiären Thäler 
in die heutigen. 

Als Beschluss unserer Ausführungen sei es gestattet, einige Bei- 
spiele zu geben für die Art und Weise, nach welcher Veränderungen 
in den Flussläufen stattfinden, nach welcher die tertiären Flüsse sich 
in die heutigen verwandelten. 

Das allmählige Einschneiden der Thalrinnen wird durch Be- 
wegungen des Untergrundes modificirt. Flüsse werden von kleineren 
Nebenflüssen, die einer tieferen Entwässerungsader zuströmen, an- 
gezapft, und ähnliche Vorgänge mehr. 

Wenden wir uns zunächst zum Doppelthal des oberen Murbeckens, 
dort, wo die Mur den südlichen Arm darstellt, der nördliche von 
Schöder-, Katsch- und vom Wölzerbach gebildet wird, die durch 



208 Karl Oestreich. [44] 

diagonale Querstrecken der Mur zufliessen. Dieses Formgebilde endigt 
mit der Diagonalstrecke des Wölzerbaches. Aber diese Endigung be- 
steht nur für das heutige Thal. Das alte, tertiäre Thal lag, wie wir 
sahen, in rund 1000— 1100 m, und etwa in derselben Höhe setzt sich 
das Thal von Oberwölz nördlich fort, zwischen Dürnberg und Schiesseck 
vom Schöttlgraben aus nach Osten ziehend, als ein echtes, massig 
breite s Thal mit sanft abgeböschten Gehängen. 

In ]\Ö0 m Meereshöhe setzt es hoch über dem Schöttlgraben 
ein, zieht einige Kilometer östlich bis in die Höhe von 1200 m, wo es sich 
gegon Süden öffnet, und der Schönbergerbach nach dem Wölzerbach 
abfliesst. Das alte Thal steigt jedoch weiter an, umfliesst in einem 
gegen Norden gerichteten Bogen eine Höhe von 1393 m und erreicht 
jenseits derselben in 1316 m Meereshöhe eine sumpfige Thal Wasser- 
scheide, Sümpfe, Moore und Seen mit träge fliessenden Verbindungs- 
strecken, nach Westen entwässert zum Schönbergerbach ; östlich fällt 
der vom Schiesseck kommende Lachenbach in die Flanke , bringt 
grösseres Gefälle und grössere Wassermenge, also grössere Erosions- 
kraft mit, und fliesst mit dem östlichen Ausfluss der wasserscheidenden 
Strecke im alten Thal weiter als Gfellenbach, und dann, mit dem 
Zeyringgraben vereinigt, in die Pols. 

Es ist ein Thalzug von Oberwölz, d. h. vom Schöttlgraben, bis 
hierhin, und auffällig ist der geradlinige, gefällreiche Lauf des Schön- 
bergerbaches aus diesem Thalzug nach Süden. 

Die Erklärung möchte etwa folgendermassen lauten : Es be- 
standen zwei Flussläufe hier, der Gfellen-Zeyringer Fluss und der 
Wölzer Fluss, in gleicher oder annähernd gleicher Höhe. Die Erosions- 
basis des letzteren wurde tiefer gelegt, er grub sich tiefer ein, und 
die ihm zuströmenden Bäche erhielten ein reissendes Gefälle, so dass 
sie nach rückwärts erodirten. In dieser Lage befand sich nun der 
Schönbergerbach, der dadurch in allmähligem Rückwärtseinschneiden 
das Gehänge des Gfellen-Zeyringerbaches angriff, die Wasser der 
Salchau (im Westen) von denen des Lachenbaches (im Osten) abschnitt 
und diesem selbst die Wasser der neuen Wasserscheide streitig machte; 
so dass die Salchau jetzt ein vom Wasser fast ganz verlassenes, ein 
„Trockenthal" darstellt, der Schönbergerbach sich im alten Thal ein 
weites Quellbecken ausarbeiten konnte, und ohne den Lachenbach 
auch das Gfellenthal ohne Wasser wäre. 

Ob dieser Vorgang in der Tertiärzeit oder auf dem Boden des 
tertiären Thaies stattfand, bleibe dahingestellt. Liegt doch die Wasser- 
scheide in 1316 m, und wir nahmen 1000 — 1100 m als Niveau des in 
der Tertiärzeit geschaffenen Flusssystems an. 

Jedenfalls haben wir hier ein typisches Bild der Flussentwicklung, 
und dieselben Phänomene finden wir an vielen Punkten des Doppel- 
thales wieder. 

Das Einschneiden der Flankenthäler geschieht immer von Süden 
aus. Im Süden erfolgte die verursachende Senkung, und die Zuflüsse 
auf der Nordseite der südlichen Ader wurden in ihrer Arbeit be- 
günstigt eben durch ihre Position gegen Süden, ihre Exponirung gegen 
Bestrahlung und Niederschlag. Ueberhaupt ist das nördliche Thal- 
gehänge fast stets mehr sculpirt und abgestuft als das südliche, das 



[45] Ein alpines Längsthal zur Tertiärüeit. 209 

oft im Gegensatz hierzu eine einheitliche steile Wand darstellt: 
Katschthal zwischen Schöder und St. Peter, Wölzerthal zwischen 
Eselsbergerbach und Oberwölz u. s. w. 

Eine ähnliche Rolle, wie der Schönbergerbach, spielt der Graben, 
der vom Hinterburg-Plateau südlich von Oberwölz zum Katschthal 
zieht, ebenfalls direct nach Süd. 

Man steigt von Oberwölz ziemlich steil hinauf bis 1100 m (also 
300 m etwa) und befindet sich oben in ill2 m auf einem Plateau, in 
dem ein Bach seinen Ursprung nimmt und mit starkem Gefälle sich 
einen Graben ausgearbeitet hat, der mit streng südlichem Lauf nach 
wenigen Kilometern in etwa 760 m Meereshöhe in den Katschbach 
mündet. Dieser Hinterburger Graben stellt ein etwas unvollkommeneres 
Stadium dar, als der Schönbergerbach. Er hat den nördlichen Fluss- 
lauf noch nicht erreicht, weil dieser selbst in seinem diagonalen Quei- 
thal nach derselben Erosionsbasis sich vertieft und daher bereits 
300 m unter dem Ursprung des Baches liegt, der ihm in die Flanke 
zu fallen strebt. 

Ein Beweis für die Richtigkeit unserer Anschauung ist in den 
Resten einer 1 100 w- Terrasse zu beiden Seiten im Gehänge über dem 
Graben zu selten, durch die auf ihnen angelegten Bauernhöfe leicht 
kenntlich. 

Dieselbe Erklärung dürfte der bei der Wandritschbrücke (ober- 
halb Murau) in die Mur einmündende Saalbach, sowie dei' weiter 
westlich gelegene Einachgraben zwischen Gstoder und Lasaberg haben. 

Auch die Diagonalthäler könnten so gedeutet werden, wenn wir 
nicht in ihnen die eigentliche Gebirgsrichtung zu sehen hätten. Wir 
müssen uns hier vielfach in Hypothesen bewegen, aber bei derartigen 
Problemen kann uns jede Theorie eine Grundlage für erneute Prüfung 
geben; und ob immer die gegebene Deutung oder eine andere sich 
als richtig erweisen möge, die persönliche Ueberzeugung hat vor 
wissenschaftlichen Thatsachen zurückzutreten ; zudem sind wir uns 
wohl bewusst, dass auf wenig betretenem Gebiet die Ersten meist 
straucheln. 

Noch interessanter und vielleicht noch deutlicher als die oben 
angeführten Fälle ist wohl die Flussverlegung, die das Sekkauer 
Becken und mit ihm das Judenburger betraf. (Siehe umstehend Fig. 3.) 

Steigt man vom Murthal gegen Sekkau zu das Becken hinauf, 
das sich, vom Thal aus gesehen, als ein spitzwinkeliges Dreieck dar- 
stellt, befindet man sich bis kurz vor Sekkau beständig in der Ab- 
lagerung von Lehm und Sand, die manchmal Kohlen enthält. Bei 
Sekkau, wo das Becken immerhin noch eine Breite von 3 hu hat, ist 
jedoch dieser Lehm von einer mächtigen Geröllablagerung bedeckt, 
die von jetzt ab das Becken erfüllt. Wandert man nun weiter nach 
oben, so befindet man sich in einer Höhe von 900 m plötzlich über 
einem Abfall. Hier fliesst kein Fluss in das Becken ein. Der Fluss, 
der die Gerolle herbeiführte, fliesst nicht mehr ins Sekkauer Becken. 

Dafür dehnt sich uns zu Füssen ein inneres Becken. Sein Nord- 
gehänge ist die geradlinige Fortsetzung des Sekkauer Nordgehänges; 
also der Fluss des Sekkauer Beckens, der Ingeringfluss, fliesst entlang 
des Südgehänges, im oberen Sekkauer Becken, dann aber, durch einen 

Jahrbuch d. k. k. seol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 1 Heft. (K. Oestreich.) 27 



210 



Karl Oestreich. 



[46] 



absolut 1100 m hohen Rücken von dem eigentlichen Sekkauer Becken 
getrennt, in das von Judenbiirg hinaus. 

Das innere Becken ist unmittelbar unter dem Sekkauer Steil- 
abfall um mehr als 100 m erniedrigt durch den Gradenbach, einen 
alten linken Nebenfluss des Sekkauer Baches, der jetzt in den Ingering- 
fluss fällt. Die Erosion hatte hier leichtes Spiel ; war einmal die 
Schotteranhäufung durchsunken, so bestand das innere Becken aus 
denselben weichen Schichten wie das von Sekkau. 



Fig. 3. 



ouA:Ax.iA-e/t (^^^^ 




8y9 



Blick von der Höhe 879 im oberen liigeriugbeclfen. 

(„Tertiär" bezieht sich auf den innersten Hügel rechts, „Judenburger Becken" auf 
den Kaum links davon.) 



Die Hügel im inneren Becken entsprechen mit ihrer Höhe von 
908 und ihrer Randterrasse von 947 m der Höhe des Sekkauer 
Beckens vollständig, und wir sind zur Annahme gezwungen : Sekkauer 
und Judenburger Becken lagen ursprünglich in gleichem Niveau. Dann 
erfuhr das Judenburger Becken, auf seiner Nordseite wenigstens, eine 
Senkung oder eine stärkere als das Sekkauer; und ein ins Juden- 
burger Becken mündender Bach, dessen späteren Schuttkegel wir schon 
sahen (s. o. bei Knittelfeid), gewann grössere Erosionskraft, so dass 
er nach rückwärts einschnitt und schliesslich den Ingeringfluss des 
Sekkauer Beckens abfing. 

Der äussere Theil dieses Beckens wurde nun herrenlos und der 
innere Theil durch den Ingeringfluss direct zum Judenburger Becken 
entwässert; dadurch aber wurde der Mittellauf des Flusses mehr er- 
niedrigt als sein alter Unterlauf. 



[47] Ein alpines Längstbal zur Tertiärzeit, 211 



Schlussbemerkung. 
Ausblick auf die posttertiäre Zeit. 

Nach Art der im letzten Abschnitte behandelten Vorgänge mag 
noch an vielen anderen Stellen das tertiäre Flusssystem eine 
Aenderung erfahren haben. Alle Tertiärschichten finden wir gestört. 
Gebirgsbewegungen und Eigenbewegungen der jungen Thalgebilde 
mögen das ihrige dazu gethan haben, die Tertiärablagerungen aus 
dem festen Verbände innerhalb der Gehänge des alten Gebirges ge- 
lockert zu haben, um sie so der atmosphärischen Denudation wie 
der fluviatilen Erosion preiszugeben. Und dann kam die Eiszeit, eine 
Zeit grossen Wasserreichthums, eine Zeit der Erniedrigung der 
Temperatur und damit der Schneegrenze. Vom Hochgebirge aus 
rückten die Gletscher vor. Im Thal der Taurach und in den Lungauer 
Querthälern drangen sie in die Taurachebene ein, wo sie ihre Moränen 
hinausbauten. Im Murthal selbst, zwischen St. Michael im Lungau 
und Tamsweg, kam es nicht zur Ablagerung von bedeutenden Moränen, 
weil kein Widerstand hier den Gletscher zwang, seine Gerolle fallen 
zu lassen ; aber die Gehänge wurden polirt und die Sättel vom 
Gletscher überschritten. Die weiter im Osten entstehenden Gletscher 
vereinigten sich im Gletscher der Krakau, dessen stolze Moränen- 
terrasse das nördliche Ufer des Krakaubaches krönt, und ein weiterer 
Gletscher wälzte sich über die Hochebene von Pöllau bei Oberwölz. 
Ueber den Neumarkter Sattel trug der Gletscher die Gesteine der 
Tauern bis in das Gebiet der Drau, und im Murbette selbst schoben 
sich die Eismassen bis kurz vor Judenburg, wo die Endmoräne oder 
eine der Endmoränen in einem das Thal querenden Hügel von 769 m 
erhalten ist, oberhalb dessen eine flache Depression sich weitet. Nach 
unterhalb dagegen setzt sich die Endmoräne in die sogenannte Mur- 
bodenterrasse fort. Auf dem linken Murufer kann man beobachten, 
wie das über den dort anstehenden Kalk geschobene Eis den Unter- 
grund aufriss, Moränenschlamm in die Ritzen des Gesteins hineinpresste, 
vermengt mit Geschieben und den eckigen Fragmenten des anstehenden 
Kalkes selbst. 

Moränen sind im ganzen Gebiete der Murvergletscherung ver- 
hältnismässig wenig erhalten, dagegen sind die glacialen Schotter all- 
gemein verbreitet. 

Im Osten, in der Semmeringgegend, fand keine Vergletscherung 
statt; höchstens kam es zur Bildung localer Gehängegletscher auf 
den Kalkplateaus. Aber die Erniedrigung des Klimas vermehrte die 
Wassermengen. Die reichen Niederschläge und die erhöhte Erosions- 
kraft der Flüsse zerstörten grosse Gebirgsmassen, ungeheuere Schutt- 
kegel begannen die oberen Thäler zu füllen, so beispielsweise das 
Tragössthal unter dem Hochschwab. Bergstürze und Schutthalden 
schnitten die Thäler förmlich ab, so dass hier, an der Grenze der 
Triaskalke gegen das alte Gebirge, wahre Karsterscheinungen, unter- 

27* 



212 Karl Oestreich. [48] 

irdische Flussläufe, starke Quellen, zu Seen abgeschnittene Flussstrecken, 
Höhlen, auftreten, 

Gletscher und Flüsse vereinigten sich dazu, die tertiären 
Bildungen auszuräumen oder sie mit jüngeren, theilweise zu Nagelfluh- 
gesteinen verfestigten Schottern einzuhüllen, so dass wir nur noch 
mühsam uns das Bild der tertiären Flussläufe reconstruiren können. 



Inhalts -Verzeichnis. 



Seile 

Vorbemerkung 164 [ 1 ] 

I. Theil. 

Geologisch - morphologische Skizze und Darstellung der tertiären 

Ablagerungen 166 [ 2 ] 

Das obere Murbecken 167 [31 

Das Mürzbecken 175 [11] 

II. Theil 

Theoretische Betrachtungen 197 [33] 

1. Ueber das relative Alter und die relative Höhe der Tertiär- 
ablagerungen 197 [33] 

2. Ueber die absolute Höhe der Tertiärthäler 200 [36] 

3. Ueber ältere Thalniveaus 204 [40] 

4. Ueber die Art der Umwandlung der tertiären Thäler in die 
heutigen 207 [43] 

Kclilussbemerkuiig. 

Ausblick in die posttertiäru Zeit 210 [46] 



GeseUschafts-Buchdruckerei Brüder HoUinek, Wien, IJI., Erdbergstrasse 3. 



Tafel I. 

Geologische Studien im Gebiete des 01t- und Oltetzthales in 

Rumänien. 



Erklärung zu Tafel I. 

Fig. 1 a, b, c, d. Terebratella Mrazelci ti. sp. 

Fig. 1 e. lerehratella Mrazeki n. sp. 

Fig. 2 a, b, c. Waldheimia Pascuejisis n. sp. 

Fig. 2d Waldheimia Pascuensis n. sp,»Vergrössertos Sclialenstiick. 

Fig. 3 n, b. Anisoceras cf. subcompressum Forbes. 

Fig. 4a, b. Baoilites anceps Lauk. 

Fig. ha, b. Terebratula carnea Soiv. 

Fig. 6. (xnjphaca vesiculavis Laink. 

Fig. 7 a, b. Orbitoides secans Le_(//;(. (Natiiriiclie Grösse.) 

Fig. 1 c. Orbitoides secans Ltyin. ( Vergrössert ) 

Fig. Id. Orbitoides secans Leym (Der Typus, wie ihn Leymerie abbildet. 

Fig. 8 a, b. Orbitoidts Faujasi d'Orb. 

Fig. 8c. Orbitoides Faujasi d'Orb. (Vergrössert.) 

Fig. 8d. Orbitoides Faujasi d'Orb. vVergrössorter Längsscliuitt.) 



i 



KARedlichiGoüloi: Studiou im Gcbieto dos OH nntl Oliol/, 

1 b 1c 



T;.r. 1. 







2a 



2b 




Alüss l. a N..I 1 



Jahrbuch der k.k. Geologischen ReichsanstaH. Band XLIX.1899. 

Verlag der k.k.GeologischenReichsansfaltWien. III. Rasumoffskygasse 23. 



Tafel II. 

Geologische Studien im Gebiete des 01t- und Oltetzthales in 

Rumänien. 



Erklärung zu Tafel II. 

Fig. 1 a. Hippurites colHcialus Woodward var. Romanica m. r. 

Fig. 1 b, Hippurites colliciatus Woodward var. Romanica m. v. Aeiissere 

Form eines zweiten Exempiares 
Fig. 2 o, b, c. Hippurites Lapeirousei Goklf. 
Fig. 2d. Hippurites Lapeirousei Goldf. Ein Schaleustück der Deckelklappe 

mit Poren (vergrössert). ' 

Fig. 3 a, b. Janira äff. striatoco.slata Goldf. 
Fig. 4. Ijitna divaricata Dujard. 

Fig. 5 a, b c. Fleurotomaria sp. 
Fig. 6 a, b. Orbitoides gensacica Leymerie. 



K.ÄRedIich.:Geolo'^ Sliidioii iniOebieto dos Oltund OUelz 



Taf. II. 



^^^^^jfffliTT^-. 




2a 



2d 



1b 



''^^l-HiiffiTfu jiifif f«i|M»MÄ^ 




3b 



IPIII 



^.,. 



1 



2b 



vA', 




Jl 




A.Xlss iid Nal Ulli 



I.ith Anstv.TlLKanuwartUWien. 



Jahrbuch der k.k. Geologischen Reichsanstall. Band XLIX.1899. 

Verlag der k.k Geologischen Reichsanstalt Wien.lli.Rasumoffsl'.ygasse 23. 



Franz Kretschmer: Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 



Taf. III [I]. 



Querprofil der mährischen Devonformation. 




Archäische Formation. 
.r Ch)oritgneiss. 

Untere Gruppe der Devonformation. 
« Qiiarzit (Conglomerat und Schiefer). 
h Phyllit, dunkelgrau, thonschieferähnlich. 
c Dialiasschiefer und Tufle nebst Varietäteu. 
(7 -^ Eisenerzlager oben, und Crinoidenkalkstein unten. 
<• Quarzsandstein. 



Zeichenerklärung. 

Mittlere Gruppe der De von formation. 
/ Thonschiefer, zu unterst phyllitähnlich. 
.(/ Grauwackensandstein. 

Obere Gruppe der De von f o rm ation. 
h Thonschiefer, z. Th. kalkhaltig, dachschieferähnlich mit inter- 
calirten Grauwackensandstein, Kalksteinlagern und organische« 
Einschlüssen. 



1 Diabas-Mandelstein und Schalstein nebst Varietäten und mit 

^— Eisenerzlagern. 
k Grauwackensandstein und Thonschiefer. 

C u 1 m f r m a t i n. 
y Grauwackensandstein und Thonschiefer. 



Jungtertiäre und quartäre Ueberlagerung. 



HW- 



H \ \ h 



H \ 1 



Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Band XLIX, 1899. 

Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 



F. Kretschmer: Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. 



Tafel IV (2J. 




Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt. Band XLIX, 1899. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt. Wien, III. Rasumoffskygasse 23. 



Tafel V. 

Die Fauna der uiiterpontischeii Bildungen um Londjica in 
Slavonien. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Ueichsanstalt, 1899. 49. Band, 1. Heft. 



Erklärung zu Tafel V. 

Fig. 1. Limnaeus cf. vehttinus Desh. — Natürliche Grösse. — Babindol. 
Fig. 2. (?) Limnaeus ?iobilis Reuss. — Natürliche Grösse. — Crnaklada. 
Fig. 3. Limnaeus simplex n. f. — Natürliche Grösse. — Babindol. 
Fig. 4.] 

Fig. 5. > Planorbis Tnrkovici n. f. — Natürliche Grösse. — Babindol. 
Fig. 6.j 

Fig. 4 von a—h obere Schalenfläche; von h weiter innere Schalenfläche 
der unteren Seite des Gehäuses. 

Fig. 5 von a — h untere Schalenfläche; von i weiter innere Schalenfläche 
der oberen Seite des Gehäuses. 

Fig. 6 untere Schalenfläche. 
Fig. 7. Planorhis tenuistriatus n. f. — Natürliche Grösse. — Babindol. 
Fig. 8. Pisidinm costatum n. f. — Natürliche Grösse. — Babindol. 
Fig. 9. Pisidium protractum n. f. — Natürliche Grösse. — Babindol. 

y.^' , ■ \ Limnocardium asperocostntum n. f. — Natürliche (Jrösse. — Babindol. 

Fig. 11 vergrössert dargestellte Sculptur eines Schalentheiles (nach einem 
Abdrucke gezeichnet), 
Fig. 12. 

Fig. 13. \ Limnocardium Abichiformis n. f. — Natürliche Grösse. — Babindol. 
Fig. 14. 

Anmerkung: Die Sculptur der Fig. 4 (von a — b) ist blos bei entsprechenden 
Wendungen gegen das Licht, die Sculptur von Fig. 7 indessen, blos bei An- 
wendung der Lupe sichtbar. 



D^ Gorjanovic -Kramberger: UutorpoiiüsoUo Fauna der Gegend voai Loiuljiia. TiliY. 



,<S\^^ 



^ 






I 











A.SwoTjoda n 4Kal epz.u.luh, I.itli \nsl v.TU Ikinmvarth.Wi 

Jahrbuch der k.k. Geologischen Reichsanstalü. Band XLIX.1899. 

Verlag der k.k.GeologischenReichsanstalt.Wien.lll.Rasumoffskygasse 23. 



I 



Karl Oestreieh. Ein alpines Längstha) zur Tertiärzeit. 








Jteäa£ 






isS4'f%aJU<iUia . Vit (Sä^T 






fe'<* 'isö 



Jjas.'mg'^ ^ ^3 ^-^;€^^ ^ Johnsbach. a.il.Sjt 



^-e /t-rv' 




: < ^ liJtJahmlmxjsm ^^ 



■TV/Üä' ^ 



X,;':; ^S. -*'» '*'*'^ ^v zsn» 

Jjgs^acfü *\ \ . N 



1^ 't TV 

24tl 






U^^. 



beT\viÜ7. 



'^«M^ 

''«;>^ 

c-^^ 




Alle Rechte vorbehalten. 



10 s 



Jahrbuch der k. k. geol 
Verlag der k. k. geologischen 



Tafel VI. 




f^e«uyuin — -r-r^ — SUio Ü.- 



^%!5^,J '^^ '""*^'*^'^ 



JjuuäiijJ ^^ 

I' ' ol^S-Ae^d >Jf^innfnl(ie i 

'Josefshg. ' y^ V- — ^^ ijl 






A-r 



Wi-ikiS-siUi^'^ 



# 



tost 



M^Uttu-xdt 



I (fffhetvrt 



' hoattUiiB. 



{ 



c; 



n.S'/' Nvrv «059 




■?«^' „ /. rUi^ft"'"* 

''9- ^ J"-^^^ '^^i?^■'--^ / n 

144» )) Kl, TJ&tÖt^ " -,r™„..X ^'V X: ^ / I ^^^ra^/ersdf 

3mif!tehL 






11 an D J'"f'^^ 

nKaauxtiq ^_ 

i.i. ßWamuschah 

' erafendf.'] "^ ' 



Harfbjg.(jr) >«?] 



öe^c 



iStlfliÖriiil 



LiUelsb 



[OkNetÄe. 



Neusm, 



Hrhael 



aus Gerollen des Gneiss- und 
Schiefer-Gebirges. 






S^T^'^.iM ^; 



Farben-Erklärung 

Conglomerate 
Schotter 
Mergelschiefer. 
Sand und Lehm. 

*äLid Locale Kalkconglomerate. 

Conglomerate des Hauptflusses im Mürzbeckeu 
und seiner Nebenflüsse. 



Ausgeführt im k. und k. militär-geographisohen Institute. 



, Band XLIX, 1899. 

III., Kasumoffskygasse 23. 



m: 



a-r^m^mä 



Inhalt. 

Heft 1. 

Geologische Studien im Gebiete des 01t- und Oltetzthales in Rumänien. 
Von Dr. K. A. Redlich. Mit 2 lithographirten Tafeln (Nr. I 
und II) und 7 Zinkotypien im Text 1 

Die Eisenerzlagerstätten des mährischen Devon. Von Franz Kretschraer, 
Bergingenieur in Sternberg (Mähren). Mit 2 Tafeln CSr. 1I[ und 
rV) und 3 Zinkotypien im Text -I'J 

Die Fauna der unterpontischen Bildungen um Londjica in Slavonien. 
Von Prof. Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. Mit einer 
lithographirten Tafel (Nr. V) 125 

Beiträge zur Parallelisirung der Miocänbildungen des piemontesischen 
Tertiärs mit denen des "Wiener Beckens. II. (Nach Studien, aus- 
geführt im Herbste 1898.) Von Franz Seh äff er. Mit 2 Profilen 
im Text 135 

Ein alpines Längsthal zur Tertiärzeit. Von Karl Oestreich. Mit einer 

Kartenbeilage (Tafel Nr. VI) und 3 Zinkotypien im Text .... 165 



NB. Die Autoren allein sind für den Inhalt und die Form 
ihier Aufsätze verantwortlich. 



Gesellschafts-Buchdruckerei Brüder Hollinek, Wien, HI., Erdbergstrasse S. 



»lF^t '^m.: -■-, 



Ausge^'ebea am 30. Jnli 1899. 



JAHRBUCH 



KAISERLICH - KÖNIGLICHEN 




JAHRGANG 1899. XLIX. BAND. 

2. Heft. 
i\lit Tafel VII— XIII. 






Wien, 1899. 

Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 

Commission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbuchhandlong, 



Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden 
des Stramberger Tithon. 

Von MUDi'. Mauric Remes. 

Mit 2 Tafeln (Nr. VII [IJ-VIII [2]) und 6 Figuren im Text. 

Die vorliegende Arbeit ist als eine Ergänzung der trefflichen 
Monographie der Brachiopoden Strambergs , welche Prof. Eduard 
Suess geschrieben hat, sowie der Arbeiten Professor Zeuschner's 
über denselben Gegenstand, zu betrachten. Seit dem Erscheinen 
dieser Werke sind nahezu vierzig Jahre verflossen. Während dieser 
Zeit wurden die Steinbrucharbeiten in Stramberg in immer grösserem 
Maßstabe betrieben und so gelang es besonders in den zwei letzten 
Decennien, ein grosses Material Stramberger Brachiopoden zu sammeln, 
welches, wenn auch nicht auffallend neue Arten lieferte, dennoch so 
manches Interessante aus dieser Abtheilung der tithonischen Fauna 
aufweist. Dazu treten neue Localitäten. Während das Material Hohen- 
e g g e r's , welches der Arbeit von Prof. Suess zugrunde lag, aus 
dem Steinbruche des Schlossberges und dem Gemeindesteinbruche, 
nur zum kleinen Theil aus Nesselsdorf herrührte, stammen die in der 
vorliegenden Arbeit beschriebenen Funde zum grössten Theile aus dem 
grossen Bruche des Kotouc, ferner noch aus dem Gemeindestein- 
bruche und zu einem nicht unbedeutenden Theile aus dem Nesseis- 
dorfer Kalkstein. Besonders zu erwähnen wäre die Brachiopodenfauna 
des letztgenannten Fundortes, welche eine bedeutende Erweiterung 
unserer Kenntnisse zeigt. Der Vollständigkeit halber sind einzelne 
aus Stramberg schon bekannte Arten in neuer, durch Zeuschner 
und Zittel begründeter Auffassung aufgenommen worden. 

Die Arbeit hätte keinen Anspruc*h auf Correctheit, wenn es 
nicht möglich gewesen wäre, das neue Material mit den berühmten 
Funden der Hohe n egge r'schen Sammlung zu vergleichen. Durch 
das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn Geheimrathes Pro- 
fessor Dr. V. Zittel in München ist dies ermöglicht worden und 
Herr Docent Dr. J. F. Pompe ckj, Gustos der Münchener palaeonto- 
logischen Sammlung, erwies mir die Ehre, meine Arbeit zu revidiren 
und durch wertvolle Zusätze zu ergänzen. Ich spreche beiden Herren 
an dieser Stelle meinen ergebensten Dank aus. 



Jahrbucli d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Bd., 2. Heft. (M. Remeä.) 2b 



214 Mauric Remes. [2] 

Terehratula Llhivyd. 

Terehrafula pseudo-bisufarcmata Gem. 

1845. Terehratula biplicata Zejszner: Palaeont. Polska opis etc., Nr. 5, 

Taf. V, Fig. 1-5. 
1858. T. hisu/f'arcinata Stiess: Die Brachiopoden der Stramberger 

Schichten, pag. 25, Taf. I, Fig. 1—3. 
1871. T. pseudo-hisnjfarcinata G. G. Gemmellaro: Studi palaeontologici 

sulla Fauna etc., parte III, pag. 9, Taf. II, Fig. 7. 

Suess hat aus Stramberg unter dem Namen Terehratula hisuf- 
farcinata Schloth. Exemplare beschrieben, welche jedoch mit den 
Zieten'schen und Qu enstedt'schen Formen nicht ganz überein- 
stimmen. Zejszner hat dies schon im Jahre 1860 hervorgehoben 
und später Zittel bestätigt. Gemmellaro hat Exemplare, welche 
genau mit jenen von Suess übereinstimmen, aus der tithonischen 
Stufe Siciliens von Falde di Monte Pellegrino (Palermo) als sehr 
seltene Funde abgebildet und mit Rücksicht auf die Einwendungen 
von Zejszner und Zittel Terehratula pseudo-hisujfarcinata genannt. 

Bezüglich der Stramberger Formen wäre zu bemerken , dass 
dieselben im Gemeindesteinbruch und in den etwas tiefer liegenden 
Nesselsdorfer Schichten vorkommen. Suess gibt an, dass die Nesseis- 
dorfer Exemplare grösser sind, als jene der weissen Stramberger 
Kalke. Ich konnte bei vielen Stücken aus dem weissen und rothen 
Kalke das Gesentheil constatiren. 



Terehratula simplicissima Zejszner. 

1857. Terehratula simplicissima Zeuschner : Palaeontolog. Beiträge etc., 

pag. 13, Taf. IV, Fig. la— 4 a. 

1858. T. simplicissima Suess: Die Brachiopoden etc., pag. 26, Taf. I, 

Fig. 4, 5 und 6, 
1871. T. simplicissima Gemmellaro: Studi palaeontologici, parte III, 
pag. 12, Taf. III, Fig. 3. 

Suess beschreibt von Willamowitz eine schmälere Varietät der 
Terehratula simplicissima (Taf. I, Fig. 6). Dieselbe kommt auch in den 
weissen Stramberger Kalken vor, obwohl viel seltener als die typischen 
Formen. Im rothen Kalkstein von Nesselsdorf ist sie dagegen viel 
häufiger. Ich habe daselbst nur diese flache schmälere Varietät mit 
verhältnismässig grosser OeÄiung für den Haftmuskel gefunden. Die 
Exemplare sind von verschiedener Grösse, doch wiegen kleine Stücke 
vor. Für Nesselsdorf ist diese Art neu. 

Terehratula Bilimeki Suess. 

1858. Terehratula Bilimeli Suess: Die Brachiopoden der Stramberger 
Schichten, pag. 26, Taf. I, Fig. 7—9. 

1870. T. Bilimeki Zittel: Die Fauna der altern, Cephalopoden füh- 
renden Tithonbildungen, pag. 138, Taf. 14, Fig. 9. 



[3] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. 215 

1871. Terehratula BlUmeki GemmeUaro: Studi palaeontologici etc., 
pag. 13. 

Auch diese Art ist für den rotheii Kalkstein von Nesselsdorf 
neu. Sie kommt in denselben Lagen vor wie Terehratula simplicissima, 
doch in geringerer Zahl. Die Mehrzahl der Exemplare weist kleine 
Dimensionen auf; in den weissen Kalken sind sie im allgemeinen 
grösser. 

Nach Zejszner ist Terehratula Bilimeki Suess identisch mit 
Terehratula pijcnostictus Zejszner. Der letztgenannte Autor war der 
Meinung, dass Suess eine rippenlose Varietät seiner Art beschrieben 
hat, und dass also die Aufstellung einer neuen Art nicht begründet 
ist. Da aber bei Stramberg nur glatte Exemplare vorkommen und ich 
bei allen der vielen Stücke immer kreisförmigen Umriss und gleich- 
massige Wölbung der Klappen vorfand, so kann ich nur für Aufrecht- 
erhaltung der Suess'schen Gattung eintreten. 



Terehratula immanis Zejszner. 

Textfiguren 1, 2 und 3. 

1856. Terehratula imma?iis Zejszner: Geologia do Latwego pojecia 

szastösow, pag. 232, nom. 

1857. T. immanis Zeuschner: Palaeontologische Beiträge zur Kenntnis 

des weissen Jurakalkes etc., pag. 9, Taf. I, Fig. l/>— 46; 

Taf. II, Fig. bh-Uh; Taf. III, Fig. V2h. 
1871. T. immanis Gemmellaro: Studi palaeontologici etc., parte III, 

pag. 6, Taf. I, Fig. 8 und 9. 
non : 1858. T. immanis Suess: Die Brachiopoden der Stramberger 

Schichten, pag. 28, Taf. II, Fig. 2. 

Die Formen, welche ich aus Stramberg besitze, stimmen nicht 
mit Abbildung und Beschreibung von Suess, wohl aber mit jenen 
von Zeuschner und Gemmellaro. Die von Suess abgebildete 
Form weicht durch den massigen Wirbel mit ganz kleinem Deltidium 
und durch die geringere Breite so sehr von dem Typus der Terehra- 
tula immanis Zeuschner ab, dass sie vielleicht eher als eine Varietät 
der Terehratula Tichaviensis aufzufassen ist; sicher kann sie mit T 
immanis Zeuschner nicht zusammengeworfen werden. 

Zeuschner hat die Meinung ausgesprochen '), dass die von 
Suess abgebildeten Exemplare der Terehratula immanis und T. for- 
mosa sich von einander nicht unterscheiden lassen und daher nicht 
zu trennen sind. Es lässt sich nicht bestreiten, dass Zeuschner 
bis zu gewissem Grade Recht hat. Die Taf. I, Fig. 10—12 bei Suess 
abgebildeten Stücke wären wohl auf Grund des ganz abweichenden 
Commissurverlaufes als Terehratula formosa beizubehalten ; anders ist 
es mit Fig. 13. Diese Terebratel wäre eine Terehratula immanis, und 



') lieber die Brachiopolen des Stramberger Kalkes von Prof. Zeuschner. 
Neues Jahrbuch für Mineralogie von Leonhard und Bronn. 1860, pag. 678. 

28* 



k 



216 



Maiiric Remps. 



[4] 



zwar ein junges Individuum. Ich habe mehrere solche Stücke in 
meiner Sammlung. Pompeckj ist ausserdem nach Prüfung der von 
S u e s s bestimmten Stücke zu der Ueberzeugung gekommen, dass die 
von Suess als Bieskidensis bestimmten breiteren Stücke mit grossem 
Deltidium junge T. immanis sind, und dass Terehratula Bieskidensis 
eine recht seltene Form ist. 



Fig. 1, 




-X 



Terehratula immanis Zejszner. 



Meine Stramberger Exemplare, von denen das grösste hier ab- 
gebildet ist, sind im grossen Steinbruch des Kotouc gefunden 
worden. — An Dimensionen habe ich gemessen: Länge 104 mm, 
Breite 102 mm, Dicke 54 mm. 

Zwei andere Stücke haben folgende Maße : Länge 87 — 85 mm, 
Breite 85—90 mm, Dicke 48—45 mm. Zeuschner gibt für die 
grössten Formen aus Invald 84 mm Länge, 75 mm, Breite und 50 mm 
Dicke an. 



[5] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. 217 




Fig'. 2. Terehratiila innnanin Zejsziier. (Seitenansicht.) 




Fig. 3. Terebrafula immanis Zejszner. (Stiruansicht.) 



218 



Mauric Reme§. 



[6] 



Terehratula cyclogonia Zeuschner. 

Textfigur 4 a— d. 

1857. Terehratula ci^dogonia Zeuschner: Palaeontolog. Beiträge etc., 
pag. 41 und'42,Taf. III, Fig. ld—4:d- Taf. IV, Fig. 1 b und 2 b. 

1871. T. cyclogonia Gemmellaro: Studi palaeontologici etc., pag. 8, 
Taf. II, Fig. 5 und 6. 



Fig. 4. 





Fig. 4 a. 



Fig. 4 6. 




Fig. 4 c. 




Fig 4( 



Terehratula cyclogonia Zeuschner. 



Nach Zeuschner ist sie identisch mit Terehratula Haidingeri 
Hohenegger-Suess, welche dieser Autor aus den Stramberger Schichten 
von Bobrek, Wilhimowitz und Zeislowitz beschreibt. Es kann keinem 
Zweifel unterliegen, dass Zeuschner Recht hat, denn diese Tere- 
brat'ula Haidingeri Holienegger (Suess, 1. c.'pag. 28, Taf. II, Fig. 1) 
ist wohl nichts anderes als eine T. cyclogonia, deren Stirncommissur 
fast gar keine Biegung macht. Das von mir abgebildete Stramberger 



I 



[7] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. 219 

Exemplar stimmt genau mit dem von Gemmellaro, Tat'. II, Fig. 6 
aus dem Tithon Siciliens abgebildeten Stücke überein. 
Diese Art ist für Stramberg neu. 



Terehratula mltis Suess. 

1858. Terehratula mitis Suess: Die Brachiopoden der Stramberger 

Schichten, pag. 31, Tat". III, Fig. 5-7. 
1871. T. mitis Gemmellaro: Studi palaeontologici etc., pag. 13, Taf. 

III, Fig. 4. 

In dem weissen Stramberger Kalk recht häufig. Aus dem rothen 
Nesselsdorfer Kalk war sie noch nicht bekannt. Ein Exemplar habe 
ich erst in der letzten Zeit aus diesen Schichten erhalten. Dasselbe 
ist sehr ähnlich der in Nesselsdorf häufigen Waldheimia caeliformis 
Suess, unterscheidet sich jedoch durch das gänzliche Fehlen eines 
dorsalen Septum, sowie der Schnabelkanten. 

Terehratula n. sp. ex äff. mitis E. Suess. 

Taf. VII (1), Fig. ia-c. 

[cf. E. Suess: Die Brachiopoden der Stramberger Schichten, pag. 31, 
Taf. III, Fig. 5-7.] 

Dimensionen: 
Länge 13 mm, Breite 12 mm, Dicke 8 mm. 

Kleine Form von abgerundet dreiseitigem Umriss. Die gewölbtere 
grössere Schale trägt einen dicken, massigen, stumpfen Wirbel, der 
gegen die kleine Schale etwas übergebogen ist. Foramen undeutlich, 
Deltidium nicht sichtbar. 

Kleine Schale flacher, au der Stirn gegen die grosse Schale 
zu einem flachen Sinus ausgebogen, mit dem entsprechenden Verlauf 
der Stirncommissur. Die Commissuren der Seitenränder sind gerade. 

Sowohl die grosse, wie die kleine Schale tragen eine schmale 
Medianrinne, welche in ungefähr einem Drittel der Schalenlänge 
vom Wirbel entfernt beginnt und bis zum Stirnrand zieht. Der Stirn- 
rand erleidet dadurch eine kurze mediane Einbuchtung. Die Sculptur 
besteht aus dichtstehenden kräftigen Anwachsstreifen. Die Schale ist 
ziemlich grob punktirt. 

Das vorliegende Stück stimmt in seiner äusseren Gestalt mit 
Terehratula mitis überein, besonders gut mit Exemplaren, wie Suess 
1. c. Taf. III, Fig. 1 eines abbildet. Das Stück unterscheidet sich 
von T. mitis durch den massigeren Wirbel, durch die auf beiden 
Schalen deutlicher ausgeprägte Medianrinne und infolge derselben 
durch die deutlichere Einbuchtung des Stirnrandes. Es ist dabei 
noch zu bemerken, dass bei Terehratula mitis das Deltidium nie in 
der Grösse und Deutlichkeit zu beobachten ist, wie die Abbildungen 
6 und 7 bei Suess es zeigen. 

Vorkommen: Im weissen Stramberger Kalkstein. 



220 



Mauric Remes. 



[8] 



Terehratula janitor Pidet. 

Textfigur ba—d. 

1837. Terebmfula diphija Pitsch : Polens Palaeontol, pag. 15, Taf. III, 

Fig. 13. 
1859. T. diphi/a Suess: Die Brachiopoden der Stramberger Schichten, 

pag. 34, Taf. III, Fig. 13. 
1863 — 1868. T. janitor Pidet: Melanges paleontologiques, pag. 161, 

pl. 29, Fig. 4-6, pl. 30. 
1868. T. janitor Zittel: Die Cephalopoden etc., pag. 9. 
1871. T. janitor Gemmellaro: Studi palaeoutologici etc., parte III, 

Taf. I, Fig. 5. 



Fig. 5, 




'^^> 




Fig. ba. 



Fig. bh. 




Fig. 5 c. 




Fig. bd. 



Terchrafiila jcoiitor Pictet. 



Nach Zittel, der die Hohenegger'schen Exemplare, welche 
Suess beschrieben hat, zu untersuchen Gelegenheit hatte, sind die 
von Suess als Terehratula diplnja Cot. sp. aus Stramberg und Nessels- 



[91 Beiträge zur Kenntnis der Brachiopodcn des Stramberger Tithon. 



221 



I 



dort" angeführten Stücke identisch mit T.janitor Pidet. Bei Stramberg 
sehr selten. Ein schönes Stück von Nesseisdorf liegt in der Münchener 
Sammlung. Mein Exemplar stammt aus dem Steinbruch des Kotouc 
und ist für diese Localität neu. 

Terebratnla spec. 

Textfigur Ga—c (siehe umstehende Seite). 

Dimensionen: 

Länge 70 mm, Breite 45 mm., Dicke 38 mm. 

Ein unvollständig erhaltenes Exemplar, das wegen seiner Form 

erwähnt zu werden verdient. Dasselbe ähnelt der Terehratiüa Ticha- 

viensis Supss, ist aber durch die bedeutende grössere Breite im 

hinteren Theile der Schale von ihr unterschieden. Vielleicht könnte 

man dieses Stück als ein sehr grosses Individuum von Terehrafida 

simplicissima, und zwar als dicke Varietät auffassen. 



WaldheiTViia King, 

Waldheimia trigonella Schloth. sp. 

Taf. VII (1), Fig. 2a-d. 

1820. Terehratulites trigonellu^ ^'c/«/o^/imw; Petrefactenkunde, pag. 271. 

1828. Terebratula (Ismenia) Hoenlnghausü Defr. teste D e s 1 o n g- 
champs: Revue des Terebratules descrites par Defrauce etc. 
in Etudes critiques sur des brachiopodes nouveaux on peu 
connus 1884, pag. 281, pl. 27, Fig. 1, 2. 

1830. T. acideata Zielen: Versteinerungen Württembergs, pag. 58, 
Taf. 43, Fig. 3. 

1850. Terehratella Fleuriausa d'Orbignif: Prodrome II, pag. 25, Nr. 398. 

1868—1871. Terebratula trigonella (??^ms^ec?^; Petrefactenkunde Deutsch- 
lands: Brachiopoden pag. 280, Taf. 45, Fig. 1—12. 
Zwei kleinere und ein grösseres beschädigtes Exemplar aus 

dem rothen Kalkstein von Nesselsdorf. 

Dimensionen des grösseren Stückes : Länge 14 mm, Breite 8 mm, 

Dicke 6 mm; des kleineren: Länge 3—4 mm. Breite 3—4 mm, 

Dicke 1 — 1^2 '>'^f^- 

Dictyothyris JDoiiv. 

Dictyothyris altirosfris n. sp. 

Taf. VII (1), Fig. 3a— d, 4.a—d. 

Dimensionen: 

Länge 9—15 mm, Breite 8—12 mm, Dicke 6—10 mm. 

Die kleine Klappe von der Gestalt eines ziemlich regelmässigen 
Pentagons, gleichmässig gewölbt. Die grosse Klappe sowohl an Grösse 
als Wölbung die kleine bedeutend übertreffend. Zwei starke Leisten 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49, Band, 2. Heft. (M. Uemeä.) 29 



222 



Maiiric RemeS. 



[10] 



Figr. 6. 




Fig. 6( 




Fig. 6< 



Terehratula spec. 



[11] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. 223 

durchziehen vom Schnabel zur Stirn diver^irend die ganze Länge 
der grossen Klappe und begrenzen einen flachen Sinus. Zu beiden 
Seiten dieser Falten fällt die Wölbung der Klappe gegen die kleine 
Klappe recht steil ab. Der Schnabel dick, ziemlich lang, abstehend. 
Oeffnung für den Haftmuskel gross. Deltidium hoch, etwas eng. 

Die Sculptur ist an einzelnen Schalen recht gut erhalten. Feine 
Falten strahlen in grosser Anzahl vom Wirbel und Schnabel gegen 
die Peripherie aus. Beinahe zwischen allen diesen Falten sind zartere 
eingeschaltet, welche jedoch nicht die ganze Länge der Schale durch- 
ziehen. Zarte Querstreifen, welche die Längsfalten kreuzen, ver- 
leihen der Zeichnung die Gestalt eines feinen Gitters. 

Die eben beschriebene Art steht der Oppel'schen IHcti/othi/ria 
Kurri sehr nahe, ist aber von ihr durch den längeren, mehr ab- 
stehenden Schnabel verschieden. Sie kommt sowohl im weissen Stram- 
berger Kalk als auch im rothen Nesselsdorfer Kalkstein vor, am 
letzteren Fundorte jedoch häufiger. Dieselbe Art ist aus dem oberen 
Malm von Tynice bei Krakau bekannt und kommt auch im weissen 
Jura £ (Kieselkalk) von Amberg, sowie im Diceraskalk von Kapfel- 
berg bei Kehlheim vor (Münchener Museum). Etwas abweichende 
Stücke könnten als vor. notoptijcha bezeichnet werden (Taf. Yll [1], 
Fig. 4 a— (i). Dieselben kommen ebenfalls im rothen Nesselsdorfer 
Kalk vor. Sie haben kleinere Dimensionen: 7 — 8 mm Länge, 6 — 7 mm 
Breite und 5 — 6 mm Dicke stimmen sonst mit der eben beschriebenen 
Art überein und unterscheiden sich nur durch die kleine Klappe 
von ihr. Man findet nämlich an derselben zwei deutliche, vom Wirbel 
ausgehende, gegen die Stirn ziehende Leisten. Diese sind nur in der 
ersten Hälfte der Klappe stark ausgeprägt, verlieren sich gegen den 
Stirnrand hin, so dass sie in der zweiten Hälfte der Klappe kaum 
angedeutet sind. 

An einem Exemplar ist der Schnabel sehr lang, gegen die 
Spitze verengt und umgebogen. Die Oeffnung für den Haftmuskel 
klein. Diese Varietät ist im weissen Stramberger Kalk noch nicht 
gefunden worden. Sie kommt im weissen Jura s (Kieselkalk) von 
Amberg vor. Quenstedt (Brachiopoden, Taf. 44, Fig. 127, 128) 
bildet ganz ähnliche Formen unter seiner Terehratula retlculata ab. 



Dictyothyris Chaperi Doiiv. 

Taf. VII (1), Fig. 5a-d. 

1886. Dlcfijothijris Chaperi H. DouviUe: Sur quelques Brachiopodes 
du terr. jur. Bull. d. 1. Soc. d. Sc. bist, et nat. de l'Yonne 
1885, pag. 59, PI. IV, Fig. 5. 

Das abgebildete Stück mit dem langen, massig gebogenen 
Schnabel entspricht ganz der Abbildung und Beschreibung, welche 
Douville von Dictijothijris Chaperi gab. — Fundort: Rother Kalk 
von Nesselsdorf. 

Dieselbe P'orm kommt ausserdem in verschiedenen Gebieten 
des oberen Jura vor; Quenstedt (Brachiopoden, pag. 273, Taf. 44, 
Fig. L29) beschrieb sie aus weissem Jura e von Sirchingen, ausser- 

29* 



224 Mauric Reme§. [12] 

dem liegt sie in mehreren Stücken von Amberg, Streitberg und von 
Kapfeiberg bei Kehlheim vor; sie ist ferner auch bei Stramberg 
(Münchener Museum) gefunden worden i). 

Douville erörterte bereits die Beziehungen unserer Art zu 
der von Zeuschner und Suess beschriebenen tithonischen 
Dictyothi/ris repanda, von welcher sie sich durch etwas kürzeren 
Schnabel und durch die deutlicheren Radialfalten unterscheidet. 



Dictyothyris Koprivnicetisis n. sp. 

Taf. VII (1), Fig. 6a- d. 

Dimensionen: 
Länge Ibmm, Breite 14 mm, Dicke 11 min. 

Beide Klappen stark gewölbt, besonders die grössere. Die 
kleinere hat einen fünfeckigen Umriss, die grössere die Gestalt eines 
sphärischen Dreieckes. Seiten- und Stirncommissur bilden ein breit- 
gezogenes W. Die erstere wird von drei deutlichen Falten in ihrer 
ganzen Ausdehnung durchzogen. Die Falten sind von bedeutender 
Stärke (besonders die mittlere) und beginnen schon am Wirbel. An 
der grossen Klappe ziehen zwei divergirende, einen Hachen Sinus 
begrenzende, recht scharfe Falten von der Schnabelspitze zum Stirn- 
rand. Zwei weniger scharfe Schnabelkanten gehen vom Schnabel bis 
etwa zur Mitte des Seitenrandes. Schnabel dick, gegen vorn über- 
gebogen; Foramen gross, oval. Ein kurzes dorsales Septum ist vor- 
handen. Was die Zeichnung der Schale betrifft, so ist von ihr, da 
die obere Schalenschicht fehlt, nur an einzelnen Stellen eine zarte 
Punktirung, ausserdem dichtstehende concentrische Anwachsstreifung 
sichtbar. Unter den von Suess als Terehratula subcanalis be- 
schriebenen Formen von Stramberg, welche Zittel als von Wald- 
heimia suhcafial/s Münster verschieden und mit Terehratula (Dictijothijris) 
Euthyml Pia. übereinstimmend erkannte, befinden sich einige Stücke 
mit deutlicher Medianfalte auf der kleinen Schale (noch deutlicher 
als Suess sie 1. c. Taf. III, Fig. 11 zeichnet.) 

Diese Stücke sind daher von Euthijml zu trennen und unserer 
Art nahezustellen. Auf Alters- und Wachsthums- Verschiedenheiten 
ist das Auftreten der Medianfalte nicht zurückzuführen, wie es Suess 
will. Diese Straniberger Form besitzt wie Dicti/otln/ris Kopnvnicensis 
ein deutliches Medianseptum. Die Bestimmung als Dictijothijris kann 
nur als vorläufig gelten, da von der Organisation des Armgerüstes 
nichts bekannt ist. Pompe ckj stellt sie zu Dictijoth.ijrls, weil 

1. in Bezug auf die Sculptur und die Wulst-Sinusbildung nahe 
Anklänge an Dictijothijrk Chaperl vorhanden sind ; 

2. weil ebenso Aehnlichkeit und durch die oben erwähnte 
Stramberger Form wohl auch verwandtschaftliche Verbindung mit 
Terehratula Euthymi vorhanden ist. 



^) Eine wahrscheinlich übereinstimmende Form sammelte Pompe ckj im 
Kimmeridge der Dobrogea. 



[13] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. 225 

Nach Douville soll bei Dictijothyris zwar kein Medianseptum 
vorhanden sein, doch Qiienstedt (Brachiopoden, Taf. 44, Fig. 119, 
120) zeichnet ein solches, allerdings sehr kurzes, bereits bei seiner 
Terebratida reticulata; Pompeckj konnte ein solches — wie bei 
unserer Art längeres — an mehreren Stücken der DidijofJiyris Eufhi/mi 
beobachten (welche darum auch nicht etwa zu Geonothifris zu stellen 
ist [cf. Douville], sondern richtiger zu Dictyothi/ris [cf. Rothpletz, 
Vilser Alpen, pag. 80; in Palaeontographica, Bd. XXXIII]). Im Kreise 
der Dictifotlti/riH -Artei) nehmen Dicti/ofJn/ris Kopnvnicensis^ Euthi/mi 
und die von dieser abzutrennende Stramberger Form eine Sonder- 
stellung ein, indem sie sich ausser durch das längere Medianseptum, 
noch durch stärkere Faltung, kürzeren, niedergedrückten Schnabel 
und sehr kleines (bis fehlendes?) Deltidium von den übrigen Arten 
unterscheiden. 

Die hier abgebildete Didyotlujrls Kopnvnicensis ist im rothen 
Kalkstein von Nesselsdorf gefunden und nach diesem Fundorte, dessen 
eigentlich richtiger Name Kopiivnic lautet, auch benannt worden. 
Sie ist an dieser Localität selten. 



Megerlea King. 

Megerlea cf. tatrica Zitt. 

Taf. VII (1), Fig. Qa-d. 

Dimensionen: 
Länge 4-13 mm, Breite 3 — 10 mm, Dicke 1—7 mm. 
[cf. K. Zittel: Die Fauna der altern, Cephalopoden führenden 
Tithonbildungen, pag. 261, Taf. 18, Fig. 21, 22.] 
Der Megerlea tatrica Zitt. nahe stehende Form, welche sich 
von den bei Zittel abgebildeten Stücken nur durch gröbere Radial- 
falten und durch gestreckteren Schlossrand der kleinen Schale unter- 
scheidet. 

Vorkommen: Rother Kalkstein von Nesseldorf. 

Megerlea tithonia n. sp. 

Taf. VII (1), Fig. 7a-d. 
Dimensionen: 
Länge 2 — 10 mm. Breite 3—12 mm, Dicke 1—6 mm. 
Der vorigen nahe verwandt. 

Grosse Schale mit sechs, kleine Schale mit sieben groben, ab- 
gerundeten Radialfalten, welche von dichten concentrischen Anwachs- 
streifen gekreuzt werden, wodurch die Schale ein schuppiges Aus- 
sehen erhält. 

Area unter dem Wirbel der grossen Schale niedrig, sehr breit, 
mit scharfen Arealkanten. Schlossrand der kleinen Schale gerade mit 
langausgezogenen Ecken. Die langausgezogenen Ecken des Schloss- 
raudes und die grössere Breite unterscheiden die vorliegende Art 
von der Megerlea cf. tatrica und bringen sie in ihrer äusseren Gestalt 



i 



226 Mauric Reme§. [14] 

der Terebratelln pedunciiloides Schloth. sp. und namentlich auch der 
Megerlea reda Quenst. sp. nahe ; von beiden letzteren Arten ist Meger- 
lea fWionia aber durch die niemals scharfkantigen, sondern abge- 
rundeten Rippen verschieden. 

Vorkommen : Im Nesselsdorfer rothen Kalkstein. 



Megerlea proloricata n. sp. 

Taf. VII (1), Fig. 9a-d. 

Dimensionen: 

Länge 11 mm, Breite 12 mm, Dicke 7 mm, 
„ 10 mm, „ 9 min^ „ ß mm, 

„ 5 m?n, „ 4 mm, „ 1 min. 

Umriss gerundet, fünfseitig, mit langgezogenen Schnabelkanten. 
Breitere und schlankere Formen. Beide Schalen fast gleichmässig 
gewölbt. Grosse Schale mit vorgebogenem, dickem Schnabel, der 
durch ein grosses Foramen abgeschnitten ist. Unter dem Foramen 
kleine Deltidialplättchen sichtbar. Eine eigentliche Area ist nicht 
ausgebildet, Arealkanten fehlen; der Wirbel zeigt daher rundlichen 
Querschnitt. Deutliche Areolen senken sich an den Seiten des Wirbels 
in die Schlossrandpartien der beiden Schalen ein. 

Die Schlossränder der kleinen Schale stossen unter einem 
Winkel von ca. 90^ zusammen. Die grosse Schale trägt 6, die kleine 
5 von den Wirbeln ausstrahlende grobe Radialfalten, welche zuerst 
scharfkantig sind, gegen die Ränder hin aber flacher werden. Auf 
den groben Falten und in ihren Zwischenräumen sind feine, dicht- 
stehende Radialleistchen ausgebildet, welche von entfernt stehenden 
Anwachsstreifen gekreuzt werden. Den Falten der einen Schale 
entsprechen auf der anderen Schale tiefe Rinnen, so dass die Com- 
missuren im Zickzack verlaufen; die Stirncommissur bildet ein W. 
Die Schale ist deutlich punktirt. 

Die vorliegende Form ist nach ihrer Sculptur als eine Ver- 
wandte der Terebratula lorimfa aufzufassen. Sie ist demgemäss auch 
zu Megerlea gestellt worden, obwohl über die innere Organisation der 
Art nicht mehr gesagt werden kann, als dass in der kleinen Schale 
ein Medianseptum von fast der halben Schalenlänge ausgebildet ist. 
Unter den Amberger Exemplaren der Terebratula loricata kommen 
solche vor, welche mit unserer Art in Bezug auf die Sculptur der 
Schalen vollkommen übereinstimmen. Diese Stücke unterscheiden 
sich von unserer Form aber durch kürzeren, breiten Schnabel, durch 
das Vorhandensein einer deutlich abgegrenzten Area mit scharfen 
Arealkanten, ferner dadurch, dass bei diesen die Radialsculptur wie 
bei Megerlea loricata überhaupt, durch d i c h t s t e h e n d e gröbere 
Anwachsstreifen gekreuzt wird, wodurch die Oberfläche ein schuppiges 
Aussehen erhält. 

Ob in der That eine engere Verwandtschaft mit Megerlea lori- 
cata vorhanden ist, vermag ich nicht sicherzustellen. Möglicherweise 
ist die an einzelnen Exemplaren der loricata lebhaft erinnernde 



[15] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Tithon. 227 

Sculptur unserer Art nur eine Convergenzerscheinung, welche sich 
bei einer schärfer gefalteten Mutationsreihe der Me.gerlm Uitrka Zittel 
einstellt. 

Zwei Stücke dieser letzteren Art von Biala woda (Münchener 
Museum) zeigen nämlich schon ähnlich scharfe Faltung, haben aber 
noch nicht den langen Schnabel unserer Menerlea prolorkata. 

Vorkommen: Kother Kalk von Nesselsdorf. 



TerebratiUhia (VOrh kjnfj. 

Terehratuliiia suhsiriata Schloth. sp. 

1852. Terebrafula sub.^frlafn Quenstedt: Handbuch der Petrefacten- 
kunde, pag. 482, Taf. 37, Fig. 6. 

1858. T. silicea Quenstedt: Der Jura, pag. 745, Taf. 90, Fig. 32. 

1858. Terehratulina mhstriata Suess: Die Brachiopoden der Stram- 
berger Schichten, pag. 37, Taf. IV, Fig. 3-6. 

1871. T. suhstriata Quenstedt: Die Brachiopoden. Petrefactenkunde 
Deutschlands, I. Abth. 2. Bd., pag. 246, Taf. 44, Fig. 26. 

In den verschiedenen Fundorten der Stramberger Schichten 
ziemlich verbreitet. Im Nesselsdorfer Kalk sind wenige Stücke kleinerer 
Dimensionen beobachtet worden. Dieselben sind flach, wenig verbogen, 
die Streifung nicht so deutlich hervortretend wie in den Exemplaren 
des weissen Kalkes. 

Für Nesselsdorf neu. 

Terebratulina latirostris Suess. 

1858. Terehratulina latirostris Suess: Die Brachiopoden der Stramberger 
Schichten etc., pag. 39, Taf. IV, Fig. 7, 8. 

Die bisherigen Fundorte in den Stramberger Schichten sind 
Koniakau, Stramberg, Ignatiusberg bei Neutitschein. In den letzten 
Jahren ist diese Art auch in den rothen Kalken von Nesselsdorf, 
aus welchen sie noch nicht bekannt war, in wenigen Exemplaren ge- 
funden worden. 

Lyra Cumherland. 

Lyra angustirostris n. sp. 

Taf. VIT (1), Fig. 10 a-d. 

In den Schichten von Nesselsdorf kommt neben der eben be- 
schriebenen Art in ziemlich grosser Menge eine mit Li/ra Neocomiensis 
d'Orh. nahe verwandte Form vor, welche wegen einiger besonderer 
Merkmale hervorgehoben zu werden verdient. 

Sämmtliche Stücke sind klein. Länge 10—17 mm, grösste Breite 
9_10 mm, grösste Dicke 2—3 mm. Sie sind von spateiförmiger Gestalt. 
Die grösste Breite fällt in das am Stirnrande gelegene Drittel. Die 



228 Manric Renjes. [16] 

Bauchklappe erscheint flach gewölbt, die Wölbung ist gleichmässig ; 
die Dorsalklappe am Stirnrande flach ausgehöhlt, wölbt sich gegen 
das Schloss hin stärker empor. Diese Partie tritt daher deutlicher 
hervor. Der Stirnrand wird durch eine flache Einbuchtung in zwei 
Hälften getheilt. Die auf diese Weise entstandenen Lappen sind an 
manchen Exemplaren ungleich gross. Die radiale Streifung der Klappen 
ist sehr fein und dicht. Die Schlosskanten bilden einen spitzen 
Winkel und übergehen schon weit ober der halben Länge der kleinen 
Klappe in die Randkanten, welche sehr scharf und gebogen sind. 
Einzelne Stücke sind so dünn, dass der Stirntheil in seiner grössten 
Ausdehnung durchscheinend wird. Der lange, gerundete Schnabel ist 
durch das Foramen gerade abgestutzt. 

Das Deltidium ist sehr deutlich sichtbar, es ist flach, gross, 
sehr hoch und schmal, am Schloss etwas breiter, gegen die Spitze 
enger, zu beiden Seiten desselben je eine deutliche scharfe Furche. 

Lyra angusfirostris unterscheidet sich von Li/ra Neocomiensis 
d'Orh. 1), die mir aus dem Valanginien von St. Croix und Villers le 
Lac vorliegt, lediglich durch ihre flachere Gestalt und etwas längeren 
Wirbel. 

Die neubeschriebene Art ist im weissen Stramberger Kalk 
noch nicht gefunden worden, sondern nur im rothen Kalkstein von 
Nesselsdorf. 



Ithynchofiella Fischer von Waldheim. 

Rhynchonella spoliata Suess. 

1858. RhynchoneUa spoliata Suess: Die Brachiopoden der Stramberger 

Schichten, pag. 54, Fig. 1. 
1868. Rh. Boissieri Fielet^ Zittel: Die Cephalopoden der Stramberger 

Schichten, pag. 9. 

Nach Pictet und Zittel stimmt diese Art mit Rhynchonella 
Boissieri Fictet aus Berrias überein. Suess führt als Fundorte Koniakau 
und die rothen Kalke von Nesselsdorf an. Obwohl ich aus den rothen 
Kalken sehr viele Brachiopoden besitze, findet sich Rliychofiella spoliata 
darunter in einem einzigen Exemplar. Ich glaube, dass sie in den 
oberflächlichen Schichten dieser Kalke häufiger war, denn jedenfalls 
ist die erwähnte Thatsache auffallend. 

Li den weissen Kalken ist sie noch nicht gefunden worden. 

Rhynchonella Suessi Zitt. 

1858. Rhynchonella lacunosa var. suhsimilis Suess: Die Brachiopoden 
der Stramberger Schichten, pag. 53, Taf. VI, Fig. 5—7. 

1868. Rh. Suessi Zitt.: Die Cephalopoden der Stramberger Schichten, 
pag. 11. 



^) d'Orbigny: Paläontologie frangaise. Terrain crdtacö IV. Brachiopodes, 
pag. 127, pl. 519, Fig. 1 — 5. 



[17] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Ötramberger Tithon. 229 

1868. Terebratula lacunosa diffma Quenstedt : Brachiopoden I nag 128 
Taf. XXX, Fig. 1. ' , . , 

1870. Bhi/Hchonella Suessi Z/U.: Die Fauna der altern, Cephalopoden 

führenden Tithonbildungen, i)ag. 145. 

1871. Eh. Suessi Gemmellaro: Studi palaeontolog. etc. pag. 25, parte III. 

Im Stramberger Tithon samnit der flachen Varietät häufig. 
Beide Formen kommen auch im Nesselsdorfer Kalk vor. Ein unvoll- 
ständig erhaltenes Exemplar stammt aus Chlebowitz. Aus diesem 
Fundort war von Rhynchonellen bis jetzt nur die RhijnchonelJa sub- 
variabiUs Dav., welche sonst in anderen Fundorten der Stramberger 
Schichten nicht vorkommt, bekannt. 



RhynchoHella Hoheneggeri Suess. 

Taf. VIII (2), Fig. \a—b, 2 a— b. 

1858. Rhi/nchonelJa Hoheneggeri Suess: Die Brachiopoden der Stram- 
berger Schichten, pag. 56, Taf. VI, Fig. 13—19. 

1866. Rh. Hohmeggeri Suess, oster: Synopsis des Brachiopodes 
fossiles des Alpes Suisses, pag. 52, pl. 17, Fig. 13 — 15. 

1871. Rh. Hoheneggeri Zittel: Die Fauna der altern, Cephalopoden 
führenden'Tithonbildungen, pag. 147, Taf. 38, Fig. 29—31. 

Aus dem rothen Kalkstein von Nesselsdorf habe ich zwei 
Exemplare abgebildet, welche von den typischen Formen interessante 
Abweichungen zeigen. Fig. 1 a—b stellt ein etwas asymmetrisches 
Stück dar, dessen grössere Klappe beinahe in ihrer ganzen Ausbreitung 
stark in der Richtung gegen die kleinere Klappe eingedrückt erscheint. 
In Fig. 2 a—h ist eine ganz ähnliche Erscheinung zu sehen, nur ist 
hier das Exemplar der Länge nach verzogen und infolge dessen treten 
die Falten sowohl der grossen als auch der kleinen Klappe stark 
hervor. An der letzteren bildet die Mittelfalte einen förmlichen Kiel, 
Zu erwähnen wäre, dass Suess die RhynchoneUa Hoheneggeri als 
charakteristisch für den Nesselsdorfer Kalk hielt. Nun ist sie aber 
schon von Hohen egger 1861 an verschiedenen Orten im weissen 
Kalke gefunden worden. 

RhynchoneUa cfr. Hoheneggeri Suess. 

Taf. VIII (2), Fig. 3 a— d. 

Zwei kleine Exemplare aus dem rothen Kalke von Nesselsdorf. 
Beide sind von annähernd gleicher Grösse : 8 mm Länge, 9 mm Breite 
und 6 mm Dicke. Sie haben zwar eine ganz ähnliche Faltung wie 
einzelne junge Exemplare der typischen RhynchoneUa Hoheneggeri, 
zeigen jedoch gewisse Abweichungen, welche ihre Sonderstellung recht- 
fertigen. Zuerst möchten wir den Umriss erwähnen. Während dieser 
bei RhynchoneUa Hoheneggeri gerundet ist — sogar mehr als bei 
RhynchoneUa Suessi — erscheint er bei unserer Art von sechseckiger 
Gestalt mit scharf abgesetzten Kanten. An der kleineren, stark ge- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (M. Remeä.) 30 



230 Mauric Reme§. [18] 

wölbten Klappe gabeln sich sowohl die Mittelfalte als auch die Neben- 
falten in je zwei Aeste in einiger Entfernung vom Scheitel. Der 
mediane Ast der Nebenfalten tritt besonders stark hervor. An der 
grossen Klappe zieht zu jeder Seite des Sinus je eine stark vor- 
tretende Falte, die gegen den Stirnrand breiter wird. Zwischen ihnen 
und der Nebenfalte ist die Klappe stark eingesenkt. Die Mittelfalte 
ist flacher als die Nebenfalten. 

Rhynchonella Glockeri n. sp. 

Taf. VIII (2), Fig. Aa-d. 

[cf. 1887. Bhynchonella Hohenegqeri Haas: Soc. pal. Suisse vol. XIII, 
pag. i06, pl. X, Fig. 8.] 

Dimensionen: 

Länge 11 — 16 mm, Breite 8 — 15 nnn^ Dicke 6—11 mm. 

Die Stücke haben einen annähernd dreieckigen Umriss mit ab- 
gerundeten unteren Ecken. Die Wölbung beider Klappen sehr stark, 
gegen die Stirn steil abfallend. Schnabel klein, spitzig, Oetthung für 
den Haftmuskel und Deltidium nicht sichtbar — jedenfalls klein; 
Schnabelkanten fehlen. 

Sinusbildung an allen Exemplaren deutlich. An beiden Klappen 
treten deutliche Falten vor. Dieselben reichen bis weit gegen den 
Schnabel, an wohlerhaltenen Stücken bis in den Schnabel hinein. 
Von einer Spaltung ist nichts zu sehen. In der Form stimmen die 
abgebildeten Stücke mit Fig. 15 a und 19 a der Rlujnchonella strioplicata 
bei Suess überein, auch die Sculptur der Schale (sehr feine, dichte 
Kadialleistchen) ist dieselbe, sind jedoch hauptsächlich durch die 
deutliche Sinusbildung unterschieden und leicht zu trennen. 
Die citirte Abbildung der Rht/nchonella Hoheneggeri Haas, welche 
nicht mit BhijncJioneUa Hoheneggeri Suess übereinstimmt, stellt eine 
nach Form und Sinusbildung unserer Art ähnliche Gestalt vor. Ob 
dieselbe mit unserer Art identisch ist, lässt sich nach der mangel- 
haften Beschreibung bei Haas nicht entscheiden. 

Diese BhijnchoneUa-kxt kommt sowohl im weissen Stramberger 
Kalk als auch im rothen Kalkstein von Nesselsdorf vor. Am ersteren 
Fundorte ist sie etwas grösser. 

Rhynchonella Genunellarol Zitt. in coli. 
1852. Terehratula striatoplicata Qiienstedf: Handbuch der Petrefacten- 

kunde, pag. 455, Taf. 36, Fig. 23. 
1858. T. striatopikafa Quenstedt: Der Jura, pag. 635, Taf. 78, Fig. 24. 
1858. Rhynchonella striatoplicata Oppel : Die Juraformation etc., pag. 689. 
1858. Rh. strioplicata Suess: Die Brachiopoden der Stramberger 

Schichten, pag. 149, Taf. V, Fig. 15—19. 
1868. Rh. strioplicata Suess, Zittel: Die Cephalopoden etc., pag. 10. 

In der Münchener Sammlung ist die Rlnjnchonella strioplicata 
Suess von Zittel als Rhgnchonella Gemmellaroi bezeichnet. Nach 



[19] Beiträge zur Kenntnis der Brachiojjoden des Stramberger Tithon. 231 

Zittel eine für Stramberg sehr charakteristische Form. Junge In- 
dividuen sind zwar der Q uen ste d t'schen Art sehr ähnlich, aus- 
gewachsene zeigen niclit die geringste Uebereinstimmung. 



Rhyuchonella .sp 

Taf. VIII (2), Fig. ba-d. 

Dimensionen: 
Länge 11 mm, Breite 9 mm, Dicke 4 mm. 

Kleine Form. Sculptur ähnlich wie bei Rhijmhomlla Gemmellaroi 
ZiU. {strioplkata Suess) und Rhynchonella Glociceri n. sp. (Hoheneggeri 
Haas). Ganz ähnliche Stücke liegen unter den von Suess als sirio- 
-pVicata bestimmten Formen der Höh en egger'schen Sammlung. Durch 
die deutliche Sinusbildung ist sie aber von dem Typus der Suess'schen 
Art zu trennen. Durch die schlankere Form ist sie auch von der 
früher erwähnten BliynclioneUa Glockeri w sp. verschieden. 

Vielleicht wäre es am besten, sie als cfr. sfrioph'cata QuensHdt 
(Brachiopoden, pag. 132, 133, Taf. 40, Fig. 23 — 33) zu bezeichnen, 
da die äussere Gestalt am besten mit Quenstedt, Fig. 25, über- 
einstimmt. Ob übrigens alles, was Quenstedt als sfrioplicata be- 
zeichnete, zusammengehört, ist fraglich. 



Rhyiichonella Frici n. sy 

Taf. VIII (2), Fig. Qa—d. 

1879, Rhfjnchonella tatrica Favre: Foss. d. couches tithoniques des 

Alpes Fribourgeoises, pag. 62, pl. V, Fig. 10—11. 
1887. R. tatrica Haas: Soc. pal. Suisse, Vol. XIV, pag. 109, pl. X, 
Fig. 9 und 10. 

Dimensionen: 
Länge 8 — 9 mm, Breite 7 — 9 mm, Dicke 5 mm. 

Umriss annähernd von der Form eines Dreieckes. Beide Klappen 
recht stark gewölbt, die grössere stärker als die kleinere. Schnabel 
klein, sehr spitzig, Oeffnung für den Haftmuskel sehr klein. Deltidium 
ziemlich breit, jedocli niedrig. 

An der grossen Klappe begrenzen zwei vom Schnabel ausge- 
hende, gegen die Stirn divergirende Falten einen deutlichen Sinus. 
Eine oder zwei Mittelfalten reichen von der Stirn bis nahe zum 
Schnabel, sie sind undeutlicher als die Seitenfalten. An der kleinen 
Klappe ist eine in 2—3 Aeste gespaltene Mittelfalte deutlich aus- 
gesprochen, je eine flache Nebenfalte kaum angedeutet. Zwischen 
der Nebenfalte und dem lateralen Aste der Mittelfalte ist nahe am 
Stirnrande die Klappe stärker eingesenkt. Von der faserigen Structur 
der Schale ist nicht viel zu sehen. 

Wie bereits Haas hervorhob, zeigt diese auch im Tithon der 
Freiburger Alpen vorkommende Form durch ihre starke Faltung 

30* 



232 Mauric Reme§. [20] 

wesentliche Unterschiede gegenüber der Rhijnchonella iatrica Zeuschner. 
Sie ist daher hier mit einem neuen Namen belegt worden. 

Diese Art kommt bei Stramberg selten vor. Sie ist bis jetzt nur 
im rothen Nesselsdorfer Kalk (3 Exemplare) gefunden worden; aus 
dem weissen Kalk kennt man sie noch nicht. 

Rhynchonella Pompeckji n. sp. 

Taf. VIII (2), Fig. 7 a—d. 

Dimen sionen: 

Ltänge: 23 mm, Breite: 31 mm, Dicke: 16 mm, 

„ 20 mm, „ 29 mm., „ 14 mm, 

„ 20 mm, „ 25 mm, „ 15 mm, 

„ 19 mtn, „ 22 mm, „ 14 mm. 

Die Breite übertrifft immer die Länge. 

Die kleine Klappe stärker gewölbt als die grosse. Schlosskanten 
divergiren unter einem stumpfen Winkel und übergehen allmälig in 
die gerundeten Randkanten, welche recht weit gegen die grosse Klappe 
eingreifen. 

Ein breiter flacher Sinus reicht weit in die kleine Klappe hin- 
ein. Die Stirnlinie bildet nie einen spitzen Winkel, sondern stellt 
immer einen breiten, flachen Bogen dar. Gewöhnlich ist die Biegung 
asymmetrisch. 

Deutliche, flache gespaltene Rippen durchziehen beide Klappen. 
Gegen die Ränder hin werden dieselben sehr abgeschwächt, so dass 
die Commissuren glatt werden. Anwachsstreifen sind an beiden Klappen 
sichtbar. Schnabel massig hoch, an der Spitze wenig abgebogen. 
Oeffnung für den Haftmuskel klein, liegt unter der Schnabelspitze. 
Dreieckiges Deltidiuni umgrenzt die Oeftnung. 

Structur der Schale faserig. 

Die RhynchoneUa Pompeckji stellt eine neue Art aus dem weissen 
Stramberger Kalk dar. Nach der Art der Rippentheilung gehört sie 
in den Kreis der RhynchoneUa lacunosa, doch ist die Biegung der 
Sinuswulstcommissur eine andere; ausserdem fehlt den Rippen die 
für den echten Lacunosa-Ty\iVi^ charakteristische Schärfe : sie sind hier 
mehr gerundet. 

Von RhynchoneUa spoliata Suess, der sie sich in der äusseren 
Form nähert, ist sie durch die sehr viel gröberen Rippen, welche 
in viel geringerer Zahl auftreten, unterschieden. 

Rhynchonella Pompeckji n. sp. var. 

Taf. VIII (2), Fig. 8«— e. 
Dimensionen: 
Länge 22 mnt, Breite 21 mm, Dicke 17 mm, 
„ 24 nun, „ 2^ mm, „ 17 mm, 

„ 24 mm, „ 23 mm, „ 17 mm. 
In der äusseren Form stimmt diese Varietät mit RhynchoneUa 
Pompeckji überein, jedoch sind die vorgefundenen Stücke länger und 



[21] Beiträge zur Kenntnis der Brachiopoden des Stramberger Titlion. 233 

schmäler (vergleiche die Dimensionen). Die Rippung ist ferner eine 
stärkere, die Rippen gerundet, nicht scharfkantig wie bei dem La- 
cunosentypus, dem sich die Varietät nähert, jedoch durch Rundung 
der Rippen unterscheidet. 

Kommt gemeinsam mit der Witinchonelhi. Pompeckji im weissen 
Kalkstein von Stramberg vor. 

Ehy/ichonelld Stramhergensis n. sp. 

Taf. VIII (2), Fig. 9 a— e. 
Dimensionen: 

Dicke 



länge 


20 


mm, 


l'reite 


25 mm. 


)) 


18 


mm, 


n 


1 7 mm, 


» 


17 


mm, 


n 


19 mm, 


» 


17 


mm. 


)) 


17 mm. 


n 


16 


mm. 




19 mm. 


71 


16- 


5 mm, 


„ 


20 mm, 




16 


5 mm. 


)) 


19 mm. 


„ 


15"5 tnni, 


H 


17 mm. 


„ 


14 


mm. 


» 


14 mm, 


„ 


12 


mm. 


n 


13 mm,, 



18 


mm. 


10 


mm. 


9 


mm, 


11 


mm. 


13 


mm, 


12 


mm,. 


11 


mm. 


13 


mm. 


8 


mm. 


7 


mm. 



Der Umriss der grossen Klappe hat die Gestalt eines Viereckes. 
Zwei vom Schnabel zur Stirngegend ziehende Falten begrenzen einen 
deutlichen Sinus, der in Form einer langen, zugeschärften Zunge 
weit gegen die kleine Klappe umgeschlagen ausläuft. Die Breite des 
Sinus ist ungleich, ebenso seine Tiefe. Der Winkel, welchen die 
Zunge an der Unischlagstelle mit der Fläche der grossen Klappe 
bildet, ist gewöhnlich ein stumpfer, kann jedoch auch ein rechter und 
sogar ein spitziger werden. Die Spitze der Zunge ist immer abgerundet, 
kann jedoch bald spitziger, bald stumpfer sein. Gewöhnlich ist der 
Sinus durch eine zarte Furche seiner ganzen Länge nach in zwei 
Hälften getheilt. mitunter jedoch ist dieselbe durch eine flache, 
ziemlich breite Falte ersetzt. 

Die den Sinus begrenzenden Falten sind an den meisten Exem- 
plaren von zwei schwächeren, jedoch immerhin leicht erkennbaren 
Nebenfalten begleitet. Schnabel klein, jedoch deutlich vortretend, 
abgebogen; Oetfnung für den Haftmuskel klein, Deltidium versteckt. 

An der kleinen Klappe ist der Breitendurchmesser grösser als 
der Längendurchmesser. Wölbung stärker als an der grossen Klappe. 
Schlosskanten bilden einen stumpfen Winkel, der Uebergang in die 
Randkanten ist immer abgerundet. Vom Wirbel zieht eine deutliche, 
mitunter kielartig vortretende Falte gegen die Spitze der oben be- 
schriebenen Zunge der grossen Schale. An manchen Stücken ist durch 
eine zarte Rinne eine Spaltung dieser Mittelfalte in zwei Aeste an- 
gedeutet. Ausserdem findet man zu beiden Seiten der Mittelfalte je 
einen bis zwei ebenfalls deutliche Falten, welche gleichfalls vom 
Wirbel ausgehen und in schiefer Richtung die Klappe durchziehend, 
am Stirnrand endigen. An den meisten Exemplaren sind deutliche 
Ansatzstreifen zu sehen. 



234 Mauric Remes. [22] 

Die beschriebene Art ist gegenwärtig nur aus dem weissen 
Kalk von Stramberg bekannt. Sie zeigt in ihrer Form Aehnlichkeit 
mit der RliynchoneUa coardata Opp. aus den Klaussschichten und der 
RhynchoneUa Loxiae Fisch, aus dem Moskauer Jura. Dadurch, dass 
die Flügel mehr oder weniger grobe Rippen tragen, steht sie der 
letzteren Art näher als der Hhynchonella coardata Oppel; sie unter- 
scheidet sich von dieser aber doch dadurch, dass der Wirbel länger 
und schlanker ist, während der Wulst wesentlich niedriger ist als 
bei RhynchoneUa Loxiae Fisch. Auch Rhijndionella Monsalvensis GiJl. 
var. Heimi Haas^) aus den Bimmammatum-Schichten von Plagniöres 
bei Chätel St. Denis ist mit unserer Art verwandt, unterscheidet sich 
aber durch kürzeren, breiteren Wirbel, welcher an den Seiten nicht 
die flache Einbuchtung zeigt, wie die Rhyndionella stramhergensis. 



Bhyticliotiella cfr. ,S2)ars?cosia Oppel. 

Taf. VIII (2), Fig. 10 a-d. 

Dimensionen: 

Länge 20 mm, Breite 21 mm, Dicke 13 tnm, 

„ 19 mm, „ 20 mm, „ 15 mm, 

„ 16 mm, „ 15 mm, „ 11 mm. 

Die kleine Klappe breiter als laug, stark gewölbt, besonders 
die Mittelpartie, welche mitunter kielartig hervortritt. Die grosse 
Klappe in ihrem mittleren Theile eingesenkt, ragt mit der Sinusbucht 
gegen die kleine Klappe vor, am Stirnrand einen deutlichen flachen 
Bogen bildend. Die Schlosskanten treten unter einem rechten bis 
stumpfen Winkel zusammen. 

Zahlreiche deutliche Falten durchziehen der Länge nach beide 
Schalen. 

Schnabel nicht gross, abgerundet. Oeft'nung für den Haftmuskel 
und Deltidium klein. 

Diese nur im weissen Stramberger Kalkstein vorkommende Art 
bildet einen Uebergang von Rhytidiotiella sparsicosta Opp. zu Rhyn- 
choneUa Fompeckji n. sp., ist jedoch durch die oben angeführten Merk- 
male leicht von beiden Arten zu unterscheiden. 



^) H. Haas: Etüde monogr. et crit. des Brachiopodes rhet. et jur. des 
Alpes Vaudoises. Mem. Soc. pal. Suisse Vol. XIV, pag. 100, pl. Vlll, Fig. 15-19. 



Die Fauna der oberpontischen Bildungen 
von Podgradje und Vizanovec in Kroatien. 

Von Prof. Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. 

Mit einer lithographirten Tafel (Nr. IX). 

In der vorliegenden Schrift habe ich zwei der obersten pontischen 
Etage angehörende Faunen beschrieben. Diese Etage ist es, die sich 
auch theilweise petrographisch auszeichnet, und zwar insoferne, als es 
mehr oder minder eisenschüssige Sande sind, die jene Faunen be- 
herbergen. Der Eisengehalt dieser sandigen Etage ist stellenweise 
so bedeutend, dass die darin vorkommenden Fossilien ganz und gar 
limonitisirt sind. Ich verweise diesbezüglich auf die entsprechende 
Fauna von Remete (bei Agram), welche Brusina bereits kurz an- 
gedeutet hat, und auf meine Schrift: „Das Tertiär des Agramer Ge- 
birges", wo ich die stratigraphische Stellung dieser Etage genau 
fixirte ^). Diese Sande nämlich liegen stets über dem sogenannten 
„Congeria r/<omfeo?VZea-Niveau" (Bud7nani(i-^iveixu), von welchem sie 
übrigens faunistisch kaum zu trennen sind. Nur das Auftreten grosser 
Cardiaceen (insbesonders Limnoc. Schmklti) und der verhältnismässig 
grosse Reichthum an Dreissensiden könnte für diese Etage als Merkmal 
betrachtet werden. F<ine der vorliegenden Faunen ist überdies noch 
durch das Auftreten gewisser Limnocardien, welche auffallend auf die 
Gattung Prosodacna Tourn. (= Fsilodon Cohcdc. 2) hinweisen, aus- 
gezeichnet. Leider sind die in Rede stehenden Reste blos Steinkerne ; 
dennoch halte ich sie für ganz besonders interessant und wichtig, 
weil sie genau, unter denselben stratigraphischen Verhältnissen, d. h. 
in den obersten pontischen Bildungen wie in Rumänien — der bisher 
ausgezeichnetsten Fundstelle derartiger Cardiaceen — auftreten. 

^) Siehe: Brusina: „Congerienschicliten von Agram". Beiträge zur Palaeon- 
tologie Oester.-Ung. Bd. III, pag. 129 [5], 1884. 

Gorjanovic- Kr am berger: „Das Tertiär des A gramer Gebirges'. Jahrb. 
d. k. k. geol. Reichsanst. Wien 1898, pag. 552 [4]. 

^) Vergleiche: Cobälcescu: „ötudii geologici et paleoutol. asupra unor 
terämuri tertiäre . . ." , Bukarest 1883, pag. 93. 

Stefanescu: Etudes sur les Terrains tertiaires de la Roumanie . . ," 
Mem. d. 1. Society Geolog, de France. Paris 1896, pag. 55. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanst., 1899, 49. Bd., 2. Hft. (Gorjanovlc-Kramberger.) 



236 Gorjanovid-Kramberger. [2^ 



I. Die Fauna von Podgradje bei Samobor. 

Das Dorf Podgradje liegt südlich und circa 62 Kilometer Luft- 
linie von Samobor oder etwa 25 — 3 Meilen südwestlich von Agram 
entfernt. Die dort entwickelten pontischen Bildungen, nämlich der 
„Rliomhoidea-'NiveRu" ist im Hangenden mit den sandigen, stellenweise 
eisenschüssigen Bildungen bedeckt, die bei Set Martin wieder durch 
Belvedereschotter und Sande bedeckt werden. 

Der gewesene Caplan von Set. Martin Herr C. V u g i c machte 
sich die Ausbeute der eisenschüssigen Sande zur Aufgabe, wobei er 
auch die Schulkinder herbeizog, und so gelang es ihm, eine ganz 
nette Collection zusammenzubringen, welche er dann unserem geolo- 
gisch - palaeontologischen Museum zum Geschenke machte. Möge 
ihm an dieser Stelle für sein freundliches Entgegenkommen ge- 
dankt sein. 

Uebersicht d(;i' in Podgradje aufgesammelten Mollusken: 

1. Limnocardium pseudo- Suessi Häl. 

2. „ cf. zagrahiense Brus. 

3. „ pteropJiornni Brus. 

4. „ Mayeri M. Hörn. 

5. „ Vugici n. f. 

6. „ sp. n. 

7. Congeria croatica Brus. 

8. „ Markovici Brus. 

9. „ cf. pernaoformis Andrus. 
10. „ rhomboidea M. Hörn. 
IL „ cf. simulans Brus. 

12. „ zagrahiense Brus. 

13. „ .s;;. 

14. Dreissensiomija cf. Schröckingeri Fuchs. 

Limnocardium pseudo-Suessi Häl. 

1882. Cardium (Ädacna) Suessi Barb.-Hdlavafs: „Palaeontolog. Daten . . .", 
L „Die pont. Fauna v. Langenfeld". Mittheil. a. d. Jahrb. d. 
k. Ungar, geol. Anst. Bd. VI, pag. 166, Taf. XIV, Fig. 6—8. 

1886. Cardium pseudo-Suessi nov. sp. Hdlavats: „Termeszetrajzi Füze- 

tek" (Naturh. Heften), Bd. X, pag. 262, Taf. VI, Fig. 1-5. 

1887. Cardium {Adacna) pseudo-Suessi Hdlavats: „Palaeontolog. Daten 

zur Kenntnis der Fauna d. südungar. Neog. Ablag." Mittheil, 
a. d. Jahrb. d. k. ungar. geol. Anst., pag. 135, Taf. XXV, 
Fig. 3, 4. 

Von dieser interessanten Muschelart liegen mir blos vier Stein- 
kerne vor, die leider nicht vollständig erhalten sind, um eine genaue 
Vergleichung mit Cardium obsoletum Meine, durchzuführen. Zweifels- 
ohne ist es, dass diese Art von der sarmatischen C. obsoletum Eichiv. 



[3] Die Fauna der oberpontischen Bildungen von Podgradjc und Vizanovec. 237 

herstammt, wie dies bereits Hähivats^) und nachher auch ich '^) be- 
tont haben. Die vorliegenden Steinkerne lassen im ganzen 15 Rippen 
erkennen, von welchen G höher und wie es scheint staclielig waren 
und so angeordnet sind, dass zvvis(dien je zweien derselben zwei 
schwächere Rippen auftreten; blos zwischen der vierten und fünften 
höheren Rii)pe (von vorne an gezählt) befindet sich nur eine der 
schw<ächeren. Zugleich bildet diese fünfte Rippe einen Kiel, hinter 
welchem nur noch eine stärkere Rippe auftritt. Wenn auch unsere 
Limnocardien eine geringere Rippenzahl als Limnoc. pseudo- iSiiessi 
Hol. besitzen, und auch weniger der schwächeren Rippen zwischen 
den scharfen aufweisen, so kann ich unsere Kerne doch nicht von 
den Nikolincer trennen, da ja diese Art gerade in der verschiedenen 
Anordnung der schwächeren Rippen eine grosse Veränderlichkeit zeigt. 



Limnocardium pterophoriim Brus. 

1874. Cardium cf. edentulum Bruslna: „Fossile Binnenmollusken", 

pag. 129. 
1884. Adacna pterophora Brusina: „Die Fauna der Congeriensch. v. 

Agram", pag. 161, 185, Taf.' 29, Fig. 65, 66. 
1893. Limnocardium pterophormn Brusina: „Die foss. Fauna von 

Dubovac." Jahrb. d. k. k. geol. R.-A,, pag. 375. 
1897. Limnocardium pter-ophorum Brusina: „Materiaux pour la Fauna 

malacol.", pag. 33. 
Von dieser, in Podgradje sehr häufig anzutreffenden Art, be- 
sitze ich mehrere recht gut erhaltene Steinkerne und Abdrücke, 
welche bis Q2 mm an Grösse erreichen. 



Limnocardium cf. zagrabiense Brus. 
1874. Cardium zagrabiense Brusina: „Fossile Binnenmolusken", pag. 137. 
1884. Adacna zagrabiensis Brusina: „Die Fauna d. Congeriensch. v. 
Agram". Beiträge z. Palaeontol. Oesterr.-Ung. Wien, Bd. III, 
pag. 148, Taf. XXVIII, Fig. 34, 35 und Taf. XXIX, Fig. 63. 
1897. Limnocardium zagrabiensis Brus.: „Materiaux pour la Fauna 
malacol.", pag. 32, Taf. XIX, Fig. 2 und 3. 
Also bezeichne ich Steinkerne einer ziemlich häufigen Muschel- 
art, welche noch am besten mit dem Limnoc. zagrabiense Brus. über- 
einstimmt. Die Dimensionen einiger der Kerne sind folgende: 
Länge 58-0 mm, b20 mm, 51 '0 mm, 
Höhe 40-0 mm, 45*2 mm, 45-0 mm, 
Dicke 89-5 mm, 36-5 mm, 35-3 mm. 



^) Hälavats: „Langenfeld^ pag. 165. 

■') Gorjanovid-Kramberger: „Präpont. Bild, des Agramer Gebirges.« 
(Societas bist. nal. Croatica 1890, pag. 159.) 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanst., 1899, 49. Bd., 2. Hft. (Gorjanoviö-Kramberger.) 31 



238 Gorjanovid-Kramberger. |^4] 

Lhmiocardium Vugici Kramb. Gorj. 

Taf. IX, Fig. 4. 

So nenne ich den Steinkern eines grösseren Limnocardiums, 
welches sich durch den nach vorne gerüci^ten Wirbel, die geringe 
Anzahl kräftiger, schütter stehender Rippen und den geraden langen 
hinteren Schlossrand auszeichnet. 

Die Länge des Kernes beträgt 64*6 mm, und die Höhe 45 mm ; 
die Anzahl der Rippen ist 11, Bemerkt muss noch werden, dass die 
hintere Schalenpartie glatt ist ; wenigstens sind an diesem Exemplare 
dort keine Rippen sichtbar. 

Vor der Hand möge diese kurze Beschreibung und Abbildung 
genügen; sobald ich bessere Exemplare erhalten werde, werde ich 
beides vervollständigen. 

Limnocardium sp. n. 

Bios mit einigen Worten soll eines zum Formenkreis der vorigen 
Art gehörenden Limnocardiums Erwähnung gethan werden, welches 
durch seinen nach vorne gerückten Wirbel, die kräftigen, wenigen 
Rippen (8—9), sich einmal eng an das Limnoc. Vugici m. anschliesst, 
andererseits wieder, wie dies Prof. Atha nasi u meint ^), an die Art 
Psilodon Damienensis Cob. erinnert. 

Es lässt sich zwar eine gewisse Aehnlichkeit unseres Exemplares 
mit Psil. Damienensis Cob. nicht ganz verkennen, indessen ist mir das 
zu Gebote stehende Material doch entschieden zu ungenügend, um 
diesen Vergleich mit Bestimmtheit zu betonen, als ja doch dieses 
fragliche Limnocardium dem Limnoc. Vugici nahe steht, und wahr- 
scheinlich ebenso wie dieses hinten klaffend war. 



Congeria croatica Brus. 

1874. Dreissena croatica Brusina: „Rad jugosl. akademije XXVHI, 

pag. 101. 
1874. Dreissena croatica Brusina: „Foss. Binnenmollusken", pag. 129. 
1884. Dreissena croatica Brusina: „Congeriensch. v. Agram", pag. 138, 

139, 181, 186; Taf. 27, Fig. 53, 54. 
1890, Congeria croatica Lörentheg : Mittheilungen a. d. Jahrb. d. k. ungar. 

geol, Anst, IX, pag. 45 (9), Taf. 1, Fig. 2—3. 
1892. Congeria croatica Brusina: „Fauna foss. di Markusevac" (Societas 

bist. nat. croatica, pag. 196). 
1892. Congeria croatica Brusina: „Ueber die Gruppe der C. Trian- 

gularis''. — Zeitsch, d. deutschen geol. Gesellsch., pag. 492. 



') Prof. Athanasiii hat freundlichst diesen und noch andere Steinkerne 
mit seinen rumänischen Psüodonten verglichen. (Siehe später bei „II. Fauna von 
Vi^anovec" sub. Prosodacna). 



[5] Die Fauna der oberpontiscben Bildungen von Podgradje und Vizanovec. 239 

1897, Congeria croatica Brusina: „Materiaux pour la Fauna malacol.", 
pag. 29, Taf. 16, Fig 2. 

1897. Congeria croatica Andrusov: „Foss. u. leb. Dreii^semidue^, 
pag. 163, Taf. VI, Fig. 4—5, 8—11. 

Von dieser Art liegen mehrere Steinkerne vor, welche wegen 
ihres breiten, dreieckigen Hintertheils und den entsprechenden Di- 
mensionen leicht als zu dieser Art gehörend zu erkennen sind. 



Congeria Markovi'ci Brus. 

1884. Dreissena Markovici Brusina: „Congeriensch. v. Agram", pag. 181 
[57], Taf. 27, Fig. 61. 

1897. Congeria Markovici ÄndmsoD; „Fossile u. leb. Dreissensidiae'', 
pag. 216, Taf. XII, Fig. 1-5. 

Von dieser charakteristischen und leicht erkennbaren Species 
liegen aus den gelben Podgradjeer Sauden 2 Steinkerne vor, von 
denen der längste circa 33 7nm erreicht. 



Congeria rhomboidea M. Hoern. 

1860 Congeria rhomboidea M. Hörnes: Jahrb. d. k, k. geol. Reichsanst., 
Bd. XI, Fig. 5. 

1862 Congeria rhomboidea Peters: Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. 
V^'iss. XLIV, pag. 63. 

1867. Congeria rhomboidea M. Hörnes: „Fossile Mollusk. d. Wiener- 
beckens", II, pag. 364, Taf. 48, Fig. 4. 

1884. Dreissena rhomboidea Brusina-. „Congerienschichten von Agram", 
pag. 139. 

1890. Congeria rhomboidea Lörenthey: „Die pont. Stufe und deren 
Fauna bei Nagy Manyok", pag. 43. 

1892. Congeria rhomboidea Hdlavats: „Die pont. Fauna bei Kiraly- 
hegye", pag. 32. 

1892. Congeria rhomboidea Brusina: „Fauna foss. di Markusevac", 

pag. 196. 

1893. Congeria rhomboidea Brusina: „Fossile Fauna von Dubovac", 

pag. 371. 

1894. Congeria rhomboidea Lörentheg : „Die ob. pont. Sedim. b. Szeg- 

zard ..", pag. 81. 
1897. Congeria rJiomboidea Andrusov. „Foss. u. leb. Dreissensidae" , 
pag. 227, Taf. X, Fig. 8—13. 

Mehrere Steinkerne, wovon der grösste und besterhaltene fol- 
gende Dimensionen aufweist: 

Höhe 75-6 mm, Länge 52 mm, Dicke 55-4 mm. 

31* 



240 Gorjanovid-Kramberger. [ßl 

Congeria (?) pernaeformis Andrus. 
(Taf. IX, Fig. 7.) 

1890. Congeria triangularis Bartsch. — Fuchs: „Annalen des k. k. 

naturh. Hof-Museums", Bd. V, Nr. 2, Notizen, pag. 87. 
1897. Congeria (?) pernaeformis Ändrusov: „Fossile u. leb. Dreissen- 
sidae\ pag. 232 "(51), Taf. VIII, Fig. 7. 
Von dieser seltenen Art liegen blos zwei Steinkerne vor. Der 
Contour nach entspricht diese Art der Congeria rhomhoidea M. H , 
unterscheidet sich indessen von dieser durch ihre viel geringere 
Grösse und Dicke. Diesbezüglich erinnert sie zweifelsohne lebhaft an 
die Andrusov'sche C. (?) pernaeformis von ^irovac und Livno in 
Bosnien, mit welcher ich sie auch vergleiche. 

Die Dimensionen des besser erhaltenen Kernes sind : 
Höhe 40 mm, Länge 30 mm, Dicke 17 mm. 

Congeria zagrabiensis Brus. 

1884. Dreissena zagrebiensis Brusina: „Congeriensch. von Agram", 
pag. 140, Taf. 27, Fig. 52. • 

1892. Congeria zagrahiensis Brusina: „Fauna foss. di Markusevac", 

pag. 196. 

1893. Congeria zagrahiensis Brusina: „Fauna v. Dubovac", pag. 372. 
1897. Congeria zagrahiensis Brusina: „Materiaux pour la Fauna mala- 

col....", pag. 29, Taf. 16, Fig. 3. 
1897. Congeria zagrahiensis Ändrusov: „Foss. u. leb. Dreissensidae^ , 
pag. 199, Taf. IX, Fig. 17—21. 
Bios ein Steinkern, welcher indessen die Art mit vollkommener 
Sicherheit feststellen Hess. Die Dimensionen sind: 

Höhe Ö0-6 mm, Länge 28 mm, Dicke 16*5 tmn. 

Congeria äff. simulans Brus. 
(Taf. IX, Fig. 6.) 

1893. Congeria simulans Brusina: Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst., 

pag. 49. 
1893. Congeria simulans Brusina: „Die foss. Fauna von Dubovac", 

pag. 371, Taf. VI, Fig. 8—10. 
1897. Congeria simulans Ändrusov: „Fossile und leb. Dreissensidae^ , 
pag. 116, Taf. HI, Fig. 17—22. 
Zu dieser Form ziehe ich einige Steinkerne, die noch am besten 
mit den Merkmalen dieser Species übereinstimmen. Hauptsächlich 
sind es die entsprechenden Contouren und die Lage des hinteren 
Winkels, die mich besthnmten, unsere Steinkerne mit C. simulans zu 
vergleichen. 

Die Dimensionen zweier, besser erhaltener Kerne sind: 
Höhe 46"5 7nm, Länge 26 mm., Dicke 32 mm. 
„ 50 mm, „ 36-5 mm, „ 37 mm. 



[7] Die Fauna der oberpontischen Bildungen von Podgradje und Viianovec. 241 
Congeria sp. 

(Taf. IX, Fig. 5.) 

Ist ebenfalls eine in Steinkernen vorliegende Art, die theilweise 
an Cong. croatka Bms. erinnert, jedoch sich von dieser durch ihre 
viel schmälere hintere Partie unterscheidet. Die Höhe nämlich beträgt 
52 mm, die Breite nur 29-o mtn und die Dicke 30-4 mm. bezeichnend 
für diese momentan nicht näher zu beschreibende Art dürfte der 
Umstand sein, dass der Winkel des hinteren Flügels ober der Mitte, 
also näher zum Wirbel, hinaufgerückt ist. 



Dreissensiomya cf. Schröcldngeri Fuchs. 

1870. Congeria Seh röckingen FucJifi: „Radmanest" (Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A., pag. 360, 'Taf. 16, Fig. 10-11). 

1893. Dreissensiomya Schröckingeri Lörenflieij: „Fauna v. Szegzard", 

pag. 85. 

1894. Dreissensiomya Schröckingeri Lörentheg -. „Fauna v. Kurd", pag. 77. 
1897. Dreissensiomya Schröckingeri Andrusop: „Leb. u. foss. Dreissen- 

sidae\ pag. 399, Taf. XIX, Fig. 9—12. 

Obzwar uns von dieser Art blos drei Steinkerne vorliegen, so 
sind dieselben doch von bedeutendem Interesse, und zwar, weil sie : 

1. feststellen lassen, dass sie nicht der Brusin a'schen Art 
Dreiss. croatica aus Okrugljak ^) angehören und 

2. mit der Fuchs'schen Art sozusagen identisch sind. Unsere 
Steinkerne sind, was Grösse anlangt, zwar kleiner von Dreiss. 
Schröckingeri, besitzen jedoch hinten jene zwei leichten Falten oder 
Kiele, welche eben die genannte Art kennzeichnen. 

Die Grössenverhältnisse sind wie folgt: 

Länge 34'0 mm, Höhe 170, Dicke ca. 125 mm. 



II. Die Fauna von Vizanovec bei gornja Konscina 
in Zagorien. 

Der hier in Betracht kommende Fundort liegt am Nordhange 
des „Visec-Berges" südlich von Vizanovec und nordwestlich der 
Eisenbahnhaltestelle Konscina. Herr P. v. Dumicic deckte hier be- 
deutende Lignitlager auf und bei dieser Gelegenheit sammelte er 
eine kleine, jedocli interessante Suite von Mollusken, deren Schalen 
indessen entweder ganz verloren gingen oder derart mürbe sind, 
das man sie nur mit allergrösster Vorsicht zu präpariren imstande ist. 



') „Die Congeriensch. v. Agram", pag. 140, Taf 27, Fig. 51 und „Materiaux 
pour la Faune malacol. . . .", pag. 31, Taf XVII, Fig. 24. 



242 Gorjanovid-Kramberger. [g] 

Sämmtliche Mollusken entstammen der oberen sandigen Ab- 
theilung der pontischen Stufe und reprcäsentiren ein chronologisches 
Aequivalent zur vorher beschriebenen Fauna von Podgradje. 

Uebersicht der von Herrn v. Dumicic aufgesammelten Reste : 

HeHx {Tacheocampijlaea) Doderleini, Briis. 
Lhmiocardium Maijeri, M. Hörn. 

„ F. Penslii Fuchs. 

Dumicici n. f. 
Prosodacna Athanasiui n. f. 

„ inflata n. f. 



Helix (Tacheocampylaea) Doderleini Brus. 

1897. Helix {Taclieocampijlaea) Doderleini, Brusina: „Materiaux pour 
la Fauna malacologique", pag. 1, Taf. I, Fig. 1. 

Ein gut erhaltenes Exemplar dieser Art liegt uns aus Vizanovec 
vor. Dasselbe entspricht genau der Brusina'schen Form, die ich 
im Jahre 1884 in Grabicani bei Lepavina fand. 



Limnocardium May er i M. Hoernes. 

1862. Cardium Mai/eri, M. Hörnes: „Foss. Moll. d. Wiener-Beckens" 
IL, Taf. 28, Fig. 5 u. s. w. 

1884. Ädacna Mayeri, Brusina: „Die Fauna der Congeriensch. v. 
Agram", pag. 153. 

1887. Cardium {Adacna) Mai/eri, Haldmts: Paläontol. Daten, II. „Die 
pontische Fauna von Nikolincz", pag. 138 (28), Taf, XXV, 
Fig. la—b. 

1890. Ädacna Mai^eri, Lürenthey : „Pont. Stufe u. Fauna v. N. Mänyok", 
pag. 47 (13). 

1894. Limnocardium Maijeri, Lörenthey: „Die oberen pont. Sedim. u. 
deren Fauna. I. Szegzärd", pag. 94 (24). 

Von dieser Art wurde ein vollständiges Exemplar in einem 
hellgelben, sandigen Mergel gefunden. Dasselbe ist 33 mm lang, 
22 mm hoch und besitzt 22 Rippen und überdies noch 4—5 sehr 
schwache an der hinteren Schalenpartie. Sämmtliche Rippen sind 
ganz so wie an dem Hörne s'schen Originale angeordnet. Die 
grössere Rippenzahl an unserer Schale ist insoferne bemerkenswert, 
als dieselbe gerade nicht einem ganz jungen Exemplare angehört. 
Das Hörnes'sche Stück besitzt bei einer Schalenlänge von 35 mm nur 
V2 — 13, während unser beinahe ebenso grosses Exemplar 22 Rippen 
aufweist. Es scheint demnach die Rippenzahl nicht gerade vom 
Alter des Individuums abzuhängen, vielmehr ein variabler Charakter 
zu sein. 



[9] Die Fauna der obeipontischen Bildungen von Podgradje und Vi2anovec. 243 

Limit ocardwm cf. Fenslil Fuchs. 

1870. Cardimn Fenslii, Fuchs: „Fauna d. Congeriensch. v. Radmanest" 
(Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. pag. 355, Tat". XV, Fig. 15—17). 

Leider besitze ich blos die rechte Klappe, die zwar auch nicht 
ganz tadellos erhalten blieb, jedoch was Form der Schale und Zahl 
der Rippen anlangt, auffallend mit Limnoc. Fenslii Fuchs überein- 
stimmt. Länge der Schale circa 47 bis 48 mw, Höhe 41*3 mm, 
Dicke 2 12 mm. Vergleichen wir diese Dimensionen mit jenen der 
erwähnten Art, so sehen wir, dass sich beide auch diesbezüglich 
decken. Fuchs erwähnt zwar nicht die Anzahl der Rippen ; ich habe 
dieselbe seiner Zeichnung entnommen und ihrer 21 gefunden, welche 
Zahl genau der Rippenzahl unseres Exemplares entspricht. Auch die 
abgerundeten Rippen mit ihren Zuwachsstreifen entsprechen der 
genannten Art. 



Limnocardium Dumicici n. /. 

(Taf. IX, Fig. 3, 3 a.) 

So nenne ich ein ziemlich gut erhaltenes Limnocardium, aus 
dem Formenkreise des Limnoc. Schmidti M. H., welches sich indessen 
auf den ersten Blick von der erwähnten Art unterscheidet. Lymnoc. 
Dumicici ist mehr in die Länge gezogen, hat ein geraderes Schloss, 
einen kürzeren Wirbel, eine grössere Anzahl von Längsrippen (24), 
5 Querwülste und ist hinten weniger schief abgeschnitten. Im übrigen, 
insbesondere was den grossen, eingerollten Wirbel anlangt, reiht sich 
unsere Form an das Limnoc. Schmidti. 

Die einzige rechte Klappe ist 67-5 mm lang, 49*3 mm hoch und 
etwa 26"5 mm dick. 

Da die Schale äusserst gebrechlich und verwittert ist, erscheinen 
die Rippen viel flacher als sie ursprünglich waren ; dieselben sind 
durch circa 3V2 ^^^^ weit entfernte Furchen von einander getrennt. 
Nahe beim unteren Schalenrande besitzen die Rippen deutliche Zu- 
wachsstreifen und sehen demnach quergestreift aus. 



Genus: Frosodacna Tournouer. 

An das vorherbeschriebene Limnocardium Dumicici m. schliessen 
sich noch einige merkwürdige Formen, die ihres misslichen Erhaltungs- 
zustandes wegen leider keine absolut sicheren Schlüsse zulassen, 
immerhin auf bereits bekannte Typen hinweisen, die bisher aus den 
kroatischen pontischen Ablagerungen unbekannt waren. Es sind dies 
die zwei auf Taf. IX, Fig. 1, 2 abgebildeten Steinkerne Ich hielt 
dieselben anfänglich für Psilodonten, und zwar wegen ihres stark 
gedrehten und nach vorne gerückten Wirbels u. s. w. Diese meine 
Deutung wurde auch von Herrn Prof. Sava Athanasiu, welcher 
eine grössere Anzahl von Psilodonten aus Rumänien besitzt, getheilt. 
Er war so freundlich, meine fraglichen Steinkerne mit seinen typischen 



244 Gorjanovic-Kramberger. MQ"] 

Psilodonten zu vergleichen und fand, dass unsere kroatischen Ueber- 
reste „alle sicher der Gattung Psi/odon und den Arten P.s. Heherti 
Cob., P.s, Berti Cob. und Ps. cf. Damienesis Coh. angehören." Die 
Bestätigung meiner Ansicht machte mir zwar Freude, bestimmte mich 
aber gleichzeitig zu einer eingehenderen Prüfung und Vergleichung 
unserer aus Vi^anovec und Podgradje stammenden Pteste, was um 
so leichter geschehen konnte, als mir Herr Athanasiu in liebens- 
würdigster Weise tlieils zum Vergleich, theils zum Geschenk, einige 
echte Psilodonten übersandte. 

Um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden, erwähne ich hier 
die diesbezüglichen Arbeiten von Tournouer^), Cobalcescu^) 
undStefanescu^), und möchte hauptsächlich auf die einleitenden Be- 
merkungen zur Gattung Prosodacna, welche Stefanescu auf Seite 55 
in chronologischer und kritischer Weise gibt, aufmerksam machen. Aus 
diesen generellen Bemerkungen ersehen wir, dass Cobalcescu für 
gewisse, schon von Tournouer als Prosodacna beschriebene und 
noch einige andere Arten, ein neues Subgenus Psilodon (1. cit. pag. 93) 
aufstellte, in welches aber Arten verschiedener Typen untergebracht 
wurden. Herr Stefanescu hat nun dieses Gemisch sortirt und bei 
dieser Gelegenheit unter anderen auch die Gattung Stylodacna auf- 
gestellt, welche sich von der ihr sonst sehr ähnlichen Prosodacna 
durch ein abweichend gebautes Schloss u. s. w. unterscheidet. 

Bei Berücksichtigung nun aller dieser Umstände und insbe- 
sondere auch einer brieflichen Notiz des Herrn S. Stefanescu, 
wonach die Gattung Prosodacna hinten etwas klaffende Schalen hat 
(„Tout les Prosodacna sont tres peu beautes ä la partie posterieur"), 
kann ich in Betreff unserer fraglichen Stücke Folgendes sagen: 

1. Der als Psilodon Heberti Cohalc. (Fig. 1) angesprochene Stein- 
kern erinnert zwar sehr an Psilodon, respective an Stylodacna Heherti 
Coh. (nach Stefanescu, 1. cit. pag. 65), muss indessen von dieser 
Form getrennt werden, weil unsere Exemplare hinten etwas klaifende 
Schalen besitzen, ein Merkmal, welches typischen Psilodonten ab- 
geht. Demnach ist unser Petrefact in die Gattung Prosodacna und 
in die Nähe der Art Prosodacna orientalis Sahha zu versetzen. 

2. Der als Psilodon Berti Coh. bezeichnete Steinkern ist aller- 
dings durch seine wenigen kräftigen Rippen dieser Art ähnlich (insbe- 
sondere 1. cit. Taf. HI, Fig. 3 h und 3 c und Taf. IV, Fig. 7 h), muss 
indessen aus denselben Gründen wie die vorige in die Gattung Pro- 
sodacna, und mit Rücksicht auf seine unbedeutende Länge als eine 
neue Art bezeichnet werden. 

3. Psilodon cf. Daniienensis Coh. aus Podgradje ist, wie wir schon 
bemerkten, ein Limnocardium. 



^) Description d'iin nouvean gonre de Cardiidae fossiles des „Couches a 
Congeries" de TEurope Orientale. — Journal de Conchyliologie 1882, pag. 58. 

'^) Stiidii geologice si paleontologice asiipra unor terämuri tertiäre 

Bucnresci 1883, pag. 93. 

^) „ifitudes sur les Terrains tert. de la Roumanie ..." (M^moires de la 
Societe geologique de France 1896, pag. 55. 



[11 1 I>ie Fauna der ()l)eri)ontiscLen Bildiiiigeu von Podgradje und Vj/.auovef. 24f) 

Prosodacna Athanasmi n. f. 
(Taf. IX, Fig. 1, 1 «.) 

Erinnert sehr an Fros. onentall^ Sahba (S t ef an e s c u, pag. 60, 
Taf. V, Fig. 10), nnd zwar bezüglich der Gestalt der Schale und der 
Anzahl der Rippen. Noch grösser ist die Aehnlichkeit mit Sti/Iotloctia 
Heherti Sah. (Stefan es cu, pag. 65, Taf. V, Fig. 8, 9), so dass man 
eigentlich sagen könnte, unsere neue Art hat die Form und Grösse 
von Sti/lod. Heherti und die Ripi)enzahl der Prosod. orient<dis. 

Unserer Abbildung brauche ich nur noch hinzufügen, dass diese 
Art 24 Rippen besitzt, und das der hintere Theil theilweise unberippt 
war. Dortselbst beobachtet man beim unteren Rande zarte, nach 
aufwcärts gebogene Zuwachsstreifen, die mit dem gewesenen Schaleu- 
ausschnitt parallel verlaufen und uns so das Klaffen der Schalen 
beweisen. 

Im Ganzen besitze ich blos zwei Steinkerne dieser Art, welche 
aus dem gelben, eisenschüssigen Sande von Vizanovec herrühren. — 
Die Dimensionen des besser erhaltenen und abgebildeten Exem- 
plares sind : 

Länge 555 imn, Höhe 5o'0 min, Dicke 30*0 mm. 



Prosodacna infiata n. f. 

(Taf. IX, Fig. 2, 2 «.) 
Der Kern dieser Art rührt von einer auffallend gestalteten, 
hinten etwas klaffenden Form her, welche bezüglich ihrer wenigen, 
jedoch kräftigen, scharfen Rippen an die Art Prosod. Stefmiescui Tourn. 
erinnert. Sie unterscheidet sich indessen von dieser Art durch ihren 
kurzen Hintertheil, die aufgeblasene Schale und die etwas grössere 
Anzahl der Rippen (10). Diese letzteren waren scharf und in ihrer 
Längserstreckung durch stärkere Zuwachsstreifen 3—4 mal etwas ge- 
knickt, so dass die Rippen keinen glatten, sondern einen gebrochenen 
Bogen bildeten. — Die Dimensionen sind: 

Länge 34-6 mtn, Höhe 346 mm, Dicke circa 20 min. 



Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanst., 18'J9, 49. Bd., 2. Htt. (Gorjanovic-Kramberger.) 32 



246 Gorjauovic-Kramberger. [12] 



Erklärung: zu Tafel IX. 

Fig. 1, In. Prosodacna Athanasiui n. f. — Natürliche Grösse. — Vizauovec. 

Fig. 2, 2 a. Prosodacna inflata n. f. — Natürliche Grösse. — Vizanovec. 

Fig. 3, 3 a. Limnocardium Dtimici'ci n. f. — Natürliche Grösse. — Vizanovec. 

Fig. 4. Limnocardium Vngici n. f. — Natürliche Grösse. — Podgradje. 

Fig. 5. Concjeria sp. — Natürliche Grösse. — Podgradje. 

Fig. 6. Congeria cf. simnlaus Brns. — Natürliche Grösse. — Podgradje. 

Fig. 7. Congeria cf. pernacformis Andma. — Natürliche Grösse. — Podgradje. 



Sämmtliche Originalien befinden sich im geologisch - palaeontologischen 
Nationalnmseum zu Agram. 



Ueber Eruptivgesteine aus dem Salz- 
kammergut. 

Von C. V. Jolin. 

Die in Folgendem beschriebenen Eruptivgesteine sind fast alle 
von Herrn Vicedirector, Oberbergrath Dr. E. v. Moj siso vi es, bei 
Gelegenheit der geologischen Aufnahmen im Salzkammergut gesammelt 
worden. 

Derselbe übergab diese Gesteine schon vor Jahren dem leider 
so früh verstorbenen Baron H. v. Foullon, welcher dieselben auch 
theilweise untersuchte, infolge seiner zahlreichen Reisen und seiner 
Berufsgeschäfte jedoch nicht dazu kam, seine Untersuchungen ab- 
zuschliessen. 

Nach dem Tode Baron Foullon's übernahm ich auf Auftbrderung 
des Herrn v. Moj siso vi es die Bearbeitung der von letzterem ge- 
sammelten Eruptivgesteine des Salzkammergutes. 

Unter den von Herrn B. Foullon hinterlassenen Schriften fand 
sich auch ein Zettel, auf welchem die mit Nummern bezeichneten 
Gesteine aufgeführt und ihre Bestimmung gegeben wurde. Es fand 
,sich jedoch nirgends eine Ucähere Beschreibung eines Gesteines oder 
gesteinsbildenden Minerals oder eine chemische Analyse derselben. 
Es musste daher von mir wieder eine Untersuchung, sowohl in 
mineralogischer als in chemischer Beziehung, stattfinden, so dass die 
von Foullon gewiss gemachten Vorarbeiten für mich verloren waren. 
Die von Foullon gegebenen Gesteinsbestimniungen stimmen fast in 
allen Fallen mit den meinigen überein, nur in einzelnen wenigen 
Fällen nicht. Dies erklärt sich dadurch, dass viele Gesteine eine 
Mittelstellung zwischen zwei Typen einnehmen und daher sowohl zu 
dem einen als dem andern Typus gezählt werden können. Anderer- 
seits sind die meisten der vorliegenden Gesteine stark zersetzt, so 
dass in vielen Fällen nicht mehr unzweifelhaft der ursprüngliche 
Mineralbestand festgestellt werden konnte. 

Viele der von E. v. Mojsisovics gesammelten Gesteine sind 
schon früher bekannt gewesen und haben schon ihre Beschreibung 
gefunden. Ich gebe deshalb hier zuerst eine kurze Zusammenstellung 
der schon aus dem Salzkammergut bekannten Gesteine und füge an 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaiistalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (C. v. John.) 32* 



248 C. V. John. [2] 

dieselbe die Beschreibung der einzelnen Gesteinsvorkommen, die bis 
jetzt noch nicht bekannt waren. 

Die eingehendste und vollständigste Zusammenstellung der Vor- 
kommen von Eruptivgesteinen aus dem Salzkammergut findet man in 
Dr. G. Tschermak's Arbeit „Die Porphyrgesteine Oesterreichs aus 
der mittleren geologischen Epoche Wien 1869". In dieser Arbeit ist 
die gesammte ältere Literatur berücksichtigt und kann also dieselbe 
hier übergangen werden. Auf Seite 165 und folgenden unter der Auf- 
schrift: „Nördliche Kalkzone" finden sich alle bis dahin bekannten 
und die von Dr. G. Tschermak selbst untersuchten Gesteins- 
vorkommen aufgezählt und beschrieben, sowie die gesammten, bis 
dahin erschienenen Arbeiten über die Eruptivgesteine dieses Ge- 
bietes zusammengestellt. Hier seien die wichtigsten Vorkommen er- 
wähnt und kurz eine Charakteristik der einzelnen Gesteine gegeben. 

Besonders zu erwähnen wäre das Gestein von „Fitz am Berg" 
vom Südufer des Wolfgangsees, welches als typischer Gabbro anzu- 
sehen ist und aus einem grobkörnigen Gemenge von Labradorit mit 
Diallag besteht. Ein solcher Gabbro befindet sich auch unter den 
von E. V. Mojsisovics gesammelten Gesteinen von Fitz am Berge. 
Andere Gesteine von dieser Localität, die mir vorliegen, lassen sich 
durchaus nicht als Gabbro ansehen, sondern müssen als Porphyrite 
bezeichnet werden. Von denselben wird später die Bede sein. 

Es wären dann noch zu erwähnen die von Tschermak als Gabbro 
bezeichneten Gesteine von Schöffau bei Golling, vom Arikogel bei 
St. Agatha, vom Kroissengraben und vom Calvarienberg bei Ischl und 
das Gestein vom Sillberge bei Berchtesgaden. Alle diese Gesteine 
sind stark zersetzt und sind entweder ursprünglich Gabbro oder 
Diabase gewesen. 

Die Gesteine vom Sillberg und von St. Agatha, sowie das von 
Schöffau wurden von Gümbel als „Sillit" bezeichnet, ein Name, der 
wohl, da die so genannten Gesteine zersetzte Gabbro oder Diabase 
sind, kaum aufrecht zu halten ist. 

Melaphyre führt Tschermak aus dem Salzkammcrgut noch 
keine an. Dagegen sind solche später beschrieben worden von Hall- 
statt, und zwar von v. Hauer „Melaphyr vom Hallstätter Salzberge", 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1879, pag. 252, und v. John „Ueber 
Melaphyr von Hallstatt und einige Analysen von Mitterberger Schiefer", 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1884, pag. 76. Dieser Melaphyr ist sehr 
stark mit Kochsalz und Gyps durchsetzt und ist das ursprüngliche 
Vorhandensein von Olivin nicht mehr mit Sicherheit nachzuweisen, 
so dass man es vielleicht auch mit einem Diabasporphyrit zu 
thun hat. 

Zu erwälinen wären noch die sogenannten „grünen Schiefer" von 
Mitterberg, die eine eingehende Beschreibung von A. v. Groddeck 
„Zur Kenntnis der grünen Gesteine (grüne Schiefer) von Mitterberg 
im Saizburgischen", Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1883, pag. 397 ge- 
funden haben und von denen auch Analysen zu finden sind in dem 
Aufsatze: C. v. John, „Ueber Melaphyr von Hallstatt und einige 
Analysen von Mitterberger Schiefer", Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
1884, pag. 76. 



[3] Ueber Eruptivgesteine aus dem Salzkammergut. 249 

Es ist zweifelhaft, ob diese Gesteine eruptiven Ursprungs sind. 
A. V. Groddec'k spricht sich entschieden gegen die eruptive Natur 
derselben aus. Andererseits scheinen mir doch viele Gründe dafür zu 
sprechen, dass diese sogenannten Schiefer doch nur stark zersetzte 
Umwandlungsproducte eruptiver Gesteine sind, deshalb wurden die- 
selben auch hier angeführt. 

Ich gehe nun zur Beschreibung der einzelnen Vorkommen über, 
die bisher meines Wissens noch nicht bekannt waren. 



Quarzdiorit (Toiialit) vom PöUagrabeii bei St. Gilgen. 

Dieses Gestein sieht makroskopisch wie ein Granit oder in 
manchen Varietäten wie ein Gneissgranit aus. Es ist rein körnig und 
lassen sich die einzelnen Mineralbestandtheile schon mit dem freien 
Auge erkennen. Der Hauptgemengtheil ist ein weisser, gestreifter 
Feldspath, der oft bis zu einem Centimeter grosse Säulchen bildet. 
Ausserdem ist noch fast schwarze Hornblende, meist in Form rissiger 
Säulchen vorhanden, sowie Biotit in einzelnen Blättchen. Die Horn- 
blende und der Biotit sind entweder regellos in dem Gestein ver- 
theilt oder sind sie auch im ganzen grossen mehr nach einer Richtung 
angeordnet oder umgeben flaserig die einzelnen grösseren Feldspath- 
säulchen. Im ersteren Falle sieht das Gestein, wie schon erwähnt, 
granitisch aus, in letzterem Falle nähert es sich durch Uebergänge 
verbunden, in seinem Aeusseren mehr einem Gneissgranit, obschon 
es nie eine halbwegs typische Gneissstructur zeigt. 

Quarz ist schon mit freiem Auge in dem Gesteinsgemenge er- 
kennbar, tritt aber doch an Menge den übrigen Bestandtheilen gegen- 
über zurück. 

Im Dünnschliffe sieht man unter dem Mikroskop dementsprechend 
als Hauptbestandtiieil Feldspath. Derselbe erscheint ziemlich frisch 
und ist zum weitaus überwiegenden Theile Plagioklas, nur einzelne 
Körner sind Orthoklas. Das ganze Bild des Gesteins sowohl makro- 
skopisch als auch in Schliff" nähert sich dem eines Tonalites, nur ist 
der Quarzgehalt, wie auch die später gegebene Analyse zeigt, ein zu 
geringer. Ueber die Ausbildung der Hornblende und des Biotites ist 
nichts besonderes zu erwähnen. Es ist dieselbe, wie sie granitische 
Gesteine zu zeigen pflegen. Die Hornblende erscheint im Schliff mit 
schöner grüner Farbe und ist ziemlich stark pleochroitisch. Der Biotit 
bildet theils die bekannten, fein gestreiften, lichtbraunen, stark pleo- 
chroitischen Durchschnitte, theils unregelmässige braune Lappen. 
Hornblende und Biotit sind sehr häufig unregelmässig miteinander 
verwachsen. Quarz tritt in verhältnismässig geringer Menge auf und 
bildet gleichmässig im Gestein vertheilte einzelne Körner. 

Accessorisch findet sich noch titanhältiges Magneteisen, das oft 
eine Umsetzung in sogenannten Leukoxen zeigt und Apatit in ziemlich 
grossen Nadeln, 

Von dem Gestein wurde eine chemische Analyse ausgeführt, 
die folgende Resultate ergab: 



250 C. V. John. [4] 

Percent 

Kieselsäure 58-20 

Titansäui-e 021 

Thonerde 19 20 

Eisenoxyd 2-01 

Eisenoxydul 4-42 

Kalk 5-üO 

Magnesia 3-25 

Kali 1-81 

Natron 4-5n 

Ihospliürsiiuic 033 

Ciliihverlust 1-28 

""iöo^m" 



Diese Analyse stimmt sehr gut überein mit der anderer Quarz- 
diorite. Der verhältnismässig niedrige Kieselsäuregehalt erklärt sich 
durch die geringe Menge des vorhandenen Quarzes. Auch mit der 
Analyse des ersten Tonalites stimmt die vorliegende Analyse gut 
überein, wenn man sich den Kieselsäuregehalt des Tonalites durch 
geringeren Quarzgehalt des Gesteines herabgedrückt denkt. Zum 
Vergleiche sei hier die Analyse des typischen Tonalites vom Avio- 
See von G. v. Rath, Zeitsciir. d. Deutsch, geol. Gesellsch. XVI, 
18G4, pag. 57, L-egeben: 

Tonalit vom Avio-See 
P e r c e n t 

Kieselsäure 60 91 

Thonerde 15-20 

Eisenoxydul 045 

Kalk 3 73 

Magnesia 235 

Kali 0-86 

Natron 3-33 

Wasser 0^6 

98-99 

Um eine genauere Kenntnis des Gesteines zu erlangen, wurde 
der Hauptfeldsi)ath des Gesteines mittelst einer Kalium-Quecksilber- 
jodidlösuiig isolirt. Hiebei wurde zuerst Hornblende, Biotit, Ai)atit 
und P'.rz entfernt und dann bei dem specifischen Gewicht von etwa 2-67 
bis 208 der Lösung die Hauptmasse des Feldspathes gewonnen, 
während Quarz und Orthoklas, sowie zersetzte Feldspäthe noch auf 
der Lösung schwammen. 



15] lieber Eruptivgesteine aus dem SalzUainmergut. 251 

Der ausgeschiedene Feldspath hat folgende chemische Zusammen- 
setzung : 

Per ce ii t 

Kieselsäure 58 1)7 

Thonerde 25 21 

Eisenoxyd 0*65 

Kalk 6-82 

Magnesia^ 0-21 

Kali. 0-71 

Natron G-()2 

Glühverlust O'öO 

Es nähert sich also der vorliegende Feldspath ziemlich der 
typischen Andesinzusammensetzung und stimmt auch gut überein niit 
den Feldspäthen, die aus Tonaliten isolirt wurden. So fand G. v. Rath 
in dem Tonalit von Val San Valentino den triklinen Feldspath 
folgendermassen zusammengesetzt : 

Feldspath aus dem Tonalit 

von Val San Valentino 

Pe r cent 

Kieselsäure 58*15 

Thonerde 26-55 

Kalk 8-66 

Magnesia 0-06 

Natron (mit etwas Kali) . . 6-28 

Glühverlust OSO 

^100-00 

Das vorliegende Gestein aus dem Pöllagraben führt also als 
Hauptfeldspath A n d e s i n und nähert sich also , wenn man von 
dem geringen Quarzgehalt absieht, in jeder Weise dem typischen 
Tonalite. 

Es hat den granitischen Habitus des Tonalites, führt ziemlich 
viel Hornblende neben Biotit, enthält neben etwas Orthoklas denselben 
triklinen Feldspath, nämlich Andesin, und hat, vom Kieselsäuregehalt 
abgesehen, eine dem Tonalit sehr ähnliche chemische Zusammen- 
setzung. 

Das Gestein vom Pöllagraben bei St. Gilgen ist also als ein 
quarzarmer Quarzdiorit, resp. quarzarmer Tonalit zu bezeichnen. 
Nach den Mittheilungen des Herrn E. v. Moj siso vi es bildet dieses 
Gestein hausgrosse Blöcke, welche mitten aus einer von Gosaukreide 
gebildeten Umgebung aufragen. 



252 C. V. John. [6] 

Gabbro aus dem Salzkamniergut. 

Hier wären mehrere Gesteine einzureihen, die bis jetzt nicht 
bekannt gewesen sind. Alle diese Gesteine stimmen in ihrer petro- 
graphischen Ausbildung überein und sind alle ähnlich den schon 
früher erwähnten Gabbro von Fitz am Berge und vom Calvarienberg 
bei Ischl, so dass eigentlich nur auf die Beschreibung dieser Gesteine 
von Dr. G. Tschermak, „Die Porphyrgesteine Oesterreichs", hin- 
zuweisen ist. 

Hier sei nur kurz ihre mineralogische Zusammensetzung an- 
gegeben. Es sind alle grobkörnige Gemenge von Feldspath mit einem 
diallagartigen Augit, wozu sich noch in geringerer Menge titanhältiges 
Magneteisen und Apatit gesellt. In den meisten Gesteinen ist der 
Feldspath schon ziemlich zersetzt, während der diallagartige, im 
Schliff lichtrotlibraun erscheinende Augit noch ziemlich frisch ist. 

Von Localitäten, von denen Herr Dr. E. v. Mojsisovics 
Gabbrogesteine gesammelt hat, wären ausser den schon erwähnten 
(Fitz am Berge, Calvarienberg bei Ischl) noch Gesteine anzuführen, 
die aus den Werfener Schichten (Haselgebirge) stammen, und zwar 
die von Steinberg am Ischler Salzberg und solche, die als Geschiebe 
am rechten Traunufer zwischen Weissenbach und Kesselbach, sowie 
auch gegenüber von Kesselbach gefunden wurden. Die Gesteine von 
Fitz am Berge stammen aus Gosauschichten. Das Gestein vom Stein- 
berg am Ischler Salzberg wurde einer chemischen Untersuchung unter- 
zogen und hiebei folgende Resultate gefunden, die ich hier zugleich 
mit der von Dr. G. Tschermak gegebenen Analyse des Gabbro 
von Fitz am Berge gebe : 

Gabbro vom Gabbro von 

Steinberg PMtz am Berge 

(O. V. John) (F. Paul) 

P c r c e n t 

Kieselsäure 45-75 49-73 

Titansäure 1-68 — 

Thonerde 15-85 1737 

Eisenoxyd 7-40 560 

Eisenoxydul 5-82 3-53 

Manganoxydul .... 0*31 — 

Kalk 7-20 8-14 

Magnesia 6-90 7-75 

Kali 1-33 0-84 

Natron 344 300 

Phosphorsäure .... 0-55 — 

Schwefel 0-18 — 

Glühverlust 3-20 2-20 

99-61 98-16 



[7] Ueber Eruptivgesteine aus dem Salzkammergut. 253 

Beide Analysen stimmen ziemlich gut überein. Sie wurden 
beide an ziemlich zersetzten Gesteinen vorgenommen, wie die hohen 
Glühverluste zeigen. Das Gestein von Steinberg enthält, wie man 
schon äusserlich deutlich sieht, Schwefelkies, was bei dem von Fitz 
am Berge nicht der Fall ist. Jedenfalls ist die Zersetzung bei dem 
Gestein vom Steinberg noch weiter vorgeschritten, wofür auch der 
noch höhere Glühverlust stimmt. Ich versuchte es, sowohl durch 
mechanisches Ausklauben als mit Hilfe der T o u 1 e t'schen Lösung 
eine Isolirung des Feldspathes behufs chemischer Analyse desselben 
durchzuführen, was mir jedoch nicht gelang. Man kann aber aus der 
Analyse schon mit Sicherheit deduciren, was schon Dr. G. Tschermak 
bei der Beschreibung des Gabbro von Fitz am Berge that, dass 
der Feldspath dieser Gesteine in die Labrad ori treib e zu stellen 
sein wird. 



Diabase. 

Gesteine, die direct als Diabase bezeichnet wurden, sind bis 
jetzt aus dem Salzkammergut nicht bekannt gewesen, wenn auch 
manche Vorkommen, wie das von Schöffau, das von Gümbel als Sillit 
bezeichnet wurde und das T s c h e r m a k als zersetzten Gabbro be- 
zeichnet, theilweise hierher zu rechnen sein dürften. Die mir vor- 
liegenden Stücke von Schöft'au, die von Herrn Dr. A. Bittner ge- 
sammelt wurden, stimmen nämlich sehr gut überein mit den zersetzten 
Diabasen anderer Localitäten des Salzkammergutes. Vielleicht, sogar 
wahrscheinlich, kommen Gesteine in Schöffau vor, die sich mehr 
einem Gabbro und solche, die sich mehr einem Diabas nähern. Bei 
der ziemlich starken Zersetzung der Gesteine lässt sich der Unter- 
schied, der doch vornehmlich im Augit liegt, meist nicht feststellen. 
Von Fitz am Berge liegen z. B. typische Gabbro mit Diallag und 
ebenso typische Diabase vor. 

Die Diabase sind alle gleichartig ausgebildet, so dass ich die- 
selben hier zusammen behandeln kann. Sie stammen entweder aus 
Werfener Schichten (Haselgebirge\ wie der Diabas von Pfenningbach, 
oder aus Gosauschichten, wie der Diabas von Fitz am Berge ; ausser- 
dem wurden Diabase als Findling im Thalboden von Freinwald bei 
Mürzsteg in Steiermark gefunden. 

Die Diabase sind alle rein körnige Gemenge von Plagioklas mit 
einem gewöhnlichen monoklinen Augit, wozu sich noch etwas titan- 
hältiges Magneteisen und Apatit gesellten. Sie sind im allgemeinen 
viel feinkörniger als die Gabbros und unterscheiden sich dadurch 
schon äusserlich von denselben. In vielen zersetzten Diabasen ist 
Chlorit oder Epidot, die sich aus Augit gebildet haben, sowie Calcit 
oder auch Schwefelldes nachweisbar. 

Im Dünnschliff bildet der Plagioklas theils unregelmässig be- 
grenzte Partien, theils ist er in schönen Säulchen entwickelt. Er ist 
häufig durch beginnende Zersetzung stark getrübt, zeigt aber meist 
noch ziemlich deutlich seine polysynthetische Zwillingszusammensetzung. 

Nach der chemischen Analyse eines typischen Diabases (von 
Fitz am Berge) zu schliessen, ist der Feldspath jedenfalls ein Labra- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Keichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. lieft. (C. v. John.) 33 



254 C. V. John. [g] 

dorit. Der Augit unterscheidet sich wesentlich vou dem der Gabbros. 
Er erscheint im Schliff meist in Form von Körnern von lichtbrauner 
Farbe und zeigt die Ausbilduug der gewöhnlichen monoklinen Augite. 
Bei der Zersetzung der Gesteine erfolgt meist eine chloritische Zer- 
setzung der Augite, oft ist auch eine Umsetzung der Augite in Epidot 
nachweisbar. 

Ausser diesen beiden Hauptbestandtheilen sieht man im Schliff 
noch titanhältiges Magneteisen, das oft leukoxenartig zersetzt erscheint, 
und einzelne meist ziemlich grosse Nadeln von Apatit. 

Bei zersetzten Gesteinen ist entweder Chlorit oder Epidot, dann 
oft auch Calcit und Schwefelkies im Dünnschliff nachweisbar. Von 
einem der frischesten Diabase, nämlich dem vom „Fitz am Berge", 
wurde eine chemische Analyse durchgeführt, die folgende Resultate 
ergab : 

P e r c en t 

Kieselsäure . 48-87 

Titansäure 0-82 

Thonerde 1624 

Eisenoxyd 5-30 

Eisenoxydul 5-21 

Kalk 8-92 

Magnesia 765 

Kali 0-96 

Natron 303 

Phosphorsäure 0"31 

Glühverlust 220 

99-51 

Die Analyse stimmt mit der des Gabbros von Fitz am Berge 
fast vollständig überein, was auch durchaus nicht überraschend ist, 
da die chemische Zusammensetzung des diallagartigen und des ge- 
wöhnlichen monoklinen Augites wohl nur unwesentlich differiren wird 
und die anderen Bestandtheile dieselben sind. Es hat sich jedenfalls 
dasselbe Magma einerseits grobkörniger mit diallagartigem Augit als 
Gabbros und andererseits feiner körnig mit gewöhnlichem Augit als 
Diabas entwickelt. Dieser Fall dürfte auch bei dem Vorkommen von 
Schöffau eingetreten sein. 



Diabasporphyrite (Melaphyre). 

Ausser der schon bekannten Vorkommen vom Salzberg bei 
Hallstatt, auf das schon in der Einleitung hingewiesen wurde, sind 
durch die Herren E. v. Mojsisovics, A. Böhm und G. Geyer 
noch verschiedene andere Gesteine theils anstehend, theils auch nur 
als Geschiebe gefunden worden. 

Es wäre zu erwähnen die anstehend im Niveau des Werfener 
Schiefers gefundenen Gesteine von Sulzenhals, vom „Gassner" am 



[9] Ueber Eruptivgesteine aus dem Salzkammergut. 255 

Jainzen bei Ischl und vom Grundner Wald bei Windischgarsten, dann 
die nur als Geschiebe gefundenen Gesteine vom Delta des Mühlbaches 
in Hallstatt und aus der Lämmer unterhalb Rigaussag bei Abtenau. 
Alle diese Gesteine sind stark zersetzt und oft, besonders das Gestein 
von Hallstatt, mit Gyps oder selbst Steinsalz durchzogen. Soweit die 
Zersetzung der Gesteine es erlaubt, lässt sich bei den meisten Ge- 
steinen feststellen, dass dieselben aus Feldspath und Augit, welcher 
meist vollkommen chloritisch zersetzt erscheint, bestehen, zwischen 
welchen sich eine mit Erz durchsetzte, nicht mehr näher zu bestim- 
mende Grundmasse befindet. Bei vielen Gesteinen kommen in grüne 
faserige Partien zersetzte Krystalldurchschnitte vor, die mit Eisen- 
oxyduloxyd aderförmig durchsetzt sind und daher an zersetzte Olivine 
erinnern. In keinem Falle ist es jedoch sicher festzustellen, dass 
Olivine ursprünglich vorhanden waren, weshalb auch die Bestimmung, 
ob man es mit zersetzten Diabasporphyriten oder Melaphyren zu 
thun hat, nicht mehr mit Sicherheit durchzuführen ist. 

Bei dem schlechten Erhaltungszustande dieser Gesteine, die 
immer Glühverluste von 6 — 12 Procent zeigen, wurde von einer 
chemischen Analyse abgesehen und nur an dem Gestein aus dem 
Delta des Mühlbaches bei Hallstatt eine Kieselsäurebestimmung vor- 
genommen, die 46-20 Procent Kieselsäure (bei einem Glühverlust 
von 6*06 Procent) ergab. Nach der seinerseits von mir an dem Ge- 
stein vom Hallstätter Salzberg vorgenommenen chemischen Unter- 
suchung lässt sich schliessen, dass man es mit ziemlich basischen 
Gesteinen der Diabasporphyritgruppe zu thun hat. 



Glaukophanartige Hornblende führende Gesteine. 

Solche Gesteine liegen nur aus der Gegend der Auermahd 
am Grundelsee vor. Und zwar ein Gestein von Auermahd 
selbst, welches als Diabas, und dann eines östlich vom A u e r- 
mahdsattel, welches am besten als Diabasporphyrit bezeichnet 
werden kann. Dieselben sind ganz gleich den bis jetzt beschriebenen 
Diabasen und Diabasporphyriten, nur führen sie blaue, glaukophan- 
ähnliche Hornblende. Die Feldspäthe sind meist noch sehr deutlich 
als Plagioklase zu erkennen, dagegen sind die Augite im Gegensatz 
zu den bisher beschriebenen Gesteinen meist vollständig zersetzt und 
in Epidot umgewandelt, der überhaupt das ganze Gestein durch- 
schwärmt und sowohl in Körnern, als auch in Säulchen ausgebildet 
erscheint. Es hat sich jedenfalls aus dem Augit und auch aus dem 
Feldspath gebildet; auch die später zu beschreibende Hornblende 
scheint bei ihrer Zersetzung in Epidot überzugehen. Ausser den ge- 
nannten Bestandtheilen kommt noch verhältnismässig viel titanhaltiges 
Magneteisen, sowie etwas Apatit vor. Das Gestein von Auermahd ist 
rein körnig, jedoch ziemlich feinkörnig, das östlich von Auermahd- 
sattel mehr porphyrisch entwickelt. Die Grundmasse ist jedoch bei 
der schon ziemlich weit vorgeschrittenen Zersetzung nicht mehr näher 
untersuchbar, jedenfalls kann man das erstere Gestein als Diabas, 
das letztere als Diabasporphyrit bezeichnen. 



256 C. V. John. [10] 

In ziemlicher Menge enthalten nun beide Gesteine eine blaue, 
rissige, schlecht umgrenzte Hornblende, die auf den ersten Blick im 
Schliff sofort an Glaukophan erinnert. Diese Hornblende ist in dem 
Diabas von Auermahd viel deutlicher und besser entwickelt als in 
dem Diabasporphyrit vom Auermahdsattel. In letzterem Gestein er- 
scheint sie in kleinen, rissigen Säulchen von blauer Farbe, mit deut- 
lichem Pleochroismus zu violett und violettbraun. Besser ist sie in 
dem Gestein von Auermahd entwickelt, wo sie in Form terminal 
schlecht begrenzter, grösserer Durchschnitte mit parallelen Spaltungs- 
streifen erscheint. Dieselbe erscheint im gewöhnlichen Licht blau 
mit einem Stich ins Grüne und zeigt, soweit man bei den schlecht 
begrenzten Längsschnitten und in einzelnen Querschnitten beurtheilen 
kann, deutlichen Pleochroismus, und zwar: c) blau, b) mehr violettblau 
und a) braunviolett. 

In Längsschnitten konnte die Auslöschung wegen der parallelen 
Streifung ziemlich gut bestimmt werden. Sie beträgt je nach der Art 
des Schnittes von Grad bis 20 Grad. Dies würde auf Glaukophan 
nicht stimmen, da derselbe bekanntlich blos Auslöschungsschiefen bis 
zu 6 Grad zeigt. Eine Isolirung dieser blauen Hornblende ist mir 
nicht gelungen, auch einen einzelnen Hornblendekrystall zu gewinnen, 
um genauere optische Bestimmungen machen zu können, war mir 
nicht möglich. 

Eine Analyse des Diabasporphyrites vom Auermahdsattel ergab 
folgende Resultate: 

Procent 

Kieselsäure 47*20 

Titansäure 1'80 

Thonerde 1660 

Eisenoxyd 7-80 

Eisenoxydul 640 

Kalk 7-20 

Magnesia 5*69 

Kali 0-55 

Natron 4*74 

Schwefel 0*09 

Phosphorsäure 0-18 

Glühverlust 1*29 



99-54 



Aus dieser Analyse, die so ziemlich mit den bis jetzt gegebenen 
Analysen der Diabase und Diabasporphyrite stimmt, sieht man, dass 
der Natrongehalt etwas höher ist, so dass immerhin auch chemisch 
eine dem Glaukophan ähnliche Hornblende in diesen Gesteinen ent- 
halten sein dürfte. 



[11] lieber Eruptivgesteine aus dem Salzkammergut. 25*^ 



Wehrlit (Diallagperidotit) von der Traunterrasse bei 
Gmunden. 

Dieses Gestein stellt ein grobkörniges Gemenge von Olivin mit 
Diallag dar, zu dem sich noch in geringerer Menge Picotit gesellt. 

Das Gestein zeichnet sich durch seine verhältnismässige Frische 
aus. Der Olivin ist in grossen Körnern entwickelt und zeigt an seinen 
Sprüngen die bekannte serpentinische Zersetzung. Der Augit ist in 
Form von Diallag entwickelt und ist die parallele Streifung, die 
ausserordentlich deutlich ist, oft durch Druck gebogen. 

Der Picotit erscheint im Dünnschlilf in Körnern, aber auch in 
unregelmässigen Partien von gelbbrauer Farbe. Eine Probe auf Chrom 
in dem Gestein ergab einen Gehalt von 0-54 Procent Chromoxyd. 

Das Gestein ist also ein typischer Wehrlit. 

Da Gesteine von ähnlichem Habitus aus den Alpen nicht bekannt 
sind und das Gestein auf secundärer Lagerstätte sich befindet, so ist 
es höchst wahrscheinlich, dass das vorliegende Gestein zur Eiszeit 
aus dem Gebiete des böhmischen Massivs, wo sich einzelne ähnliche 
Gesteine vorfinden, hierher gebracht wurde. 

Zum Schlüsse gebe ich hier eine Zusammenstellung der nun 
aus dem Salzkammergut bekannten Eruptivgesteine: 

Quarzdiorit (Tonali t): 
Pöllagraben bei St. Gilgen. 

Diabase : 

Fitz am Berge, Wolfgangsee. 

Schöifau bei Golling. 

Pfenningbach bei Ischl. 

Auermahd, Grundelsee (mit Glaukophan-artiger Hornblende). 

Freinwald bei Mürzsteg in Steiermark (Geschiebe). 

Gabbrogesteine: 

Fitz am Berge, Wolfgangsee. 
Schöffau bei Golling. 
Arikogel bei St. Agatha, Hallstättersee. 
Calvarienberg bei Ischl. 
Kroissengraben bei Ischl. 

Sillberg bei Berchtesgaden („Sillit" v. Gümbel's). 
Steinberg am Ischler Salzberg. 

Rechtes Traunufer zwischen Weissenbach und Kesselbach 
(Geschiebe). 

Diabasporphyrite und Melaphyre: 

Hallstätter Salzberg. 

Sulzenhals, südlich vom Thorstein. 



258 C. V. John. [12] 

„Gassner" am Jainzen bei Ischl. 
Grundner Wald bei Windischgarsten. 

Auermahdsattel, Grundelsee (mit Glaukophan - artiger Horn- 
blende). 

Delta des Hallstätter Mühlbaches (Geschiebe). 

In der Lammer unterhalb Rigaussag bei Abtenau (Geschiebe). 

W e h r 1 i t (D i a 1 1 a g - P e r i d 1 i t ) : 
Traunterrasse bei Gmunden (Geschiebe), 



Ueber die geologischen Verhältnisse des 
Bergbaugebietes von Idria. 

Von Dr. Franz Kossniat. 

Mit 2 Tafeln (Nr. X— XI) und 7 Zinkotypien im Text. 

Während der geologischen Aufnahme des Kartenblattes Adels- 
berg^ — Haidenschaft befasste ich mich längere Zeit mit dem 
Studium des interessanten Baues der Umgebung von Idria und hatte 
dank dem Entgegenkommen des Herrn Bergdirectors Öermak auch 
die Gelegenheit, die geologischen Verhältnisse in der Grube eingehend 
zu beobachten und mit den an der Oberfläche wahrgenommenen Er- 
scheinungen zu vergleichen. 

Mit Vergnügen folgte ich daher der Anregung des Herrn Bergrathes 
Schmid, eine obertägige Aufnahme des Grubenterrains im Katastral- 
maßstabe (1 : 2880) durchzuführen, eine Arbeit, für die mir von Seite 
der k. k. Bergdirection die nöthigen Behelfe zur Verfügung gestellt 
wurden; auch hatte ich mich bei den meisten diesbezüglichen Be- 
gehungen der Begleitung des Herrn Bergrathes Schmid zu erfreuen. 

Durch die Herren Oberverwalter Lanzinger und Verwalter 
Tschemernigg wurde mir der häufige Besuch der verschiedenen 
Grubenpartien sehr erleichtert, und wiederholt unterzogen sich die 
beiden genannten Herren der Mühe, mich persönlich zu führen. Ferner 
danke ich meinem Freunde, Herrn Adjunkten M. Ho 11 er, welcher 
mich bei zahlreichen geologischen Touren, sowohl in der Grube, als 
auch obertags begleitete. 



I. Schichtfolge. 

Bezüglich der Schichtgesteine, aus denen die Umgebung von 
Idria aufgebaut ist, kann ich mich auf eine tabellarische Uebersicht 
beschränken, da ich bereits im Vorjahre einen Bericht darüber ver- 
öffentlichte, auf welchen ich hier verweisen darf^). 



^) Dr. Franz Kossmat: Die Triasbildungeu der Umgebung von Idria und 
Gereuth. Verhandl. d. k, k.geol. R.-A. 1898, Nr. 3, S. 92 ff. 

.Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (Fr. Kossmat.) 



260 Dr- Franz Kossmat. [2] 

Die Reihenfolge ist diese: 

1. Palaeozoische Schiefer. 

(„Gail thalers Chief er" ; „Silberschiefer" des Grubenbaues.) 
Schwarze, milde Schiefer mit sehr feinen Glimmerschüppchen. 
(Vergl. über diesen Horizont auch pag. 272 [14] dieses Berichtes.) 

2. Werfener Schichten. 

a) Untere Werfener Schichten („Seisser Schichten"): Rothe 
Sandsteine und glimmerige Schiefer mit einzelnen dolomitischen Ein- 
schaltungen. (Fossilien : Fseudomonotis Clarai^ Myacites fassaensis etc.) 

b) Mittlere und obere Werfen er Schichten: 1. Oolith- 
bänke in Schiefer, 2. Mergelkalke und Kalkschiefer („Campiler 
Schichten") mit Naticella costata^ Tyrolites cassianus etc. 

8. Dolomite und Dolomitbreccien des Muschelkalkes. 

Im unteren Theile dieser mächtigen Schichtgruppe sind auf den 
Höhen NW und NO von Idria typische, splittrige Dolomite entwickelt, 
während sich die Breccien und Conglomerate erst höher oben ein- 
stellen. Geht man aber gegen den Jelicen vrh und das Lubeucthal, 
so bemerkt man, dass die Breccienfacies immer tiefer herabreicht und 
endlich den reinen Dolomit verdrängt, so dass dort bereits unmittelbar 
über dem Werfenerschiefer die Trümmerstructur beginnt, genau so, 
wie in der Gereuther Gegend. 

4. Wengener Schichten. 

Diesem Horizonte gehören die sehr häufig durch gebänderte 
Hornsteinausscheidungen ausgezeichneten, graubraunen Mergel und 
Sandsteine mit DaoneUa Lommeli }flss?n. etc. an. Eine speciell für 
die unmittelbare Umgebung von Idria bezeichnende Einschaltung in 
den Wengener Schichten bilden die Pflanzenreichen Skonza- 
s a n d s t e i n e u n d -S c h i e f e r (==^ „ L a g e r s c h i e f e r " d e r G r u b e). 
Im heurigen Jahre konnte ich die Beobachtung machen, dass die 
Conglomerate, welche im Skonzagräben das scheinbare Hangende 
der Skonzaschichten bilden, in ununterbrochenem Schichtzusammen- 
hange mit den Dolomitbreccien (3) des Jelicen vrh stehen, mithin die 
Basis des Wengener Horizontes bilden und vollkommen analog sind 
den Conglomeraten, welche an der Ober-Laibacherstrasse, in der 
directen Fortsetzung des Zuges der Skonzaschichten im gleichnamigen 
Graben, die Grenze zwischen den Wengener Schichten und der Dolomit- 
breccie des Muschelkalkes bilden. Die Lagerung der erwähnten Conglo- 
merate ist auch für die Auffassung der Schichtfolge in der Grube von 
Wichtigkeit. 

5. (Jassianer Schichten. 

Vorwiegend dunkle, meist ausgezeichnet plattige Kalke und Kalk- 
schiefer mit zahlreichen Hornsteinschnüren und -Knollen. Von Fossilien 



[3] Ueber die geologischen Verhältnisse des Bergbaugebietes von Idria. 261 

finden sich am liäufigsten Posidonomi/a Wengensis, Encrintis cassianus, 
VoUzia Foetteiiei. Am Z a g o d ab e r g e, SO von Idria, sowie am P s e n k- 
und Plan inarücken, SW von Jdria sind die unteren Schichten 
dieser Abtheihmg in fossilleerer dolomitischer Facies entwickelt, 
während am Jelicen vrh und am Rinnwerke die Kalkfacies bereits 
unmittelbar über den Wengener Schichten beginnt. 

Die jüngsten Horizonte der Trias: Raibler Schichten und 
Hauptdolomit sind im Bergbaugebiete nicht vorhanden, treten aber 
in der weiteren Umgebung von Idria, sowohl im Westen (oberes 
Idricagebiet) als auch im Osten (Umgebung von Na Planina an der 
Ober-Laibacherstrasse) in typischer Ausbildung auf (vergl. Kossmat, 
Verh. 1898, 1. c. pag. 91, 98 und 99). 

Die Kreide kommt in Form eines ziemlich breiten Zuges aus 
dem Birnbaumerwalde in den Bereich von Idria und greift daselbst 
sowohl in das Idricathal als auch in das Nikovathal ein. Wegen der 
Seltenheit von gut erhaltenen Fossilien und der ziemlich einförmigen 
petrographischen Ausbildung ist eine genauere Gliederung dieser 
Schichtgruppe nicht durchzuführen, doch gilt auch in der Umgebung 
von Idria dieselbe Regel wie für den Birnbaumerwald, dass nämlich 
die unteren Kreideschichten in Form von dunklen, sehr bituminösen 
Kalken mit Requienien, die oberen hingegen als lichtgraue bis weisse 
Kalke mit Radioliten entwickelt sind. 

Ueber das stratigraphische Verhältnis dieser Formation zu den 
älteren Schichtgruppen gewinnt man bei Idria keinen Aufschluss, da 
liier die Grenze durch Verwerfungen gebildet ist, welche man mehr- 
fach in den Gräben aufgeschlossen sieht; doch geben Beobachtungen 
in der Nähe von Hotederschitz (SO von Idria) Grund zur Annahme, 
dass die Kreideformation in diesen Gegenden bereits transgredirend 
auf der Trias liegt, von der sie im benachbarten Ternowanerwalde 
noch durch die ganze Mächtigkeit der Jurakalke geschieden ist. 

Der von der Kreide durch eine scharfe Discordanz getrennte 
Eocänflysch erscheint in Form von schmalen, eingeklemmten Zügen 
im Rudistenkalkgebiet des Nikovathales und der Strugschlucht; hydrau- 
lischer Mergel, Sandstein und Nummulitenbreccien sind sein charak- 
teristisches Gesteinsmaterial. Jüngere Schichten sind weder im Be- 
reiche von Idria, noch überhaupt im Gebiete des Blattes Adelsberg - 
Haidenschaft vorhanden. 

Die Aenderungen, welche sich im stratigraphischen Schema 
gegenüber den Aufnahmen von Lipoid (Erläuterungen zur geologischen 
Karte der Umgebung von Idria in Krain, Jahrbuch d. k. k. geol. 
R.-A. 1874, Bd. XXIV, S. 426 ff. mit geologischer Karte 1:11.500 
und Profilen) ergeben, sind im allgemeinen nur untergeordneter Natur 
und beziehen sich mehr auf die weitere Umgebung der Stadt als auf 
das Bergwerksgebiet. Etwas grösser ist der Unterschied in Bezug auf 
die Anschauungen über Verbreitung und Lagerung der einzelnen 
Schichtglieder, doch ist es wohl überflüssig, hierauf schon an dieser 
Stelle im speciellen einzugehen. 

Jahrbuch d. k. k. geol, Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (Fr. Kossmat.) 34 



26^ I^r- Franz Kossmat. [4] 

Zur orographischen Orientierung, welche für das Verständnis 
der tektonischen Erörterungen unentbehrlich ist, habe ich nebenstehend 
eine Kartenskizze entworfen, auf welcher zugleich die Grundzüge des 
geologischen Baues eingetragen sind ; im übrigen kann ich auf 
Lipold's Arbeit verweisen, in der auf pag. 431 und 432 eine aus- 
reichende Terrainbeschreibung gegeben ist. 

Auf die Publication einer geologischen Karte der weiteren 
Umgebung von Idria, welche ich in einem Maßstabe von ca. 1:12.000 
aufgenommen habe, musste vorderhand verzichtet werden, da die 
Herstellung einer guten topographischen Grundlage mit Terrain- 
zeichnung zu viel Zeitaufwand erfordern würde und die Veröffent- 
lichung der vorliegenden Arbeit bedeutend hinausschieben müsste, 
ich begnügte mich daher mit der als Taf. X beigegebenen Darstellung 
des Bergwerkgebietes. 



II. Tektonischer Theil. 

Einen gemeinsamen Grundzug im Aufbaue der Umgebung von 
Idria bildet das Fehlen grösserer Schichtfaltungen und die auffällige 
Häufigkeit von Brüchen, welche zum Theil als normale Verwerfungen, 
zum Theil als Ueberschiebungen ausgebildet sind und die Schicht- 
reihe in sehr verwickelter Weise zerstückeln. 

Unter allen Dislocationen tritt als besonders 
wichtig eine hervor, welche aus dem oberen Kanomlja- 
thale über den Raspotsattel zum linken Idricagehänge 
zieht und sich jenseits desselben du'rchdasLubeucthal 
weit nach Osten fortsetzt. (Vergl. Lipoid 1. c. pag. 447.) 

Nördlich von dieser Ueberschiebung, welche durch das Auf- 
brechen der schwarzen palaeozoischen Schiefer ausgezeichnet ist, 
herrscht einfacher Bau und verhältnismässig ruhige Lagerung, welche 
auch eine ziemlich einfache orographische Gestaltung zur Folge hat. 

Li jenem Theile dieses Gebietes, der zwischen dem Raspotsattel, 
der Idrica und unteren Kanomlja liegt (Tebelo brdo), bestehen 
die Höhen aus dem flachliegenden, mächtigen Dolomite des Muschel- 
kalkes, unter welchem in den Erosionsthälern der Kalkschiefer der 
oberen Werfener Schichten blossgelegt ist. Auf der Ostseite des 
Idricathales senkt sich die Unterlage tiefer herab, infolge dessen sind 
über den Dolomiten (und Breccien) des Muschelkalkes an vielen 
Stellen die Wengener Schichten und Cassianerkalke in Form von 
Erosionsresten erhalten und bilden die Gipfelplatform von mehr 
oder minder ausgedehnten Waldplateaus. Hieher gehören: 

1. Der Mrutni vrh (beim Gehöfte Mocnik), dessen Kalke von 
Lipo'ld für Muschelkalk gehalten wurden, sich aber dadurch, dass 
sie randlich überall auf Wengenermergeln und -Sandsteinen auflagern, 
als Cassianer Schichten erweisen, wofür auch der petrographische 
Charakter ganz unzweideutig spricht. 



[5] Ueber die geologischen Verhältnisse des Bergbaiierphietes von Tdria. 




264 Dr. Franz Kossmat. [6] 

2. Die Höhe des Jelicen vrh (St. Magdalena), welche der 
vorigen sehr ähnlich ist und von ihr nur durch einen kleinen Sattel 
getrennt wird. 

[Die Kalke dieses Plateaus wurden bereits von Lipoid zu den 
Cassianer Schichten gerechnet.] 

3. Eine kleine Partie von fossilführenden Cassianerkalken zwischen 
den obersten Armen des Lubeucthales. 

4. Das Plateau von Lesetenza. (Von Lipoid als unterer 
Muschelkalk ausgeschieden.) 

Auf den genannten Höhen entspringen zahlreiche Seiteiigräben 
der Idrica und des Lubeucthales, welche bis auf die Doloraitbreccien 
des Muschelkalkes, zum Theile sogar bis auf die Werfener Schichten 
einschneiden und dadurch die ehemals gewiss zusammenhängende 
Decke von Cassianerkalk in isolierte Partien zerlegen. 

Ganz im Gegensatze zu dieser einfach und ruhig gelagerten 
Region zeigt sich die Trias südlich der genannten Hauptstörung 
von zahlreichen Nebenbrüchen durchsetzt, welche zum Theile sehr 
verschiedene Richtungen verfolgen und stellenweise ein förmliches 
Sprungnetz bilden. 

Im Bereiche des Wei ch en thales (zwischen dem Raspotthal 
und der Nikova), wo Muschelkalk-Dolomit und Aufbrüche von Wer- 
fenerschiefer das Gebirge aufbauen, zeigt sich eine eigenthümliche 
Convergenz der Dislocationen, indem die nördlichen von WNW nach 
OSO, die südlichen hingegen — darunter auch der Randbruch gegen 
die Kreide der Nikova — von WSW nach ONO streichen, derart, 
dass in der Nähe des Raspotsattels die schmälste Stelle der Ueber- 
schiebungszone ist; verfolgt man aber dieselbe weiter nach Osten, so 
sieht man sehr bald wieder ein Zertheilen der Bruchlinien eintreten 
und in der Umgebung des Idricaflusses, im unmittelbaren Stadtgebiete 
von Idria ein Maximum erreichen. Zunächst schiebt sich die Dolomit- 
masse des Calvarienberges (N der Nikova, W der Idrica) keil- 
artig ein, und die durch den Aufbruch der palaeozoischen Schiefer, 
sowie der W^erfener Schichten ausgezeichnete Hauptdislocation spaltet 
sich demgemäss in zwei Hauptäste, deren nördlicher fast eine OW- 
Richtung annimmt, während der andere nach SO abschwenkt und 
durch den Nordabhang des Vogelberges hindurchgeht. 

Ich habe dieses Gebiet, welches abgesehen von seiner com- 
plicirten Tektonik dadurch ein besonderes Interesse gewinnt, dass 
sich unter ihm der berühmte Quecksilberabbau bewegt, im Katastral- 
maßstabe (1 : 2880) aufgenommen und will im Folgenden bei seiner 
Besprechung länger verweilen. Die geologische Karte, welche der 
vorliegenden Arbeit beigegeben ist, wurde aus Raumrücksichten auf 
1 : 11.500 reducirt, doch genügt auch dieser Maßstab völlig, um die 
Detaile des verwickelten Gebirgsbaues wiederzugeben. 

Von geologischem Gesichtspunkte betrachtet zerfällt das in 
Rede stehende Bergbaugebiet, welches den Winkel zwischen der 
unteren Nikova und der Idrica einnimmt, in drei Theile: 



[7] Ueber die geologischen Verhältnisse des Bergbaugebiet.es von Idria. 265 

I. Cerin (mit dein sogenannten Erzberg); 
II. Vogel berg; 

III. obertriadischer Zug entlang des Rinn Werkes 
(an der Idrica), welcher sich des Flusses im Lubeucthale fortsetzt. 

Alle drei gehören orographisch zusammen und hängen 
untrennbar mit dem waldigen Kreidekalkplateau auf der Westseite 
der Strugschlucht zusammen. 

V 

a) Cerin. 

Der Abhang des Cerin gegen die Idrica besteht aus Werfener 
Schichten, welche überall dort, wo das Fallen zu beobachten ist, 
eine mehr oder minder steile Neigung bergwärts zeigen. Besonders 
schön und mächtig entwickelt sind die unteren, sandig-glimmerigen 
Werfener Schichten mit eingeschalteten Dolomitlagen, während die 
oberen nur selten und in geringer Mächtigkeit aufgeschlossen sind. 
Circa 200 ni südlich des Josephischachtes sind innerhalb des Werfener 
Complexes die im stratigraphischen Schema erwähnten Oolithe durch 
einen kleinen Steinbruch entblösst. 

Auf der Lipold'schen Karte ist in der Nähe des Josephi- 
schachtes ein kleiner Aufbruch von palaeozoischem Schiefer 
angegeben, den ich jedoch nicht mehr auffinden konnte, da Bau- 
schutt etc. in der unmittelbaren Umgebung den Untergrund verhüllt. 

Ueber^ den Werfener Schichten folgt mit gleichem, ebenfalls 
gegen die Cerinhöhe gerichteten Einfallen die typische Dolomit- 
breccie des Muschelkalkes, welche auf der Kuppe von den 
h r n s t e i n r e i c h e n W e n g e n e r t u f f e n überlagert wird, jedoch an 
mehreren Stellen aus diesen herausragt, ein Beweis, dass die auf- 
liegende Decke nur dünn ist. Cassian er kalke kommen östlich 
der Cerinhäuser in ganz kleinen blockartigen Erosionsresten über den 
hornsteinführendcn Mergeln zum Vorschein. 

Eine scharf ausgeprägte Stövungslinie, an welcher alle Schicht- 
glieder des Cerin nacheinander abschneiden, bildet die Grenze gegen 
den Vogelberg. Im Brandgraben, welcher in SO-NW-Ilichtung zur 
Nikova herabkommt und in der Nähe des Antonistollens endigt, wird 
diese Dislocation in einem ziemlich tiefen Niveau angeschnitten und 
dadurch in ziemlicher Ausdehnung der palae o zois che Schiefer 
blossgelegt, welcher die Störungslinie sehr auffallend bezeichnet. 
Sobald man höher hinauf, zum Sattel zwischen Cerin und Vogelberg 
steigt, tauchen diese Schiefer unter und kommen erst auf der jen- 
seitigen Abdachung, beim Hause Kogej, wieder zum Vorscheine. 

b) Vogelberg'. 

Der Vogelberg, welcher sich SW des Cerin erhebt und diesen 
nicht unbedeutend überragt, zeigt im Aufbaue und im Schichten- 
materiale eine derartig überraschende Aehnlichkeit mit dem erst- 
genannten Berge, dass er auf der geologischen Karte eine fast 
vollständige Wiederholung desselben darstellt, weshalb J^ipold (1. c. 
S. 450) sogar die Vermuthung aussprach, dass der Cerin nur eine 



266 Dr- Franz Kossmat. , [8] 

vom Vogelberg abgerutschte Partie darstelle, eine Ansicht, welche 
sich allerdings aus Gründen, die später zu erörtern sind, nicht be- 
stätigt. Auch am Vogelberge besteht der Sockel aus Werfener 
iSchichten, von denen auch hier die untere Abtheilung mächtig 
entwickelt ist, während die kalkigeren oberen Schichten zwar vor- 
handen, aber nur in geringerer Verbreitung und Mächtigkeit auf- 
geschlossen sind. Ueber diesen Schichten baut sich, gleichfalls 
bergwärts fallend wie die Unterlage die Dolomitb re ccie des 
Muschelkalkes auf, welche auf der Höhe des Vogelberges von 
den W engen er Schichten (Hornsteintuffe und Sandsteine mit 
Tracliyceras Idrianum Mojs., DaoneUa Lommell Wissm. etc.) überlagert 
wird. Von der Skonzafacies sind sowohl auf dem Cerin als auch auf 
dem Vogelberge nur geringe Spuren nachzuweisen, was wohl damit 
zusammenhängt, dass in den Wengener Schichten tieferreichende Ein- 
schnitte nicht vorkommen und infolge dessen nur das verwitterte Aus- 
gehende zu sehen ist, an welchem die charakteristischen Eigenthüm- 
lichkeiten der einzelnen Facies mehr oder minder verschwinden. In 
der Regel ist das Verbreitungsgebiet der Wengener Schichten durch 
eine Ueberstreuung mit den gebänderten Hornsteinen und Kiesel- 
schiefern ausgezeichnet, da natürlich diese der Verwitterung den 
grössten Widerstand entgegensetzen. 

Cassianerkalke konnte ich auf dem Vogelberge nicht auffinden. 

Die ganze Schichtfolge des Vogelberges schneidet an einer 
ungewöhnlich scharfen, auch landschaftlich sehr auffälligen Verwerfung 
gegen die Kreidekalke ab. Die Bruchlinie, welche an der Nikova 
von der Hauptdislocation des Cerin abzweigt, ist besonders schön 
aufgeschlossen in der „Grapa", in welcher auf eine sehr lange Strecke 
die Südwestseite von einer Harnischfläche gebildet wird, welche die 
Kreidekalke begrenzt und steil — 60 — 80° — ONO fällt, während 
auf der gegenüberliegenden Seite des Baches die Triasbildungen des 
Vogelberges anstehen. Eine eigenthümliche Erscheinung ist es, dass 
der Werfenerschiefer, welcher um die Basis des Vogelberges herum- 
schwenkt und die „Grapa" von unten nach oben auf eine ziemliche 
Entfernung begleitet, nicht constant entlang der Grenzverwerfung 
gegen die Kreide verläuft, sondern von derselben durch einen 
schmalen Zug von Dolomitbreccie getrennt ist. Es handelt sich hier 
um eine Parallelstörung zur südlichen Grenzdislocation, welche beson- 
ders dadurch klar zum Ausdrucke kommt, dass an einer Stelle inner- 
halb des genannten Zuges von (oberen) Werfenerschiefern ein kleiner 
Aufbruch von Silberschiefer (palaeozoischer Schiefer) zu constatiren 
war, der sich in grösserer Tiefe sicherlich zu einer ähnlichen 
Zone entwickelt, wie der palaeozoische Zug des Brandgrabens zwischen 
Öerin und Vogelberg. Man darf eben nicht vergessen, dass im unteren 
Brandgraben die Entblössung tiefer reicht als an der Südwestab- 
dachung des Vogelberges. 

c) Ober triadische Partie entlang des „Rinnwerkes". 

Sowohl der Cerin als auch der Vogelberg stossen im Osten an 
einer Dislocation scharf gegen den oberen Triaszug ab, welcher 



[9] Ueber die geologischen Verhältnisse des Bergbaugebietes von Tdria. 267 

entlang des sogenannten Rinnwerkes vom Podrotheagraben bis nahe 
zur Semlia (beim Josephischacht) reicht. 

1. Südlich des Josephischachtes sind entlang des Rinnwerkes 
typische C a s s i a n e r p 1 a 1 1 e n k a 1 k e aufgeschlossen, in denen Lipoid 
einige bezeichnende Petrefacten auffand. Diese Schichten, welche 
starken Stauchungen und Biegungen ausgesetzt waren, im allge- 
meinen aber ein gegen den Cerin gerichtetes Einfaljen zeigen, 
schneiden nacheinander die älteren Triasbildungen des Cerin, d. h. 
die Werfenerschiefer, Dolomitbreccien und Wengener Schichten ab 
und schwenken mit einer halbmondförmigen Biegung in den Cerin- 
graben hinein, an dessen oberen P]nde sie die mehrfach erwähnte 
Hauptdislocation des Vogelberges treffen. 

Auch nördlich der Idrica, an der Mündung des Skonzagrabens 
taucht mitten aus den unteren Werfener Schichten eine kleine Partie 
dieser Cassianerkalke in der unmittelbaren Fortsetzung des Haupt- 
zuges empor. 

Entlang der gekrümmten Linie, an welcher der Cerin mit dem 
Cassianerkalkzuge zusammenstösst, fand ich einen ganz schmalen 
Streifen von typischem Silberschiefer (palaeozoischer Schiefer), welcher 
besonders deutlich auf der nördlichen Seite des Ceringrabens zu 
verfolgen ist und den Wengenerschiefer der Cerinkuppe vom 
Cassianerkalke des Graben sehr scharf trennt, wodurch auch hier die 
Bruchlinie gekennzeichnet ist. 

2. Eine zweite, südliche Partie von Cassianerkalk grenzt den 
Vogelberg im Osten ab ; auch hier treten die verschiedenen Schicht- 
glieder nacheinander an den Kalk heran und auch hier ist die 
Grenzlinie, wenigstens an einer Stelle, durch das Zutagetreten der 
palaeozoischen Schiefer ausgezeichnet. Die südliche Zone der Cassianer- 
kalke ist ein wenig breiter als die nördliche, zeigt aber gleichfalls 
ein vorwiegend bergwärts (also westlich) gerichtetes Verflachen, wobei 
allerdings untergeordnete Faltungs- und Knickungserscheinungen häufig 
locale Abweichungen herbeiführen. 

Im Liegenden der Cassianerkalke kommt am Rinnwerke 
von der Mündung des Podrotheagrabens bis zum Öeringraben der 
W e n g e n e r s c h i e f e r zum Vorschein, welcher in der Umgebung 
des Hauses Kogej (S v. Ceringraben) direct an die Hauptstörung 
des Vogelberges herantritt und auf diese Weise den nördlichen 
Cassianerkalkzug (am östlichen Cerinabhang) vom südlichen Zuge 
(am südöstlichen Vogelbergabhang) völlig trennt. An mehreren Stellen 
taucht unter ihm sogar die aus Dolomitbreccie bestehende 
Unterlage empor und bildet kleine Kuppen innerhalb der weichen 
Mergel. (Vergl. die Partien W des Seilsteges, der vom Hause Gruden 
über die Idrica führt.) 

d) Ostseite des Idricathales. 

(Zwischen Podrothea und Skonzagraben.) 

Der nördliche Cassianerkalkzug des Rinnwerkes quert die 
Idrica an der Mündung des Lubeucthales und zieht mit ausgesprochenem 
WNW — OSO-Streichen in diesem Thale aufwärts bis zu seiner Ver- 



k 



268 Dr- Franz Kossmat. [10] 

eiiiiguiig mit dem Grohatgraben. Die Breite dieser Kalkzone ist am 
Idricaflusse noch ziemlich beträchtlich, nimmt aber nach Osten rasch 
ab. An zwei Stellen : 1. Am Südufer des Lubeucbaches, gegenüber der 
Einmündung des Rossgrabens (SO von Ferdinandischacht), 2. in der 
Fortsetzung des VVengener Aufschlusses an dem westlichen Idricaufer, 
kommt der W e n g e n e r s c h i e f e r unter dem Kalke heraus. Beson- 
ders instructiv ist der erstgenannte Aufschluss, an welchem die steil 
gestellten und mannigfach geknickten Wengener Schichten deutliche 
Pflanzenspuren führen und dadurch ihre Zugehörigkeit zur Skonza- 
facies erweisen. Die Cassianerkalke streichen aber auch hier, wenn 
auch bedeutend verschmälert, auf der Nordseite des Lubeucbaches 
durch den unteren Rossgraben durch, zeigen steiles, nach SSW ge- 
richtetes Verflachen — genau so, wie auch auf der ganzen Strecke 
von hier bis zum Idricaflusse — und besitzen mitunter knollige Schicht- 
flächen, eine Erscheinung, die man sehr häufig in diesem Horizonte 
wahrnehmen kann. 

Die Cassianer Schichten des Lubeucthales stossen im Norden 
unmittelbar an die unteren sandig -glimmerigen Werfener 
Schichten, welche die Basis des Jelicen vrh bilden und von den 
hier fossilführenden Mergelkalken und Mergeln der oberen Werfener 
Schichten überlagert werden, auf denen sich — immer mit nördlichem 
l)is nordöstlichen Verflachen — die Dolomitbreccien, die Wengener 
Schichten und der Cassianerkalk (von St. Magdalena) in normaler 
Reihenfolge aufbauen. 

Die Fortsetzung der Störung, welche sich am Franzschachte durch 
das Emportauchen der palaeozoischen Schiefer kundgibt, ist im Lubeuc- 
thale durch den palaeozoischen Zug, der innerhalb der Werfener Zone 
vom unteren Skonzagraben zum Ferdinandischacht verläuft, angedeutet. 

Im Süden grenzt der Kalkzug des Lubeucthales mit einer scharfen, 
stellenweise durch den Bach aufgeschlossenen Dislocatiou an die unteren 
Werfener Schichten des Zagodaabhanges ; auch hier liegt über letzterer 
Abtheilung die ganze Schichtfolge bis zu den Cassianerkalken, ja 
weiter östlich sogar bis zu den Raibler Schichten. 

Von der Kreide des Salathaies ist der Zagoda noch durch eine 
ebenfalls stark gestörte Triaszone getrennt, in welcher lange, schmale 
Züge von Werfener Schichten als Aufbrüche innerhalb der Dolomit- 
breccien des Muschelkalkes erscheinen. (Siehe Fig. 2.) 

Trägt man den Verlauf der im Vorhergehenden besprochenen 
Hauptstörungslinien der Umgebung von Idria auf eine Kartenskizze ein, 
so erhält man das auf pag. 263 [5] dargestellte schematische Bild, 
aus welchen man deutlich ersieht, dass der Querbruch, welcher 
die Triaspartie des Rinnwerkes nach Westen abgrenzt, 
durch die L ä n g s s t ö r u n g e n (Streichen NW — SO) gekreuzt 
und abgeändert wurde, mithin älter ist als sie^). Dies 
kommt vor allem im Folgenden zum Ausdrucke : 



^) Wenn gesagt wird, dass der Qiierbruch älter ist als die Längsstörungen, 
soll damit übrigens keineswegs gemeint sein, dass es sich um eine erhebliche 
Altersdifferenz handelt. Es sind vielmehr beide Kategorien von Dislocationen er- 
wiesenermaßen postcretacisch und gehören jedenfalls nur verschiedenen Phasen 
der gleichen Störungsperiode an. 



[11] Ueber die geologischen Verliältnisse des Bergbaugebietea von Idria. 269 

1. Die südliche Randverwerfung zwischen Trias und Kreide 
schneidet den Querbruch gänzlicli ab. 

2. Die Hauptdislocation zwischen Vogelberg und Öerin lenkt 
ihn (den Querbruch) ab und bringt die ^eigenthümliche spitzwinklige 
Ausstülpung des Cassianerkalkzuges im Öeringraben zustande. Auch 
das Auftauchen der Wengener Schichten und Dolomitbreccien beim 
Hause Kogej und die hiedurcii bewirkte Trennung der beiden Kalk- 
züge des Rinnwerkes steht mit dieser Erscheinung in Einklang. 

3. Am Nordufer der Idrica, in der (iegend des unteren Skonza- 
grabens streicht die WNW— OSO-Dislocation, welche aus der Gegend 
des Raspotsattels über den Franzschacht zum Ferdinandischacht im 
Lubeucthal zieht, senkrecht auf den genannten Querbruch und schneidet 
ihn gleichfalls ab. 



Fig-. 2. Profil durcli das Lubeucthal vom Jelicen vrh zum Salabach. 

Maßstab: 1:25.000. 




W = Werfener Schiefer. — DBr = Dolomitbreccie des Muschelkalks. — IVg = 

Wengener Schiefer (incl. Skonzafacies). — CD = Cassianer Dolomit (auf dem Zagoda- 

gehänge. — CK = Cassianerkalk. — Kr = Kreidekalk. 



In dem complicirten Sprungnetze, welches die Trias von Idria 
durchsetzt, spielt somit der Querbruch an der Idrica eine ganz hervor- 
ragende Rolle, umsomehr, als Andeutungen vorliegen, dass auch weiter 
im Süden, in den Kreidekalken der Strug (eingeklemmter Flyschzug 
in der Tiefe der Idricaschlucht) und im Norden, von der Mündung 
der Nikova abwärts, entlang des Flusses eine nordsüdliche Verwerfungs- 
linie vorhanden ist. 

Wahrend nämlich gegenüber der Quecksilberhütte auf dem 
We stuf er der Idrica unter den Dolomiten des Muschelkalkes die 
unteren Werfener- und palaeozoischen Schiefer in Form von lang- 
gestreckten Zügen auftauchen (vergl. den Nord- und Südabhang des 
Calvarienberges), findet man sofort auf der Ostseite der Idrica in der 
gleichen Streich linie eingeklemmte Züge von typischen Skonza- 

Jahrbuch d. k. k. geol. Keichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (Fr. Kossmat.) 35 



270 I^i"- Franz Kossmat. [12] 

schichten. Die durchgreifende Regel ist, dass auf der Ostseite die 
tälteren Schichten in einer grösseren Tiefe liegen als auf der West- 
seite, dass also — und dies gilt auch für die Partie am Rinnwerke — 
die Gesteinsreihe auf dem östlichen Flügel der Verwerfung gegenüber 
jener auf dem westlichen Flügel entweder tiefer abgesunken oder 
minder hoch gehoben ist, was ja schliesslich auf das gleiche hinausläuft. 

Diese Regel gilt in gleicher Weise für das einfach gebaute Gebiet 
nördlich der Hauptüberschiebung, wie für die complicirten Partien 
südlich dieser Dislocation; so steht zum Beispiel in Bezug auf die 
Anzahl der vertretenen Schichtglieder das Bruchgebiet des Weichen- 
thaies (W der Idrica) zu jenem des Zagoda (0 der Idrica) in 
gleichem Verhältnisse, wie das nördlich davon gelegene Plateau des 
Tebelo brdo zu jenem des Magdalena und Mrutni vrh. Es 
ist dies gleichfalls ein Umstand, der dafür spricht, dass die Längs- 
störungen erst gebildet wurden, als der Querbruch und die durch ihn 
bedingten Niveauunterschiede der Sedimente diesseits und jenseits 
des heutigen Idricathales bereits vorhanden waren. 

Eine besondere Bedeutung gewinnt die letztgenannte Dislocation 
aber dadurch, dass sie sich den Ueberschiebungen gegenüber nicht rein 
passiv verhielt, sondern ganz deutlich ein Zersplittern dieser bewirkte. 

Wenn man nämlich die zahlreichen Störungen von Idria nach 
Westen verfolgt, so kann man beobachten, dass sie rasch convergiren 
und sich bereits auf dem Raspotsattel mit der grossen Ueberschiebung 
vereinigen, welche hinüber zum oberen Kanoinljathal streicht; die- 
selbe Vereinfachung kann man beobachten, wenn man von Idria nach 
Osten geht und die Ueberschiebung im Lubeucthale verfolgt. 

Die grosseQuerkluft und das mit ihr in Zusammen- 
hang stehende Zersplittern der NW— SO -Brüche gewinnt 
dadurch an Wichtigkeit, dass gerade in der Region, wo 
die Complication das Maximum erreicht, das Queck- 
silbervorkommen ist, während wederimWestennoch im 
Osten eine Erzführung angetroffen wurde. 

Wenn man nun auch bereits aus den geologischen Verhältnissen 
an der Tagesoberfläche einen Einblick in den Aufbau des besprochenen 
Gebietes gewinnt, so erhält man doch ein klares Bild von der Be- 
schaifenheit und Bedeutung der einzelnen Störungen erst, wenn man 
in den Kreis der Beobachtung auch die Erscheinungen im Bergbaue 
einbezieht, welche ganz überraschende Aufschlüsse über den verti- 
c al e n Verlauf einer Anzahl von Brüchen geben, deren P r o j e c ti o n 
man an der Oberfläche studieren kann. Ich gehe daher im Folgenden 
auf die Besprechung des Grubenbaues über. 



Nordwestgrube. 

Profil 1, Tafel XI. 

Da die Ausrichtung in diesem älteren Grubentheile ') bereits 
viel weiter gediehen ist als in der Südostgrube und dadurch das 



^) Die wichtigsten obertägigeii Einbaue der NW-Grube sind: Inzagli 
Theresia- und Franzschacht, ferner der nahezu 400 Jahre alte Antonistollen. 



[13] lieber die geologischen Verhältnisse dos Bergbaugebietes von Idria. 271 

geologische Bild in den einzelnen Horizonten bereits niilier dem 
Abschliisse ist, empfiehlt es sich, in der Darstellung mit dieser Ab- 
theilung zu beginnen, obgleich gerade hier die verwickeltsten Ver- 
hältnisse herrschen. 

Die Quecksilberlagerstätte befindet sich in Gesteinen der 
mittleren Trias und ist sowohl nach NNO als auch nach SSW durch 
Ueberschiebungen begrenzt, welche gegen die Oberfläche derart 
convergiren, dass sie sich noch in den obersten Laufstrecken (I. Lauf 
und Horizont des Antonistollens) nahezu vereinigen und die erz- 
führende Partie keilförmig abstutzen. 

Der Verlauf der beiden Grenzüberschiebungen ist WNW — OSO, 
entsprechend der Richtung des oberen Kanomljathales und Lubeuc- 
thales, in deren Verbindungslinie sie liegen; das Fallen der Kluft- 
flächen ist vorwiegend nach NNO gerichtet. 



I. Nordcontact. 

Von Norden her tritt an die Lagerstätte unmittelbar der milde, 
schwarze palaeozoische Schiefer heran, welcher nahe der Grenz- 
verwerfung häufig gediegenes Quecksilber führt und davon den Namen 
„Silberscliiefer" erhalten hat. Sein Contact mit den erzführenden 
Schichten der mittleren Trias steigt in den tieferen Läufen (vom XI. 
aufwärts zum III.) sehr steil an, legt sich dann aber rasch flach, 
derart, dass im II. Laufe noch N und S des Inzaghischachtes der 
Triasdolomit auf weite Erstreckung ausgerichtet ist, während im 
I. Lauf, 00 m höher, der Silberschiefer bis nahe an die südliche 
Hauptverwerfung reicht, also flach über die Hauptpartie der Lager- 
stätte hinweggeht. 

Mit zwei Zungen, deren tektonische Bedeutung weiter unten 
erörtert werden soll, greift der Schiefer aus dem Dache in die erz- 
führende Trias ein. 

Zeichnet man auf einer grösseren Karte die Grenzen der Lager- 
stätte ein, so zeigt sich, dass diese fast völlig unter den Cerin zu 
liegen kommt, und da der letztere aus einer Schichtfolge aufgebaut 
ist, welche nach unten mit t y p i s c h e n, f o s s i 1 f ü h r e n d e n u n t e r e n 
Werfen er Schichten abschliesst, aus denen stellenweise der- 
selbe palaeozoische Schiefer aufbricht (in der Umgebung von Josephi- 
schacht und auf der nördlichen Idricaseite in der Gegend des Franz- 
schachtes), welcher in der Grube das Dach der mitteltriasischen 
Lagerstätte bildet, so ergibt sich mit voller Gewissheit, dass die 
Masse des Cerin aufgeschoben ist auf die Schichten- 
reihe des Grubenbaues. Auf diese wichtige Thatsache hat 
zuerst Lipoid klar und bestimmt hingewiesen (1. c. S. 450). 

Bezüglich der „Silberschiefer" wurde vor einigen Jahren (vergl. 
die Einleitung zur Schrift: Geolog.-bergmännische Karten etc. von 
den Quecksilberlagerstätten in Idria. Wien 1893, herausgegeben vom 
k. k. Ackerbauministerium) von Professor Höfer die Vermuthung 
ausgesprochen, dass der mit diesem Namen belegte Gesteinscomplex 
nicht zu den palaeozoischen Schiefern, sondern zu den Lagerschiefern 

35* 



272 ^^' Franz Kossmat, [14] 

(Skonzaschichten) der mittleren Trias gehöre i). — Ich hatte 
sowohl 1897, als im Vorjahre die Gelegenheit, den „Silberschiefer" 
aus dem Gebiete des oberen Kanomljathales durch Idria hindurch 
in das Lubeucthal, obere Salathal und weiterhin bis nach „Potok" 
(N von Leskouc und Veherce an der Ober-Laibacherstrasse) zu ver- 
folgen; ich fand denselben Schiefer, mit absolut gleicher Be- 
schaffenheit wie im Grubenbaue, auch bei Gereuth, wo er in 
der Mitte einer Aufwölbung der unteren Werfenerschiefer zum 
Vorschein kommt, und konnte denselben auch noch weiter östlich an 
einer grossen Querstörung, welche aus der Umgebung von Za Plana 
zur Ebene von Loitsch hinausstreicht, in grösserer Ausdehnung 
beobachten. Nun ist aber in den Wengener Schichten des schönen 
Profiles von Gereuth die Skonzafacies, welche ja überhaupt nur 
für die unmittelbare Umgebung von Idria bezeichnend ist, gänzlich 
verschwunden, und in der ganzen, hier ausserordentlich 
ruhig und einfach gelagerten Triasfolge ist kein Niveau 
vorhanden, welches mit den erwähnten schwarzen 
Silberschiefern nur einen Augenblick verwechselt 
werden könnte. Nimmt man hiezu noch die eigenthümliche Ver- 
breitung dieser Schichten, welche überall im untersuchten Gebiete 
an den Bereich der Werfener Schichten, also der tiefsten Trias- 
bildungen, gebunden sind und in Form von langen Zügen die Haupt- 
dislocationslinien begleiten, so muss man unbedingt der Ansicht 
Stur's und Lipold's beipflichten, dass man es mit palaeozoischen 
Gebilden zu thun hat, umsomehr, als ja bereits in dem unmittelbar 
anstossenden Gebiete des Blattes „Bischoflack — Ober-Idria" diese 
älteren Schichten eine grosse Rolle spielen. 

Der Silber schiefer in der Grube ist übrigens nicht nur petro- 
graphisch mit jenem an der Aufbruchslinie Ober-Kanomljathal — Lubeuc- 
bach identisch, sondern hängt mit ihm ununterbrochen zusammen, 
wie durch die obertägigen und untertägigen Aufschlüsse in der 
Gegend des Franzschachtes klar erwiesen ist. Andererseits ist wieder 
der Lagerschiefer in der Grube immer mit den typischen Lager- 
(Skonza-) Sandsteinen und sogenannten Tufl"en in engster Ver- 
bindung, so dass eine Trennung der beiden fraglichen Schiefer- 
horizonte bei näherem Studium immer durchführbar ist. 

Ausserdem zeigen Lager- und Silberschiefer trotz ihrer Aehn- 
lichkeit in Farbe und Consistenz doch petrographische Unterscheidungs- 
merkmale, indem der letztere Schichtcomplex immer durch einen 
feinschuppigen Glimmerbelag auf den Spaltflächen ausgezeichnet ist 
und auf den Rutschflächen fettigen Glanz besitzt, während dem Lager- 
schiefer der Glimmerbelag fehlt und die Rutschflächen anthracitischen 
Glanz haben. 

Auch die Analysen der beiden Gesteine weichen von einander 
ab, da der Silberschiefer einen bedeutend höheren ÄI2 O3 . Fe^ O3- 
und niedrigeren Sl Og-Gehalt aufweist als der Lagerschiefer und 
-Sandstein (vergl. die Analysen von Sehr auf in der citirten Schrift). 



^) In dem von A. Flamin ek gescliriebonen geologischen Tbeile ist übrigens 
die Lipold'sche Anschauung beibehalten. 



[15] lieber die geologischen Verhältnisse des Bergbaugebietes von Idria. 273 

II. Erzführende Partie. 

Den wichtigsten Leithorizont innerhalb dieser stark gestörten 
Masse bilden die „Lagers chief er und -Sandsteine", weh-he 
als die Träger von mitunter reichen Erzen seit jeher sorgfältig ver- 
folgt und auch auf den Grubenkarten detailirt eingetragen wurden. Im 
Ganzen scheidet man in der Nordwestgrube vier Züge von Lager- 
schiefern aus, welche mit den Buchstaben Ä, B, C, J) benannt sind [vergl. 
die vom k. k. Ackerbauministerium herausgegebene Schrift, S. IH, 19], 
jedoch keineswegs von einander unabhängige Partien darstellen, sondern 
in einem engen tektonischen Verbände stehen. 

Der südlichste Zug, das Lager A, ist sowohl in verticaler als 
auch horizontaler Ausdehnung am meisten constant und setzt mit 
einem mittleren Verflachen nach NNO vom obersten Lauf in die 
Tiefe bis zum IX. Lauf (280 m unter dem Tagkranze des Josephi- 
schachtes). Es besteht aus schwarzen Schiefern und -Sandsteinen — 
letztere stellenweise mit Pflanzenresten, welche denen des Skonza- 
grabens gleich sind\); — an vielen Stellen kann man, ebenso wie in 
den Skonzaschichten der typischen Localität, beobachten, dass der 
schwarze Sandstein Gerolle von Dolomit aufnimmt, wodurch er in die 
unmittelbar anstossende Dolomitbreccie übergeht. 

Weit unregelmässiger sind die übrigen Hauptlager. 

Lager Ü geht vom III. Lauf mit nordöstlichem Verflachen zum 
IV. Lauf, macht hier eine Knickung und fällt bis zum VII. Lauf steil 
in SW-Richtung hinab. Dann vollzieht sich eine zweite Schwenkung, 
und das Lager steigt, als Lager C bezeichnet, wieder steil empor, 
behält aber das SW-Fallen noch bei, bis es im Zwischenhorizont vom 
III. und IV. Lauf sattelartig umbiegt und mannigfach zersplittert als 
Lager D gegen den Nordcontact fällt, worauf es im VII. Lauf sein 
Ende erreicht. — Im VIII. Lauf sind noch die Ausläufer der Lager 
Ä, B und C vorhanden, verfliessen aber derart ineinander, dass 
eine Trennung ganz unmöglich ist; im IX. Lauf ist nur mehr ein 
bedeutenderer Lagerzug zu finden, der nahe dem Südcontact verläuft 
und als Fortsetzung des Lagers A aufgefasst werden kann. 

Ausser diesen grösseren Zügen sind noch an verschiedenen Stellen 
der Nordwestgrube kleine, eingeklemmte Partien von Lagerschiefern 
und Lagersandsteinen vorhanden, welche aber für den Bergbau von 
geringerer Bedeutung sind. — Ich habe einige derselben auf dem 
Profile zur Darstellung gebracht (vergl. den Zug am Nordcontact im 
III. Lauf, ferner den schmäleren Schmitz zwischen Lager A und />' 
an dem eingreifenden Keile von Silberschiefer im III. und IV. Lauf). 
— Die Facies der Wengenertuffe tritt in der Nordwestgrube gegenüber 
der erwähnten Entwicklung (Skonzafacies) zurück. 

Die anderen Schichtgesteine, welche in der Nordwestgrube vor- 
kommen, sind Dolomite, D o lomitbr e c cie n , Conglomerate 
und Kalke. 

1. Die tiefere Hauptpartie dieser Gesteine ist nach oben durch 
die Lager C, D und die unteren Ausläufer von A (im VIII. Lau.f) 



*) Lipoid: 1. c. pag. 455. 



274 Dr. Franz Kossmat. [16] 

abgeschlossen und bestellt aus festen Dolomiten und Dolomitbreccien, 
welche nur selten von untergeordneten und schmalen Schnüren des 
Lagerschiefers durchzogen sind. 

2. Die zweite Dolomitpartie ist zwischen den Lagern B, C, I) 
und dem hangenden Silberschiefer eingeschlossen. Auch diese zeigt 
das gleiche Gesteinsmaterial wie die tiefere Partie, ist aber von mehr 
Schmitzen des Lagerschiefers durchzogen. In der Nähe der Hauptlager 
nimmt der Dolomit meistens den Charakter einer Breccie oder sogar 
eines Conglomerates an, welches durch Aufnahme von schwarzem, 
sandigem Bindemittel an manchen Stellen in den Lagersandstein 
übergeht. 

3. Dasselbe gilt von der Dolomitpartie zwischen dem Lager B 
und Ä. Hier ist die Breccie, oft ausgezeichnet durch faustgrosse 
Bruchstücke oder Gerolle [sehr schön im IV. und VII. Lauf], besonders 
näher dem Lager ^4 wohl entwickelt und zeigt ebenfalls stellenweise 
Uebergänge in Conglomerate mit Sandsteinbindemittel. 

Auf dem Profil C — D der Tafelbeilagen zu der wiederholt citirten 
Schrift über die Lagerstätten von Idria sind die beiden letzterwähnten 
Dolomitpartien als Cassianer Schichten (11) ausgeschieden, während 
die Conglomerate als Kalkconglomerate (10) der Wengener Schichten, 
und die Dolomitmassen der tieferen Horizonte als „Dolomite und 
Breccien der Gutensteiner Schichten" bezeichnet werden. Die Einrei- 
hung der oberen Complexe in die Cassianer Schichten erfolgte übrigens 
nur mit Vorbehalt, da im Texte (Seite 18, 19 und 20) an den dies- 
bezüglichen Stellen immer von „Dolomitconglomeraten und Breccien 
der Wengener, eventuell Cassianer Schichten" die Rede ist. Man 
sieht also, dass mit der Bezeichnung 11 auf dem Profile keineswegs 
die bezeichnende Cassianerfacies gemeint ist, wie sie z. B. am Rinn- 
werke auftritt. 

Ich habe im heurigen Jahre bei häufig wiederholten Befahrungen 
der Nordwestgrube den Eindruck erhalten, dass eine Unterscheidung 
zwischen den Dolomitbreccien oberhalb der Lager yl — /> und jenen 
unterhalb der letzteren nicht durchführbar ist. Was ferner die 
Möglichkeit einer Gleichstellung der oberen Dolomite und Dolomit- 
breccien mit den Cassianer Schichten der Oberfläche anbelangt, so 
möchte ich dagegen Folgendes bemerken : 

1. Sind an denjenigen Stellen der unmittelbaren Umgebung von 
Idria, welche in nächster Beziehung zu den Vorkommnissen in der 
Grube stehen, also am Jelicen vrh (St. Magdalena), Rinn werk 
und Lubeucthal, die Cassianer Schichten bereits an der Basis als 
Kalke entwickelt, während das Auftreten der Dolomitfacies erst am 
Zagodaberge, Psenk- und PI an inarücken zu constatiren ist, 
also an Stellen, wo auch schon in den Wengener Schichten besondere 
Facieseigenthümlichkeiten auftreten, indem z. B. die so bezeichnende 
Entwicklung der Skonzaschichten (Lagerschiefer) nicht mehr vor- 
handen ist, während man sie im Lubeucthal und am Jelicen vrh noch 
beobachten kann. Will man also nach Analogieschlüssen urtheilen — 
und dazu ist man im vorliegenden Falle genöthigt — , so muss man 
wohl erwarten, dass auch in der Grube die Cassianer Schichten 
nicht in Dolomit-, sondern in Kalkfacies erscheinen ; man hat also 



[17] Ueber die geologischen Verhältnisse des Bergbaiigebietes von Idria. 275 

kaum Grund, anzunehmen, dass die erwähnten Dolomite und Breccien 
oberhalb der Lager, welche noch dazu von sicher nachgewiesenen 
Dolomiten und Breccien des Muschelkalkes nicht zu unterscheiden 
sind, mit den Cassianer Schichten parallelisirt werden dürfen 

2. Wie bereits früher erwähnt, zeigen die Dolomite und Breccien 
aus dem Hangenden der Lager die Neigung, in der Nähe der Lager- 
schiefer und -Sandsteine die Structur gewöhnlicher Conglomerate an- 
zunehmen, welche zum Bindemittel einen dunklen, bituminösen Sand- 
stein haben und sowohl petrographisch als auch den Lagerungs Ver- 
hältnissen nach vollkommen dem Conglomerate gleichen, welches im 
Skonzagraben in Verbindung mit den Skonzaschichten auftritt, weshalb 
man die beiden Vorkommnisse auch seit jeher gleichstellte (vergl. 
auch die identische Bezeichnung beider auf den Karten und Profilen 
zur citirten officiellen Schrift). Nun habe ich auf S. 4 erwähnt, dass 
die Skonzaconglomerate, welche mit den Skonzasandsteinen in voll- 
kommenem Schichtverbande stehen, andererseits auch mit den Dolo- 
miten und Dolomitbreccien des Muschelkalkes ein untrennbares Ganzes 
bilden, so dass man also die Conglomerate stratigraphisch an die 
Basis des Wengener Complexes versetzen muss und nicht in das 
Hangende, wie man bisher annahm \). Die scheinbare Unter- 
lagerung der Skonzaconglomerate durch die Sandsteine kann also 
sowohl im genannten Graben, wie auch in der Grube nur eine 
Folge von Ueberkippung sein. 

Ich fasse daher die Dolomite und Dolomitbreccien 
im Hangenden der Hauptlager Ä, B, C und D als iden- 
tisch mit jenen der tieferen Horizonte und in zweiter 
Linie auch als identisch mit den Dolomitbreccien 
des Muschelkalkes der obertäg ig aufgeschlossenen Ge- 
birg s p a r t i e n auf. 

Nach dieser Auffassung stellt also die Hangend-Dolomitmasse eine 
durch Ueberschiebung bewirkte Wiederholung der tieferen Partie dar 2). 

Dass thatsächlich im erzführenden Körper ausser den beiden 
Greuzcontacten noch andere Dislocationen (Ueberschiebungen) vor- 
handen sind, beweist auch das Verhalten des Silberschiefers, der 
zwischen dem oberen Theile des Lagers B und dem Hangenden des 
Lagers Ä in einer tiefen Zunge mit NNO- Verflachen bis unter das 
Niveau des IV. Laufes hinabgeht und an einer Stelle durch einen 
aufragenden Keil von Dolomit gespalten ist. (Vergl. das Profil.) Diese 
Zunge von Silberschiefer steht zum Lager B und dem dazugehörigen 
Dolomitcomplexe in einem ganz analogen Verhältnisse, wie der 
Werfenerschiefer des Südcontactes zur Lagerpartie Ä, und man kann 



') Die in meiner Arbeit, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1898, S. 96 erwähnten 
dünnen Conglomeratbänkchen, welche an der Localität Vonöina in einem höheren 
Niveau auftreten, liaben, wie ich mich heuer überzeugte, mit den echten Skonza- 
conglomeraten des Skonzagrabens nichts zu thun. 

2) Nur im NW- Schlage des III. Laufes ist mir nahe am Contacte mit 
den Werfener Schichten eine kleine Partie von Kalken mit Spuren von Crinoiden- 
stielen bekannt, welche möglicherweise dem Cassianerniveau angehören 
könnten. Der tektonische Zusammenhang mit den weiter im SO betindlichen Par- 
tien der Lagerstätte ist unbekannt. 



276 



Dr. Franz Kossmat. 



[18J 



die Kluftfläche entlang der Südgrenze von B auch thatsächlich in 
den einzelnen Läufen scharf feststellen. 

Eine sehr eigenthümliche Erscheinung ist der unregelmässige 
Verlauf der im Bergbaue aufgeschlossenen Ueberschiebungsklüfte. So 
steigt der Südeon tact, welcher das Lager Ä gegen die Werfener- 
schiefer scharf abgrenzt, zwar in NNO-Richtung nach abwärts, zeigt 
aber, wie sich durch die genauen Grubenkarten sicher constatiren 
lässt, eine Anzahl von ziemlich scharfen Biegungen, welche auch das 
Lager A mitmacht (vergl. das Profil). Da ein Gleiten auf einer schon 
ursprünglich so stark welligen Ueberschiebungsfläche nicht denkbar 
ist, bleibt nur die Annahme übrig, dass die Krümmung der Kluftfläche 
und mit ihr auch jene des Lagers A eine nachträgliche Erscheinung ist. 

Nachträgliche Faltung von Ueberschiebungsflächen wurde auch 
an anderen Orten wiederholt beobachtet ^) und es ist ja von vorne- 
herein einzusehen, dass dieselbe Spannung, welche ein Zerreissen und 
Gleiten von Gesteinsmassen bewirkt, auch eine Krümmung der ent- 
standenen Kluftflächen herbeiführen kann. Damit wäre auch eine Er- 
klärung des eigenthümlichen Verhaltens der Lager i>, C und D ge- 
geben, welche, wie ein Blick auf das Profil zeigt, nichts anderes dar- 
stellen, als ein einziges, stark gekrümmtes Lager. Schematisch lässt 
sich die Sache etwa auf folgende Weise zeichnen : 

Fig. 3. Schematisches Profil durcli die erzfülirende Partie der Nordwest- 
grube. 




NO SW 

P — Palaeozoische Schiefer. — Pf ^ Werfener Schichten, — Z>i?r = Dolomite und 

Breccien des Muschelkalkes. — a, b, c, d ==^ Lagerschieferzüge der Wengener 

Schichten. — nc = Nordcontact. — sc = Südcontact. 



Nach meiner Ansicht wurde der Complex von Dolomitbreccien 
des Muschelkalkes und Lager- (Skonza-) Schiefern, welcher den heutigen 
erzführenden Körper bildet, bei der Gebirgsbildung durch Zusammen- 
pressen gebrochen und theilweise überkippt, die einzelnen Partien 
verschoben sich aneinander, und zwar gaben in der Kegel die weniger 



*j Vergl. z. 15. F. A Ho ff mann: Ein Beitrag zur Frage nach der Ent- 
stehung und dem Alter der Ueherscliieliungen im westjjhälischen Steinkohlengebirge 
Zeitschrift für praktische Geologie. Berlin 1895, S. 230, 231 ff. 



[19] Ueber die geologischen Verhältnisse dos Borgbaugebietes von Idria. 277 

widerstandsfähigen Lagerschiefer die Gleitflächen ab, wie man denn 
auch an anderen Orten einen ähnlichen Zusammenhang zwischen den 
tektonischen Erscheinungen und der Consistenz des Materiales ge- 
funden hat. 

Gleichzeitig muss wohl auch die Ueberschiebung des Cerin über 
die ganze heutige Lagerstätte stattgefunden haben. 

Durch den andauernden Druck wurden die L'utschfiächen, auf 
denen sich die einzelnen Gesteinsmassen gegeneinander bewegten, 
verbogen, und mit ihnen trat natürlich auch die Biegung der Lager- 
schiefer ein. Würde man sich die Krümmung ausgeglichen denken, so 
hätte man beiläufig folgenden Bau: 

Fig. i, Scheinatisches Pn»(ll diircli die Nordwestgrube. 




Die Krümmungen der Ueberschiebungsflächen und Lagerschieferzüge ausgeglichen 

gedacht. 
(Die Zeichenerklärung ist dieselbe wie bei vorstehender Figur.) 



Es lässt sich also die ganze complicirte Lagerung auf eine 
normale „S chuppenstructur" zurückführen, wie man sie auch 
anderwärts findet. 

Selbstverständlich machen die obigen Erörterungen nur den An- 
spruch darauf, ein Erklär ungsv er such zu sein, doch glaube ich, 
dass derselbe mit den heutigen Erfahrungen der Tektonik in Ein- 
klang steht. 

Was die Erzführung in der Nordwestgrube anbelangt, habe ich 
dem, was in der citirten o ffi cieUen S chrift steht und was bereits 
Lipoid in seiner geologischen Arbeit betonte, nichts hinzuzufügen. 

Die Imprägnation der Lagerschiefer als auch der gangartigen 
Erzklüfte im Dolomit muss später erfolgt sein als die Bildung der 
grossen Klüfte und Ueberschiebungen, da sie von diesen abhängig ist, 
sie kann demnach erst während der Tertiärzeit erfolgt sein. Nirgends 
ist das Auftreten der Erze an einen bestimmten Horizont gebunden, 
wenn auch offenbar die Lagerschiefer infolge ihres bituminösen 
Charakters einen günstigen Einfluss auf die Reductiou und Abscheidung 

.lahi'buch d. k. k. geol. ßeicbsanslalt, 1899, 49. Band, 2. Uel't. (Fr. Kossmat.) 36 



278 l^r- Franz Kossmat. [20] 

der Quecksilberhaltigen Verbindungen ausgeübt haben dürften und 
dadurch stellenweise zu Trägern reicherer Erze wurden. 

Der Silberschiefer, welcher die Lagerstcätte nach oben abschneidet 
und damit eine scharfe Grenze der Vererzung bildet, ist in der Nähe 
des Contactes durch das Auftreten gediegenen Quecksilbers und zahl- 
reicher Schwefelkiesknollen ausgezeichnet. Man könnte sich die Frage 
stellen, ob das Zusamnienvorkommen dieser beiden Ausscheidungen 
nicht vielleicht darauf hindeutet, dass am Contacte die nicht unbe- 
trächtliche Eisenoxydmenge der bituminösen Silberschiefer und der 
Zinnobergehalt der Lagerstätte einer theilweisen Umsetzung unterlagen, 
bei der sich das Eisen mit dem Schwefel verband, während das Queck- 
silber unter dem Einflüsse der reducirenden Wirkung der vorhandenen 
organischen Substanz zum Theil frei wurde. 



Während in den tieferen Horizonten des Grubenbaues die Breite 
der Lagerstätte ganz beträchtlich ist, kommt schon im IL Laufe der 
Silberschiefer des Nordcontactes so nahe an den Werfenerschiefer des 
Südcontactes, dass beide nur durch einen schmalen Zug von erz- 
führenden Lagerschiefern (Lager A) voneinander getrennt sind. 

Noch höher oben keilt auch dieses Band ganz aus und an der 
Tagesober fläche tritt der Silberschiefer (im Brand- 
graben) unmittelbar an den Südcontact, d. h. an den 
Werfen erschiefer der nordöstlichen Basis des Vogel- 
berges heran. Der Zusammenhang zwischen den obertägigen Auf- 
schlüssen und denen in der Grube ist ein so enger, dass die Ver- 
bindung der Schnittpunkte ganz ungezwungen vorgenommen werden 
kann. Wie ein Vergleich von Profil und Karte zeigt, ist 
die.Grenzdislocation zwischen dem We^rfeners chiefer 
des Vogelberges und den Schichten des Cerin identisch 
m i t d e m S ü d c o n t a c t e d e r G r u b e, und d e r V o g e 1 b e r g J i e g t 
somitbereitssüdlichderLagerstätte, währen dder Cerin 
über ihr 1 i e g 1 1). 

Ich habe auf der Karte den Südcontact der Grube für mehrere 
Läufe in Form von schwarzen Linien dargestellt, um zu zeigen, in 
welchem Ausmaße er sich infolge seines NNO-Verflächens von der 
Projectionslinie seines obertägigen Ausbisses entfernt. 

Südostgrube. 

Profil 2 und 3, Tafel XI. 

Die Südostgrube (obertägige Einbaue: Josefischacht und Ferdi- 
nandischacht) steht dem Streichen nach mit der Nordwestgrube in 
ununterbrochenem Zusammenhange , zeichnet sich aber vor dieser 
durch grössere Einfachheit in der tektonischen Gliederung aus. 



^) Daraus ergibt sich auch, dass Öerin und Vogelberg tektonisch selbst- 
ständig sind, dass mithin jener nicht von letzterem abgerutscht sein kann (vergl, 
S. 9), da er sich über dem Nordcontacte befindet, während die Basis des Vogel- 
berges entlang der südlichen Lagerstätteugreuze zur Tiefe geht. 



[21] lieber die geologischen Verhältnisse des Hergljangehietes von Idria. 279 

Die Silberschiefer des Nord contactes und des Daches 
der Lagerstätte sind auch hier in ähnlicher anormaler Lagerung 
nachgewiesen, wie in der Nordvvestgrube (vergl. z. B. die beiden 
Lappen von Silberschiefer im IIL Lauf, Umgebung des Josephi- 
schachtes), sind aber in den tieferen Läufen nur au wenigen Stellen 
(VIL Lauf) angefahren, da hier die Ausrichtung gegen Nu nicht so 
weit vorgeschritten ist. 

Der Südcontact zeigt dieselben Eigenthümlichkeiten wie im 
anderen Grubentheile, indem auch hier die Werfenerschiefer in 
directe Berührung mit den Lagerschiefern und Dolomiten der zwischen 
den beiden Hauptdislocationen eingeschlossenen erzführenden Partie 
kommen. 

Die Lager schiefer treten an Bedeutung weit zurück, da 
nur das Lager A noch als zusammenhängender Zug nachgewiesen ist, 
während die anderen mehr oder minder auskeilen oder sich in ganz 
unbedeutende Schmitzen auflösen, welche auf Klüften innerhalb der 
Dolomitmassen eingekeilt sind. Besonders deutlich sind diese 
Schmitzen im VIL Lauf. 

Das Lager Ä reicht nachweislich bis in den IX. Lauf hinab, wo 
z. B. noch in den südöstlichsten Abbauen (Umgebung des IV. Gesenkes) 
nahe am Südcontact ganz typische Lagerschiefer und Sandsteine auf- 
geschlossen sind, von denen die letzteren an einer Stelle durch das 
Vorkommen von „Korallenerz" (Sandstein mit kohligen, napfartigen 
Gebilden, welche nach Dr. Bittner der Brachiopodengattung Discina 
angehören) ausgezeichnet sind, ein Fund, der die vollkommene Ana- 
logie mit dem Lagersandstein der Nordwestgrube beweist. Der er- 
wähnte Zug ist von mehreren Verwerfungen durchschnitten und in 
Dolomit eingeklemmt, der durch seine zahlreichen, glänzend polirten 
Rutschflächen die Heftigkeit der stattgefundenen tektonischen Vor- 
gänge beweist. 

Das Verflachen der erwähnten tiefsten Partie des Lagers Ä ist 
hier vorwiegend steil SSW, während es in den höheren Horizonten 
durchschnittlich die gewöhnliche NNO-Richtung zeigt. 

Die Facies der W e n g e n e r t u f f e (zum T h e i 1 mit Ho r n- 
steinen) ist in der Südostgrube mehrfach vorhanden, so im 
VII. Lauf, Beginn des Südwestschlages, wo die Hornsteintutfe das 
Lager vertreten, ferner auch sehr schön im Zwischenlauf zwischen 
dem IIL und VI. Horizont bei der Schüttlrolle etc. 

Die Hauptmasse der Gesteine in der Südostgrube bilden die 
typischen Dolomite und Dolomi tbre ccien des Muschel- 
kalkes, welche ihrer Ausbildung nach mit jenen der Nordwestgrube 
identisch sind und mit ihnen auch ununterbrochen zusammenhängen. 
In den tiefsten Horizonten., so vor allem am X. Laufe, greifen in 
diese Dolomite vom Südcontacte her Partien von Werfener Schichten 
ein, welche die Erzführung an verschiedenen Stellen abschneiden. 

Ueberhaupt unterscheidet sich der Charakter der südöstlichen 
Lagerstätte in mancher Beziehung von jener der nordwestlichen, wie 
dies in der mehrfach citirten geologisch-bergmännischen Arbeit sehr 
klar dargestellt wurde (S. 21, 22). Es hängt dies vor allem tUmit 
zusammen, dass die Lagerschiefer hier zurücktreten, die Dolomite 

36* 



k 



280 Dr. Franz Kossmat. [22] 

hingegen, in denen die Erzführung vermöge der Gesteinsbeschaft'en- 
heit nicht lager-, sondern gang- oder netzartig auftritt, vorherrschen. 

Die Ueberschiebungen sind in der Südostgrube ebenso klar 
ausgesprochen, wie weiter im Nordwesten und zeigen auch hier die 
Eigenthümliclikeit, dass sie sich in den höheren Horizonten ziemlich 
flach legen, während sie gegen die Tiefe steil, ja sogar senkrecht 
werden. Besonders bezeichnend dafür sind das I. und IL steile 
Blatt im IX, und XI. Laufe, welche Paralleldislocationen zum Nord- 
und Südcontacte darstellen. 

Ausser den NW— SO-Kluftflächen erscheint aber in der Südost- 
grube eine neue Dislocationsrichtung, welche im nordwestlichen Reviere 
nicht bekannt ist. 

Auf den Grubenkarten sind diese Klüfte mit den Buchstaben 
und 0' bezeichnet. Das Streichen ist ONO, also nahezu quer auf 
die Hauptrichtung, das Fallen SSO. 

Auch diese Klüfte sind für die Erzführung von ähnlicher Be- 
deutung wie das I. und IL steile Blatt (vergl, 1. c. Geologisch-berg- 
männ. Karte von Idria, S. 22). 

Zwischen den und O'-Klüften und der^ Querstörung, welche 
an der Tagesoberfläche vom Ostabhange des Cerin (Rinnwerk) sich 
gegen die Mündung des Skonzagrabens fortsetzt, besteht eine ähnliche 
Beziehung, wie zwischen den Längsstörungen in der Grube (M und 
iV-Klüfte) und jenen an der Oberfläche zwischen Cerin und Vogelberg. 
(Vergl. das schematische Profil 3 auf TaL XL) 

In einem eigenthümlichen Zusammenhange mit den Querstörungen 
steht das Auftreten der Cassianerkalke in der Südostgrube. 
Während man nämlich in der Umgebung des Josephischachtes im 
III. Laufe noch denselben Dolomit findet, wie in der Nordwestgrube, 
erscheinen in der nach SO zum Ferdinandischachte getriebenen 
Strecke, dem sogenannten Ferdiuandi-Hof fnungsschlage, die 
typischen Cassianerkalke. Beide, die Dolomite und Cassianerkalke, 
treten hier aber nicht direct miteinander in Contact, sondern sind, 
wie ich bei meiner letzten vorjährigen Grubenbefahrung beobachten 
konnte, durch eine Partie von g 1 i m m e r i g e n, s a u d i g - m e r g e 1 i g e n 
Werfen er Schichten voneinander getrennt. Diese Zone beginnt 
nahe vor der Querstrecke zum Brusgesenk und begleitet den SO- 
Schlag auf eine nicht ganz unbedeutende Strecke, da ihr Streichen 
durchschnittlich OSO, das Fallen SSW ist. Sie steht ohne Zweifel in 
directem Zusammenhange mit den obertags unmittelbar darüber ent- 
blössten Werfener Schichten des L^erin, gehört somit dem Dache 
der erzführenden Masse an und setzt nicht mit ihr in die Tiefe ; in 
den unteren Läufen trifft man bereits beiderseits der Quer- 
störuugen Dolomite und Lagerschieferschmitzen an. 

Die Cassianerkalke beginnen bereits vorder zweiten SW- 
Querstrecke des Iloffnungsschlages und halten an bis zum Ferdinandi- 
schachte. Es handelt sich hier um dieselbe Partie von Kalken, 
welche in unmittelbarer Nähe des Josephischachtes und im unteren 
Lubeucthale an der Tagesoberfläche erscheint und gleichfalls 
direct in Contact mit Werfener Scliichten tritt. Das Fallen ist sowohl 



[23] Ueber die geologischen Verhältnisse des Bergbaugebietes von Idria. 281 

in der Grube als auch obertags durchschnittlich SSW, das Streichen 
nach WNW gerichtet. 

Mit dorn Ueberschreiten der genannten Zone von Werfener- 
schiefer im III. Laufe hat man das Gebiet der von dem 
Cerin überdeckten erzführenden Partie verlassen und 
tritt in jene Kalkzone ein, welche an der Tagesober- 
fläche entlang des II i n n w e r k e s und im L u b e u c g r a h e n 
erscheint. Bekanntlich hat man im Holfnungsschlage keine Erz- 
vorkommnisse mehr angetroffen ; ich halte es nicht für ausgeschlossen, 
dass dies in Zusammenhang mit der erwähnten tektonischen Er- 
scheinung steht. 

Unterhalb des Ferdinandischlages ist im Zwischenlauf zwischen 
dem III. und VI. Horizont (ca. 100 m SO des Josephischachtes) eine 
kleine Grubenpartie ausgerichtet (zwischen Brus-Gesenk und Mayer- 
Gesenk), welche das folgende Bild zeigt: 



Fig. 5. Profil zwischen Brusfahrtl (NO) und Maj ei -tfesenk (SW); Südost- 
grube, III Vj. Lauf. 




Dßr = Dolomit. — Cgi - Conglomerate. — L.s7< = Lagerschiefer. 
CK = Cassianerkalk. 



Nach meiner Ansicht ist an dieser Stelle gerade das untere 
Ende der Cassianerkalkzone, welche im III. Lauf durch den Ferdi- 
nandischlag ausgerichtet ist, erreicht, denn bereits im nächsttieferen 
Lauf, dem VI., triff't man nur mehr Dolomit (respective Dolomit- 
breccie) mit Schmitzen von Lagerschiefern ( Wengener Schichten) an 
— die Cassianerkalke hätten demnach eine muldenartige Lagerung. 



Umgebung der Lagerstätte. 

Während das Hinabreicheu des Quecksilbervorkommens von 
Idria in grössere Tiefen ganz ausser Zweifel steht, bietet die 
Frage nach der h o r i z o n t a 1 e n V e r b r e i t u n g erzführender Partien 
in der Umgebung des heutigen Grubenbaues viel grössere Schwierig- 
keiten. Im Obigen wurde die Fortsetzung gegen SO behandelt ; 
was die Ausdehnung gegen NW anbelangt, so ist darüber nur wenig 
zu bemerken. Im III. Laufe, in welchem die Ausrichtung am aller- 
weitesten gediehen ist, kann man eine gegenseitige Annäherung des 
Nord- und Südcontactes gegen NW beobachten, so dass man den Ver- 
einigungspunkt ziemlich nahe annehmen muss. 



282 t)r- ^ranz Kossmat. r24] 

Auch im VI. Lauf ist eine ähnliche Convergenz angedeutet, es 
scheint also nicht, dass sich die Lagerstätte gegen NW noch weit 
erstreckt. 

Nebenbei möchte ich bemerken, dass an der Tagesoberfläche 
der Cal varienberg, welcher ähnlich wie die Lagerstätte zwischen 
zwei Ueberschiebungen eingeschlossen ist, sich gegen WNW keil- 
förmig zuspitzt, eine Erscheinung, welche jedenfalls damit zusammen- 
hängt, dass die zahlreichen Ueberschiebungslinien von Idria sich in 
dieser Richtung sehr bald vereinigen und zu einer Hauptstörung 
zusammenfliessen (vergl. pag. 270 [12]). 

Dieser Umstand dürfte der Lagerstätte ziemlich bald eine 
Grenze gegen Nordwesten setzen. 

Was die Nordseite betrifft, so zeigt die Karte, dass man 
jenseits der Grenzdislocation unter die Masse des Jelicen vrh 
kommen würde, welche nicht mehr von tiefreichenden Dislocationen 
durchsetzt ist, wie z. B. Ceriii und Vogelberg, weshalb auch wenig 
Aussicht vorhanden ist, in dieser Richtung ein Analogon zu dem 
gegenwärtig in Abbau begrififenen erzführenden Körper zu finden. 

Es erübrigt also noch die Betrachtung des jenseits vom 
Südcontacte liegenden Gebietes, über welches man vor allem 
durch zwei Querstrecken: 1. den Gersdorf- Liegendschlag, 2. den SW- 
Schlag in der Nähe des Josephischachtes, beide im VIL Lauf, einige 
Anhaltspunkte gewinnen kann. 

I. Gersdorf-Liegendschlag, VII. Lauf. 

Der Gersdorf- Liegendschlag beginnt nur circa 20 — 30 m vom 
Inzaghischachte entfernt, quert das Lager B und Ä, sowie die zwischen 
beiden liegende Partie von Dolomitbreccie und tritt jenseits des 
Lagers Ä über den Südcontact hinaus in den Werfenerschiefer ein. 
Seine Länge beträgt circa 400 m und übertrifft sogar etwas die Breite 
der Lagerstätte im VII. Lauf. 

Auf nebenstehender Seite gebe ich ein Profil durch den Gers- 
dorfschlag, wie es sich nach meinen im Vorjahre gemachten Beobach- 
tungen darstellt. 

Die Dimensionen sind nicht ganz in den richtigen Verhältnissen 
gegeben , doch dürften die in der Erklärung zum Durchschnitt ange- 
gebenen Maße genügende Anhaltspunkte für eine Richtigstellung liefern. 

Das Profil ist in zweifacher Beziehung von Interesse. 

Es zeigt: L Dass noch südlich des Südcontact es 
P a r a 1 1 e 1 k 1 ü f t e vorhanden sind, welche man als U e b e r- 
s c h i e b u n g e n a u f z u f a s s e n hat, d a s i e z. B. d a s A u f t a u c h e n 
einerZone von Silberschiefer zwischen den mergeligen 
Werfen er Schichten und den Dolomiten bewirken. 

2. Dass auch die Erzführung nicht mit dem Süd- 
contacte abgeschlossen ist, sondern dass noch jenseits 
desselben reiche Scheidgänge auftreten. Die Erzführung 
ist, wie man auch hier sehen kann , nicht an einen bestimmten 
Horizont gebunden, denn die Werfenerschiefer sind hier ebenso schön 
imprägnirt, wie anderwärts die Dolomitbreccien und Lagerschiefer. 



[25] TIeber die geologischen Verhältnisse des Berghaugebietes von Idria. 283 





So ö 


f 




t3 oj 






1-. bC 


&< 




■? :i 


3 




^ tiD 


m 




^ T3 






w ._ 






^. J 






o 






a (ß 


:; 




v 










d 


"^ g 




a 




<d 


o 


11 


o 


^ö 


s 


:3 


H O, 


s 

'S 


r/5 


g g 


1 


^^ 


TS 



t- a 



1 s 



1-5 .s 



■gg 



-M ^ _a 



S 





^ 
yj 




CO 


ö 

5^ 


"2 




6 


4S 




1j3 

0) 





'S 


QJ 


'S 


Ol 


o 


13 




_M 


a 




a 

Ol 


0) 


1 

Ä 




1 


3 


S 






'S 

s 


5 




^ 
^ 


bjD 
j3 






OJ 


c 










a 

CD 
3 

ca 






s 

o 
'S 

Q 


■3 
st 








a 


> 




s 



'S 

Q 


_3 


L4 

Ol 

_bC 


13 
s 
S 


^ 
" 


OJ 


•73 


1 









CO 


a 




n3 


■p* 


cS 


15 


a 


1 


OJ 


3 
a 


g 





H 


Ph 


rg 




a* 


3 


a 


3 



^ 


73 




P5 


a 

3 




, 




<u 


« 




3 




bc 


a 

0) 




c 




'TJ 


eo 




03 


■«* 


.« 


bß 


^ 


«© 


S 








'oj 


Ph 








£3 


j 












Lh 






^ 

Cß 




j3 
S-, 






ja 








s 


a 

a 




'S 




g 


s« 




p 








s 


N 




M 




^ 


^ 




3 

n3 



284 DJ" Franz Kossmat. [26] 

Das Auftreten freien Quecksilbers erinnert an die Verhältnisse 
entlang des Nordcontactes, wo das Hg an die Nähe der Lagerstätte 
gebunden ist. 

Nicht unerwähnt möchte ich an dieser Stelle lassen, dass 
Lipoid an einer Stelle seiner grundlegenden Arbeit (Seite 24) 
wörtlich sagt: 

„Diese Beobachtung (nämlich das Auftreten 
mehrerer, zur Hau])tdislocation paralleler Störungen 
an der Oberfläche) ist insoferne von Wichtigkeit, weil 
sie den Fingerzeig gibt, dass ähnliche Nebenspalten 
auch im Grubenbaue sich vorfinden, und dass demnach 
die Hoffnung vorliegt, im Hangenden und Liegenden 
des gegenwärtig im Abbau befindlichen Erzlagers neue 
parallele Lagerstätten aufzuschli essen." — 

Diese Bemerkung kann nach meiner Ueberzeugung ganz gut 
für den Gersdorf- Liegendschlag angewendet werden. 

II. Südwestschlag bei Josefischachi 

Der zweite grosse Südwestschlag des VIL Laufes beginnt etwas 
N vom Mayergesenk und quert ebenfalls den Südcontact sehr bald 
(vergl. das nebenstehende Profil). 

Auch dieser Durchschnitt beweist, dass noch jen- 
seits des Südcontactes und des daselbst auftretenden 
Werfenerschiefers Ueberschiebungen vorkommen, 
welche zu Schichtwiederholungen führen, und zeigt, 
dass eingeklemmte Partien von Dolomit und Lager- 
schiefer auch noch südlich der heute in Abbau be- 
griffenen Lagerstätte erscheinen. 

Zinnober-Scheidgänge fanden sich im Bereiche der Dolomit- 
partie 5, also ebenfalls schon ausserhalb der Hauptlagerstätte — ganz 
ähnlich wie im Gersdorfschlag. 

Der Abstand des Südcontactes von der Kreide- 
grenze scheint, soweit man es auf Grundlage der nach 
den bisherigen Erfahrungen gewonnenen Profile beur- 
t heilen kann, im Südwestschlage der Jose fi grübe viel 
grösser zu sein als im weiter nordwestlich gelegenen 
Gers dorfschlage, wasdamitgutüberein stimmt, dassauch 
an der Oberfläche auf der Nordwestabdachung des 
Vogelberges die Grenze der Kreide kalke sehr rasch 
gegen die Fortsetzung des Südcontactes convergirt 
und sich in der Nähe des N i k o v a b a c h e s mit ihr sogar 
vereinigt. 

Es wurde bereits früher (vergl. pag. 278 [20]) betont, dass der 
Vogelberg bereits jenseits des Südcontactes liegt; 
mithin gehören die Partien, welche durch die ge- 
nannten Süd westsch läge erschlossen wurden, tekto- 
nisch bereits zum Untergrunde des Vogelberges, wenn 
auch ihre Proj ection wegen des nordöstlichen Verflächens des 
Südcontactes zum guten Theile noch in den Bereich des Cerin fällt. 



1271 üeber die gcologisclien Verhältniss«! des Bfi-gbaiigchietes von Idiia. 285 



-n 




^ 




s 


3 










^ 






t-i 


^ 









i 


1 


o 




M 


'S 


,^ 


ID 




a 


.=i 


"^ 


0) 


1^ 




'S 

a 


s 


£ 


SP 


kJ 


,• 


a 

'T3 






a 
o 

> 


1 


,a 

'S 


a 


TS 




S 


a 


S 


S 


^ 


ö 


^ 


=2 


a 

'S 

5; 


a 



'S 

c 




OD 
g 




b»j 

'"6 


^ 


.SP 


'S 


5 


'S 


^ 


. 


't' 


« 






'^ 


2 


S 


's 


'S 
bC 


^ 


•1 


)a 


s 


s 


,^ 


Ol 


a 


" 




a 


la 


1^ 




a 


^ 







Cu 


c^ 


o 


"o 


Xi 


£ 


P^ 


bß 


s 




-a 


a 


a 

bX) 




rö 
a- 


bX) 
'bb 

c 


's 

■5 


Ol 








^ -5 5 



(M so -Hi i« 



Jahrbuch d. k. k. geol. Ileichsanstalt, 1899, 49, Band, 2. Heft. (Fr. Kossiuat.) i^7 



286 I^*"- Franz Kossmat. [28] 

Es ist somit erwiesen, dass der Vogelberg nicht auf einer 
ungestörten Basis aufrulit, sondern dass in seinem Untergrunde eben- 
falls Ueberschiebungen vorhanden sind, welche mit Erzführung in 
Zusammenhang stehen. Es ist also Aussicht vorhanden , dass der 
Vogelberg, welcher obertags mit dem Cerin eine so auffällige 
Analogie zeigt, auch unterirdisch einen cähnlichen Bau aufweist wie 
letzterer und ebenfalls auf andere Gesteine der Trias aufgeschoben ist. 
Hiefür spricht in zweiter Linie auch der bereits auf pag. 266 [8] 
erwähnte Umstand, dass ausser der Grenzüberschiebung gegen die 
Kreide der „Grapa" noch eine andere Störung durch den schmalen 
Aufbruch von Silberschiefer innerhalb des zur Grenzverwerfung pa- 
rallelen Zuges der Werfener Schichten angedeutet ist. 

Da auch die tektonische Lage des Vogelberges zur Querstörung, 
welche W^des Rinnwerkes zutage kommt, ganz die gleiche ist, wie 
jene des Cerin, kann man an der geologischen Analogie beider wohl 
kaum zweifeln. Wenn man also nach den bereits von Lipoid ver- 
mutheten oder erhofften erzführenden Parallelzügen zu der gegen- 
wärtig in Abbau stehenden Lagerstätte sucht, ist wohl der Unter- 
grund des Vogelberges das erste Terrain, welches einer eingehenden 
Durchforschung bedarf. 

Ein Weitertreiben des G ers dorf-L legen ds chlag es und 
einer der zu ihm parallel en Stre cken (z.B. des La m berg- 
schlag es), bis zum Contacte mit dem Kreidekalke (resp dessen 
Unterlage in der Tiefe), also bis zum Süd contacte des Vogel- 
berges, würde unter diesen Umständen sehr wichtig für die even- 
tuelle Erschliessung eines zweiten, südlich gelegenen Erzkörpers sein. 
Für die möglicherweise später einmal in Betracht kommende 
Anlage eines Schurfschachtes scheint mir aus geologischen Gründen 
der Nordabhang des Vogelberges zwischen dem Gipfel und dem oberen 
Brandgraben, jedoch etwas näher dem letzteren, die beste Lage zu 
besitzen. 

Jedenfalls aber ist der Vogelberg ein Gebiet, welches nicht nur 
ein hervorragendes theoretisches Interesse besitzt, sondern auch vom 
bergmännischen Standpunkte eine besondere Aufmerksamkeit verdient. 



Das Salzburger Vorland. 

Von Eberhard Fiigger. 

Mit 2 Tafeln (Nr. XII- XIII) und 30 Zinkot.ypien im Tr^xt. 

Wo die Salztach die enge Schlucht zwischen Tannen- und 
Hagengebirge verlässt, betritt sie das weite Thal von Hallein, ein- 
geschlossen von Bergen, welche hauptsächlich der Trias- und Jura- 
formation angehören und an deren Fuss cretacische Bildungen an- 
gelagert sind. Den Thalboden selbst bilden quartäre Ablagerungen, 
aus denen nur wenige Hügel theils cretacischen, theils tertiären 
Ursprunges hervorragen. Bei der Stadt Salzburg wird das Salzachthal 
durch einen Felsriegel abgesperrt, welcher sich quer durch dasselbe 
hinzieht, vom Kühberg, einem Ausläufer des Gaisberges, bis zum 
Rainberg. Zwischen diesem letzteren und dem Untersberg bleibt 
eine weite Lücke, durch welche die Wasser der Salzach ursprünglich 
ihren Abfluss hatten. Späterhin als sich der Fluss diesen Weg verlegt 
hatte, nagte er sich seine Bahn zwischen Neuhauser- und Kapuziner- 
berg aus; und noch im Jahre 1884 konnte man am Ostfusse des 
letzteren eine mächtige Schichte von Sand beobachten, welchen die 
Salzach seinerzeit dort abgelagert hatte. Viel später wurde auch 
dieser Weg, vielleicht durch die Schuttkegel der vom Gaisberg 
kommenden Bäche versperrt, und die Salzach bohrte sich zwischen 
Kapuziner- und Festungsberg ein, um sich ihre heutige Bahn zu 
erschliessen. Kühberg, Kapuziner- und Festungsberg gehören der 
oberen Trias an, an den Nordfuss derselben waren Kroideschichten 
angelagert, von denen sich Pteste in Schallmoos und im südlichen 
Almstollen, der durch den Mönchsberg führt, erhalten haben. Die 
Fortsetzung dieser Kreidebank bildet das Liegende des Bainberges. 
Ueber dieselbe hin, concordant mit ihr gelagert, breiten sich auf 
dem Mönchs- und Rainberg geschichtete Conglomerate aus, welche 
ich — eben wegen dieser Concordanz — in Uebereinstimmung mit 
Hauer und Wähn er für tertiär halte, im Gegensatz zu Gümbel 
und Penck, welche sie als diluvial, als eine Art Ueberguss an- 
sprechen. Die Conglomerate wie die Kreideschichten streichen fast 
Ostwest (hO — 1) mit einer Neigung von 20 — 25^. 

Aus diesem Querriegel tritt die Salzach in ein Gebiet, welches 
sich von dem ihres bisherigen Laufes schon landschaftlich deutlich 
unterscheidet, aus dem Gebirgslande tritt sie in das Salzburger Vorland. 

Während im Gebirgslande die Berge meist schroff und steil 
ansteigen und kahle Wände und Felsen darbieten, steigen die Hügel 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. üaiid, 2. Heft. (E. Fugger.) 37* 



I 



288 Eberhard Fiigger. [2] 

und Berge im Vorlande nur allmälig zu geringer Höhe an, sind 
überall mit Ortschaften, Feldern und Wäldern bedeckt und zeigen 
nur einige wenige unbedeutende Wandflächen. 

Die Südgrenze des Vorlandes ist markirt durch die schroifen 
Wände des Staufen, des Kapuzinerberges, des Küh- und Gaisberges, 
des Lidaunberges bei Hof, des Feldberges am Fuschler See, des 
Schober und der Drachenwand am Mondsee. Im Westen ist das 
Gebiet durch die Salzach, im Osten durch den Irrsee begrenzt, im 
Norden endigt es mit der Landesgrenze. 

Die geologischen Verhältnisse des Salzburger Vorlandes wurden 
bereits seit langer Zeit in einzelnen Partien studirt und bearbeitet. 
Schon zu Anfang des Jahrhundertes berichtet Wagner in Moll's 
Ephemeriden über Wildshut, 1830 bis 1833 Li 11 über Högl und 
Mattsee, 1835 Rus segger über das Vorland, 1847 Morlot, 1848 
bis 1855 Ehrlich, und seit Gründung der k. k, geologischen 
Reichsanstalt schrieben die Herren Hauer, Lipoid, Seeland, 
Emmerich, E 1 1 i n g s h a u s e n, C z j z c k, Stur, G ü m b e 1, 
Frauscher, Mojsisovics, Johannes Böhm, Bittner, Paul 
u. a. über einzelne Theile des Gebietes. 

Ich habe das Salzburger Vorland seit mehr als 15 Jahren nach 
allen Richtungen hin mit Hammer und Compass durchwandert, und 
wurde dabei häufig von meinem Freunde und Collegen Professor 
Karl Kastner begleitet, dem ich an dieser Stelle dafür meinen 
besten Dank sage. In den folgenden Bliittern lege ich meine 
Beobachtungen und deren Resultate nieder. Nachdem das Gebiet 
eine immerhin bedeutende Fläche einnimmt, werde ich dasselbe in 
einzelnen Theilen behandeln, die sich durch natürliche Grenzen von 
einander abtrennen lassen. 

Am Ende eines jeden Abschnittes folgt eine Zusammenstellung 
der gemessenen Streich- und Fallrichtungen, deren Nummern mit den 
in den Text eingefügten und den in den Karten am entsprechenden 
Orte aufscheinenden Nummern übereinstimmen. In den Karten ist 
die Lage der Kegelwülste der Flyschsandsteine an den Zeichen für 
die Lagerung durch je zwei an der betreifenden Seite angefügten 
Halbringe bemerkbar gemacht; es bedeutet das Zeichen -^y^: die Seite, 
auf welcher die Wülste vorkommen, ist der Fallrichtung entgegen- 
gesetzt, und das Zeichen -iii£> : Die Wülste liegen auf derselben Seite, 
nach welcher die Schichten sich verflachen. Auch in den Profilen 
ist die Lage der Kegelwülste durch kleine Halbringe bezeichnet. 

Ich habe mich bemüht, meine Beobachtungen objectiv dar- 
zustellen und wenn dabei zahlreiche Wiederholungen vorkommen 
und das Ganze sich nicht gerade angenehm und fliessend liest, so 
liegt dies eben in der Natur der Sache. Die Ergebnisse meiner 
Beobachtungen aber dürften die Lagerungsverhältnisse des Salzburger 
Vorlandes unzweifelhaft feststellen, und so hotfe ich, im Nachstehenden 
einen brauchbaren, wenn auch bescheidenen Beitrag zur Kenntnis 
der geologischen Verhältnisse eines kleinen Theiles unserer Voralpen 
geliefert zu hnben. 



[3] Das Salzburger Vorlaud 289 



I. Der Plainberg. 

(Vergl. hiezu die in den Text eingedruckte Kartenskizze Fig. 1 auf Seite 290.) 

Die Ebene nördlich der Stadt Salzburg am rechten Salzachufer 
zwischen K a p u z i n e r b e r g und dem Höhenzuge des P 1 a i n b e r g e s 
und Nussdorfer Hügels hat durchaus glacialen und alluvialen 
Untergrund. Die diluviale Uferterrasse, welche sich längs der Frosch- 
heimer Hauptstrasse und der Strasse nach Itzling bis zur Plainbrücke 
hinzieht, ist in ihren südlichen Partien durch Bauten schon ziemlich 
undeutlich geworden. Das mächtige Schotterlager, durch welches jene 
Bahnstrecke geführt ist, die den Frachtenbahnhof Itzling der Obern- 
dorfer Bahn mit dem Staatsbahnhof verbindet, enthält auch horizontal 
geschichtetes Conglomerat und lieferte reiches Material für den Bau 
der Bahnlinie Salzburg-Oberudorf. Es gehört der Diluvialterrasse an. 

Weiter gegen Osten dehnen sich weite Moorgründe aus, das 
Schallmoos und das Itzlinger Moos, deren Material zur Torf- 
gewinnung, deren Unterlage im nordöstlichen Theile zur Ziegelbe- 
reitung benützt wird. Im Schallmoos wurde iin Jahre 1889 Dopplerit 
gefunden; derselbe ergab einen Wassergehalt von 71-3 und einen 
Aschengehalt von P8 Procent. 

Am Plainbache hin findet man an verschiedenen Stellen 
Moränen aufgeschlossen, unter anderen eine mächtige Moräne bei der 
Grabenmühle zwischen Plainbrücke und Pflanzmann. Dort wo der 
Eisenbahndamm der Staatsbahn vom Bahnhofe weg in der Richtung 
nach Seekirchen ziemlich stark ansteigt und etwa 120 w vor dem 
Wächterhaus 400, welches beim Eintritt der Bahnlinie in den Wald 
steht, auf anstehendes Flyschgestein stösst, lagen noch im Jahre 1885 
zwei grosse erratische Blöcke von Gosauconglomerat, kaum 10 m über 
der Ebene. In der Mulde zwischen dem Wirtshaus „zum grünen 
Wald", dem „Jägerhaus" und dem Schloss Radeck befinden sich 
mehrere auffallend abgerundete Flyschhügel, doch fanden wir keinerlei 
glacialen Schotter daselbst; dagegen liegen auf dem benachbarten 
Nussdorferhügel und in der Nähe der Rundhügel von Söllheim Gosau- 
conglomerate überall zerstreut umher. 

Das Thal nördlich des Plainberges, das weite uritere Fischach- 
thal ist ebenfalls mit Schottermaterial erfüllt. Unmittelbar am nörd- 
lichen Ende des Dorfes Bergheim lagern an der Strasse glaciale 
Schotter. An der Strasse von Bergheim nach Lengfelden waren im 
Spätherbste 1896 zwei Schottergruben eröffnet; in diesen beobachtete 
man mehrere Zwischenlagen von feinem Wellsand, welche etwa 4 cm 
mächtig und horizontal gelagert waren. 

Zwischen dem unteren Fischachthaie und der Itzlinger Ebene 
erhebt sich der Plainberg, welcher sich von West nach Osten hin- 
zieht und dessen höchste Erhebung 5G2 m ü. d. M. beträgt. An hervor- 
ragender Stelle steht die weithin sichtbare Wallfahrtskirche Maria Piain. 

Das Gestein des Berges gehört durchaus dem Flysch an. An 
seinem westlichen Fusse reichen die Mergel- und Sandsteinbänke bis 
in die Salzach hinein und ist daselbst die Lagerung derselben in h 6, 10<^ 
mit einem südlichen Einfallen und 84° Neigung (1) deutlich messbar. 



290 



Eberhard Fugger. 



W 




o e- 



[5] Das Salzbiirger Vorland 291 

Wenige hundert Meter stromabwärts befindet sich am (rechten) 
Ufer der Salzacli der grosse S tein bru ch von liergh ei m (2). Die 
Schichten sind hier steil gelagert und laufen fast parallel zum Fluss- 
ufer; sie streichen ebenfalls in hB, 10 — 12" und ihr Fallen schwankt 
zwischen Tt)" gegen Süd und B*)^ gegen Nord, sie stehen also fast 
senkrecht. 

Die Basis des Steinbruches ist ein offenes Rechteck ; die der 
offenen Seite gegenüberliegende Wand ist eine Schichtfläclie, deren 
Länge im Jahre 189(5 etwa 200 ;n betrug; seit IH'JT ist derselbe ausser 
Betrieb. Die im Bergheimer Steinbruch auftretenden Gesteinsarten 
sind Mergel, und zwar Kalk- und Thonmergel und Mergelkalke, dann 
Mergel- und Thonschiefer, sowie fein- bis grobkörnige Sandsteine, mehr 
oder weniger kalkig oder mergelig, theilweise mit Ausscheidungen von 
ziemlich grossen, weissen Glimmerblättchen und von zahlreichen Kohlen- 
stückchen, oder auch mit Einschlüssen von Glauconitkörnern. 

Die Aufeinanderfolge der Schichten, wie sie im April I81H) an 
einer Seitenwand messbar war, ist, von aussen nach innen, nachstehende. 

Aussen ist das Gestein verschüttet, dann folgen : 

100 cm fester Sandstein, 

dünnplattige Mergel und Mergelschiefer, 

Sandstein, 

dünnplattige Mergel, 

Mergelbank, 

dünnplattige Mergel, 

Mergelbank, 

dünnplattige Mergel, 

Sandstein, 

dunkle, dünnplattige Mergel, 

Sandstein, 

dünnplattige Mergel, 

Sandstein, 

dünnplattige Mergel, 

Kalkmergelbank mit grossen Chondriten, GijfophijUite^ und 
FacJi ijdistus Neuberg icus Hauer ^ 

dünnplattige, dunkelgraue Mergel- und Thonschiefer, 

hellgraue, dünnplattige Mergel, 

sandige Mergel und Sandsteine, 

verschiedene Lagen dünnplattiger Mergel, Sandsteine und 
Mergelbänke, 

fester Sandstein, 

dünnplattige Mergel, 

Sandstein, 

dünnplattige, zum Theil fast schwarze Mergel- und Thon- 
schiefer, 

dünnschichtige Sandsteine, 

compacter Sandstein, 

dünnplattige Mergel, 

Sandstein, 



2. 


8 


3. 


240 


4. 


10 


5. 


30 


H. 


30 


7, 


30 


8. 


18 


9. 


50 


10. 


35 


11. 


100 


12. 


40 


18. 


280 


14. 


60 


15. 


15 


IB. 


15 


17. 


10 


18. 


175 


19. 


250 


20. 


95 


21. 


75 


22. 


165 


23. 


20 


24. 


20 


25. 


210 


26. 


23 


27. 


100 



k 



2S. 


90 


29. 


80 


30. 


50 


31. 





292 Eberhard Fugger. [6] 

•m Mergel, 

„ Sandstein mit Kohlensplittern, 

„ diinnplattige Mergel, 

nördliche Wand: Sandstein. 

Die dünnplattigen Mergel gehen hiiufig in Mergel- und Thon- 
schiefer über. 

Vorstehende Schichtenfolge ist mit jener, welche ich im Jahre 
1882 mit Prof. Kastner in demselben Steinbruche, aber an einer 
anderen Stelle beobachtet und gemessen habe '), nicht in Einklang zu 
bringen. Aus dieser Thatsache lässt sich schliessen, dass die einzelnen 
Schichten nicht in gleicher Mächtigkeit fortstreichen und dass hie und 
da einzelne sich auskeilen. 

Auf den Schichttlächen sieht man mehr oder weniger deutliche 
S förmige Wülste von 6 — 8 mm Breite und 2 — 3 mm Höhe, an der 
Nordseite der Sandsteinschichte 9 sind aber grobe Hieroglyphen ent- 
wickelt von jener Form, welche ich als Kegelwülste bezeichne. Die 
dünnplattigen Thonmergel 8 liegen scheinbar dicht an den Hiero- 
glyphen an; sie brechen aber sofort in kleine Stücke, wenn man 
einzelne Theile wegnehmen will, um zu sehen, ob die Hieroglyphen 
Abdrücke in den Mergeln gebildet haben. Diese Kegelwülste, auf 
welche ich später zurückkommen werde, befinden sich, wie schon er- 
wähnt, auf der Nordseite, also an der von dem Beschauer abge- 
Avendeten Fläche der Sandsteinschichte. 

Prachtvolle, glänzend schwarze Rutschflächen, sowie Ausblühungen 
von Bittersalz und Alaun sind an den Wänden niclit selten. Zahlreiche 
Chondriten, iiisbesondere Cli. intricatus Brongn., arhnsculus F. 0., 
Targionil Brongn. und affinis Sternb., letzterer häufig in der Aus- 
bildung von Ilormosira moniliformis Heer, d. h. senkrecht auf die 
Schichtung das Gestein durchquerend, Taenidium Fischeri Heer, Tao- 
nurus ßahelliforniis F. 0. und andere Formen dieses Genus, und 
IlehnintJwida labgrintliica Heer durchziehen die Mergel. Ausserdem findet 
man Hgdrancglns geniculatus F. 0. und andere Arten, ferner ver- 
schiedene Species von Gyropliyllites und Halgmenidium, sowie Formen, 
die mit unseren Gräsern Aehnlichkeit besitzen. Das Salzburger 
städtische Museum Carolino-Augusteum besitzt auch je ein Exemplar 
von Caulerpa filiformis Sternb. und C. eicatricosa Heer mit der Fundorts- 
angabe „Bergheim"; ob aber dieselben wirklich von dort stammen, 
muss dahin gestellt bleiben, da ich trotz ausserordentlich zahlreicher 
Besuche in den Flyschsteinbrüchen nie auch nur eine Spur einer 
Caulerpa sah. 

In den Mergeln — Schichte 15 — des Bergheimer Steinbruches 
fand Prof. Kastner den Abdruck eines Ammoniten : Fachgdiscus 
NeubergicuH Flauer, womit die Zugehörigkeit des Flysches von Berg- 
heim zur oberen Kreide zweifellos nachgewiesen ist. Auch ein Bruch- 
stück eines Krebses, sowie ein Fischwirbel und eine froschfussähnliche 
Bildung wurden daselbst aufgefunden. 



') Sielie Fugger undKastner: Studien und Beobachtungen aus und über 
Salzburg. Salzburg 1885, S. 63. 



[7] I>as Salzburgor Vorland. 293 

In den Sandsteinen kommen eioentliümliche lilngliclie Knollen 
vor, abgerundete Kegel von 25 an Höhe und 12 cm P>asisdurchmesser, 
aus genau demselben Materiale wie der umgebende Sandstein und 
von der gleichen Grösse der ihn zusammensetzenden Körner. Diese 
Knollen liegen der Länge nach in der Sandsteinschichte, und zwar 
sowohl mitten in einer Bank, als auch an der Aussenseite einer 
solchen, gleichviel ob über- oder Unterseite hervorragend. 

An einzelnen Stellen trifft man im Gesteine Thongallen, das 
heisst kleine Knollen von etwa 3 bis 5 cm Länge, 2 cm Breite und 
5 bis 8 mm Dicke aus Mergelthonsubstanz von rundlichen flachen 
Formen ohne jede Structur. Auf den ersten Blick könnte man sie für 
Ausfüllungen von Hohlräumen ansehen, welche durch Muscheln ent- 
standen sind; bei näherer Betrachtung jedoch sieht man, dass sie 
dies nicht sein können. Auch ähnliche Formen aus schwarzer Thon- 
schiefermasse findet man hin und wieder im Sandstein. 

An der Grenze zwischen den Schichten 12 und 13 werden 
die Mergel allmälig sandiger und gehen schliesslich in krummschalige 
Sandsteine über. In diesen beobachtet man Mergelknollen von 60 ctn 
Länge und 45 cm Höhe, diese zeigen muschlige Bruchflächen und 
verwittern theilweise mit brauner Farbe. 

Eine ganz eigenthümliche Verwitterung zeigt die Schichte 18. 
Während sonst die Wände des feinkörnigen mergeligen Saudsteines 
derart verwittern, dass auf der fast verticalen Schichtfläche horizon- 
tale und verticale Spaltlinien entstehen, so dass eine solche Wand 
das Aussehen einer roh und unregelmässig aufgeführten Steinmauer 
hat (s. Fig. 2), ist hier (Fig. 3) die Oberfläche des mergeligen Sand- 
steines über eine ziemlich grosse Fläche hin in lauter Vierecke ge- 
spalten, die durch ziemlich regelmässige gerade Linien, welche nach 
rechts und links abwärts gehen, gebildet werden. Die Seiten eines 
solchen Viereckes sind 15 bis 20 cm lang. Stellenweise sind es wirk- 
liche Quadrate, deren Seiten gegen die Horizontale um 45° ge- 
neigt sind. 

An einer anderen Stelle dieser Schichte sieht man einen 
Knollen von 80 cm Länge und 25 bis 30 cm Höhe aus der carrirten 
Wand hervorragen. Der Sandstein, welcher zahlreiche kleine Kohlen- 
splitter enthält und sandig verwittert, zeigt auch Einschlüsse von 
härteren Sandsteinknollen, die theilweise von ockerigem Sand umhüllt 
sind ; auch ziehen sich einzelne Ockerschnüre durch den lockeren 
Sandstein. 

Im März 1893 wurde beim Abräumen der Südostecke des Stein- 
bruches auf dem Flysch eine Moräne blossgelegt, welche mit Salzach- 
sand überdeckt war. Nachdem die Moräne theilweise weggeführt war, 
kamen auf den abgerundeten Schichtenköpfen der anstehenden Flysch- 
sandsteine Gletscherschlifl"e zum Vorschein, deren Streifen parallel zur 
Schichtung, also in der Richtung von Ost nach West, d. h. in der 
localen Flussrichtung gezogen waren. 

Am Nordrande des Steinbruches sind die Schichten durch den 
Bau der Eisenbahn Salzburg-Lamprechtshausen angeschnitten worden. 
Man beobachtet hier Kalkspathadern und krystallisirten Kalkspath 
im Sandstein; theilweise haben die Kalkeinschlüsse Streifungen, wie 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt 1899, 49. Band, 2. tieft. (E. Fugger.) 38 



294 



Eberhard Fugger. 



[8] 




[9] 



Das Salzbiirger Vorland. 



295 




38* 



296 Eberhard Fiigger. [10] 

man sie an Rutschflächen sieht. Auch Mergelknollen von 5 cm Höhe 
beobachtete ich daselbst. 

Kaum hundert Schritte unterhalb des Steinbruches steht Flysch 
direct an der Salzach an. Ganz Bergheim steht auf Flysch und 
ist derselbe an der Fahrstrasse im Dorfe blossgelegt. Beim Finanz- 
wächterhaus nördlich des Dorfes (3) war vor dem Neubau desselben 
Flysch mit (U)" Neigung gegen Süd anstehend, messbar. 

Beim Dechanthof, sowie auf dem Wege von der Piain er 
Kirche gegen das Restaurationsgebäude sieht man die Schichten- 
köpfe auf eine ziemlich lange Strecke aus dem Boden hervorragen; 
die Streichrichtung bleibt auf der Höhe des Plainberges ziemlich 
unverändert; so ist die Lagerung beim Kreuz auf der Wiese am 
Fusswege von Bergheim nach Piain (4) h 8 mit 86« Fallen nach NNO 
und 80 bis W nach SSW ; westlich von den Kreuzwegstationen im 
Walde (5) fallen die Schichten steil nach SSW; an der Stiege, 
welche am Nordgehänge des Plainberges aus dem Fischachthaie auf 
die Höhe führt, beobachtet man ebenfalls eine Neigung nach SSW (6); 
östlich vom Fahrwege von Salzburg uach Piain an der Südseite des Berges 
gegenüber der ersten Station (7) ziemlich steiles südliches Einfallen — 
die Mergel sind hier voll von Chondriten und auf den gegen N ge- 
richteten Sandsteinflächen zeigen sich riesige Kegelwülste ; ich mass 
eine solche von 21cm Länge und 7 rw Basisdurchmesser, b cm hoch 
aus der Schichtfläche hervortretend. 

Unterhalb dieser Stelle im Walde ^fallen die Schichten (8) wieder 
sehr steil gegen SSW, die Wülste ^) befinden sich an der Nordseite. 

Weiter gegen Osten hin biegt die Streichrichtung immer mehr 
in die nordsüdliche über. So ist die Lagerung in der sumpfigen 
Mulde nordwestlich von Gagelham, am Waldsaum (0) h 8, 5*> mit 
50^ Phallen nach SW ; ähnlich hinter dem PLiuse Gagelham (10) an 
zwei Stellen und im grossen Steinbruch östlich von Gagelham im 
Walde (11); hier sind die Kegelwülste gegen NO gerichtet. Weiter 
östlich von dieser Stelle, in einer Mulde im Walde (12) ist das 
Streichen h 9 mit 42" Fallen gegen SW. Zwischen diesem Punkte 
und der südlich davon gelegenen Häusergruppe Rauchenbichl 
befinden sich zwei Steinbrüche auf Flyschmergel (13); das Streichen 
ist hier h 11, 5" bis h 12, das Phallen 3no gegen W, die Wülste liegen 
an der Ostseite. 

Eine ähnliche Unregelmässigkeit zeigt sich am südwestlichen 
Gehänge des Berges. In einem Eisenbalineinschnitte der Lamprechts- 
hausener Bahn unterhalb der Plainb rücke, also in der Nähe von 
Bergheim, fallen die Schichten gegen NNW (14); im Bache längs 
des Fahrweges nach Piain , unterhalb K e m a t e n , streichen sie 
in h 11 mit 50° Einfallen gegen WSW, die Wülste gegen ONO ge- 
richtet (15). 

Am Ostfusse des Plainberges, zwischen diesem und dem Nuss- 
dorfer Hügel liegt die 



^) Wenn ich von Wülsten ohne nähere Bezeichnung spreche, sind stets 
Kegelwülste gemeint. 



[11] Das Salzburger Vorland. 297 



Mulde von Rudeck, 

welche von einer Fahrstrasse und der Staatsbahn durchzogen wird. 
In dieser Mulde erhebt sich eine Anzahl isolirter Rundhügel; nur 
der Hügel, auf welchem Radeck steht, ist in directer Verbindung 
mit dem Plainberge. An der Südseite dieses Hügels wechsellagern 
Mergelkalke und Sandsteine ; letztere enthalten muschelartige Ein- 
drücke, welche mit einer thonschieferähnlichen Masse erfüllt sind, 
d. i. Thongallen, wie sie im Steinbruch von Bergheim vorkommen. 

Auf der Radeckerwiese, südöstlich von Radeck, erhebt sich ein 
isolirter Rundhügel, an dessen Südseite in den Achtzigerjahren ein 
kleiner Steinbruch eröftnet war. Hier liegen unten Mergelkalke, 
welche an ihrer oberen Grenzfläche Chondr/fes afinii^ und häufiger 
Ch. intricatus tragen; darüber folgen dünnschichtige Mergel und über 
diesen Sandstein mit den vorerwähnten Thongallen. Die Schichtung 
in diesem Steinbruch ist h 9, 5" mit Fallen nach SW, die Wülste an 
der NO-Seite (16). 

Oestlich der Fahrstrasse, hart an derselben, zieht sich ein lang- 
gestreckter Hügel hin; an seinem Südende, wo sich Strasse und Bahn 
kreuzen, nahe dem Wächterhause 400, ist die Schichtung h 11, 10^ 
mit westlichem Einfallen und Wülsten an der Westseite (17); mehr 
gegen SW ist das Gestein in diesem Anbruch vollkommen verworfen. 
Weiterhin an der Strasse lagern Mergel und Sandsteine, auf einige 
zwanzig Meter blossgelegt, in h 10 mit südwestlichem Einfallen (18), 

Von Punkt 17 die Bahnlinie entlang findet sich ein Anbruch, 
eigentlich ein kleiner Bahneinschnitt, dann weiterhin gegen NO ein 
grösserer, aber verlassener Steinbruch und einige hundert Meter in 
derselben Richtung fort wieder ein Anbruch ; an allen diesen drei 
Punkten ist die Lagerung der Mergel- und Sandsteinbänke h 12 mit 
mehr oder weniger steilem westlichen Einfallen, die Wülste an der 
Westseite (19). 

Nordöstlich von diesen Punkten erhebt sich aus der Wiese ein 
kleiner isolirter Hügel, welcher theilweise von Humus entblösst ist 
und von unten nach oben nachstehende Schichtenfolge zeigt: 

50 cm dichte compacte Mergelkalke in Platten von 15—20 cm 
Dicke; auf der Oberseite der obersten Bank linden sich zahlreiche 
Chondriten, besonders Ch. intricatus^ seltener Ch. iridinatus; 

21 cm dünnschichtige Mergel; 

22 ctn dichter Mergelkalk ; 

17 cm dünnschichtige Mergel; als Hangendes 200 fw geschichtete 
Sandsteine, welche in den unteren Partiell grobkörnig, in den oberen 
feinkörniger sind. Die Unterseite der Liegendschicht des Sandsteines 
zeigt zahlreiche erhabene Kegelwülste, von denen man aber in den 
darunter liegenden dünnschichtigen Mergeln vergebens nach negativen 
Abdrücken sucht. Die Lagerung dieses Schichtencomplexes ist h 10 
mit Einfallen nach SW, die Wülste in SW (20). 

Im Osten und Südosten der Mulde von Radeck erhebt sich 
zwischen der Linie der Staatsbahn und jener der Salzkammergut- 
Localbahn der 



298 Eberhard Fugger. [12] 

Nussdorfer Hügel. 

An seinem Südfusse liegt die kleine Ortschaft Sani. Hier 
befindet sich fast in der Thalsohle ein Steinbruch auf Mergelkalke 
und Sandstein, in h 7 mit Einfallen nach S gelagert (21); die 
Wülste liegen an der Nordseite ; auf der Südseite sieht man zahl- 
reiche Chondriten : inc1inatus, Tan/ionü und intricatus. Nordwestlich 
von diesem Punkte, etwas höher gelegen, ist ein Doppelsteinbruch 
{22)^ in welchem die Schichten derart verdrückt und verschoben sind, 
dass eine Lagerung derselben nicht bestimmbar ist. 

An der Staatsbahn, den Punkten 19 gegenüber, findet sich ein 
Anbruch (23) und etwas nordöstlich davon ein verlassener Steinbruch 
(24). Im ersteren ist die Schichtung vollkommen übereinstimmend 
mit jener der Punkte 19, nämlich h 12 mit steilem westlichen Fallen 
(23), im Steinbruche (24) dagegen ist die Lagerung in h 8 mit 
Einfallen nach SW. Wülste waren an den zuletzt genannten drei 
Stellen nicht aufzufinden. 

An dem Nordostgelulnge des Nussdorfer Hügels, zwischen den 
Ortschaften Nussdorf und Sölllieim, ist ein Aufschluss (25) in h 7 mit 
Fallen nach SSW — Thonscliiefergallen iind Wülsten an der NNO- 
Seite — vorhanden, und bei Söllheim selbst, an einem isolirten 
Rundhügel zwischen Bahn und Schloss, ein solcher mit li 9 und süd- 
westlicher Fallrichtung und Chondriten ; Wülste wurden nicht gefunden. 



Die Hieroglyphen oder Wülste, welche sich auf den 
Schichtfiiichen der Sandsteine vorfinden, gelten zum Theil wenigstens 
ziemlich allgemein als die Ausfüllung von Eindrücken, welche das 
Materiale, das seinerzeit die Oberfiiiche einer mit Wasser bedeckten 
Dank gebildet hat, auf irgend eine Weise erhalten hat. Woher diese 
Eindrücke stammen, soll hier nicht weiter berührt werden. Auf die 
eben besprochene Bank hat sich neues Materiale abgelagert und dabei 
auch die vorhandenen Vertiefungen ausgefüllt. Jene Seite einer Bank, 
welche derartige Ausfüllungen, also erhabene Wülste trägt, muss daher 
die Unterseite der betreffenden Schichte sein. 

So schreibt auch Zugmayer 0, dass die Hieroglyphen „immer 
nur an Sandsteinplatten, und zwar naturgemäss nur an deren Liegend- 
fiäche erscheinen". Fline ähnliche Bemerkung machen Paul und Tietze 
in ihren „Neuen Studien in der Sandsteinzone der Karpathen" ^). Ililber 
sagt 2): „Wo man über das wahre Hangende nicht im Zweifel sein 
kann, treten die Hieroglyphen stets an der Unterseite der Sandstein- 
bänke auf". 

Aber nicht alle Arten von Hieroglyphen charakterisiren die 
Unterseite einer Schichte. Schon Hauer*) erwähnt, dass die Hiero- 
glyphen „wenigstens theilweise gewiss nicht blosse Ausfüllungen von 



M Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 187^, S. 294. 

-) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1879, S. 198 und 200. 

') Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1885, S. 408. 

*) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1859, S. 421. 



[13] Das Salzburger Vorland. 299 

Eindrücken an der Oberfläche der Schichten" sind und Fuchs') sagt 
mit Recht, „dass bestimmte Reliefformen rcfjelmässig nur an der 
unteren, andere ebenso regelmässig nur auf der oberen Fläche der 
Gesteinsbänke gefunden werden". 

Zu den Wülsten, welche stets nur an der Unterseite einer 
Sandsteinschichte auftreten und welche durch ihre Form besonders 
auffallen, ge|iören diejenigen, welche ich in Ermangelung eines treffen- 
deren Ausdruckes als Kegelwülste bezeichnen möchte. 

Diese Wülste gleichen einigermassen unregelmässigen Kegeln, 
deren Axe in der Schichtflächc liegt; die Basis des Kegels ist meist 
elliptisch. Die Wülste verlaufen an ihrer dickeren Stelle anfangs 
cylindrisch und verjüngen sich allmälig nach der einen Seite zur 
Kegelgestalt, nach der anderen verflachen sie sich rasch. Die Länge 
der Kegelaxe verhält sich meist zu den beiden Ellipsenaxen der 
Basis, wie 5 : 1 : 1V2> wobei meist die längere Ellipsenaxe mit der 
Schichtfläche zusammenfällt; es kommt aber auch, wenngleich selten 
vor, dass die längere Ellipsenaxe der Basis auf der Schichtfläche senk- 
recht steht und daher die kleine Axe in der Fläche selbst liegt. Nach- 
dem aber nur die Hälfte dieses unregelmässigen Cylinderkegels aus der 
Gesteinsfläche hervorragt, so sind die Wülste eigentlich nur Halbkegel. 

Bemerkenswert ist das Material der Wülste. Die Sandkörner 
derselben sind viel gröber und grösser als in der Sandsteinfläche, auf 
der sie sich befinden und sie enthalten stets zahlreiche silberweisse 
Glimmerblättchen beigemengt. Die Wülste sind aber trotz dieser Ver- 
schiedenheit im Materiale in innigem Zusammenhange mit der Schicht- 
fläche, aus welcher sie hervortreten und lassen sich nicht von der- 
selben ablösen. Häufig treten die Kegelwülste gesellig auf; dann sind 
sie meist in Reihen so nebeneinander gestellt, dass die Flachseiten 
der Wülste der einen Reihe von den Spitzen der Wülste der anderen 
Reihe umsäumt werden. Sie sind etwa 20— 25 cm lang, 6— 8 cm breit 
und 2- 4 cm hoch. 

Solche Kegelwülste befinden sich, wie schon früher erwähnt, in 
dem Steinbruch von Bergheim an der dem Beschauer abgewendeten 
Nordseite ; die frei gelegten Wände bilden sohin die obere Seite der 
Schichten. 

Paul 2) schreibt zwar: „Die Greifensteiner Sandsteine der Gegend 
von Pressbaum sind vielfach als Beispiele für den Umstand angeführt 
worden, dass die Hieroglyphen stets nur an der Unterseite der Schichten 
zu finden seien, und aus diesem Umstände sind dann mannigfache 
theoretische Schlüsse gezogen worden. Da nun aber infolge der bei 
Pressbaum zweifellos herrschenden überkippten Schichtenstellung die 
dort unten erscheinende Seite der Schichten bei normaler Lagerung 
gerade die Oberseite repräsentirt, so sind selbstverständlich alle diese 
Schlüsse hinfällig". 

Es fragt sich dabei nur, welche Art von Hieroglyphen hier auf 
der Oberseite sichtbar ist; Kegelwülste sind es wahrscheinlich nicht. 



') Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-natiirwiss Classe, 
1895, Band LXII, S. 370. 

*) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1895, S. 289. 



300 Eberhard Fiigger. [14] 

Director Fuchs erklärt^) die Wülste als Fliesswülste, welche 
durch Bewegung einer Sandschichte direct an der Unterseite derselben 
entstanden und später verhärtet sind. Nach dieser Auffassung sind die 
Wülste keine negativen Abdrücke, sondern positive Erhabenheiten, 
welche aber ebenfalls die Unterseite einer Sandsteinbank kennzeichnen. 

Es ist aber eigenthümlich, dass diese Wülste, also die negativen 
Abdrücke von ursprünglichen Vertiefungen oder nach F u c h s positive 
Erhabenheiten, zwar sehr häufig vorkommen, dass man aber nie eine 
Spur der ursprünglichen Vertiefung selbst, oder einen negativen ver- 
tieften Abdruck der Fliesswülste an der Oberfläche der Liegendschichte 
findet. Einen stichhältigen Grund für diese Erscheinung habe ich bis 
jetzt nicht gefunden. 

Halten wir die Ansicht fest, dass die Kegelwülste auf den Sand- 
steinflächen wirklich die Unterseite der Schichten charakterisiren, so 
erhalten wir durch die Möglichkeit der Unters<^'heidung von oben und 
unten bei Beobachtung der Lagerung der Schiebten ganz interessante 
Aufschlüsse über die Entstehung von Berg und Thal im Flyschgebiete. 



Li dem eben geschilderten Gebiete Plainberg — Radeck— Nuss- 
dorfer Hügel streichen die Schichten am Westgehänge (1, 2, 3) und 
in den nördlichen Partien (6) ziemlich normal von West nach Ost mit 
steilem Einfallen gegen Süd; je weiter wir gegen Süden und Osten 
vorschreiten, desto mehr richtet sich das Streichen in ein nordwest- 
südöstliches, bis dasselbe auf dem liauchenbichl (13), in der Südecke 
der Kadecker Mulde (17, 19, 20) und am Südwestfusse des Nuss- 
dorfer Hügels (23) geradezu nordsüdlich wird. Auf dem Nussdorfer 
Hügel streichen die Schichten wieder beiläufig in der Richtung von 
West nach Ost. Die Unterseite der Schichten ist überall nach Norden 
gerichtet; nur dort, wo das Streichen nordsüdlich ist (13, 17, 19, 20, 
23), ist auch in Bezug auf das Unten und Oben eine Unregelmässig- 
keit bemerkbar. 

Auf dem Rauchenbichl (13) liegen die Wülste, übereinstimmend 
mit der allmäligen Biegung der Streichrichtung an der Ostseite, in 
der Südecke der Radecker Mulde (17, 19, 20), und am Südwestfusse 
des Nussdorfer Hügels (23) dagegen liegen sie an der Westseite. Es 
ist also hier gleichzeitig mit der Biegung ein Bruch zu constatiren, 
bei welchem die westlich gelegenen Partien ein blosses Einsinken gegen 
Westen um 35*^ erlitten, während die östliciien Partien um einen 
Winkel von 100 — 135'^ derart gedreht wurden, dass ihre Unterseite 
nach oben kam. Die verdrückten Schichten des Doppelsteinbruches 
bei Sam (22) kennzeichnen eine zweite Bruchstelle. 



Bergheini: (1) h G, 10" 'f 84 S. — (2) h G, 10—12" 'i 76 S bis 86 N; Wülste 

in N. — (3) h 6, 10" 'f 60 S. 
Plainberghöbe: (4) h 8 'f 86 NNO bis 80 SSW. — (5) h 8, 7" f 76 SSW. -- 

(6) h 7, 1—4" 'f f.0— 53 SSW. — (7) h 6, 8" '^ 73 S. — (8) h 7, 8" tf 

85 SSW; Wülste in N. 



M Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math -naturw. Classe, 
1895, Band LXII, S. 5. 



[15] r)as Salzbiirgor Vorland. 301 

Gagel harn: (9) h 8, f)" '^ 50 SW. - (10) h 8 'i 48—58 SW. - (11) h 8, 5" 'i 

45-SW; Wülste in NO. — (12) h 9 cp 42 SW.,, 
Rauchenbiclil: (13) h 11, 5" bis h 12 'f 35 W; Wülste in (). 
Plainbrücke: (14) h 5 'f 50 NNW. 
Keniaten: (1&) li 11 'f 50 WSW; Wülste in ONO. 
Raileck: (KJ) h 9, 5" 'f SG SW; Wülste in NO. — (17) b 11, 10" 'v 45 W; 

Wülste in W. — (18) h 10 -f 27 SW. — (19) b 12 -i 42-80 W; Wülste in 

W. — (20) h 10 f 41 SW; Wülste in SW. 
Nnssdorfer Hügel: (21) b 7 'v 51 S; Wülste in N. — (22) Verdrückt. — 

(23) h 12 'f steil W. — (24) h 8 -f 52 SW. 
Soll beim:, (25) b 7 'f 50 SSW; Wülste in NNO. — (26) h 9 f 60 SW. 



II. Der Heuberg 

(vergl. biezu die Kartenskizze Fig. 4 auf umstebentler Seite) 

erhebt sich im Nordosten der Stadt Salzburg und wird im Süden vom 
Alter- oder Götze nb ach, der in seinem unteren Lauf den Namen 
Plainbach führt, und der Strasse, welche von Salzburg über Gnigl, 
Guggenthal und Pesteig nach Plainfeld zieht, begrenzt; im Osten 
bilden die Grenze der Plainf eider Bach und die Strasse Pesteig- 
Plainf eld — Kraiwies en; im Norden die Eugen dorf- Th al- 
gauer und im Nordwesten ein Theil der Linzer Reichsstrasse, 
nämlich die Strecke G ni gl -Eugendor f und das damit parallel 
laufende S ö 1 1 h e i in e r Moos und der H a m m e r s c h m i e d g r a b e n. 
Der Berg erhebt sich in Süd und West ziemlich steil und erreicht 
in seinem höchsten Punkte, im Hochmais, die Höhe von 899 m 
über dem Meere ; gegen Ost und Nord bildet er in etwa 750 m Meeres- 
höhe ein weites freundliches Plateau, das mit Wiesen und Aeckern, 
aber auch mit Sümpfen bedeckt ist, und gegen Norden verflacht er 
sich allmälig in das Kalhamer und Unzin ger Moor. Li der 
südwestlichen Hälfte des Berges tritt't man anstehendes Flyschgestein 
und Moränenmaterial, in der nordöstlichen Hälfte dagegen ist der 
Boden ausschliesslich von glacialen Resten gebildet und zeigt sich 
nirgends ein Aufschluss in anstehendem älteren Gestein. 

Aber auch in der südwestlichen Hälfte findet man verhältnis- 
mässig selten anstehenden Fels. Bei der Alterbachbrücke an 
der Linzer Reichsstrasse in Gnigl, gegenüber der Leimsiederei (1), 
befindet sich ein Steinbruch, in welchem die Schichtung zwischen 
h (5 und h 5, 5*^ schwankt, bei einem südlichen Einfallen unter 65 bis 
70 Grad. Die Kegelwülste befinden sich an der Nordseite, die Chon- 
driten auf der Südseite ; die grossen Chondriten gehen nicht tief ins 
Gestein. Ein Taonurus fand sich an der Südseite einer Schichte, sich 
ins Innere hinein verjüngend. An dem Wege, der von der Kirche 
Gnigl auf den Dachslueg führt, zwischen der Brücke über den 
Alterbach und dem Walde (2), steht Flysch an in h 5, 8^ mit nörd- 
lichem Einfallen ; die Wülste liegen an der Südseite. 30 m höher an 
demselben Wege sind die Flyschmergel sehr verdrückt, an einer Stelle 
daselbst (3) fallen die Schichten nach NW. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899. 49. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 39 



302 



Eberhard Fugger. 



[16] 




[ 1 7J Das Salzbiirgcr Vorlatul. 303 

Weiiifj; weiter gegen Ost kommt ein Bach herab, der in der 
Nähe des Gruberlehens entspringt und in den Alterbacli fiiesst. 
Dieser zeigt an einer Stelle (4) ein Streichen in h ö, 7" mit nörd- 
lichem Kinfallen, die Wülste an der Südseite, und wenige Schritte 
weiter oben (5) ein Streichen nach h 6 mit fast senkrechter, wenig 
nach Norden geneigter Schichtenstelhmg, die Wülste aber an der 
Nordseite. Wir befinden uns also hier wieder an einer Bruchlinie, 
die sich in der Terraingestaltung durch den Graben markirt, welcher 
sich zwisclien Leiterbauer und Gruberbauer hinzieht. 

Im Alterbach selbst zwischen Kohlhub und Framleiten 
(6) steht Flysch an in h 5 bis (5 mit nördlichem Kinfallen ; weiter 
oben, etwas unterhalb der Mühle, ziehen sich die Schichten durch 
den Bach hin (7) und zeigen am rechten Ufer und im Bach ein 
Streichen in h 5, 7^ mit ziemlich steilem südlichen Einfallen, am 
linken Ufer aber ein Streichen in h 6 mit demselben, wenn auch 
weniger steilen Fallen ; die Wülste sind hier an der Südseite. 

Gerade gegenüber von Guggenthal, etwa nord-nordwestlich davon, 
mündet ein Seitenbach, der Sock er er bach, in den Alterbach. 
Steigt man im Bette dieses Seitenbaches am Heuberg aufwärts, so 
findet man nur Schutt und colossale Trümmer von Aigner Conglomerat. 
Dann durchquert ein Weg den Bach; weiter hinauf liegt ebenfalls 
nur Schutt, bis ein zweiter Weg über den Bach führt. Erst oberhalb 
dieser Stelle ist Flysch anstehend (8) und lässt sich an verschiedenen 
Punkten seine Lagerung messen. Das Streichen schwankt zwischen 
h 4, 5" und h 6 bei steilem Einfallen nach Nord, die Wülste eben- 
falls in Nord. Der Bach scheint nun aus einer Sumpfwiese zu ent- 
stehen; oberhalb der Wiese aber im Walde ist sein Bett wieder 
tiefer eingerissen, und hier sieht man (9) Flyschsandstein mit Kalk- 
spathadern, dann Mergelkalk und Kalksandstein in h G mit nördlichem 
Fallen. Auch tritt in diesem Theil des Bachbettes ziemlich viel Kalk- 
tuff auf. Fünfzehn Meter beobachtet man dieselbe Lagerung. Weiter- 
hin lagert ein grünlich-bläulicher Lehm, dann Schutt, in welchem ich 
einige abgerundete Findlinge eines Nummulitenkalksandsteines 
sammelte von dem Aussehen, wie er an der Hochburg bei Wolf- 
schwang, am Fusse des Untersberges anstehend, vorkommt. Auch 
Gosauconglomerate liegen umher. Li der nun folgenden Strecke von 
etwa 50 m Länge tritt das Flyschgestein noch viermal zutage, zwar 
mit derselben Streichrichtung, aber an dem ersten Punkte mit sehr 
steilem, am zweiten mit ziemlich fiachem Einfallen nach Süden, an 
den beiden letzten Punkten dagegen mit sehr steilem nördlichen 
Fallen. Von dem letzten Punkte sind noch etwa 30 m bis zur Quelle 
des Baches, welcher bei einem einzeln stehenden Baum auf der 
Wiese unterhalb des Sockerergutes entspringt. 

Oestlich der vorher erwähnten Sumpfwiese, an einem schlechten 
Fahrwege im Wald (10), etwa an der Isohypse 700 m, ist das Streichen 
h 7 bis 8 mit steilem nördlichen Einfallen. 

Der Graben bei Sehern wies ist sehr steil, wild und tief in's Gestein 
eingerissen, bietet aber nirgends Gelegenheit, die Schichtung zu messen. 

Dagegen ist bei der Brücke über den Alterbach oberhalb Guggen- 
thal, bei dem Buchstaben t des Wortes Gotzenbach der Generalstabs- 

39' 



k 



304 Eberhard Fugger. [18] 

karte, am linken Ufer Flysch deutlich geschichtet von W nach und 
ziemlich steil nach Norden fallend (11). Dasselbe Streichen, aber fast 
senkrecht stehende Schichtung (12) beobachtet man weiterhin im Bache 
und an beiden Ufern. 

Im nun folgenden ersten rechtsseitigen Zufluss lagert Morilne 
mit gekritzten Steinen, und etwas oberhalb ist ein Steinbruch (13j 
auf Flyschsandstein eröffnet, dessen Platten nach Norden fallen. 

Zwischen den Quellen dieses Baches und dem H e u b e r g b a u e r 
erhebt sich mitten im Walde der sogenannte Hochstein, ein 
Numraulitenkalk f e Is von etwa 30 m Länge, 30 ;/< Breite und 
12 m Höhe, welcher reich an Petrefacten ist. Er ist hier dem 
Flysch aufgelagert und offenbar ein Rest einer ehemaligen, sehr 
ausgedehnten Decke von Nummulitenschichten. Das Gestein des Hoch- 
stein ist identisch mit jenem von Kressenberg, vom Haunsberg, 
von Mattsee und den westlichen Vorhügeln des Tannberges, gehört 
also dem älteren Nummulitenzuge, dem Parisien, an. 

Oberhalb der Mündung des vorher genannten Seitenbaches, 40 m 
von derselben entfernt, ist am linken Alterbacliufer wieder Flysch 
entblösst und zwar (14) graue Mergel mit Pnnlagerung von zwei 
Schichten von rothbraunen Mergeln, deren eine 30 bis 40, deren 
andere 60 bis 70 cm mächtig ist, dann dicke Bänke von Sandsteinen. 
In den letzteren eingeschlossen fanden wir mächtige Kugeln aus dem- 
selben Sandstein, und zwar mehrere kleinere von 4, 10 und 15 au 
Durchmesser und fast geometrischer Kugelform, dann eine sehr 
grosse, breit gedrückte Kugel von 30 cm Durchmesser. Dichte und 
Material der Kugeln ist von dem umgebenden Sandstein nicht ver- 
schieden. Diese Kugeln befinden sich in der Sammlung des städtischen 
Museums Carolino-Augusteum in Salzburg. Die Lagerung der Schichten 
ist ostwestlich mit steilem nördlichen und südlichen P]infallen. 

Der nächste Seitenbach am rechten Ufer enthält in seinen unteren 
Theilen nur überkalkten Flyschschutt, Moränenmaterial und erratische 
Blöcke ; erst weit oberhalb der Gabelung dieses Seitengrabens trift't 
man im rechtseitigen Arme (15) anstehenden Sandstein, dann dünn- 
plattige, wulstige und gebogene Mergelkalke mit Einlagen von Kalk, 
alles mit Kalksinter überzogen; diesen Bänken sind nach Süden vor- 
gelagert graugrüne und braunrotlie Mergel, etwa 1 m mächtig, mit 
nördlichem Einfallen. An der Nordseite der Sandsteinplatten sieht man 
zarte, erhabene Wülste, theils geradlinig, theils gewunden, weicheich 
als Wurmgänge bezeichnen möchte. Im linken Seitenarm finden sich 
unten (16) verdrückte und verbogene Sandsteine und Mergel anstehend; 
weiter oben, etwa in der Höhe wie (15\ Mergelkalke, erst massig, 
dann plattig mit schwachem südlichen Verflachen. 

Unmittelbar westlich von G schwand vereinigen sich wieder 
zwei kleine Seitengräben; im rechten Arm sieht man nur Moränen- 
schutt, im linken ausser diesem an einer Stelle (17) wieder Flysch 
mit steilem südlichen Fallen, und zwar Sandsteine und Mergelplatten. 
Besonders interessant ist das häufige Auftreten von mächtigen Blöcken 
von Kreideconglomerat. Nach der Vereinigung der beiden Arme, ganz 
nahe am Hauptbache (18), steht Flyschgestein an, dünnschichtig, mit 
sehr steilem nördlichen Einfallen und Kegelwülsten an der Südseite. 



[19] l^as ISalzburgor Vorland. 305 

Gellt man weiter am llaiiptbac.lie aufwiirts, so trirtt man nur 
Moränen und erratische Blöcke; unterhalb der G rabenm i'ih le fallt 
ein erratischer Block von Gosauconglomerat auf, dessen Grösse 
mindestens 25 m^ beträgt. Im Hauptbach zeigt sich bis hinauf an 
dessen Quelle bei Pesteig kein Aufschluss mehr. Dagegen findet man 
in den Gräben von Schwaighofen noch anstehendes Flyschgestein. 
Es sind hier zwei Gräben, die sich erst unten in der Thalsolde des 
Alterbaches vereinigen. 

Im westlichen Arm beobachtet man ganz wenig über dem Thal- 
boden (19) senkrechte Schichten mit Knoten an der Südseite; es sind 
meist Sandsteine. Ihr Streichen dreht sich allmälig, das Einfallen ist 
steil S bis SSW. Nun folgen senkrecht stehende Mergel in h6, IS". 
Etwas unter der Höhe von Schwaighofen selbst (20) fallen die Mergel- 
schiefer bei gleicher Streichrichtung steil nach N. Unmittelbar bei 
Schwaighofen (21), bei der Brücke, ist das Streichen der senkrechten 
Schichten fast von SO nach NW, weiterhin dreht es sich wieder 
allmälig in die Richtung OW zurück. Es zeigen sich etwa 20 w massige 
Sandsteine ; dann folgt eine Stelle mit Kriechspuren an der Nordseite, 
kleinen wulstartigen Erhöhungen, welche an der Schichtfläche von oben 
nach unten W gerichtet sind. Schliesslich folgt 20 m weiter oben 
ein Steinbruch in h6, 5*^ mit sehr steilem südlichen Einfallen und 
kleinen Kegelwülsten an der Südseite ; die Wülste ziehen sich horizontal 
von W nach 0, ihre Spitzen liegen gegen 0. Weiter hinauf findet 
man nur Moränenmaterial. 

Im östlichen Arm des Grabens lagert oben Moräne, weiter ab- 
wärts steht Flysch an in h 5, 10^ mit steilem südlichen Einfallen, 
15 >M weiter unten lagert er (23) in h7 — 8 mit steilem Fallen nach 
NNO, später nach SSW; dann folgt wieder Moräne. Etwas unterhalb 
der Isohypse 700 oder der Höhe von Schwaighofen tritt massiger Sand- 
stein auf, welcher tiefer unten (22) geschichtet erscheint in h 10 mit 
steilem Einfallen nach WSW, dann nach ONO ; weiterhin folgen Mergel 
und Mergelkalke in h 9 — 10 mit ostnordöstlichem Verflachen ; dann 
werden die Schichten senkrecht in h7 — 8 und h6— 8, und reichen 
diese Aufschlüsse bis etwa 15 w über dem obersten Thalboden des 
Alterbaches. 

An Petrefacten fanden wir aus dem Gebiete des Alterbaches 
die überall vorkommenden Chondriten: Ch. affinis Stenih., patulns F. 0. 
und intricatus Brongn., dann Hi/drancylus genkulatus F. 0., Taenidmm 
Fischen Heer und heloetümm Scliimper, sowie mehrere Taomirus- 
Arten. 

Die Gräben, welche sich östlich vom Schwaighofer Bach nach 
abwärts ziehen, münden in das Thal von Plainfeld und zeigen, 
wenn überhaupt irgendwo etwas aufgeschlossen ist, nur Moränenmaterial 
und erratische Blöcke, meist von Kreideconglomerat und gar nicht 
selten von gewaltigen Dimensionen. 

Im westlichen, rechtseitigen Arm des Grossöder Graben flndet 
man viel Kalktuft'bildungen, ebenso im östlichen, linkseitigen. Eigen- 
thümlich ist, dass in dem letzteren kein Centralgestein zu sehen ist, 
obwohl die Moräne daselbst auf mindestens 200 /;/ Länge bis zu 30 m 
tief eingerissen ist. 



306 Eberhard Fiigger. [20] 

An der Strasse, die von Plainfeld nach Kraiwiesen führt, 
steht an der nordöstlichsten Ecke des Heubergs glaciales Conglomerat an. 

Die Bäche, welche im N vom Heuberg herabkommen, führen 
ebenfalls nur Moränenmaterial und die wenigen vorhandenen Auf- 
schlüsse zeigen gleichfalls nur Moränen, so der Gaschbach, welcher 
das Unzinger Moor durchfiiesst und insbesondere der Gottsreuter 
Graben, dessen Richtung schon fast nordwestlich ist und der bei Strass 
in die Ebene tritt; dieser ist auf eine sehr bedeutende Strecke 60 bis 
80 iH tief in die Moräne eingerissen, ohne irgend ein anderes Material 
als eben Moräne und höchstens an einzelnen Stellen grössere Mengen 
von Kalktuff zu zeigen. 

Auf dem Plateau der Ostseite des Berges tritt an zahlreichen 
Stellen die Moräne zutage. Interessant ist hier die Moräne von 
Schwel lern (in der Generalstabskarte steht Schwodeln). Sie enthält 
nur Triaskalke und jüngere Gesteine, wie Kreideconglomerate, Flysch- 
brocken u. dgl., aber kein Centralgestein, nicht einmal Werfener 
Schiefer; dagegen fanden wir einen Nummulitensandstein aus dem 
jüngeren Nummulitenzuge (Bartonien), wie im Sockerer Graben, wie 
er bei Wolfschwang am Fusse des Untersberges ansteht. Dieses jüngere 
Nummulitengestein wurde bisher in Salzburg nur am Fusse des Unters- 
berges anstehend gefunden. Wir werden übrigens noch einen dritten 
Punkt kennen lernen, wo wir ebenfalls erratische Stücke dieser Gesteins- 
art auffanden. 

Kehren wir wieder an das Südwestende des Heuberges zurück 
und gehen wir längs der Linzer Reichsstrasse von der Alterbachbrücke 
am Nordende von Gnigl in der Richtung gegen Mayr wies, so finden 
wir im Walde zahlreiche Blöcke von Aigner Conglomerat zerstreut; 
ein Bach, der vom Gruberlehen kommt, zeigt keinen Aufschluss. Der 
nächste Graben kommt vom Schrey ergute. In diesem Graben gibt 
es zahlreiche Aufschlüsse. Etwa 50 m über der Thalsohle (24) beob- 
achtet man am rechten Ufer ein Streichen in h5 mit senkrechter 
Schichtenstellung oder sehr steilem Fallen nach S. Die Kegelwülste 
befinden sich an der Nordseite, Chondriten an der Südseite, und zwar 
die grossen bloss an der Oberfläche, während die kleinen auch tiefer 
ins Gestein gehen. Am linken Ufer gegenüber ist die Schichtung in 
h 4, 100 mit 55« Neigung nach SSO. Etwa 70 m über der Thalsohle 
(25) streichen die Schichten am linken Bachufer in h4 mit Einfallen 
nach SO, am rechten Ufer daselbst, aber 10 w über dem Bach, in 
h 6, 10" mit steilem nordwestlichen Einfallen. Noch weiter oben im 
Graben (26) ist die Lagerung am rechten Ufer im Bache selbst in 
h 4, 10" mit fast senkrechter Stellung oder äusserst steilem Fallen 
nach SSO; \0 m über dem Bach in h5, 10°, ebenfalls fast senkrecht; 
gegenüber am linken Ufer unten am Bach in h 5, 5" fast senkrecht 
mit Neigung gegen N. 

Wenig weiter oben kommt der Bach über ebenes Wiesenterrain, 
dann überquert man bei der grossen Lacke den Dachsluegweg und 
betritt, den Bach aufwärts entlang, den Wald. Hier fliesst dem Schreyer- 
bach an dessen rechtem Ufer ein Seitenbach zu, der bei dem Reut- 
bauer entspringt. In der Mulde dieses Reutbauerbaches unten im 
Walde (27) ist wieder Flysch entblösst und zeigt ein Streichen in 



[21] r)as Salzburger Vorland. 307 

h 6 bei sehr steilem nördlichen Einfallen, die Wülste in Nord-. 
Weiter oben im Reutbauerbach (28) ist das Streichen ähnlich, h 5 
bis 6, bei ebenfalls sehr steilem nördlichen Einfallen. 

Hinter dem Hause des Wi eslehenbauers (29) steht eine 
kleine Flyschwand mit der Schichtung h (j, 10^ bei südlichem Ein- 
fallen. Am Dachsluegwege oberhalb des Keutbauers im Walde fSO) 
ist die Lagerung h ('>, ()'* und ebenfalls fast senkrecht oder sehr steil 
in Süd. 

Ziemlich parallel mit dem Schreyergraben verläuft nördlich von 
demselben der Dachslueger-Graben. Dieser entspringt südlich von 
der Meierei Dachslueg und trili't etwa dort die Linzer Reichsstrasse, 
wo der Weg nach Söllheim von derselben abzweigt. An der Stelle, wo 
der Berg von der Thalsohle aus ziemlich steil ansteigt, findet sich 
der erste Aufschluss (31) in diesem Graben, etwa in 500 m Meeres- 
höhe. Das Streichen ist hier bis in die Höhe 555 m ziemlich über- 
einstimmend in h 5 bis mit steilem nördlichen Einfallen, die Wülste 
liegen an der Südseite; nur in 515 m Höhe fallen die Schichten 
unter einem Winkel von ()5** nach Süd. In 500 m Höhe (132) dreht 



Fiff. 5. 



^^-^ 




sich das Streichen plötzlich nach h 1 bis 2 mit steilem westlichen 
Einfallen, die Wülste gegen West gerichtet. Drei Meter höher am 
Bache streichen die Schichten wieder in h 5, 10" und stehen senk- 
recht mit den Wülsten in Süd. Bei 565 m ist ihr Streichen wieder 
h 2, 5<' mit steilem nordwestlichen Einfallen ; von 5G7 m aufwärts 
bis 575 m ist die Lagerung in h 4 bis G mit steilem nordwestlichen 
oder nördlichen Fallen und den Wülsten auf der Nordwest- oder 
Nordseite. In G30 m. (33) haben sie sich gar nach h 9 gedreht mit 
Einfallen nach SW unter 30'^ Neigung. An diesem letzteren Punkte 
hat die Südwestseite der Schichten einen dünnen grünen Ueberzug. 

Die im Dachslueger Bach aufgeschlossenen Schichten zeigen 
demnach wiederholt wannenförmige Bildungen und horizontale Ver- 
schiebungen (siehe Fig. 5) 

Ungefähr nördlich von Dachslueg liegt am nordwestlichen Ge- 
hänge des Heubergs das Brunn wiesgut zwischen zwei Gräben, 
die sich unterhalb des Gutes vereinigen und in der Nähe von Mayr- 
wies das Thal erreichen. In diesen beiden Gräben sind wenig Auf- 
schlüsse zu sehen. In einem Zufluss des südlichen der beiden Gräben 
findet sich am rothmarkirten Wege von Dachslueg nach Söllheim 
in G45 m Meereshöhe ein Aufschluss (34) mit dem Streichen in h 7 
bei südlichem Einfallen, und an demselben Wege (OK) m) an dem 
Ursprünge des nördlichen Grabens (35) ein Aufschluss mit gleicher 



308 Eberhard Fugger, [22] 

Schichtung. Dort, wo der Weg von Brunnwies nach Strass bei Mayr- 
wies den südliclien Graben überschreitet, schon nalie an der Ver- 
einigung beider Gräben, ist ein grösserer Aufschluss (36), welcher 
ein Streichen in h G bis 7 bei steilem südlichen Einfallen zeigt. 
Wülste konnte ich trotz eifrigen Suchens nicht finden. 

Bevor die Linzer Reichsstrasse zum Rennerberg ansteigt, steht 
links an derselben das Wirtshaus Rechl und rechts einige Bauern- 
häuser. Ein Bach, der M atzin ger Bach, fiiesst hiervon! lleuberg 
her und wird von der Strasse überbrückt. Dieser Bach bildet sich 
aus drei Hauptzuflüssen, Nahe oberhalb der Häuser kommt links der 
erste, südlichste Zufluss, weiterhin im Walde vereinigen sich in 
ziemlich tiefen Gräben der mittlere und der nördliclie Bach. An 
dieser Stelle (37) streicht der Flysch in h 8. 6^ mit sehr steilem 
nordöstlichen, und 3 ni weiter unten mit steilem südwestlichen Ein- 
fallen; die Wülste und die vorher erwähnte grüne Schicht liegen 
an der Südwestseite. Dieselbe Schichtung ist im nördlichen Zufluss 
auf 20 Schritte entblösst; weiterhin in diesem Graben, etwa 80 Schritte 
lang, treten wiederholt die Schichten deutlich zutage mit einem 
Streichen in h 8, 9^, theils senkrecht, theils mit 75^ südwestlichem 
Einfallen, Dann liegt ein riesiger Block von Gosauconglomerat im 
Bache und oberhalb desselben sind Wehren zur Gewinnung von Sand 
und Schotter angebracht. Im mittleren Graben maß ich 30 Schritte 
oberhalb der Vereinigung desselben mit dem nördlichen (38) h 8 
mit steilem Fallen nach NNO; ebenso 10 Schritte weiterhin. Hier 
sah ich eine Helmintlioida crai^sa vertieft an der Nordnordostseite 
der Schichte. 20 Schritte von diesem Punkte aufwärts dreht sich 
das Streichen in h 6 bis 7 mit 60^ südlichem Einfallen. Weiterhin 
liegt nur Schutt und Geröll: alle drei Gräben zeigen in ihren oberen 
Partien nirgends anstehendes Gestein. 

In dem Graben zwischen M a t z i n g und P e b e r i n g reicht die 
Moräne bis über 000 w Meereshöhe ; bei 590 m liegt am linken Ufer 
ein erratischer Block aus Kreideconglomerat von mindestens 25 
Cubikmeter Grösse. Bei 010 m steht Flysch an (39) auf mehr als 
30 m Länge, und zwar meist Sandstein, deutlich geschichtet in h 5, 7« 
mit sehr steilem südlichen Einfallen. Weiter hinauf trifft man nur 
auf Flyschschutt. 

Es scheint dies die nördlichste Stelle des Heubergs zu sein, 
an welcher anstehender Flysch angetroffen wird. 

Der Heuberg gehört sohin dem Flyschgebiete an und ist in 
seiner Nordhälfte mit glacialem Materiale vollkommen überdeckt, 
während in dem südlichen Theile desselben die glacialen Gebilde 
vielfach weggeschwemmt und die Flyschgesteine blossgelegt sind, 
Eigenthümlich ist eine Linie von erratischen Blöcken, welche mit- 
unter mehrere Cubikmeter gross sind und meist aus Gosauconglome- 
raten bestehen, eine Linie, welche sich an der Südhälfte des Berges 
in einer Höhe von etwa 100 m über der Salzach auf eine weite 
Strecke verfolgen lässt. Von ganz besonderem Interesse . aber ist 
der Fels aus Nummulitenkalk. der Hochstein, in der Nähe des Heu- 
bergbauers, welcher einen neuerlichen Beweis dafür liefert, dass 
unser Flysch unter den Eocängebilden liegt. 



[231 Das Salzbiirger Vorland. 309 

Die Streichrichtung der Flyschscliichten des Heubergs ist im 
allgemeinen von Westen nach Osten oder von WSW nach ONO mit 
steilem, bald nach N, bald nach S gerichtetem Einfallen. Von den 
70 Messungen, betreuend die Lagerung der Schichten, welche ich 
aus diesem Gebiete notirt habe, ergeben sich nur 13, also 1672l^ro- 
cent oder ein Sechstel mit Neigungen unter 50''. 

Die Beobachtung der Lage der Kegelwülste ergibt — unter 
der Voraussetzung, dass es richtig ist, dass diese stets nur an der 
Unterseite der Schichten liegen — mehrere Falten oder vielleicht 
auch Bruchlinien, die in der Richtung von WSW nach ONO ver- 
laufen. Eine Schichtenmulde (Synklinale) zieht sich von der Süd- 
westecke des Berges bis zur Grabenmühle bei Gschwand; die süd- 
lich von dieser Linie liegenden Punkte 2, 4, 7 und 18 haben die 
Kegelwüste an der Südseite, die nördlich davon gelegenen Punkte 1, 
5 und 8 an der Nordseite. Auch bei Sam im Plainberggebiete, dann 
im Schreyerbach (24 und 27) liegen die Wülste an der Nordseite; 
in dem nördlich von letzterem laufenden Dachslueger Graben sind 
sie hauptsächlich an der Südseite (31 und 32); zwischen diesen bei- 
den Gräben zieht sich also eine Antiklinale hin. 

Im Dachslueger Graben beobachtet man noch ausserdem locale 
Störungen. Zwischen dem Dachslueger Graben und SöUheim verläuft 
eine Schichtenmulde, zwischen Söllheim und dem Matzinger Graben 
(37) ein Schichtensattel (Antiklinale), da in Söllheim die Wülste an 
der Nordseite, im Matzinger Graben dagegen an der Südseite liegen. 

Das auf umstehender Seite befindliche Profil des Heubergs von 
der Gnigler Kirche bis zum Matzinger Graben (Fig. 6) soll diese 
Lagerungsverhältnisse anschaulich machen. 



Alterb ach: (1) h 6 -^ 65 S und h 5, 5" f 70 SSO; Wülste in N. 
Üruberbach: (2) h 5, 8" -^ 56 N; Wülste in S. — (3) h 3 'f 50 NW. — (4) h 5, 

7" 'f 53 N; Wülste in Ö. — (5) h 6 cp 88 N; Wülste in N. 
Alterbach: (6) h 5 bis 6 cp 45 N. — (7) h 5, 7" f 60 S iiud h 6 -f 40 S ; 

Wülste in S. 
Sock er erb ach: (S) h 4, 5" 'f 65 N ; Wülste in N. — h 4, 10" 'f 70 N; Wülste 

in N. — h 5, 10" 'f 85 N. — h 4, 7" cp 85 N. — h 6 'f 85 N; Wülste in N. 

— h 5, 10" 'f 86 N. - ■ (9) h 6 '.^ 40 N. - h 6 'f 40 N. — h 6, 3" 'p 80 S. 

— h 5, 10" cp 30 S. — h 5, 10" 'f 84 N. — (10) h 7 bis 8 'f 70 N. 
Alterbach: (11) h 5, 10" -f 50 N. — (12) h 5, 10" '^ 87 N. — (13) h 5, 5" f 

40 N. — (14) h 6, 1" cp steil S und N. 

Gräben bei Gschwand: (15) h 5, 12" tp 45 N. — (16) h 6 tp 75 N. — h 5, 
5" 'p 25 S — (17) h 6, 5" ^ 60 S. 

Grabeumühle am Alterbach: (18) h 6, 5" -f 80 N; Wülste in S. 

Schweighofer Bach: il9) h 6, 10" * 90. — h 6, 12" f steil S. -- h 7, 5" cp 
steil SSW. — h 6, 13" ¥ 90. — (20) h 6, 13" cp steil N. — (21) h 8, 5" cp 
90. — h 7, 10" 'i 90. — h 5, 5" 'f 90. — h 6 5" 'f 85 S; Wülste in S. — 
(22) h 10 '^ steil' WSW und ONO. — h 9 bis 10 cp 30 ONO. - h 7 bis 8 
'f 90. — h 6 bis 8 '^ 90. — (23) h 7 bis 8 cp steil SSW. — h 5, 10" 'f 85 S. 

Schreyerbach: (24) h 5 cc 88 S; Wülste in N. — h 4, 10" -f 55 SSO. — 
(25) h 4 cp 56 SO. — h 6, 10" cp 70 NW. — (26) h 4, 10" cp 87 SSO. — 
h 5, 10" cp 89 S. — h 5, 5" cü 87 N. — (27) h 6 cp 88 N; Wülste in N. — 
(28) h 5 bis 6 cp 87 S. - (29) h 6, 10" cp 40 S. 

Reutbauer: (30) h 6, 6" cp 88 S. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 40 



310 



Eberhard Fugger. 



[24] 




Gnigl. 



Gruberlehen. 



H 






^ 


Kramlehen. 


ffi 


P - 




<„. 




O: 
(0 


at — ■ 




graben. 


fs: 








>fi] 




' 








/.--^- 




1 


CO 

® 

P 


|-a^_/^ 


Dachslueger 
Graben. 



Matzinger- 
Giaben. 



[25] I^as Salzburger Vorland. 311 

Dachslueger Graben: (31) 510 m ii. d. M. h 5, 4" f 82 N. — 515 m h 5 
4» <f 65 S. — 540 m h 5 (f steil N; Wülste in S. — 555 m h 5 bis 6 v 
steil N. — (32) 560 w h 1 bis 2 'f 70 W; Wülste in W. - 563 m h 5, 10» 
'f 90; Wülste in S. — 565 m h 2, 5" f steil NW. — 567 m h 4 'f steil NW; 
Wülste in NW. — 570 m h 5 bis 6 -f 90. — 575 m h 5 'f steil N. — 
(33) 630 m h 9 'f 30 SW. 

Br\inn wieser Graben: (34) 645 m h 7 'f 35 S. — (35) 610 m h 7 bis 8 'f 
35 S. — (36) h 6 bis 7 <p steil 8. 

Matzinger Graben: (37) h 8, 6' f steil S; Wülste in S. — h 8, 6' 'f sehr 
steil N. — h 8, 6° <f sehr steil N. — h 8 bis 9 'f 90. — n 8 bis 9 'i 75 8. 
(38) h 8 cp 70 N. — h 8 'f 70 N. — h 6 bis 7 'f 60 S. 

Beberinger Bach: (39) h 5, 7« 'f 80 S. 



III. Die Halwanger Höhe 

ist ein schmaler Höhenzug, welcher dem Heuberg gegen Nordwest 
vorgelagert ist und im Süden und Südwesten durch die Einsenkung 
Söllheim — Käsern— Lengfelden, im Südosten von dem Hammerschmid- 
bache und der mit letzterem parallel verlaufenden Linzer Reichsstrasse, 
der Wasserscheide von Strass und dem vom Heuberg kommenden 
westlichen Zuflüsse des Eugenbaches, im Nordosten und Norden vom 
Eugenbach selber und im Nordwesten von der Fischach begrenzt wird. 

Der grösste Theil dieses Terrains ist von Moränen, giacialen 
Schottern und Conglomeraten bedeckt. So findet sich im Walde bei 
Söllheim junges, horizontal geschichtetes Conglomerat mit Zwischen- 
lagen von Sandstein. Auf der Höhe von Berg liegt glacialer Letten, 
welcher in einer grossen Ziegelei verarbeitet wird. Von der Halte- 
stelle Berg- Maria Piain der Staatsbahn führt ein Fahrweg hinauf 
zur Fabrik; etwa in halber Höhe desselben steht Flysch an, aber 
mit nicht messbarer Schichtung. Bei dem nördlichen der beiden 
Ziegelöfen steht Conglomerat an ; hinter dem Ofen — gegen Nord — 
ist eine grosse Lettengrube, welche oben gelblichgrauen Mergelthon, 
darunter blauen Letten blosslegt. Beim südlichen Ziegelofen ist eine 
sehr grosse Lehmgrube, welche fast nur den gelblichgrauen, sandigen 
Mergelthon und wenig blauen Letten im Liegenden zeigt. Auf der 
Höhe zwischen Berg und Söllheim ist eine Moräne mit zahlreichen 
gekritzten Steinen aufgeschlossen. 

Der Halwanger Bach, welcher südlich von Halwang ent- 
springt und in nordsüdlicher Richtung dem Hammerschmidbach 
zufliesst, in welchen er zwischen Rechl und Söllheim mündet, zeigt nur 
glaciale Schotter. An seinem linken Ufer nimmt er den Zillingbach 
auf. Die Salzkammergut-Localbahn überquert diesen letzteren. Nahe 
unterhalb der Eisenbalinbrücke steht oben am rechtseitigen Gehänge 
(1) Flysch an in h 11 mit schwachem Fallen gegen O und Wülsten 
an der Westseite. Etwas oberhalb der Eisenbahnbrücke (2) sind die 
Schichten dem Laufe des Baches parallel gestellt in h 8 mit steilem 
Einfallen nach Südwest und Wülsten in Südwest. Noch weiter 
aufwärts im Bache (3) ist das Streichen in h 7, 5*^, aber mit steilem 

40* 



312 



Eberhard Fugger. 



[26] 



Nordnordostfalleii, die Wülste in Südsüdwest. Die Lagerung bleibt 
nun gegen die Quelle des Baches zu, soweit dieselbe aufgeschlossen 
ist, ziemlich constant. Beim Steg, der dort über den Bach führt, 
wo dessen Richtung senkrecht auf die Schichtung steht (4), sowie 
bei dem kleinen, aber recht hübschen Wasserfall oberhalb desselben 
(5), ist das Streichen in h 7 bis 7, 2^ mit steilem südlichen Einfallen, 
die Wülste an der Südseite. Beim Wasserfall fand ich Hehninfhoida 
lahyrinthica und Chondritefi Targionii in zahlreichen Exemplaren. 

Der Hammerschmidbach bildet zwischen Rechl und der 
Gritschmühle nächst Zilling einen tiefen Graben, längs welchem die 
Salzkammergut-Localbahn hinführt Am Ausgange des Grabens steht 
am rechten Ufer eine verfallene Flyschwand (6) in h 9 mit schwachem 
Fallen nach NO. Das Streichen bleibt bachaufwärts dasselbe (7 und S), 
nur das Einfallen wird steiler. Bei Punkt 8, wo die Bachrichtung 
dem Streichen der Schichten parallel ist, beobachtete ich auch Wülste, 



Fig. 7. 




und zwar in SW. Weiterhin (9) bleibt die Schichtung und Lage der 
Wülste unverändert; es zeigt sich hier am linken Ufer eine Wand, an 
deren Oberseite (Nordostseite) zahlreiche Chondriten sichtbar sind; ein 
Taenidium Fiacheri zieht sich von der Oberseite in das Innere der 
Bank hinein. Nun folgen verschiedene Verwerfungen und Verdrückungen. 
Einmal sieht man am rechten Ufer die steilen Schichten sich so 
biegen, dass sie nahezu horizontal werden ; dann folgt wieder normale 
Lagerung (10) in h 8, 7° mit massigem Einfallen nach NO. Weiterhin 
(11) wird das Streichen nordsüdlich mit steilem Einfallen nach Ost 
und Wülsten in Ost. Wenig weiter aufwärts von dieser Stelle sind 
die Bänke zwar deutlich geschichtet, aber es zeigen sich in den ein- 
zelnen Bänken gewaltige Pressungen, Knickungen und Biegungen. 
So finden wir am linken Ufer eine vollkommene Biegung (12) derart, 
dass das bachabwärts gelegene Stück a der Schicht die Lagerung 
h 2 9 60 SO, die Wülste in SO, und das bachaufwärts liegende Stück 
b h 9, 100 9 87 SW, die Wülste in NO zeigt. Eine ähnliche Biegung 
findet sich unmittelbar daneben, und eine dritte, allerdings weniger 
deutlich, etwas weiter oben am gegenüberliegenden Ufer (Fig. 7). 



[27] 



Das Salzburger Vorland. 



313 



Am rechten Ufer sind nun mehrmals Bänke blossgelej^t (1P>; 14) 
in h 7 bis h 7, 10^ mit sehr steilem Fallen nach SSW, die Wülste eben- 
falls in SSW. Die letzte liank (14). reicht theilweise in das Bachbett 
selbst hinein; ihr gegenüber am linken Ufer (15) ist die sehr steil ge. 
stellte Bank wie ein Hufeisen gebogen und bildet eine vollständige 
Nische ; man kann dieselbe von oben auf beiden Seiten, der Vorder- 
und Rückseite, deutlich übersehen, und beobachtet dabei, dass die 
Wülste sich n u r an der Aussenselte der Nische befinden. Die 
Stellung der Bank ist folgende (Fig. 8) : 

bei a: h (^, 7» 9 76 S, Wülste in S; 

bei ^: h 4, 12" 9 80 SO, Wülste in SO; 

bei c: h 0, 5" ^p 77 0, Wülste in 0; 

bei (/: h 9, 7»^ 9 86 NO, Wülste in NO. 

Fig. 8. 




Wenige Schritte weiter oben im Bache ist noch eine Bank 
blossgelegt, sowohl am linken Ufer als im Baclibett selbst (IG) in 
h 9, 3<* mit sehr steilem Einfallen nach SW, die Wülste in NO, also 
dem Stücke d der zuletzt erwähnten Bank parallel. 

Nun folgt noch eine grosse Moräne, oberlialb derselben führt 
eine Brücke über den Bach und hier steht die Gritsclunühle. Wenig 
oberhalb derselben ist noch ein Flyschaufschluss im Bache zu sehen, 
dann keiner mehr bis hinauf zur Wasserscheide von Strass. 

Der Hammersclmiidgraben, dessen Länge, soweit die Flysch- 
aufschlüsse reichen, etwn 800 m beträgt, zeigt so recht deutlich 
(Fig. 9) die Zerdrückungen und Biegungen, welche hier im Flysch 
vorkommen, und lässt sie um so besser hervortreten, weil die Bänke 
fast vertical stehen oder wenigstens steil gelagert sind. Aus dem 
Hammerschmidbache besitzt das Salzburger Museum Carolino-Augusteum 
ein paar hohle Erbsensteine von 4 cm Länge und 2 cm Breite, doch 
kenne ich die Fundstelle, aus der sie stammen, nicht genau. 

Das Haus des Grundnerbauern nächst Guggenberg, nördlich 
von Zilling, steht auf glacialem Congiomerat, welches theilweise hori- 
zontal geschichtet, theilweise wenige Grade gegen NW geneigt ist. 
Dasselbe Congiomerat ist an der Strecke der Salzkammergut-Localbahn 
bei Guggenberg auf eine Länge von etwa 00 Metern aufgedeckt. 



314 Eberhard Fiigger. [28] 

In dem nördlichen Theil des Halwanger Höhenzuges sind überall 
nur glaciale Schotter sichtbar, 

Aufschlüsse im Flysch finden sich dagegen an der Strecke der 
Staatsbalin und im Fis chachthal e äusserst zalilreich. Noch bevor 
die Bahn in das Fischachthal einbiegt, sieht man bei dem Wächter- 
haus .^97 Flyschmergel und -Sandstein anstehend in h 6, 5^ mit ziem- 
lich steilem nördlichen Einfallen und Kegelwülsten in Süd (17). Die 
Aufschlüsse im Fischachthaie zwischen Lengfelden und dem Wallersee 
werden im Abschnitte VIII (Waldprechting) besprochen. Das Streichen 
der Schichten ist im allgemeinen ein normales von West nach Ost, 
nur an einzelnen Stellen beobachtet man Biegungen bis h 9; das 
Einfallen ist vorherrschend nördlich , obwohl Punkte mit südlicher 
Fallrichtung nicht gerade selten sind, lieber den anstehenden Flysch- 
bänken lagern häufig glaciale Conglomerate oder Moränen. 

Die Seitengräben, welche am linken Ufer, also aus der Hal- 
wanger Höhe in die P'ischach münden, enthalten nur glaciale Reste ; 
im Graben, welcher zwischen Dorf und Station Halwang herabzieht, 
steht Conglomerat und junger Sandstein an; im Graben südlich von 
Eugendorf liegt eine schöne Moräne. 



Fig. 9. 




Das Gehänge bei der Ilaltstelle Halwang der Staatsbahn ist 
eine durchnässte Moräne, die bei anhaltendem Regen leicht in Be- 
wegung kommt und bei den Ueberschwemmungen Ende Juli 1897 
bedeutende Verkehrsstörungen verursachte. 



Zillinggraben: (1) h 11 'i 20 0; Wülste in W. — (2) h 8 'v 72 SW; Wülste 

in SW. — (3) h 7, 5" 'f 72 NNO; Wulste in SSW. — (4) h '?, 2" 'f 78 SSW; 
Wülste in SSW. — (5) h 7 'f 82 SSW. 

Hammerscbmidgraben: (6) b 9 f 25 NO. — (7) h 9 cp 45 NO. — (8) h 9 
'f 80 NO; Wülste in SW. - (9) h 9 'f 77 NO; Wülste in SW. — (10) h 8, 7"^ 
'f 55 NO. — (11) h 12 cf 72 0; Wülste in 0. — (12) «: b 2 cc 60 SO; 
Wülste in SO. — h: h 9, 10» cp 87 SW; Wülsfe in NO. — (13) b 7, 10 'f 85 
SSW; Wülste in SSW. - (14) b 7 'f 85 S ; Wülste in S. — (15) «: b 6, 7" 
'f 76 S; Wülste in S. — b: 4, 2" 'f SO SO; Wülste in SO. — r: b 0, 5" 'f 77 
0; Wülste in 0. — (h. b 9, 1" ■{. 86 NO; Wülste in NO. — (16) b 9, 3" '^ 81 
SW; Wülste in NO. 

Berg: (17) b, G, 5" f 67 N; Wülste in S. 



[29] Das Salzbiirger Vorlaud. 31 5 



IV. Plainf eider Höhe. 

Ich möchte die Höhe, welche westlich vom Phiinfelder Bach 
und östlich von der Fuschler Ache umflossen wird, nacli dem grössten 
Orte, der am Fusse dieses Höhenzuges liegt, die Plainfelder Höhe 
nennen. Im Süden reicht sie an die triadischen und rhätischen Kalk- 
berge und die Strasse, welche von Salzburg über Hof gegen Sanct 
Gilgen und Isclil führt, bildet hier die Grenze. 

Im Plainfelder Graben findet man von dem Punkte an, 
wo er die Kalkberge verlässt, nur mehr Schotter und junge Bildungen. 
Bei Piain feld selbst ist ein mächtiges Lager von Kalktuff aufge- 
schlossen, welches zahlreiche PJinschlüsse von Blättern und recenten 
Schnecken enthält. Prof. Kastner konnte folgende Arten be- 
stimmen : 

Hijalina crystallina Müll. 

„ nitens Mich. 
Helix unidentata Drap. 

„ sericea Drap. 

„ incarnata Müll. 

„ arhustorum L. 

„ pomatia L. 
ßytliinella Schmidtii Charp. 

Der Kalktutt" wird steinbruchmässig gewonnen und als Bau- 
materiale verwendet. In der Nähe von Bodenschwand steht oben 
im Walde glaciales Conglomerat an, und auf der ganzen Höhe hin 
zeigen die Aufschlüsse nur Schotter und Moränen. Bloss im Gebiete 
der Fuschler Ache, und auch hier fast nur an deren rechtem Ufer, 
ist fester Fels anstehend. 

Das ganze Gebiet ist von glacialem Materiale erfüllt, das bis 
in gewaltige Tiefen reicht; so sind z. B. bei Elsenwang nach 
Brückner^) Moränen in einer Mächtigkeit von 135 m aufge- 
schlossen, ohne dass das Liegende derselben blossgelegt wäre. 

Wandert man von Hof auf der Reichsstrasse dem Fuschlsee zu, 
so erreicht man nach kurzer Strecke das Wirtshaus „zur alten 
Tanne" am linken Gehänge des Fuschler Achenthaies. Der Mühlen- 
bach stürzt hier über Kalkwände herab gegen W^aldach zu. Die Kalke 
scheinen den Raibler Schichten anzugehören; sie sind schwarz mit 
weissen Adern und dünn geschichtet. Die Dicke der Platten beträgt 
4—5 cm. Ihre Lagerung (l) ist in h 7 mit P]infallen nach Süd. 
Diese Kalke bilden jedenfalls das Liegende des Flysches. 



Hof (1) h 7 'f 22 ö 



^) Diu Verglctscheriuig des Salzachgebiote?. (ieogr. AMiandl., Iioransg. von 
Penck, Wien 1886, ßd. I, Heft 1, S. 38. 



316 Eberhard Fugger. [30] 



V. Eggerberg 

ist der Bergrücken, welchen die Fuscliler Ache von ihrem Ausflusse 
aus dem Fuschlsee his zu ihrer Mündung in den Mondsee umzieht. 
Im Norden des Eggerberges bildet sie das breite Thal von Thalgau, 
im Süden und Westen lliesst sie in enger Schlucht. Anschliessend 
an die Fuschler Ache bildet der Fuschlsee die Südgrenze ; an diesen 
reiht sich dann der Schober und die Drachenwand als Grenze gegen 
Süd und Ost. 

Folgen wir der Fuschler Ache von ihrem Ausflusse aus dem 
See, so kommen wir zuerst über Schotterboden, welcher so weit 
reicht, bis die Ache ihre Richtung nach West lenkt. Nun folgt eine 
Mühle nach der anderen. Bei der ersten Mühle steht am rechten 
Ufer junges Conglomerat an, darunter eine Moräne ; am linken Ufer 
befindet sich eine Schottergrube. Etwa 100 m abwärts am Bach ist 
wieder eine Moräne blossgelegt; unmittelbar oberhalb der zweiten 
Mühle sind an beiden Ufern Schottergruben. Zwischen der zweiten 
und dritten Mühle lagern wieder Moränen. Unterhalb der fünften 
und letzten Mühle beobachtet man zuerst wieder anstehenden Flysch 
(1), und zwar mit einem Streichen in h 10 bei nordöstlichem Fallen; 
die Wülste befinden sich an der Südwestseite. 

Nach weiteren 400 Metern (2) streichen die Schichten in h 0, 
fallen ebenfalls nach NO und haben Wülste an der Südwestseite ; 
am linken Ufer, gegenüber dieser Stelle, liegt eine Moräne. Circa 
50 m abwärts (3) beobachtet man abermals eine Biegung in der 
Streichrichtung, die Schichten stehen sehr steil gegen Nord gerichtet 
und ihr Streichen dreht sich von h 7 nach h 4 ohne einen Bruch. 
Wieder 50 m am Bache abwärts (4) streichen sie rein Ost — West 
und stehen fast senkrecht oder sehr steil nach Süd geneigt, die 
Wülste« an der Südseite. Noch weiter unten (5) — nach 120 /// — 
ist das Streichen ziemlich dasselbe, das Fallen steil nach Süd. 
Nach 30 }n wendet sich der Lauf des Baches nach Nord, die Schichten 
stehen senkrecht zur Bachrichtung (6) mit steilem Einfallen bald 
nach Nord, bald nach Süd ; die Wülste sind undeutlich, scheinen 
aber an der Südseite zu liegen. Nun ist auf eine längere Strecke 
nirgends anstehendes Gestein zu sehen, erst nach 150 m treten wie- 
der deutlich Schichtungen auf (7), und zwar in h 6, 7" mit steilem 
südlichen Einfallen, die Wülste ebenfalls in Süd. Der Bach hat hier 
eine Biegung gemacht, so dass die Schichten zur Flussrichtung 
parallel stehen. 

Nach weiteren 40 Metern (8) hat sich die Streichrichtung nach 
h 5 gewendet, das Einfallen ist dasselbe geblieben. Von hier ab 
folgt wieder glaciales Terrain; 60 m von Punkt 8 entfernt, liegt ein 
grosser erratischer Block aus körnig -krystallinischem Kalk, 10 w 
lang, 8 m breit und etwa (> m hoch. Von dem Kalkblock 120 m aus- 
wärts (9) ist die Streichrichtung unverändert geblieben, aber dafür 
das Einfallen nach Norden gerichtet; an der Südseite sind sehr deut- 
liche, erhabene Curven von der Form wie sie uns Figur 10 auf der 
folgenden Seite zeigt, 



[Hl] Das Salzbnrger Vorlautl. 3I7. 

Nach weiteren 100 Metern mündet am linken Ufer in Schotter- 
terrain der Elsenwanger Bach, und 800 m unterhaih dieses Punktes, 
hei 10, steht noch einmal Flysch an, und zwar in h 2 bis 8, mit 
Fallen nach SO, die Wülste in NW. Noch 20 in unterlialb maß ich 
ebenfalls eine Schichtung, diesesmal in h 4 bis 5, mit sehr steilem 
nördlichen Einfallen; es ist aber fraglich, ob hier wirklich anste- 
hendes Gestein vorliegt. Von diesem Punkte aus findet man im 
Graben nur mehr Schotter und nirgends anstehenden Fels. 

Im allgemeinen streichen also im Graben der Fuschler Ache 
die Flyschschichten ziemlich regelmässig von Ost nach West, nur 
bei Punkt 3 ist eine Biegung direct sichtbar; die Punkte 9 und 10 
aber lassen wegen der verschiedenen Lage der Wülste eine Biegung 
der Streichrichtung constatiren, deren Krümmung am linken Ufer 
liegen muss. 

Auf der Höhe des Eggerberges und am südlichen Gehänge 
desselben fand ich nur glaciales Material, auf der büdseite auch 
einzelne Flyschtrümmer. und an einer Stelle der Strasse von Hof 
nach Thalgau, 60 m über dem Fuschlsee, auch anstehenden Flysch 
(11) mit schwachem Einfallen gegen NNO. Am Nordgehänge jedoch 
von dem Punkte, wo die Fuschler Ache in da» weite Thal von Thal- 



Fig-. 10. 




gau eintritt, bis in die Nähe der Teufelsmühle triift man im Walde, 
im sogen. Langenholz, an mehreren Stellen anstehendes Flysch- 
gestein, aber nirgends so deutlich geschichtet, dass man ein sicheres 
Urtheil über die Lagerung fällen könnte. 

Meist ist der Flysch mit einer ziemlich mächtigen glacialen 
Lehmschichte überdeckt, die in mehreren Lehmgruben, z. P. westlich 
von der Ortschaft Leiten, aufgedeckt ist. Am linken Ufer des 
Baches, welcher in der Nähe dieser Lehmgruben vom Eggerberg 
herab der Fuschler Ache zufliesst, befindet sich etwa 15 m über der 
Thalsohle eine Schottergrube, d. i. der Rest eines glacialen, hori- 
zontal geschichteten Conglomerates mit Sandsteinzwischenlagen, 
welches stark verwittert ist und leicht zerfällt. Unter dem Conglo- 
merate lagert der glaciale Lehm. 

Erst in dem Graben, der sich von der Ruine Wartenfels 
zur Teufelsmühle herabzieht, ist der Flysch mehr oder weniger 
deutlich geschichtet. Schon bei Kohlhütte oberhalb der Teufelsmühle 
trifft man anstehenden Flyschmergel. 300 Schritte weiter oben (12) 
treten schön geschichtete Mergel und Sandsteine auf in h 6, 5*^ mit 
steilem südlichen Einfallen; 100 Schritte weiter aufwärts (13) die- 
selbe Schichtung; wieder nach etwa 200 Schritten (14) ist das 
Streichen nach h 7, das Einfallen unverändert in Süd, die Wülste 

Jalirbuch d. k. k. geol. ReicUsaustalt, 1899, 49. Band, 2 Heft. (E. Fugger.) 41 



318 Eberhard Fugger. [32] 

in Nord; 20 Schritte weiter dieselbe Lagerung. Nach 200 Schritten 
(15) stehen die Schichten fast senkrecht, wenig weiter oben fallen 
sie wieder nach Süd. Nun folgt auf mindestens 300 Schritte Moränen- 
material, dann abermals Flysch, wenn auch nicht mit meßbarer 
Schichtung. Im Bache selbst liegen nur Flyschtrümmer, kein Kalk 
oder Dolomit, obwohl das dahinter und höher liegende Felsgebiet aus 
triadischen und rhätischen Kalken und Dolomiten besteht. Diese 
Flyschtrümmer im Bache reichen bis an seine Quelle, noch minde- 
stens 400 Schritte weit. Nach weiteren 150 Schritten hat man die 
Höhe des Eggerberges erreicht. 

Zwischen dem Südfusse des Eggerberges und dem Fuschlsee 
erhebt sich der Feldberg, welcher aber bereits aus Dolomit 
besteht. 

In dem Graben südlich von St. Lorenz, am unteren Rande 
des Waldes (16), steht ebenfalls Flysch an in h 6, zuerst mit sehr 
steilem südlichen , wenig weiter oben mit fast ebenso steilem 
nördlichen Einfallen. Der Flysch reicht etwa bis in die Meeres- 
höhe von 700 bis 720 in. Dann folgt ein Plateau, welches mit 
Trümmern von Kaibier Kalken überdeckt ist. Von hier zieht sich 
eine Schutthalde hinauf an den Fuss der Drachenwand, wo die Raibler 
Kalke mit einem Streichen in h 6 bis 7 und sehr steilem südlichen 
Einfallen anstehen. Die Raibler Kalke bilden also hier wie bei Hof 
das Liegende der Flyschschichten. 

Der Einfluss der Flyschmergel auf das Auftreten von Quellen 
Itässt sich recht deutlich erkennen, wenn man von dem vorher er- 
wähnten Plateau am Fusse der Schutthalde, die von der Drachen- 
wand und dem Schober herabzieht, gegen Westen auf Wartenfels zu 
wandert. Ueberall trifft man hier auf Quellen, und überall findet 
man in den Bächen ganz nahe unterhalb ihres Ursprungs Flysch- 
trümmer. Die Wässer des Eggerberges sind meist sehr kalkreich 
und man findet am Fusswege von Thalgau nach Fuschl sowohl am 
Nord- als am Südgehänge des Berges manches kleine Bächlein, 
welches sich sein Bett mit Kalktuff auspflastert. 

Fuschler Ache: (1) h 10 (f 45 NO; Wülste in SW. - (2) h 9 cp 55 NO; 
Wülste in SW. — (3) h 7 bis h 4 sehr steil N. — (4) h 6 -^ sehr steil S; 
Wülste in S. — (5) h 5, 10" 'f 77 8. — (6) h 7 (f 80 N bis 85 S. — (7) h 6, 
7» cp "'S iS; Wülste in S. — («) h 5 'i 70 S. — {9) h 5 'f 45 N. — (10) h 2 
bis 3 cf 70 SO; Wülste in NW. 

Eggerberg: (11) h 7, 5" 'f 20 NNO. 

Teufelsgraben: (12) h 6, 5» <p 60 S. — (13) h 6, 5" .f 60 S. — (14) h 7 'v 55 
S; Wülste in N. — (15) h 6, 7" ^ 90 bis 86 S. 

St. Lorenz: (16) h 6 -f 84 S. — h 6 'f 75 N. 



[33] I^as Salzburger Vorland. 3] 9 



VI. Der Hoehgitzen. 

Das Gebiet desselben wird im Süden durch die Fischach, im 
Osten durch den Ehrenbach und die demselben folgende Strasse 
von Lengfelden nach Ursprung, im Norden durch die Ursprunger 
Teiche und deren Abfluss, den Berlinger Bach, und im Westen durch 
die Salzach und die damit parallel laufende Strecke der Salzburg- 
Oberndorfer Bahn begrenzt. Der Hoehgitzen, der culminirende Punkt 
dieses Terrains, ist ein kegelförmiger Berg, dessen Spitze die Meeres- 
höhe von 674 m erreicht; gegen Norden dacht sich der Berg zu der 
Hochfläche von Vockenberg ab, Wcährend er nach den übrigen 
Richtungen steiler abfällt. 

Eine selbständige Vorlagerung im Südwesten bildet der M u n ti gl, 
ein kleiner niedriger Hügel bei dem gleichnamigen Dorfe, welcher, 
frei in die Ebene gestellt, eine herrliche Rundsicht gewährt. An 
seinem Fusse mündet die Fischach in die Salzach, und in dem Winkel, 
den diese beiden Flüsse miteinander bilden, liegt der berühmte 
Steinbruch von Muntigl (Fig. 11 bis 13). 

Er misst die Schichtflächen entlang mehr als 300 m und über 
die Schichtenköpfe hin etwa 50 m ; die Lagerungsverhältnisse sind denen 
vom Bergheimer Steinbruch scheinbar ähnlich: wechselnde Schichten 
von Sandsteinen und Mergeln oder Mergelkalken in h 6, 6^ bis h 6, 
10° mit sehr steilem südlichen Einfallen. Er ist der reichste Fund- 
ort von Flyschpetrefacten. Ende Mai 1882 war dort eine grosse 
Sandsteinfläche abgedeckt, welche zahlreiche mächtige, erhabene 
Kegelwülste von mindestens 25 cm Länge und 8 cm grösster Breite 
zeigte; zwischen den Wülsten befanden sich kleine, wurmartige, 
S-förmige Erhöhungen von 20 cm Länge und 8 mm Dicke. Auf einer 
zweiten Wand waren eine Menge stangenförmiger Erhabenheiten von 
3 — 5 7n Länge zu sehen. 

Die Schichtflächen sind vielfach mit Eisenrost überzogen, ent- 
halten auch Krystalle von Eisenkies, sowie Drusen von Kalkspath ; 
die Schichtenköpfe tragen häufig Ausblühungen von Alaun und Bitter- 
salz. Die Sandsteine enthalten stellenweise Kohlensplitter, an anderen 
Stellen Glaukonite. An einigen wenigen Punkten gehen sie in 
feinkörnige Conglomerate oder Breccien, an anderen in sandige 
Mergel über. 

An Petrefacten findet man daselbst: 

Chondrites affinis Sternhg., auch in der Ausbildung von Hormosira 
moniliformis, d. h. die Aeste senkrecht zur Schichtfläche gestellt; 

Chondrites Targionii Brongn., 
„ expansus F. 0., 

„ arbusculus F. 0., 

„ patuhis F. 0. und 

„ intricatus Brongn. in zahlreichen Abarten. 

Taenidium helveticiim ScJiimp,, 

„ Fischeri Heer, vorzugsweise in der nordwestlichen 

Partie des Steinbruches ; und eine sehr grosse Art, die ich 

41* 



320 



Eberhard Fugger. 



[34] 




E, s 



-> 3 S 



[35] Das Salzburger Vorland. 321 

Taenidium grande nennen möchte. Ferner 

Hydrancyliis geniculatus F. 0. und andere Arten dieses Genus ; dann 

Helminthoida crassa Schafh. und 

„ lahyrhithica Heer. Ich sah ein Exemplar einer Hel- 

mhithoida mit 8 mm breiten erhabenen Gängen. Ausserdem finden 
sich mehrere grosse Pflanzenformen, von denen Herr Hofrath J. v. 
Lorenz-Liburnau eine als HaUmeda Fuggeri beschrieb und ab- 
bildete (Sitzungsb. d. k. Akad. d. Wissensch." in Wien CVI, Abth I. 
1897, S. 174-178, Taf. I). 

Die grossen Chondriten und Taenidien sind meist längs und 
parallel den Schichtflächen ausgebreitet, sie gehen aber auch quer 
durch die Schicht durch und finden sich sowohl an der Ober- als 
auch an der Unterseite. Die kleinen Chondriten sind überall, auch 
mitten im Gestein, beginnen auch in der Mitte und hören im Inneren 
auf. Besonders an einer Stelle im südöstlichsten Theile des Stein- 
bruches zeigen sich an völlig parallel gelagerten Schichten zu beiden 
Seiten der Bänke Chondriten, dann wieder an der einen Bank auf 
der Unterseite, an der anderen auf der Oberseite der Schichte, so 
dass man die Ueberzeugung gewinnen musste : die Chondriten wuchsen, 
solange der Boden ruhig war und die Ablagerung nicht zu massig 
erfolgte ; sie starben aber ab, wenn die Ablagerung des Sandes oder 
Mergels constant vor sich ging. 

Ausser den genannten Petrefacten finden sich noch viele, bisher 
unbestimmte Formen, die entweder Pflanzenreste sind oder als Kriech- 
oder andere Spuren von Thieren gedeutet werden können. 

An Muscheln kommen gar nicht selten vor der grosse Inoceramm 
salishurgensis Fugger et Kastrier^ sowie der kleinere 1. monticidi F. et K. 
und Uebergangsformen zwischen beiden Arten, dann Austernschalen, 
nicht selten auf den Schalen des grossen Inoceramus aufsitzend. Die 
Inoceramen liegen sowohl auf Sandstein als auch auf Mergel. An 
der Südostecke des Steinbruches steht ein Sandmergel an, welcher 
zahlreiche kleine, glänzende Muscheln — nach Dr. A. Bittner's 
gütiger Bestimmung Anomien aus der Gosauformation — und Kohlen- 
splitter enthält. 

Ausserdem findet man Wülste, die einer Schnecke gleichen, 
Echinodermenstacheln und undeutliche Formen, die man als Insecten- 
reste deuten könnte. 

Die Schichten sind ziemlich normal gelagert, nur an einzelnen 
Stellen zeigen sich locale Verdrückungen. Eigenthümliche Wickelungen 
finden sich in einzelnen Sandsteinen. Sandsteinlagen von circa 1 cm 
Dicke sind so ineinander gewickelt, wie man etwa einen Strudelteig 
einrollt. Diese „gewickelten Schichten" sind wohl auf locale Druck- 
erscheinungen, welche gleich nach Ablagerung der Schicht stattfanden, 
zurückzuführen. 

An Wülsten beobachtet man ausser den vorher angeführten 
Kegelwülsten, dann den S-förmigen und den Stangenbildungen zahl- 
reiche andere Formen': etwa kleinfingerdicke und entsprechend lange 
erhabene Bildungen, welche in verschiedenen Winkeln einander durch- 
kreuzen; Knollen von fast kugelförmiger Gestalt; eine Aneinander- 



322 



Eberhard Fugger. 



[36] 




[37] 



Das Salzburger Vorland. 



323 




a24 Eberhard Fugger. [38] 

reihung von erhabenen Knollen, derart, dass das Ganze einem Stück 
einer Wirbelsäule nicht unähnlich sieht; dann wieder Formen, die 
mit den von Th. Fuchs beschriebenen Fliesswülsten die grösste 
Aehnlichkeit besitzen; kleine wellige Erhabenheiten, und viele andere 
Formen. 

Nachdem die Kegelwülste im Steinbruch von Muntigl ausschliess- 
lich auf der Südseite auftreten, muss man annehmen, dass die Wände 
dem Beschauer die Unterseite der Schichtflächen darbieten. 

Die Gresteinsarten sind, wie erwähnt, dieselben wie im Stein- 
bruch zu Bergheim ; auch die Verwitterung auf den Schichtflächen 
(vergl. Fig. 12) ist eine ähnliche. Am westlichen Ende des Muntigler 
Bruches, nahe der Haltstelle Muntigl der Oberndorfer Bahn, findet 
man Mergel, welche von aussen gegen innen eine Reihe schmaler 
brauner Schichten zeigen und so gewissermassen den Beginn der Bil- 
dung von Florentiner Marmor darstellen. Diese Mergel lassen aber 
auch zugleich constatiren, dass die Florentiner Marmore ein Product 
der von aussen nach innen fortschreitenden Verwitterung sind. 

Am oberen, südlichen Ende des Steinbruches sah man im Juli 
1897 die letzte Schicht etwa einen Meter hoch über die vorliegende 
hervorragen, und konnte auf dieser letzten Schichtfläche öinen schönen 
Gletscherschliff von 5 m Länge beobachten. 

Auf der Höhe des Muntigl (2) steht Flyschsandstein an in 
h 6, 5^ mit südlichem Einfallen. Zwischen der Ortschaft Muntigl 
und dem Bauernhause Kerist (in der Generalstabskarte steht Kerath) 
(3) nahe der Salzburg -Oberndorfer Strasse in einem Hohlwege am 
Fusse des Gitzen sind Flyschbänke meßbar in h (1 7^ bis h 7, 5^ 
mit steilem Einfallen nach Nord, Wülste an der Südseite, mit 
CJwndrites Targionii Brongn. Auch südlich von diesem Punkte, an 
dem Fahrwege, der von der Furtmühle nach Vockenberg führt, ist 
anstehender Flyschfels, jedoch eine Schichtung nicht zu messen. 

Oestlich von der Furtmühle zieht sich ein Graben vom Hoch- 
gitzen in fast südlicher Richtung gegen die Fischach zu, der Furt- 
müller Graben. Wenig über der Thalsohle, etwa in 480 m 
Meereshöhe, befindet sich ein Steinbruch (4), der sich den Bach 
entlang 25 m weit erstreckt, während der Graben selbst hier einen 
Einriss von 8 bis 10 m Tiefe zeigt. Die Schichtung ist in h 5 mit 
nördlichem Einfallen und Wülsten an der Südseite. In diesem Stein- 
bruche wurde ein Exemplar eines Inoceramus monticuli F. et K. ge- 
funden. Nahe an den Quellen dieses Baches, in 595 m Meereshöhe 
(5), streichen die Flyschschichten in h 7 mit steilem Fallen nach 
NNO; auch hier sind Wülste an der Südsüdwestseite. Fünf Meter 
höher (6) findet sich ebenfalls ein Aufschluss mit ähnlicher Lagerung. 

An der Fischach, an deren rechtem Ufer, zwischen Leng- 
felden und dem Ehren bach, ist hart an der Strasse ein grosser 
Steinbruch (7 1 ; hier streichen die Schichten in h 5, 10^ mit sehr 
steilem Einfallen nach N. 

Der Ehre n b a c h zeigt in seinem unteren Laufe von seiner 
Mündung in die Fischach bis aufwärts zur Einmündung des Gitzen- 
b ach es keinen Aufschluss. Dieser letztere kommt von der Höhe 
des Hochgitzen in fast östlicher Richtung ; hier findet man, sowie 



[39] Das Salzburger Vorland. 325 

das Terrain steiler ansteigt, liäufig anstehenden Fels. Das Streichen 
bleibt ziemlich constant, das Fallen wechselt in der Richtung; deut- 
liche Wülste Hessen sich nirgends constatiren. In 490 m Höhe über 
dem Meere (8) ist das Streichen fast rein ostwestlich mit südlichem 
Fallen, bei 518 m (9) ist das Streichen dasselbe, das Fallen jedoch 
sehr steil nördlich. In 530 m Höhe (10) ist die Lagerung in h 7, 5'^ 
ziemlich steil nach SSW und bei 580 m (11) nahezu dieselbe. 

Im oberen Ehrenbache beobachtet man mehrere Ver- 
werfungen oder Verschiebungen: so streichen die Schichten nahe 
oberhalb der Mündung des Gitzenbaches (12) in h 1 mit schwachem 
Fallen nach OSO ; etwa 200 in weiter hinauf am Bache (13) in h 2, 
50 mit sehr geringem Gefälle nach SO; 270m von Punkt 13 auf- 
Wcärts (14) in h 10, 10^ mit sehr schwachem ostnordöstlichen Ein- 
fallen ; nach weiteren 50 m (15) in h 3, 5° mit ebenfalls sehr geringer 
Neigung nach SO. Nun folgt eine Strecke ohne jeden Aufschluss 
bis zur Vereinigung zweier Gräben. Der rechtsseitige Zufluss ent- 
blösst bis zu seinen Quellen hinauf nirgends anstehendes Gestein, 
der kürzere, linksseitige dagegen bietet etwa 350 m oberhalb der 
Vereinigung der beiden Bäche nacheinander mehrere Aufschlüsse 
mit gleichförmigem Streichen von West nach Ost. Der südlichste 
derselben (16) zeigt ziemlich steiles Fallen nach Süd, weiterhin (17) 
fallen die Schichten steil nach Nord, und wenig nördlich vom zuletzt 
genannten Punkte fallen sie wieder nach Süd. In den obersten 
Partien des Ehrenbaches, in nächster Nähe von Elixhausen, steht 
interglaciales Congiomcrat an. 

Das Salzburger Museum besitzt ein Stück bearbeitetes Holz, 
wahrscheinlich ein Hammerstiel, welches vollkommen mit kleineren 
und grösseren Rollsteinen überdeckt, ich möchte sagen, überwachsen 
ist; ferner ein Stück Eisenblech in Conglomerat eingewachsen. Beide 
Stücke sind selbstverständlich sehr jungen Alters und stammen aus 
einer Schottergrube in der Nähe von Elixhausen. 

Auf dem Gipfel des Hochgitzen liegt ein erratischer Block 
von Gosauconglomerat. Am nordwestlichen Gehänge des Berges, 
zwischen Reith und Vockenberg, entspringt der Lehenbach, der 
in seinen unteren Partien einen engen, tiefen und wilden Graben 
bildet und dann bei Lehen die Salzburg-Oberndorfer Strasse, d. h. 
den Thalboden erreicht. In diesem unteren Theile des Grabens, 
der sehr schlecht und mühsam zu begehen ist, findet man eine 
grosse Reihe von Aufschlüssen vor. 

Schon ganz wenig oberhalb Lehen (18) ist die Schichtung am 
linken Ufer in h G, 5° mit Fallen und Wülsten in Süd blossgelegt; 
dann ist das Terrain verbrochen. Weiter oben am rechten Ufer (19) 
ist das Streichen in h 6 mit sehr steilem nördlichen Einfallen, theil- 
weise stehen die Schichten fast senkrecht, die Wülste in Süd. Die 
Wände sind auf eine lange Strecke blossgelegt; nach 30 m sieht 
man die Schichten steil nach Süd geneigt auf IG Schritte, dann folgt 
Schutt. Nach weiteren 70 Schritten lagern die Flyschplatten am 
linken Ufer (20) in gleichem Streichen steil nach Süd. Das Streichen 
sowohl als das Einfallen bleibt nun ziemlich unverändert, soweit sich 
noch im Bache Aufschlüsse zeigen. Nach 52 Schritten (21) liiesst 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 42 



i 



326 Eberhard Fugger. [40] 

der Bach parallel zu den Schichtflächen, späterhin (26 Schritte) 
gehen die Schichtenköpfe (22) quer über den Bach und geben Ver- 
anlassung zur Bildung eines kleinen Wasserfalles. 7 Schritte ober- 
halb des Wasserfalles steht eine steile Wand am rechten Ufer (23); 
diese ist 25 Schritte lang, 5 bis 6 ni hoch und zeigt sehr deutliche 
Kegelwülste an der Südseite. 20 Schritte weiter oben überquert der 
Bach wieder die Streichrichtung und bildet abermals einen Wasser- 
fall. Nach 30 Schritten (24) beginnt am rechten Ufer nochmals eine 
Wand, welche sich in den hier von Norden herkommenden Zufluss 
hineinzieht und daselbst Veranlassung zur Bildung mehrerer kleinen 
Cascaden gibt. 

Der Hauptbach, der im allgemeinen seine Richtung aus Südost 
nach Nordwest beibehält, bildet weiterhin (25) nacheinander mehrere 
Terrassen, empfängt noch einen kleinen seitlichen Zufluss und bildet 
dann nochmals einige kleine Cascaden (26). Von Punkt 24 bis hie- 
her (2(i) sind höchstens 70 Schritte. An dieser letzten Stelle sind 
die Aufschlüsse im Flysch zu Ende ; man findet nur mehr glaciales 
Materiale, darunter allerdings erratische Blöcke von Gosauconglomerat 
von 4—5 Cubikmetern Grösse. Der Bach fliesst in vollkommen 
ebenem Terrain. 

Der vorher erwähnte, bei Punkt 24^ zufliessende, rechtsseitige 
Nebenbach zeigt (27) in seinen untersten Partien noch dieselbe 
Streichrichtung in h 6, 5^ mit südlichem Einfallen und Wülsten in 
Süd, wie unmittelbar an seiner Mündung; man erreicht aber, seinem 
Laufe aufwärts folgend, sehr bald ebenen Wiesenboden. 

Schreitet man wieder am Lehenbache weiter aufwärts, so über- 
quert man den Fahrweg, welcher von der Furtmühle nach Vocken- 
berg führt; der Graben wird steiler, theilt sich auch mehrmals, 
zeigt aber nirgends anstehendes Gestein, sondern nur Moränenmaterial 
und ziemlich grosse erratische Blöcke. 

In der Ortschaft Vockenberg an der nördlichen Abdachung 
des Gitzen befindet sich ein kleiner Steinbruch (28), in welchem das 
Gestein in h 8 mit nordnordöstlichem Einfallen streicht. 

Auf der Hochfläche, welche sich am Nordfusse des Hochgitzen 
ausbreitet, liegen die Teiche von Ursprung, und zwar westlich 
von dem eben genannten Orte zwischen den Bauerngütern Racking, 
Gaspoding, Reitbach und Winding. Brückner bezeichnet sie in 
seiner „Vergletscherung des Salzachgebietes" Seite 106 als Moränen- 
seen; es sind aber, wie ich in den „Mittheilungen der Gesellschaft 
für Salzburger Landeskunde" 181)1, Band XXXI, Seite 256 nachge- 
wiesen habe, künstliche Teiche, welche zum Zwecke der Fischzucht 
schon im 16. Jahrhundert oder noch früher in natürlichen Gräben 
abgedämmt wurden. Die Dämme und der künstliche Ablass sind 
deutlich sichtbar. Es waren seinerzeit vier solcher Teiche, die mit 
einander in Verbindung standen. 

Der Abfluss des untersten Teiches, des sogen. Rackinger oder 
Berlinger Sees, ist der Berlinger Bach, welcher wieder einige 
hübsche Aufschlüsse im Flysch bietet. Er fliesst in der Richtung 
nach Westen ab und erreicht die Thalsohle zwischen Lehen und 
Anthering. Etwa 400 m vom Ausflusse aus dem Berlinger See be- 



[41] Das öalzbiirger Vorland. 327 

ginnt der Graben sich zu vertiefen, und hier trifft man das erstemal 
(2U) anstehenden Fels in h (>, 10» mit südlichom Einfallen; 100 
Schritte weiter unten (30) dieselbe Lagerung. An der Mündung des 
an der linken Seite zufliessenden \'o ck enberger Baches (31) 
aber fallen die Schichten steil nach Nord, 30 Schritte unterhalb (32) 
stehen sie senkrecht. Hier zeigt sich schon eine Biegung der 
Schichten, und weiter hinab ist alles verdrückt und verbrochen. 
Erst nach 400 Schritten (33) ist die Lagerung wieder normal mit 
steilem nördlichen Einfallen ; 2G0 Schritte tiefer mündet der Königs- 
berger Bach am rechten Ufer; hier (34) ist die Lagerung unver- 
ändert, nur das Einfallen weniger steil. 

Geht man im K ö n i g s b e r g e r Graben 25 Schritte aufwärts, 
so treten am linken Ufer die Wände coulissenförmig vor (35) in h 4, 
50 mit steilem nordnordwestlichen Einfallen, und zeigen schöne Wurni- 
gänge an der Nordseite. Zwei Meter weiter oberhalb tritt wieder 
eine Coulisse vor in h 5, 5^ mit steilem nördlichen Einfallen ; im 
Ganzen beobachtet man auf etwa 30 Schritte vier oder fünf solcher 
Coulissen. Die Sandsteine daselbst zeigen grossschalige Structur. 
Nach 70 Schritten fallen die Schichten ziemlich steil, nach weiteren 
10 Schritten sehr steil gegen Süd. Wenig weiter oben findet man 
Chondrites a/ßnis und eine sehr grosse Taenidium - Art. Nach 70 
Schritten beobachtet man den letzten Aufschluss, ebenfalls mit sehr 
steilem südlichen E]infallen ; dann ist auf 200 Schritte nur mehr 
Moräne zu sehen, und 50 Schritte Aveiter steht man an den Quellen 
des Königsberger Baches. 

Wenig unterhalb der Mündung des eben besprochenen Seiten- 
baches ist im Berlinger Graben (3()) das Streichen wieder in 
h 5, 10" mit senkrecht stehenden Schichten; weiterhin ziehen diese 
als Felswehr quer durch den hier 3 m breiten Bach (37) in h 4, 5'^ 
mit südsüdöstlichem Fallen. Abwärts von dieser Stelle findet man, 
kaum 10 m über der Strasse, noch einen Aufschluss in h O mit 
südlichem Verflachen. Im Berlinger Bache und seinen Zuflüssen 
konnte ich nirgends Kegelwülste wahrnehmen. 

Nach dem Vorhergehenden scheint sohin im Gebiete des Hoch- 
gitzen die Lagerung ziemlich normal zu sein, eine Streichrichtung von 
West nach Ost mit bald südlichem, bald nördlichem E^infallen. Nur 
im Ehrenbach treten einige bedeutendere Störungen auf. 



Miintigl: (li h G, 6° bis 10", 'f 85 S; Wülste in ö. — (3) h 6, 5» cp 56 S. 

Kerist: i3) h 6i 7" bis h 7, 5« 'f 70 N; Wülste in S 

Furtmüller Graben: (4) h 5 cp 65 N ; Wülste in S. — (5) h 7 f 72 NNO; 

Wülste in SSW. — (6) k 6, 7" 'f 75 N. 
Lengfeldeu: (7) li 5, 10° cp 83 N. 
Gitzenbach: (8) h 5, 10° cp 42 S. - (9) h 6 '^ 85 N. — (10) h 7. 5« 'f 63 SSW. 

— (11) b 7, 2" 'f 6S SSW. 
Ehrenbach: (12) h 1 cp 20 OSO. — (13) h 2, 5" -p 9 SO - (14) h 10, lU" cp 

10 0. - (15) h 3, 5" cp 10 S. — (IG) h 6 'f 60 S. — (17) h 5, 5" cp 75 N. — 

h 5, 5" cp 55 S 
Lehen bach: (18) h 6, 5» '^ 45 S; Wülste in S. — (19) h 6 'f 85 N; Wülste 

in S. — h 6 cp 83 S; Wülste in S. — (20) h f), 5" 'f 65 S; Wülste in S. — 

(21) h 6 cp 75 S Wülste in S. — (22j h 6 'f 75 S — (23) h 6 -p 85 S; 

42'' 



328 Eberhard Fugger. [42] 

Wülste in S. — (24) h 6, 5" 'f <;5 S; Wülste in 8 — i35) li 6, 5 -f 65 ö. — 

(26) h 6, 5 'f 00 ö. — (27) h 6, 5 -f 65 S; Wülste in S. 
Vockenberg: (28) h 8 'f 75 NO. 
Berlinger Bach: (29) h 6, 10" -f 40 S. — (30) h 6, 5" 'f 30 8. — (31) h 6 

5" f 70 N. - (32) h 6, 5" tf 90. — (33) h 6 -f 75 N. — (34) h 6 'f 45 N. 
Königsberger Graben: (35) h 4, 5« f 70 NNW. - h 5, 5" tp 78 N. — h 6, 

7" cf 67 N. — h 6 cf 80 S. - h 6 'f 85 S. 
Berlinger Bach: (36) h 5, lu» cp 90. — (37) h 4, 5" 'f 40 SSO. — h 6 -f 30 S. 



VII. Die Höhe von Mödlham 

ist dem Gebiet des Hochgitzen im Norden unmittelbar vorgelagert; 
sie wird im Westen vom Salzachthal, spedell der Salzburg-Obern- 
dorfer Strasse, im Osten durch den nach Norden fliessenden Ober- 
trumer Bach, mit dem die Strasse Lengfelden — Obertrum parallel 
läuft, und im Nordwesten durch den Achartinger Bach einerseits und 
den Brück moosbach andererseits begrenzt. Die Hochfläche selbst ist 
durchaus Culturland, und wenu sich hie und da ein kleiner Aufschluss 
zeigt, so bietet er überall nur glaciales Material und nirgends an- 
stehenden Fels. Auch einzelne kleine Teiche finden sich in dem 
Gebiete zerstreut, bei denen man überall deutlich wahrnehmen kann, 
dass sie durch künstliche Abdämmung eines natürlichen Grabens 
hergestellt wurden. Solche Teiche existiren bei Wurmassing, Mühl- 
bach, Schönberg, Kobl u. a. 0. 

Nur zwei grosse und ein kleinerer Graben sind in dem Gebiete 
bis in das Flyschgestein eingerissen, der Antheringer, der lüeder und 
der Achartinger Graben; letzterer mit seinem linksseitigen Zufluss, 
dem Strahwiesbach. 

Der Antheringer Bach entsi»ringt auf der Höhe bei Schwaig, 
hat einen südwestlichen Lauf und erreicht im Dorfe Anthering die 
Thalsohle. Er bietet zahlreiche und mitunter bedeutende Aufschlüsse. 
Der unterste befindet sich zwischen dem Dorf und der oberen 
Mühle (1) ; die Bänke liegen sehr flach in h 2, 5^' mit südöstlichem 
Fallen, daneben in h 0, 5" und nicht weit davon in h 11, 5° mit 
östlichem Verflachen und Kegelwülsten in West. 25 Schritte ober- 
halb der genannten Mühle (2) sind die Schichten auf eine Strecke 
von 25 Schritten am rechten Ufer blossgelegt mit ostwestlichem 
Streichen und steilem südlichen Einfallen, die Wülste in Süd. Nach 
150 Schritten fallen die Schichten ()3j nach SO, 8 m weiter oben nach 
NW; dazwischen ist die Krümmung der Bänke deutlich sichtbar. 

Nach etwa 10 Schritten beginnt der Wald und hier (4) ist das 
Streichen nach h 3, 5^ mit Wülsten in SO ; am linken Ufer stehen 
die Schichten senkrecht im Bache und am rechten Ufer fallen sie 
unter 45" nach Südost. Dieser Aufschluss ist etwas über 10 m 
lang ; daneben befindet sich an der linken Bachseite ein grosser 
Schwellteich. Nach 25 Schritten steht man bei einem hölzernen 
Wehr (5) ; unmittelbar unterhalb desselben sind die Schichten im 



[43] Das Salzburger Vorland. 329 

Bacli gebogen und gebrochen, dass sie eine Nisciie oder Wanne 
bilden, wobei die Kegelwülste die Anssen- nnd Innenseite gut unter- 
scheiden lassen. 

Nun findet sich auf eine lange Strecke (445 Schritte) kein 
Aufschluss; an einer Stelle dieser Strecke liegen mehrere grosse 
Blöcke von Gosiiiiconglomerat beisammen. 

Weiterhin (6) ist die Schichtung wieder normal in westöstlicher 
Richtung mit Einfallen nach Süd und Wülsten in Süd auf 10 Schritte 
am rechten Ufer blossgelegt, und wenige Schritte später sieht man sie 
mitten im Bach. Nach 64 Schritten (7) ziehen die Schichten mit 
fast unveränderter Lagerung quer durch den Bach; 10 Schritte weiter 
(8) haben sie sich in h 7, b^ gedreht mit steilem Fallen nach 
NNO und Wülsten in SSW. Nach 50 Schritten (9) lagern sie in 
h 4, 50 mit Einfallen nach SSO auf eine Strecke von 35 Schritten 
blossgelegt; nach weiteren HO Schritten (10) ist dieselbe Schichtung 
mit zwei kleinen Unterl)rechungen auf 107 Schritte zuerst am linken, 
dann am rechten Ufer entblösst und zeigt die W^ülste an der Süd- 
seite. Dann folgen kleine Katarakte (11) auf 25 Schritte, hierauf 
verdrückter Fels (12) am rechten Ufer, hier aber mit steilem nord- 
westlichen Fallen. Die Sandsteine sind theilweise reich an Kohlen- 
splittern. Zehn Schritte weiter (13) steht eine Mergelwand am 
rechten Ufer wieder mit Einfallen nach Süd, mit grossen Chondriten 
und einem Taenidium an der Südseite. 

In einer weiteren Strecke von 162 Schritten (14, 15, 16) sieht 
man die Lagerung mit südlichem Einfallen und Wülsten in Süd an 
drei verschiedenen Stellen des linken Ufers ; nach 8 Schritten ist sie 
im Bach zu sehen und nach weiteren 4 Schritten steht eine Wand 
am rechten Ufer. 25 Schritte weiter oben (17) beobachtet man einen 
Bruch in den senkrecht stehenden Schichten, indem die untere Bank 
in h 6, ihre unmittelbare Fortsetzung bachaufwärts in h 4, 5*^ streicht. 

Nach 118 Schritten (18) ist das Streichen dasselbe, wie das 
zuletzt beobachtete, nur fallen die Schichten nach Süd. 25 Schritte 
weiter ist wieder ein Bruch im Bachbette zu sehen (19), indem die 
unterste Bank in h 8 mit südwestlichem Fallen, die zweite in h 2 
mit südöstlichem, die dritte in li 3, 5° ebenfalls mit südöstlichem 
Fallen streicht, während die vierte Bank in einem Winkel gebogen 
ist, dessen längerer Schenkel in h 10, 5", der kürzere in h 2, 5" 
streicht mit westsüdwestlichem, beziehungsweise nordwestlichem Ein- 
fallen. Diese ganze Brucherscheinung umfasst eine Strecke von 37 
Schritten. 

Während der nächsten 200 Schritte (20, 21) beobachtet man 
drei Aufschlüsse in h 4; die beiden ersten steil nach NNW, der 
letztere nach SSO einfallend. Auf der folgenden Strecke von 165 
Schritten ist die Schichtung an zwei Stellen messbar, jedesmal in 
h 3, 5", das erstemal (22) fast senkrecht, das zweitemal (23) nach 
NW fallend; beidemale die Wülste in SW. Durch 203 Schritte ist 
nun nichts zu beobachten, als einmal ein grosser Block von Gosau- 
conglomerat; dann folgt eine Schichtung 24) in h 4, 5" mit steilem 
Einfallen nach SSO; nach weiteren 155 Schritten ist allerdings ein 
Aufschluss (25) zu finden, jedoch derart, dass die Lagerung nicht mit 



330 Eberhard Fugger. [44] 

Sicherheit angegeben werden kann. 25 Schritte weiterhin stehen die 
Schichten seitwärts auf dem linken Ufer (26) in h 6 mit südlichem 
VerHächen und nach abermals 65 Schritten am rechten Ufer (27) 
in h 4, 50 senkrecht und bald mehr nach N, bald nach S geneigt. 
120 Schritte weiter ist am linken Ufer eine Wand (28) auf 15 
Schritte entblösst in h 5 mit sehr schwachem südlichen Verflachen, 
nach 140 Schritten ein Aufschluss (29) am rechten Ufer in h 6, 5^ 
ebenfalls mit südlichem Verflcächen, die Wülste in Süd. 

Zehn Schritte später folgt am linken Ufer (30) eine Mergelwand 
mit südöstlichem Einfallen, weiterhin (60 Schritte) liegt wieder Gosau- 
conglomerat im Bache; nach abermals 30 Schritten (31) ist noch ein 
Aufschluss in h 4. lO^, nach 55 Schritten (32) ein solcher in h 7 
und wieder nach 90 Schritten (33) einer in h 4, 10^, alle drei mit 
südlichem Einfallen. Von hier sind noch etwa 250 Schritte durch 
Wiesengrund bis zur Quelle des Baches bei dem Weiler Schwaig. 

Der Ried er Bach entspringt zwischen Ried und Schönberg 
im NNW von Anthering, fliesst ziemlich parallel dem Antheringer 
Bach zu Thal und mündet unterhalb Göllacken in die Au. In seinen 
oberen Partien liegen zahlreiche riyschtrümmer; unterhalb der Kapelle 
ist Flysch in einer Strecke von 10 bis 12 m deutlich viermal an- 
stehend, und zwar jedesmal (34) mit südlichem Einfallen; 5 m oberhalb 
dieser Stelle steht am linken Ufer eine Flyschbaiik in gleicher 
Lagerung an, ihre einzelnen Schichten — es ist feinkörniger Sand- 
stein — sind kugelschalenförmig gebogen, die einzelnen Schalen sind 
etwa 1 cm dick und lassen sich leicht ablösen. Der Halbmesser der 
Krümmung ist etwa 230 cm, da die Länge der Bogensehne 60 und 
die Höhe circa 8 cm beträgt. 

Einen Theil der Nordwestgrenze des Gebietes bildet der Achar- 
tinger Graben, dessen Lagerungsverhältnisse bei Besprechung des 
Haunsberges werden erörtert werden, da seine meisten Zuflüsse vom 
Haunsberg kommen. An der linken Seite nimmt der Achartinger 
Bach nur einen einzigen grösseren Seitenbach auf, den S trah wies- 
b a c h. Dieser entspringt zwischen Kobl und Schmieding und richtet 
seinen Lauf nach Westsüdwest. In der Nähe von Kobl, nordöstlich 
davon, nahe dem linken Bachufer befindet sich eine Ziegelei auf 
glacialem Lehm, in welchem zahlreiche verkalkte Wurzelstöcke zu 
flnden sind. 

Von hier im Bache abwärts triß't man anfangs Moränenmaterial, 
bald darauf aber Flysch anstehend (35) in h 2, 10*^ mit steilem süd- 
östlichen Einfallen und Wülsten in NW. Das Gestein enthält Chon- 
drites afinis Stertih;/., Targionii Brongn. und arhuscuhis F. 0. und 
ist meist muschelig zerdrückt. 

Zwischen dem Stege, der von Kobl nach Anzfelden, und jenem, 
der von Kobl nach Wald führt, sind zahlreiche Aufschlüsse (36) 
meist in h 4, 5°, nur einige in h 3, 5" bis h 4, fast stets mit steilem 
nördlichen oder südlichen Fallen, die Wülste in Nord. Dann folgt 
ein Sandstein (37) mit Kohlensplittern und reichlichen Glimmer- 
blättchen in h 5, 5" mit p]infallen nach Süd, und mehrere Aufschlüsse 
in Kalkmergeln in demselben Streichen, theils senkrecht, theils steil 
nach Norden fallend. Unterhalb des Walder Steges ist auf eine 



[451 I^''^s Salzburger Vorland. ggj 

lange Strecke nur Schutt und Schotter zu sehen, dann folgt wieder 
ein Aufschluss (H8) in h 4, 5" mit nordnordwestlichem Einfallen und 
Wülsten in NNW. Unterhalb der fahrbaren Brücke zwischen Schön- 
berg und Wald ist abermals auf eine lange Strecke kein anstehendes 
Gestein sichtbar, dann zeigt sich Fels (39) in h 6 mit südlichem 
Fallen, und ganz nahe der Mündung des Strahwiesbaches in den 
Achartinger Graben (40) in h 5. 5« mit nördlichem Fallen oder in senk- 
rechter Stellung. 

Am Fahrwege zwischen S c h ö n b e r g und W a 1 d an der linken 
Seite des Grabens ist Flysch auf eine Strecke von mehr als 10 m 
aufgeschlossen und lagert hier (41) in h 4 mit südöstlichem Verflachen. 

Der Brück moosgraben, welcher die nördliche Hälfte der 
Nordwestgrenze des Gebietes bildet und durch den Trumer Bach in 
den Trumer See abttiesst, zeigt keinerlei Aufschlüsse. 

Die Lagerungsverhiiltnisse am Hochgitzen, sowie auf der Höhe 
von Mödlham sind im allgemeinen ziemlich normal, die Streich- 
richtung ist von West nach Ost, nur im Khrenbach (Punkte VI, 12 
bis einschliesslich 15) und bei der Mühle im Antheringer Graben 
(VII, 1 bis 5) beobachtet man grössere Unregelmässigkeiten und 
horizontale Verschiebungen. Das Einfallen ist meist steil nach 
Süd oder Nord, die Wülste liegen durchaus nur an der Südseite der 
Schichten. Erst im Strahwiesgraben beobachtet man die Wülste an 
der Nordseite der Bänke. 

Nachdem die Schichtung bei Bergheim und in der Nähe der 
Kirche Maria Tlain eine derartige ist, dass die Unterseite der 
Platten gegen Norden gerichtet ist, ergeben sich in einem Profil von 
Maria Piain zum Stralnviesgraben : zwischen Plainberg und Hochgitzen 
ein Sattel, dessen Kuppe zerstört und durch das Thal der unteren 
Fischach markirt ist, dagegen eine Mulde zwischen Antheringer und 
Strahwiesgraben. Ueberkippungen gehören auch in diesem Gebiete 
durchaus nicht zu den Seltenheiten. 



Antheringer Bach: (1) L 2, 5° «p 20 SO. — h 0, 5" (^ 7 0; Wülste in W. - 
h 11, 5" cp 20 0; Wülste in W. — (2) h 5 'f 72 S ; Wülste in S. — (3) h 3 
'£ 4i NW. — h 3 cp 45 SO. — (4) h 3, 5» 'f 90; Wülste in SO. — li 8, 5" 
'i' 45 SO. — (5) a: h 5 '« G5 S; Wülste in S. — 6: h 3, 11« tf 45 SO. — 
t-: h 3, 2° 'f 54 NW; Wülste in SO. — (i h 6 'f 35 S; Wülste in N. — 
(6) h 5, 5" 'f 45 S; Wülste in S. — (7) li 5, 5" 'f 55 S; Wülste in S. — 
(8) h 7, 5" et 75 NNO; Wülste in SSW. — (9) li 4, 5" 'f 50 SSO. - (10) li 4, 
1" 'f 57 SSO. — h 4, 3" -i 70 SSO; Wülste in SSO. — h 4, 3° '-& 70 SSO. — 
(11) h 4. 5° 'i 65 SSO; Wülste in SSO. - (12) h 3, 10" 'f 75 NW. — 
(13) h 5 (f 5Ü S. — (14) li 5 tf 70 S; Wülste in S. - (15) h 5 'f 70 S. — 
(16) h 5, 5" 'f 65 S. — h 5, 5" <f 65 S. - h 5, 5° 'f 65 S. - (17) li 6 cp 90; 
Wülste in Süd. — h 4, 5« 'f 90; Wülste in SSO. — (18) h 4, 5° 'f 6i SSO. 

— (19^ h 8 'i 65 SSW. — h 2 'f 75 OSO. — h 3, 5" cp 65 SO ; Wülste in SO. 

— h 10, 5 'J 70 WSW. — b 2, 5" cp 80 NW. — (20) b 4 cp 87 NNW; Wülste 
in SSO. — 'h 4 'f 87 NNW; Wülste in SSO. — (21) b 4 cp 65 SSO — 
(22) b 3, 5° cp 88 NW; Wülste in SO. — (23) b 3, 5" 'f 50 NW; Wülste in 
SO. — (24) h 4, 5" 'f 75 SSO. — (25) b 2 'f 25 SO (?). - (26) b 6 -f 25 S. - 
(27) h 4, 5" cp 90. - (28) b 5 -f 15 S. - (29) b 6, 5» cp 25 S; Wülste in S. 

— (30) h 3, 5« 'f 62 SO. — (31) b 4, 10« cp 60 SSO. — (32) b 7 cp 35 S. — 
(33) b 4, 10° cp 42 SSO. 

Rieder Bacb: (34) b 4, 10» 'f 55 SSO. 



k 



332 Eberhard Fugger. [46] 

8trahwiesbacb: (35) h 2, 10" (f 80 SO; Wülste in NW. — (36) h 4, 5« cp 90. 
— h 4 cf 80 SO. — h 3, 9" f 90. - h 4, 5« c? 85 SSO. — h 4, 5° <p 81 NNW; 
Wülste in NNW. — b 4, 5" tp 35 SSO. — b 4, 5» tp 85 NNW; Wülste in 
NNW. — (37) h 5. 5" -f 50 S. - b 5, 5» 'f 90. — h 5, 5" 'f 87 N. — b 5, 
5° cc 84 N. — (38) h 4, 5" <p 45 NNW; Wülste in NNW. — (39) b 6 'f 
50 S. — (40) b 5, 5» 'f 70 N. — h 5, 5" 'f 90. — b 5, 5" 'f 50 N. 

Schönberg: (41) h 4 * 40 SO 



VIII. Die Höhe von Waldprechting 

zwischen Ehrenbach und Fischach im Süden, hat als Westgrenze die 
Linie Ehrenbach — Trumerbach, welche sie vom Hochgitzen und der 
Mödlhamer Höhe scheidet, und reicht im Norden bis an das Süd- 
ufer des Obertrumer Sees uud den Südfuss des Buchberges. Dieser 
letztere wird durch zwei Bäche markirt, den Riederbach, der in den 
Trumer See, und den Waldbach, der in den Wallersee abfliesst und 
bei Zell, nächst der Haltestelle Wallersee der Staatsbahn, mündet. 
Die Ostgrenze bildet der südwestliche Theil des Wallersees und der 
Lauf der Fischach. 

Die Fi seh ach ist der Abfluss des Wallersees und fliesst 
im allgemeinen in südwestlicher Richtung der Salzach zu; nur in 
ihrem unteren Laufe, etwa von Lengfelden ab, zieht sie fast rein 
westlich hin und mündet neben dem Steinbruch von Muntigi. Ver- 
folgen wir ihren Lauf vom Wallersee an. Hier durchfliesst sie ein 
weites Moor, bei Seekirchen nimmt sie am rechten Ufer einen 
Seitenbach auf, der von Waldprechting und aus dem Walde an der 
Trumer Strasse kommt und in glaciale Ablagerungen eingerissen ist 
Nur bei W\aldpre chting selbst steht an der Strasse seitwärts von 
diesem Bache an einer Stelle Flyschgestein an, aber so verdrückt, 
dass eine Schichtung nicht messbar ist. 

Unterhalb Seekirchen beginnt die Fischach einen Graben 
zu bilden, ebenfalls in glacialem Terrain ; seitwärts am rechten Ufer 
sind mehrere Schotterlager und Moränen entblösst. Oberhalb Eugen- 
dorf mündet am linken Ufer der Eugen bach, der in seinem 
Laufe nur glaciales Terrain durchfliesst. Zwischen der Kirche und 
der Haltestelle Eugendorf der Staatsbahn sind mehrere Moränen 
aufgedeckt; eine solche liegt auch gerade bei der Haltestelle am 
rechten Ufer. 

Unterhalb der Eugendorfer Mühle steht unmittelbar am linken 
Fischachufer das erstemal Flysch an , zwar mit Trünimermaterial 
überdeckt und daher die Schichtung nicht messbar, aber reich an 
Flyschversteinerungen, hauptsächlich an verschiedenen Chondriten ; 
besonders interessant ist hier das Vorkommen von Hydiancylus-kviow, 
sowohl des einfachen II. (/enicuJafus F. 0. als einer verzweigten 
Form. Weiterhin bei km 303- 1 der Staatsbahn findet sich Flysch 
deutlich geschichtet, auf etwa 30 m blossgelegt in h 5 bis 6 mit süd- 
lichem Einfallen (1). Bei hn 3032 lagert Schotter. Nun folgt die 
erste Eisenbalinbrücke unterhalb Eugendorf; die Bahn setzt auf das 



[47] r^as Salzburgor Vorland. 333 

rechte Ufer über. Hier steht direct an der Bahnstrecke bei km 303-5 
geschichteter Mergel an in li 6, 5« mit südh"chem Fallen (2). Am 
linken Ufer dagegen steht weiter flussabwärts an der Mündung eines 
kleinen Nebenbaches mergeliger Kalksandstein in h 7, ebenfalls mit 
südlichem Einfallen an (3). Nun folgt wieder glacialer Schotter bis 
zur zweiten Eisenbahnbrücke. 

Jenseits dieser Brücke, in der Nähe von hn 303-G, mündet am 
linken Fischachufer ein kleiner Graben, der sogenannte H öl 1 graben, 
in die Fischach. Zwischen dieser und dem Eisenbahndamm wurde 
im Mai 1898 im Höllgraben eine Bank von Kalktuff blossgelegt, von 
3 bis 4 7n Länge und 3 m Höhe. In dem Kalktuff findet man zahl- 
reiche Blattabdrücke, sowie Hohlräume, die mit Erde und Holzmulm 
ausgefüllt sind; diese Hohlräume sind von langcylindrischer Form 
und mehrfach verzweigt. Es waren offenbar ziemlich mächtige Bauni- 
wurzeln, welche allmälig in Kalktuff begraben wurden und in dieser 
Hülle vermoderten. 

Etwa 100 Schritte unterhalb der zweiten P^isenbahnbrücke 
streichen die Flyschscliichten am linken Ufer in h 9 und stehen fast 
senkrecht (4). Weiterhin, etwas unterhalb km 303-9 und nahe der 
dritten Eisenbahnbrücke (5), ist wieder am linken Ufer ver- 
witterter Sandstein in h 5, 13^ mit nördlichem Fallen auf 40 Schritte 
blossgelegt. Zwischen der dritten und vierten Bahnbrücke — die 
Bahn führt jetzt am rechten Ufer hin — stehen unmittelbar am 
Bahnkörper (6) die P'lyschschichten in h 5, 5^ mit nördlichem Ver- 
flachen ; weiterhin beobachtet man Sandsteine, am linken Ufer und 
durch den Bach sich durchziehend (7), mit h 5, 10*^ und etwas 
steilerem nördlichen Einfallen. 

Nun hat man die vierte und letzte Eisenbahnbrücke erreicht; 
die Bahn setzt wieder auf das linke Ufer über, um längs desselben 
fortzuziehen. Hinter dem Bahnwächterhaus 387, hart an der Brücke 
am linken Ufer, ist verwitterter Sandstein aufgedeckt. Zwischen 
km 304-4 und 304-5 befindet sich ein Steinbruch des Mathias 
Kemetinger in Halwang, der sogen. Mühlthalbruch (8). Es werden 
hier Mühlsteine und Stufensteine gebrochen. Es sind fein- und grob- 
körnige Sandsteine in h 9, 5^ mit südwestlichem Fallen gelagert ; 
besonders von dem feinkörnigen werden schöne Platten gewonnen. 
Man findet hier Chondntes afßnis Sternhg. , Targionll Brongn.^ 
arbusculus F. 0. und intricatus Sternhg., Helminthoida labi/rinthica 
Heer, Kohlensplitter u. dgl. Eigenthümlich sind gabelästige Figuren von 
1 cm Breite und umstehenden Formen (Fig. 14); sie sind vollkommen 
gleichmässig schwarz, aber ohne die Taom^rws-Structur. Ausserdem 
findet man daselbst grosse Knollenwülste, hübsche federartige Wülste 
von fast Meterlänge ; wir sahen die Form einer vollkommen geraden 
Rahmenleiste, 1-4 m lang, 6 bis 8 cm breit und Tö cm über die Sand- 
steinfläche hervorragend ; ebenso eine gerade Stange von 90 cm Länge, 
1 cm breit und 1 bis 2 mm erhaben ; ferner Sandsteinbänke mit 
schaliger Structur. Ueber den Sandsteinen liegt die Moräne. 

Weiter flussabwärts lagert auf dem Flysch direct ein glaciales 
Conglomerat, und ist diese Auflagerung zwischen der letzten Bahn- 
brücke und der Wimmmühle besonders deutlich sichtbar. 

.Jalirbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 43 



334 



Eberliard Fugger. 



[48] 



Gegenüber dem vorher besprochenen Steinbruch steht am 
rechten Ufer (9) Flysch an in h 5, 5° mit nördlichem Verflachen. 
Auch hier ist die Ueberlagerung durcli Moräne zu beobachten. Bei 
der Wimmmühle selbst (10) steht Flysch an in h 9, 5° mit südwest- 
lichem Verflachen, von Couglomerat überlagert. Hier mündet am 
rechten Ufer der Fischach der Wimmbach, in dessen oberen Partien 
horizontal geschichtetes, junges Conglomerat ansteht. 

Neben dem Eisenbahndamm, bei km 304 8, ist (11) ein Sand- 
stein blossgelegt in h 9. 5° bis h 10, ebenfalls mit südwestlichem 
Verflachen, eine Lagerung, welche mit jener von der Wimmmühle 
correspondirt. 400 Schritte unterhalb der Mühle steht Conglomerat 
direct am rechten Bachufer, und 800 Schritte weiter abwärts stehen 
die Flyschschichten senkrecht in h 8 im Bachbette selbst (12), 

Weiterhin mündet am rechten Ufer bei der Bruckmühle der 
Pro sing b ach. In diesem Seitenbach stehen oberhalb der Mühle 
Flyschmergel und Sandsteine an (28), und zwar in h 4 bis 5 mit 



Fig. 14. 




nordwestlichem Verflachen; die Wülste liegen an der Südostseite. 
Etwa 200 m weiter oben im Bach (29) bildet sich ein kleiner Wasser- 
fall ; die Schichtung ist ähnlich sowohl hier wie nach weiteren 25 
Metern (oO). Etwa 100 ni von Punkt 30 entfernt, zeigt sich wieder 
ein kleiner Wasserfall (31); hier ist das Streichen genau nach h 3 
gerichtet. Nach 50 m Wanderung beobachtet man im Bach an einer 
Stelle, wo rechts ein Seitenbach zufliesst, der viel Kalksinter ab- 
setzt (32), eine Drehung des Streichens nach h 6 bei nördlichem 
Einfallen. Wieder nach 50 m (33) streichen die Schichten in h 5 
und nach weiteren 10 Metern (34) in h 3, 10° mit Einfallen nach 
Nordwest. Nach einer längeren Strecke (von 200 Metern) dagegen 
(35) sehen wir die Lagerung in h 8 mit südsüdwestlichem Fallen, 
die Wülste in NNO. Weiterhin sind keine Aufschlüsse mehr im 
Prosingbach, 

Unterhalb der Mündung des Prosiugbaches erweitert sich das 
Fischach thal, die beiderseitigen Gelände sind mit Moränen über- 
deckt, von denen besonders jene am linksseitigen Gehänge stark 
durchnässt und bei anhaltendem Regen häufig in Bewegung ist. 



[491 l^as Salzburger Vorland. 335 

Am Fasse dieses Geliilnges liegt die Haltestelle Ilalwang bei /.•;;/,:>().")•(), 
ihr gegenüber am rechtsseitigen Gehänge die Tiefenbachmühle. 

Das Thal verengt sich wieder allmälig, und nach etwa ()0() m 
steht am rechten Ufer auf einer Strecke von mindestens 80 Schritten 
(lo) Sandstein an in h 5 mit geringem nördlichen Verflachen; dann 
ist in den Bach ein Wehr gebaut, und gerade an dieser Stelle ist 
am rechten Ufer ein Steinbruch (14) auf Mergel und Sandsteine, 
von denen die letzteren mächtige Sandsteinknollen eingelagert ent- 
halten. Die Lagerung der Bänke ist in h 5, 5^^ mit nördlichem P]in- 
fallen. Es finden sich daselbst Ohondrites affin/fi Stemhg., arhuscu/us 
F. 0. und intficatus Sternhc/. Vor Jahren bestanden hier Kugel- 
mühlen. Aus diesem Steinbruche stammen wahrscheinlich die schönen 
Stücke Ruinenmarmor und Florentiner Marmor, welche im Salzburger 
städtischen Museum mit der Fundortsangabe „Tiefenbach bei Hal- 
wang" aufgestellt sind. Vom Steinbruch abwärts ist die Lagerung 
den Bach entlang entblösst bis zur nächsten Mühle, auf etwa 30 vi 
Entfernung. Oben an der Bahnstrecke steht hier — bei km 30(r4 — 
glaciales Conglomerat an. Unterhalb der Mühle ragen im Bachbette 
(15) die Schichtenköpfe fast senkrecht hervor in h 5, b^. Fünf- 
hundert Schritte von der Mühle abwärts stehen die Schichten am 
rechten Ufer (l(j) fast senkrecht in h 6, 5^. 

Die Bahnlinie zieht nun hoch oben am linksseitigen Thalgehänge 
in einem Einschnitte hin, etwa von km 30(r6 bis 307*8, also durch 
1200 m, und in diesem Einschnitte ist fast ununterbrochen zu beiden 
Seiten der anstehende Flysch blossgelegt (17). Bei km 306'8 ist es 
ein Sandstein, der in h 7, 5° streicht und sehr steil nach SSW fällt; 
er enthält bei km 307-1 riesige Knollen, dann wieder Bänke mit 
schaliger Structur; zwischen km 307'3 und 307*4 hat sich die 
Schichtung in h 6, 10° gedreht und fällt steil nach Nord. Bei km 3075 
sind es Mergelbänke mit Kalkspathadern und Sandsteine mit Kegel- 
wülsten an der Südseite, die Lagerung ist dieselbe geblieben. 

Unten im Bachbette sieht man am linken Ufer zwischen km 306*8 
und 306-9 steile Wände (18) mit der Lagerung in h 7, 5°, aber — 
entgegengesetzt der entsprechenden Schichtung im Bahneinschnitte — 
mit steilem Fallen nach NNO. Die Bänke ziehen sich auch durch 
das Bachbett hindurch. Nach weiteren 180 Schritten zeigt sich am 
rechten Ufer ein Streichen in h 6. 5^ mit nördlichem Fallen (19) 
und 40 Schritte weiter bei einem einzeln stehenden Hause am linken 
Ufer (20) dasselbe Streichen, aber mit südlichem Fallen. 80 Schritte 
weiter unten steht eine Mühle (21); hier zeigt sich am rechten Ufer 
dasselbe Streichen mit nördlichem Einfallen; daselbst sah ich schöne 
Exemplare von Helminfhoida labiirinthica Heer und crassa Schafli. 
Vor Jahren war hier ein grosser Steinbruch, in welchem wir Knollen 
von fast einem Meter Durchmesser sahen. Ueber dem Flysch, etwa 
25 w über der Fischach, liegt eine Moräne mit schön gekritzten 
Geschieben. Oben an der Bahnstrecke ist die Marke km 307-3. 
350 Schritte unterhalb der Mühle stehen am rechten Ufer (22) die 
Schichten in h 6, 10^ mit schwachem, und 300 Schritte weiter in 
h 6, 50 mit steilem nördlichen Einfallen. Letzterer Aufschluss lässt 
sich am rechten Ufer durch 155 Schritte verfolgen. Nach weiteren 

43* 



336 Eberhard Fugger. [50] 

20 Schritten hat sich das Streichen in h 7 gedreht, das Fallen ist 
unverändert geblieben (23), 

Nun erweitert sich wieder das Thal. Man kommt zu den Resten 
von Kugelmühlen, und diesen gegenüber ist ein grosser aufgelassener 
Steinbruch (24) am linken Ufer mit senkrechter Schichtenstellung in 
h (i, 100, welcher grosse Chondriten enthält. 200 Schritte weiter 
abwärts ist seitwärts an der rechten Thalseite eine Moräne bloss- 
gelegt. Unmittelbar oberhalb der Gebäude der alten Papiermühle, 
nunmehr Niederlassung der afrikanischen Mission, ist wieder am 
rechten Ufer ein verlassener Steinbruch (25) mit der Lagerung in 
h 6, 100 Yj^ii südlichem Einfallen, mit Chondrites affinis Sternbg., 
arbusculus F. 0., intricatus Sternbg. und Taenidium Fischeri Heer. 
Bei Lengfeldeu, an der Strasse nach Elixhausen (26), war vor mehreren 
Jahren ein Kalksandstein in h (3, 10" mit steilem nördlichen Fallen 
entblösst; ferner befindet sich etwas unterhalb der Ehrenbachbrücke 
an der Strasse am rechten Fischachufer ein Steinbruch (27) auf 
Sandstein, der ähnliche Lagerung besitzt. 

Nun verengt sich das Thal wieder. Ln Bache beobachtet man 
an einigen Stellen die Schichtenköpfe mit dem gleichen Streichen 
hervorragen, und am Ende der Schlucht ist ein Aufschluss am linken 
Ufer in demselben Sinne. Bei Lengfelden tritt die Fischach in das 
weite Thal zwischen Plainberg und Gitzen ; sie nimmt rechts den 
Eurtmüller Bach und links den Plainer Bach auf, und mündet un- 
mittelbar bei dem Steinbruch von Muntigl in die Salzach. 

In dem Moränenterrain auf der Höhe zwischen Elixhausen 
und Obertrum, also in der Westhälfte des Gebietes, ist mir nur 
ein einziger Aufschluss bekannt, der etwas anderes als Schotter und 
Moräne zeigt; es ist dies ein Steinbruch (36) westlich von Matsch- 
berg im Trumer Graben an dem Fahrweg, der von Kraiham über 
Matschberg nach Wendung führt. Hier lagert Flyschmergel und 
-Sandstein in h 7 mit nördlichem Einfallen, darüber Moräne. 

Am Südgehänge des Buchberges entspringt in der Nähe des 
Weilers Hof der Ried er Bach, welcher in ziemlich genau west- 
licher Richtung fiiesst, in seinen oberen Partien einen tiefen Graben 
bildet, weiter unten die Riedergut-Mühle treibt und dann in den 
Obertrumer See mündet. Dieser Bach erhält in der Nähe von Hof 
an seiner rechten Seite einen kleinen Zutluss, der etwa 7 m 
über der Sohle des Grabens in den letzteren eintritt, über das 
Gehänge desselben mit 20 bis 25*' Neigung herabfliesst und dabei 
sein Bett vollständig mit Kalksinter auspflastert. Im Graben sah ich 
sonst nur glaciales Material. 

In nächster Nähe des eben genannten Weilers Hof liegen die 
Gehöfte Engerreich und Mayr; bei diesen Häusern befinden sich die 
Quellen des Waldbaches, welcher bei Oberkriechham (in der 
Generalstabskarte steht Kirchham) bereits einen Graben bildet, der 
bis zu den Häusern von Mannberg hin schöne Aufschlüsse im Flysch 
zeigt. Oberhalb Mannberg nimmt er am rechten Ufer den Schön- 
bach auf, der in seinem unteren Laufe ebenfalls in den Flysch ein- 
gerissen ist. Weiter unten, bei der Lohmühle, nimmt der Waldbach 
rechts noch einen Zufluss auf, der in dem Riedlwald oberhalb See- 



[51] Das Salzbiirgcr Vorland. 337 

kirchen aus einer liübscheii Quelle entspringt, dann an der Mammer- 
schniiede, der Stühner- und der Leim-Mühle vorüberHiesst, in seinem 
ganzen Laufe aber nirgends anstehenden Fels darbietet. 

Bei dem Stege, der bei Oberkriechham über den Waldbach 
führt, steht Flysch an (37) senkrecht in h 6, 5" mit Wülsten in Nord. 
Nach 150 Schritten nimmt der Bach links einen Zutluss auf, in 
welchem nur Schotter und Moränenmaterial liegt. HO Schritte 
unterhalb dieses Zuflusses beginnt nun eine fast ununterbrochene 
Folge von Aufschlüssen im Bach, und zwar ist das Streichen fast 
durchaus von West nach Ost, während das Einfallen \vechselt; 
Wülste sind sehr häufig blossgelegt und stets nur an der Nordseite 
der Schichten. 

Den ersten Aufschluss bietet ein Steinbruch am linken Ufer (38i 
mit verticalen Schichten ; er ist 20 Schritte lang. Zwanzig Schritte 
unterhalb desselben (39) stehen die Schichten im Bache, senkrechte 
Wände bildend, parallel dem Flusslaufe. Nach 90 Schritten bilden 
die Wände eine förmliche Schlucht (40) von etwa 90 Schritt Länge 
und fallen sehr steil nach Süd. Nun folgen etwas weniger steil ge- 
neigte Flächen (41, 42), nach 122 Schritten stehen sie wieder senk- 
recht (43), nach weiteren 113 Schritten fallen sie nach Nord (44), 
und 58 Schritte weiter unten (45) stehen sie wieder senkrecht. 

Nach 20 Schritten (46) beobachtet man eine Aenderung im 
Streichen ; die Schichten, welche bisher ein ziemlich constantes 
Streichen in der Richtung Westost gezeigt haben, ändern dieses nach 
h 4 bis 5, aber nur auf die kurze Strecke von 19 Schritten; dann 
stehen dieselben (47) wieder senkrecht in Westost durch 74 Schritte 
bis zur Mündung des Schönbaches. 35 Schritte unterhalb derselben 
(48) fallen sie wieder steil nach Nord, nach 20 Schritten stehen sie 
senkrecht, 70 Schritte später (49) fallen sie nach Süd, und nach 
weiteren 35 Schritten ist der letzte Aufschluss im Waldbach (50), 
etwa 100 m oberhalb der Mannberger Brücke, mit Streichen von 
West nach Ost und nördlichem Einfallen, die W^ülste in Nord. 

Der Schönbach beginnt nordöstlich von Unterkriechham in 
das Terrain einzuschneiden und hier steht Flysch an (51) in h 7 mit 
nördlichem Einfallen und Wülsten an der Nordseite. Durch 41 
Schritte läuft der Bach parallel zur Schichtung, dann überströmt er 
auf 5 Schritte einige Schichtenköpfe und nun fliesst das Wasser durch 
20 Schritte wieder parallel zu den Schichten. Nach HO Schritten (52) 
ist das Streichen noch immer in h 7 mit sehr steilem nördlichen 
Phallen; nach 130 Schritten (53) biegt es in b 6, 7« und nach weiteren 
100 Schritten (54) in h 6 um, hier aber mit steilem Einfallen nach 
Süd. Li dem folgenden Laufe (55) bis zur Mündung in den Waldbach 
nach 200 Schritten bleibt die Lagerung constant in h 6 mit vertical- 
stehenden Schichten und Wülsten in Nord. 

Der Waldbach fliesst von der Mannberger Brücke durch 
flache Wiesen weiter und mündet bei Zell, der Haltestelle Waller- 
see der Staatsbahn, in den Wallersee. Li nächster Nähe dieser 
Haltestelle befindet sich ein Steinbruch auf ungeschichtetes Con- 
glomerat, ganz ähnlich einer zusammengebackenen Moräne. Dasselbe 
Conglomerat steht auch am Bahnkörper zwischen Zell und Bayrham 



L 



338 Eberhard Fiigger. [52] 

an ; an der Fahrstrasse liegen grosse erratische Blöcke von Rosst'elder 
Sandstein. Gerade unterhalb Bayrham, dann zwischen Bayrham und 
Zipf sind am Bahnkörper, etwa 15 m über dem Seespiegel, Moränen 
blossgelegt; ebenso circa 200 m landeinwärts der letzteren und etwa 
20 ni höher gelegen als diese. Hinter dem Wirtshaus Zipf bei Seeburg 
enthält eine Schottergrube horizontal geschichteten Schotter mit 
Zwischenlagen von Sand, 

Die Höhe von Waldprechting ist nach dem Vorhergehenden 
recht eigentlich glaciales Terrain, und nur wenig Einrisse in dasselbe 
legen die Flyschunterlage bloss, die Fischach und der Waldbach. Im 
Fischachthal liegen die Kegelwülste an den wenigen Punkten, wo 
solche überhaupt auftreten, an der Südseite. Nur im Prosingbache, 
einem Zufluss der Fischach, tritt eine Störung insofern auf, als im 
südöstlichen Theile desselben die Wülste in SO, im nordwestlichen 
in NNO liegen, eine Erscheinung, die wohl nur auf eine locale Dis- 
location zurückzuführen ist. Im Waldbach und Schönbach dagegen zeigen 
sich die Wülste in Nord. Das Streichen ist im allgemeinen wieder 
von West nach Ost oder richtiger von WSW nach ONO. 

Die Lagerung in Bezug auf Ober- und Unterseite der Schichten 
ist sonach im Gebiete von Waldprechting mit jener am Hochgitzen 
und auf der Höhe von Mödlham insofern übereinstimmend, dass am 
Hochgitzen und im Süden der Mödlhamer Höhe, sowie im oberen 
Fischachthaie die Unterseite nach Süd, im nördlichen Theile der 
Mödlhamer Höhe, nämlich im Strahwiesgraben, sowie im Waldbach- 
graben, d. i. im nördlichen Theile des Gebietes von Waldprechting, 
die Unterseite nach Nord gerichtet ist. 

Es scheint sohin, dass die Schichtenmulde, welche zwischen 
dem AntiieHnger- und Strahwiesgraben liegt, sich in der Richtung nach 
ONO unverändert fortzieht, und dass die Bänke des Waldbachgrabens 
ungefähr die Fortsetzung der Bänke vom Strahwiesgraben bilden, 
während die Synklinale sich südlich der beiden genannten Gräben, 
etwa längs der Orte Ried, Untermödlham, Schöngumprechting, 
Gösting und Huttich gegen den Wallersee erstreckt. Südlich dieser 
Linie, d. h. zwischen dieser und dem unteren P'ischachthale scheint 
eine im Grossen und Ganzen ziemlich ungestörte Lagerung zu 
herrschen. Die Breite dieser Strecke oder die Entfernung zwischen 
Ried und Lengfelden beträgt gegen 6 km Luftlinie. 

Oberes Fiscbachthal: (l)h5 bis 6 -f 55 S. — (2) h 6, 5" 'f 65 S, — 
[r^) h 7 -i 60 ö. — (4) h 9 '-P 85 NO. '— (5) h 5, 13" 'f 45 bis 50 N. — 
(«) h 5, 5" 'f 25 N. — (7) b 5, 10« -jj 45 N. — (8) h 9, 5" 'f 50 SW. — 
(9) h 5, 5" -i 25 N. — (10) h 9, 5" 'i 25 SW. — (11) h 9. ö» bis b 10 f 
50 SW. — (12) b 8 -i 90. — (13) h ö 'f 17 N. - (14) h 5, 5" 'f 34 N. — 
(15) h 5, 5" 'i 85 N. — (16) h 6, 5» '^ «5 S. — (17) h 7, 5" cp 80 SSW. - 
h 6, 10° 'i 85 N. — b 6, 10" ^ 90; Wülste in S. — (18) b 7, 5" 'f 85 NNW. 
(19) b 6, 5" '^ 60 N. — (20) b 6, 5" '^ 55 S. — (21) b 6, 5" cp 70 N — 
(22) h 6, 10" 'i 30 N. — b 6, 5" -^ &o'n. — (23) b 7 -f 80 N. — (24) b 6, 
10'^ -^ 90. — (25) h 6, 10° 'i 63 S.' - (2«) h 6, 10" '^ 76 N. — (27) h 6, 10" 
'^ 83' N. 

Prosingbacb: (28) b 4 bis 5 -f 36 NW; Wülste in SO. — (29) h 4 cf 20 NW. 
- (30) b 3, 10" '^ 25 NW. — (31) h 3 'f 25 NW. — (32) b 6 'f 45 N. — 
(33) h 5 '^ 30 NNW. - (34) h 3, 10" -f 25 NW. — (35) h 8 'f 31 SSW; 
Wulste in' NNO. 



[53] r^as Salzbiirger Vorland. 339 

Matschberg: (36) h 7 'f 45 N. 

Waldbach: (37) h 6, 5" 'f 90; Wülste in N, — (3S) h 6, 7" 'f 90 — (3») h 6 
7" 'f 90; Wülste in N. - '40) h 6, 5" -f 84 S; Wülste in N. — (41) h 6 7" 
cf 64 S; Wülste in N. - (42) h 6, 7" 'f 52 S; Wülste in N — (43) h 6, 7" 
cf 90; Wülste in N. — (44) h 6 'f 46 N ; Wülste in N. — h 5, 7" -i 36 N • 
Wülste in N. — (45) h G -f 90. — (46) h 4 bis 5 -^ 85 N; Wülste in N — 
(47) h 6, 5" bis 9° 9 90; Wülste in N. — h G, 9"' -f 90; Wülste in N — 
h G, 9" cp 90. - (48) h 6, 6" -f 80 N; Wülste in N. - h 6, 3' 'i 90. — 
(49) h 6, 2" '^ 75 S; Wülste in N — (50) h 6, 2" 'f 50 N; Wülste in N. 

Schön bach: (51) h 7 'f 50 N ; Wülste in N. — (52) h 7 'f 85 N. -- (53) h 6, 
7" 'f 84 N. — (54) h 6 'f 80 S; Wülste in N. — (55j h 6 'f 90; Wülste in N. 



IX. Der Colomannsberg. 

(Hiezii die Kartenskizze auf Tafel XII.) 

Dieses Gebiet besitzt eine Ausdehnung von mehr als 130 
Quadratkilometern und liegt an der Ostgrenze des Landes Salzburg 
zwischen Waller- und Irrsee einerseits und der Staatsbahii und Salz- 
kammergut-Localbahn andererseits. Die Grenze des Gebietes bildet 
im Süden der Eugenbach von seiner Mündung in die Fischach nächst 
Eugendorf aufwärts bis zu seinen Quellen bei Kraiwiesen und Neu- 
hofen, dann die Wasserscheide zwischen Salzach und Traun bei 
Neuhofen, endlich weiterhin das Thal von Thalgau bis zum Mondsee. 
Im Westen wird das Gebiet begrenzt von der Fischach von der 
Mündung des Eugenbaches aufwärts bis zu ihrem Ausfluss aus dem 
Wallersee, dann vom Wallersee selbst bis zur Miindung des Waller- 
baches, und vom Wallerbach, an diesem aufwärts bis Neumarkt. Die 
weitere (Frenze bildet nun im Norden die Einsenkung, welche durch 
die Staatsbahn und die Orte Neumarkt, Steindorf, Strasswalchen, 
Irrsdorf und Rabenschwand markirt ist und den Irrsberg in weitem 
Bogen umzieht; im Osten endlich das Thal des Irrsees und seines 
Abflusses, des Zellerbaches bis zum Mondsee, dann der Mondsee 
selbst von der Mündung des Zellerbaches bis zur Mündung der 
Fuschler Ache. 

Der Colomannsberg ist ein Höhenzug, der sich in der 
Richtung von Süd nach Nord erstreckt und über dessen Kamm die 
Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich hinzieht Die nörd- 
lichste Erhebung dieses Zuges bildet der Irrsb erg mit 840 ni Meeres- 
höhe. Derselbe dacht gegen Süden allmälig ab bis 060 m. dann 
nimmt die Kammhöhe allmälig zu bis zum Hasenkopf, 912 w<, 
sinkt wieder bis 860 m und steigt abermals bis zum sogenannten 
Colomanns taf er 1, circa 1000 j/«. Hier zweigt ein Kamm, anfangs 
in westlicher, dann in südwestlicher Richtung ab mit der mittleren 
Höhe von 980 m und mehreren Culminationspunkten von mehr 
als 1000 w. Der höchste Punkt dieses Kammes ist die G.rosse 
Plaik, 1052?^/. Von hier setzt sich der Kamm in gleicher Richtung 
fort zur Kleinen Plaik und endigt mit dem Zifanken. Der 
Hauptkamm zieht sich vom Colomannstaferl nach Süden weiter mit 



340 Eberhard Fiigger. [54] 

der durchschnittlichen Höhe von 1000 m und steigt endlich steil auf 
zum höchsten Punkte des ganzen Salzburger Vorlandes, dein Colo- 
mannskopf oder Colomannsberg, 1115 w. Von hier fcällt der Berg 
allniälig ab in das Thal von Thalgau und ostwärts etwas steiler 
gegen den Zeller Graben. 

Der Thalboden des Gebietes ist mit glacialen Resten überdeckt; 
auf den Höhen, sowie in tieferen Einrissen tritt Flyschgestein zutage. 

Die Gegend von Brunn südlich vom Wallersee ist zum Theil 
Sumpf-, zum Theil Schotterboden; ebenso die Umgebung von Schaming 
und Unzin g. In nächster Nähe des Unzinger Moores gegen 
den Zifanken zu ist eine mächtige Moräne blossgelegt, welche theil- 
weise in Conglomerat übergegangen ist. Der Hügel von Kirchberg 
ist Flysch, an der Nordostseite in einem Steinbruche (1) aufgedeckt, 
mit der Lagerung in h 3 mit sehr steilem Einfallen nach Südost. 
Der Rücken zwischen dem Unzinger Moor und Kirchberg einerseits, 
und dem Kirchberger Graben, jenem Graben, der unmittelbar östlich von 
Kirchberg sich gegen Norden zieht, andererseits, zeigt nur Schotter und 
Moräne ; im Graben selbst ist auch nichts anderes zu sehen, nur in einem 
rechtseitigen Zufluss, der zwischen den Weilern Hof und Fuchshof 
entspringt, liegen Flyschtrümmer. Etwa 200 Schritte oberhalb der 
Mündung dieses Zuflusses steht auf etwa 3 m Flysch an (2) in h 9 
mit nordöstlichem Verflachen. 

Beim Stallerwirt beobachtet man im Bache auf einige Meter 
Länge anstehenden Flysch (3), und zwar in h 4 mit nordwestlichem 
Einfallen. 

Beim Fuchshof, etwa 6 Kilometer südlich von Henndorf, 
wurde im Jahre 1894 zum Neubau des abgebrannten Hauses am 
Wege ein kleiner Steinbruch eröffnet. Hier (4) steht Flysch in h 2, 8*^ 
mit steilem Fallen nach NW und Wülsten in NW. Näher gegen 
Henndorf hin liegt der Weiler Hof mit einem Steinbruch (5), in 
welchem Flysch auf etwa 20 m Länge blossgelegt ist, in hl, 1^ mit 
westnordwestlichem Verflachen. Am Fusse des Zifanken, genau 
östlich von Hof, in dem Graben, der an den Bauerngütern Moser 
und Staller vorüber nach Norden zieht, befindet sich ein grosser 
Steinbruch (6) auf Flysch in h 9 mit fast senkrecht stehenden, nach 
SW geneigten Schichten und Wülsten in NO. Es finden sich hier 
auf der Südwestseite der Bänke grosse und kleine Chondriten, CJi. 
affinis Sternbg. und Ch. infricatus Sternhg.^ dann eine Einlagerung jener 
eigenthümliciien Breccie mit grünen Einschlüssen, welche an einzelnen 
Punkten im Flysch auftritt, in einer Mächtigkeit von 5 bis 6 cm. 

Bei Bichl ist eine Moräne aufgeschlossen. Bei dem Hub er- 
gute ist in dem Graben, einem linkseitigen Zuflüsse des Henndorfer 
Fischergrabens, ein Steinbruch (7), in welchem die Flyschplatten 
in h 4, 100 hjg ^ 5, 10^ mit südlichem Einfallen gelagert sind. Die 
Wülste befinden sich an der Nordseite der Sandsteine, zahlreiche 
Exemplare von Helminfhoida labyrinthica Heer und einige von H. crassa 
Schafh. auf der Südseite der Mergelschichten. Das Hangende bildet 
ein sehr harter, splittriger Kalk mit muscheligem Bruch, concordant 
mit den übrigen Schichten. 



I 



[55] Das Salzburgcr Vorland. 34| 

Der Grabelgraben ist ein rechtseitiger ZuHuss des Ilenn- 
dorfer Fischergrabens und entsteht durch die \'ereinigung zweier 
Bäche, von denen der eine von der Grossen, der andere 
von der Kleinen Plaik herabkomnit, und welche nirgends an- 
stehendes Gestein zeigen; er fliesst an Geizing vorüber und mündet 
unterhalb Altentann in den Fisclierbach. Unterhalb Geizing sind die 
Schichten auf eine Strecke von mehr als lUÜ m deutlich entblösst 
und lagern (8) stetig gleichmässig in h 6 mit südlichem Verflachen. 
Kegelwülste beobachtet man an der Nordseite. Meist sind es Sand- 
steinbänke, doch finden sich auch Mergel und diese sind häufig reich 
an grossen und kleinen Chondriten. Am Wege zur Plaik hinauf 
beobachtet man häufig anstehenden Flysch, aber nirgends messbar; 
nur an der kleinen Plaik selbst (9) ist eine grosse Flyschwand in 
h 6 mit südlichem Verflachen blossgelegt; Wülste sind jedoch nicht 
zu sehen. Unterhalb Henndorf im F i s c h e r g r a b e n (10) sieht 
man am rechten Ufer und im Bache anstehenden Flysch in h 6, 
5" mit südlichem Einfallen; weiter unten steht am linken Ufer Con- 
glomerat an, geschichtet und gegen den See zu fallend. Gerade 
östlich von Henndorf, bei Vieriin g, nahe der Quelle des nörd- 
lichsten rechtseitigen Zuflusses des Fischergrabens, ist noch ein Auf- 
schluss (11) im Flysch in h 7, 2^^ mit ziemlich steilem südlichen Ein- 
fallen. 

Die ganze Umgebung von Henndorf ist Moränenlandschaft; 
langgestreckte Hügel und dazwischen Mulden, die nicht selten abfluss- 
los sind, charakterisiren die Gegend, Moränen und gekritzte Steine 
finden sich überall. Zwischen Henndorf und dem Bauer am See- 
gelände am Wege nach Seekirchen sieht man eine solche abflusslose 
Mulde, einen ehemaligen Moränensee. 

Am Wallersee selbst, nahe der Mündung des Fischerbaches 
steht wiederholt Conglomerat an. Am Seeufer liegen zahlreiche, 
durch Algen zerfressene Rollsteine, und zwar meist Kalke. 

Im Henndorfer Wald, in der Gegend von Lichtentann, ent- 
springt eine Anzahl kleiner Bäche, die sich unten im Thale zu einem 
einzigen vereinigen, der zwischen Kienberg und Neufahrn Brenness- 
graben, weiterhin bis Neumarkt Mühlbach heisst, hier aus seiner 
südnördlichen Richtung scharf nach Südwest umbiegt und als Waller- 
bach in den Wallersee mündet. In seinem Oberlauf, im Brenn ess- 
graben ist zwischen Eberschlager und Ebmont (12) der Flysch auf 
etwa zwei- bis dreihundert Schritte blossgelegt mit Streichen von West 
nach Ost und südlichem Verflachen. Wülste konnte ich nicht erkennen. 
W'eiter abwärts im Graben ist das Streichen in h 7 bis 8. 

In der Bucht, welche der Wallersee am Nordfusse des Spiel- 
berges bildet, ist ebenfalls ein Aufschluss im Flysch (13) in h 7, 3" 
mit südsüdwestlichem Einfallen. Weiterhin am Ufer, in der Richtung 
gegen NO, findet man ein kleines Lager von Kalktuff. 

Bei Schalkham an der Reichsstrasse liegt eine Moräne. 
Zwischen Mayrhof und Wied am Wallersee liegt Wiedweng; hier 
ist ein Steinbruch auf Flysch; unten am und im See (14; ragen die 
Schichtenköpfe aus dem Boden und aus dem Wasser in einer Ge- 
sammtmächtigkeit von circa 20 m in h 8, 7« entweder senkrecht oder 

Jahrbuch d. k. k. geol. Keichsanstalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 44 



342 Eberhard Fugger. [56] 

Steil nach SW fallend, mit Wülsten in SW. Hier findet man auch 
von Algen zerfressene Sandsteine. 

Der Glem eckgraben erhält seine Wässer von dem Kamm, 
der sich vom Colomannstaferl auf der Höhe des Neufahrner Waldes 
zum Hasenberg hinzieht, nimmt bei Glemeck und dann bei Sieghart- 
stein am rechten Ufer je einen Zufluss auf und mündet nördlich von 
Neumarkt als Starzenbach in den Waller-(oder Mühl-lbach. In 
dem Quellgebiete dieses Baches steht sehr häufig Flysch an, aber 
obwohl ich in fast allen Gräben bis auf den Bergkamm gestiegen, 
konnte ich doch nur in einem einzigen die Lagerung mit Bestimmtheit 
constatiren. Es ist dies der rechtseitige Zufluss des Baches, der an 
der Sägemühle vorbeifliesst. In diesem fand ich, 650 ;h über dem 
Meere, die Schichtung (15) in h 4 bis 5 mit nordnordwestlichem 
Verflachen und Wülsten in SSO. Weiter hinaus im Graben bei dem 
Wehr oberhalb Haslach (16) steht wieder Flysch an in h 8, 10° 
mit südwestlichem Einfallen. 

Der Hügel von Albering, südlich von Sieghartstein, ist Con- 
glomerat, horizontal geschichtet; darüber liegt Moräne. Schloss 
Sieghartstein steht ebenfalls auf Conglomerat. Der Höhenzug 
zwischen Pfongau und Neu markt, offenbar die Fortsetzung des 
Zuges Albering — Sieghartstein, zeigt übereinander zwei verschiedene 
Conglomerate : das untere zeigt die Schichtung in h 6 mit nordöst- 
lichem Einfallen (17), das darüber liegende ist horizontal geschichtet 
und wenig verfestigt; über demselben trifft man häufig Moränen. 
Ebenso ist eine Moräne unmittelbar hinter den Häusern an der Ost- 
seite von Neumarkt aufgeschlossen. 

Von der Kirche Sommerholz auf dem Kamme zwischen Hasen- 
berg und Irrsberg zieht sich der Hattinger Bach in einem ziem- 
lich tiefen Graben gegen Westen ins Thal, erreicht dieses in der 
Nähe von Sieghartstein, fliesst an dem künstlichen Schlossteiche 
vorüber, vereinigt sich mit dem Glemeckgraben und ergiesst sich 
als Starzenbach bei Neumarkt in den Wallerbach. Schon am unteren 
Ende des Hattinger Grabens, wo der Bach in die Thalsohle eintritt, 
ist Flysch anstehend: Sandstein und schwarze, schieferige Mergel. 
Weiterhin zeigen sich graue Mergel (18) in h 5, 5^ mit südlichem 
Einfallen an mehreren Stellen, auch schwarze Mergel, dann Sand- 
steine mit kleinen, wurmgangähnlichen Wülsten an der Nordseite. 
Nun folgt eine Mühle im Graben. Wenig oberhalb derselben lagern 
Sandsteine (11>) fast senkrecht, etwas gegen Nord geneigt in h 6, 5"; 
au ihrer Nordseite zeigen sie grosse, unregelmässige, aber nicht 
zapfenförmige Wülste. Ueber den Sandsteinen lagern Mergel. Weiter 
oben ist seitwärts des Baches ein gemauerter Kanal unterhalb eines 
Wehrs; hier sieht man an der linksseitigen Wand des Grabens 
Sandstein (20) in h 6, 10^ steil nach S fallend, daneben im Bach 
dasselbe Streichen, aber mit steilem nördlichen Fallen. Weiterhin 
(21) folgen senkrechte Schichten von Sandsteinen und dichten Mergeln 
in h 5, 50, die Mergel haben an der Südseite kleine gewundene 
Wülste ; dann folgen (22) sandige Mergel mit Einschlüssen von kleinen 
Knollen und Sandsteine mit demselben Streichen, aber südlichem 
Einfallen. 



[57] Bas Salzbiirgor Vorland. 343 

Nun zeigt sich eine Drehung der Streichrichtung. Die Flysch- 
platten bilden am rechten Ufer eine Art natürlicher Uferböschung 
in h 8, 100 mit südwestlichem Verflachen (23) auf eine Strecke von 
70 Schritten, dann erfolgt eine Biegung nach h 10, 5", welclie auf 
30 Schritte hin aufgeschlossen ist. An der Ostnordostseite der Platten 
beobachtet man nussgrosse Knollen. Dann treten am linken Ufer (24) 
dicke Sandsteinbänke in h 9, 5« mit südwestlichem Verflachen auf. 
Beim Weiterschreiteii sieht man auf eine sehr lange Strecke hin 
Flysch anstehend, fortwährend in derselben Lagerung. Die fein- 
körnigen Sandsteine zeigen theilweise schalige Formen; an einer 
Stelle befindet sich im Sandstein ein ovaler Riesenknollen von 60 cm. 
Länge und 35 cm Breite. 

Weiterhin bilden die Flyschplatten wieder am rechten Ufer 
auf 50 Schritte die Böschung (25) mit dem bisherigen Streichen, 
aber etwas steilerem Einfallen. Gegenüber am linken Ufer sahen 
wir im Sandstein einen Knollen von 80 cm Länge und 00 cm Breite. 
Weiter aufwärts ist der Bach an einer Stelle durch eine Erdrutschung 
vollkommen zugedeckt, so dass das Wasser auf 2 m Länge unter- 
irdisch durchfliesst. Nun folgen die Reste einer Brücke, dann ein 

Fig-. 15. 




Wehr, überall ist Flysch in der gleichen Lagerung (26) anstehend; 
dann bilden die Flyschplatten wieder auf eine Strecke von 00 Schritten 
am rechten Ufer die l-!öschung (27), aber bereits mit einer anderen 
Streichrichtung — in h 8, 5^, und nach einer Unterbrechung von 
20 Schritten in h 6, 10" mit südlichem Einfallen 40 Schritte lang. 
Nach weiteren 150 Schritten streichen aber die Sandsteine (28) 
wieder in h 8 mit südsüdwestlichem Verflachen und grossen Kugel- 
wülsten in NNO. Die Sandsteine zeigen häufig grossschalige Structur, 
an einer Stelle beobachtet man auf denselben deutliche Karren- 
rinnen von mehr als 10 cm Tiefe ; auf den Mergeln findet man Chon- 
drites Targionü. Bei dem nächsten Wehr ist das Streichen nahezu 
normal: h 6, 5° mit südlichem Fallen (2U), an der Südseite sind 
kleine Kegelwülste, welche an ihren Enden kugelförmige Knöpfe 
tragen (Fig. 15). Wenig oberhalb von diesem Wehr sieht man eine 
Biegung der senkrechten Sandsteinschichten (30) von h 5, 5" bis 
h 7, 50. Nach einer kurzen Unterbrechung sind am linken Ufer 
die Schichten wieder ziemlich steil gegen Süd fallend, in h 5, 5» 
gelagert (31). Zehn Schritte weiter aufwärts (32) hat sich die Streich- 
richtung in h 6, 50 umgeändert, die Sandsteinplatten tragen an ihrer 
Südseite kleineWülste und Knollen, dann eierschnurartige Bildungen, 
gerade Stäbe von 10 cm Länge und 1 mm Breite, grosse Knollen und 
Kegelwülste mit kugelförmigen Knöpfen an den Enden. 

44* 



L 



344 Eberhard Fugger. [58] 

Nun folgt eine verlassene Mühle am rechten Ufer (33), der 
Bach fliesst quer über die Schichtenkö[)fe, die Lagerung ist unver- 
ändert. 20 Schritte unterhalb der hölzernen Mühle bildet der Flysch 
wieder die Uferböschung am rechten Ufer (34) in h 8, 5° mit süd- 
westlichem Einfallen und Kegelwülsten in NO. Bei der Mühle selbst 
stehen graue Mergelkalke mit weissen Adern in 70 bis 80 cm 
mächtigen Bänken, dazwischen dünnschichtige Mergel. Dies ist der 
letzte Flyschaufschluss in diesem Graben; wenig oberhalb befindet 
sich Wohnhaus und Oekonomiegebäude der Hattinger Mühle in circa 
700 m Meereshöhe. Etwa 10 m höher, bei dem Wehr, an welchem 
das Rinnwerk zur Mühle abzweigt, ist eine Moräne blossgelegt, 
weiter auf der Höhe, nahe den Quellen des Hattinger Baches, triift 
man viel Kalktulf. 

Der Irrsberg, der nördlichste Höhenpunkt des Gebietes, 
sendet zwar eine Reihe Gräben ins Thal, doch fand ich wenig Auf- 
schlüsse in denselben. Der Berg selbst gehört dem Flysch an, an 
seinem Nordwest- und Nordfusse dagegen lagert horizontal geschich- 
tetes, junges Conglomerat, und an seinem westlichen Gehänge reichen 
die erratischen Geschiebe nach Brückner bis in die Meereshöhe 
von 690 m. 

Im Di esenb achgraben, dessen Wässer nach Steindorf 
fliessen, ist die Lagerung der Flyschgesteine in der Meereshöhe von 
605 m (35) in h 6 mit schwachem, 1 m höher mit steilem Einfallen 
nach Süd; wieder 1 m höher (36) schwankt das Streichen zwischen 
h 6 und 7, während das Einfallen 40« beträgt; in 620 m Höhe (37) 
ist es h 7 mit gleichbleibendem südlichen Einfallen, und diese 
Lagerung trifft man noch unverändert in 645 m Höhe (38), wo ein 
Steg über den Bach führt. An dieser Stelle beobachtet man Wülste 
an der Südseite. 

Nördlich vom Diesenbach kommen, ebenfalls gegen Westen ge- 
richtet, zwei kleine Gräben vom Berge herab, die sich etwas unter- 
halb der Isohypse 600 vereinigen und dann als ein Bach bei 
Stadelberg vorüberfliessen. Der linksseitige Graben zeigt in 605 »// 
Höhe die Schichtung in h 4 bis 5 mit südsüdöstlichem Einfallen (39), 
die Mergelplatten zeigen an der Südseite eine dichte grüne Schichte 
von etwa 1 nun Dicke. Bei 610 m findet sich ein kleiner Steinbruch 
am Bach mit gleichbleibendem Streichen, aber nordnordwestlichem 
Einfallen und Wülsten in Süd (40). Der rechtseitige Graben zeigt 
in 635 m Höhe ein Streichen in h 9 mit geringem, weiter oben mit 
steilerem Einfallen nach Südwest (41) ; deutliche Wülste waren nicht 
aufzufinden. 

Bei Strasswalchen, Irrsdorf und Raben schwand 
lagern glaciale, horizontal geschichtete Conglomerate ; an der Nord- 
nordostseite des Irrsberges, etwa 100 m über Rabenschwand, steht 
Flysch an, aber die Lagerung ist nicht messbar. 

Die Höhe nördlich der Bahnlinie Strasswalchen— Rabenschwand. 
auf welche die Eisenbahn ansteigt und deren höchsten Punkt die 
Haltestelle Ederbauer markirt, zeigt überall, wo der Boden bloss- 
liegt, Conglomerat oder Moräne oder beides. Beim Ederbauer, 
nahe dem Grenzpfahl gegen Oberösterreich, lagert Conglomerat unter 



[59] Das Salzburger Vorlaiul. 345 

der Moräne. Dreihundert Schritte nördlicli der Grenze ist längs der 
Bahn in einem Steinbruche eine Conglonieratwand entblösst, die ihr 
interghiciales Alter nicht verkennen lässt; die Schichtung ist im all- 
gemeinen horizontal, doch sehr unregelmässig und grobbankig, und 
neigt an einigen Stellen nach Ost, an anderen nach Nordost (42). 

Das Ostgehänge des Irrs- und Colomannsberges fällt ab in das 
Thal des Irr- oder Zeller Sees. Auf der Höhe von Sommerholz, 
nahe der Kirche, steht junges, nahezu horizontal geschichtetes Con- 
glomerat an. Auf der Kammhöhe zwischen dem Hasenkopf und der 
Kapelle auf dem Colomannskopfe trifft man häufig anstehenden Flysch, 
jedoch nirgends so, dass eine Bestimmung der Lagerung möglich wäre. 
Ebenso sah ich am Ostgehänge zwischen Sommerholz und Dorferwirt 
nirgends einen deutlichen Aufschluss. 

An der Lehne oberhalb des Dorf erwir.te s, etwa 80 m über 
dem See, liegt ein mächtiger erratischer Block aus Hierlatzkalk mit 
Encrinitenstielgliedern und Cephalopodenresten. Dieser Block, sowie 
zahlreiche andere am östlichen Seeufer gelegene, von denen die 
letzteren meist Hippuritenkalke sind, wurden und werden noch in 
der Gegend häufig zum Kalkbrennen benützt; auch von dem zuerst 
genannten Hierlatzblocke ist bereits ein gewaltiges Stück verarbeitet 
worden. Die Hierlatz- und Hippuritenkalke stammen höchst wahr- 
scheinlich vom Schafberg und von St. Gilgen ^). 

Im Haunstädter Graben, welcher am Südwestende des 
Irrsees mündet, steht an sehr vielen Punkten P'lysch an, und zwar 
schön und deutlich geschichtet; so in 625 m Höhe (43) in h 8 bis 9 
mit sehr steilem nordöstlichen Einfallen, in 650 m (44) mit ähnlichem 
Streichen und weniger steil, ebenfalls nach NO fallend. In einem 
linksseitigen Zufluss des Grabens in 860 w Meereshöhe (45) stehen 
die Schichten in h 11, 2*^. und zwei Meter höher in h 1, IP mit 
sehr steilem Fallen nach Ost. 

In einem Steinbruche an der Strasse von Zell am Moos nach 
Mondsee, etwa 300 Schritte von Kasten, fanden Prof. Kastner 
und ich im Juni 1894 im Flyschmergel schlecht erhaltene, aber 
deutlich erkennbare Reste von Tnoceramus mlishunjensis und Inoc. 
monticuli. Weiter unten im Zeller Graben maßen wir die Flysch- 
schichten mit Streichen in h 9 und ziemlich steilem südwestlichen 
Fallen und Wülsten an der Nordostseite (46). 

Beim Hochkreuz, einer Kapelle am Nordende des Marktes 
Mondsee, befindet sich eine Lehmgrube. Es ist Flyschmergel, der in 
Lehm übergeht; auf den Schichtfiächen lagert hellblauer Vivianit, 
an einzelnen Stellen bildet derselbe Knollen. Herr Rob. Gemböck 
fand daselbst im Jahre 1895 (Liuzer Tagespost Nr. 89 v. 20. April 
1898) Holz- und Rindenstücke, sowie Coniferenzapfen, alles mit 
Vivianit überzogen, ferner Flügelfrüchte, Coniferennadeln, Reste von 
Käfern und anderen kleinen Insecten. 

Ausserhalb Mondsee bei den Brauereikellern an der Salz- 
burger Strasse, dort, wo Bahn und Strasse unmittelbar nebeneinander 
laufen (bei der Eisenbahnhaltestelle „Keller"), befinden sich vier 

1) Siehe auch Verhandlungen der k. k geol. K.-A. 1894, Seite 185 u. 209. 



346 Eberliard Fiigger. [60] 

Steinbrüche im Flysch (47); alle zeigen dieselbe Schichtung in h 6 
bis 7 mit südlichem Einfallen. 

Im ersten Graben östlich der Haltestelle Vetterbach 
der Salzkammergut-Localbahn steht, etwa 50 Schritte von den Schienen 
entfernt, Flysch an (48) in h 5 bis 6 mit nördlichem Einfallen; nach 
weiteren 50 Schritten mit sehr steilem südlichen Fallen. Im ersten 
Graben westlich der Haltestelle, sehr nahe derselben (49), ist die 
Schichtung dieselbe, auch mit steilem südlichen Einfallen. Im zweiten 
Graben westlich der Haltestelle (50) sah ich das Fallen steil nach 
Nord mit Wülsten an der Südseite. 

Bei der Ortschaft Obervetterbach überbrückt die Bahn einen 
ziemlich breiten Bach, den Vetterbach, den östlichsten Zufluss 
des Fischbachs. (Siehe die Kartenskizze auf Taf. XII.) Etwa 450 
Schritte von der Eisenbahnbrücke bachaufwärts beobachtet man den 
ersten deutlichen Aufschluss (51) in h 7 mit nördlichem Fallen ; 
nach weiteren 100 Schritten stehen am rechten Ufer (52) massige, 
fast metermächtige Bänke in h D mit Fallen nach SW ; am linken 
Ufer in einem Steinbruch (53) streichen sie nach h 7 mit südlichem 
Fallen. Vierzig Schritte weiter aufwärts steht die erste Steinbruch- 
hütte, hier (54) ist das Streichen Südnord mit westlichem Verflachen. 
Nach 150 Schritten erreicht man das zweite „Bruchhäusl", das 
Streichen ist hier (55) von Südwest nach Nordost mit Einfallen nach 
Nordwest. 80 Schritte weiter ist die Lagerung im Bachbette ent- 
blösst (56) in h 4 bis 5 mit Fallen nach NNW und Wülsten in SSO ; 
diese Schichtung lässt sich 70 Schritte weit im Bache aufwärts ver- 
folgen. Nach einer Strecke von weiteren 180 Schritten ist am linken 
Ufer ein grosser Steinbruch (57) auf Sandsteinplatten eröffnet, in 
demselben mass ich die Schichtung mit h 2 und westnordwestlichem 
Verflachen. Man findet hier Chondrifes Targionü Brongn. und intri- 
catns 8ternhg., Kohlensandsteine und hübschen Florentiner Marmor. 

Bald oberhalb dieses Steinbruches erhält der Bach einen seit- 
lichen Zufluss, und es ist sowohl im rechten, wie im linksseitigen Arm 
auf eine lange Strecke nirgends mehr die Lagerung blossgelegt. 

Erst oberhalb der Isohypse 600, an welcher Stelle eine Strasse 
durch den rechtsseitigen Zufluss führt, findet man wieder anstehendes 
Gestein, Mergel und Sandsteine (58) am rechten Ufer in h 2, 10" 
mit nordwestlichem Einfallen; auf den Schichtflächen der letzteren 
sieht man an der Südostseite kleine Knoten und cylindrische Wülste. 
Weiter aufwärts (59) ist das Streichen in h 5, 10*^ mit südlichem 
Fallen und Wurmgängen und Wülsten mit kugelförmigen Knöpfen 
an der Nordseite. Weiterhin ziehen die Schichten quer durch den 
Bach, es bilden sich mehrere kleine Wasserfälle über dieselben. 
Beim ersten (60) streichen die Schichten in h 5, 5'J mit südlichem 
Verflachen; beim zweiten Wasserfall (61) ist das Streichen unver- 
ändert, die Schichten stehen fast senkrecht und tragen Kegelwülste 
und kleine fingerförmige Wülste an der Südseite. Die mergeligen 
Sandsteine zeigen schalige Structur, Nach 35 bis 40 Schritten zieht 
sich eine Wand etwa 6 m den Bach entlang {}ö2), anfangs in h 11, 5" 
mit westlichem Einfallen, dann in h 10, 5". Zehn Schritte weiter 
oben (63j stehen die Schichten wieder senkrecht in h 6, 10". Nun 



[61] Das Salzburgcr Vorland. 347 

folgen iiacheinaiider in grösseren oder kleineren Abstanden fünf 
Wasserfälle (04) mit Streichen in h 8 bis h 8, 5'^ und Einfallen nach 
SVV mit dem unveränderten Neigungswinkel von 50". 

Weiter oben bilden die Flyschplatten (()5) am linken Ufer die 
Böschung in h 8, lO" mit südwestlichem Einfallen auf eine Strecke 
von 30 Schritten ; dann veranlassen die quer durch den Bach ziehen- 
den Schichten (66) wieder einen kleinen Wasserfall, die Lagerung 
ist in h 7, 5** mit sehr steilem südsüdwestlichen Einfallen. Die 
schalige Structur der Sandsteine ist hier sehr häutig. Wenig weiter 
aufwärts am Bache befindet sich wieder ein Aufschluss (67) mit 
gleichem Streichen und nur weniger steilem Einfallen; an der NNO- 
Seite der Schichten beobachtet man kleine Kegelwülste mit Knopf. 
Weiterhin ist die Lagerung (68) h 6, 5" mit südlichem Verflachen. 

Nun führt in etwa 750 m Meereshöhe eine Strasse durch den 
Graben. Oberhalb derselben trifft man auf mehrere Wasserfälle oder 
Stufen über Flyschplatten (69), welche in h 5, 5" streichen und steil 
nach Norden fallen ; und in der Höhe von 780 m findet man den 
letzten Aufschluss von Flysch (70) mit derselben Lagerung. Weiter 
hinauf beobachtet man nur Moränen bis etwa in die Meereshöhe von 
800 m. Höher hinauf ist im Graben durchaus bloss Schutt zu sehen. 

Brückner 1) fand überhaupt am Südgehänge des Colomanns- 
berges drei verschiedene Ufermoränenwälle mit den Culminationen 
in 798, 705 und 640 m Meereshöhe. Auch am Westgehänge desselben 
konnte er ähnliche Moränenwälle nachweisen. 

Der nächste Graben westlich vom Vetterbach ist der Pfarrer- 
Graben. Er entspringt im Tanzberger Moos, etwa 780 w über dem 
Meere, bildet stellenweise einen sehr tiefen Einriss, erreicht beim 
Pfarrhofe die Thalsohle und mündet unterhalb Thalgau in den Fisch- 
bach. In unmittelbarer Nähe des Pfarrhofes beobachtet man anstehen- 
den Flysch (71) in h 7 mit sehr steilem nördlichen P^infallen ; dann 
folgt am rechten Ufer ein verfallenes Kellerhäuschen und unmittelbar 
hinter demselben ein Steinbruch (72) mit Mergelkalkbänken, die eine 
Mächtigkeit bis zu 90 (W besitzen; die Lagerung ist in h 6 mit 
steilem Fallen nach Nord und Wülsten an der Südseite. Chondrites 
intricatus iStenihg. ist hier sehr häufig. 

Diese Lagerung lässt sich vom Kellerhäuschen weg bachaufwärts 
durch eine Strecke von mehr als 60/« verfolgen. Etwa 150 Schritte 
weiter oben {73) ist wieder dieselbe Schichtung blossgelegt. Nach 
weiteren 80 Schritten ist der Graben auf eine Strecke von beiläufig 
150 m sehr tief eingerissen und bildet der Bach zahlreiche Cascaden 
über die Schichtenköpfe der Sandsteine und Mergel, welche auch 
weiterhin (74) durch mehr als 70 m Länge bei geringerem Gefälle 
dasselbe Streichen, aber ein schwächeres Einfallen zeigen. Nun führt 
eine fahrbare Brücke über den Bach. Oberhalb derselben (75) ist 
noch auf 20 Schritte das anstehende Gestein mit dem bisherigen 
Streichen und Fallen entblösst; dann sieht man auf 50 Schritte nur 
Schutt im Bachbette. Hierauf zeigt sich eine veränderte Streich- 
richtung (76) und anderes P^infallen; die Schichten haben sich näm- 

^) Vergletscheiung etc., Seite 36. 



348 Eberhard Fugger. [62] 

lieh nach h 9 mit Einfallen nach SW gedreht, und diese Lagerung 
lässt sich mit geringer Unterbrechung durch 115 Schritte verfolgen. 

Nun ist abermals auf circa 40 m Länge nur Schutt sichtbar, 
dann (77) tritt wieder anstehendes Flyschgestein in der normalen 
Streichrichtung von West nach Ost mit nördlichem Einfallen auf. 
An dieser Stelle führt ein Steg über den Bach, der die rothe 
Markirung für den Weg auf die Höhe des Colomannsberges trägt. 
Oberhalb des Steges ist nur Flyschschutt im Bachbette bemerkbar 
und weiterhin bis zu seinen Quellen nur mehr Lehm. 

Das Felsgestein ist am Gehänge fast überall von einer sehr 
mächtigen lehmigen Schichte überdeckt, die an einzelnen Stellen 
die Dicke von zwei und mehr Metern besitzt; bei einer Grabung 
nächst der Villa Gärtner hat man in der Tiefe von 3w das 
Liegende der Lehmschichte noch nicht erreicht. 

An der Fahrstrasse, welche westlich der Villa Gärtner vom 
Bräukeller aufwärts gegen Thalgauberg führt, steht kaum 15m 
über der Thalsohle (78) wiederholt Flysch an in h 6, 5^ mit nörd- 
lichem Einfallen. 

Der nächstfolgende Graben gegen Westen ist der des Tanz- 
berg e r B a c h e s. Er entspringt ebenfalls im Tanzberger Moos 
und mündet in den Fischbach. Etwa 25 m über der Thalsohle 
von Thalgau trifft man hier anstehende Mergel (79) in h 7, 5*^ 
mit sehr steilem Fallen gegen NNO ; weiter oben (80) Sandsteine 
in h 6 mit mehr oder weniger steilem nördlichen Fallen. In etwa 
670 m Meereshöhe geht das bisher nördliche Einfallen bei gleich- 
bleibender Streichrichtung in ein steiles südliches über (81); das 
Flyschgestein ist durch 40 m blossgelegt, dann kommen einige kleine 
Wasserfälle, darunter einer von 4 m Höhe ; nach 30 m Weges folgt 
ein Wasserfall von 2 m Höhe, und von hier beobachtet man die 
gleichbleibende Lagerung noch durch beiläufig 50 m. Nun folgt eine 
grosse Krümmung des Baches, das Gefälle wird bedeutend geringer. 
Nach 40 bis 50 m steht wieder Flysch an in derselben Lagerung. 
Nach kurzer Unterbrechung beobachtet man fast ununterbrochen 
auf eine Strecke von 190 Schritten wieder anstehenden Flysch in 
unveränderter Schichtung, bis man das Moor erreicht, in welchem 
sich die Quellen des Baches befinden. 

Bei Alberstadt, zwischen dem Tanzberger- und dem Mittellauf 
des Fischbachgrabens, fanden wir in den glacialen Schottern einzelne 
Stücke von Nummulitengesteinen aus dem Bartonien ; der dritte Punkt 
im Vorlande, wo diese Gesteine als Findlinge auftreten. Es müssen 
daher irgendwo im Süden des Heuberges und Colomannsberges jün- 
gere Nummulitenschichten anstehen, von denen bisher nichts bekannt 
ist, oder es hat der Salzach-Gletscher einmal einen Arm durch das 
Thal des Alterbaches bis in die Gegend von Thalgau gesendet. Im 
letzteren Falle bleibt es immer noch schwer verständlich, wie Gesteine 
vom linken Gletscherufer in einen nach rechts abzweigenden Arm des- 
selben gekommen sind. 

Der F i s c h b a c h g r a b e n ist der interessanteste des Colomanns- 
berges. Er erhält sein Wasser von den Gehängen der Höhenzüge 
zwischen Zifanken, Plaik, Colomannstaferl und Colomannskopf, nimmt 



[63] Das Salzburger Vorland. 349 

unten im Thal den Bruiinbacli und Vetterbacli auf, um sich bei Ober- 
vetterbach mit der Fuschler Ache zu vereinigen. 

Zwischen der Station Irlach und dem ersten steinernen Wehr 
der Wildbachverbauung beobachtet man (82) das Streichen in li 6 
mit südlichem Einfallen; gerade unterhalb dem Wehr (88) in h 4 
mit sehr steilem südöstlichen Fallen; 400 Schritte oberhalb dem 
Wehr (84) dasselbe, nur mit weniger steilem P]infallen. 150 Schritte 
weiter ist das Streichen (85) nach h 8 mit südsüdwestlichem Fallen 
gedreht, und nach weiteren 50 Schritten (86) in h 1, 10'' mit west- 
nordwestlichem Verflachen, Diese letztere Lagerung ist auf 150 
Schritte im Bachbette und am Ufer blossliegend; dann beobachtet 
man wieder (87) das Streichen in h 11 mit westlichem Fallen und 
nach 80 Schritten (88) ist die Schichtung normal in h 6 bis 7, jedoch 
mit Einfallen nach Süd. Nach 20 Schritten sind Schichten bloss- 
gelegt (89) mit Streichen nach h 7 und südlichem Einfallen, welche 
an der Nordseite Wülste tragen. 70 Schritte weiter aufwärts beob- 
achtet man die Lagerung (90) in h 12 mit westlichem Fallen und 
Wülsten an der Ostseite. Diese Lagerung ist deutlich erkennbar 
durch eine Strecke von 90 Schritten, dann dreht sie sich (91) nach 
h 11, 50 mit demselben Fallen nach West; auch hier sind Wülste 
an der Ostseite bemerkbar. Nach 120 Schritten (92) beobachtet 
man wieder das Streichen nach h 7 mit Einfallen nach Süd, nach 
weiteren 164 Schritten (93) in h 5 mit steilem südlichen Fallen und 
Wülsten in Nord, und nach 70 Schritten (94) bei einem Stege, der 
über den Bach führt, h 4, 7^ mit steilem Einfallen nach NNW. 
Zehn Schritte oberhalb des Steges ist das zweite Steinwehr der 
Wildbachverbauung. Hier vereinigen sich die beiden Arme des 
Fischbaches, von denen der eine aus dem Gärtnermoos im Nordosten, 
der andere von der Plaik im Nordwesten herabkommt. 

Steigen wir zunächst im G ä r t n e r m s a r m aufwärts. Hier 
beobachten wir 30 Schritte oberhalb dem zweiten Wehr (95) die 
Lagerung in h 3 mit steilem Fallen nach Südost, 30 Schritte 
weiterhin (96) mit steilem nordwestlichen Einfallen. Bis zum dritten 
Wehr, etwa 400 Schritte, ist nirgends eine Schichtung blossgelegt. 
Bei dem dritten Wehr (97) steht Flyschmergel an in h 4, 10" in 
senkrechten Schichten, 50 Schritte weiter (98) fast ebenso (in h 5) 
und auch senkrecht. Nach 150 Schritten (99) beobachtet man das 
Streichen in h 7 mit Fallen nach Süd und Wülsten in Nord; diese 
Lagerung ist auf 60 Schritte hin entblösst. Nach weiteren 80 Schritten 
(100) ist das Streichen stark gedreht, in h 3, 7» mit sehr steilem 
Einfallen nach Nordwest. An der Nordwestseite der Schichten sind 
zahlreiche Chondriten, an der Südostseite Wülste. Nun bleibt die 
Lagerung durch circa 340 Schritte ziemlich unverändert (101 bis 
106) in h 4 mit nordwestlichem Einfallen und Wülsten an der Süd- 
ostseite. 200 Schritte oberhalb Punkt 100 ist den Mergeln und 
Sandsteinen, welche im ganzen Gebiete fortwährend wechsellagern, 
eine Breccie von etwa 12 cm Mächtigkeit eingelagert. 

140 Schritte oberhalb der Breccie zeigt sich abermals eine 
Aenderuug in der Lagerung (107), die Schichten streichen in h 7 
mit flachem Einfallen nach Süd, nach 30 Schritten (108) fallen sie 

.lahi'buch d. k. k. geol. Reiclisaiistalt, 1899, 49. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 45 



350 Eberhard Fugger. [64] 

steil nach Nord und zeigen Wülste an der Südseite, 40 Schritte 
weiterhin beobachtet man dieselbe Lagerung ; dann nach 25 Schritten 
(lO'.t) folgt abermals eine Drehung, das Streichen geschieht in h 11 
mit Phallen nach West und Wülsten in Ost, zu beobachten durch 
40 Schritte; nach weiteren 40 Schritten (HO) dreht sich das Streichen 
nach h 11, 10**, ebenfalls mit westlichem Verflachen und Wülsten in 
Ost; und nach wieder 30 Schritten (111) beobachten wir abermals 
eine veränderte Lagerung, und zwar in h 2 mit Einfallen nach Nord- 
west und Wülsten in Südost. Nach 40 Schritten sehen wir dieselbe 
Schichtung und ebenfalls Wülste in SO Nach abermals 40 Schritten 
bildet der Bach einen kleinen Wasserfall, die Schichtung ist unverändert 
und enthält die Einlagerung einer Breccie. 10 Schritte weiter oben 
fanden wir prächtige Exemplare von Taenidiwn Fischeri Heer, sowie 
Chondrites ajfinis Sternbg. und Ch. intricafus Sternhg. im Mergel. 
Nach 80 Schritten (112) ist das Streichen in h 3, nach weiteren 
50 Schritten (113) wieder in h 2 mit Fallen nach Nordwest. An der 
Südostseite der Sandsteine befinden sich Kegelwülste von merk- 
würdiger Grösse ; ich mass eine Wulst mit 40 cm Länge und 25 cm 



Fig. 16. 




Breite; an dem breiten Ende erhob sie sich steil aus der Sand- 
steinplatte, 15 cm hoch, um dann am entgegengesetzten Ende spitzer 
zulaufend, sich wieder allmälig in die Platte zu verlieren. 

Nach 83 Schritten (114) stehen die Schichten senkrecht in h4 
bis 5, nach weiteren 40 Schritten (115) zeigt sich ein Wasserfall und 
Reste von Kugelmühlen ; die Schichten stehen noch unverändert 
senkrecht in h 4 bis 5 und ist diese Schichtung durch weitere 40 
Schritte blossgelegt, dann drehen sie sich nach h 3 mit nordwest- 
lichem Verflachen. Nach 30 Schritten beobachtet man im Bache 
eine Höhlung von circa 1*5 m Tiefe zwischen den Schichten, die 
etwa 1 m weit ist: eine förmliche Wanne mit parallelen Wänden. 
Zwei Schritte oberhalb dieser Stelle (116) ist die Schichtung 
am linken Ufer (Fig. 16) in h 3 mit nordwestlichem Fallen (a) und 
am rechten Ufer wenig weiter oben in h 6 theils senkrecht, theils 
steil nach Süd fallend, mit Wülsten in Nord (&\ 20 Schritte weiter oben 
erreicht man die Brücke und bald darauf die Steinschlagermühle 
(117). Bei derselben ist die Schichtung in h 7, 5^ mit steilem süd- 
lichen Einfallen und Wülsten an der Südseite. Gegenüber der Mühle 
am rechten Bachufer zeigt sich eine eigenthümliche Schichtenbiegung, 
die sich am besten durch die nachstehende Zeichnung (Fig. 17) dar- 
stellen lässt. Die Schichten stehen im allgemeinen vertical. 



[6r, 



Das Salzbiirger Vorland. 



351 



Weiterhill zeigt sich im Bach aufwärts nur Moränenschutt bis 
zum Gärtnermoos, einem mäclitigen Torfmoor. 

Im riaiker Arm trifft man 80 Schritte oberhalb des zweiten 
Wehrs der Wildbacliverbauung, d. i. oberhalb der Vereinigung der 
beiden Arme des Fischbachgrabens, eine Brücke und 27 Scliritte 
oberhalb dieser einen Steinbruch am rechten Ufer im Flyschgestein ; 
eine Schichtung ist jedoch nicht erkennbar. 200 Schritte weiter 
oben im Bach (118) beobachtet man die Lagerung in h (> mit süd- 
lichem Einfallen und daneben in h 1, 0^ mit Fallen nach WNW; 
nach 65 Schritten (119) h 1 mit westlichem Fallen; nacli weiteren 
30 Schritten (120) h 9 mit scliwachem Verflachen nach SW und 
wieder nach 30 Schritten (121) h 6 mit südlichem Einfallen. Hier 
erhält der Bach am rechten Ufer einen Zufluss und nun ist auf 
210 Schritte kein Aufschluss bemerkbar. 

Nach dieser Strecke ist die Lagerung (122) in h 3, 10^ und 
90 Schritte später (123) in h 2, 4^, beidemale mit südöstlichem Ein- 
fallen; nach weiteren IG Schritten (124) aber fallen die Schichten 
unter 60" nach Nordwest. An dieser Stelle sind den Mergeln schwarze 



Fig. 17. 



s 




N 



Schiefer eingelagert und unter den Schiefern bemerkt man an der 
Nordwestseite der Mergel zahlreiche Chondriten. Nach 100 Schritten 
ist die Lagerung wieder normal, d. h. die Schichten streichen von West 
nach Ost; anfangs (125) fallen sie nach Süd, ebenso 20 Schritte weiter 
oben (126), nach 303 Schritten aber (127) fallen sie steil nach Nord, 
mit Wülsten in Nord, aber schon fünf Schritte später wieder steil 
nach Süd; nach 34 Schritten (128) fallen sie wieder sehr steil nach 
Nord und zeigen Wülste an der Nordseite, nach 150 Schritten (129) 
aber ziemlich steil nach Süd. Hundert Schritte weiter oben nimmt 
der Bach rechts einen Zufluss auf, nach weiteren 340 Schritten (130) 
befindet sich eine Brücke, und hier stehen die Schichten senkrecht 
in h 4, sich mehr oder weniger biegend und parallel zur Bach- 
richtung. Sie sind hier auf eine lange Strecke blossgelegt; nach 
75 Schritten erhält der Bach rechts wieder einen Zufluss, die Lagerung 
bleibt unverändert durch weitere 110 Schritte, dann (131) biegen 
sich die Schichtplatten nach h 5 bis 6 mit steilem südlichen Einfallen. 
Nach 30 Schritten trifft man wieder eine Brücke und 55 Schritte 
oberhalb derselben (132) eine neue Schichtenstörung. Diese streichen 
in h 9 mit steilem Phallen nach Südwest, und unmittelbar daneben 
in h 3, 70 mit ziemlich steilem nordwestlichen Fallen. An den Mergeln 
der erstereu Partie befinden sich Chondriten und schön erhaltene 

45* 



352 Eberhard Fugger. [66] 

Spirsd- Taonurus an ihrer Südwestseite, an den Mergeln der letzteren 
Lagerung Chondriten an der Südostseite der Schicht. Nach 30 
Schritten (133) ist das Streichen in h 10, 10« mit Fallen nach WSW 
und Chondriten in WSW. Hier fanden wir einen Taonurus mit zwei 
Seitenästen von untenstehender Form (Fig, 18) und gewaltigen 
Dimensionen : der gerade Stamm zeigte eine Länge von 23, der obere 
Seitenarm 22 cm, und die Breite eines Armes betrug 2 bis 3 cm. 
10 Schritte weiterhin stehen die Platten senkrecht in h 7, 10«, 
nach abermals 10 Schritten in demselben Streichen, aber in sanftem 
Fallen nach NNO. 

100 Schritte später steht wieder eine Brücke, 175 Schritte (135) 
oberhalb derselben ist die Schichtung in h 7 mit steilem nördlichen 
Einfallen, nach 180 Schritten (135) in h 12 mit östlichem Verflachen 
und nach 16 Schritten (136) in h 6 mit südlichem Verflachen. Hier 
zeigen sich an der Südseite deutliche Kegelwülste und ebenso jene 

Fig. 18. 




eigenthümliche grüne Schichte. Nach 115 Schritten steht wieder 
eine Brücke über den Bach, dieser selbst aber wird eng und unbe- 
deutend, und zeigt weiterhin keinen Aufschluss mehr. 

In dem kleinen Graben, welcher in der Einsenkung zwischen 
der Kleinen Plaik und dem Zifanken entspringt und sein Wasser 
dem Plaiker Arm des Fischbachgrabens an dessen rechtem Ufer 
zuführt, beobachtet man etwa in der halben Höhe zwischen der 
Quelle und der Mündung dieses Zuflusses (137) die normale Lage- 
rung in h 6, 100 y^iü südlichem Einfallen, aber schon 80 Schritte 
weiter abwärts (138) biegt sich dieselbe in h 8, 5^ mit südwestlichem 
Fallen. 

Bei der Haltestelle Enzersberg sind sehr steinige Moränen 
blossgelegt, welche sich bis in die Nähe von Irlach verfolgen lassen; 
weiter thalabwärts geht die Moräne in eine erdiglehmige Masse über, 
welche vereinzelte grössere oder kleinere, abgerollte oder kantige 
Steine enthält, die von der Lehmmasse innig umschlossen werden. 
Dieser Lehm bedeckt den Boden des Thaies von Thal sau in einer 



[671 I^as Salzbiuger Vorland, 35;} 

Mächtigkeit von o bis 4 m, darunter folgt Schotter, in welchem circa 
7 m unter der Thalsohle das Niveau des Grundwassers liegt, wie 
durch verschiedene Brunnenbohrungen im Dorfe Thalgau nachgewiesen 
wurde. 

Die Zahl der Aufschlüsse in dem grossen Gebiete des Colomanns- 
berges ist mit Ausnahme des Hattinger Grabens und der (iriiben von 
Thalgau eine verhältnismässig geringe. Noch geringer ist die Zahl 
der Punkte, an welchen Kegelwülste auftreten. Trotz dieser Ver- 
hältnisse scheint sich eine Antiklinale und eine Synklinale feststellen 
zu lassen, welche sich quer durch das Gebiet hinziehen. PJine Linie, 
die von Henndorf über Lichtentaun durch den Neufahrnwald nach 
Zell am Moos führt, kennzeichnet sich als Antiklinale, indem die 
nördlich derselben gelegenen Schichten die Kegelwülste an der Süd- 
seite, die südlich davon auftretenden an der Nordseite haben. Eine 
zweite Linie, etwa von Neuhofen über Enzersberg und Stollberg nach 
Kasten am Zeller Bach, entspricht der Lage der Wülste nach einer 
Synklinale, die allerdings im Fischbachgraben durch gewaltige Störungen 
unterbrochen ist. 

Mit Ausnahme des eben genannten Grabens ist das Streichen 
der Schichten im ganzen Gebiete im allgemeinen von West nach Ost 
oder von Westsüdwest nach Ostnordost, während das Fallen bald 
gegen Nord, bald gegen Süd gerichtet ist, meist mit steilem Einfalls- 
winkel, eine Lagerung, die ebenso auch in den anderen Theilen des 
Salzburger Vorlandes, soweit dieses dem Flyschgebiete angehört, 
die vorherrschende ist. 



Kirchberg: (1) h 3 <p 85 SO. — (2) h 9 'f 40 NO. 

Staller: (3) h 4 tp 25 N. 

Fuchshof: (4) h 2, 8" cp 75 NW; Wülste in NW. 

Hof: (5) h 1, 7° 'f 40 WNW. 

Zifanken: (6) h 9 cp 86 SW; Wülste in NO. 

Hiibergiit: (7) h 4, 10» bis h 5, 10° cp 50 S; Wülste in N. 

G r ab el graben: (8) h 6 «p 35 S; Wülste in N. 

Kleine Plaik: (9) h 6 ^ 20 S. 

Henndorfer Fisch er graben : (10) h 6, 5" f 45 S. 

Vi erlin g: (11) h 7, 2« cp 70 «. 

Brennessgraben: (12) h 6, 12" 'i> 35 S. — h 7 bis 8 'f 45 S. 

Spielberg: (13) h 7, 3" 'f 50 S. 

Wiedweng: (14) h 8, 7" 'f 90. — h 8, 7" -f 84 SW; Wülste in SW. 

Glemeckgraben (15) h 4 bis 5 -f 20 N; Wülste in S — (IC) h 8, 10" -f 45 SW. 

Pfongau: (17) h 9 cp 27 NO. 

Hattingor Graben: (18) h 5, 5" cp 50 S. - (19) h 6, 5" v 85 N. — (20) h 6, 
10" 'x> 84 S. — h 6, lO" * 83 N. — (21) h 5, 5" cp 9U. — (22) h 5, 5" 'f 
60 S. — (23) h 8, 10" cp 40 SW. — h 10, 5° 'f 40 WSW. — (24) h 9, 5" 'f 
30 SW. — (25 h 9, 5" ^ 50 SW. — (26) h 9, 5" 'f 45 SW. — (27) h 8, 5" 
'-& 50 SW. — h 6, 10" 'Jä 30 S. — (28) h 8 tp 35 SSW. — (29; h 6, 5" « 
60 S. — (30) h 5, 5" '^ 9 '. — h 7, 5" f 90. — (31) h 5. 5" -f 60 S. — 
(32) h 6, 5" 'f 55 S. — (33) h 6, 5" 'f 40 S. — (34) h 8, 5« 'f 50 SW ; 
Wülste in NO.' 

Biesenbachgraben: (35) h 6 * 28 S. - h 6 tp ^0 S. — (36) h 6 bis 7 -f 
4Ü S. — (37) h 6 (p 40 S. — '(38) h 6 f 40 S; Wülste iu S. 



354 Eberhard Fngger. [68] 

Stadelberggraben: (39) h 4 bis 5 'f 40 SSO. — (40) h 4, 7« '^ 35 NNW; 
Wülste in SSO. — (41) h 9, 6° cf 12 SW. — h 9, 6" 'f 65 SW. 

Ederbauer: (42) h 2 'f 20 0. - h 6 -f 8 N. 

Haunstätter Graben: (43) h 8 bis 9 -f 85 NO. — (44) h 8, 3" i- 65 NO. — 
(45) h 11, 2° 'f 90. — h I, 11" cf 74 OSO. 

Zeller Graben: (46) h 9 'f 60 SW ; Wülste in NO. 

Mondsee: (47) h 6 bis 7 'f 50 S. 

Haltestelle Vetterbach: (48) h 5 bis 6 'f 50 N. -- h 5 bis 6 -v 85 S. — 
(49) h 5 bis 6 (f 75 S. - (50) h 6 'f 75 N; Wülste in S. 

Unterer Vetterbacli: (51) h 7 '^ 50 N. — (52) h 9 'i 25 SW. — (53) h 7 
cp 30 S. — (54) h 12 '^ 15 W. — (55) h 3 bis 4 'i> 60 NW. — (56) h 4 bis 
5 'f 50 NNO; Wülste in SSO. — (57) h 2 'f 15